Beachtenswert

Die Abenteuer des Richard Dean Donahue - Teil 3

Weiter geht es mit Teil 3 der Abenteuer des Richard Dean Donahue von A.G. Piel mit Illustrationen von Felix Moebius.

Nach zwei weiteren Whisky beschloss er, sich den Rest der Nacht lieber direkt am Lufthafen um die Ohren zu schlagen.
Dort angekommen, musste er nur eine halbe Stunde warten, bis der Zoll öffnete und er tatsächlich besagtes Paket ausgehändigt bekam. Darin befanden sich, neben den Hin- und Rückflugtickets nach Edinburgh, zehn Pfund, sowie ein gefaltetes Blatt Papier. Dean starrte das viele Geld lange an, ehe er es in seiner Börse verstaute, dann machte er sich auf den Weg zu seinem Flugplatz.
Während er auf die Ankunft der Kutsche wartete, öffnete er das Papier und entdeckte darauf eine Skizze, die er eingehend betrachtete. Das musste das Blaue Auge des Horus sein.
Den Maßangaben nach musste das Auge etwa fünf Zoll lang und zweieinhalb Zoll breit sein. Es hatte spitze, geschwungene Enden und war aus irgendeiner Art Stein gefertigt, wenn Dean die angedeutete Maserung nicht missinterpretierte. Pupille und Iris waren eingearbeitet, hoben sich farblich aber nicht ab. Während Dean die Zeichnung anstarrte, bekam er mehr und mehr das Gefühl, sie blicke zurück.

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Die Dampfkutschen nach Edinburgh wurden kurze Zeit später ausgerufen. Mit unbewegter Miene sah er zu, wie ein Dutzend der schweren, schwarzen Gefährte aus dem Himmel herabsank und zischend landete. Der charakteristische Ausstoß von weißem Dampf, kurz nach dem Absacken am Boden, ließ ihn zusammenzucken. Ein Schaffner in taubengrauer Uniform trat an ihn heran, lochte sein Ticket und verwies ihn an Eintritt Nummer Drei, nachdem er kritisch sein malträtiertes Gesicht betrachtet hatte.
Außer Dean stand niemand an der Kutsche an. Ihm was es nur recht, dass er alleine flog. Niemand musste sehen, wie er in Schweiß ausbrach, sobald es in die Lüfte ging. Dean hasste das Fliegen nach wie vor, und in so kleinen Gefährten ganz besonders.
In der Kutscherkanzel saß ein älterer Mann mit weitem, grauem Backenbart, der ihm freundlich zunickte, so als könne er seine Angst riechen. Dean schenkte ihm ein gequältes Lächeln und stieg ein, ehe er es sich noch anders überlegte. Die Aussicht, im Sumpf ermordet zu werden, erschien ihm plötzlich beunruhigend reizvoll.
Kaum dass er auf der roten Lederbank saß, stellte er seine Tasche ab und zog hastig die dünnen Gardinen vor den Fenstern zu. Die Kutsche brummte unter ihm und ließ seine Beine sacht vibrieren. Er reiste nobel, doch er vermutete, dass es seinen mysteriösen Auftraggebern mehr um die Schnelligkeit des Fortbewegungsmittels ging; mit einer gewöhnlichen Kutsche benötigte man Tage von Inverness nach Edinburgh.
Sein Finger verkrampften sich an den goldenen Haltegriffen, als das Brummen schlagartig zunahm. Der Schaffner pfiff, dann begann der Luftkutscher mit dem Ablegemanöver. Dean schloss die Augen und presste sich hart mit dem Rücken ins Polster. Er entspannte sich erst, als das Rauschen des Lufthafens verklungen war und das aufgeregte Schnaufen der Kutsche zu einem zufriedenen Summen wurde.
Voll Widerwillen zwang er sich dazu, die Haltegriffe loszulassen und die Augen zu öffnen. Er hatte etwa drei Stunden Zeit, die er, seinem Zustand nach, dringend mit Schlafen verbringen sollte, aber dafür war er selbstredend zu nervös. Nachdem er zweimal die Maggy durchgecheckt hatte, überflog er ein weiteres Mal die Nachricht aus der „Tavern“.
W.H. Ein beliebiges Kürzel, aber Dean war sich sicher, dass sich dahinter der seltsame Gentleman aus den Sümpfen verbarg. Er legte die Zeichnung des Auges neben den Brief und verglich die Schrift der Maßangaben mit der W.H.’s – es war nicht dieselbe.
Seufzend griff er nach dem Sprechrohr, das ihn mit der Kutscherkanzel verband, und brachte seine Lippen nah davor.
„Entschuldigung, aber … stammen Sie zufälligerweise aus Edinburgh?“
Es knackste und krächzte, ehe die Stimme des Luftkutschers blechern zurückscholl: „Dort geboren und aufgewachsen, ja. Worum geht’s?“
„Ich bräuchte die Adresse einer guten Bibliothek. Können Sie mir etwas empfehlen?“
„Wie wär’s mit der Universität? Mehr Bücher gibt’s nirgendwo sonst.“
Dean überlegte kurz, ehe er weitersprach: „Wäre es ein großer Umweg, mich dort direkt abzusetzen? Ich meine … außer mir befindet sich doch gerade niemand hier drin.“
„Ein guter Witz!“ Der Kutscher lachte. „Tut mir leid, aber das geht nicht. Die Bestimmungen sind eindeutig.“
„Und wenn ich mir das ein Pfund kosten lasse? Kommen Sie, Mann … ein ganzes Pfund!“
Der Kutscher schwieg lange, dann öffnete sich neben dem Sprechrohr ein kleines Messingfach. „Packen Sie das Geld da rein. Wenn Sie mir wirklich ein Pfund zahlen, soll’s mir recht sein – dafür fliege ich Sie bis nach London, wenn’s sein muss!“
Dean tat wie geheißen; das Fach schloss sich wieder, etwas rasselte, gleich darauf hörte er wieder die Stimme des Kutschers: „Also schön. Nächster Halt: Universität von Edinburgh!“
Als er sich zurücklehnte, meinte er ein leises „Verrückter Amerikaner!“ zu hören, doch er kümmerte sich nicht darum, sondern schloss die Augen und versuchte, eine halbwegs bequeme Position auf der Polsterbank zu finden. Nach wenigen Minuten des stillen Verharrens fluchte er und holte die Maggy hervor, um ein drittes Mal den Sitz der vielen kleinen Schrauben und Rädchen zu kontrollieren.

Etwa dreieinhalb Stunden später sank die Dampfkutsche auf dem privaten Landeplatz der Universität von Edinburgh zu Boden. Das Zischen war noch nicht vollständig verklungen, da öffnete Dean schon die Klappe, sprang heraus und lief los, dankbar für den festen Untergrund unter seinen Stiefeln. Als er die dichte, weiße Wolke verließ, prallte er beinahe mit zwei Studenten zusammen, die das Spektakel neugierig beobachtet hatten.
„Sind Sie ein Dozent?“, fragte einer von ihnen großäugig.
„Klar. Für Archäologie!“, antwortete er grinsend, tippte sich an seinen imaginären Stetson und ging schnell weiter.
Es dauerte nicht lange, bis er sich zur Zentralbibliothek durchgefragt hatte. Dort wiederum wurde er in den Keller verwiesen, als er sich nach einem Register zu den Gesellschaften, Vereinigungen und Bündnissen Schottlands erkundigte.
Er benötigte fast eine Stunde, bis er endlich den richtigen Index zur Hand hatte und die Signaturen weiterer Bände herausschreiben konnte, in denen es einen Vermerk über die Gesellschaft zur Pflege erhaltenswerter Kleinode gab. Es erstaunte ihn nur wenig, dass die meisten dieser Bände in der Bereichsbibliothek der ägyptologischen Forschung zu finden waren. Dort angekommen, trug er alles zusammen, was er zu der Gesellschaft fand; allzuviel war es nicht.
„1821 gegründet“, murmelte er und notierte sich das Datum, „Hauptsitz unbekannt, Mitgliederzahl unbekannt, Einnahmequellen, Wirkbereich, Absichten … wer hätte es gedacht? Weitgehend unbekannt. Förderer der archäologischen Ausgrabungen bei Gizeh durch Auguste Ferdinand François Mariette im Jahre 1860.“
Mit einem Seufzen richtete er sich auf. Ihm tat vom vielen Bücherschleppen und gebeugten Lesen schon der Rücken weh. Die Bibliothekarin, ein junges Ding mit schwarzem Haar und schüchternem Lächeln, näherte sich ihm vorsichtig. „Kann ich noch etwas für Sie tun?“
Sie musterte sein zerschlagenes Gesicht und ihr Lächeln wurde mitleidig.
„Das können Sie tatsächlich. Haben Sie irgendwelche Informationen über das Blaue Auge des Horus? Ich weiß, dass das wahrscheinlich ein bisschen vage ist, aber…“
„Oh, die habe ich tatsächlich!“ Die Frau strahlte ihn an. „Warten Sie hier!“
Erstaunt sah Dean ihr nach. Nur wenige Minuten später kehrte sie zurück und legte zwei kleine Bücher vor ihm ab.
„Hier, bitte.“
„Danke schön.“ Er schenkte ihr das freundlichste Lächeln, das sein blaugrünes Gesicht hergab, und blätterte in den Büchern. Nach einigen Minuten hob er den Blick wieder und begegnete dem der Bibliothekarin.
„Ist halb so schlimm, wie es aussieht“, sagte er und deutete grinsend auf seine Visage.
„Oh, das ist es nicht“, sagte sie schnell und errötete. „Es ist nur … Ihr etwas ungewöhnlicher Halsschmuck. Ich habe ihn gerade bewundert.“
Unwillkürlich glitt Deans Hand zu dem Narbengebilde an seiner Kehle.
„Ach, das … ja.“ Er lächelte verlegen. „Eine Jugendsünde…“
Die Brauen der Frau schossen erstaunt in die Höhe. „Sie haben offenbar seltsame Sitten in Amerika, wenn Sie sich dort Hieroglyphen in den Hals ritzen lassen.“
„Hiero… Moment, was?“ Aufgeregt griff er nach ihrer Hand und bemerkte seine eigene Geste erst, als sie das Gesicht verzog. „Entschuldigung, könnten Sie das wiederholen?“
„Na, Sie haben eine Hieroglyphe am Hals!“ Sie schüttelte verständnislos den Kopf, beugte sich nach vorne und musterte die Narbe mit zusammengekniffenen Augen. „Wenn mich nicht alles täuscht, ist das … Hem-nisut.“
Dean reckte den Hals, um ihr einen besseren Blick zu gewährleisten. „Und was heißt Hem-nisut?“

