Das Ende einer Ära

Die Abschaltung von Lang- und Mittelwelle…

Dieses Jahr endet eine Ära der Rundfunkgeschichte. Die letzten Lang- und Mittelwellensender werden in Europa und damit auch in Deutschland abgeschaltet.

Betrachtet man die Entscheidung rein von der Energiebilanz her, dann ist das sicherlich eine weise Entscheidung. Verbrauchen diese Sender doch eine Menge Energie. Um die enormen Reichweite von bis zu 1000km im Langwellenbereich zu erreichen, waren Sender nötig, die 2000 Kilowatt Sendeleistung erforderlich machten.

Die Mittelwelle konnte tagsüber bis zu 300 und nachts bis zu 2000 km erreichen, dazu waren Leistungen mit bis zu 300 Kilowatt nötig.

Solange Energieversorgung und Rundfunk in staatlicher Hand waren, konnten sich die Sendeanstalten diese enormen Stromverbraucher leisten. In Zeiten der Privatisierung wird es schwierig, solch einen Sender zu betreiben. Das um so mehr, da das Internet den Empfang weit entfernter Sender möglich macht.

Die Vorteile der Mittelwellen waren die einfachste Bauart von Rundfunkempfängern. Mit einer Diode, einer Spule und einem Drehkondensator, in Kombination mit einem Kopfhörer konnte man ohne zusätzliche Energieversorgung Radio hören. Nachts war sogar Fernempfang ohne Probleme möglich.
154804_167574526612650_100000803105567_290394_4380423_n (1)

 

Detektorempfänger ohne Stromversorgung

Ein weiterer Vorteil des Fernempfanges mit Mittelwelle war die Qualität des Empfanges. Während die Kurzwelle starken Schwankungen unterworfen ist, können und konnten Mittelwellen Sender mit nahezu gleichbleibender Qualität empfangen werden.

Welche Vorteile hat analoger Rundfunk noch? Er ist nicht zensierbar! Während digitale Sendungen beliebig verändert umgeschnitten und manipuliert werden können, bevor das Signal den Empfänger erreicht, geht das bei einem rein analogen Rundfunk nicht. Das Wort des Sprechers ist mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aus der Antenne, um die halbe Welt und tönt beim Hörer aus dem Lautsprecher.

Zur Zeit verzeichnet man einen Zuwachs im Bereich der Kurzwelle und auch Mittelwellensender aus dem fernen Ausland (China, Indien und Afrika) sind bei guter Wetterlage selbst mit einem Detektor noch zu hören.

In diesem Sinne:

Guten Wellenfang!

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

 

 


Berichterstattung: Coalescaremonium 2015

CSM3_Folder_page1Vergangenen Samstag fand in der alten Abtei von Bouche à Oreille in Brüssel die dritte Ausgabe des Coalescaremonium unter dem Thema „Industrial Decadence“ statt.

Ein dunkelbuntes Programm erwartete die Besucher, die sich herausgeputzt hatten für den Anlass. Ausgefallene Garderobe war zwar kein muss, aber viele nutzen die Chance um zu zeigen, was der Kleiderschrank so hergab.


Weit weniger Kleidung gab es im ersten Programmpunkt im Hauptsaal der Location: Die Mädels von Candy Coated Circus zeigten was Burlesque alles zu bieten hat.


Im Laufe des Abends gaben sich auf der Bühne Herrschaft und schwarzblut die Ehre, bevor es mit DJ SiSen und DJ Alchemy auch hier zum Tanzen überging.

Die Location selbst bot auf zwei Stockwerken noch weit mehr, als das Bühnenprogramm: In der Kapelle gab es Kunst von Marius Sachtikus, Nocturne Reflet und Fürst der Schatten zu sehen, im Foyer war ein Fotostudio aufgebaut und man konnte neben Kaffee und Tee auch Cupcakes erwerben.


Wer das Tanzbein schwingen wollte, konnte dies das ganze Event über zu verschiedenen DJ-Sets im Danceroom.

Trotz des kühlen Wetters wurde auch der Außenbereich rege genutzt, insbesondere, da dort mit Hamburgern, Cheeseburgern und Veggieburgern für das leibliche Wohl gesorgt wurde. Bezahlt wurde mit am Eingang erworbener Getränkekarte, sodass es keien Verzögerungen durch Kleingeldsuche gab.
Der Preis von 4€ pro Burger war angesichts der Größe jedoch etwas happig, für eine Veranstaltung dieser Art aber durchaus üblich.
Softdrinks, Säfte und Pils (0,2L) waren für 2€ erhältlich, „Special beer“ und Wein ab 3€.

Insgesamt wurde für den Eintrittspreis von 40€ einiges geboten. Der Veranstaltungsort mitten in Brüssel war Parkplatztechnisch eine Herausforderung. Dieses Problem hatte die Orga aber im Vorfeld durch ein Anfahrtsvideo gelöst, welches den Weg zu einem kostenlosen Parkplatz ein kleines Stück entfernt zeigte.
Ich selbst war beim ersten Auftauchen des Videos skeptisch, warum man so etwas braucht, muss aber sagen, dass ich bei der Hinfahrt dann doch dankbar darüber war, denn so konnte mich die belgische Straßenführung in der Hauptstadt nicht verwirren. Außerdem hätte ich sonst vermutlich auch den Eingang nicht gefunden, dieser wirkte in der Häuserzeile doch etwas unscheinbar.


Sonst gibt es aber nichts zu meckern, auch Punkte, die bei Veranstaltungen häufig Probleme machen, wie saubere Toiletten, Garderobe oder ausreichend Sitzgelegenheiten gaben beim Coalescaremonium keinen Anlass zur Kritik.

Fazit: Eine schöne, durchdachte Veranstaltung, die es verdient größer zu werden. Zielgruppe ist zwar eindeutig ein Gothic Publikum, Steampunks sind aber auch herzlich willkommen.
Und wenn man sich einmal den Namen gemerkt hat, der übrigens von „Coalescent Ceremony“ (~schillernde Zeremonie) kommt, steht einem wunderbaren Abend nichts mehr im Wege.

(Mehr Bilder gibt es hier)

Gastbeitrag: Den NDR zu Gast

Der NDR war kürzlich zu Gast bei Herrn Teleman von Phone und seiner Gattin Viktoria vom Waldesrand. Über ihre Erfahrungen berichten sie nun hier (und natürlich gibt es auch den Beitrag zu sehen.)

Den NDR zu Gast – oder warum ich GEZ-Gebühren bezahle

Sehr geehrte Mitreisende

Im Laufe der vergangenen Jahre, derer tatsächlich noch gar nicht so viele verstrichen sind, fügte es sich, dass die eine oder andere Kamera das Treiben der Phonepunks oder der Machina Nostalgica eingefangen hat.

