Steampunk Kurzfilme

Steampunkfilme und -Serien sind relativ rar, verglichen mit anderen Genres.  Auch wenn es hier und da bereits einige Hollywood- oder auch andere Großproduktionen mit Steampunk- oder Dieselpunk-Elementen gibt, ist es doch eher ein Nischengenre, an dem sich große Filmstudios nur selten versuchen.

Allerdings existieren mittlerweile eine ganze Reihe an Independant-Steampunk-Kurzfilmen und auch Webserien, die von engagierten und kreativen Filmemachern kreiert wurden und werden, oft unterstützt von Steampunks, z.B. als Crowdfunder oder auch als Komparsen.

Eine kleine Auswahl solcher Filme möchten wir heute vorstellen. In diesem Beitrag geht es übrigens ausschließlich um englisch- oder deutschsprachige Realverfilmungen, da sich mit Steampunk-Animationsfilmen ein eigener Beitrag füllen lässt.

Aurora

Gewinner in der Kategorie „Bester Action/Abenteuer-Film“
beim Comic Con International Independent Film Festival 2013.

Nachdem seine Frau von einer Gruppe Sklavenhändlern entführt wird, kämpft der Kapitän des Luftschiffes „Aurora“ mit allen Mitteln darum, sie zu befreien. Dieser Film wurde mit einem Budget von 1800 $ über dreieinhalb Jahre gedreht, mit einem Team von über 100 Personen.

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Heute ist noch kein Amt
Eine deutsche Webserie, die auf Anja Bagus‘ Aetherwelt-Romanen basiert:
Willkommen im Amt für Aetherangelegenheiten!

Space: 1889
Dieser deutschsprachige Film ist eher als längerer Trailer oder Demo zu sehen für einen Film,
der zu dem Pen & Paper Rollenspiel „Space: 1889“ geplant ist.

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Tea Time
Dieser humorvolle Film beschäftigt sich mit einer skurrilen Erfindung
und ihrer unkonventionellen Erfinderin.

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Vollbracht
An diesem Musik-Kurzfilm von Sivia Dinh waren La Fronteria Victoriana, Kat Dunkelbunt
und eine ganze Reihe an Steampunk-Komparsen beteiligt.

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The world of steam – The clockwork heart
Im ersten Teil dieser Webserie wird eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt:
Als der Erfinder Hieronymous Smythe seine Frau verliert, kommt ihm eine höchst fragwürdige Idee.
In diesem Film gibt es auch einige kurze animierte Sequenzen und einen interessanten Twist am Ende.

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A Rock and hard place – Adventures of the League of S.T.E.A.M.

Die Webserie League of S.T.E.A.M. erzählt bereits seit 6 Jahren in einzelnen, in sich abgeschlossenen humorvollen Episoden die Abenteuer einiger Geister- und Monsterjäger. Wer da an „Ghostbusters“ denkt, liegt nicht daneben, denn auch diese Geisterjäger verfügen über allerhand interessante Gadgets.
Die hier vorgestellte Episode ist eine der jüngsten,
die weiteren sind im gleichen Youtube-Kanal zu finden.

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Airlords of Airia
Airlord Karak, Admiral einer Luftschiffflotte, hat eine mächtige, antike Waffe auf einer Expedition entdeckt. Nachdem er die Wodnik 7 Basis erobert hat, will er die Macht der Republik Airia an sich reißen und den gesamten Kontinent in einen Krieg verstricken. Die Polizeibeamtin Lura tut sich mit einer Schmugglerbande zusammen, um Karaks Pläne zu durchkreuzen.

Dieser Kurzfilm (der im Clockworker bereits einmal vorgestellt wurde)
dient als Trailer bzw. Demo für einen geplanten Spielfilm von ca. 90 Minuten.

 

 

Serientipps für Steampunks - heute: Sleepy Hollow

„Sleepy Hollow“ ist eine amerikanische Serie, die man den Genres Horror, Mystery, Urban Fantasy, Krimi und Historisch zuordnen könnte. Sie basiert auf der Halloween-Kurzgeschichte „Die Legende von Sleepy Hollow“, welche 1820 von dem Historiker und Autor Washington Irving geschrieben wurde.

Washington Irving, eine Daguerreotypie von 1861 von Mathew Brady - gemeinfrei

Washington Irving, eine Daguerreotypie von 1861 von Mathew Brady – gemeinfrei

Vielen von Ihnen dürfte die Kinoverfilmung von Tim Burton, mit Johnny Depp, Christina Ricci und Christopher Walken aus dem Jahr 1999 bekannt sein.

Zum Inhalt:
Im Jahr 1781 tötet Ichabod Crane (dargestellt von Tom Mison) ein Spion und Soldat der Kolonialen Armee, auf einer Mission für Präsident George Washington höchstpersönlich, den berüchtigten Kopflosen Reiter, der ihn allerdings gleichzeitig ebenfalls tötet. Mehr als 230 Jahre später erhebt sich Ichabod aufgrund eines Zaubers wieder aus seinem Grab – und nur falls Sie sich fragen, werte Leser: nein, er ist kein Untoter oder Zombie, sondern höchst lebendig.