Im Salongespräch: Christian von Aster

Die Lesungen von Auto Christian von Aster sind seit Jahren sehr beliebt auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig, sodass man früh genug dort sein muss um einen der begehrten Plätze zu ergattern. (Zwei Stunden im Vorraus da sind ist keine Seltenheit unter den Liebhabern seiner Texte.) Immer wieder wird die schwarze Szene so gekonnt aufs Korn genommen, dass sie es sich gerne gefallen lässt und das Jahr um Jahr. Aber nicht nur Humorvolles/Sarkastisches wird dargeboten, sondern auch Ernsthaftes, Fantastisches und Philosophisches.

Die Schlange im Cinestar Leipzig

Der Clockworker bekam in diesem Jahr die Chance ein kleines aber feines Interview mit Herrn von Aster zu führen: Viel Spaß beim Lesen!

CW: Was wäre deine perfekte WGT Lesung?

Christian von Aster: Oh, die meisten, die ich mache, fühlen sich für mich schon annähernd perfekt an. Perfekt ist meines Erachtens tatsächlich eine Lesung, in der ich alles unterbringen kann: Humor, Geist, Gefühl und Subversion. Ich gebe mir ernsthaft Mühe und versuche dieses Spektrum abzudecken. Meinem Publikum keine Kasper- oder Klischee-Grufti-Show zu bieten, sondern Texte zu bringen, bei denen man denken, lachen und irritiert sein kann, das ist das Ziel. Meines zumindest. Das ist für mich Perfektion, jedenfalls im Bezug auf eine Lesung.

Die andere Seite ist natürlich eine, über die ich weniger Kontrolle habe, weil es um die Rezeption geht.
Wenn ich die Zusammensetzung des Publikums für eine perfekte Lesung beschreiben müsste, würde die Beantwortung dieser Frage vermutlich etwas komplexer ausfallen.

CW: Und Location-mäßig?

Von Aster: Wir haben schon viele schöne Locations heimsuchen dürfen. Zum Beispiel für die Premiere unseres Trollfilmes das UT Connewitz, eines der ältesten Lichtspielhäuser Deutschlands, dass sich nicht nur als herrlich sondern auch absolut Troll-authentisch erwiesen hat.
Außerdem habe ich auch schon mehrfach in der Kapelle auf dem Südfriedhof lesen dürfen, die stimmungstechnisch  ganz weit vorn ist. Da hat unter anderem auch die Premiere des letzten „Schattenschnitzer“ stattgefunden.

Die Location muss meiner Meinung nach vor allem mit den gelesenen Geschichten korrespondieren. Dementsprechend gibt es für verschiedene Geschichten ein anderes Optimum. Zum Beispiel das alte Stadtbad wäre ein hervorragender Ort für meine arabischen Geschichten, während für die Premiere meiner chinesischen Märchen ein chinesischer Stadtpark perfekt wäre, wie es ihn meines Wissens etwa in München oder Zürich gibt…

Andere Orte, anderes Optimum, andere Geschichten. In sofern lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten.


CW: Wie bist du persönlich auf Steampunk gestoßen?

Von Aster: Steampunk ist meines Erachtens eine vollkommen logische Konsequenz aus allem was wirklich interessant ist. Zumal es Steampunk ja schon lange vor der Prägung dieses Begriff gab. Allein wenn man Alan Moores „League of Extraordinary Gentlemen“ nimmt, sind die Elemente, für die ja niemand anderes als Jules Verne die Fundamente gegossen hat, da.
Steampunk ist in meinem Augen vor allem eine Fusion aus vorhandenen, aber anders zusammengesetzten Elementen. Und das Ganze hat darüber hinaus eben diesen Gaslight-Charme, die Faszination für die Dampftechnik, neue Technologie, Erfindungen, Entdeckungen, und nicht zuletzt wohl auch den Gedanken, dass die Industrialisierung ein wenig romantischer verlaufen ist, als sie es eigentlich tat.

In sofern kommt man da glaube ich ganz logisch hin, wenn man eine Vorliebe für gewisse Sachen hat. Allein das London des 19. Jahrhunderts. Man kommt vermutlich ganz automatisch zum Steampunk, wenn man sich für Sherlock Holmes, Jack the Ripper und Jules Verne interessiert. Man landet da, weil es eine Fusion aus unglaublich vielen interessanten Themen, ein Spielplatz für Propbuilder, Storyteller und Revisionisten gescheiterter Utopien ist.

Wobei der literarische Steampunk interessanterweise vom Mainstream Respektive großen Verlagen  sehr stiefmütterlich behandelt wird. Zumindest für mein Empfinden. Vermutlich weil man dort die Komplexität des Ganzen nicht erfasst.

Marketingleute versuchen ja meist die Elemente zu benutzen, ohne sie wirklich zu verstehen. Und Steampunk lebt ja vor allem von dem Spirit dahinter, der ja etwas sehr Individuelles ist. Die Leute, die sich damit ernsthaft beschäftigen haben etwas sehr Eigenes. In ihren Kostümen, in dem was sie tun, was sie denken. Das sind Steamgeeks. Und deren Lebensgefühl lässt sich eben nicht so normiert abhandeln, dass irgendjemand sich damit einfach die Taschen vollmachen könnte.

CW: Hast du selbst Pläne, mal etwas steampunkiges zu schreiben?

Von Aster: Ich hab vor über drei Jahren einem Verlag ein Buch angeboten. Aber damals hat die deutsche Verlagsszene bezüglich Steampunk den Hintern wohl noch etwas zusammengekniffen. Inzwischen sind sie ein bisschen offener geworden, was aber für mein Gefühl nicht bedeutet, dass sie es verstehen würden. Was aber vor allem für die Großkopferten gilt.

Ich habe ein steampunkiges Exposé im Kopf, dass mit etwas Philosophie, Gesellschaftskritik, viktorianischem Pomp  und inquisitorischer Verblendung daherkommt. Ich würde den Roman gerne mal schreiben, bin aber im Moment ausgelastet. Ich hoffe, es kommt noch dazu, denn ich würde unglaublich gerne mal mit diesen Motiven spielen, weil der Vorteil bei Steampunk ist, dass es bei Weitem noch nicht ausgereizt ist. Da ist für einen motivierten Phantasten unglaublich viel rauszuholen.

Wobei man unbedingt hervorheben sollte, dass natürlich kleinere engagierte Verlage wie z.B. Feder und Schwert, auch in Deutschland bezüglich Steampunk ernsthaft einiges versuchen und wagen. Da sind die sind die Kleineren meines Erachtens nach wesentlich weiter als die großen Verlage.

Lesung im Cinestart Leipzig, im Hintergrund der Werbepartner “Liquid Doom”

CW: Steampunk auf dem WGT, deine Einschätzung dazu?

Von Aster: Das muss ich mit einem klaren Ja beantworten. Ich bin leider ein alter, kritischer Ningler. Steampunk ist an sich natürlich wunderhübsch und prädestiniert dafür, auf dem WGT ausgeführt zu werden. Aber ich denke, es passt es nur bedingt, weil es für mich mehr, als bloß Optik ist.