Nun trug es sich zu, dass der NDR das Vorhaben ersann diesen, den meisten noch relativ unbekannten Kunststil, einmal etwas näher zu beleuchten und so bekamen wir eine Anfrage der Autorin Fanny Weiß zu einer Berichterstattung, die für das Vorabendmagazin DAS! laufen sollte. 3:30 Min sollte der Beitrag bemessen. Man einigte sich auf den 31. März und wir kamen auch sehr schnell überein, dass  es Aktionen gibt, die wir auf gar keinen Fall befürworten, wie beispielsweise in voller Montur mit Kamerabegleitung durch eine Fußgängerzone gejagt zu werden um Passanten zu befragen, wie sie den Mummenschanz denn so finden würden.

Wir trafen uns dann am Vormittag in den Galerieräumen des Kremper Logenhauses. Das Eis war schnell gebrochen und es wurden allerlei „Dinge“ in den Flur getragen. Auch das „Studio“ war schnell gefunden: der wahrscheinlich kleinste Zwischenraum zwischen Gesellschaftsraum, Galerie und Büro, denn dieser konnte problemlos abgedunkelt werden und Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte.

Es dauerte ca. 1,5 Stunden bis man sich mit dem ganzen technischen Aufwand eingerichtet hatte und das erste Mal die Kamera lief. Stunde um Stunde verstrich, draußen heulte der Orkan und die einzige zeitliche Mahnung bildete die halbstündlich schlagende Kirchturmuhr.

So langsam schwante mir etwas: der Kameramann Lars Hinrichs war eigentlich der Erste, bei dem es auffällig wurde. Durch dieses winzige Okular fing er Stück für Stück immer mehr Details des Ganzen ein und wurde beinahe wie in einen Sog gezogen. Mehr und mehr einzelne Teile und winzigste Details mussten aus allen Blickwinkeln in die digitale Welt verbracht werden und der Virus Steampunk forderte sein Opfer.

Es stimmte der Tontechniker Timo Schwab mit ein: „kann ich das Geräusch noch mal haben, das ist ja genial, was für eine Atmosphäre“. Und wieder und wieder wurde an Wählscheiben gedreht, die Spieluhr betätigt oder das pulsartige Ticken des Metronoms eingefangen – die Kirchturmuhr schlug im Halbstundentakt.

Eigentlich schon viel zu spät wurde gemeinsam eingepackt, denn es stand noch ein Szenenwechsel zum phonepunk´schen Anwesen auf dem Plan. „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der NDR, dem der Steampunk in den Adern gerinnt“

Nach einer vorbereiteten Stärkung versuchte man den Platzbedarf in der heimischen Werkstatt noch zu reduzieren, wobei der Tonmann mittlerweile seinen Job draußen im, seinen Zenit erreichenden Sturm, verrichten musste. Wer das Anwesen kennt, kann sich vorstellen, wie das aussah.

Da auch die Autorin offensichtlich vom Thema mit- und hingerissen schien, wurde die Abschlussszene nach Innen ins heimelige Wohnzimmer verlegt, weitere Fragen beantwortet, mit und ohne Kamera und man verlor sich Stück für Stück in den Einzelheiten und anderen Mikrokosmen des Genres.

Nach einem langen Tag, voller neuer Eindrücke, denn auch ich habe mir viel vom Kameramann abgeguckt, war alles wieder verpackt, man verabschiedete sich mit der Versicherung, dass es allen sehr viel Spaß gemacht hat und meine Frau betonte noch einmal, dass ja selbst die Haarspange aus häuslicher Produktion stammte.

„Haarspange? – Welche Haarspange?“

„Na, die hier, die ich im Haar habe.“

„Wieso habe ich die nicht bemerkt? Das geht nicht, das müssen wir mit rein haben, ich pack noch mal ganz schnell aus, aber das geht wirklich nicht, da ist mir die Zeit jetzt egal“

Kamera raus, Beleuchtung raus, neuen Akku rein, alles auf Anfang und die Spange eingefangen.

Nach ca. 8 Stunden Arbeit wurde sich endgültig verabschiedet. Es gab allerdings noch diverse Nachfragen, damit auch ja nichts verkehrt in Umlauf gebracht wird, damit die Professionalität und die Qualität des Berichtes gewahrt bleibt, damit ein Beitrag, der 3:30 Minuten lang ist und im Vorabendprogramm läuft, bei den Zuschauern im Gedächtnis hängen bleiben kann  und eben nicht einer von vielen ist, der morgen schon wieder vergessen wird. Zusätzlich darf man sich die Recherchearbeit, das Sichten des Materials, den Schnitt, das Einsprechen der Texte und das Zusammenfügen vorstellen. DAS ist Qualitätsanspruch. DAS ist maximaler Respekt. Und deshalb haben wir DAS auch für „DAS!“ gemacht.

Und deshalb zahle ich auch GEZ-Gebühren (ohne für das Thema Geld zu bekommen), denn dann ist sowas möglich, Privatsendern habe ich bisher abgesagt, weil ich mich bei denen nicht auf das Vertrauensspiel einlasse.

Doch hier nun das Ergebnis, der Beitrag beginnt bei 28:00 Minuten

In der Hoffnung, dass Ihnen der Sendebeitrag ebenfalls gefallen hat,

Ihr

Teleman von Phone, nebst Gattin Viktoria vom Waldesrand

Information Sharing versus Information Hiding

Liebe Leser,

letztes Jahr, hatten wir (Herr von Phone und ich) die grosse Ehre in der Schaffensstätte des Professor Bossard ausstellen zu dürfen. Und allein ging es NICHT um uns, sondern darum ob und wie Steampunk auch eine Kunstrichtung ist.

Unter Anderem wurden wir gebeten, nicht nur unsere Artefakte auszustellen, sondern auch einen Vortrag über die

Achtung: “Kunstrichtung Steampunk” zu halten.

Dabei sollte es um Themen wie: “Was ist Steampunk überhaupt”, “wo liegen die Hintergründe und Ursprünge” und “braucht die Welt “DAS” überhaupt gehen.

Wir haben die Einladung, dort ausstellen zu dürfen, als “Ritterschlag” für den gesamten Deutschen Steampunk angesehen und zugesagt.

Es war ein tolles, interessantes und enorm kreatives Wochenende.

Nicht nur, dass wir Vorträge halten und unsere “Sachen” ausstellen konnten. Nicht nur, dass es uns möglich war über Herrn Ravensdale, Herrn von Heddernheim, Herrn Brass, Herrn Junophor und anderen Personen des Deutschen Steampunk zu reden.

NEIN!

Es gab einen ganz entscheidenden Punkt in der Diskussion, an dem wir gefragt wurden, ob wir das alles selbst erdacht hatten.

Liebe Leser, wir mussten das VERNEINEN!

Allerdings hatten wir das grosse Vergnügen auszuführen, wie und wann Ideen entstehen. Nicht im stillen Kämmerlein, sondern durch Dialog, durch Teilen und durch ein Miteinander.

