Ein Streifzug durch die deutsche Steampunkszene - Das große Steampanoptikum

Unsere Autoren Clara Lina Wirz (Ayra Leona) und Alex Jahnke (Captain Serenus) haben im vergangenen Jahr ihr Gemeinschaftsprojekt „Das große Steampanoptikum – eine fantastische Reise quer durch die Welt des deutschen Steampunks“ bei der Edition Roter Drache veröffentlicht. Seitdem haben sie es schon auf verschiedenen Veranstaltungen und Conventions präsentiert.

copyright: Edition Roter Drache. Foto: A. Zeichnerin

copyright: Edition Roter Drache. Foto: A. Zeichnerin

Aus meiner Sicht ist dieses Buch gerade für Einsteiger in die Steampunk-Szene oder generell Interessierte sehr gut geeignet, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. In einleitenden Essays wird sich der Frage angenommen, was denn Steampunk nun eigentlich genau ist – ohne ihn abschließend oder in engen Grenzen zu definieren. Auch die verschiedenen Subgenres werden näher beleuchtet.

Die Schwerpunkte des 176-seitigen Buches liegen auf Makern, Musik, Mode sowie Filmen/Webserien und lokalen Steampunk-Gruppen. Die meisten der hier erscheinenden kreativen Köpfe stellen sich selbst vor, so dass hier ein vielseitiges Sammelsurium entstanden ist. (Natürlich konnten aber nicht alle kreativen Steampunks aus den verschiedenen Bereichen und dem deutschsprachigen Raum vorgestellt werden, sondern es wurde eine Auswahl getroffen.)

Zwischengestreut sind fünf Steampunk-Kurzgeschichten, von Martin Riesen, Anja Bagus, Thorsten Küper, Christian Reuter und Andreas Schöpe. So wird auch dem literarischen Genre des Steampunk Rechnung getragen.

Besonders hervorheben möchte ich auch die originelle visuelle Gestaltung dieses Buches, welche dem Anspruch eines Panoptikums voll gerecht wird – dieser Begriff steht ja unter anderem für Kuriositätenkabinette.

Es ist ein Hardcover-Buch im Format Din A4 und jeder Bereich des durchgehend farbigen Werkes ist anders gestaltet – mit ornamentalen Rahmen verziert oder Zahnrädern, mit historischen Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert, vor allem aber mit zahlreichen farbigen oder auch historisierend-sepiafarbenen Abbildungen. Letztere nehmen teilweise auch wie in einem Bildband eine ganze Seite ein, damit auch alle feinen Details genau erkennbar sind. Das Titelbild selbst erinnert an alte ledergebundene Bücher. Eine aufgenietete Platte mit einer Art integrierten Photo- oder Kameralinse gibt den Blick frei auf – wie könnte es anders sein? – ein Uhrwerk.

Das einzige, was hier fehlt, ist die bildende Steampunk-Kunst. Allerdings sind entsprechende Künstlerinnen und Künstler zumindest in Deutschland eher rar, und vermutlich hätte es auch den Rahmen dieses Buches gesprengt, noch eine weitere Kategorie einzuführen.

Die Verlagsseite des Steampanoptikum:
http://www.roterdrache.org/cms/backlist/n-s/das-grosse-steampanoptikum/

Buchvorstellung mit Trailer: Der Stern des Seth

Unsere Autorin Amalia ist nicht nur Zeichnerin, nein sie ist auch Autorin und hat soeben ihr Werk „Der Stern des Seth“ veröffentlicht:

„Der Stern des Seth“ ist ein Steampunk-Abenteuer-Roman mit phantastischen Elementen,
welcher im Januar 2016 erschienen ist.

Er handelt von einer Expeditionsgesellschaft, welche im Jahre 1885 im Auftrage eines adligen Unternehmers aufbricht in den Sudan, um dort ein altägyptisches Artefakt zu finden – ein cleverer Erfinder, ein junger Archäologe, ein Wissenschaftler, der für seine Forschungen lebt, ein kriegsversehrter Sergeant und eine neugierige Journalistin. Mit Luftschiff, Eisenbahn, Schaufelraddampfer und schließlich Kamelen reisen sie bis zu den antiken Tempeln am Berg Barkal…

Hier gibt es einen dreiminütigen Buchtrailer dazu:
YouTube Preview Image

Weitere Einzelheiten zum Roman und eine Leseprobe finden Sie hier:
http://amalia-zeichnerin.net/steampunk-literatur/

Falls Sie das Gesichtsbuch nutzen, finden Sie dort eine Seite zum Roman mit weiteren Details.
https://www.facebook.com/Der-Stern-des-Seth-942628775830317

Verlosung und Rezension von Voll Dampf - eine Steampunk-Anthologie

Die Anthologie „Voll Dampf“ ist insgesamt betrachtet sehr actionlastig und spannend. Außerdem stecken die einzelnen Geschichten voller unerwarteter Wendungen.

copyright: Amrun Verlag und Christian Günther

copyright: Amrun Verlag und Christian Günther

Rezension
Das Vorwort stammt von der Raum-Zeit-Kapelle Drachenflug und wirft einen generellen Blick auf die Steampunk Szene, bevor es sich den Autoren zuwendet, die von allen Künstlern die meiste Freiheit haben, wie der Drachenflieger Freiherr von Dunkelfels feststellt.

Den Auftakt der Anthologie bildet eine ungewöhnlichen Geschichte von einem Bühnenmagier und seinem ganz besonderen Kraken: „Valerius von Arbogast und sein fabelhafter Krakun“ von Thorsten Küper. Hierin taucht nicht nur Charles Darwin, Begründer der Evolutionstheorie, in einem völlig unerwarteten Zusammenhang auch, sondern auch eine andere historische Persönlichkeit, aus der Zunft der Schriftsteller – mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, weil ich sonst spoilern würde.

„Die spektakuläre und heldenmütige Entführung der originalgetreuen Lokomotive Emma“ (Matthias Falke) handelt von einer ganz besonderen Lokomotive in einem Science-Fiction-Setting.

„Mach mal Dampf“ von André Wiesler spielt in einem Kriegszenario, welches an den 1. Weltkrieg erinnert. Der Protagonist, ein deutscher Soldat, wird Zeuge, wie ein gewaltiger französischer Kampfroboter (eine Art Mech, wie man ihn aus „Battletech“ und ähnlichen Szenarien kennt) in die Schlacht eingreift.

„Träum weiter“ (Peter Hohmann) handelt von Preußen im deutschen Kaiserreich, die gegen Rebellen kämpfen und ein mehrstöckiges, monströses Luftschiff gebaut haben. Doch dann kommt alles anders als erwartet, wie der Anti-Held, ein Journalist, am eigenen Leib erfahren muss.