Beim WGT ist der Vorteil, dass man alles tragen, alles machen darf und alles erlaubt ist, was spannend ist. Ich persönlich fände ein genuines Steampunk-Festival besser. Es gibt ja z. B. die legendäre Fark und ähnliche Veranstaltungen, wo ich das Ganze besser aufgehoben sehe.

Mein erstes massives Steampunker- Aufkommen habe ich auf dem Castlefest gesehen, aber da ist es eher so ein „Blending with the masses“, es versinkt immer im Rest der Phantastik. Man hat eine Gruppe mit zehn Steampunks, dann schauen alle und sagen „Wow, was haben die gemacht, kuck dir das an“, dann hüpfen 100 spärlich bekleidete Elfen drüber und es ist quasi vergessen.

Das ist beim WGT natürlich auch so: man hat was hübsches, kuckt sich das an, kommt mit den Leuten ins Gespräch und dann wogen so ein paar halbnackte Lackbrüste vorbei und es wird zu egal.

Ein Steampunk Festival vom Ausmaß des Wave Gotik Treffens, in Hallen die eigens dafür hergerichtet sind, mit funktionierender alternativer Technologie, einer Location, die dafür am besten auch noch richtig gebaut wird. Steam World quasi. Aber das ist natürlich ebenso aufwendig wie kostspielig und unrealistisch.
Da ist die Fark schon sehr großartig, wie die Veranstaltung sich binnen kürzester Zeit mit Hilfe engagierter Leute entwickelt hat und wie sie gehandhabt wird. Was aber nur funktioniert, weil da Leute mit Herzblut und Dampf hinter stehen.

Und im Rahmen des WGT – egal, wie viel Herzblut da auch drin stecken mag – fließt inzwischen am Ende mehr Geld als Herzblut. Und Geld schafft schlussendlich immer Missverständnisse, das ist das Dumme daran.

CW: Ein paar letzte Worte?

Von Aster: Ich möchte zuletzt noch dafür plädieren, bei aller Liebe für den Steampunk doch bitte immer auch die kleine Randgruppe der Steamconservatives zu würdigen. Danke sehr.

Der Clockworker bedankt sich für das sehr spontane Interview und die Geduld beim Beantworten der Fragen!

 

Wer sich nun gerne selbst ein Bild vom Herrn von machen möchte, dem sei seine Internetpräsenz ans Herz gelegt: www.vonaster.de und natürlich seine Bücher.

Wer ihm gerne einmal lauschen möchte, kann dies auf dem M’era Luna Festival und natürlich auf der bereits mehrfach erwähnten Fark tun. Nutzt die Chance, wenn sie sich euch bietet!

Die Abenteuer des Richard Dean Donahue - Teil 2

Es geht weiter mit den Abenteuern des Richard Dean Donahue von A.-G. Piel mit Illustrationen von Felix Möbus.

Dean ächzte, wollte sich ducken, wurde aber festgehalten; im nächsten Moment machte er neuerliche Bekanntschaft mit Silvermans Faust.

Er hatte nicht nachgedacht. Silverman pflegte alleine zu arbeiten, schon seit jeher, und das war seine größte Schwäche. Genau deshalb konnte Dean ihm immer entkommen, und er verließ sich auf die Unverbesserlichkeit des Kopfgeldjägers, wie auf ein Naturgesetz. Anscheinend hatte Ashley falsch gelegen: Menschen können sich doch ändern. 

Als Silverman ihm einen weiteren Schlag verpasste, diesmal in die Magengrube, stöhnte er und riss mühsam den Kopf hoch. „Verdammt, Ernest, lass es gut sein! Du siehst doch, dir ist jemand zuvorgekommen, also wenn du mich schon umbringen musst, dann tu’s gleich und mach’s kurz. Noch mehr Schläge brauche ich wirklich nicht.“

„Du gibst hier niemandem mehr Befehle, Arschfresse! Hast du gehört, Arschfresse! Jetzt habe ich das Sagen, Arschfresse!“ Silverman lachte auf und gab ihm eine Ohrfeige, die das Blut in seinem Kopf rauschen ließ.

„Mach endlich hin!“

Die nervöse Stimme in Deans Rücken war ihm unbekannt; was folgte, hatte er allerdings kurz zuvor erlebt, wenn auch nur im Traum: Mit einem Ruck riss man ihm den Kopf zurück, sodass sein Hals bloßlag.

„Ist das dein Ernst?“

Er schloss die Augen. Wenigstens kannte er Silvermans Namen. Das machte es aber auch nicht besser.

„Du sollst so sterben, wie sie gestorben ist. Das hat er gesagt.“

Dean hörte, wie eine Klinge aus metallener Scheide gezogen wurde.

„Wie oft muss ich noch sagen, dass ich das nicht war? Ich hab niemanden getötet!“

„Du bist schon ein paarmal abgehauen, oder?“

„Ja! Weil du mich umbringen wolltest!“

„Was auch immer. Grüß mir die Hölle, Arschfresse!“

Dean hielt den Atem an und hörte auf, sich zu winden. Es hatte keinen Sinn. Besser, er machte sich wirklich für die Hölle bereit. Auch wenn er nie einen Menschen getötet hatte, war er doch kein Unschuldslamm gewesen. Vielleicht konnte er sich den ein oder anderen Besuch im Himmel erschwatzen.

Für endlos lange, quälende Sekunden geschah überhaupt nichts. Dean, der nicht länger die Luft anhalten konnte, keuchte und blinzelte vorsichtig. Silverman, der ein Bostoner Metzgermesser in der Hand hielt, starrte ihn an und rührte sich nicht. Nein, er starrte nicht ihn an, sondern seinen Hals.

„Was denn? Sag mir nicht, dass ausgerechnet du damit Probleme hast!“, knurrte Dean.

Er hatte sich auf den Tod vorbereitet. Ihn jetzt so warten zu lassen, empfand er als unhöflich.

„Gott …“, murmelte Silverman und blinzelte, als hätten Deans Worte ihn aus einer Starre gerissen. „Schau dir das an, Bertram … ist es das, was ich denke?“

Der Kerl in Deans Rücken zerrte ihn zur Seite und mehr ins Licht der Gaslaternen, draußen vor dem Fenster.

„Sieht so aus. Verdammter Dreck.“

„Grundgütiger, Arschfresse“, Silverman ließ sein Messer verschwinden und schüttelte den Kopf, „du sitzt ja tiefer in der Scheiße, als ich dachte! Nichts für ungut, Mann.“

„Nichts für … was? Wie?“ Dean ging in die Knie, als Bertram sich von ihm löste. „Wovon, zum Teufel, sprichst du da?“ Beinahe hätte er geweint.

Silverman antwortete nicht. Stattdessen schenkte er Dean einen mitleidigen Blick und verschwand ohne eine Erklärung durch die weit geöffnete Tür. Als Bertram ihm folgte, konnte Dean sehen, dass der Mann das weißblonde Haar und die bleiche Haut eines Mesmeriten besaß.

„Magnetismus“, murmelte er und seine Stimme brach. „Grund…gütiger Gott!“

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Es war eine Weile her, dass er so kurz vor dem Ende gestanden hatte, und Dean bemerkte, dass er das immer schlechter verwinden konnte. Er wischte sich fahrig über die Wangen und zwang sich, aufzustehen. Er musste fort, nur für den Fall, dass Silverman und sein magnetischer Kumpel es sich anders überlegten. Doch zuvor …

Mit einem Satz war er aus dem Zimmer und lief zum Ende des Gangs. Dort stieß er die Tür zum Waschraum auf, entzündete die Laterne neben der Wasserschüssel und hob sie vor den Rasierspiegel, der an einem Nagel auf Augenhöhe hing. Was er sah, ließ ihn erschauern: Direkt neben seinem Kehlkopf befand sich ein filigranes Narbenmuster, das hell aus den Bartstoppeln hervorstach. Keine Wunde, sondern eine verheilte Narbe, als befände sie sich seit Jahren dort. Er versuchte zu erkennen, was sie darstellen sollte, denn ganz offensichtlich hatte ihm jemand eine Art Zeichen verpasst. Doch dazu war es zu dunkel.

„Scheiße“, murmelte er, und es kam von Herzen.

An Schlaf war nicht mehr zu denken. Im Eiltempo packte er seine wenigen Sachen und machte sich auf den Weg zurück zur „Highend Tavern“. Eine solche Nacht konnte durch ein zweites Besäufnis auch nicht verschlimmert werden.

