Steampunk vs. Endzeit

Trafen sich ein paar Steampunks und Ödländer und stellten fest: Der größte Unterschied zwischen beiden Gruppen ist nur die Anzahl an Löchern und Dreck in der Klamotte… So geschehen auf der FaRK, dem großen Fantasie- und Rollenspiel-Konvent in Reden. Wie gelangt man zu so einer Einschätzung? Gedanklich bekommt man Queen Victoria und Max Rockatansky schließlich nur schwer unter einen Hut. Aber man wird sowohl Steampunk als auch Endzeit nicht gerecht, wenn man nur die dominanten Stile beider Genres betrachtet. Denn in den verschiedenen Ausprägungen von Steampunk und Endzeit findet man tatsächlich einige Gemeinsamkeiten. Machen wir uns also auf die Suche nach den verbindenden Elementen.

Der größte gemeinsame Nenner lässt sich leicht finden. Vertretet beider Gruppen sind in der Regel auch immer Maker bzw. DIY- Künstler. Beide Schneidern, Schmieden, Färben, Basteln was das Zeug hält, und müssen dabei nicht selten komplexe Probleme Lösen. Oft bauen sie sich eigene Werkzeuge und Hilfsmittel, oder machen sogar kleine Erfindungen. Das haben sie allerdings auch mit den meisten anderen kreativen Subkulturen gemeinsam.

Repurposing & Hacking. Zwei Schlagworte die sich Steampunk ganz groß auf die Fahnen schreibt. Das Wiederverwenden (Repurpose), Umbauen und Zweckentfremden (Hacking im Wortsinne) ist im Steampunk ein grundlegender, philosophischer Ansatz. Während es in der Enzeit eher eine Notwendigkeit oder auch den eigentlich Charakter des Genres darstellt. Während die einen gegen die Wegwerfmentalität anstinken, liegt bei den anderen die Basis der Wertschöpfung buchstäblich im Müll, oder besser gesagt in den Hinterlassenschaften einer gescheiterten Zivilisation.

Ich habe einen der größten Maker, Dmitri von „Nuclear Snail Studios„, der deutschen Endzeit-Szene gefragt ob auch er Gemeinsamkeiten sehen kann, und wo diese liegen.

Zitat Dmitri:

Welches konkrete postapokalyptische Setting ist denn genau gemeint? Denn „Post-Apokalypse“ heißt erstmal nur, dass innerhalb des Settings eine Apokalypse geschehen ist, nicht mehr und nicht weniger. Und es gibt ja alles mögliche von Mad Max, Borderlands und Fallout bis hin zu The Road, Falling Skies, und The Walking Dead. Alles davon ist „Post-Apo“, jedoch sieht man extreme gestalterische Unterschiede.

Selbstverständlich kann es auch eine „reine“ Steampunk-Apokalypse geben! Man nehme dafür ein Steampunk-Setting, und sage die Welt sei untergegangen, fertig. Man kann ja schließlich alles mit allem mischen. Steampunk und Post-Apo schließen sich nicht aus, können sich aber wunderbar ergänzen – wenn es erwünscht ist.

Vergleicht man Steampunk mit trockener, brutaler, realistischer Post-Apokalypse wie The Road, oder auch mit der Zombie-Apokalypse wie The Walking Dead, stellt sich raus dass es da so gut wie keine stilistischen Gemeinsamkeiten gibt.

In der Regel versteht man allerdings unter „Post-Apo“ vor allem das Retrokalypse-Setting à la Fallout. Und ich glaube darauf bezog sich die Frage nach Gemeinsamkeiten am ehesten? Bei diesem konkreten Setting sind die Gemeinsamkeiten eben dass es in beiden Fällen eine Retro-Ästhetik ist, die mit High-Tech gekoppelt ist. Bei Fallout ist es die Ästhetik der 50er Jahre, und bei Steampunk die der viktorianischen Ära. Beide Welten sind schön verziert, verschnörkelt, und durchgestaltet, und zwar auf die Weise die man eben aus den realen, historischen Epochen kennt, plus noch durch die erweiterte künstlerische Freiheit die sie bieten dadurch dass es Fantasiewelten sind.

Es ist eigentlich wie Äpfel und Birnen vergleichen. Und ja, man kanns auch mischen zu einem leckeren Salat. Man kann aber nicht pauschal die Frage nach Ähnlichkeiten beantworten. Man muss immer das Konkrete Setting unter die Lupe nehmen um eine präzise Aussage treffen zu können.

