Elektromusik der Jahrhundertwende (1900)

Ein Artikel für Clockworker, von Herrn von Ziolkowski

Was eigentlich Steampunk-Musik ist, erscheint im Augenblick noch recht unklar. Während einige Musiker ausschließlich zeitgenössische Instrumente der frühen 1900er Jahre verwenden, schaffen andere mit modernen E-Gitarren und Synthesizern neue Klangwelten. Manch einer stellt dabei die Frage in den Raum, ob sich Musik überhaupt „Steampunk“ nennen darf, wenn synthetische Klänge verwendet werden, da diese doch scheinbar eine Errungenschaft der modernen Neuzeit sind. Doch die Entwicklung elektrischer und elektronischer Musikinstrumente ist keineswegs eine neue Erfindung der zweiten Hälte des 20. Jahrhunderts, sondern ihre Geschichte beginnt viel früher.

Bereits 1750 entwickelte Prokop Divis, ein tschechischer Gelehrter und Erfinder (Erfinder des Blitzableiters) ein elektrophones Instrument, dass er „Denis d’or“ (Goldener Dionysos) nannte. Die Bedienung dieses Musikinstruments muss jedoch nicht ganz ungefährlich gewesen sein, da es nach zeitgenössischen Berichten dem Spieler schmerzhafte Stromstöße verabreichen konnte.

Um die Jahrhundertwende (1900) entwickelte sich Telefon- und Funktechnik. Einige kreative Erfinder, merkten früh, dass sich die dort entwickelten Techniken, auch zur Erzeugung von hörbaren Schwingungen und damit zum Bau völliger neuer Musikinstrumente eignete. Daher erfolgte deren Entwicklung im engen Zusammenhang mit der Funktechnik.

Das erste Musikinstrument, dass man nach heutigem Verständnis als elektrischen Klangerzeuger bezeichnen würde, da Strom tatsächlich zur Erzeugung einer Schwingung verwendet wurde, war das 1897 konstruierte „Dynamophon“ oder „Telharmonium“. Es wurde von Thaddeus Cahill entwickelt und ist mit seinen 200 Tonnen Gewicht, das bis heute schwerste, jemals gebaute Musikinstrument. Trotz dieses Gewichts, reiste es per Zug quer durch die USA, damit auf ihm an verschiedenen Orten Konzerte gespielt werden konnten.
Technisch funktionierte es so, dass für jeden Halbton ein dampfbetriebener Wechselstromerzeuger existierte. Diese Generatoren erzeugten Sinusschwingungen, deren Tonhöhe durch einen Zahnradmechanismus eingestellt werden konnte.
Da zu dieser Zeit noch keine modernen Lautsprecher erfunden waren, wurde die auf dem Instrument gespielte Musik über das Telefonnetz verbreitet.
Obwohl das Dynamophon aufgrund seines Gewichts nur schwierig einzusetzen war und technische Komplikationen mit der Telefonübertragung auftraten, inspirierte diese Technik doch Musiker wie Ferrucio Busoni, Arnold Schönberg oder Edgar Varése, neue Musiktheorien aufzustellen.

Dokumentation über das Dynamophon (3 Teile)

Dynamophon Teil 2
Dynamophon Teil 3

Ein bis heute bekanntes elektronisches Musikinstrument, ist das „Theremin“ oder „Ätherophon“ , dass 1919 vom russischen Erfinder Leon Theremin entwickelt wurde. In ihm wurde zum ersten Mal ein sogenannter „Schwebungssummer“ zur Erzeugung das Klangs eingesetzt.
Das Instrument wird durch den Musiker bedient, ohne es zu berühren. Er nähert sich mit seinen Händen den zwei am Gerät befindlichen Antennen, wobei er durch den Abstand zu ihnen, mit der einen Hand die Tonhöhe und mit der anderen die Lautstärke kontrollieren kann.
Das Theremin erfreut sich immer noch großer Beliebtheit und ist eines der wenigen historischen, elektronischen Musikinstrumente, das bis heute Verwendung findet.
Vielen ist der Klang eines Theremins durch Musik und Soundeffekte früher Science Fiction- und Horrorfilme bekannt.

Die Erfindung des Theremins brachte einen kräftigen Innovationsschub bei der Entwicklung weiterer elektronischer Instrumente.