Die „Tavern“ hatte rund um die Uhr geöffnet, eine Besonderheit, die aufgrund der Gutmütigkeit einiger Constables Fortbestand hatte. Nur noch wenige Trinker hatten sich über den Raum verteilt und zogen missmutig an ihren Pfeifen, wenn sie nicht über ihren Gläsern brüteten. Die Stimmung um vier Uhr morgens war erwartungsgemäß gedrückt, aber Dean wollte auch nicht feiern, sondern nachdenken. Der Wirt erkannte ihn wieder, nickte ihm zu und stellte ein Glas auf den Tresen, als er sich auf einem der Barhocker niederließ.

„Lange Nacht gehabt?“

„Ich glaube schon, ja.“ Dean nahm den doppelten Whisky dankbar entgegen und leerte ihn in einem Zug. „Nochmal das Gleiche.“

„Kommt sofort.“ Der Wirt schenkte ihm nach, behielt die Flasche aber vorsorglich in der Hand. „Bevor ich’s vergesse … für sie wurde eine Nachricht hinterlassen.“

Dean, der das Glas schon an den Lippen hatte, hielt inne. „Eine Nachricht? Von wem?“

„Einem Kerl namens Eddy. Amerikaner, so wie sie.“

„Eddy.“ Er setzte ab, starrte den Wirt ungläubig an, hob das Glas wieder und leerte es ruckartig. „Geben sie mir die Nachricht … und lassen sie die Flasche hier, ok?“

Mit zitternden Fingern nahm er einen versiegelten Umschlag entgegen. Er kannte das Symbol im Wachs nicht, konnte es nicht einmal richtig erkennen, denn es bestand aus nicht mehr als ein paar dünnen Strichen. Rasch brach er das Siegel und betrachtete die in geschwungenen Lettern verfasste Nachricht, ehe er sie wirklich las:

Verehrtester Mister Donahue,

entsprechend unserer Vereinbarung des vorigen Abends ersuche ich Sie dringendst, der nachkommenden Bitte Folge zu leisten: Sie sind dazu angehalten, unser Eigentum ausfindig zu machen und an sich zu nehmen, wenn möglich, ohne dabei allzu großen Schaden anzurichten oder zu nehmen.

Bei dem Eigentum handelt es sich um das sogenannte „Blaue Auge des Horus“, ein überaus empfindliches und ebenso kostbares Relikt. Aufgrund einiger bedauerlicher Missverständnisse befindet sich diese unsere Habe im Besitz eines gewissen Andrew McCormick.

Mister McCormick wurde zuletzt in seiner Heimatstadt Edinburgh gesichtet, wahrscheinlich, um seinen dreißigsten Geburtstag zu begehen. Es ist durchaus möglich, dass sich das Auge zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr in seinem Besitz befindet, doch ein kluger Mann wie Sie wird sicherlich einen Weg finden, es an sich zu bringen.

Sobald Ihnen dies gelungen ist, kehren Sie auf dem schnellsten Wege nach Inverness zurück und warten in dieser Schenke auf ein Zeichen unsererseits.

Ich hoffe, Sie sind sich im Klaren darüber, dass ein Widersetzen inakzeptabel ist und eine weniger glimpfliche Fortsetzung unseres Gesprächs zur Folge haben wird.

Bei der Zollbehörde des Lufthafens wurde für Sie ein Päckchen hinterlegt, das zwei Flugtickets, sowie eine  Unkostenpauschale enthält. Finden Sie sich morgen dort ein und nehmen Sie die erste Dampfkutsche nach Edinburgh, andernfalls müssen wir davon ausgehen, dass sie größeres Interesse daran haben, unser Gespräch fortzusetzen, als unserer Bitte nachzukommen.

Ergebenst und mit bestem Dank

die Gesellschaft zur Pflege erhaltenswerter Kleinode (i.A. W.H.)

„Sie meinen es ernst“, flüsterte Dean und ließ seine Finger suchend über den Tresen gleiten, „sie meinen es wirklich ernst.“ Als er sein Glas gefunden hatte, stellte er fest, dass es immer noch leer war. Die Tragödien des Tages nahmen kein Ende.

Disney goes Steampunk

Im Disneyland Resort (Anaheim, USA) ist zur Zeit die Ausstellung “Mechanical Kingdoms – Steam Driven Visions of a Victorian Future” zu sehen.

Mit dabei sind Concept Arts und Props von Joe Rhode, Steve Kirk, Brian Kesinger (der u.A. an Atlantis mitgearbeitet hat und aus dessen Feder auch Otto und Victoria stammen) und viele weitere.

Travel back in time. Discover a future world populated with steam-powered mechanical marvels courtesy of Walt Disney Imagineers, animators and other artists. Explore concept designs for clattering vehicles and gear-driven gizmos and original art inspired by Victorian-era visionaries like H.G. Wells and Jules Verne. This treasure trove of steampunk style will have you reaching for your top hat and goggles!

Source

Auf DisneylandLive gibt es einige eindrucksvolle Bilder der Ausstellung zu sehen, eine Auswahl kommt hier:
(Alle Bilder sind CC Bryan Pugh)

Mehr Bilder und Infos sind hier zu finden.

Die Abenteuer des Richard Dean Donahue

Der Clockworker startet heute mit einer neuen literarischen Reihe, nämlich den “Abenteuern des Richard Dean Donahue” aus der Feder von A.-G. Piel mit Illustrationen von Felix Möbus.

Wir wünschen viel Vergnügen bei der Lektüre.

 

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„Mister Donahue! Was für eine Freude, Sie endlich kennenzulernen.“
Der Mann, der sich Dean bis auf zwei Schritte näherte, trug eine freundliche Miene zur Schau und rieb sich die Hände, so als könne er das folgende Gespräch kaum erwarten. Dean lächelte, so gut es ihm mit der aufgeplatzten Lippe möglich war, und musterte seinen Gegenüber, während sein linkes Auge zuschwoll.

Der Mann hatte Geschmack, das musste man zugeben, auch wenn die Farbe von Gehrock und Hose mit Dunkelrot wenigstens als gewagt zu bezeichnen war. Dagegen waren das strahlend weiße Hemd, das dunkelblaue Krawattentuch, der schimmernde Zylinder und vor allem der perfekt gestutzte, sandfarbene Schnurrbart Vorzeigemerkmale eines eleganten Gentleman. Nur dass die Lackschuhe von Schlamm bedeckt waren, trübten das Bild, aber man musste wohl Abstriche machen, wenn man sich in gottverlassenenen Sümpfen zu verabreden pflegte. Der Mann war Anfang vierzig und damit etwa zehn Jahre älter als Dean, zum momentanen Zeitpunkt aber in weit besserer Verfassung. Dean hustete und spuckte einen Klumpen Blut aus, drehte dabei jedoch höflich den Kopf zur Seite.

„Ich würde ja sagen, dass die Freude ganz auf meiner Seite ist, aber …“, er grinste schief und räusperte sich.
„Ach ja. Die Unannehmlichkeiten. Ich verstehe.“ Der Mann nickte wissend. „Wir dachten uns, das sei vonnöten. Nun, Eddy hier denkt natürlich nicht“, er machte eine Geste in Richtung des Riesen, der Dean mit einer Hand aufmischen könnte, aber beide benutzt hatte, „doch ich war der Ansicht, dass Sie sich von Anfang an darüber im Klaren sein sollten, worum es geht.“

„Ach ja? Und worum geht es?“
„Um nicht weniger als Ihr Leben.“
Eddy griff nach Deans Schultern und drückte ihn auf die Knie. „Wussten Sie, dass Eddy Amerikaner ist? So wie Sie!“ Der Gentleman fuhr im Plauderton fort, während er sich ein Paar lederne Handschuhe überzog.
„Wer schickt Sie?“ Dean ächzte, als Eddy seinen Kopf zurückriss und seine Kehle freilegte. „Hören Sie, wenn es um Alburquerque geht, können wir uns doch bestimmt einigen!“ Der Mann lächelte und zog ein schmales Lederheft aus seinem Gehrock. „Es geht nicht um Alburquerque.“
„New York?“
„Nein, auch nicht um New York.“
„Chicago?“
„Keineswegs.“
„Orangedale?“
Der Mann hielt inne und schüttelte langsam den Kopf.. „Okay“, sagte Dean, „das Letzte war nur ein Test. In Orangedale habe ich mir tatsächlich nichts zuschulden kommen lassen.“
Als Eddy heftig an seinem Haar riss, stöhnte er und öffnete die Augen weit.
„Sie legen einen seltsamen Witz an den Tag, wenn man Ihre Situation bedenkt“, sagte der Gentleman und entnahm dem Lederheft eine dünne Klinge, die im Licht der einzigen Laterne goldgelb schimmerte. Das Messerchen erinnerte Dean an einen Brieföffner; als der Mann nähertrat, konnte er sehen, dass die Schneiden stumpf waren – das Ende dafür umso spitzer.
„Ich muss doch ohnehin sterben“, erwiderte er leise. „Hören Sie, wenn Sie mir schon nicht sagen, weshalb, dann verraten Sie mir wenigstens, wie Sie heißen. Ich wusste ja, dass es irgendwann so zu Ende gehen muss, aber ich habe mir immer gewünscht, dass ich wenigstens weiß, wer es tut. Kommen Sie, Mann … so unhöflich können Sie nicht sein!“