Mit dem Begriff „Retrokalypse“ bringt es Dmitri für mich auf den Punkt. Betrachtet man die unterschiedlichen Stile in diesem Genre global wird es klarer. In der Mojave-Wüste Kaliforniens treffen sich z.B. seit vielen Jahren die Mad Max Fans und zelebrieren die harte Endzeit im Stil der bekannten Filme beim Wasteland Weekend. Auch im Europäischen Ausland sind Festivals und Conventions in den letzten Jahren häufiger anzutrefen dieses sich vorrangig dieses Stils bedienen. Im Vergleich dazu wird in Deutschland jedoch eher die Retrokalypse in Form von LARP bedient. Dazu zählt das F.A.T.E. , welches dieses Jahr bereits zum zehnten Mal stattfand, sowie weitere junge und eigenständige Genre-Ableger wie das Bunker Springs, Modrowgorod und IT-Tavernen wie das Zasta.

Bei den meisten genannten LARP-Veranstaltungen wird in der Regel die Hintergrundgeschichte in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt (Bunker Springs in den 90ern). Daher also das „Retro“ in der Retrokalypse. Aber man kann es auch wie die Steampunks ausdrücken: „Eine Vergangenheit mit einer Zukunft wie sie so nicht stattgefunden hat.“. Auch werden häufig Elemente von Technologie und SciFi in die Hintergründe eingewoben. Betrachtet man nun die Kostüme und Ausrüstung der Retrokalypse-Fans wird man häufiger Elemente entdecken die man auch im Steampunk wiederfindet. Da Steampunk sich seit einigen Jahren auch in Deutschland wachsender Beliebtheit erfreut, ist es auch kein Wunder dass er immer wieder mal Einfluss auf die Retrokalypse nimmt.

Die Betrachtung der Retrokalypse beantwortet wohl am ehesten die am Anfang des Artikels gestellt Frage. Steampunks und Ödländer können sich stilistisch mitunter sehr, sehr ähnlich werden und unterscheiden sich dann tatsächlich überwiegend durch den Zustand ihrer Kleidung. Folgendes Bild verdeutlicht optisch wie stark diese Ähnlichkeit manchmal sein kann:

Soldier by Nuclear Snail Studios

Soldier by Nuclear Snail Studios

Denn den jungen Mann auf dem Bild kann man locker sowohl in ein Steampunk- Dieselpunk- Universum stecken als auch in ein Endzeit-Szenario. Ich selbst habe auf meinem erst kürzlich absolvierten Ausflug ins Endzeit-LARP eine Menge Elemente sehen können, die mich auf Anhieb an Steampunk erinnert haben. Aber wie der Artikel hoffentlich auch zeigt, gibt es durchaus weitere Gemeinsamkeiten die einem nicht sofort ins Gesicht springen. Dieser Artikel möchte sich auch als kleines Plädoyer für mehr Steampunk (und dessen Spielarten) jenseits des 19. Jahrhunderts verstehen. Denn genau genommen beschränkt sich der Steampunk ja nicht auf die viktorianische Ära, sondern ist in seiner Ursprungsidee viel weitreichender und facettenreicher. Beschränkt euch nicht auf Zylinder, schicke Kleider und abgespreizte kleine Finger an der Teetasse. Habt Mut zu mehr Dreck und der Darstellung von Underdogs in eurem Steampunk. Er kann es gut gebrauchen.

 

Update / Richtigstellung:

In einem netten Gespräch mit einem Teil der Orga von Bunker Springs, wurde ich auf einen Fehler in meinem Artikel aufmerksam gemacht.

Die Welt von Bunker Springs versteht sich explizit nicht als „Retro“, selbst wenn das Zaungästen etwas anders vorkommen mag. Bunker Springs, kurz BS, versteht sich wesentlich offener und weitreichender im grundlegenden Setting. Dabei bedient es sich einer wesentlich längeren Zeitachse in Bezug auf zugrunde liegendem Stand an Technologie (bis ca. 1995), individueller Charakter-Konzepte und den Stilen der Spieler. Während das Spiel selbst in der Zukunft ab ca. 2066 stattfindet.

Des weiteren sollte das BS bitte nicht als Ableger anderer Veranstaltungen verstanden werden.

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Nuclear Snail Studios.

Links:

Nuclear Snail Studios

FaRK

Bunker Springs

Modrowgorod

F.A.T.E.

