Rezension: Der Earl von Gaudibert - Novelle von M.W. Ludwig

Der englische Gentleman Graham McPherson liebt es, in seinem Club von angeblichen Abenteuern auf dem Mond zu erzählen. Niemand zweifelt an seinen Ausführungen, bis ein neues Clubmitglied ihn der Lüge bezichtigt und zu einer folgenschweren Wette herausfordert: Bis zum nächsten Vollmond soll McPherson seine Behauptungen beweisen. Keine leichte Aufgabe, immerhin schreiben wir das Jahr 1895. Doch mit der Unterstützung des Profibetrügers Suggs und der schlagkräftigen Thailänderin Gann Li-Pen, ersinnt er einen ebenso verzweifelten wie tollkühnen Plan.

copyright: Artskript Phantastik Verlag

Rezension:
Die in London angesiedelte Geschichte erinnert von ihrer Ausgangsidee her ein wenig an „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne. Wie sich die Mondreise darin gestaltet, verrate ich an dieser Stelle nicht wegen Spoilergefahr. Auf jeden Fall gelingt es dem Autor auf rund 200 Seiten, eine spannende und kurzweilige Geschichte zu erzählen, bei der außerdem auf elegante Weise einige berühmte Persönlichkeiten (zum Teil auch aus der viktorianischen Literatur) nebenbei mit eingebunden werden,
darunter der Film-Pionier Georges Méliès und ein sehr junger Charlie Chaplin.
Eine der Hauptfiguren stammt aus Thailand, was insofern bemerkenswert ist, da zumindest im deutschsprachigen Steampunk multikulturelle Einflüsse zwar durchaus hier und da vorhanden sind, sich das allerdings selten auf wichtige Charaktere ausweitet.
Nach dieser unterhaltsamen Geschichte bin ich gespannt auf weitere Werke des Autors. Eine Fortsetzung ist übrigens in Planung.

Link zur Verlagsseite:
http://artskriptphantastik.de/DerEarlvonGaudibert.html

Rezension: Die verlorene Puppe von Judith und Christian Vogt

„Fantástico Fabuloso Apocalíptico!“ So lautet das Motto des fliegenden Zirkus Apocalástico. Rasante Artisten zu Pferde, eine bärtige Dame, ein echtes Mammut, ein Magier, der mit elektrischem Strom zaubert, der junge Roma-Akrobat Ferenc Badi und seine chinesische Partnerin Yue am Trapez können das Publikum in ganz Europa begeistern.
Wie bereits in dem 2012 erschienenen Roman „Die zerbrochene Puppe“ (der mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet wurde) gibt es in dieser alternativen Zeitlinie im 19. Jahrhundert eine Eiszeit. Diese verhindert eigentlich ein Vordringen auf andere Kontinente jenseits der Ozeane.

Doch dann kapern maskierte Männer das Zirkusluftschiff, um es in Gefilde zu steuern, die nie ein Europäer zuvor betreten hat. Bereits auf der Überfahrt stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es scheint: Agenten verschiedener Mächte haben im Zirkus ihre Finger im Spiel, und der Name eines schrecklichen Geheimnisses geistert durch die Gänge des Luftschiffs.
Doch am Ziel ihrer Entführer wartet eine faszinierende, fremde, blutrünstige Hochkultur auf die Artisten (angelehnt an die Azteken) und der Rückweg in die Heimat wird ihnen das Äußerste abverlangen …

 

copyright: Feder & Schwert Verlag

copyright: Feder & Schwert Verlag

Rezension
Zunächst sei erwähnt, dass man diesen Roman problemlos lesen und verstehen kann, wenn man den Vorgänger „Die zerbrochene Puppe“ oder auch die dazugehörige Anthologie „Eis & Dampf“ nicht kennt.

Der Roman schildert ein spannendes Abenteuer, aus der Sicht des Roma Ferenc. Bereits auf den ersten Seiten, mit der Kaperung des Luftschiffes, wird dies sehr spannend. Die Spannung vertieft sich im Laufe der Handlung noch mehr und ein Großteil der Geschichte spielt sich tatsächlich in der Luft und in eben diesem Luftschiff ab, welches unterwegs in diverse Schwierigkeiten gerät. Später folgen blutige Kämpfe auf Leben und Tod mit den südamerikanischen Eingeborenen (die hier Mexicas genannt werden).

Eingestreut werden immer wieder die Fahrtenbucheinträge einer friesischen Luftschiffkapitänin und einige Zeit später erfährt der Leser auch, wie diese beiden Handlungsstränge miteinander verbunden sind.

Die Charaktere in diesem Buch sind multikulturell und stammen aus vielen Nationen – was in Steampunkbüchern aus dem deutschsprachigen Raum relativ selten ist. Umso positiver fällt hier auf, dass auf entsprechende Klischees, die man mit den verschiedenen Ländern und ihren Einwohnern verbindet, weitgehend verzichtet wurde und die Charaktere ganz menschlich und individuell ausgearbeitet wurden, insbesondere natürlich Ferenc, der die Geschichte erzählt.
Als nach ungefähr drei Vierteln des Romans ein sehr actionreicher Spannungsbogen geschlossen wird, fragt man sich, was denn nun noch kommen mag. Hier warten Judith und Christian Vogt mit einem sehr schönen Twist auf, der für weitere Spannung sorgt, denn nun kommen allerhand Geheimnisse ans Licht…
Fazit: Einer der abenteuerlichsten und spannendsten Steampunkromane der letzten Zeit.

Die Website des Autorenduos mit weiteren Infos zu ihren Romanen:
http://www.jcvogt.de/

Neues aus der Aetherwelt der Anja Bagus

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copyright: Anja Bagus

Anja Bagus hat vor einigen Jahren die „Ætherwelt“ erfunden (wir berichteten) – ein alternatives deutsches Kaiserreich, in dem ab 1900 der „Æther“, eine grünliche Substanz dafür sorgt, dass viele Menschen, Pflanzen und Tiere sich verändern – sie bekommen ein anderes Aussehen und teilweise geradezu magische Fähigkeiten oder werden zu mehr oder weniger grotesken Mischwesen. Doch auch Wissenschaftler, Erfinder und Unternehmer nutzen den Æther, denn dieser dient auch als (nicht ganz ungefährliche) Energiequelle. Nach zwei Trilogien, die in dieser Welt angesiedelt sind, hat Anja Bagus nun ihren neuen Roman „Ruhelos“ veröffentlicht und die Grusel-Anthologie „Ætherseelen“ herausgebracht.
Diese Bücher möchten wir Ihnen heute vorstellen.

Ruhelos
Inhalt:
Seit die Toten sich aus ihren Gräbern erhoben und zum Dom gezogen sind, ist Köln eine zerrissene Stadt. Nacht für Nacht kreischen und toben die Wiedergänger vor dem Sakralbau – niemand weiß, warum. Tagsüber liegen sie herum und werden von den belebten Wasserspeiern bewacht.
Helena Teufel ist stark. Ihre außergewöhnliche körperliche Kraft und Entschlossenheit machen sie zu einer guten Soldatin bei der exekutiven Einheit des kaiserlichen Heeres. Aber ihre rücksichtslose Zielstrebigkeit bei der Verfolgung Krimineller macht sie auch zu einer Gefahr. Nach einem spektakulären Einsatz, der aber beinahe einige Leben gekostet hätte, wird sie degradiert. Als schlichte Beamtin im Amt für Ætherangelegenheiten kommt sie einem besonders perfiden Gauner auf die Schliche. Zusammen mit einem sehr ungewöhnlichen Pferd und dem Beamten Adam Schreiber nimmt sie die Spur auf.
Wird das Teufelsweib ihren neuen Schützling retten und den ‚Knochenbrecher‘ dingfest machen können?

Rezension:
Wie in allen bisherigen Ætherwelt-Romanen von Anja Bagus steht im Zentrum dieser Geschichte wieder ein (in diesem Fall auch im Wortsinne) starker Frauencharakter: Helena Teufel. Diesmal ist die Handlung in militärischen Kreisen angesiedelt, aber auch das Amt für Ætherangelegenheiten spielt wieder eine wichtige Rolle. Die Untoten, welche hier für einigen Schrecken sorgen, sind übrigens etwas anders als die typischen Zombies, aber mehr möchte ich dazu hier nicht verraten. Anja Bagus beschreibt „Ruhelos“ auch als Pferdebuch – durchaus gerechtfertigt, da hier ein schwarzer Hengst im Grunde die zweite Hauptfigur ist, allerdings ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.
Wer hier übrigens eine Art Zombie-Roman erwartet, bei dem sich die Menschen gegen blutrünstige Untotenhorden zur Wehr setzen müssen, wird enttäuscht werden. Die Handlung ist bis auf wenige Ausnahmen erfreulich unblutig, aber nichts desto trotz sehr spannend.
Steampunkig wird das Ganze übrigens durch einen verrückten Wissenschaftler, dessen genaue Machenschaften ich ebenfalls nicht verraten möchte, um nicht zu spoilern. Der Roman ist in sich abgeschlossen, lässt aber durchaus Raum für eine Fortsetzung und macht Lust auf mehr.