„Sie schinden Zeit.“ Der Mann lächelte. „Dabei besteht dazu keinerlei Veranlassung. Wir sind nicht hier, um Sie zu töten.“ „Ach nein? Und warum schleifen Sie mich dann in diese Einöde, wenn Sie sich meiner nicht entledigen wollen?“

Mit einem Satz war der Mann bei ihm und hielt das Messer an seinen Hals; Dean spürte, wie es kalt und spitz über seine Haut fuhr.
„Ganz einfach.“ Die Stimme des Mannes war jetzt ganz nah, sie kribbelte über Deans Haut. „Sie sollen absolut überzeugt sein, dass es mir ernst ist, ehe Sie erfahren, was Ihr Auftrag ist. Und ich meine es ernst, Mister Donahue!“

Dean fuhr hoch und griff im Reflex unter sein Kissen, als er einen Schrei hörte. Erst, als er die Maggy in der Hand hielt, wurde ihm klar, dass es sein eigener Schrei gewesen war, der ihn geweckt hatte. Er war schweißgebadet und atmete so schwer, als hätte er einen Berg erklommen.

„Alles okay …“, murmelte er, wie um sich selbst zu beruhigen, „alles in bester Ordnung.“
Er sicherte die Maggy widerwillig, behielt sie aber noch einen Moment in der Hand. Das Gefühl der Waffe half weit mehr als jede Selbstsuggestion, seinen rasenden Herzschlag zu besänftigen. Er betrachtete seine aufgeschürften Finger und wunderte sich über seinen schmerzenden Schädel, bis ihm die Prügelei des gestrigen Abends wieder in den Sinn kam.

„Mister Donahue? Geht es Ihnen gut?“ Die Stimme des Gastwirts war durch die Eichentür nur schwer zu vernehmen. „Sicher, mein Bester“, antwortete er und zwang sich, die Maggy zurück unters Kissen zu schieben. „Ich hatte nur einen schlimmen Traum.“

„Den hatten Sie aber ganz schön laut!“ Missfallen schwang in den Worten mit.
„Guter Gott, nun tu’ nicht so, als würdest du das Palmer House führen“, knurrte er und rief dann lauter: „Er war auch ganz

schön schlimm!“
Seufzend sank er zurück aufs Laken und verschränkte die Hände im Nacken. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Dean starrte zur schmutziggrünen Decke hinauf, lauschte den sich entfernenden Schritten und spürte, wie der Schweiß unangenehm kalt auf seiner Haut trocknete, während er über den Traum nachdachte. Warum hatte er von dem Kerl geträumt, der ihn verprügelt hatte? Warum hatte er ihm im Traum einen Namen gegeben und die Geschehnisse weitergesponnen? Und was sollte der Mist mit dem Gentleman und dem goldenen Brieföffner? Vielleicht hätte er doch besser die Finger vom schottischen Whiskey lassen sollen.
Ein leises Geräusch am Fenster warnte ihn, ehe sich noch der Schatten vor das Licht der Straßenlaternen schob. Mit einem Sprung war Dean auf den Beinen, umklammerte die Maggy mit der Linken und presste sich flach atmend an die Wand neben der Tür. Etwas kratzte kaum hörbar über die Scheibe, dann bewegte sich wie von Zauberhand der simple Haken, der es innen schloss.
Magnetismus, schoss es ihm durch den Kopf. Während er den Haken wie hypnotisiert anstarrte, schob er sich nach rechts und packte die Griffe seiner vorsorglich gepackten Tasche. Als er sich zurück nach links gleiten ließ, wurde ihm klar, dass er keine Hand frei hatte, um die Tür zu öffnen. Der einfache Gedanke löste seine Starre; einen stummen Fluch auf den Lippen ließ er die Maggy in seine Tasche gleiten, warf sich herum und riss die Tür auf.
„Hallo, Arschfresse!“
Eine Faust füllte seine gesamte Welt aus, traf seine Wange und beförderte ihn zurück ins Zimmer. Dean taumelte, stieß gegen das Bett, fing sich aber, ehe er das Gleichgewicht verlieren konnte. Einem zweiten Schwinger wich er mehr durch Glück aus, als er sich bückte und in seine Tasche griff; sie war ihm aus den Fingern geglitten, kaum dass sein Gesicht von dieser

fünffingrigen Dampfkutsche erwischt worden war. Er umfasste den Griff der Maggy und riss sie nach oben. Dabei traf sein Hinterkopf das Kinn seines Angreifer; der Schädel des anderen schnappte zurück wie bei einer Kinderpuppe.

„Autsch!“ Dean verpasste ihm einen harten Schlag gegen die Brust und richtete sich ganz auf, die Maggy vor sich haltend. „Mal ganz langsam, Freundchen!“ Er blinzelte verblüfft, als er ihn erkannte. „Silverman?“

„Arschfresse!“, presste der Schläger hervor und hielt sich dabei das Kinn.
„Was willst du denn in Schottland?“
„Was glaubst du wohl? Dich fertig machen, Arschfresse!“

„Hey …“ Dean zielte mit etwas mehr Nachdruck, „noch einmal dass hässliche A-Wort und du lernst mich kennen.“
„Ich kenne dich schon längst, genauso wie dein kleines Spielzeug“, höhnte Silverman. „Mit so’n bisschen Schmerzen werd’ ich fertig … Arschfresse!“

„Auf die Entfernung bin ich unsicher, ob ein Schuss aus der Maggy nicht doch tödlich ist, also reiß dich zusammen.“ Dean atmete tief durch. „Jetzt sag mir nicht, dass sie dich den ganzen Weg von Alburquerque bis nach Inverness geschickt haben, nur um mich ausfindig zu machen!“

„Fühl’ dich lieber nicht zu geehrt.“
„Das mach ich schon nicht.“ Dean lächelte gequält. „Komm schon, Silverman, müssen wir das wirklich schon wieder durchziehen? Bist du’s nicht auch leid?“
„Und wie ich’s leid bin! Deshalb endet es auch heute, jetzt und hier.“
„Sicher. Wie schon in Phoenix und New York und Chicago und …“
Zwei Hände griffen von hinten nach ihm und drückten seine Arme nach unten.
Verdammt, das Fenster! 

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Wave-Gotik-Treffen 2014 - Das Programm steht fest

Am Wochenende findet das 23. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig statt und endlich sind auch alle Termine bekannt. Für einen besseren Überblick sei der bewährte Taschenkalender von Necroweb empfohlen oder die WGT Guide App.

Neben den vielen offiziellen Programmpunkten sei natürlich auch noch ausdrücklich auf das Steampunk-Treffen am Samstag (Event im Rauchersalon) im Rahmen des WGTs hingewiesen. Achtung: Es wird an einer neuen Location sein! (Im Dölitzer Holz, 04279 Leipzig).

Die Künstlerauswahl:

Distain (D) – 45 Grave (USA) – 7JK (GB/PL) – Absolute Body Control (B) – Aeon Sable (D) – Age Of Heaven (D) – Ah Cama-Sotz (B) Dark Ambient-Programm – Aisel Esslinger (D) – Al Andaluz Project (D) – Albireon (I) – Alcest (F) – Almara (D) – Andrew King (GB) – Anita Steine (D) – Anne Clark (GB) – Antichildleague (GB) – Apocalyptica (FIN) – Apoptygma Berzerk (N) – Architect (D) – Argentum Ferrum (D) – Argine (I) – Ascetic: (AUS) – Asmodi Bizarr (D) – Axel Thielmann (D) – Azar Swan (USA) – Beastmilk (FIN) – Beck Sian & Jonathan Kershaw (GB) – Bloodsucking Zombies From Outer Space (A) – Blueneck (GB) – Blume (I) – Borghesia (SLO) – Capella Fidicinia (D) – Cécile Corbel (F) – Chor Und Kinderchor Der Oper Leipzig (D) – Chor, Extrachor Und Ballet Der Musikalischen Komödie (D) – Christian Death (USA) – Christian Von Aster (D) – Chrom (D) – Claudia Gräf (D) – Clemens-Peter Wachenschwanz (D) – Collection D’Arnell-Andréa (F) – Conrad Mauersberger (D) – Cygnosic (GR) – D-Tox (S) – Darkwell (A) – Dead United (D) – Denny Wilke (D) – Der Blaue Reiter (E) – Der Fluch (D) – Desiderii Marginis (S) – Donner & Doria (D) – Downstairs Left (D) – Dr. Mark Benecke (D) – Duo Kaiser-Schmidt (D) – Duo Pianistico Di Firenze (I) – Eïs (D) – Edo Notarloberti & Viviana Scarinci (I) – Elias Projahn (D) – Els Berros De La Cort (E) – Ensemble Weimar (D) – Ensemble Wilde Jagd (D) – Equilibrium (D) – Evgeniya Klein (D) – Ewigheim (D) – Ex Oriente (D) – Ext!ze (D) – FabrikC (D) – Faderhead (D) – Felsenreich (D) – Fetisch:Mensch (D) – Finsterforst (D) – Folk Noir (D) – Frieder Monzer (D) – Friederike Irmer (D) – Front Line Assembly (CDN) – Geistform (E) – Gewandhausorchester (D) – God Module (USA) – Gregor Seyffert & Compagnie (D) – Gunthard Stephan (D) – Hamferd (FO) – Hannah Ruschepaul (D) – Hannah-Katharina Philipp (D) – Heiko Schnickmann (D) – Heimataerde (D) – Heimstatt Yipotash (D) – Hexperos (I) – Hocico (MEX) – Honey (D) – Hubertus Schmidt (D) – Hundreds (D) – I-M-R (D) – Ignis Fatuu (D) – Illuminate (D) – Imaginary War (D) – Imminent (B) – Ingrimm (D) – Inkubus Sukkubus (GB) – Isabel Gabbe (D) – Jeanne Louise Gensel (D) – Job Karma (PL) – Johanna Müller (D) – Joy Of Life (GB) – Judith Stapf (D) – Katharina Deissler (D) – Katzkab (F) – Kentin Jivek (F) – Khanda Trio (D) – Killerfuchs (D) – Kiss The Anus Of A Black Cat (B) – Kitty In A Casket (A) – Klangstabil (D) – Koldbrann (N) – Konstruktivists (GB) – Lacrimas Profundere (D) – Land:Fire (D) – Lantlôs (D) – Lebanon Hanover (GB) – Little Nemo (F) – Loell Duinn (HR) – Lowcityrain ( D) – Lukas Dreyer (D) – Lydia Benecke (D) – Lydia Möllenhoff (D) – Maike Brümmer (D) – Manegarm (S) – Mantus (D) – Marc Christian Gruber (D) – Maria Eydman (D) – Maria Norda (D) – Marie-Claire Schlameus (D) – Markus Fleischer (D) – Markus Heitz (D) – Martello (I) – Max Emanuel Cencic (HR) – Max Ludwig Guhlmann (D) – MDS51 (D) – Melody Ye Yuan (D) – Mephisto Walz (USA) – Metroland (B) – Metusa (D) – Michael Gambacurta (D) – Michael Schönheit (D) – Midgards Boten (D) – Motorama (RUS) – MRDTC (D) – Nachtblut (D) – Nachtwindheim (D) – Nano Infect (GR) – Nebelung (D) – Neon (I) – Neues Bachisches Collegium Musicum Leipzig (D) – No Sleep By The Machine (S) – Norman Liebold (D) – Oberer Totpunkt (D) – Oliver Klein (D) – Oomph! (D) – Opella Musica (D) – Oppenheimer MKII (GB) – Orchester Der Musikalischen Komödie (D) – Orphaned Land (IL) – Ost+Front (D) – Persephone (D) – Placebo Effect (D) exklusives Konzert 2014 – Plastic Autumn (D) – Pouppée Fabrikk (S) – Primordial (IRL) – Psygnosis (F) – Rainy Days Factory (P) – Rapalje (NL) – Remember Twilight (D) – Robert Enforsen (S) – Robotiko Rejekto (D) – Rotersand (D) – Rotting Christ (GR) – Sardh (D) – Saturmzlide (D) – Satyricon (N) – Schneewittchen (D) – Sebastian Schlechter (D) – Seelenfunken (D) – Sell System (I) – Sieben (GB) – Sigillum S (I) – Simi Nah (F) – Siva Six (GR) – Six Comm (GB) – Slowdive (GB) exklusives Konzert in Deutschland 2014 – Solitary Experiments (D) – Sonne Hagal (D) – Sophia Lamprecht (D) – Spetsnaz (S) – Stüba Philharmonie (D) – Svartsinn (N) – Swantje Zaretzk (D) – Syntech (D) – Tarja (FIN) – The Bellwether Syndicate (USA) – The Crüxshadows (USA) – The Creepshow (CDN) – The Devil And The Universe (A) – The Empath (D) – The Eternal Afflict (D) Konzert zum 25. Jubiläum – The Fair Sex (D) Konzert zum 30. Jubiläum mit Gästen – The Foreign Resort (DK) – The Klinik (B) – The Lost Rivers (D) – The Marionettes (GB) – The Revolutionary Army Of The Infant Jesus (GB) – The Schoole Of Night (D) – The Soft Moon (USA) – The Woken Trees (DK) – Theater Titanick (D) – Theaterpack (D) – Theodor Bastard (RUS) – Theresa Dubberke (D) – This Morn’ Omina ( B) – Thomas Lenders (D) – Thomas Manegold (D) – Tilo Augsten (D) – Tobias Rank (D) – Totus Gaudeo (D) – Trepaneringsritualen (S) – UK Decay (GB) – Ulterior (GB) – Umbra Et Imago (D) – Untoten (D) – Varg (D) – Vatican Shadow (USA) – Verdiana Raw (I) – Verena Louis (D) – Violet Tears (I) – Vitalic (F) – Vomito Negro (B) – White Lies (GB) – Wirrwahr (D) – Wolfenmond (D) – Wyrdamur (E) – XIV Dark Centuries (D) – Xotox (D) – XP8 (GB) – Yoann Thicé (D) – Yura Yura (F) – Zwielicht (D) – [:SITD:] (D) -

Herzlichen Glückwunsch: Otto Lilienthal

Goggle macht es vor, wir machen mit: Google_doodle_Lilienthal

Herzlichen Glückwunsch zum 166. Geburtstag: Flugpionier Otto Lilienthal

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(Na, und wer war Schuld am tödlichen Absturz? Hören wir doch einfach einmal bei den Herren Coppelius nach)

Anja Bagus: Aethersymphonie

Seit heute ist es offiziell soweit: Anja Bagus drittes Buch aus der Aetherwelt ist erhältlich!

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Auch im dritten Teil der Self-Publishing Reihe erlebt die Heldin Annabelle Rosenherz wieder Abenteuer zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diesmal nicht nur in und um Baden-Baden, sondern auch in Prag. Der Klappentext lässt auf eine weitere rasante Geschichte um die Auswirkungen des mysteriösen Aethers hoffen:

Æther gestaltet die Welt neu. Jeden Tag werden Entdeckungen und Erfindungen gemacht, die das Leben, die Technik, Tiere und Menschen verändern. Heute noch Luftschiffkapitän, morgen ein Monster mit Fell und Krallen, Flügel und Schnabel. Niemand weiß, ob er am nächsten Tag mit einer seltsamen Fähigkeit erwacht. Annabelle Rosenherz ist so eine Veränderte. Mit ihrer grünen Hand kann sie heilen und töten. Während die Welt sich langsam an die neuen Gegebenheiten gewöhnt, vermisst sie immer noch schmerzhaft ihren Vater, der nun seit zwei Jahren verschwunden ist. Eine Spur führt nach Prag. Annabelle lädt ihre Freunde zu einer Fahrt auf der »Delfin«, einem experimentellen Luftschiff, ein. Während sie sich bemühen, der goldenen Stadt ihre Geheimnisse zu entlocken, werden Sucher zu Gesuchten und schließlich zu Gejagten.

Eine unbedingte Leseempfehlung!
Das e-Book ist hier erhältlich.

EDIT: Seit heute ist auch die Print-Ausgabe erhältlich: Hier

Dieses Wochenende: Roleplay Convention in Köln

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Die RPC ist eine Platt­form für alle Fa­cet­ten des Rol­len­spiels vom PC-Spieler bis zum LAR­Per, über alle Me­dien hin­weg. Die Zu­sam­men­kunft al­ler Spie­ler, Nut­zer und An­bie­ter, Clans und Fan­grup­pen stellt eine große Mög­lich­keit des Aus­tau­sches für alle Be­tei­lig­ten dar. Viele Spie­ler wer­den sich hier zum ers­ten Mal tref­fen und die di­rekte In­ter­ak­tion zwi­schen Pro­du­zen­ten und Ziel­grup­pen lässt auf neue Im­pulse für den Fort­be­stand des Rol­len­spiels in jeg­li­cher Form hoffen.

Am Samstag und Sonntag findet auf dem Gelände der Messe Köln wieder die Roleplay Convention, kurz RPC statt. Was mit Larp, Pen & Paper, Tabletops und Computerspielen zu tun hat, findet dort ihren Platz und ein interessiertes Publikum. Natürlich wird dort auch Steampunk vertreten sein, so sind unter anderem die Aetherangelegenheiten mit einem Stand vertreten und es wird auch wieder zur Steampunk Soireé am Samstag Abend eingeladen.