1926 baute Jörg Mager, Volksschullehrer und früher Pionier der elektronischen Musik, eine Apparatur auf der Basis eines Tonerzeugers der Radiofirma Lorenz AG, die er zunächst „Elektrophon“ und dann „Sphärophon“ nannte. Die Erzeugung einer Schwingung erfolgt, wie beim „Theremin“, durch einen Schwebungssummer. Mager entwickelte das Gerät weiter zum „Partiturophon“, das später bei den Bayreuther Festspielen zur elektronischen Imitation von Glockenklängen verwendet wurde.

Ein Instrument, das uns in vielerlei Hinsicht schon an moderne Synthesizer erinnert, ist das 1928 gebaute „Ondes Martenot“. Das von dem Funktechniker und Pädagogen Maurice Martnot entwickelte Gerät, beruhte auf der gleichen Klangerzeugung, wie das Theremin und das Sphärophon. Es erlaubte jedoch auch in gewissem Rahmen Einfluss auf die Klangfarbe zu nehmen.


Ondes Martenot (Foto: TheWaves)

In einer ersten Version des Instruments, diente die Tastatur nur zur Orientierung des Spielers, der die Tonhöhe über einen Fingerring kontrollieren konnte. In späteren Versionen konnte der Musiker Wahlweise den Ring oder eine Klaviatur verwenden.
„Ondes Martenot“ wurde für seinen Erfinder ein großer kommerzieller Erfolg, da es höchste Beachtung bei den zeitgenössischen Komponisten fand.
Sein Klang prägte später die Soundtracks vieler Spielfilme, u.a. „Lawrence von Arabien“, „Ghostbusters“ oder „Die fabelhafte Welt der Amelie“.

Demonstration Ondes Martenot:

1929 begann Friedrich Trautwein mit der Entwicklung des Trautoniums, dessen Prototyp er zusammen mit Oscar Sala 1930 erbaute. Sala sollte dieses Instrument später berühmt machen durch seine Arbeit an der Filmmusik zu Hitchcocks „Die Vögel“.
Die Klangerzeugung erfolgte durch das Abgreifen der Spannung einer Glimmlampe über einen Widerstandsdraht. Je nachdem an welcher Stelle der Draht gedrückt wurde, änderte sich die Frequenz und damit die Tonhöhe. Im Gegensatz zu den bisher entwickelten elektronischen Musikinstrumenten, deren Klang fast immer auf der Erzeugung einer Sinuswelle beruhte, erzeugte das „Trautonium“ eine Art Sägezahnwelle. Durch die Verwendung von Filterschaltungen, konnte die Klangfarbe des Instrumentes sehr tiefgreifend verändert werden.
Mit der Weiterentwicklung des Gerätes zum „Mixturtrautonium“, konnten später sogar eine Art Mehrklang erzeugt werden.


Trautonium ( Foto: Matthias Kabel)

Trautwein, Trautonium und Oscar Sala (2 Teile)

Teil 2

Kurze Zeit später führte die Entwicklung der elektronischen Musikinstrumente zur Hammond-Orgel und dann, Mitte des 20. Jahrhunderts, zum Analogsynthesizer, so wie er auch noch heute Verwendung findet.

Das automatische Abspielen von Musikstücken oder Teilen (Parts) davon, so wie es heute noch in der Musikproduktion mit modernen Sequenzerprogrammen gemacht wird, ist sogar noch älter, als die Entwicklung elektronischer Musikinstrumente. Der Versuch Musik und Töne mit mechanischen Mitteln automatisch ablaufen zu lassen, geht bis in die vorchristliche Zeit zurück.
Mit der Entwicklung von Lochkarten zur Steuerung von Webstühlen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, war die grundlegende Idee geschaffen, die später auch in der Steuerung der elektrischen Klaviere Verwendung finden sollten. Auf perforiertem Papier, dass aufgerollt wurde, konnte die Information für komplette Musikstücke untergebracht werden.
Beim Abrollen des Papiers in der entsprechenden Vorrichtung des Klaviers, erlaubten die gestanzten Löcher, das Schließen elektrischer Kontakte, die zur Auslösung der Hammermechanik führten.

Wir haben also im frühen 20. Jahrhundert schon alle Techniken zusammen, um elektronische Musik zu erzeugen. Warum also nicht die „was-wäre-wenn“-Frage des Steampunks mit dampfgetriebenen Sinusgeneratoren und Lochkarten, oder einer angeschlossenen Differenzmaschine, und damit der Erschaffung fantastischer Klangwelten, beantworten?
Lassen wir also ruhig das „Theremin“ zwischen den stampfenden Beats der Kolben von Dampfmaschinen erklingen!