Auch in „Volldampf zu den Sternen“ (Marco Ansing) ist ein Reporter der Protagonist. In Form von Zeitungsberichten, in denen er sich auch direkt an seine Leserinnen und Leser wendet, beschreibt er turbulente eigene Erlebnisse in Hamburg im Jahr 1899, bei denen er es mit seltsamen „Metallmännern“ zu tun bekommt. Und das ist erst der Anfang…

Die Geschichte „Schwarzfall“ von Frank Hebben beschreibt eine Gesellschaft, die völlig abhängig geworden ist von der Elektrizität des Herrn Tesla. Diese Geschichte wird nicht aus der Perspektive eines oder zweier Protagonisten geschildert, sondern eher aus der Vogelperspektive eines unbeteiligten Beobachters, was sie aber nicht minder dystopisch macht.

In „Ein Gott über den Wolken“ (Achim Zien) erkundet eine Expeditionsgesellschaft im Auftrag ihres Kaisers (eines fiktiven Reiches) einen Gebirgszug auf der Suche nach Rohstoffen und finden ein gestrandetes Luftschiff. Was sie darin finden, verschlägt ihnen den Atem – und macht Lust auf ein längeres Abenteuer in dieser fiktiven Welt.

„Blechschicksal“ (Jan-Tobias Kitzel) erzählt einen überraschenden Steampunk Krimi in London mit mechanischen Tieren, anderen automatischen Wesen und einem Helden der etwas anderen Art.

„Natürliche Auslese“ von Peer Bieber beschreibt eine Alternative Reality in den 1900er Jahren, in der die politischen und religiösen Verhältnisse in Großbritannien, aber vor allem auch in Südamerika etwas anders sind, als wir es aus der Geschichte kennen. Diese Story wird aus der Sicht eines Polarforschers beschrieben. Auch hier tauchen historische Persönlichkeiten ein, z.B. der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen.

Verlosung
Der Clockworker und André Skora, einer der Herausgeber der Anthologie, verlosen zwei Exemplare von „Voll Dampf“ als Taschenbuchexemplar (190 Seiten). Wer gewinnen möchte, schreibe bitte bis 31.12.2015 an buch(at)clockworker.de mit dem Betreff „Verlosung Voll Dampf“.

Das Buch auf der Seite des Amrun Verlags:
http://www.amrun-verlag.de/produkt/voll-dampf-fiktionale-steamgeschichten/

Steampunk Soldiers

Seit heute morgen liegt ein neues Produkt aus der Hause Zauberfeder auf dem Redaktionstisch: „Steampunk Soldiers“.

Im englischen Original von Osprey vertrieben und von Zauberfeder in deutscher Lizenz auf den Markt gebracht. Aus dem Klappentext:

Zwischen 1887 und 1895 reiste der britische Kunststudent Miles Vandercroft um die Welt, wobei er die Soldaten der vom ihm besuchten Länder skizzierte und malte. Es war ein Zeitalter dramatischen technologischen Fortschritts, und Vandercroft war fasziniert davon, wie der Aufstieg der Dampftechnologie zu Beginn des amerikanischen Sezessionskonflikts die Kriegsführung und die Rolle der an den Kämpfen Beteiligten verändert hatte.

Dies ist eine komplette Sammlung Vandercrofts überlieferter Zeichnungen. Begleitet werden die Bilder von den dazugehörigen Kommentaren Vandercrofts über die Militäreinheiten, die seinen Weg kreuzten. Es ist ein einzigartiger bebilderter Reiseführer in die letzte Ära der strahlenden, farbenprächtigen Uniformen und zugleich eine wichtige historische Studie über die diversen dampfbetriebenen Bewaffnungen und Ausrüstungen, die ihre Glanzzeit in den Tagen unmittelbar vor dem Großen Krieg der Welten erlebten.

Das Buch auf meinem Tisch ist nicht ganz Din A4 groß und in fadengebundener Hardcover Ausgabe mit partiellem Glanzlackdruck. Die 156 Seiten sind angenehm schwer und das Buch ist vollständig vollfarbig gedruckt. Die Qualität ist dem Preis von knapp 25€ auf jeden Fall angemessen

In dem Buch findet man einen fiktionalen militärhistorischen Abriss über die verschiedenen Militäreinheiten des Dampfzeitalters relevanter Militärnationen auf der ganzen Welt.

Das Werk spendiert jedem Land und jeder Einheit eine Doppelseite mit Beschreibung von Funktion und Ausstattung und einer wunderschönen Charakterzeichung.

Dieses Buch ist eine hervorragenden Ergänzung zu jeder Steampunksammlung, denn es dürfte das erste sein, was sich konkret mit dem fiktionalen militärischen Aspekt der Genres  beschäftigt. Ebenso bietet es für Rollenspieler, sowohl Live als auch am Tisch und Gewandungen ganz hervorragende Inspiration.

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Opernpremiere: Klein Zaches, genannt Zinnober

12140901_10153775428914497_7832326468574426187_oWas für ein Abend!

Nachdem man sich nun so langsam wieder sammeln konnte, möchten auch wir die Chance nutzen, von der Premiere der (nach eigenen Angaben) weltersten Steampunk – Oper „Klein Zaches genannt Zinnober“ der Berliner Band Coppelius und Regisseur Sebastian Schwab im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen am 14. November zu berichten.

Nicht zuletzt deswegen, weil sie den Steampunk in die Köpfe der Leute bringt, die bislang nichts damit zu tun hatten, hat sie eine gewisse Wichtigkeit.

Normale Konzertkritiken flattern nach und nach immer mehr durchs Netz (eine kleine Auswahl befindet sich am Ende des Artikels), deswegen werde ich meinen Bericht auf den Steampunk-Anteil und meine persönlichen Eindrücke fokussieren.

Weiterlesen Opernpremiere: Klein Zaches, genannt Zinnober

Erschienen: Die Steampunk-Chroniken »Mechanische Geister« und »Geistermaschinen«

Es gibt Neuigkeiten aus dem Universum der Kurzgeschichten Sammlungen „Steampunk-Chroniken„:

In der Reihe Steampunk-Chroniken sind vor kurzem zwei weitere Bände erschienen, sie tragen die Titel »Mechanische Geister« und »Geistermaschinen«. In den beiden Bänden befinden sich insgesamt 23 Stories, die klassische Gruselgeschichten im Stil der Gaslicht-Literatur, Gothic Novel oder Penny Dreadfuls mit Steampunk-Elementen vermischen.