Neben zahlreichen Ausstellern wird die Messe wieder durch ein musikalisches Programm auf der Außenbühne ergänzt.

Durch die Geschichte in 85.000 Filmen

Das britische Filmarchiv British Pathé hat sein komplettes Archiv mit 85.000 Filmen vom 19. Jahrhundert bist heute auf Youtube veröffentlicht. Das Hover Board ist nur eine der vielen Perlen…

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Steampunk-Krimidinner in Berlin

Wer am 12. April noch nichts vor hat und sich in der Hauptstadt befindet (oder die Aetherkutsche in dorthin bringen kann), der sollte sich überlegen, ob er nicht Lust hat, an der Teegesellschaft teilzunehmen.

Foto: Jörg Merlin Noack

Foto: Jörg Merlin Noack

Es wird kriminell in Groß-Berlin!
Am 12. April, in nun mehr einer Woche, ist es so weit. Das erste Berliner Steampunk Krimidinner (https://www.facebook.com/events/581981155211280/?fref=ts) bittet zu Tisch. Ein Kriminalfall bei Kaffee und Kuchen soll gelöst werden.

Eine Mischung aus Kaffeekränzchen und Liverollespiel in gemütlicher Atmosphäre.
Das Spiel findet im Comic Kaspar (Rosenthaler Platz, unter dem Haus am See) statt.
Der Eintritt kostet 15 Euro und kann solidarisch bis zu einem Betrag von 20 Euro aufgestockt werden, im Preis enthalten ist der Eintritt zur Teegesellschaft inklusive Buffet, dem darauf folgenden Auftritt der Band SISC und der Luftschiff Tanzveranstaltung.

Alles was sonst noch benötigt wird ist ein ausgefüllter Charakterbogen.
http://mitternachtsgesellschaft.de/teegesellschaft/Anmeldebogen140212.pdf
Sie können ihn online ausfüllen und dann an E.Ende[at]live.de zurück schicken.
Wir freuen uns über Rückfragen und ihre Teilnahme.

Euere Mitternachtsgesellschaft
Eva Ende und Doktor E. R. Kluge
Lilly Letterweib und Jörg Merlin Noack

Rückfragen bitte über das Facebook Event, an E.Ende@live.de oder an die Mitternachtsgesellschaft (http://facebook.com/mitternachtsgesellschaft) stellen.

Weitere Infos zum bespielten Hintergund, Charaktererstellung, Live-Rollenspiel und Krimidinner allgemein und vieles mehr finden sich auf der Homepage der Teegesellschaft.

Die Luftschiff-Tanzveranstaltung ist auch als Veranstaltung im Salon zu finden.

Und wenn das alles immernoch nicht überzeugt, lässt sich eventuell zu einem Trip nach Berlin hinreißen, wenn er erfährt, dass am Abend vorher die Herren Coppelius in der Hauptstadt aufspielen. Das alles, sollte doch eine Reise nach Berlin wert sein!

Der Vintage Flaneur will in die Welt

Der Vintage Flaneur, eine wundervolle “Zeitschrift für ein modernes Leben im Stil der 20er bis 50er Jahre” möchte aus dem Dasein in erlauchten Kreisen hinaus in die Welt und an allen Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen erhältlich sein. Dieses Vorhaben kostet aber – wie alles in der Welt – Geld. Um dieses Ziel zu erreichen bitten die Macher um Unterstützung. Ein Vorhaben, das wir sehr gerne mittragen!

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43 Zeichentrickintros in 5 Minuten

Ein Ensemble der Carnegie Hall spielt die Titelmelodien von 43 verschiedenen Zeichentrickserien in unter fünf Minuten. Damit man auch alle erkennen kann, wurde kleine Hinweise im Video untergebracht.

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Aeronautica - Sturmzeit - Review

Wie bereits angekündigt erscheint am 25. März das erste Album der Steampunk Metal Band Aeronautica: Sturmzeit
(Digital Release worldwide 4. April).
Aeronautica_CoverDer Clockworker hatte die Chance vorab schon einmal in die 12 Songs hinein zu hören und möchte euch nun seine Eindrücke nicht vorenthalten:

Tracklist:
1. Aufwärts
2. Kompassreise
3. Blitzschlag
4. Maschinengeist
5. Herbst
6. Im ewigen Eis
7. Wolkenbrecher
8. Der Augenzeuge
9. Orient Express
10. Sternenfeuer
11. Pech & Schwefel
12. Unendlichkeit

Los geht’s mit „Aufwärts“. Schon der Titel ist ein perfekter Einstieg ins Album. Klassischer Metal  Gitarrensound lässt ahnen, warum sich die Crew aus den Gitarristen und Sängern Felix Tenten und Tobias Kurzawa, dem Schlagzeuger Ben Rösgen und Live-Bassistin Jessica Hoffman als erste  deutsche Steampunk Gothic-Metal Band bezeichnet. Passend zum technischen Text des Songs (wir befinden uns im Maschinenraum des Luftschiffs) ist auch der Gesang eher mechanisch abgehackt.

Weiter geht’s mit „Kompassreise“. Bereits auf der EP „Maschinengeist“ (2012) zu hören gewesen, ist dieser Song deutlich schneller und entführt den Hörer nach dem Start mit „Aufwärts“  mit der Luftschiff-Sinfonie auf eine Reise durch den Luftraum. Satte Gitarrenklänge gepaart mit kräftigem Schlagzeug werden unterstützt von Bläsern.

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Gelungenes Design der CD, auch wenn mancher behaupten mag “Just glue some gears on it…”

„Blitzschlag“ beginn zunächst sehr langsam, nur um dann in hartem Kontrast den Blitz einschlagen zu lassen und mit voller Kraft und Metal Sound seinen fatalen Weg durch das Luftschiff nachzuzeichnen.

Mit „Maschinengeist“ wird das zuvor abgestürzte Luftschiff wieder zum Leben erweckt. Auch hier wird wieder eindrucksvoll das Innenleben einer solch großen Maschine beschrieben. Passend dazu stampfender Schlagzeugklang und der kraftvolle Ausruf „Steamed!“, unterstützt von Gitarren und Bass. (Über das Performance Video zu diesem Song berichteten wir bereits.)

Vergleichsweise melancholisch kommt „Herbst“ daher. Beginnend mit sanften Gitarrentönen, steigert sich das Stück, um in den Strophen wieder ruhiger zu werden. Unterfüttert wird der romantische Text mit Streicherklängen und auch hier wird dem Luftschiffthema treu geblieben.
Den Gesang empfinde ich für den malerischen Text jedoch als etwas zu steif.

Ähnlich geht es mir beim nächsten Lied „Im ewigen Eis“, eine Hommage an die Legende der Schneekönigin. Zu kräftig und starr der Gesang im Vergleich zum Text, der von der Schönheit der Königin und ihrer Macht erzählt, die den Protagonisten verzaubert und ihn gefangen hält.
Im Refrain wird der Gesang jedoch weicher und von Sängerin Louiza Fröbe unterstützt.
Musikalisch überzeugt mich Stück hier aber voll und ganz: rockiger Gitarrenklang, schön unterfüttert mit Streichern und Bläsern.

Aeronautica beim Metal for Mercy Gothic Night II. in Witten

Mit „Wolkenbrecher“ wird es wieder ein ganzes Stück härter und Metal-lastiger. Ein langsamer Schlagzeug und Keyboardeinstieg, der durch Gitarre und Bass verstärkt wird, zeigt lautmalerisch das besungene Luftschiff, welches sich durch die Wolken schiebt. Lädt der Anfang des Songs noch zum Headbangen ein, sind die Strophen wieder deutlich ruhiger, steigern sich aber im Verlauf des Liedes.

„Der Augenzeuge“ ist wieder ein Stück der EP Maschinengeist. Erneut etwas ruhiger, kommt hier Drehorgelsound zum Einsatz und unterstreicht die träumerischen Überlegungen über den Sternenhimmel. Besonders gelungen finde ich hier die Soli.

Der „Orient Express“ nimmt den Hörer nun mit auf eine rasante Fahrt! Schnelles Schlagzeug, orientalische Klänge und natürlich der gewohnte Metal-Sound überzeugen hier voll und ganz. Auch der Gesang und die „Zugdurchsagen“ sorgen dafür, dass man sich in ein Abteil des Zuges hineinversetzt fühlt und den „Rausch der Geschwindigkeit“ hautnah erleben kann. Definitiv mein Lieblingssong des Albums!

Felix und Jessica beim Metal for Mercy Gothic Night II. in Witten

Es folgt ein klassisches Rockstück: „Sternenfeuer“ erzählt die Geschichte der Crew der Aeronautica und ihrem Kampf gegen ein fremdes Luftschiff.