Wir konnten ausführen, dass nur durch das Teilen von Ideen und Materialien, nur durch das Tauschen von Wissen und Fertigkeiten wahrlich etwas Neues entstehen kann.

Nur das “Information Sharing” bringt neue Ideen hervor. Wer allein und isoliert im Keller sitzt und nur immer im Kreise denkt, der wird immer und immer wieder ähnlich Dinge produzieren. Nur wer die Augen öffnet, teilt und weiter gibt wird auch selbst Ideen erhalten, wird Inspiration erfahren, neue Materialien, Fertigkeiten und Wissen erlangen und sich damit auch weiter entwickeln.

Und ganz wichtig, die Idee des Bauens um des Bauens willen. Das Erfinden, Bauen und Entwerfen, nicht weil es “zu was nutze ist”, sondern >>

Weil ich es will und kann! Oder (viel wichtiger) es versuchen will!

Eine Frage ist mir spontan eingefallen: “Wenn heute das Flugzeug erfunden würde, wann würde es fliegen?”

Antwort: “Niemals, denn es würde NICHT in drei Monaten Gewinn abwerfen!”

Um Herrn von Phone zu zitieren:

“in Zeiten des kulturellen Rückbaus, in Zeiten der sozialen Unsicherheiten, in denen die Menschen in Ihrem von Aussen bestimmten Leben, keine eigene Linie mehr finden können, bleibt ihnen nur noch eines: ihre Träume.

Also laden wir doch die Menschen um uns herum wieder ein zu träumen, das Undenkbare zu denken, einfach mal in ihrer Phantasie auszubrechen.

Das ist Steampunk, eine Idee, ein Traum.”

Lassen wir nicht zu, dass unseren Träume beschränkt werden, eingesperrt in Schubladen. Lassen wir nicht zu, dass wir eingeschränkt werden, im Austausch von Ideen, Fertigkeiten und Techniken.

SteamPUNK wir getragen von schrägen, abstrusen und durchgeknallten Ideen.

Ob nun jemand Hightech baut, ob jemand eine Wasserpistole zur Phantasiewaffe umbaut, ob jemand “funktional” oder “non funktional” Steampunk betreibt. Ob nun jemand einen Transistorverstärker in eine ornamentverzierte Pappschachtel baut oder eine funktionierende Dampfmaschine auf seiner Drehmaschine bastelt, sich einen Rückenträger erstellt, eine Uniform, ein Kleid oder eine Weste näht, Musik macht oder Romane schreibt ich sehe alles als gleichwertig an. Denn die Idee ist es, die dahinter steckt, das Herzblut und der Stolz den jemand in seine Arbeiten steckt.

Nicht jemand “da draußen” definiert was Steampunk ist, kein Kunstkritiker, kein BLOG-Betreiber und kein Journalist, sondern WIR!

Lassen Sie nicht zu, dass Personen Ihnen sagen, was Steampunk ist und was nicht! Lassen Sie nicht zu, dass Personen, die selbst noch NIE etwas gebaut, erdacht oder entworfen haben, Ihnen sagen was Steampunk ist und Ihre Kreationen als STEAMJUNK bezeichnen oder Spottlieder im Stile von “Glue some Gears on it….” darüber singen.

Steampunk ist KEIN Reenactment, Steampunk ist geballte Phantasie, ist Ideen, Kreativität und Zusammenarbeit!

EGAL, was Sie bauen, wie Sie es bauen, wenn es sich wie Steampunk anfühlt, dann ist es das auch!

Also bauen Sie, denken Sie und fragen Sie.

Und: “GEHEN SIE DA RAUS UND ZEIGEN SIE, WAS SIE GEMACHT HABEN!”

Ich wünsche Ihnen allen eine kreative und inspirierende Nacht und DANKE, dass Sie alle da draußen sind und bauen, denken, schreiben, nähen, sticken, lehren, lernen und zeigen!

Hochachtungsvoll und mit einer Verneigung,

Horatius Steam

Mara und der Feuerbringer

Ich gebe zu, Mara und der Feuerbringer ist kein Film, den man in das Steampunkgenre einordnen würde, fehlen dem Film doch ( und auch den Büchern ) das so geschätzte viktorianische Flair und die wilden Maschinen, aber ich möchte dennoch darüber berichten und hoffe, es wird klar, warum.

Mara Lorbeer ist ein 14-jähriges Mädchen aus München. Eine Tagträumerin, die nicht viel von den esoterischen Anwandlungen ihrer Mutter hält. Nichts läge ihr vermutlich ferner, als als die letzte der verbliebenen Seherinnen das drohende Ragnarok zu verhindern. Nun liegen solche Entscheidungen aber nicht immer in den eigenen Händen…

MARA_Signatur_Logos

Die Buchtrilogie und der Film stammen beide aus den Händen von Tommy Krappweis ( Drehbuch und Regie ), einem Urgestein der deutschen Medienlandschaft. Spaßmacher und kreativer Geist, vor und hinter der Kamera, auf Theaterbühnen und an der Schreibmaschine. Tommy hat nach vielen Jahren harter Arbeit nun das erste Buch aus der gleichnamigen Trilogie “Mara und der Feuerbringer” verfilmt und in die deutschen Kinos gebracht.

Hinter dem Film steckt nicht die übliche bajuwarische oder amerikanische Filmmaschine sondern eine Menge engagierter und begabter Menschen, die daran glauben, daß der Film auf die Leinwand gehört und die Geschichte im Filmformat erzählt werden muß, die in den Büchern schon erfolgreich niedergeschrieben wurde. Tommy gründete eigens dafür eine eigene Visual Effects Firma und holte Leute ins Team, die die gleiche Mission im Geiste hatten, wie er selbst.

Auch versucht der Film nicht, wie man es von deutschen “Fantasystreifen” leider gewohnt ist auf  biegen und brechen lustig oder möglichst brutal zu sein. Es ging ihm darum eine lebendige Geschichte zu erzählen. Hinter dem ganzen steckt sogar noch eine Bildungsabsicht. Die Fakten über die germanische Mythologie, die eine große Rolle in den Büchern spielt, basieren auf der Zusammenarbeit mit Professor Simek, bekannt als wissenschaftliche Referenz für germanische Mythologie an der Universität Bonn ( . Genau so  wichtig war es, das Thema zu entnazifizieren und die germanische Götterwelt in Geschichten und Sagen zu präsentieren.

Ebenso wurden treue Fans, die zu großen Teilen aus der deutschen Phantastikszene stammen, Teil des Films und übernahmen Rollen an der Seite von deutschen Stars wie Esther Schweins, Eva Habermann, Jan Josef Liefers und Christoph Maria Herbst. Ohne diese und die ganzen Leute im Hintergrund wäre aus der Verfilmung nicht das geworden, was sie eben geworden ist: eine in Deutschland produzierte, von den Medien durchweg positiv gelobte ( nicht mal die üblichen Spottdrosseln krümmten ein Haar ) Verfilmung eines wunderbaren Jugendbuches.