Enthalten sind folgende Geschichten:


MECHANISCHE GEISTER
Vorwort: Susanne Gerdom Die vermauerte Tür — Tedine Sanss Annabelle Rosenherz und die seltsamen Ereignisse im Kloster Lichtenthal — Anja Bagus Die letzte Nacht — Erik Schreiber Advent, Advent — Kirsten Brox Der mechanische Geist — Ricarda Tesch Die Sümpfe von West Ammingham — Yola Tödt Der Engel aus Montreal — Christian Heck Dritter Versuch — Dieter Bohn Der letzte Abend — Michael Edelbrock Maximilian von Homburg — Der Hauch des Todes — Gerd Samrowski Der Schiffbrüchige aus Sumatra — Tedine Sanss

GEISTERMASCHINEN
Vorwort: Anja Bagus Das Pyrophon — Tedine Sanss Das Doppelleben einer Hausfrau — Daniela Chana Das Bestiarium des Dr. Pike — Christian Günther Von Teufeln und Dämonen — Sean O´Connell Archibald Leach und die Geister der Grotten — Markus Cremer Tally Ho! — Bernd Meyer Schwingen — Brida Anderson Totenruhe — Merlin Thomas Seelenspiegel — Stephanie Roller Das Puppenhaus des Italieners — Jan-Niklas Bersenkowitsch Wärme mein Herz — Tanja Meurer Der mechanische Geist — Tedine Sanss

 

Beide Anthologien liegen als eBooks in den Formaten epub und PDF vor und können auf der Seite des Projekts kostenlos heruntergeladen werden. Bei Gefallen darf man eine Spende hinterlassen, um das Projekt zu unterstützen. Die eBooks stehen unter einer Creative Commons-Lizenz (CC BY-NC-ND) und dürfen (und sollen) an Dritte weitergegeben werden.
Druckfassungen und Kindle-Versionen werden später folgen.

Ankündigung: Ausstellungseröffnung

Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen

onlineflyerAm morgigen Donnerstag eröffnet um 17.30 Uhr im Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen die Ausstellung „Steampunk. Vorwärts in die Vergangenheit.“ Die Ausstellung im oberen Foyer des großen Hauses richtet sich vorrangig an alle Interessierten und Opernbesucher und bietet eine Einführung in die Szene und Subkultur.

Anlass ist die Steampunk Oper „Klein Zaches, genannt Zinnober“ der Band Coppelius (der Clockworker berichtete), welche am 14. November ihre Premiere feiern wird. Am 5.11. wird im Anschluss an die Eröffnung das Premierenfieber mit ersten Einblicken und Hintergründen der Oper stattfinden.

Die Ausstellungsmacher kommen aus den Reihen der „Geheimen Coppelianischen Straßenbau Gesellschaft„, eines Fanclubs von Coppelius, die immer wieder mit Aktionen zur Werbung der Band beitragen. Vorrangig beteiligt waren Katharina Holzer (Innenarchitektin: Räumliches Konzept), Carolin Glaser (Grafikdesignerin: grafisches Konzept) und Clara Lina Wirz (Kulturanthropologin: inhaltliches Konzept und Koordination).

Zu Eröffnung sind herzlich alle interessierten Steampunks und (noch-)Nicht-Steampunks eingeladen, gerne auch in passender Gewandung. Neben einer kurzen Einführung stehen die Macher für Fragen zur Verfügung.

Mehr Informationen finden sich in der Gesichtsbuchveranstaltung.

Dreadpunk - wenn Gothic Horror auf Steampunk trifft

Lady Lucille Sharp, "Crimson Peak" Fanart. Copyright: Darkellaine, Deviantart.com

Lady Lucille Sharp, „Crimson Peak“ Fanart. Copyright: Darkellaine, Deviantart.com

„Dreadpunk“ – dieser Begriff fiel unter anderem zuerst öffentlich auf dem Dragon Con in USA, wo ihn Derek Tatum benutzte, der auch die Website http://dreadpunk.com/ erstellt hat.

Es handelt sich um eine Verschmelzung aus den Worten „Dreadful“ (englisch: erschreckend, bedrohlich) und „Steampunk“. Hier geht es um eine Genremischung, in sich Dark Fantasy, Mystery, klassisch-viktorianischer Gothic Horror á la „Frankenstein“ und „Dracula“, gruselige Geschichten wie von Edgar Allan Poe sowie Geistergeschichten und Schauermärchen aus dem 19. Jahrhundert begegnen.  Im Dreadpunk geht es nicht so sehr um billige Schockeffekte, sondern eher um mystische und mysteriöse Ereignisse, aber auch menschliche (und übermenschliche) Abgründe. Hier und da bedient sich das Genre auch in der Mythologie und beim Aberglauben des 19. Jahrhunderts. Geister, verwunschene Orte, übernatürliche Kreaturen und Schauergestalten treten auf. Für die menschlichen Protagonisten enden diese Geschichten nicht selten tödlich – oder aber sie verändern sich grundlegend nach Erlebnissen und Begegnungen der übernatürlichen Art.

Gerade in den Überschneidungen der Steampunk- zur Gothic Szene ist Dreadpunk sicherlich für den einen oder anderen von besonderen Interesse.

Aja Romano beschrieb auf www.dailydot.com drei „Gesetze des Dreadpunks:“

1. Dreadpunk hat seine Basis im Horror oder in der Dark Fantasy, mit einer besonderen Betonung auf dem Bedrohlichen: Horror, der entweder angedeutet wird oder nicht (gleich) sichtbar ist.

2. Das Setting des Dreadpunk ist entweder vom Horror des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts inspiriert, definitiv aber nicht später als H.P. Lovecraft (1890 – 1937). Das viktorianische London dient dabei als grober Richtwert für die Dreadpunk Ästhetik.

3. Dreadpunk ist sich seiner Selbst sehr bewusst und subversiv. Zugleich betont er die Traditionen des klassischen Horrors.

Besonders deutlich wird dieses Genre in der amerikanisch-britischen Serie „Penny Dreadful“ sowie in Filmen wie „Crimson Peak“, der am 15. Oktober 2015 in den deutschen Kinos angelaufen ist. Daher folgen hier zu beiden kurze Rezensionen, um Ihnen einen Eindruck dieses Subgenres zu verschaffen.

Penny dreadful“
Der Titel der Serie bezieht sich auf Horror-Groschenromane, die sich schon im 19. Jahrhundert in England großer Beliebtheit erfreuten und „penny dreadfuls“ genannt wurden.