Die Seite zum Buch: http://www.anja-bagus.de/shop/

copyright: Anja Bagus

copyright: Anja Bagus


Ætherseelen
(erschienen bei Edition Roter Drache)

In der Nacht auf Allerseelen stellt man Kerzen auf Gräber. Es ist die Nacht, in der die Pforten zum Jenseits weit offen stehen. Aber welches Jenseits? Himmel oder Hölle oder gibt es gar noch mehr?
In dieser Nacht kann viel geschehen, vor allem, seit der Æther – dieser grüne Nebel, aus dem Wesen aus Mythen und Legenden entsteigen – die Welt noch unberechenbarer gemacht hat.
An dieser Anthologie haben zwölf Autoren mit insgesamt vierzehn Geschichten mitgewirkt.

Hier ein Überblick über die einzelnen Geschichten:

‚Das Scharren an der Hintertür‘ von Olaf Stieglitz
Ein grausames Verbrechen ist geschehen, das von einem gefährlichen Mannwolf begangen wurde.  Der Ermittler ist furchtlos, denn ihm wurde vorhergesagt, dass er nicht sterben werde, ehe er von seinem eigenen Tod träume. Diese Geschichte spielt auf gelungene Weise mit klassischen Horrorklischees.

‚Das mechanische Herz‘ von Ingo Muhs
Diese kurze Geschichte erinnert ein wenig an Edgar Allan Poes „Das verräterische Herz“

‚Brausefrosch‘ von Ingo Muhs
Wollten Sie schon immer mal wissen, warum sich giftige blaue Frösche und Brausepulver nicht vertragen? In dieser skurril-gruseligen Geschichte erfahren Sie mehr.

‚Johann Gotthold Memminger und die verschwundenen Kinder von Wien‘ von Anna Hild
Dies ist eine der stärksten und gruseligsten Geschichten der Anthologie. In einem Wiener Krankenhaus verschwinden immer wieder totgeborene oder nach der Geburt gestorbene Kinder. Ein Ermittler, mit besonderen, durch Æther geprägte Fähigkeiten, stößt dabei auf Übernatürliches und gerät selbst in Gefahr.

‚Grün ist die Hoffnung‘ von Pascal Krämer
Bei dieser Geschichte hätte ich mir gewünscht, dass sie noch länger wäre und die weiteren Abenteuer ihrer Protagonistin erzählt, die durch den Æther verändert wird.

‚Marie‘ von Katherina Ushachov
Marie ist ein Katzenwesen und wird beauftragt, in einer alten Ruine einen Schatz zu finden. Doch was sich ihr dort mitten in der Nacht zeigt, ist anders, als sie es erwartet hat.

‚Neues Leben‘ von Jens Gehres
Baron von Wolfenberg und seine Frau erwarten Nachwuchs, doch sie stirbt bei der Geburt des Kindes.
Der Baron ist untröstlich, doch der aufsteigende Æther eines benachbarten Baches und die Geschichten um Toten, die durch Æther wiederbelebt wurden, bringt ihn auf eine Idee. Ob das gut gehen kann?

‚Augen im Dunkeln‘ von Billie Przgendza
In dieser Geschichte wird ein unbedarftes Mädchen von einer unheimlichen Gestalt verfolgt.

‚Vom Johan mit der Laterne‘ von Bernar LeSton
Von Gestaltung und Sprachstil her erinnert diese schöne Geschichte sehr an Schauermärchen aus dem 19. Jahrhundert, aber auch an die englische Geschichte von „Jack O’Lantern“.

‚In den Wäldern der Sierra Nevada‘ von K. R. Sanders
Eine der wenigen Geschichten, die nicht in Deutschland angesiedelt sind, sondern wie schon der Titel verrät, in den Vereinigten Staaten. Ein Ranger wird nachts in der Wildnis von unheimlichen Lauten geplagt. Als er diesen nachgeht, passiert etwas Schreckliches.

‚Nebulös‘ von Margarethe Alb
Diese Geschichte ist noch fantasy-lastiger als die übrigen, da hier ein durch und durch übernatürliches Wesen im Zentrum steht.

‚Afrika‘ von Dorothe Reimann
Hier geht es um schwarze Magie in Afrika, die einen kleinen Jungen und seine Mutter in Gefahr bringt.
Und auch hier wabert der gefährliche Æther über den Tanganjika-See…

‚Die Jungfernfahrt der Goetzen‘ von Dorothe Reimann
Eigentlich sollte diese Jungfernfahrt eines deutschen Schiffes in Afrika etwas ganz besonderes werden. Das wird sie auch, doch anders, als erwartet. Auch hier sorgt schwarze Magie für Turbulenzen.

‚Die Pforten des Jenseits‘ von Anja Bagus
Eine Frau, die vor langer Zeit ihr ungetauftes Kind verloren hat, bekommt Krebs und hat nicht mehr lange zu leben. Nun steht sie vor einem christlich geprägten Dilemma: Da ihr Kind nicht getauft ist, vermutet sie es in der Hölle. Wenn sie aber nach ihrem Tod in den Himmel kommt, wird sie es nicht wiedersehen.
Doch es gibt auch noch andere Möglichkeiten. In dieser Geschichte gibt es einen interessanten Plot-Twist.

Fazit:
Insgesamt eine schön-schaurige Anthologie – nicht nur zu Halloween oder Allerseelen, die hoffen lässt, dass es noch weitere Ætherwelt-Anthologien geben wird.

Die Verlagsseite des Buches: http://www.roterdrache.org/cms/aetherseelen/

Die dunkelbunten Farben des Steampunk - eine Anthologie

Mit dieser im wahrsten Sinne des Wortes farbenfrohen Anthologie stellen wir einen der Gewinner des Deutschen Phantastik Preises 2016 vor. Auf 280 Seiten versammeln sich in diesem Band 14 Kurzgeschichten.

copyright: Artskript Phantastik Verlag

copyright: Artskript Phantastik Verlag

Passend zum Motto der Anthologie ist der gesamte Text jeder Geschichte auch in der passenden Farbe gehalten, wobei auf schwer lesbare Farben wie gelb verzichtet wurde. Die Verlegerin berichtet im Vorwort über ihre Faszination angesichts von Büchern mit farbiger Schrift (wie beispielsweise „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende).

Die Kurzgeschichten selbst sind so vielfältig wie  ihre Farben – mal gruselig, mal spannend, mysteriös, sozialkritisch oder auch schräg und humorvoll. Insofern ist hier für jeden Geschmack etwas dabei. Einige konzentrieren sich in erster Linie auf die ausgewählte Farbe, während andere deutlich mehr Steampunk-Elemente enthalten, z.B. besondere Erfindungen oder eine Gesellschaft, die in einem (mehr oder weniger) alternativen 19. Jahrhundert angesiedelt ist.

Hier ein Überblick über die einzelnen Geschichten:

Silberne Augengläser – Detlef Klewer
Im Auftakt der Anthologie vermischt Detlef Klewer gekonnt die Kriminalgeschichte um „Jack the Ripper“, dem mysteriösen Londoner Serienmörder von 1888, mit einem ganz anderen Fall der übernatürlichen Art.

Rosaroter Dampf – Stefanie Bender
Die Dampfmaschine, um die es hier in den 1860er Jahren in Deutschland geht, gibt nicht nur rosaroten Dampf von sich, sondern hat noch ganz andere, ungeahnte Fähigkeiten, wie der Protagonist Simon am eigenen Leib zu spüren bekommt.

Rot wie Teufelsatem –  Corinna Schattauer
Hier geht es zunächst um eine wahrlich teuflische Drogenabhängigkeit, doch das ist erst der Anfang in dieser sehr spannenden Geschichte.

Erasmus Emmerich und der zinnoberrote Zinnsoldat – Katharina Fiona Bode
Dies ist die skurrile Vorgeschichte zu dem Steamfantasy-Krimi: „Erasmus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallarmé“ (wir berichteten).

Archibald Leach und das Grauen in Orange – Markus Cremer
Ein orangefarbenes Monster droht London zu erobern. Oder steckt noch etwas anderes dahinter? Zum Glück wissen sich Archibald Leach und seine Partnerin Sarah Goldberg zur Wehr zu setzen.

Helena Roth und die grasgrüne Seide – Isabelle Wallat
Hier geht es augenscheinlich um Mode, doch es ist ziemlich unheimlich, was ein simpler Seidenstoff hier für Auswirkungen hat.