„Pech und Schwefel“ klingt wiederum mehr nach Piraten-Metal, insbesondere durch den Klang eines Akkordeons/Harmonika; ein fast schon traditionelles Trinklied, das Stimmung macht. Allerdings nicht auf den Planken eines Dreimasters, sondern, wie könnte es anders sein, an Deck eines Luftschiffs.

Das Album schließt ab mit „Unendlichkeit“. Ruhige Strophen wechseln mit geshoutetem Refrain, technoide Untermalung mit fetten Bass- und Gitarrensound. Inhaltlich geht es um die Machtübernahme durch Maschinendrohnen.
Ein fulminanter Metal-lastiger Abschluss für die „Sturmzeit“.

Tobias beim Metal for Mercy Gothic Night II. in Witten

Fazit:
Ein sauberes erstes Album! Kraftvoller Metal wechselt mit Rock und auch melancholische Stücke runden das Repertoire ab. Inhaltlich orientiert sich die Band nah an ihren Namensvettern, den Aeronauten, und so ist es nicht verwunderlich, dass Luftschiffe und alles was dazugehört immer wieder auftauchen.
Musikalisch geht da sicher noch was, besonders im Gesang würde ich mir mehr Variation wünschen. Passt die statische Art bei den Songs über die Technik noch hervorragend, wirkt er bei langsameren Stücken eher aufgesetzt und zu gewollt böse.

Trotzdem kann ich jedem, der auf etwas härtere Musik steht, dieses Album nur sehr ans Herz legen und insbesondere empfehlen, sich die vier mal Live anzusehen!

2014 bietet hier diverse Möglichkeiten:

Aeronautica
Wer nun neugierig geworden ist, kann in der Soundcloud den Song „Im ewigen Eis“ kostenlos downloaden und auch eine Hörprobe vom „Orient Express“ ist dort zu hören.

“Im ewigen Eis” gibt’s auch auf Youtube:

YouTube Preview Image

Das Album kann hier vorbestellt werden.

Aeronautica im Aether: Band Hompage
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Die kleinen Perlen des WGTs 2014

Neben den großen Namen auf dem Wave Gotik Treffen sind die kleinen eher unbekannten Bands oft die wirklichen Highlights des Festivals. Meist entdeckt man sie eher durch Zufall, weil man gerade auf ein anderes Konzert wartet und ist dann völlig begeistert. Eine Auswahl dieser kleinen besonderen Bands gibt es hier schon einmal zum Reinhören. Die komplette und aktuelle Liste ist immer hier zu finden.

 

7JK

Ambient, Experimental | Großbritannien/Polen

http://www.youtube.com/watch?v=f-Px0SxT9Lk

Interessante Kollaboration des manischen Geigers Matt Howden (Sieben) mit den polnischen Dark Ambient-Meistern von Job Karma, welche jeweils auch mit ihren Projekten beim WGT vertreten sind.

Aeon Sable

Gothic Rock | Deutschland

http://www.youtube.com/watch?v=dlheixEXpsU

Neue Hoffnung für Freunde des klassischen Sounds von Fields und Sisters.

Alcest

Post Rock, Shoegaze | Frankreich

http://www.youtube.com/watch?v=4PmCb9OiFYQ

Nach dem Live-Debüt beim WGT 2010 endlich wieder dabei – unterdessen weitaus bekannter, auch durch
das vergleichsweise eingängige neue Album, welches von Birgir Jón Birgisson (Sänger v. Sigur Rós) produziert wurde.

Ascetic:

Gothic Rock, Post Punk | Australien

http://www.youtube.com/watch?v=_HZ78lnZRo0

Junge Band aus Melbourne im Geiste von Bauhaus, Joy Division und den Sisters of Mercy

Beck Sián

Folk | Großbritannien

http://www.youtube.com/watch?v=pG9BYwTMXSY

Die Großcousine von Kate Bush (kein Witz!) präsentiert entrückten und feenhaften britischen “Ghost-Folk” – selbst die Stimme hat ein wenig Ähnlichkeit mit der berühmten Verwandten.

Cécile Corbel

Folk | Frankreich

http://www.youtube.com/watch?v=oPCXFC1pmnc

Bretonische Folk-Sängerin, die in vielen Sprachen singt und dazu ihre Harfe erklingen lässt. Von ihr wird es zwei Konzerte geben, eines davon im “Heidnischen Dorf”.

I-M-R

Wave-Pop, Neofolk | Deutschland

http://www.youtube.com/watch?v=SCIVEvmVgh8

Bis vor einiger Zeit kannte man diese Band noch als “In My Rosary”…

Imaginary War

Synthpop, Indie | Deutschland

https://www.youtube.com/watch?v=WBEu6xzGU5o

Junge Band aus Jena für Freunde von IAMX und Depeche Mode, anspruchsvoller Synthpop der Neuzeit.

Kiss The Anus Of A Black Cat

Wave | Belgien

http://www.youtube.com/watch?v=Dn2hOxuLY8M

Wer sich nicht vom skurrilen Bandnamen abschrecken lässt, bekommt feinen Wave-Rock geboten.

Konstruktivists

Industrial | Großbritannien

http://www.youtube.com/watch?v=XrsoOhpKe4c

Eine der letzten verbliebenen Bands aus der Frühphase des britischen Industrial der 80er mit Zeitgenossen wie Throbbing Gristle, Nurse With Wound, Whitehouse oder Cabaret Voltaire.

Lebanon Hanover

Minimal, Wave | Großbritannien

http://www.youtube.com/watch?v=wBrsc_7RKc0

Die Senkrechtstarter im boomenden Genre.

Little Nemo

Cold Wave | Frankreich

http://www.youtube.com/watch?v=X4EF2Ibx9RI

Eine der bedeutendsten Bands der französischen “Cold Wave” oder “Touching Pop”-Bewegung der 80er Jahre. Seit 2008 wieder aktiv, nun zum 1. Mal beim WGT.

MDS51

Industrial | Deutschland

http://www.youtube.com/watch?v=3I0gZGu3oXs

Junge Formation aus der näheren Umgebung, für Freunde von November Növelet oder ähnlichem.

Oppenheimer MKII

Minimal Wave, Synthpop | Großbritannien

http://www.youtube.com/watch?v=caP3tAmMEbc

Kultband der 80er, bis vor einem Jahr bekannt als “Oppenheimer Analysis”. Seit dem Tod von Bandmitglied Martin Lloyd im April 2013 unter neuem Projektnamen aktiv.

Rainy Days Factory

Wave, Post Punk | Portugal

http://www.youtube.com/watch?v=lu1Af_V0Alk

Frische neue Band, deren Vorbilder u.a. Joy Division und The Cure sein dürften.

The Bellwether Syndicate

Gothic Rock | USA

http://www.youtube.com/watch?v=fAjXMB1Skjo

Das neue Projekt von William Faith nach der Trennung von Faith & The Muse.

The Devil And The Universe

Ghost Wave, Minimal, Dark Ambient | Österreich

http://www.youtube.com/watch?v=S7OGzaNFHq8

Obskures und interessantes Projekt mit Ashley Dayour (Whispers In The Shadow), zwischen modernem Minimal Wave und okkulten Cold-Meat-Klängen – optisch präsentiert mit Kutten und Schafsmasken.

The Lost Rivers

Shoegaze, Noise Rock | Deutschland

https://www.youtube.com/watch?v=fELqBO6g5Q4

Die finsteren Ziehsöhne von The Jesus And Mary Chain, My Bloody Valentine und Sonic Youth kommen aus Baden- Württemberg und braten uns eine gehörige Portion Gitarrenfeedback um die Ohren.

The Marionettes

Gothic Rock | Großbritannien

http://www.youtube.com/watch?v=fy5D_6CetBw

Zurückgekehrte 90er Gothrock-Formation.

The Revolutionary Army Of The Infant Jesus

Neofolk, Neoklassik, Experimental | Großbritannien

http://www.youtube.com/watch?v=vP7iXGe1Ax0

Rückkehr einer obskuren Band aus Liverpool mit Hang zu christlicher Mystik, die in den 80er und 90er Jahren drei Alben veröffentlichte und seinerzeit oft mit Current 93 oder Dead Can Dance verglichen wurde.

Trepaneringsritualen

Industrial | Schweden

http://www.youtube.com/watch?v=Xv5t7Y4tJik

Relativ junges Projekt mit beachtlichem Kult-Status unter Kennern. Pechschwarzer Death-Industrial im Stile der Großmeister Brighter Death Now oder Mental Destruction.

Verdiana Raw

Neoklassik, Dark Wave | Italien

http://www.youtube.com/watch?v=N5lmRD5QTf8

Verträumte und teils leicht verschrobene Klänge einer klassisch ausgebildeten Sängerin/Pianistin, begleitet von Gitarre und Perkussion – irgendwo zwischen Tori Amos und Diamanda Galás.