Wasteland Weekend

Ausstellung: Die Gernsback-Prophezeiung - Father of Science Fiction

Vom 20. Juli−27. Oktober 2013 findet im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe die Ausstellung Die Gernsback-Prophezeiung – Father of Science Fiction statt:

Erstmals in Deutschland wird das Schaffen des »Father of Science Fiction« dokumentiert: Hugo Gernsback. Der in Luxemburg geborene Gernsback (1884–1967), dessen Familie aus dem Badischen stammt, und der seine technische Ausbildung in Bingen erhielt, wanderte 1904 nach Amerika aus. Dort begründete er mit der Herausgabe der Zeitschriften wie »Amazing Stories« (1926–1929) und »Wonder Stories« (1929–1936) das moderne Genre der Science-Fiction-Literatur.
Als einer ihrer wichtigsten Begründer hat Gernsback wertvolle Anregungen für erfinderische und experimentelle Arbeiten im Bereich der Technik gegeben und die an neuen Erfindungen interessierte Jugend wesentlich beeinflusst. Der Titel »Die Gernsback-Prophezeiung« rekurriert auf die Vielzahl seiner Voraussagen zur zukünftigen Entstehung und Anwendung von Sonnenkraftwerken, TV-Flachbildschirmen oder der drahtlosen Telegrafie.
Der Namensgeber des »Hugo Award«, der jährlich die besten Arbeiten der Science-Fiktion-Literatur auszeichnet, leistete als Visionär einen entscheidenden Beitrag zur Popularisierung der elektronischen Kultur in Amerika. Als Herausgeber und Autor zahlreicher Science-Fiction-Magazine und einer Vielzahl von allgemein verständlichen Zeitschriften und Büchern zu Themen wie Radio, Fernsehen, (Haushalts-)Elektronik, Bionik, Eroberung des Weltalls, Automation und Telematik konnte Gernsback seine Begeisterung und Kenntnisse zahlreichen LeserInnen vermitteln.

Kuratoren: Franz Pichler und Peter Weibel

Siehe auch Heise

Hat Tip an Harry!

Die Lady aus dem Weltraum - Seltener Kurzfilm mit Vivi Bach

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Vivi Bach als Chroma Ordonanz in Raumschiff Orion zusammen McLane.

Am 22.4. verstarb Vivi Bach im Alter von 73 Jahren auf Ibiza. Bekannt wurde sie unter anderem durch die Show „Wünsch dir was“ zusammen mit ihrem Ehemann Dietmar Schönherr. Mit ihm zusammen spielte sie auch eine kleine Rolle in Raumschiff Orion (Foto) und in dem Kurzfilm Lady aus dem Weltraum, der 1971 nur für den Schmalfilm-Markt produziert wurde. Eine Kopie dieses Films (mit einigen Tonausfällen am Anfang) ist bei Youtube aufgetaucht.

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Wie man sich 1967 das Jahr 2001 vorstellte

Die Frage stellt sich: Haben wir Glück gehabt oder wäre diese Zukunft besser gewesen.

March 12, 1967 episode of CBS’ show ‘The 21st Century’ with legendary newsman Walter Cronkite bringing news of what we’d be doing at home and work in the future.

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aus 1000 Quellen u.a. von hier

Omni Magazine komplett online erhältlich

Das Omni Magazin erschien von 1978-1995 (in der Internet-Version bis 98) und war ein „Science“ und „Science Fiction“-Magazin. Die eigene Definition war „an original if not controversial mixture of science fact, fiction, fantasy and the paranormal“ und so verschwammen die Grenzen zwischen Wissenschaft, Fiktion und Paranormalen oft in den Artikeln.
Vielleicht fanden sich gerade deswegen viele Futuristen, Wissenschaftler, Zukunftsforscher und Schriftstellern von Welt unter den Autoren von Omni, so dass die Artikel bis heute immer noch gut lesbar sind und zumindest einen hohen Unterhaltungswert haben. Auch die Illustratoren setzten sich aus dem Who is Who der fantastischen Künstler zusammen.

Auf Archive.org stehen jetzt alle Omni-Ausgaben zur freien Verfügung.

Golden Age of Comics - Lesestoff für Jahre

Die Tage werden wieder kürzer und das gibt wieder die Gelegenheit sich mit gepflegter Literatur in den Lesesessel zu setzen. Eine gute Möglichkeit dazu bietet das Digital Comic Museum in dem kostenlos und legal unzählige Comics aus dem Goldenen Zeitalter zu finden sind.
Die meisten davon sind heute völlig unbekannt, können aber gerade deswegen sehr unterhaltsam sein und bieten eine tiefen Einblick in die Popkultur der damaligen Zeit.