Biggels Gespür für Moos – Andrea Bienek
Ein steampunkiger Krimi, diesmal aus einer ungewöhnlichen Perspektive, denn Biggels ist ein Beagle.

Marinikum Amethysta-  Denise Mildes
Mit dem besonderen violetten Metall Marinikum Amethysta werden phantastische Erfindungen erschaffen, die jedoch einen hohen Preis haben… diese Geschichte wird insbesondere Fans von H.P. Lovecraft erfreuen.

Aconitum Napellus – Dunkelblaues Gift – Ashley Kalandur
Aconitum Napellus, auch bekannt als „Blauer Eisenhut“ ist eine sehr giftige Pflanze, und mit ihrer Hilfe möchte ein Professor ein Experiment am lebenden Objekt machen. Ob das gut gehen kann?

Ein Traum in Königsblau – Dennis Frey
In dieser Geschichte wird ein Textilfabrikant vom französischen König beauftragt, ein noch nie da gewesenes Blau zu kreiieren. Dabei erhält der Fabrikant unerwartet auf übernatürliche Weise Hilfe. Doch wird er auch den anspruchsvollen König zufrieden stellen können? Dennis Frey greift hier auch auf bekannte Folklore zurück und spielt auf ein Märchen an, doch mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Das Türkis des vergessenen Sommers – Sabrina Železný
Hier wird ein alternatives Buenos Aires beschrieben, welches fast endzeitig wirkt. Farbessenzen sind hier zu kostbaren Prestigeobjekten erhoben worden, die den Reichen vorbehalten sind, während sich die ärmeren Bevölkerungsschichten mit dunklen oder hässlichen Farben begnügen müssen, wie Grau oder schmutzigem Braungrün. Diese Geschichte ist sehr sozialkritisch und schildert die Verhältnisse aus der Sicht einer jungen armen Frau, die als Farbenlieferantin arbeitet.

Hellbraun – Leben und Tod – Daniel Schlegel
Diese Geschichte berichtet von einer Wüstenexpedition auf der Suche nach Wasser, die es mit einem übernatürlichen, mystischen Wesen zu tun bekommt.

Die bronzene Silbermünze – Daniel Huster
Der Autor entführt den Leser in die Welt der Zauberer, bzw. der Bühnenillusionisten. Oder gibt es am Ende gar wahre Magie?

Die graue Einöde des Vergessens – Fabian Dombrowski
Auf den ersten Blick eine weitere Expeditionsgeschichte, bei denen ein Archäologe und seine Partnerin in einem alten Bauwerk in einem Urwald nach einer mythischen Waffe suchen. Doch welches Geheimnis haben die beiden Forscher?

Die Verlagsseite der Anthologie.

Victorian Secrets - verbotene Sünden: Ein Steampunk Krimi von Helen B. Kraft

Romance Edition Victorian Secrets

copyright: Romance Edition und JDesign

Nachdem wir Ihnen bereits die Steampunk-Krimis „Die Seelenlosen“ von Tanja Meurer und „Ersticktes Matt“ von Nina C. Hasse vorgestellt haben, folgt hier ein weiteres Werk dieses Genres, diesmal von der übernatürlichen Art.
Sicherlich haben Sie schon einmal vom berühmten Scotland Yard gehört, der Institution schlechthin für Verbrechensbekämpfung, die in London zu finden ist. In Helen B. Krafts Roman gibt es darüber hinaus eine spezielle Abteilung dieser Einrichtung, den „Scotland Visional Yard“. Hier werden Verbrechen auch mit übernatürlichen Mitteln untersucht, zum Beispiel von der „Traumgängerin“ und Agentin Emma St.Claire.

Während einer Mordserie in London wird sie auf den Adligen Sir Ian Connery angesetzt, der zu den Tatverdächtigen zählt. Sie wird beauftragt, seine Träume zu analysieren, und schon bald wird ihr klar, dass der Lord etwas zu verbergen hat. Zugleich fühlt sie sich mehr und mehr zu dem ungewöhnlichen Mann hingezogen…

Helen B. Kraft verbindet hier einen Krimi der etwas anderen Art mit einer Liebesgeschichte, die sich im Laufe der Geschichte immer mehr zwischen den beiden sehr unterschiedlichen und gleichzeitig sympathischen Hauptcharakteren entfaltet. Hierbei gelingt es der Autorin, gut die Waage zu halten zwischen Romantik und Krimi.

Bei der Technik des „Traumgehens“ werden übrigens Anklänge an den Film „Inception“ deutlich, in dem Träume und deren Beeinflussung ja ebenfalls eine zentrale Rolle spielen. Allerdings gibt es in diesem Roman – ganz steampunktypisch – darüber hinaus noch ein besonderes, aufwändiges Gerät, welches der sogenannten „Traumextraktion“ dient, sowie weitere Erfindungen, die es so nie gab. Schön beispielsweise die Vorstellung von fliegenden Kutschen, die in dieser Geschichte im Londoner Luftraum unterwegs sind.

Die Autorin hat auch eine Erklärung parat, warum es in ihrer Steampunkwelt eigentlich übernatürliche Phänomene gibt, allerdings wird hier vieles nur angedeutet, so dass sich der geneigte Leser den Rest selbst zusammen reimen kann. Passenderweise wird auch die Verbrechensbekämpfung sowohl mit klassisch-kriminalistischen wie übernatürlichen Methoden gemacht, und Letztere spiegeln sich vor allem im spannenden Finale wieder.

Abschließend lässt sich noch zum Sprachstil sagen, dass sich dieser angenehm und flüssig liest. In der Buchreihe „Victorian Secrets“ sind übrigens bereits mehrere Titel erschienen. Einen Überblick über diese sowie weitere Bücher der Autorin finden Sie auf ihrer Website.

Ersticktes Matt - ein Steampunk Krimi von Nina C. Hasse

Das „erstickte Matt“ ist eine spezielle Formation im Schachspiel. Doch man muss kein passionierter Schachspieler oder Kenner des Spiels sein, um an diesem realistisch-dramatischen Steampunk Krimi seine Freude zu haben.

copyright: Kim und Nina Hasse

copyright: Kim und Nina Hasse

Angesiedelt ist die Geschichte im winterlichen New York um 1893.  In den berüchtigten Floodlands, einem Elendsviertel mitten im East River, verfolgt die Polizei ein Gespenst. An jedem Tatort finden sie eine erdrosselte weibliche Leiche mit einer Schachfigur in der Hand. Ist hier ein Wahnsinniger am Werk? Zur gleichen Zeit findet in der Stadt ausgerechnet ein wichtiges Schach-Turnier statt.
Der Protagonist Remy Lafayette analysiert Gesichter (eine beliebte Wissenschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts) und ist zugleich Berater beim New York Floodlands Police Department. Für ihn wird die Jagd nach dem Mörder zu einer qualvollen und dramatischen Reise in die eigene Vergangenheit, als seine ehemalige Verlobte in die Ereignisse verwickelt wird. Mehr sei an dieser Stelle zum Inhalt nicht verraten.

Der Stil dieses Krimis ist zugleich elegant, wie auch sehr anschaulich. Das bedrückende Elendsviertel „Floodlands“, aber auch andere Orte in New York werden sehr lebensnah geschildert, so dass man sich sehr gut in die Geschichte hineinversetzen kann. Die Figuren sind ebenfalls sehr gut ausgearbeitet, was sowohl für Protagonisten wie die Nebenfiguren gilt. Lafayette ist ein sympathischer und auch ungewöhnlicher Ermittler bzw. Berater. Das erinnert an so manche Krimiserie, welche die üblichen polizeilichen Ermittler-Teams um extraordinäre Berater ergänzen, die dem Ganzen dann das gewisse Etwas verleihen. Aufmerksame Leser werden in diesem Krimi außerdem einige Hinweise auf den Mörder entdecken können, die geschickt eingestreut worden sind.

Nina C. Hasse hat fünf Jahre lang an diesem Debüt gearbeitet – und es hat sich gelohnt. Bleibt zu hoffen, dass weitere Krimis mit Remy Lafayette und seinen Kollegen nicht so lange auf sich warten lassen. Ein Kurzkrimi mit dem Titel „Der Traum vom Fliegen“ ist übrigens ebenfalls bereits erschienen.

Eine Leseprobe zu „Ersticktes Matt“ gibt es hier auf dem Blog der Autorin, sowie weitere Informationen.