Hier treten gleich mehrere Gestalten auf, die aus klassischen Horror-Romanen bekannt sind – William Murray, Vater von Mina Murray und Abraham Van Helsing (aus Bram Stokers „Dracula“), Victor Frankenstein und seine Kreatur (aus dem Roman „Frankenstein“ von Mary Shelley) und Dorian Gray (aus dem gleichnamigen Roman von Oscar Wilde). Im Zentrum der Geschichte steht Vanessa Ives, eine Hellseherin, die in mehr als einer Hinsicht von einem Fluch verfolgt wird. Ethan Chandler aus Amerika ist ein charmanter und wagemutiger Mann der Tat, furchtlos gegenüber Gewalt, jedoch auch traumatisiert. Dann gibt es da noch das mysteriöse Medium „Madame Kali“, der Vanessa während einer Séance begegnet…

Die klassischen Charaktere wurden auf originelle und stimmige Weise in die Handlung eingebaut, so dass man darin eine künstlerische Verbeugung vor den literarischen Originalen erkennen kann. Mit Vanessa Ives (dargestellt von Eve Green) haben die Schöpfer der Serie eine düstere, hin- und hergerissene Anti-Heldin geschaffen, mit der sich der geneigte Zuschauer dennoch identifizieren kann. Tod und Teufel, Vampire und Dämonen treten in „Penny dreadful“ in Erscheinung. Oft scheint die Lage für die Anti-Heldengruppe um Sir Murray, Vanessa, Ethan und Doctor Frankenstein völlig hoffnungslos, doch sie geben nicht auf, gegen das Böse zu kämpfen. Die schaurige Kreatur von Frankenstein – faszinierend ambivalent von Rory Kinnear verkörpert – hat eine eigene Nebenhandlung und ist oftmals menschlicher als ihr Schöpfer.

Die Ausstrahlung der zweiten Staffel begann im Mai 2015, eine dritte Staffel ist in Planung.

Crimson Peak Fanart, Copyright: http://ancha-snow1.deviantart.com

Crimson Peak Fanart, Copyright: http://ancha-snow1.deviantart.com

 

Crimson peak“
Dieser Film von Guillermo del Toro erzählt die Geschichte der jungen amerikanischen Schriftstellerin Edith Cushing (gespielt von Mia Wasikowska), die Geistergeschichten schreibt. Sie verliebt sich in den attraktiven englischen Baronet Sir Thomas Sharpe, welcher sie umwirbt.

Der Geist ihrer verstorbenen Mutter erscheint Edith und warnt sie vor „Crimson peak“. Doch es wird lange dauern, bis Edith herausfindet, was damit gemeint ist.

Sir Thomas (Tom Hiddleston) hat eine mysteriöse Schwester namens Lucille (Jessica Chastain). Beide leben auf einem düsteren, heruntergekommenen Anwesen in der kargen englischen Landschaft Cumbria. Sir Sharpe versucht mithilfe einer Erfindung in der Gegend den dort typischen blutroten Ton zu fördern und damit seine Existenz zu bestreiten. Als Ediths wohlhabender Vater bei einem merkwürdigen Unfall stirbt, ist sie die Alleinerbin. Edith heiratet kurz darauf Sir Thomas – doch dieser und seine Schwester hüten ein dunkles Geheimnis…

Mehr zur Geschichte sei hier nicht verraten, oder doch so viel: Hier geht es um viel mehr als „nur“ Spukgestalten, hier werden tiefste menschliche Abgründe sichtbar.

Die ästhetische Umsetzung
Guillermo del Toro erzählt diese Gothic Romance Horror Geschichte, welche um ca. 1900 spielt, auf der einen Seite in sehr morbiden Bildern. Das Anwesen der Sharpes sieht größtenteils so abgerissen aus ,wie man sich ein „haunted mansion“, also ein Spukhaus, vorstellt. Es regnet durch das offene Dach, die Bewohner werden später eingeschneit – ein Ort, dem man nicht entkommen kann. Auf der anderen Seite strahlt seine Heldin Edith optisch um so mehr mit ihren größtenteils gelben und kupferfarbenen Kleidungsstücken und den langen blonden Haaren. Dies sorgt für den nötigen Kontrast zu Sir Thomas‘ und Lucilles recht düsterer Ausstrahlung. Die auftauchenden Geister sind originell dargestellt, sie wirken furchteinflößend, zum Teil aber auch mitleiderregend. Der rote Ton, den Sir Sharpe fördert, erinnert metaphorisch in mehr als einer Szene an Blut. Farbenfrohe Schmetterlinge auf der einen, dunkle Motten auf der anderen Seite ziehen sich als Symbole durch den gesamten Film. Die beiden weiblichen Hauptfiguren wirken ästhetisch betrachtet fast wie die mystisch angehauchten Frauenportraits der Preraffaeliten. Wer etwa Bilder von Dante Gabriel Rossetti (1828 – 1882) kennt, wird hier gewisse Ähnlichkeiten finden.

Weitere klassische Inspirationen für den Dreadpunk
Hierzu zählen Werke wie „Das Schloß von Otranto“, „Carmilla“ von Sheridan Le Fanu, „Die Frau in Weiß“ und weitere Romane von Wilkie Collins, die Stummfilme „Das Kabinett des Dr. Caligari“ und „Nosferatu“, im deutschsprachigen Raum auch Werke aus der Romantik, wie E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“

Einige moderne Beispiele des Genres
Filme und Bücher wie „Sweeney Todd“, „Sleepy Hollow“ (sowohl der Tim-Burton-Film als auch die Serie sowie weitere Werke von Tim Burton), „Silent Hill“, „The Others“, „Adele und das Geheimnis des Pharao“, „Anno Dracula“ von Kim Newman, bis hin zu manche Folgen von „Doctor Who“ („Weeping Angels“) kann man zu diesem Genre rechnen, ebenso „Die Frau in Schwarz“, „Abraham Lincoln, Vampire Hunter“ oder die Manga-Serie „Black Butler“.

Trailer zu „Crimson Peak“
Trailer zu ersten Staffel von „Penny Dreadful“

Goldene Zeiten! A.-G. Piel im Interview

Miss Tickerlein spricht mit A.-G. Piel über den neu erschienenen Roman „Goldene Zeiten“, Steampunkliteratur, Steampunk als Lebensart, starke Frauen und wie das alles zusammenhängt.

Ms.T: Dein erstes Buch, Noémis Lied, gehört eher in die Kategorie Fantasy, oder?