Deshalb ist es aktuell sehr verwunderlich, warum der Film so niedrige Besucherzahlen vorweisen kann. Die meisten deutschen Kinos lassen ihm kaum eine Chance als Abendfüller, lassen sie ihn nur Mittags und immer seltener auch Nachmittags laufen. Tut der deutschen Phantastikszene einen Gefallen und geht in den nächsten Tagen mal ins Kino. Der Film ist sehenswert und die viele harte Arbeit sollte gewürdigt werden!

Um doch noch einen Brückenschlag zum Steampunk zu finden, habe ich Carsten Steenbergen, bekannt als einer der Macher von Steamtown ( wir berichteten hier und hier und bestimmt noch woanders ) und eifrigen Unterstüzer von “Mara und die Feuerbringer” folgende Frage gestellt: “Warum sollte sich der Steampunker ansich den Film ansehen?”. Carsten sagte:

„Mara und der Feuerbringer“ hat weder Zahnrad noch Dampfmaschine – der Kinofilm von Tommy Krappweis funktioniert dennoch absolut im Geiste des Steampunk. Die unerschütterliche Liebe zum Detail, die Nutzung aller zur Verfügung stehender Ressourcen – von Vorstellungskraft bis über bereitwilligem wie körperlichem Einsatz der breiten Phantastik-Szene und dem besonderen Humor eines Krappweis – machen aus „Mara und der Feuerbringer“ ein Genre-Kleinod der deutschen Filmproduktion, das sich nicht hinter Hollywood verstecken muss. Und das, wo der gemeine Fantasy-Film aus landeseigener Herstellung bislang als NoGo-Genre in deutschen Kinos ein verlorenes Dasein führt. Dieser Film bietet dem altbewährten Vorurteil Stirn und Gelegenheit, geistige Betonwände einzubrechen. Europas größte Greenscreen, echtes Vulkangeröll aus der Eifel für eine realistische Vulkanlandschaft, dazu hochkarätige Schauspieler und umwerfendes FX, das ringt einem unweigerlich Respekt ab. Und Punk … Punk verbirgt sich in diesem UnderDog-Projekt deutlich mehr als in den üblichen Krimis und Komödien der letzten Jahre.

Danke Carsten.

Ich wünsche Tommy Krappweis und seinem Team, daß der Film noch gut besucht wird und sich die Arbeit gelohnt hat. Wir brauchen mehr hochwertige deutsche Phantastik in den Medien. Wir wollen doch nicht, daß die Phantasie ausstirbt, oder? ;)

Zum Abschluß noch ein paar bewegte optische Leckerli als Vorgeschmack auf den Film:

YouTube Preview Image YouTube Preview Image
Die Geschichte Die Dreharbeiten
YouTube Preview Image YouTube Preview Image
Die Effekte Die Mitwirkenden

Coalescaremonium - "Industrial Decadance" 11.04.2015

Am 11. April findet nun zum dritten Mal das Coalescaremonium in Brüssel statt. In diesem Jahr unter dem Thema “Industrial Decadance”.

Concept: Coalescaremonium: meaning ‘Coalescent Ceremony’, is a grandioso gothic happening that combines unseen international acts with local talent from the various sub-genres of Gothic nightlife into one grand day of celebration; with high focus on music, art, dance and fashion.

Konzept: Coalescaremonium: Das bedeutet “Zusammenwachsende Zeremonie” und ist eine grandiose Gothic Veranstaltung, die bislang ungesehene internationale Acts mit lokalen Talenten der verschiedenen Sub-Genres des Gothic Nachtlebens in einem großen Feiertag verbindet, ein besonderer Fokus liegt hierbei auf Musik, Kunst, Tanz und Mode.

CSM3_Folder_page1Von drei Uhr nachmittags bis zwei Uhr nachts bietet das Coalescaremonium in einem alten Kloster in der belgischen Hauptstadt ein düster-buntes Programm aus Konzerten, Filmen, Burlesque Shows, Kunst, Modenshow und Tanz.

Unter anderem mit dabei sind die Bands HERRSCHAFT und schwarzblut, wobei letztere auch immer wieder Steampunk Einflüsse zeigen. DJs des Abends sind DJ Sisen und DJ Alchemy.

Das volle Programm kann hier eingesehen werden.

CSM3_Folder_page4Der Clockworker wird berichten.

Die geheimnisvolle Maschine des Herrn Lavendel

DSC04435

Einige von Ihnen werden sicherlich das Spiel “The Room” kennen.

In diesem Spiel geht es darum, ein Artefakt durch Drücken von Knöpfen, betätigen von Hebeln und Schalter zu öffnen. Das dann auch noch in der richtigen Reihenfolge.

Durch die Maschine des ehrenwerten Herrn Lavendel aus dem Rauchersalon ist so eine Maschine nun Realität geworden.

In seinem Baubericht und der Beschreibung von

Aetherias Geheimnis

 

beschreibt er sein liebevoll gebautes und meisterlich ausgeführtes Artefakt. Kleine, funktionsfähige Detail runden das Gerät phantastisch ab.

 

DSC04417

 

 

So drehen sich die Zahnräder, wenn sich das Artefakt öffnet. das gesamte Gebilde dreht sich um die eigene Achse um weitere Bedienelemente zu exponieren.

DSC04447

 

Das Artefakt reagiert auch auf Schall, so dass bestimmte Funktionen nur durch Klatschen ausgelöst werden können.

Welterste Steampunk Oper

Coppelius_Opern_FlyerUnd schon wieder gibt es Neuigkeiten von Coppelius. Die Berliner Band gab heute bekannt, dass es ab Herbst im Gelsenkirchener Musiktheater (MiR) die welterste Steampunk Oper zu sehen geben wird. Auf der Seite des MiR finden sich dazu folgende Infos:

Ein ungewöhnliches Projekt für einen klassischen Opernbetrieb und eine Her(t)zensangelegenheit für die kreative Schmiede des Musiktheater im Revier!
Bereits seit 2012 existiert der Plan, gemeinsam mit der Berliner Band „Coppelius“, deren Mitglieder allesamt Abgesandte des romantischen 19. Jahrhunderts sind, ein Opernprojekt der besonderen Art auf die Bühne Gelsenkirchens zu bringen. Zusammen mit der Neuen Philharmonie Westfalen werden die 6 Coppelianischen Herren die Bühne in eine akustische Dampfmaschine verwandeln, die jeden in ihren Bann zieht.
Mit der phantastischen Erzählung „Klein Zaches, genannt Zinnober“ des dunklen Dichterfürsten E.T.A. Hoffmann ist die exzentrische Vorlage für eines der schlagzeilenverdächtigsten Theaterprojekte im Galileischen Weltbild gefunden und bringt nun die Theatermaschine kräftig ins Rollen.