Rezension: Das Amulett in der Wüste von Fay Winterberg

Wir schreiben das Jahr 2207. Lilith Avant-Garde ist eine junge Archäologin – und ein Halbvampir.  Gemeinsam mit ihrem Vater reist die Spezialistin für übernatürliche Artefakte nach London zu einer großen Zusammenkunft der Vampir-Oberhäupter Europas, bei der so manche politische Intrige deutlich wird. Dort erhält Lilith einen neuen Auftrag, der sie nach Luxor (Ägypten) führt, auf die Suche nach einem antiken Artefakt. Diese Suche erweist sich als wesentlich gefährlicher als erwartet…

copyright: Artskript Phantastik Verlag

copyright: Artskript Phantastik Verlag

„Das Amulett in der Wüste“ ist der 2. Teil in der Reihe „New Steampunk Age“. (Teil 1 heißt „Wien – Stadt der Vampire“).
Die Autorin erklärt ihre Welt zu Beginn mit einem geschichtlichen Abriss. Darin gibt es zwischen 2090 und 2100 einen weltumfassenden Krieg, bei dem Vampire und andere mystische Wesen verfolgt werden. Dieser Krieg braucht die Ressourcen des Planetens auf, daher besinnen sich Menschen und andere Wesen anschließend wieder auf die alten Techniken des 19. Jahrhunderts zurück und verbinden diese mit modernen Errungenschaften.
Dementsprechend gibt es in dieser Welt eine bunte Mischung aus alter und neuer Technik, beispielsweise ebenso Handys wie Luftschiffe. Auch die beschriebene Mode mutet mal sehr modern, mal nach Vintage an. Damit reiht sich das Buch ein in den Trend jener Steampunk-Bücher, die in einer Zukunft angesiedelt sind, in der man sich aufgrund von Ressourcenmangel wieder früheren Technologien zuwendet.

Der Roman ist eine Mischung aus Urban Fantasy (mit Vampiren, Werwölfen, Dämonen und Magie) und Steampunk-Elementen. Hier geht es weniger um abenteuerliche Action, sondern eher um die komplexen Beziehungsgeflechte und Intrigen innerhalb der Vampirgemeinschaft.

Die Hintergrundgeschichte der Vampire geht hier bis auf den biblischen Kain zurück – eine Idee, die unter anderem auch in dem Rollenspiel „Vampire: Die Maskerade“ und in einigen anderen Vampirromanen zu finden ist, ebenso die Hierarchie dieser Wesen mit Prinzen an der Spitze.

Lilith ist eine sympathische und moderne Heldin, die man gern bei ihren Abenteuern begleitet. Der zum Teil illustrierte Roman endet mit einem spannenden Cliffhanger und die Reihe wird demnächst fortgesetzt.

Die Verlagsseite des Buches.
Der Blog der Autorin.

Turm & Strang - Laudanum ins Ohr - Review

Logo Turm & Strang„Turm & Strang: Österreichs erste Steampunk-Band.
Der Stil: Deutschsprachiger Dubstep-Rock, viktorianischer Crossover, industrial Soundtrack, Steampunk.
Die Attitüde: Verdammt viktorianisch, gotisch melancholisch, dampfend dynamisch.
Der Auftrag: Die geneigte retrofuturistische Hörerschaft auf höchstem Niveau eskalieren zu lassen.
& nun: Vernehmt der Dämonenlegion Schlachtgesang, seid eurer Liebsten Turm & eurer Feinde Strang.“

So wortgewaltig beschreiben sich die drei Herren Lord Casey Reed-Abagnale, Mr. Jep Rawley und Sir Morgan Archaius aus Wien auf ihrer Gesichtsbuchseite selbst und nicht weniger gespannt sind wir auf ihr Debutalbum „Laudanum ins Ohr“ das bereits Anfang des Jahres erschienen ist (genauer gesagt am 15.01.2016) und viel zu lange auf der Festplatte schlummerte.

Coverbild "Laudanum ins Ohr"

Tracklist:
1 Wendepunkt
2 Leitwolf
3 Victoria
4 Aschewolke
5 Tiefenrausch
6 Schreigebet
7 Protagonistin
8 Heizarmee
9 Vollbrand
10 Shiva

Elektronischer Sound begrüßt den geneigten Hörer, bald darauf begleitet von E-Gitarren. Der erste Song „Wendepunkt“ behandelt direkt den themtischen Klassiker der Steampunk-Musik: Hoch hinauf geht es mit dem Luftschiffpiloten, ein cooler Typ, der auf alles vorbereitet ist und so ist auch sein Zeppelin ein sehr ungewöhnliches Gefährt.

„Leitwolf“ zeigt, was sich hinter der Genrebezeichnung „Dubstep-Rock“ verbirgt: Fette elektronische Basslinie und Synthesizer, gepaart mit rockigem Gitarrenklang, dazu fast schon aggressiver Sprechgesang, den der Steampunker sonst wohl nur von Professor Elemental und seinem Chap-Hop kennt.

Melodischer wird es mit „Victoria“, gemeint ist natürlich Queen Victoria, die Namensgeberin der Epoche, die dem Steampunk als Vorbild dient. Und so ist auch das Lied eine Lobeshymne auf das Genre, in dem selbst so sperrige Wörter wie „Retrofuturismus“ gekonnt verbaut werden.

Bild: Szene Wien

Bild: Szene Wien

Die nun folgende Ballade „Aschewolke“ vereint minimalistisch-klaren Beat mit Gitarre, Streichern und Gesang zu einem melancholischen Gesamtbild.

Nach dem rasanten Start geht es mit dem Instrumentalstück „Tiefenrausch“ etwas gesetzter weiter. Der Klang des Sonars wird mit Gitarren und Bassbeat tanzbar gemacht. Über die Länge von über 4 Minuten nimmt das Lied immer mehr Fahrt auf und zeigt die verschiedensten Facetten des klanglichen Ozeans von Turm & Strang.

Huch? Hat sich da etwa Falco auf die Platte verirrt? „Schreigebet“ erinnert zu Beginn stark an den Wiener Musiker und seinen Rapstil. Spätestens aber im Refrain dominiert wieder klar der eigene Stil von Turm und Strang. Ausgiebige Gitarrensoli über E-Beat machen den Song zum längsten des Albums.

Bild: Elisabeth Gatterburg

Bild: Elisabeth Gatterburg

Mit „Protagonistin“ folgt ein Lied, dass sich dann schon eher mit Rock-Pop beschreiben lässt. Gitarre dominiert den Sound, der Beat ist treibender als zuvor und wieder wird der Hörer mit Soli beglückt.

Deutlich dreckiger, thematisch wie klanglich, kommt „Heizarmee“ daher. Die Geschichte des Strafvollzugs einer fiktiven Stadt wird untermalt von Heavy Metal Gitarren und Refrains, die an Arbeiterchöre erinnern, alles im Takt der zu befeuernden Maschinen. Kontrapunktiv dazu kommt ein Kinderchor zum Einsatz, der dem Ganzen einen noch monumentaleren Charakter gibt und den Inhalt sehr makaber erscheinen lässt.

Es bleibt bei rockigem Gitarrensound, wieder instrumental mit „Vollbrand“, wo erneut zu hören ist, warum sich die drei Wiener als Dubstep-Rocker bezeichnen, diesmal inklusive klassischem Schlagzeug Sound.

„Shiva“ ist der ruhige letzte Song des Albums, mit dem sich das Trio vom Hörer verabschiedet. Klavier und Synthesizer und natürlich auch hier wieder Fingerspiel auf der Gitarre bis der letzte Ton im Aether verklingt.

Bild: Szene Wien

Bild: Szene Wien

FAZIT:
Das Debutalbum „Laudanum ins Ohr“ der jungen österreichischen Band überrascht mit sehr abwechslungsreichen Liedern, in einem Genre, dass es bislang im Steampunk noch nicht gegegeben hat. Gott sei Dank legt sich der Steampunk nicht auf ein Musikgenre fest, sonst wäre ihm dieses Schmankerl entgangen!

Insbesondere die Texte bestechen durch ihre lyrisch-poetischen Qualitäten und so manches gekonnte Wortspiel lässt einen schmunzeln. Der Gesang ist technisch sauber und die Stimmen harmonieren gut, auch wenn so manche Zeile etwas gewollt „böse“ klingt. Hin und wieder klingt ein wenig Dialektfärbung durch, die das Ganze sehr sympathisch macht.

Die Beherrschung der Instrumente beweisen die Herren nicht zu knapp in ihren teils sehr ausgedehnten Soli, allerdings klingt der elektronische Beat stellenweise arg „sauber“ im Vergleich zum „dreckigeren“ Gesang und zum Inhalt der Lieder.
Das tut dem Hörvergnügen jedoch keinen Abbruch, da die Songs ingesamt so unterschiedlich sind. Trotzdem hört man durchaus einen eigenen Stil in der Verbindung Dubstep und Rock heraus.

Als Debutalbum eine sehr gelungene Leistung mit unbedingter Hörempfehlung!

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Lieblingssongs der Redaktion: Victoria als Ode an den Steampunk und Heizarmee, weil man sofort die düsteren Kulissen von Metropolis vor Augen hat.

Das Album ist hier erhältlich und ebenfalls bei Spotify zu hören.

Am 31.10. wird mit „Sukkubus“ die erste Single erscheinen.