A.-G.: Das ist jetzt ein bisschen peinlich (lacht). Eigentlich wollte ich die richtige Genre-Beschreibung längst mal nachschlagen. Noémis Lied ist mehr „alternative Realität“. Es ist jetztzeitlich geschrieben, aber doch zeitlos, zum Beispiel gehe ich nicht auf technische Errungenschaften unserer Zeit ein. Das Buch ist ein bisschen postapokalyptisch, mit diktatorischen Anklängen… es ist wirklich schwer einzugrenzen. „Fantasy“ ist ein arg weit gefasster Begriff.

Ms.T.:Spannend! Und auch da hast du politische Gedanken einfließen lassen?

A.-G.: Ja, bis zu einem gewissen Grad. Ich erhebe keineswegs den Anspruch, auf höchstem Niveau zu schreiben. Es stecken keine ausgeklügelt politisch-philosophischen Gedanken hinter meinen Stories. Gewisse Statements wird man immer wieder finden, eine bestimmte Art und Weise, die Dinge zu sehen. Zuallererst einmal will ich aber unterhalten.

Ms. T.: Ich habe jetzt über Goldene Zeiten schon öfter gelesen, dass der politische Gedanke für die Leser fast vor die Geschichte selbst gerückt zu sein scheint. Das war also von dir gar nicht so beabsichtigt?

A.-G.: Wirklich? Das habe ich so tatsächlich noch nicht mitbekommen. Eigentlich ist die Frage ja, was damit gemeint ist: Der politische Gedanke.

Ms.T.: „Antikapitalistisch“, „anarchistisch“, „emanzipiert“ das waren die Schlagworte, die mir auffielen.

A.-G.: Wie gesagt, meine Bücher sollen in erster Linie unterhalten. Goldene Zeiten hat vielleicht gewisse Anklänge, es ist aber kein antikapitalistisches Manifest. Das ist vielleicht eine Lesart, aber es lag nicht bewusst in meiner Absicht, etwas Marxistisches oder dergleichen zu schreiben.

Ms.T.: Hast du ganz bewusst ein Steampunk-Buch geschrieben oder ist das auch einfach passiert?

A.-G.: Es war von Anfang an bewusst ein Steampunk-Buch. Auf jeden Fall! Ich hatte vorher eine längere Geschichte geschrieben, Die Abenteuer von Richard Dean Donahue, die ja auch auf dem Clockworker erschienen ist, und habe großen Gefallen daran gefunden, in einem Steampunk-Universum zu schreiben, oder eher: in meinem eigenen Steampunk-Universum. Bei den Goldenen Zeiten war es so, dass ich irgendwann einfach den allerersten Satz im Kopf hatte. Ich habe ihn niedergeschrieben und es folgte prompt der gesamte Prolog …

Ms. T.: Wie lautet denn der erste Satz in deinem Buch?

A.-G.: „Dass der König von Wales ein Lügner und Kriegstreiber war, musste Edwina ausgerechnet am Tage ihrer Hochzeit erfahren.“
Und mehr wusste ich zu dem Zeitpunkt selber noch nicht über die Geschichte, der Rest hat sich von selbst entwickelt. Gerade im Prolog wird schon sehr viel Ausgangssituation abgehandelt, woraus sich dann wiederum eine ganz andere Geschichte entwickelt.
Aber wie gesagt: „Goldene Zeiten“ war von Anfang an als „klassischer“ Steampunk-Roman konzipiert, angelehnt ans 19. Jahrhundert, mit einem gewissen Science-Fiktion-Charakter.

Ms.T.: Hast du denn ansonsten Verbindungen zum Thema Steampunk, oder ist das für dich etwas Neues?

A.-G.: Ich entdecke immer wieder etwas Neues, wenn ich mich denn mit Steampunk beschäftige. Gerade weil ich das nicht unbedingt jeden Tag tue. Steampunk ist nicht meine absolute Passion oder gar Obsession, aber ich beschäftige mich immer wieder gerne damit. Ich lese gerne darüber, verfolge das Thema auch, aber ich sitze jetzt nicht das ganze Wochenende in der Garage und schraube oder nähe Kleider.

Ms.T.: Hast du Steampunkromane gelesen, die dich beeindruckt haben?

A.-G.: Tatsächlich nicht wirklich viele. Dafür, dass ich ein Buch darüber geschrieben habe, habe ich mich wohl relativ wenig mit der dazugehörigen Literatur beschäftigt. Ich freue mich allerdings immer wieder, wenn ich Steampunk-Eelemente in egal welchem Medium, Musik, Bücher oder Filme, wiederfinde und auch als solche erkennen kann.

Ms.T.: In deinem Buch gibt es eine Menge starke Frauenfiguren. Würdest du sagen, dass das für dich persönlich ein wichtiges Thema ist oder ist es ein Thema, das der Steampunk ohnehin aufgreift?

A.-G.: Ob Steampunk dieses Thema im Besonderen aufgreift, kann ich nicht sagen. Aber ich finde es definitiv wichtig! Meiner Meinung nach sollten starke Frauenfiguren so lange geschrieben werden, bis es einfach kein Thema mehr ist, gerade weil es stellenweise immer wieder eine Besonderheit zu sein scheint. Also ja, ich habe ganz bewusst einige Frauenrollen als sehr unabhängig, sehr selbstbewusst und sehr stark beschrieben. Gleichzeitig gibt es im Buch patriarchalische Strukturen, zum Beispiel in „meinem“ England, das in manchen gesellschaftlichen Dingen noch sehr rückschrittlich ist und auch so wirken soll. Meine Hauptfigur ist dort eingeengt, gerade weil sie eine starke Frau ist.

Ms.T.: Können wir mit einer Fortsetzung von „Goldene Zeiten“ rechnen? Oder wenigstens mit weiterer Steampunk-Literatur aus deiner Feder?

A.-G.: Also, wenn es positive Rückmeldungen in dieser Hinsicht gibt, schreibe ich sehr gerne eine Fortsetzung! Und es wird auf jeden Fall auch noch ein weiteres Steampunk-Buch von mir geben.

Ms.T.: Also greifst du deine Steampunkwelt noch einmal neu auf?

A.-G.: Genau. Ich muss sagen, ich mag „mein“ Universum ganz gerne. Ohne mir selbst auf die Schulter klopfen zu wollen, finde ich, dass ich ein paar nette Ideen hatte, mit denen ich noch sehr gerne spielen würde. Ich finde es auch sehr reizvoll, anknüpfen zu können, an Figuren und Ereignisse aus den Goldenen Zeiten, und ich habe auch schon hier und da von Lesern gehört, dass sie sich zu bestimmten Nebenfiguren ein ganzes Buch wünschten.

Ms.T.: Wer kommt denn besonders gut an, bei den Lesern?