Quellen:

http://www.analogeklangsynthese.de

http://www.monitor.co.at
http://www.wikipedia.org

Æther-Telegramm KW 36

Da die Nachrichten aus dem Ætherversum um Kunst, Kultur und Wissenschaft in letzter Zeit erheblich zugenommen haben und der Clockworker nicht allen Raum bieten kann, wird das Æther-Telegramm  mit einem wöchentlichen Rückblick wieder belebt.

Die New York Times veröffentlichte einen langen Nachruf auf F. Gwynplaine MacIntyre, der mit “The woman between worlds” bereits 1994 einen Roman veröffentlichte, welcher heute den Stempel Steampunk bekommen würde. Seine Ende durch Selbstmord passte zu seinem Leben voller Extreme.
New York Times: Froggy’s Last Story

Der geschätzten Kollege von Steampunk-Welten und Daily Steampunk berichtet von einem polnischen Steampunk-Rollenspiel unter dem (sehr germanischen) Titel Wolsung. Das eigentliche Regelwerk ist in polnischer Sprache, aber es gibt die Möglichkeit ein englisches Kurzregelwerk herunterzuladen. Die Kunst der Regelwerks ist natürlich international ansprechend.

Auch musikalisch entdecken immer mehr Bands die Ästhetik des Steampunks, zum Teil in musikalischen Genren, in denen man dies nicht erwartet hat. So wird die US New-Country-Band Sugarland im Oktober ein Album mit dem Titel “The incredible machine” veröffentlichen. Gerne hätte ich an dieser Stelle, das Video der Band gezeigt, aber wieder einmal verhindert das Label die kostenlose Werbung. Aber am Ende dieses Artikels kann ich wenigstens einen kleinen Einblick in die interessante Live-Show gewähren, leider mit sehr schlechter Qualität.
Auf Dieselpunks.org wird die Band Morella & The Wheels Of If interviewt, die schon eher eine “klassische” Steampunk-Band ist und eine Mischung aus Gothic, Cabaret und alten Tönen anschlägt.
Zum Schluss berichtet die HudsonHubTimes noch über die Band Mushroomhead, die deutliche härtere Töne anschlägt. Auch sie richtet ihr neues Album auf Steampunk aus.

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Sugarland – Incredible Machine

J.J. Abrams produziert die Verfilmung von Boilerplate

J.J. Abrams (Alias, Fringe, Lost) macht dem Namen seiner Produktionsfirma “Bad Robot” alle Ehre. Sein neuestes Projekt ist die Verfilmung von Boilerplate, der Geschichte eines viktorianischen Roboters bei seinen Reisen rund um die Welt.

J.J. Abrams producing period robot movie ‘Boilerplate’ (exclusive)

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Trailer zum Buch

Perry Rhodan: Die Stadt in der Mitte der Welt

Die langlebige deutsche Science Fiction Heftromanserie “Perry Rhodan” bedarf sicherlich keiner gesonderten Vorstellung, auch wenn sie normalerweise wenig bis nichts mit dem Themenkomplex Steampunk zu tun hat.

Eine bemerkenswerte kleine Ausnahme stellt das aktuelle (am 23.07.2010 erschienene) Heft Nr. 2553 von Frank Borsch mit dem Titel “Die Stadt in der Mitte der Welt” dar, dessen von Swen Papenbrock gezeichnetes Titelbild eine dampfbetriebene, traktorähnliche “Zugmaschine” im schönsten Kupferblech-&-Messing-Stil ziert (die auch im Roman eine kleine Rolle spielt):

PERRY RHODAN > Produkte > Heftromane > Hefte der Erstauflage > Die Stadt in der Mitte der Welt.

Steampunk-Inspired Stormtrooper Helmet

Awesome Steampunk-Inspired Stormtrooper Helmet.

Steampunk Stormtrooper Helmet

Zum Vergleich: Ähnliches hatten wir schon einmal

TotusMels Wunderkammer: OctopusMe

Das Kuriositätenkabinett TotusMels Wunderkammer – “A Collection of Curiosities discovered in the dark and wondrous corners of Etsy” – präsentiert in unregelmäßigen Abständen Fundstücke aus dem Äthernetz. Heute, passend zum Fußball-Orakel:

OctopusMe

Die Betreiberin der Wunderkammer, Totus Mel, stellt selbst bezaubernde Handarbeiten für die Dame von Welt her, die sie in ihrem eigenen Etsy-Shop anbietet.