Ab 14. November 2015 erzählen die Coppelianischen Superhelden auf ungewohnt lauten klassischen Instrumenten in Harmonie mit dem Orchester des MiR die Geschichte des missgestalteten Emporkömmlings Klein Zaches, der aufgrund eines wunderbaren Zaubers zu höchsten Ehren gelangt und damit beinah das Leben eines jungen Dichters zerstört. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall …

Lesen Sie demnächst Neues aus dem Klein Zaches-Universum!

Weitere Infos werden wohl in Kürze auf der Seite des Musiktheaters im Revier zu finden sein.

CD-Review: Coppelius - Hertzmaschine

Coppelius HERTZMASCHINE Cover1815. Herrensitz Coppelius.
Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem
Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke
zu verstärken: Die galvanische Amplifikation!
Die Rockgeschichte hat begonnen.
 
2015. Herrensitz Coppelius.
Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!
Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter:Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang.
Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber
von handgemachter Musik – Coppelius sind zurück, lauter denn je!

So wortgewaltig kündigen die Berliner Herren Coppelius ihr am 30. Januar erscheinendes Album „Hertzmaschine“ an. Der Clockworker durfte sich schon jetzt ein Eindruck des „Klanggewitters“ der fünf Herren mit Diener machen und wir wollen Ihnen nun unsere Impressionen nicht vorenthalten.*

Tracklist:
01  Tragisches Ende eines Luftpiraten
02  Der Luftschiffharpunist
03  Moor
04  Harmonie
05  Herzmaschine
06  Sternenstaub
07  Reise
08  Ein Experiment
09  Glad to be dead
10  Contenance
11  Killers
12  Es fiel ein Himmelstaue
13  Des Bettlers Traum
14  Black is the colour
15  Der Musenkuß
16  Konzert

Nicht nur das Cover des neuen Langspielers, sondern auch die Tracklist vermittelt den Eindruck, dass es im neuen Album deutlich dampfiger zugeht als bisher. (Übrigens ordnet sich die Band mit ihrer Ankündigung erstmals selbst dem Steampunk zu, das klang im Salongespräch 2013 anlässlich ihres damaligen Albums Extrablatt noch ganz anders.)

Coppelius HERTZMASCHINE Promobild 2_CMYK_300dpi

Bereits das erste Lied „Tragisches Ende eines Luftschiffpiraten“ entführt uns hoch über die Wolken, wo es zu einer ungewöhnlichen Begegnung kommt. Auf 30 Sekunden setzen Coppelius ihre quasi-Tradition der A-cappella Stücke fort.

Auch „Der Luftschiffharpunist“ agiert in großen Höhen, kommt aber deutlich rockiger daher, so dass man fast nicht glauben mag, dass es wirklich Cello und Kontrabass sind, die da erklingen. Was hier positiv auffällt, ist das im Gegensatz zu den vorangegangenen Alben besser abgemischte Schlagwerk. Leider hapert es dafür beim Gesang, dieser geht stellenweise hinter den Instrumenten arg verloren, sodass man nur dank dem wunderschön postergedruckten Booklet die Bridge vollständig verfolgen kann.
Ansonsten führt aber die dunkle, rauchige Stimme Comte Caspars gekonnt ein, in die Technik des fliegenden Ungetüms und die Arbeit des Harpunisten. Doch bei der Jagd auf Wolkenkraken (oder vielleicht doch eher „Airkrakens?“) läuft leider nicht immer alles glatt…

Dieser Song ist übrigens im in galvanischer Fassung bereits auf Amazon, iTunes und Spotify verfügbar. (Wer die MP3-Fassung vorbestellt, [Amazon / iTunes] bekommt den Luftschiffharpunisten ohne zusätzliche Kosten sofort zum herunterladen und zahlt zum Releasedatum dann nur noch den Differenzbetrag zum Album.)

DSC03707

Ein Vertreter der Airkraken Gattung “Octopelius”

Auch bei „Moor“ zeigt sich die neue Elektrifizierung der klassischen Instrumente, sodass der Song über eine wunderliche Begegnung und Hilfeleistung im Sumpf ziemlich punkig anmutet mit einer kräftigen Prise Funk. Das alles inklusive Soli und starker Verzerrung, die man sonst vermutlich nur einer Gitarre zutrauen würde.

„Harmonie“ beginnt, dem Titel entsprechend, schon deutlich ruhiger. Ein Cembalo ergänzt die sonst übliche Instrumentierung aus Cello, Kontrabass, Klarinetten und Schlagzeug. Das zunächst gemächliche Tempo steigert sich im Verlauf des Liedes zu Zylinder-fliegender Geschwindigkeit, wenn wir dank Bastilles Gesang, der von Graf Lindorf ergänzt wird, herausfinden, dass die zuvor beschriebene Harmonie nicht ganz natürlich herbeigeführt wurde…

Weiter geht es mit „Herzmaschine“ und nein, das ist kein Rechtschreibfehler, diesmal ohne „t“, denn es geht um ein schlagendes Herz, eines, das sich nicht verlieben will und seine Gefühle mit Dampfkraft und Kesseldruck unter Kontrolle zu halten versucht.
Textlich ist dieses Stück sicherlich (neben dem Luftschiffharpunisten) das steampunkigste des Albums. Vielleicht liegt es daran, dass hier das Wissen der Szene, allen voran Jochen Enderlein aka Horatius Steam, mitgeholfen hat, den technischen Hintergrund zu erstellen.
Die Rhythmik erinnert an „Reichtum“ (Extrablatt, 2013), der Aufbau variiert jedoch:  Stampfendes Schlagzeug wechselt mit melodischen Klarinettenparts, teilweise unterstützt von Cembalo.

Nach diesem kraftvollen Stück folgt mit „Sternenstaub“ quasi das absolute Gegenteil. Eine traurige Ballade, in der die akustischen (unverstärkten) Eigenschaften der Instrumente ausgenutzt werden um gemeinsam mit Bastilles Gesang die Kälte des ewigen Eises heraufzubeschwören. Relativ Coppelius-untypisch gibt hier ein Klavier den Ton an.

Das nachfolgende „Reise“ wird dann wieder etwas flotter und zum Takt einer dahin rasenden Dampflokomotive zeigen hier besonders die Klarinetten ihr Können.