A.-G.: Wer ziemlich gut ankommt, ist Orlando, der Mesmerit. Er ist ein Dandy mit viel Potenzial. Aber nichts Gegenteiliges offensiv eingefordert wird, wird Orlando von mir aus auch erst mal Nebenfigur bleiben.

Ms.T.: Was unterscheidet eigentlich „dein“ Steampunk-Universum von all den anderen, zahlreichen Steampunk-Universen?

A.-G.: Ich hoffe, ich habe eine frische Geschichte geschrieben, die die Leser nicht permanent an etwas anderes erinnert. Natürlich habe ich auch hier und da mit Altbekanntem gespielt, mit Menschmaschinen, mit Allflügen, mit Magnetismus… da ist schon einiges dabei, was es schon gab, in der einen oder anderen Weise. Aber ich denke nicht, dass ich nur alten Wein in neue Schläuche gefüllt habe.

Ms.T.: Gehört für dich Steampunk und Politik zusammen?

A.-G.: Nein, nicht zwangsläufig. Ich finde, Steampunk ist etwas, das in seiner Literaturform in erster Linie nur unterhalten sollte. Jedenfalls „mein“ Steampunk.

Ms.T.: Es gibt ja durchaus Leute, die sehen Steampunk nicht als „Genre“, sondern als Lebensart. Ist das für dich in dieser Form ein Begriff?

A.-G.: Für mich persönlich ist Steampunk zuallererst ein literarisches Genre. Ein sehr reizvolles, sehr spannendes Genre, aber nichts, das mein ganzes Leben bestimmen könnte. Es gibt da immer wieder tolle Dinge, die ich mir auch gerne anschaue, wie zum Beispiel auf der FaRK, das finde ich sehr, sehr faszinierend. Ich finde es unglaublich, was manche Leute unter dem Gesichtspunkt „Steampunk“ erschaffen. Für mich selbst gibt es aber zu viele andere Dinge, die mich faszinieren. Allerdings versinke ich sehr gerne in einer Art – in meiner Art – Steampunk. Ich denke ohnehin, dass Steampunk etwas ist, das sich stark über das Individuum definiert, das den Steampunk gerade erlebt.
GZ

Und jetzt der Clou zum Interview: Neugierig geworden? Lesebrille bereits gezückt? Clockworker verlost unter allen Kommentatoren zwei Exemplare des Steampunk-Romans „Goldene Zeiten“! Hinterlasst uns einfach direkt hier einen Kommentar zum Thema und drückt euch selbst die Daumen – schon seid ihr dabei! Einfacher geht es ja nun wirklich nicht, oder?!

2. Nordbadisches Steampunk-Picknick

Wir beginnen nun mit der angekündigten Serie über Steampunk-Picknicks. Als erstes darf ich Herrn Baron Peter von Heim als Gastautoren begrüßen. Genießen Sie nun seinen Bericht des 2. Nordbadischen Steampunk-Picknicks:


Bereits zum zweiten Male lud die Großherzoglich Badische Luftschiff-Marine unter der Schirmherrschaft von Baron Peter von Heim am Sonntag, den 21. Juno 2015 zum Nordbadischen Steampunk-Picknick in den Schlossgarten nach Karlsruhe. Für alle bereits am Vorabend angereisten gab es einen kleinen Umtrunk am Samstagabend.
Angespornt durch den großen Erfolg des Vorjahrespicknicks, bei dem trotz anfänglich fürchterlichen Regenwetters immerhin 66 Gäste erschienen waren, hatte die Luftschiff-Marine schon früh im Jahr beschlossen, dieses Event zu wiederholen und damit eine schöne neue Tradition zu beginnen.

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Herr Baron von Heim, Photo: Silke Grehling

Bereits zum kleinen Vorabendumtrunk versammelten sich 30 gutgelaunte Steampunks aus fast ganz Deutschland und der Schweiz, um bei einer gutbürgerlichen Mahlzeit und gutem, hausgebrautem badischen Bier in der schönen Schwarzbrennerstube im Badisch Brauhaus in Karlsruhe. Einige der Gäste hatten nahezu 50 badische Meilen (oder 400 Kilometer) des Weges auf sich genommen, nur um an Abendveranstaltung und Picknick teilnehmen zu können! Die Veranstalter waren ob dieser großen Ehre wohlbegeistert! Mit dem Fortschreiten der Zeit förderte das angenehm warme Wetter deutlich den Getränkeumsatz, und es wurde ein sehr lustiger Abend. Die letzten Besucher verließen das Gasthaus wohl gut nach Mitternacht.

Der Sonntagmorgen verhieß wie bereits im Vorjahr keinen Sonnenschein, aber auch in diesem Jahr hatten die Wettergötter ein Einsehen. Bereits eine halbe Stunde vor der Zeit versammelten sich viele gutgelaunte Steampunks am Schloss in Karlsruhe, um nach dem obligatorischen Gruppenphoto gemeinsam zu Picknickplatz in den Schlossgarten zu spazieren. Alsbald rissen die Wolken auf, und die pittoresk von Bäumen und Büschen umstandene Picknickwiese wurde in goldenes Sonnenlicht getaucht. Einige Nachzügler, die von der unglücklichen Verkehrssituation in und um Karlsruhe aufgehalten worden waren, stießen zu den Feiernden hinzu, sodass bald über 100 Köpfe gezählt wurden.

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Photo: Herbert Mau

Wie immer wurde viel geplaudert und viel gelacht. Mannigfaltige Speisen und Getränke wurden auf den Picknickdecken und Tischchen aufgebaut, und wie bereits im Jahr zuvor wurde viel von den Köstlichkeiten hin- und her getauscht und gegenseitig von den Köstlichkeiten probiert. Einige der Teilnehmer hatten sich gar die Mühe gemacht, warme Speisen mitzubringen!

Besonders beeindruckend war natürlich auch die vielfältige und überaus einfallsreiche Gewandung der Picknickgäste! Alle hatten sich sehr große Mühen gegeben und waren in ihren schönsten Kleidern erschienen, auf dass es eine Freude für das Auge war. Man sah ausladende Kleider, wunderbare Gehröcke, phantastischen Schmuck und phantasievolle Kopfbedeckungen.

Der Nachmittag wurde aber nicht nur mit Völlerei und Plauderei verbracht, es gab auch sportliche Betätigung unter der Leitung von Zedena von Tharendt, die einige der Teilnehmenden mit einem Tualoop-Spiel auf Zack hielt. Währenddessen las Peter von Heim, unterstützt von Freya von Senser, ein überaus anrührendes Kapitel aus seinem 2016 erscheinenden Erstlingswerk über Zwergschlammelfen. Es wurde von den Zuhörern mit großer Anteilname aufgenommen. Es folgte eine Darbietung auf Raphaelius Alva Grußers Dampfhornspieolofon und die Vorstellung des ferngesteuerten Kleinstluftschiffes „Heliominerva“, ebenfalls aus den Grußer’schen Werkstätten.