(wieder ins Gedächtnis gebracht von damals)

Damals: Weltraumhelme für Kinder

Wer würde sich nicht gerne von Captain Video und seinem Emergency Helmet retten lassen?

via Nerdcore

Godzilla ganz privat

Auf io9 kann man das private Leben des Monsters entdecken, denn auch Godzilla braucht zwischen den Zerstörungen Tokios mal eine Auszeit.

Die Haare schön in der Zukunft

Ein kurzes Spot aus den 60er Jahre zeigt die Superhelden-Friseure der Zukunft.

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via Nerdcore

Metropolis Filmprogramm (1927)

Am 21. März 1927 hatte Fritz Langs Film „Metropolis“ seine britische Premiere im Londonder Marble Arch Pavilion. Jeder Besucher bekam ein Filmprogramm mit der Handlung des Films, Interviews mit den Schauspielern und Hintergründen der Produktion. Nur drei dieser Programme blieben erhalten, eines davon ist auf Peter Harringtons Blog komplett online zu finden.

Weiterlesen Metropolis Filmprogramm (1927)

Die Sommermode der Zukunft

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Aus dem Jahr 1970 vom Modedesigner Pierre Cardin

via

 

 

20.000 Meilen unter dem Meer - Disney Ausstellung 1955

1955 eröffnete in Disneyland Tomorrowland die Ausstellung zu dem gleichnamigen Film „20.000 Meilen unter Meer“ in der unter anderem die Props des Disney-Klassikers gezeigt wurden.  Farbfotos aus dieser Zeit sind sehr selten und von dieser Ausstellung waren sie bisher unbekannt. Daher ist der Fund von Todd Popp um so bemerkenswerter. Auf der Suche nach alten View-Master Scheiben entdeckte er ein Set, dass nur in Disneyland verkauft wurde: „Park Souvenirs“. View-Master hatte wahrscheinlich die exklusiven Foto- und Lizenzrechte für die Ausstellung und daher ist so wenig über sie bekannt.

Das komplette Set gibt es in Tom Schermans Blog zu sehen.

Zum Muttertag: Was Mütter sich wünschten

 

Mom and flying car
Flickr: X-Ray-Delta-One 

The Lair of the Clockwork Book

Gar nicht genug kann man auf die Seite Thrilling Tales of the Downright Unusual hinweisen. Bradley W. Schenck schreibt und illustriert die Geschichte einer Stadt der Zukunft, die niemals war und entwirft dabei ein Bild eines wundervollen Retrofuturismus. Damit nicht genug, er erzählt gleich zwei verschiedene Geschichten. Zum einen in einer interaktiven Form, bei der der Leser entscheidet, wie es weiter gehen soll und als Serie, die sich voll auf die Ideen des Autors konzentriert. Eine dieser Serien-Geschichten ist The Lair of the Clockwork Book, die unten auch als Trailer verlinkt ist. Allerdings sollte man sich wirklich Zeit für die Seite mitnehmen, denn sie nimmt einen schnell gefangen.

Die Erzählungen gibt es kostenlos im Web und als Bücher mit denen man den Autor unterstützt (Die Printausgabe lohnt sich übrigens sehr). Wer dann noch Geld über hat, kann direkt in seinen anderen Webshop gehen, um sich mit Postern, T-Shirts und anderen Dingen auszustatten, von denen wir einige auch schon im Clockworker hatten.

 

Zum Geburtstag: Eine Stunde Delia Derbyshire Mix

Heute wäre Delia Derbyshire 75 Jahre alt geworden. Die Pionierin der elektronischen Musik wurde am 5. Mai 1937 geboren und studierte Musik und Mathematik am Cambridge College. Sie arbeitete insbesondere für den BBC Radiophonic Workshop, der die Soundcollage für Radio und Fernsehen produzierte. Unter ihren Werken sind viele bekannte Stücke, unsterblich wurde sie mit der Titelmelodie zu Dr Who. Ihr letzter „Auftritt“ war durch Die Antwoord mit dem Sample von „Ziziw Ziziw OO-OO-OO“ in „Hey Sexy“.
Der Mix-Künstler Soundhoug hat zu ihrem Geburtstag einen einstündigen Mix mit ihrer Musik und Interviews zusammengestellt (MP3 Download). Mehr zu Delia gibt es bei Metafilter.