Mehr Informationen zu Band, Album und kommenden Konzerten gibt es auf der Homepage und auf Facebook.

Rezension: die Anthologie Steampunk Akte Deutschland

In der Einführung dieser Anthologie berichtet der Archivar der Geheimorganisation Schmetterling
von merkwürdigen Ereignissen in Deutschland, die aktenkundig geworden sind und nun nach dem Willen seines Vorgesetzten auch der allgemeinen Bevölkerung zugänglich gemacht werden sollen, damit sie sich der Existenz dunkler Wesen in ihrem Land bewusst werden.
Das Buch gewann den deutschen Phantastik Preis 2015 als beste Original-Anthologie.

copyright: Artskript Phantastik Verlag

copyright: Artskript Phantastik Verlag

Hier ein Überblick über die 15 vielseitigen, spannenden Kurzgeschichten:

Der mechanische Mann // Detlef Klewer
Hier erfährt der Gefreite Hasenkamp im deutsch-französischen Krieg von einem fürchterlichen Geheimnis des französischen Militärs. Bald darauf arbeitet er mit einem weiblichen General-Leutnant zusammen und trifft sogar auf Bismarck.

Die Geister, die ich rief // Corinna Schattauer
Der Erfinder Eric hat eine Maschine entwickelt, mit der er die Geister Verstorbener beschwören kann.
Doch etwas hat er bei seinen Versuchen nicht bedacht, und so steht er mit seiner Freundin Cleo bald einer Heimsuchung aus dem Jenseits gegenüber.

Erasmus Emmerich und der Messing-Türknauf // Katharina Fiona Bode
Emmerich, Detektiv im Dienste des Fürsten von Bismarck löst gemeinsam mit der ungewöhnlichen Fee Marie einen mysteriösen Fall. Übrigens gibt es inzwischen auch einen kompletten Roman über die Abenteuer des Erasmus Emmerich (wir werden später darüber berichten).

Proterius‘ Konservendose // Daniel Huster
Als der exzentrische Erfinder Proterius versucht, eine Konservendose zu entwickeln, die seinen Konkurrenten den Rang ablaufen könnte, geschehen unvorhersehbare Dinge.

Seelenverzehrer // Daniela Herbst
Harkon Christobal möchte einen Sukkubus überlisten – in einer dystopischen Welt voller Industrieruinen, die in der nahen Zukunft angesiedelt ist.

Wolfsjäger // Kim Christine Wiefelspütz
Eine klassische Werwolf-Geschichte, mit dem einen oder anderen Steampunk-Gadget.

Die Tücken der Technik // Dennis Frey
Ein Erfinder baut eine spezielle elektrische Rüstung für das preußische Militär. Die hat allerdings gefährliche Nebenwirkungen, wie sich auf der Weltausstellung im Londoner Kristallpalast zeigt.

Archibald Leach und der Plan des Kaisers // Markus Cremer
Archibald Leach und seine Kollegin Sarah Goldberg bekommen Unterstützung von keinem Geringeren als Karl May, um ein Verbrechen zu verhindern, das von einem Doktor Moreau angezettelt wurde.

Der Geist in der Maschine // Marion Fischl
In dieser Geschichte wendet sich der Erzähler, ein genialer, aber moralisch fragwürdiger Erfinder, direkt an den Leser, um ihm seine bedeutendste Erfindung vorzustellen.

Der Plan des Grafen von B. // Adrian Sommerfeldt
Ein junger Dichter lernt einen Graf und dessen schöne Tochter kennen. Doch beide umgibt ein finsteres Geheimnis, wie er bald feststellen muss…

Der Wunsch // Ashley Kalandur
Diese Geschichte erinnert entfernt an Aladin und die Wunderlampe.

Das einfallsreiche Fräulein Helena Roth // Isabelle Wallat
Fräulein Roth ist Erfinderin und gleichzeitig Vampirjägerin. Ob sie den Vampir besiegen kann, der ihren Verlobten bedroht?

Der Mann in Schwarz // Fabian Dombrowski
Diese Geschichte unterscheidet sich recht stark vom Rest, denn sie entführt uns in das Deutschland der 1960er, als der Kalte Krieg im vollen Gang ist. Doch hier geht es um eine Zeitreisemaschine, mit der gewisse politische Ereignisse aus der Vergangenheit verhindert werden sollen. Ob das gut geht?

Der Parasiteur // Andrea Bienek
Auf den ersten Blick ein Krimi mit einem Mordfall, entpuppt sich diese Geschichte bald als schaurige Horrorstory.

Der Gehilfe des Puppenmachers // Daniel Schlegel
In dieser Geschichte eifert ein Puppenmacher dem Vorbild seines verstorbenen Vaters nach: Er möchte lebensechte Puppen mit mechanischen Teilen erschaffen. Doch das ist gar nicht so leicht…

Die Verlagsseite der Anthologie.

Rezension: Die Grüne Fee - Geschichten aus Eis und Dampf

Das Sprichwort sagt: „Beurteile nie ein Buch nach seinem Umschlag.“ Im übertragenen Sinne ist dies gewiss ein guter Ratschlag. Hält man jedoch die „Grüne Fee – Geschichten aus Eis und Dampf“ in den Händen, so kommt man nicht daran vorbei, das Werk mit allen Sinnen, genauer gesagt, zu aller erst mit den Augen zu bewerten. Dass genau dies auch die Intension der Herausgeber des kleinen DIN A5 Softcoverheftes in Groschenromanoptik war, erkennt der Leser bereits beim ersten neugierigen Durchblättern und Schmökern: Nicht nur das Format, auch das griffige Papier im Inneren des Heftes, welche die ersten ursprünglichen Pulp-Magazinen ihren Namen verdankten, verleihen dem Heft den Charme eines Heftromans aus dem nahe gelegenen Zeitungskiosk an der Ecke. Sowohl der Einband als auch die Innenseiten sind graphisch künstlich gealtert und verleihen den Eindruck, dass das Heft schon bereits durch zahllose Hände gereicht oder eilig in die Tasche gestopft wurde. Handschriftliche Widmungen, Anmerkungen, Korrekturen und eilig geschriebene Randnotizen, verleihen dem Heft eine romantische „Abgetragenheit“ und eine Geschichte in mitten der Geschichten. Der Leser wird eingeladen, sich seine eigenen Vorstellungen zu machen, welche Wege das Heft bisher genommen hat, welche Personen es begleitet haben musste, um schließlich zu seinem aktuellen Besitzer zu gelangen. Vielleicht wurde es auf dem Bussitz neben an liegen gelassen oder ist das Geschenk eines guten Freundes, welcher es bereits selbst ein Dutzendmal durchblättert hat.

Doch was verbirgt sich hinter dem aufwendig in Szene gesetzten „Umschlag“ von  „Die Grüne Fee“? Im Jahr 2015 vereinten sich die Herausgeber und gleichzeitig Autoren des Heftes, namentlich Judith C. Vogt, Mia Steingräber, Christian Vogt und Tobias Rafael Junge, um gemeinsam eine Sammlung von Pulp-Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Alle Geschichten sollten sich in der Steampunk-Welt von Judith und Christian Vogts „Eis und Dampf“ abspielen. Bekannt wurden die beiden Autoren und ihr fiktives Universum unter anderem durch ihren Roman „die zerbrochene Puppe“, welcher 2013 den Deutsche Phantastik Preis als bester deutschsprachiger Roman erhielt. Es folgten die Kurzgeschichtenanthologie „Eis und Dampf“. Für Mia Steingräber und Tobias Junge stellt dieses Heft, laut Aussage des Teams, ihre erste literarische Veröffentlichung dieser Art dar. Im Juli dieses Jahres war es soweit und „Die Grüne Fee“ durfte das fahle Licht der Druckrollen erblicken. Insgesamt sechs Kurzgeschichten entführen uns in eine alternative viktorianische Welt geprägt durch eine mittlerweile 905 Jahre andauernde Eiszeit. Mit Hilfe der neuen „Außerordentlichen Naturwissenschaften“, sowie Errungenschaften in der Elektrizität und Æronautik gelang es den Menschen der zumindest in Europa allgegenwärtigen Kälte die Stirn bieten und die Welt nach ihren Visionen neu formen. Doch auch der Fortschritt hat seine Schattenseiten. Der Kampf um begehrte Rohstoffe tobte nun nicht mehr nur auf See und Land. Luftpiraten sind der allgegenwärtige Schrecken des Himmels, während in geheimen Laboren, nach dem Schlüssel für ein Leben nach dem Tod gesucht wird. Und zwischen all dem, der Ausbeutung, den Luftschlachten und Kreaturen, welche die Schatten bewohnen, kann man für nur einen Groschen am Kiosk ein kleines dünnes Heft kaufen. Darin erzählen sechs Kurzgeschichten von ganz unterschiedlichen Menschen, die in dieser Welt leben, beziehungsweise leben müssen, und von ihren ganz eigenen Schicksalen. Doch später mehr hierzu.