Rasant geht es weiter und mit „Ein Experiment“ wird ein weiteres omnipräsentes Thema des Steampunks bedient: Der verrückte Professor. Zerstreut schraubt und werkelt er, von Max Coppella vertont, an verschiedenen Erfindungen, deren Beschreibungen dem geneigten Hörer doch mehr oder weniger bekannt sein dürften. Unterstützung erhält er von einem Assistenten. Wer beim Castlefest 2014 dabei war, dem dürfte die Stimme von Baron von Ede bekannt vorkommen, die da immer wieder erklingt und den Professor vor dem Schlimmsten bewahrt. Leider kommt er nicht immer rechtzeitig, sodass das Lied ein sehr abruptes Ende findet.
Musikalischen wie textlich ist „Ein Experiment“ durchaus auf der humorvollen Seite zu finden, ähnlich wie „Gumbagubanga“ (Zinnober, 2010).

Castlefest 2014-14

Baron von Ede auf dem Castlefest 2014

Ernster und auch härter wird es danach mit dem ersten der drei englischsprachigen Titel des Albums „Glad to be dead“. Hier wird sich wieder einmal auf die langjährige Geschichte der Band berufen (s.o.)  und die „gute alte Zeit“ besungen, sodass die Zeitgenossen der Herren, die mittlerweile das zeitliche gesegnet haben, froh sein können, bereits tot zu sein. Bei näherer Betrachtung des Besungenen merkt man jedoch schnell, dass nicht alle Änderungen wirklich schlecht sind, auch wenn die Kritik des ständigen Wettbewerbs und der steigenden Überbevölkerung natürlich berechtigt sind.

Da kann einen schon mal die Wut packen. Dann ist das sich Mantra-artig wiederholende „Contenance“ genau das Richtige um die Haltung zu bewahren oder zurückzuerlangen. Auch hier zeigen Coppelius ihr Können im Bereich des mehrstimmigen Gesangs.

Nachdem die Gemüter sich ein wenig beruhigen konnten, lässt der nachfolgende Song das Blut wieder hochkochen. Es gilt als allgemein bekannt, dass die Jungs von Iron Maiden in den 1980er gerne einmal ein Lied, was natürlich im Original von Coppelius stammt, coverten. Nach „Murders in the Rue Morgue“ (Original von Coppelius veröffentlicht: Time-Zeit, 2007), bringen Coppelius nun mit „Killers“ eine weitere „Originalfassung“ heraus.
Die Energie, die Bastille bei diesem Stück live auf die Bühne zu bringen pflegt, kann aber leider nicht 100%ig auf CD gebannt werden. (Ein weiterer Grund unbedingt einmal ein Konzert zu besuchen, Termine weiter unten.)
Nichtsdestotrotz ist das Lied ein hervorragendes Beispiel für den selbsternannten Stil des „Kammer-Core“ (oder auch „Heavy Wood“), der hier auf den klassischen Instrumenten hervorgebracht wird und einen spätestens hier den Zylinder einen guten Hut sein lässt und zum extatischen Haare schütteln veranlasst.

Coppelius Hamburg Knust 27.03.2014

Hamburg – Knust 27.03.201

Beim der folgenden Liebesballade ist es nun wiederum umgekehrt: Hier covern die Herren Coppelius; nämlich eine klassische Volksweise, die aus den Jahren um 1539 stammt: „Es fiel ein Himmelstaue“. Auch die Instrumentierung bleibt klassisch, wieder in Verbindung mit dem Cembalo.

„Des Bettlers Traum“  ist da weit weniger klassisch. Besungen wird hier der Bettler, den keine materiellen Güter glücklich machen können, dafür aber seine (unerreichbare) Liebe. Thematisch scheint das Stück ein Pendant zu „Habgier“ (Tumult, 2009) zu bilden, ist musikalisch jedoch deutlich unaufgeregter. Es dominiert eher die Abscheu gegenüber der Hortung von Besitztümern und das Schmachten nach einer Unerreichbaren.

Mit „Black is the colour“ folgt eine weitere Interpretation klassischen Liedgutes. Diesmal ist es ein englisches bzw. genauer ein schottisches Liebeslied, was in Begleitung des Cembalos durch den Diener vorgetragen wird.
Live ein würdiger Nachfolger von „Ade mein Lieb“ (Zinnober, 2010).

Coppelius Stuttgart 05.04.2014 007

Stuttgart 05.04.2014

Der vorletzte Song des Albums beschäftigt sich mit der Inspiration des Künstler, dem „Musenkuß“. Mit gezupften Saiteninstrumenten beginnt es leise, doch dann bricht das gewohnte coppelianische Chaos aus. Denn leider ist die Muse in diesem Falle einzig in flüssiger Form zu erreichen. Welche Auswirkungen das auf den Dichter hat, zeigt sich in Text und Musik gleichermaßen, denn letztere steigert sich immer weiter in immer ausgedehnteren Soli, Variationen etc. bis nach der letzten Zeile der Höhepunkt erreicht und „Aus und Schluss“ damit ist.

Das Album ist hier aber noch nicht zu Ende, als 16. folgt eine recht ungewöhnliche Form der Darbietung: Die Vertonung von Heinz Max Aids Gedicht „Konzert“. Wobei Vertonung vielleicht etwas zu viel ist: zu den melancholischen Klängen der akustischen Instrumente wird der Text verlesen, welcher von dem Hin und Her gerissen sein nach einem Konzert berichtet: Soll man glücklich sein, weil es so gut war, oder traurig, weil es vorbei ist?
Gut, das der heimische Tonwiedergeber eine Wiederholungsfunktion hat und diese Entscheidung dem geneigten Hörer dieses Langspielers erspart bleibt!


FAZIT:
Spätestens dem neuen Album „Hertzmaschine“ sind Coppelius mitten im Steampunk angekommen. Leitthemen des Genres (Luftschiffpiraten, Dampfmaschinen, verrückte Wissenschaftler) werden textlich aufgenommen und verarbeitet. Insgesamt ist es weniger gesellschaftskritisch als sein Vorläufer Extrablatt (2013), dafür aber wahrscheinlich auch massentauglicher.

Auch musikalisch scheinen sich die Herren mehr und mehr am allgemein-Geschmack zu orientieren, was aber keinesfalls negativ sein muss. Es gibt immer noch die, meiner Meinung nach typisch coppelianischen, Mehrstimmen-Gesänge und auch die Klarinetten-Soli bleiben uns erhalten. Durch die neue Amplifikation verwischt aber klanglich mehr und mehr der Unterschied zwischen klassischen Instrumenten und der „Rock-Normal-Besetzung“, sodass dem zufälligen Hörer das besondere Instrumentarium von Coppelius womöglich entgeht. Auf der Bühne jedoch dürfte es dafür umso mehr rocken. Man darf also gespannt sein auf die kommende Konzerttour (s.u.).

Es sind auffallend viele Balladen und ruhige Stücke (mind. 6) auf der Platte gelandet, nichtsdestotrotz wird aber auch die Haar-Schüttelnde Fraktion ausreichend bedient, sodass der Zylinder (sofern er nicht festgetackert ist) getrost im Regal bleiben kann. Genügend Ohrwurm-Potential inklusive!