Einer weiteren Tradition folgend begleitete Thaddäus von Senser einige Gäste auf einer Fahrt mit dem Schlossgartenbähnle, das wie an jedem Sommersonntag von der treuen Dampflokomotive „Greif“ gezogen wird.
Kurz bevor der Nachmittag in Ruhe ausklingen konnte, wurde das illustre Treiben den Wettergottheiten dann wohl doch zu viel, und sie beendeten die Veranstaltung durch Herabschicken eines Regenschauers.

Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, die allen Beteiligten wohl recht große Freude breitete. Peter von Heim kündigte auf Nachfrage bereits an, dass für das Jahr 2016 bereits die dritte Auflage des Picknicks in Planung ist.


 

Wir danken für diesen Einblick zum Picknick in Karlsruhe! Weitere Picknick-Impressionen erwarten Sie Ende der Woche. Alle Beiträge der Serie finden sich unter dem Schlagwort Serie: Picknick.

Möchten auch Sie einen Gastbeitrag zum Thema Steampunk Picknick oder einem anderen Steampunk releanten Thema verfassen? Kommentieren Sie hier oder schicken Sie eine Aetherpost an clarawirz [at] clockworker.de

Steampunks und Picknicks

Source: LovedayLemon auf FlickR

Steampunks scheinen eine Affinität zum Picknicken zu haben. Zahlreiche Events ebenjener Verspeisung in steampunkiger Garderobe tauchen im Salonkalender und direkt hier auf.

Kein Wunder eigentlich, kam doch das Picknicken zur Zeit Viktorias erst so richtig in Mode. Auch der vollausgestattete Picknick-Korb fällt in seiner Entstehung ins 19. Jahrhundert.

Damals gehörte auch Tee eindeutig mit zum Essen und ohne Thermoskanne musste dann eben vor Ort zubereitet werden.

Heute bezeichnet man als ein Picknick, bei dem jeder sein Essen selbst mitbringt als Potluck. Wobei das wohl den wenigsten bekannt ist und man auch hier mit der Bezeichnung Picknick ganz gut fährt.

Diese kommt übrigens von französisch „piquer“ für etwas „aufpicken, aufnehmen“ und „niquer“ für „Kleinigkeit“. (Achtung! „niquer“ wird in der heutigen französischen Umgangssprache für den Beischlafschlaf verwendet.)

Steampunk haben jedenfalls vielfach Gefallen gefunden am gemeinsamen Speisen im Freien und zahlreiche Veranstaltungen finden in diesem Rahmen statt.
In den kommendne Tagen möchten wir von einigen berichten und einige ankündigen.

„Heliominerva“ – Ein Luftschiff hebt ab

Ein sehr bestaunenswertes Projekt aus den Tiefen Baden-Württembergs erreichte uns unlängst. Bewundern Sie die Heliominerva des S-team Art

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Ein voll lenkbares Luftschiff im Taschenformat!

Mehr Informationen finden sich auf der Seite des S-teams.

Steampunk und Viktorianisches im Rollenspiel

Eigentlich habe ich nur nach Abenteuern und Hintergrundinformationen für das oft unterschätzte Castle Falkenstein gesucht, und dann ist mir die Arbeit eines sehr fleißigen Bloggers auf dem Bildschirm erschienen, den ich den rollenspielenden unter unseren Leser in keinem Falle vorenthalten möchte.

Lowell Francis hat sich die Arbeit gemacht und einfach mal alle viktorianischen und steampunkigen Rollenspielen, die er gefunden hat, chronologisch zu ordnen, zu beschreiben und so weit es ging zu verlinken. Respekt.

Hier gehts lang: Age of Raven Blog

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Gastbeitrag: Den NDR zu Gast

Der NDR war kürzlich zu Gast bei Herrn Teleman von Phone und seiner Gattin Viktoria vom Waldesrand. Über ihre Erfahrungen berichten sie nun hier (und natürlich gibt es auch den Beitrag zu sehen.)

Den NDR zu Gast – oder warum ich GEZ-Gebühren bezahle

Sehr geehrte Mitreisende

Im Laufe der vergangenen Jahre, derer tatsächlich noch gar nicht so viele verstrichen sind, fügte es sich, dass die eine oder andere Kamera das Treiben der Phonepunks oder der Machina Nostalgica eingefangen hat.

Nun trug es sich zu, dass der NDR das Vorhaben ersann diesen, den meisten noch relativ unbekannten Kunststil, einmal etwas näher zu beleuchten und so bekamen wir eine Anfrage der Autorin Fanny Weiß zu einer Berichterstattung, die für das Vorabendmagazin DAS! laufen sollte. 3:30 Min sollte der Beitrag bemessen. Man einigte sich auf den 31. März und wir kamen auch sehr schnell überein, dass  es Aktionen gibt, die wir auf gar keinen Fall befürworten, wie beispielsweise in voller Montur mit Kamerabegleitung durch eine Fußgängerzone gejagt zu werden um Passanten zu befragen, wie sie den Mummenschanz denn so finden würden.

Wir trafen uns dann am Vormittag in den Galerieräumen des Kremper Logenhauses. Das Eis war schnell gebrochen und es wurden allerlei „Dinge“ in den Flur getragen. Auch das „Studio“ war schnell gefunden: der wahrscheinlich kleinste Zwischenraum zwischen Gesellschaftsraum, Galerie und Büro, denn dieser konnte problemlos abgedunkelt werden und Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte.

Es dauerte ca. 1,5 Stunden bis man sich mit dem ganzen technischen Aufwand eingerichtet hatte und das erste Mal die Kamera lief. Stunde um Stunde verstrich, draußen heulte der Orkan und die einzige zeitliche Mahnung bildete die halbstündlich schlagende Kirchturmuhr.

So langsam schwante mir etwas: der Kameramann Lars Hinrichs war eigentlich der Erste, bei dem es auffällig wurde. Durch dieses winzige Okular fing er Stück für Stück immer mehr Details des Ganzen ein und wurde beinahe wie in einen Sog gezogen. Mehr und mehr einzelne Teile und winzigste Details mussten aus allen Blickwinkeln in die digitale Welt verbracht werden und der Virus Steampunk forderte sein Opfer.