Titelblatt „Die Grüne Fee“
Foto: Eis und Dampf

Ich blättere neugierig durch die insgesamt 58 Seiten. Wurde bereits mein Blick vom wunderschön gestalteten Cover festgehalten, sobald ich das Heft das erste Mal in der Hand hielt, freue ich mich nun, weitere, zum Teil eine Seite füllende stimmungsvolle Illustrationen von Mia Steingräber zu finden. Mia Steingräber sollte nicht zuletzt als Illustratorin von Abenteuern und Spielhilfen aus dem Hause Ulisses Spiele, sowie für ihre Arbeit für den Uhrwerk Verlag bekannt sein. Ihre Werke fanden unter anderem Einzug in die Welt der Rollenspielsysteme des „Schwarzen Auges“, insbesondere „Myranor“, sowie „Space: 1889“. Unterstützt wurde sie in diesem ersten Band der Grünen Fee von Illustratorin Caryad, welche einigen Lesern sicherlich ebenfalls durch ihre zahlreichen Arbeiten für das deutsche Pen-&-Paper-Rollenspielsystem „Splittermond“ bekannt sein könnte. Bereits durch die detailreichen, atmosphärischen Zeichnungen beider Künstlerinnen könnte „Die Grüne Fee“ für Genreliebhaber schon jetzt zu einem begehrten Sammelobjekt werden. Ein Bonbon bieten darüber hinaus die Werbeanzeigen der Unterstützer dieses Projektes, alle samt Dienstleister und Künstler rund um die Themenbereiche Steampunk und Gaslight. Alle Anzeigen passen sich durch ihr Design optisch so in das Layout des Heftes ein, dass sie die erzeugte Illusion keinen falls zerstören, sondern diese unterstützen. Denn was wäre ein Groschenroman ohne die entsprechenden Werbeanzeigen? Ein Wermutstropfen, welcher erwähnt werden muss, stellt ein Layoutfehler innerhalb der Geschichte „Vom Waldorf Asteria zur Quelle des Nils“ dar. Zwar ist die gesamte Erzählung aufwendig und ansonsten gelungen in die Form eines Zeitungsartikels des fiktiven „Handelsspiegels“ mit zahlreichen für die Handlung elementaren handschriftlichen Rangbemerkungen gestaltet worden, doch verschwinden einige Millimeter des Textes in der mittleren Falz der Klammerbindung. Dies erschwert die Lesbarkeit leider immens und ist in Anbetracht des ansonsten fabelhaften Designs der Geschichte äußerst bedauerlich.

Genug ziellos geblättert. Ich mache mich daran, die sechs Kurzgeschichten unterschiedlicher Länge zu lesen, welche von den vier Autoren teils in verschiedener Konstellation zu zweit, teils von einem der Autoren alleine geschrieben wurden. Es dauert etwas, bis ich mich an den Stil der Geschichten gewöhnt habe. Und bald darauf weiß ich auch warum. Obwohl ich mir die gesamte Zeit bewusst war, oder dies zumindest annahm, dass es sich bei dem mir vorliegenden Heft um einen Groschenroman handelt, hatte ich offenbar nicht darüber nachgedacht, was mich stilistisch und inhaltlich erwarten würde: Pulp. Oder in diesem Fall „Steampunk-Pulp“. Statt lediglich Kurzgeschichten aus der Welt von „Eis und Dampf“, wie wir sie bereits aus der gleichnamigen Anthologie kennen, unter dem Label „Groschenroman“ zu veröffentlichen, liegt der Schwerpunkt der in diesem Heft veröffentlichten Geschichten tatsächlich nicht nur äußerlich, sondern auch inhaltlich auf aus Pulp-Magazinen bekannten Stilelementen und Themen. Horrorgeschichten mit unerwarteter Wendung, verpackt in Briefform, Tagebucheinträgen und Zeitungsartikeln, reißerische Abenteuer rund um waghalsige Luftpiraten und ewige Liebe in mitten von Lug, Betrug und Diebstahl, sowie die romanisierte Exotik und die Gefahren fremdländischer Orte. Sich heroisch an Seilen schwingende Helden, Liebe, welche alle Grenzen zu überwinden scheint, sowie eiskalte Meuchelmörder runden das Bild des Pulp-Heftes ab. Den vier Autoren gelingt es zielgerichtet all jene, sowie weitere dieser Elemente mit der Welt von „Eis und Dampf“ zu verknüpfen. Und so wird mit einem Augenzwinkern in zwei Geschichten auf „Die Grüne Fee“ von den Akteuren selbst kritisch Bezug genommen. Einer der Protagonisten beschreibt das  Zeitschriftenmagazin als „ein Format, in dem stets ein Potpourri aus erdachten  Geschichten, Reiseberichten, Gruselmärchen und Ähnlichem zu finden war“ voller „abstruser Titel in Groschenheftformat“. Diese Bezugnahme lässt das Heft, welches längst durch seine Aufmachung wie aus dieser Welt gerissen zu scheint, spielerisch noch „authentischer“ erscheinen. So „beißt“ sich literarisch „die Katze in den Schwanz“ und das Werk wird selbst Bestandteil seines Inhaltes. Ein geschicktes und witziges Detail. Durch ihre Vielfältigkeit, sowohl was Inhalt, Form, sowie Subgenre betrifft, Detektivgeschichte, Abenteuer-Romantik, Reisebericht, und mehr, ist zwangsläufig davon auszugehen, dass nicht alle der sechs Geschichten gleichermaßen den Geschmack des Lesers treffen. Jedoch ist diese Vielfalt der Segen und Fluch jeder Anthologie. Und so ging es auch dem Autor dieser Rezension. Seinen Geschmack traf vor allem die Geschichte „Männerballett“ von Christian Vogt. Obwohl kaum mehr als zwei Seiten lang, überraschten mich die gleich zwei Wendungen innerhalb der Geschichte und  rangen mir ein bewunderndes Lächeln ab.
Mehr sei über die Inhalte der sechs Geschichten jedoch vorerst nicht verraten, da ein unvorsichtig erwähntes Detail auf Grund der Kürze der Geschichten bereits zu viel verraten und so den Lesespaß verringern könnte.

Kann ich “Die Grüne Fee“ empfehlen? Durchaus. Jedoch eingeschränkt. Empfehlen will ich sie vor allem Liebhabern von Groschenromanen und „penny dreadful“. Den Autoren ist es gelungen den Geist und den Stil der Zeitschriftenmagazine einzufangen und geschickt in die Welt der „Zerbrochenen Puppe“, sowie „Eis und Dampf“ zu übertragen. Allen Fans der Welt sei das Heft schon alleine zur Vervollständigung ihrer Sammlung angeraten, was das gelungene Design angeht, sowie die Bezugnahme auf Prominenz, Örtlichkeiten und natürlich technischen Errungenschaften, welche in den Geschichten Erwähnung finden. Doch möchte ich gleichzeitig drauf hinweisen, dass Pulp nicht für jeden Geschmack das richtige sein muss. Dem Leser sollte zu Beginn bewusst sein, dass ihn kein Steampunk-Roman im klassischen Sinne erwartet, sondern dass die Erzählungen an der einen oder anderen Stelle bewusst für den Konsumenten eben solcher Groschenromane überzeichnet wurden. Wer mit dem schneidigen fast unbesiegbaren Luftpiraten, dessen wildes Haar im Wind weht, während ihm die Frauen scharenweise zu Füßen liegen, oder mit der taffen Reporterin, für die es gilt, sich in einer rauen Fremde beinahe ohne fremde Hilfe zwischen kriegerischen Männern zu behaupten, sich überhaupt nicht anfreunden kann, sollte diese Kost mit Vorsicht genießen. Die meisten dieser klischeebelasteten romantisierten Elemente werden jedoch mit einer guten Portion Witz und Ironie verpackt. Von einem kitschigen Liebes-Roman im Stile eines „Begehrt von einem Luftschiffheizer“ kann also hier in keinster Weise die Rede sein. Denn Mord, Betrug, Intrige, wie eine ordentliche Portion schwarzer Humor gehören zu einem guten Pulp, wie Liebe, Heldenmut und Ritterlichkeit.