Alles in allem ein typisch coppelianischer Mix aus verschiedenen Genre-Einflüssen unter voller Ausnutzung der technischen Möglichkeiten der Instrumente der sich definitiv lohnt!

(Wer immer noch mit dem Kauf hadert, ist selber Schuld, aber vielleicht überzeugt ihn ja der Hinweis, dass das Booklet als Poster gedruckt wurde und so als Deko für’s steampunkige Eigenheim durchaus Potential hat.)


CD release
Die offiziellen Veröffentlichunsfeierlichkeiten finden übrigens am 30.01. in Berlin statt und werden um 18.00 Uhr mit einem Fanatikertreff (inkl. Fragerunde, Spiele etc.) beginnen, ab 23.00 Uhr öffnet dann der Maskenball seine Tore.

Mehr Informationen sind hier zu finden.

Natürlich gehört zu einem neuen Album auch eine Konzertreise und wie oben bereits mehrfach mitschwang sollte man sich die Herren und ihren Diener unbedingt einmal live ansehen!

Hier haben sie die Möglichkeit dazu:
11.03.2015  (Mi)  Osnabrück, Lagerhalle
12.03.2015  (Do)  Bochum, Matrix
13.03.2015  (Fr)  Hamburg, KNUST
14.03.2015  (Sa)  Hannover, Musikzentrum
20.03.2015  (Fr)  Berlin, LIDO
21.03.2015  (Sa)  München, Backstage
22.03.2015  (So)  Nürnberg, Hirsch
02.04.2015  (Do)  Stuttgart , Club Cann
03.04.2015  (Fr)  Wien, Szene
04.04.2015  (Sa)  Annaberg-Buchholz, Alte Brauerei
30.04.2015  (Do)  Magdeburg, Factory
01.05.2015  (Fr)  Hexentanzfestival
02.05.2015  (Sa)  Leipzig, Werk 2

Tickets unter gibt es bei extratix.de

 

_____________________
*(Anm. d. Red.: Auch wenn hinlänglich bekannt sein sollte, dass unsere reviewende Autorin ein besonderes Faible für die Herren hat, möchten ich Ihnen versichern, dass ich diese Rezension so objektiv, wie möglich durchgeführt wurde.)

Berichterstattung: Emporium Vernesque

 

Zum dritten Mal fand in diesem Jahr am 8. November in Arnheim das Emporium Vernesque statt. Vom Willemeen war man einige Häuser weiter ins größere Luxor Live gezogen. Auf drei Etagen bot die Veranstaltung ein buntes Programm für Jung und Alt.

Der Nachmittag konnte gemütlich beim Plaudern, einkaufen oder basteln verbracht werden. Verschiedene Workshops brachten den Besuchern z.B. den Umgang mit Worbla näher. Aber auch Tribal Dance konnte unter kundiger Leitung ausprobiert werden.

Weiterlesen Berichterstattung: Emporium Vernesque

Bericht: Jules Fantasy Markt

Vom 31.10 bis zum 2.11. fand unter dem Kuppeldach des Leipziger Kohlrabizirkus’ das erste Mal der Jules Fantasy Markt statt, organisiert wurde er von der Agentur Sündenfrei. Benannt nach Jules Verne, einem der Urväter des Steampunk, hatte die Veranstaltung einen ihrer Schwerpunkte auf unser Genre gesetzt, was nicht zu letzt an den Plakaten abzulesen war.

Weiterlesen Bericht: Jules Fantasy Markt

Jules Fantasy Markt Leipzig 31.10. - 2.11.

Am kommenden Wochenende findet von Freitag bis Sonntag das erste Mal der Jules Fantasy Markt im Kohlrabi-Zirkus in Leipzig statt. Ein bunter Mix aus Fanatsy, Steampunk, Endzeit, Piraten, Mittelalter, LARP, Gothic und vielem mehr erwartet den Besucher.

Jules 1

Steampunkig mit dabei sind unter anderem die Bands Drachenflug und Feline and Strange, die Steampunk Expeditionsgesellschaft, Alexander Schlesier alias Steampunker.de und viele mehr. Außerdem wird Susan Groegers Steampunk Film Woe vorgestellt.

Da der erste Veranstaltungstag genau auf Halloween fällt, wird auch der Markt entsprechend ausgerichtet sein und auch die Parade aller Akteure steht ganz im Zeichen des Schaurrigen. (Es gibt eine familienfreundliche und eine Ü18 Parade, etwas später am Abend, sowohl freitags als auch Samstags.)

Geöffnet ist Freitag und Samstag 11.00-24.00 und Sonntags 11.00-19.00. Mehr Infos zu Tickets etc. gibt es hier auf der Veranstaltungseite. Das Programm kann hier eingesehen werden.
Besucher in passender Kleidung erhalten übrigens einen ermäßigten Eintritt, also raus mit den Steampunk Klamotten!

 

Jules2

Gewinner: Ticketverlosung

Nun ist es soweit: der Gewinner der Ticketverlosung für zwei Karten für das Emporium Vernesque steht fest und hat soeben eine Aethernachricht erhalten.

Alle Teilnehmer wurden gebeten mit anzugeben, warum sie gerne zum Emporium Vernesque möchten. Einige Gründe wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

“Ich freue mich darüber, das erste mal mit anderen Leuten, die auch Steampunk gern haben zusammenzutreffen.”

 

“Am meisten beim Emporium Vernesque freue ich mich und vor allem mein achtjähriger Sohn sich darauf, die vielen tollen Kostüme und “Erfindungen” zu bewundern!”

 

“Ich habe es bisher noch nicht geschafft, zum Emporium Vernesque zu fahren. Die ganze Thematik beschäftigt mich sehr und ich könnte dort viele meiner Freunde wiedersehen.”

Wir gratulieren dem Gewinner und hoffen, dass sich auch die, denen das Glück nicht vergönnt war, nicht davon abhalten lassen, das Emporium Vernesque zu besuchen!

Emporium Vernesque 2014

In einem Monat ist es soweit: Das Emporium Vernesque öffnet am 8. November 2014 zum dritten mal seine Tore in Arnheim. Diesmal geht es in eine neue, größere Location: Das Luxor Live, drei Minuten vom Arnheimer Hauptbahnhof entfernt. Los geht’s um 12.00 Uhr am Samstag bis 23.00 Uhr.

EV

Am Samstag, 8. November 2014 soll in Arnheim die dritte Ausgabe des Emporium Vernesque abgehalten werden. Ein Festival für Lieberhaber des Steampunks, ein kreatives Science-Fiction Genr, welches sich inspiriert durch Schriftsteller wie Jules Verne und H.G. Wells. Aus dem In- und Ausland werden fantastisch gekleidete Steampunks anreisen für dieses einzigartige Event. Es ist eine Veranstaltung für Fans des Lebensstils, aber auch für Besucher, die sich noch nicht genau auskennen, sind herzlich willkommen. Tagsüber wird es ebenfalls Kinderbelustigung geben und sie sind ebenso willkommen, wie ihre Eltern!