Es stimmte der Tontechniker Timo Schwab mit ein: „kann ich das Geräusch noch mal haben, das ist ja genial, was für eine Atmosphäre“. Und wieder und wieder wurde an Wählscheiben gedreht, die Spieluhr betätigt oder das pulsartige Ticken des Metronoms eingefangen – die Kirchturmuhr schlug im Halbstundentakt.

Eigentlich schon viel zu spät wurde gemeinsam eingepackt, denn es stand noch ein Szenenwechsel zum phonepunk´schen Anwesen auf dem Plan. „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der NDR, dem der Steampunk in den Adern gerinnt“

Nach einer vorbereiteten Stärkung versuchte man den Platzbedarf in der heimischen Werkstatt noch zu reduzieren, wobei der Tonmann mittlerweile seinen Job draußen im, seinen Zenit erreichenden Sturm, verrichten musste. Wer das Anwesen kennt, kann sich vorstellen, wie das aussah.

Da auch die Autorin offensichtlich vom Thema mit- und hingerissen schien, wurde die Abschlussszene nach Innen ins heimelige Wohnzimmer verlegt, weitere Fragen beantwortet, mit und ohne Kamera und man verlor sich Stück für Stück in den Einzelheiten und anderen Mikrokosmen des Genres.

Nach einem langen Tag, voller neuer Eindrücke, denn auch ich habe mir viel vom Kameramann abgeguckt, war alles wieder verpackt, man verabschiedete sich mit der Versicherung, dass es allen sehr viel Spaß gemacht hat und meine Frau betonte noch einmal, dass ja selbst die Haarspange aus häuslicher Produktion stammte.

„Haarspange? – Welche Haarspange?“

„Na, die hier, die ich im Haar habe.“

„Wieso habe ich die nicht bemerkt? Das geht nicht, das müssen wir mit rein haben, ich pack noch mal ganz schnell aus, aber das geht wirklich nicht, da ist mir die Zeit jetzt egal“

Kamera raus, Beleuchtung raus, neuen Akku rein, alles auf Anfang und die Spange eingefangen.

Nach ca. 8 Stunden Arbeit wurde sich endgültig verabschiedet. Es gab allerdings noch diverse Nachfragen, damit auch ja nichts verkehrt in Umlauf gebracht wird, damit die Professionalität und die Qualität des Berichtes gewahrt bleibt, damit ein Beitrag, der 3:30 Minuten lang ist und im Vorabendprogramm läuft, bei den Zuschauern im Gedächtnis hängen bleiben kann  und eben nicht einer von vielen ist, der morgen schon wieder vergessen wird. Zusätzlich darf man sich die Recherchearbeit, das Sichten des Materials, den Schnitt, das Einsprechen der Texte und das Zusammenfügen vorstellen. DAS ist Qualitätsanspruch. DAS ist maximaler Respekt. Und deshalb haben wir DAS auch für „DAS!“ gemacht.

Und deshalb zahle ich auch GEZ-Gebühren (ohne für das Thema Geld zu bekommen), denn dann ist sowas möglich, Privatsendern habe ich bisher abgesagt, weil ich mich bei denen nicht auf das Vertrauensspiel einlasse.

Doch hier nun das Ergebnis, der Beitrag beginnt bei 28:00 Minuten

In der Hoffnung, dass Ihnen der Sendebeitrag ebenfalls gefallen hat,

Ihr

Teleman von Phone, nebst Gattin Viktoria vom Waldesrand

La nuit publique 2015 - Ankündigung

Herr Remington Brass kündigte kürzlich eine Fortsetzung der Nuit pur le Ferite an, diesmal soll die Veranstaltung jedoch noch größere Kreise ziehen, aber lesen Sie selbst:

 

Sehr verehrte Damen und Herren,

hochgeschätzte Mitreisende,

diejenigen unter Ihnen, die sich bereits etwas länger an Bord der HMS Anastasia aufhalten, werden sich möglicherweise daran erinnern können, dass im Frühjahr des vergangenen Jahres die „Nuit pour le Ferite“ stattgefunden hatte. Die Damen und Herren des gleichnamigen Ordens hatten sich heimlich verabredet, gemeinsam eine ganze Nacht lang in ihren jeweiligen Werkstätten oder Ateliers fleißig zu sein und in regelmäßigen Abständen die Fortschritte ihrer nocturnen Aktivitäten in Wort und Bild hier im Salon zu präsentieren.

Wer den Gesprächsfaden dieser Nacht gern kennen lernen (oder nochmals nachlesen) möchte, der kann dies hier tun.

Schon am Morgen danach – noch von den „Strapazen“ der durchwachten Nacht gezeichnet – war allen damaligen Mitwirkenden klar: So etwas wird es im kommenden Jahr wieder geben – und dann sollen alle Interessierten mitmachen können …

Hier ist sie nun also, die Bekanntmachung und Mitmach-Einladung zur

Nuit publique

Freitag, 29. Mai ab 20.00 Uhr bis Sonnenaufgang

Seien Sie dabei und lassen Sie sich verzaubern von dem unvergleichlichen Gefühl, allein und doch gemeinsam mit vielen Anderen überall im Lande, eine ganze Nacht lang an einem Projekt Ihrer Wahl zu arbeiten. Zeigen Sie zwischendurch, was Sie tun und schauen Sie, was die Anderen tun!

Nutzen Sie die noch reichlich bemessene Vorbereitungszeit, um Ende Mai gerüstet zu sein für unsere gemeinsame Steampunk-Nachtschicht! Was Sie sich zu tun vornehmen, bleibt ganz Ihren Vorlieben überlassen.

Spitzen Sie die Nähnadeln an, wärmen Sie die Lötgeräte vor, rühren Sie Farben an, kochen Sie Knochenleim, polieren Sie das Bügeleisen, gerben Sie Leder, plündern Sie Schrottplätze, schärfen Sie Messer und Sägen – was auch immer … tun Sie´s! Bereiten Sie sich vor! Aber verraten Sie noch niemandem, was Sie in der Nuit publique vorhaben.

Und sagen Sie bereits jetzt alle Termine für Samstag, den 30.Mai ab – Sie werden Schlaf nachholen müssen!

Die Nuit publique wird auch im Veranstaltungskalender als Event gepostet. Alle Teilnahme-Interessenten werden gebeten, sich dort anzumelden.

In der Hoffnung, sich mit Ihnen gemeinsam eine Nacht um die Ohren schlagen zu können grüßt

Remington Brass

Wir hoffen, im Nachgang einige der entstandenen Werke hier präsentieren zu dürfen. Seien Sie also gespannt und verfolgen sie das Geschehen im Salon oder noch besser: Nehmen Sie teil!