Dem bis zu dieser Stelle Unsicheren empfehle ich, die gerade mal 3,50 Euro zu riskieren und sich selbst ein Bild zu machen. Denn schon alleine für die aufwendige Gestaltung des Heftes ist dies ein mehr als angemessen fairer Preis, bei dem man sofort zuschlagen sollte. Auch im Hinblick darauf, dass das Heft zumindest in Printform bisher ausschließlich auf ausgewählten Rollenspiel-, Steampunk und Fantasy-Conventions zu erwerben ist, darüber hinaus online bisher nur über die Herausgeber selbst vertrieben wird, sei auf die Exklusivität des Groschenheftes hingewiesen und eine zügige Anschaffung unter www.Die-Gruene-Fee.net empfohlen. An gleicher Stelle findet sich auch bereits eine Ankündigung für die Veröffentlichung einer eBook-Version, welche im Uhrwerk-Verlag erscheinen soll.
Bis zum heutigen Tag, der Fertigstellung dieser Rezession, wurde von den vier Herausgebern keine Fortsetzung der Kurzgeschichtensammlung angekündigt. Die Tatsache, dass „Die Grüne Fee“ jedoch mit dem Zusatz „Ausgabe 1“ betitelt wurde, lässt Fans auf weitere Groschenromane aus der Welt von „Eis und Dampf“ in den kommenden Jahren hoffen. Bis dahin tröstet uns ein beinahe versteckter Hinweis im Rahmen eines Zirkusplakats auf dem Rückumschlag von „Die Grüne Fee“. Im Kleingedruckten des Plakats finden wir dort die Ankündigung der „Verlorenen Puppe“, dem Fortsetzungsroman der „Zerbrochenen Puppe“ von Judith und Christian Vogt bereits im Oktober dieses Jahres.

Rezension: Unruh - das Ticken des Uhrwerks (Steamfantasy Roman)

„Unruh“ ist angesiedelt im 22. Jahrhundert, doch die Welt, wie wir kennen, existiert schon lange nicht mehr, und vieles ist in Vergessenheit geraten. Aus den Trümmern der vergangenen Zivilisation ist eine quasi mittelalterliche, feudal geprägte Gesellschaft entstanden, mit Herzogen und anderen Herrschern. Doch das ist nicht alles – immer wieder werden Kinder mit seltsamen, zahnradförmigen Malen auf der Stirn geboren, die über magische Kräfte verfügen. In einigen Gegenden werden sie wie Aussätzige behandelt, doch in anderen werden sie die Schüler der sogenannten Meisterhüter. Diese Auserwählten bewahren das alte Wissen und tragen es in die Welt, denn eine gigantische Bibliothek mit einem Uhrwerksmechanismus, die man nur auf magischem Weg öffnen kann, ist ihre Quelle.

copyright: Artskript Phantastik Verlag

copyright: Artskript Phantastik Verlag

Die junge Saya wird Schülerin des Meisterhüters Darmandres, doch als sie mit ihm zu einem Treffen mit den anderen Hütern reist, wird dieses Fest von einer Rebellin und deren Verbündeten angegriffen. Doch auch in den eigenen Reihen gibt es Konflikte, und schon bald wird Saya in Intrigen und alte Feindschaften verwickelt.

Aus der Feder der österreichischen Autorin Mia Faber (alias Ingrid Pointecker) stammt dieser umfangreiche Roman mit 596 Seiten, der ursprünglich in einem anderen Verlag als Trilogie veröffentlicht wurde.

In der Geschichte liegt die Betonung weniger auf Steam, sondern auf Fantasy, was in den magischen Fähigkeiten der Hüter und ihrer Schüler deutlich wird. Eigentlich wäre auch Clockpunk als Genre passend, da hier ein gewaltiges Uhrwerk eine wichtige Rolle spielt.
Die Handlung ist spannend und verlangt aufmerksames Lesen, da hier verschiedene Handlungsstränge diversen Charakteren auf ihren unterschiedlichen Wegen folgen, aus der Sicht eines allwissenden Erzählers.  Die einzelne Abschnitte und Kapitel haben dabei leserfreundliche Längen. Auch eine Liebesgeschichte ist hier zu finden, die sich aber dezent im Hintergrund hält.

Das Ende und die Auflösung fand ich unerwartet, aber passend. Was den Hintergrund der Welt betrifft, fehlten mir einige Informationen. Zwar ist von einem Herzog die Rede, doch es bleibt unklar, wer eigentlich an der Spitze des betreffenden Landes steht – ein König oder Kaiser beispielsweise. Hier hätte man noch etwas mehr in die Tiefe gehen können. Übrigens gibt es in dieser Geschichte keine magischen Kreaturen oder Rassen, wie z.B. Drachen oder Elfen.

Die Seite der Autorin
Die Verlagsseite des Buches

Die Seelenlosen - ein Steamfantasy Roman von Tanja Meurer

„Die Seelenlosen – Stadt der Maschinenmagie 1“ ist angesiedelt in einer eigenen Fantasy-Welt, in der klassisches Handwerk ebenso zu finden ist wie komplexe Magie, aber auch technische Erfindungen, die mit Dampfkraft angetrieben werden. Gesellschaftlich und modisch gesehen, erinnert diese Welt an die späte Renaissance bzw. den Barock, und viele Bezeichnungen und Namen sind an das Französische angelehnt.

copyright: Incubus Verlag

copyright: Incubus Verlag

Der menschliche Kommandant Gwenael Chabod ist von einem militärischen Einsatz zurückgekehrt und nun bei der Stadtwache in der großen Stadt Valvermont tätig. Sein Geliebter, der Orc Orin, arbeitet als magisch begabter Totenpriester. In der Welt Äos ist Magie durchaus hoch angesehen, und magische Dienste werden gut bezahlt, doch gibt es auch Schwarzmagier und Nekromanten.

Gwenael und Orin werden Zeugen, wie ein Troll von der Seele eines Magiers übernommen wird. Wenig später wird eine schwangere Frau auf bestialische Weise ermordet. Gwenael beginnt, in beiden Fällen zu ermitteln und bekommt unerwartete Unterstützung von dem Dieb Jaleel und der Wäscherin Marianne, sowie einem Magier, einem Capitaine der Stadtwache und einigen weiteren Bürgern. Doch er muss sich auch seiner eigenen schwierigen Vergangenheit stellen, welche mit seiner Familiengeschichte zusammenhängt…

Der Roman ist sehr ausführlich und detailverliebt geschrieben – abwechselnd aus der Sicht von Gwenael und des Diebes Jaleel. Die Autorin beschreibt jede Gefühlsregung der Charaktere sehr anschaulich, und auch die Stadt Valvermont wird von ihr mit detaillierten Beschreibungen zum Leben erweckt.
Schon bald wird die Geschichte spannend, sowohl hinsichtlich des Krimis wie auch der Liebesgeschichte, wobei letztere sich nicht in der Vordergrund drängt und auch nicht kitschig wird.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ wäre eine Karte von Valvermont oder dem Land gewesen. Aber auch im Glossar wird man fündig, wenn noch etwas unklar geblieben ist über diese Welt und ihre Bewohner.
Die Autorin hat an ihrer Welt Äos viele Jahre gearbeitet, und das merkt man diesem Roman im positiven Sinne an.

Übrigens basiert die Geschichte unter anderem auf einer Idee von Steampunk-Maker und Metallbildner Toni Reintelseder, der Pate stand für einen der Nebencharaktere. Seine dampfbetriebene Metallratte taucht ebenfalls in der Handlung auf und ziert auch das Buchcover – eine interessante Zusammenarbeit unter Steampunks.

Ohne zuviele Details zu verraten, sei noch erwähnt, dass der Roman mit einem Cliffhanger endet und die vollständige Lösung des Krimis in Band 2 erfolgen wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Veröffentlichung dieses Bandes nicht allzu lang auf sich warten lässt.

Edit: Der Roman erschien zunächst im Incubus Verlag, der mittlerweile nicht mehr existiert.
„Die Seelenlosen“ wurde neu veröffentlicht im DeadSoft Verlag. Auf der verlinkten Seite ist auch eine Leseprobe zu finden.

Tanja Meurer, Foto von Kira Wolf-Marz

Tanja Meurer, Foto von Kira Wolf-Marz

Die Website der Autorin

What about a steampunk world? - Das neue Album von Drachenflug

 

copyright: Drachenflug GbR

copyright: Drachenflug GbR

Die Raum-Zeit Kapelle Drachenflug hat kürzlich ihr 3. Album mit dem Titel „What about a Steampunk world?“ digital herausgebracht. Auch eine CD-Veröffentlichung der 14 Songs wird es demnächst geben.

In „Das Luftschiff“ erzählt die Band die Geschichte eines Luftschiffs, der „Victoire Adelaide“. Dies basiert auf den Hörspielteilen im vorherigen Album „Rendesvouz beim Aethercircus“, welches in Zusammenarbeit mit dem Autor Marco Ansing entstand.

„Drachenwissen“ berichtet im rasanten Tempo von der Sehnsucht, die Welt aus den Augen eines fliegenden Drachen zu sehen, doch gleichzeitig auch von einem Projekt, welches man vorantreibt, bis es einem über den Kopf wächst, sich im Netz verbreitet und letztendlich die Welt verändert.  Die Streicherpartien in diesem Lied Lied werden von einer Nyckelharpa gespielt.