Yours truly, Timemaster Tim

warping out

Even more Steampunk

Wer sich übrigens fragt, was unsere brasilianischen Steampunk-Freunde derzeit so treiben, findet auf dem Blog Beyond the Beyond von Bruce Sterling englischsprachige Antwort. Und hier noch ein paar Links zu deren Initiativen – allerdings auf portugiesisch, dafür teilweise bebildert:

Conselho SteamPunk
www.steampunk.com.br
www.steambook.com.br
www.steamcast.com.br
www.steamcon.com.br

Lodges
rj.steampunk.com.br
sp.steampunk.com.br
mg.steampunk.com.br
pr.steampunk.com.br
rs.steampunk.com.br
pb.steampunk.com.br

Initiatives
www.aolimiar.com.br
www.steamgirls.com.br
www.steamboys.com.br

Æther-Telegramm

Im Ferntonkino:

  • Regenbogen – Tele5 2.12 22:35-01:15 Uhr
  • 100 Jahre – Der Countdown “Die 20er” – Phoenix 3.12 00:40-02:30
  • Der kleine Lord – rbb 3.12 20:10-22:30

Æther-Telegramm

Leitartikel:

Im Ferntonkino:

Der letzte Held von Afrika 27.11. 22:20 – 00:10 (110min)
Film – Komödie
Der letzte Held von Afrika 27.11. 22:20 – 00:10 (110min)
Film – Komödie
Addams Family
Die blutrünstigen Gebrüder Grimm
28.11. 05:12 – 05:45 (33min)
Serien – Comedy
Geheimagent 29.11. 08:40 – 10:45 (125min)
Film – Sonstige
Tag und Nacht denk ich an dich 29.11. 12:50 – 15:10 (140min)
Film – Sonstige
Über den Dächern von Nizza 29.11. 15:10 – 17:15 (125min)
Film – Krimi
Der Gangsterschreck 29.11. 20:10 – 22:35 (145min)
Film – Komödie
Cars 29.11. 20:10 – 22:45 (155min)
Film – Zeichentrick
Festliche Aids-Gala 2009 29.11. 22:40 – 00:30 (110min)
Info – Kunst/Kultur
Addams Family
Die blutrünstigen Gebrüder Grimm
28.11. 05:12 – 05:45 (33min)
Serien – Comedy
Geheimagent 29.11. 08:40 – 10:45 (125min)
Film – Sonstige
Festliche Aids-Gala 2009 mit Max Raabe 29.11. 22:40 – 00:30 (110min)
Info – Kunst/Kultur

Hat Tip an Luftschiffharry

Æther-Telegramm

Leitartikel:

Im Ferntonkino:

Addams Family
Komponistin Morticia und Ophelia, der…
21.11. 05:02 – 05:40 (38min)
Serien – Comedy
Kapitän Nemo 21.11. 05:55 – 07:55 (120min)
Film – Action
Sturmfahrt nach Alaska 22.11. 13:35 – 15:35 (120min)
Film – Action
Das große Manöver 22.11. 20:42 – 22:45 (123min)
Film – Sonstige
Kolonialmama 22.11. 21:40 – 23:20 (100min)
Info – Dokumentation
Sturmfahrt nach Alaska 22.11. 13:35 – 15:35 (120min)
Film – Action

Æther-Telegramm


Leitartikel

Musik des Tages:

Patrick Macnee & Honor Blackman – Kinky Boots

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Leitartikel:

Im Ferntonkino

Fantomas 18.11. 20:10 – 22:35 (145min)
Film – Krimi
Verschollen in der Arktis
Die Spuren Deutschlands größter…
18.11. 20:12 – 21:10 (58min)
Info – Dokumentation

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Æther-Telegramm

Leitartikel

Im Ferntonkino

  • Mo. 16.11 21:00 Uhr: arte 12 Monkeys

Musik des Tages:

Æther-Telegramm – Sonderausgabe “Eines Tages”

“Eines Tages”

Editorial

Die heutige Ausgabe des Æther-Telegramm ist eine Sonderausgabe, gewidmet der EinesTages Rubrik auf Spiegel online. Eines Tages zeigt die Geschichte aus einer ganz persönlichen Sicht: “Wie war das eigentlich damals?“, erzählt nicht von Historikern, sondern von Menschen wie du und ich. Weiterhin finden sich dort auch interessante Rubriken für den Retro-Futuristen, wie zum Beispiel die Werbung aus der Reihe “Kauf dir die Zukunft!” Science-Fiction Werbung von damals.

Weitere interessante Artikel:

Ætherfunde – 14. November 2009