[…]

Es wird ein volles Tagesprogramm geben mit Tanzvorstellungen, kreativen Workshops, Ausstellungen, Spielen, Lesungen und Teeduellen.

[…]

Neu ist in diesem Jahr die Modenschau: verschiedene Designer stellen ihre Steampunk Kreationen auf dem Laufsteg vor.

Ebenfalls neu ist die Kleidertauschbörse: Hier kann jeder die Kleidung (im Steampunkstil), die er nicht mehr braucht eintauschen gegen etwas Neues.

Natürlich gibt es auch wieder einen Warenmarkt und eine Sitzecke mit Essen und Trinken im passenden Ambiente.
Außerdem soll es in diesem Jahr ein Filmtheater geben, in dem Filme aus Steampunk und Fantasy gezeigt werden. Ein gutes Beispiel ist hier der Fantasy Kurzfilm “Lessons Learned” von Toby Froud (Labyrinth) und produziert von Heather Henson, Tochter von Jim Henson (Labyrinth, Muppet Show). Des weiteren werden antike Filme von etwa 1900 gezeigt.

Auch Musikalisch gibt es einiges zu bieten:

Tagsüber wird die Deutsche Band Drachenflug für musikalische Untermalung sorgen. Abends geht’s dann weiter mit der niederländischen Gruppe Schwarzblut und den britischen SteamPUNKS The Men That Will Not Be Blamed For Nothing.

[…]

Wem das alles noch nicht genug ist, der kann sich bereits am Freitagabend auf der Pre-Party im Willemeen auf die Veranstaltung einstimmen lassen von den DJs DJ’s Kwoad, Slim, Miss Yani und B.U.R.B. mit EBM, Industrial und Darkwave.

Sonntags morgens wird es außerdem die Möglichkeit geben noch gemeinsam brunchen zu gehen. Der genaue Ort hierzu wird noch bekannt gegeben.

Tickets gibt es hier zu kaufen. Im Vorverkauf kosten die Eintrittskarten 11,00€ (inkl. Servicekosten), Abendkasse 13,50€. Kinder unter 12 zahlen 7,50€ an der Abendkasse. Die Pre-Party kostet 6,00€ Eintritt, wer ein Vorverkaufsticket vorweisen kann, erhält 2,00€ Rabatt.

Die ersten 100 Vorverkaufsticketkäufer bekommen außerdem einen Goodiebag mit verschiedenen Dingen der anwesenden Händler. Ihr erfahrt vor Ort, ob ihr gewonnen habt, aber beeilt euch, bevor es zu spät ist!

Alle weiteren Infos zu Anreise etc. finden sich auf der Homepage der Veranstaltung.

 

 

Buch-Rezension: Außergewöhnliche Automatons von Martin Riesen

Print

Cover: Außergewöhnliche Automatons Cover Art: Michael Zigerlig

So sperrig der Titel vielleicht auch klingen mag, Martin Riesens Erstling (erschienen im Self-Publishing, erhältlich auf Amazon) liest sich alles andere als holprig.
Schon der Klappentext verspricht eine unterhaltsame Geschichte im Steamforged Empires Universum:

„Offenburg, 1874, in einer alternativen Vergangenheit…
Die sechszehnjährige Johanna findet eine Anstellung als Gehilfin beim Automatonhersteller Professor Geich. Schnell erkennt er ihr außergewöhnliches Talent für die Herstellung von Lochkartenprogrammen, mit denen diese beliebten Maschinen gesteuert werden. Als Johanna einem Automaton ein Programm stanzt, das es ihm ermöglicht, zu lernen, ahnt sie nicht, welche Ereignisse sie damit in Gang setzt…“

Die Geschichte selbst ist nichts Neues: Die Erfindung wendet sich gegen den Erfinder. Leider verharrt die Erzählung an einigen Stellen stark in alten Klischees (Liebe entgegen aller Standesunterschiede, Aufstieg von ganz unten etc.) und das Ende ist weitgehend vorhersehbar.
Aber altes Holz brennt bekanntlich gut und so bleibt es bis zum Ende spannend, wie das heraufbeschworene Unheil doch noch abgewendet werden kann.

Wer bei den genannten Beispielen jetzt an eine überwiegend kitschige Liebesgeschichte denkt, liegt (Gott sei dank) falsch. „Außergewöhnliche Automatons“ ist ein waschechter Abenteuerroman und da darf eine Romanze natürlich nicht fehlen.

Martin Riesens Erzählstil ist kurzweilig und gut lesbar, insbesondere mit den Beschreibungen der Technik, die hinter den Automatons steckt, kann der Autor punkten. Man hört förmlich das Rattern der Zahnräder und Durchlaufen der Lochkarten, riecht das Maschinenöl und den Dampf der Antriebsmaschinen. Echter Steampunk eben.

Leider bleiben dafür die („guten“) Charaktere teils recht oberflächlich, nur der Bösewicht kann mit seinen Motiven und Handlungen wirklich überzeugen und weckt im Leser die angebrachte Abscheu.

Über diese Abneigung kann man sich schließlich doch noch recht gut in die Hauptfiguren hineinversetzen und mit ihnen und der Geschichte mitfiebern (außerdem freut es einen doch bei einem gut geschriebenen Gegenspieler gleich viel mehr, wenn seine Pläne versagen.)

Bevor es jedoch soweit kommt, wird man zunächst ausgiebig in die Welt von Steamforged Empires eingeführt. Erst gegen Ende nimmt die Geschichte Fahrt auf und reißt den Leser im letzten Drittel des Buches mitten hinein in das Geschehen. Die Auflösung selbst kommt ziemlich abrupt, in einigen Einzelheiten fast schon zu gewollt, bleibt aber nachvollziehbar.

Da das Buch als erster Teil einer Serie angelegt ist, darf ein ordentlicher Cliffhanger natürlich nicht fehlen und so erfahren wir nicht die vollständige Auflösung aller Geschehnisse und dürfen weiter rätseln. Das Tempo, dass „Außergewöhnliche Automatons“ gegen Ende erreicht, wird dann hoffentlich im nächsten Band beibehalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Außergewöhnliche Automatons“ sich wohl am ehesten unter „leichte Abendlektüre“ einordnen lässt, (u.A. auch durch die Einteilung in 27 relativ kurze Kapitel). Das alternative Universum ist gut durchdacht und auch die Geschichte ist logisch aufgebaut, wenn auch leider größtenteils recht vorhersehbar. Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch, wenn man nicht gerade etwas Weltbewegendes erwartet. Wer auf der Suche nach guter, steampunkiger Unterhaltung ist, wird mit „Außergewöhnliche Automatons“ sicher nicht enttäuscht werden.

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Homepage des Autors

Gesichtsbuchseite