„Aethercircus“, welches von dem gleichnamigen Steampunkfestival und seinen Attraktionen handelt, erinnert mit seinem Sprechgesang an Hiphop, und die Band setzt hier interessante Soundeffekte von alten Spielzeugen ein, die an Zirkusmusik erinnern.

„Alien Spices“ ist ein schneller, rockiger Song, in dem Evie ex Machina von hellem Background-Gesang unterstützt wird.

„Die Spieluhr“ ist ein sanftes, poetisches Lied (gesungen von Wiba Wer), das jedoch angenehmerweise nicht kitschig wirkt und auch ohne weiteres als Liebeslied verstanden werden kann.

In „Morgensport“ heizen Michael von Dunkelfels und die übrigen „Drachenflieger“ dem Hörer auf spaßige Weise ein; ein passender Song für ein Steampunk-Workout.

„Bay mir bistu sheyn“ ist ein jiddischer Song, der hier auf mitreißende Weise mit einem mehrstimmigen Chorgesang und einem chilenischen Saiteninstrument namens Charango vertont wurde. Das Lied stammt aus einem Musical von 1932.

In dem darauffolgenden „Aethernomaden“ wird das Tempo wieder langsamer, dieser Song wirkt verträumt und ein wenig melancholisch. Die Band setzt dabei einen „Ebow“ ein, ein Gerät mit dem sie die Saiten der Gitarre zum Schwingen bringen. Auf diese Weise können geigenähnliche Töne auf der Gitarre gespielt werden, die sehr eigen klingen. Die Sound im Hintergrund sind Rauschen und Klänge aus alten Kuzwellenradios. Der Aether ist also in diesem Stück quasi als Musikinstrument dabei.

„Auchindoun“ und „Island spinning songs“ sind traditionell interpretierte, live eingespielte Folksongs, beide stammen aus Schottland.

„Brüder aus Stahl“ wird mit einer Steel drum eingeleitet, auch ein Didjeridoo erklingt, wie bereits in einigen der vorherigen Lieder, während Michael von Dunkelfels hier im Sprechgesang eine düstere Geschichte erzählt: Wie ist es, aufgrund eines Regimes oder einer Hierarchie, seiner eigenen Familie nicht mehr trauen zu können? Es geht dabei auch um die Gefahr dadruch selbst zum Täter zu werden. Und seine Glaubwürdigkeit dadurch zu verlieren, dass man gegen sein Gewissen handelt…

„Lullaby of Takeda“ ist ein traditionelles japanisches Wiegenlied, das hier ruhig und akustisch in Szene gesetzt wird, dabei aber alles andere als „einschläfernd“ klingt. Der Hintergrund dieses Liedes: Im 19. Jahrhundert haben die japanischen Mädchen der Unterschicht häufig ihr Geld verdient, indem sie auf die Kleinkinder der Bessergestellten aufpassten. Allerdings rund um die Uhr in einem fast an Leibeigenschaft grenzenden Arbeitsverhältnis. Und hier beklagt sich ein solches Mädchen, wie gern sie stattdessen zum zu einem Fest gehen und ein schönes Kleid tragen würde.

Das Gedicht „Music Makers“ wurde bereits im Jahr 1874 von dem englischen Dichter Arthur O’Shaughnessy geschrieben und nun lebhaft vertont von Natalia Obscura.

„Blau II“ ist eine rockige, schnelle Weiterführung von „Blau“ aus dem gleichnamigen Album.

Fazit: „What about a steampunk world?“ hat viele Facetten; Drachenflug bleiben zum einen ihrer folkigen Vergangenheit treu, außerdem präsentieren sie hier wieder atmosphärisch dichte Songs voller Geschichten, die im Gehörgang haften bleiben, wie z.B. „Die Spieluhr“ und „Aethernomaden“. Und auch der Humor kommt nicht zu kurz, wie in „Morgensport“ zu hören.

Drachenflug - copyright: Pia Decker

Drachenflug – copyright: Pia Decker

Die Website der Band: http://steampunkband.de/

Rezension: Steampunk 1851 - eine Anthologie

copyright: Art Skript Phantastik Verlag

copyright: Art Skript Phantastik Verlag

Steampunk im Jahr 1851, dem Jahr der großen Londoner Weltausstellung.Das ist die Ausgangsbasis für acht düstere Steampunk Kurzgeschichten:

  1. In „Das Ende der Fiktion“ will ein wahnsinniger Wissenschaftler mit seinem Assistenten ein Geheimnis lüften, welches sich in Schottland verbirgt.
  2. Der Erfinder und Physiker Foucault bekommt bei seinen Forschungen unerwartete Hilfe von einem Dämon, den eine Höllenmaschine auf die Erde teleportiert hat.
  3. Der deutsche Reporter Johann Alexander Krieger lernt während der Weltausstellung die Geheimnisse des Treibstoffs „Lykonium“ kennen.
  4. In Russland bekommen es zwei Gendarmen mit einem Vampir und einer teuflischen Erfindung zu tun.
  5. Das britische Royal Special Operation Corps rekrutiert ein neues Mitglied, welches sich unter realen Bedingungen beweisen soll, während in einem gewaltigen Luftschiff namens Crystal Palace die Weltausstellung präsentiert wird.
  6. Archibald Leach und seine Assistentin treffen auf einen Untoten, der sich an seinem Schöpfer rächen will.
  7. Die jungen Monsterjägerinnen Lena und Sophie reisen nach New York, um dort einen seltsamen Todesfall aufzuklären, der möglicherweise im Zusammenhang mit der berüchtigten irischen Straßengang „Dead rabbits“ steht: Der Mörder hinterließ bei den Leichen tote Kaninchen.
  8. In der letzten Geschichte schließlich steht ein Automat vor einem moralischen Dilemma.

Mir hat die Zusammenstellung dieser kurzweiligen Anthologie gut gefallen. Die Geschichten sind größtenteils actiongeladen und darin tauchen klassische Monster wie Vampire und Werwölfe auf. Außerdem kann man hier von originellen und schrägen steampunkigen Erfindungen lesen.
Und wenn sich am Ende ein Automat die Frage nach dem Sinn seines Daseins stellt, so erinnert das auch an ethische Fragen der heutigen Zeit zum Thema künstliche Intelligenz.

Die AutorInnen dieser Anthologie sind Denise Mildes, Sabine Frambach, Andrea Bienek, Marco Ansing, Hendrik Lambertus, Markus Cremer, Luzia Pfyl, Fabian Dombrowski.

„Steampunk 1851“ belegte übrigens den 3. Platz beim Deutschen Phantastik Preis 2014 in der Kategorie „Beste Original-Anthologie“.

Weitere Informationen finden Sie auf der Verlagsseite der Anthologie.

Rack - Ein Steampunk Thriller von Ann-Kathrin Karschnick

Rack ist ein heruntergekommener Detektiv, welcher in der (fiktiven) Stadt Victoria in England mit seinem schwarzen 16jährigen Assistenten Theo auf der Suche nach lukrativen Aufträgen ist, weil ihnen wieder mal Geld für die Miete fehlt. Als er eine junge Frau dabei beobachtet, wie sie ein verdächtiges Päckchen unter einer Kutsche anbringt, überschlagen sich die Ereignisse.
„Rack“ ist eine spannende, kurzweilige und actionreiche Krimi-Geschichte, vergleichbar mit einer Episode aus einer TV-Serie. Steampunk-Elemente sind hier z.B. Aeronauten und Luftschiffe, eine spezielle gesellschaftliche Ordnung mit Gilden und besondere Gadgets, die elegant in die Handlung miteinflochten werden.
Rack selbst hat ein mysteriöses Geheimnis, welches an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll.

copyright: Papierverzierer Verlag

copyright: Papierverzierer Verlag

Die Autorin Ann-Kathrin Karschnick hat sich übrigens von der amerikanischen Krimi-Serie „Leverage“ inspirieren lassen, in der ein sehr bunt zusammengewürfeltes Team aus Anti-Helden gemeinsam Fälle löst.
Am Ende des 1. Teils bleiben einige Fragen offen, so dass der geneigte Leser gespannt sein wird auf die Fortsetzung (welche im März 2016 erscheint).

„Rack“ ist zur Zeit nur als E-Book erhältlich. Geplant sind aktuell 6 Episoden, eventuell werden es auch noch mehr. Eine Printausgabe erscheint voraussichtlich Mitte 2016.

Rack – ein Steampunk Thriller
von Ann-Kathrin Karschnick
112 Seiten
Verlag: Papierverzierer Verlag
ASIN: B01A6TQGNO

Das Buch im Gesichtsbuch:
https://www.facebook.com/RackSteampunk/

Die Website der Autorin:
http://www.ann-kathrinkarschnick.de/