Währenddessen ist auch der Kopflose Reiter wieder unterwegs und enthauptet einen Sheriff aus Sleepy Hollow. Dessen Kollegin, Police Lieutenant Abbie Mills (Nicole Beharie) untersucht den mysteriösen Fall und trifft bald darauf auf Ichabod Crane, der die schwarze Polizistin – als Mann des 18. Jahrhunderts – bei ihrer ersten Begegnung fragt, ob sie aus der Sklaverei befreit worden wäre. Wenig später tun beide sich zusammen, um dem Kopflosen Reiter das Handwerk zu legen. Und das ist erst der Anfang…

Ichabod Crane und Abbie Mills - Fanart. copyright: obscene blue, Deviantart

Ichabod Crane und Abbie Mills – Fanart. copyright: obscene blue, Deviantart

Die Serie lebt zum einen natürlich von ihren Horror-Elementen, und auch an Schock-Effekten wird nicht gespart. Vor allem aber ist die besondere Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren Crane und Mills und ihren Darstellern hervorzuheben – zum einen ein Gentleman aus dem 18. Jahrhundert, der sich in unser modernen Welt erst einmal zurecht finden muss und das mit viel Humor, Leidenschaft und einigem Eigensinn tut. Zum anderen einen toughe, aber auch verletzliche junge Polizistin mit einer schwierigen Familiengeschichte. Die beiden entwickeln als Team schon bald eine interessante Dynamik, aber natürlich gibt es auch reichlich Konfliktpotential und jede Menge Spannung, die auch oft im Zusammenhang mit gruseligen lokalen Legenden bis hin zu biblischen Prophezeiungen steht.

Bisher gab es von „Sleepy Hollow“ seit 2013 vierzig Episoden in 3 Staffeln.

Die Serie in der Internationalen Movie Database:

http://www.imdb.com/title/tt2647544/?ref_=nv_sr_1

Ein (englischsprachiger) Trailer
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Serientipps für Steampunks - heute: Warehouse 13

„Warehouse 13“ ist eine US-amerikanische Serie, welche sich unter anderem urbaner Legenden bedient und auch an Serien wie „Akte X“ erinnert. Sie lief von 2009 – 2014 auf Syfy,  mit 64 Folgen in 5 Staffeln.

Die Fälle hier drehen sich im wesentlich um – in der Regel magische – Artefakte, welche in unserer Gegenwart in einem geheimen Lagerhaus in der Wüste von South Dakota aufbewahrt werden, dem „Warehouse 13“. Die Artefakte hängen mit bestimmten mythologischen oder historischen Ereignissen oder Personen aus der ganzen Welt zusammen. Diese Geschehnisse, eine besondere Verwendung oder die Weise, in der das jeweilige Objekt hergestellt wurde, führten dann seinen besonderen, magischen Fähigkeiten – die dann gern von anderen Leute missbraucht werden.
Anders als bei dem „wöchentliche Monster“ in anderen Serien geht es hier also um das „wöchentliche Artefakt“, doch natürlich gibt es auch einen Meta-Plot, der sich über mehrere Folgen oder sogar Staffeln hinweg erstreckt.

Die Secret-Service-Agenten Myka Bering und Pete Lattimer sind beide dem Leiter des Warehouse, Artie Nielsen, unterstellt. Sie sind dafür zuständig, die Artefakte zu bewachen, diese wieder zu beschaffen oder auch neu gefundene Artefakte ins Lagerhaus zu überführen. Oftmals geraten sie dabei in Konflikt mit zwielichtigen Gestalten.
Myka handelt in der Regel eher rational-logisch, Pete dagegen instinktiv oder emotional. Ihre Dynamik im Zusammenspiel erinnert daher durchaus an Mulder und Scully aus „Akte X“, allerdings ist „Warehouse 13“ vom Ton her humorvoller. Später bekommen die beiden Unterstützung von der brillianten jungen Hackerin Claudia, welche mehr Geheimnisse über das Warehouse herausgefunden hat, als ihnen lieb ist. Artie wird für sie im Laufe der Serie eine Art Vaterfigur.

Für Steampunks und Dieselpunks ist die Serie insofern interessant, da die technische Ausstattung in Artie Nielsens Beruf sehr steampunkig ist – sie wurde für die Serie gestaltet von dem amerikanischen Steampunk Maker Richard Nagy alias „Datamancer“ (welcher 2013 leider bei einem Autounfall starb). Nielsens Agenten verfügen außerdem über (fiktive) Kommunikationsgeräte von Philo Farnsworth, und von Nicola Tesla höchstpersönlich erfundene Tesla-Handfeuerwaffen. Desweiteren taucht ein weiblicher H.G. Wells in der Serie auf.

Englischsprachiger Trailer zur ersten Staffel –  darin ist übrigens auch das genannte Farnsworth Kommunikationsgerät kurz zu sehen.
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Warehouse 13 in der internationalen Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt1132290/?ref_=fn_al_tt_1

Und wer sich für die Maker-Künste des Datamancers interessiert,
findet hier einen deutschen TV-Bericht mit Interview:
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Serientipps für Steampunks - heute: Mister Selfridge

Harry G. Selfridge, ca. 1910 (public domain, unbekannter Photograph)

Harry G. Selfridge, ca. 1910 (public domain, unbekannter Photograph)

Die britische Serie „Mister Selfridge“ dreht sich um das berühmte und glamouröse Londoner Kaufhaus „Selfridge’s“, welches der amerikanische Unternehmer Harry Gordon Selfridge im Jahr 1909 eröffnete.

Seit 2013 wurden bisher 30 Episoden (in 3 Staffeln) ausgestrahlt.

Im Mittelpunkt steht zum einen natürlich Harry Selfridge (Jeremy Piven), der zu großen, theatralischen Gesten neigt, während es unter der glänzenden Oberfläche oft ganz anders aussieht. Selfridge begeistert sich schnell für „the next big thing“, z.B. bekannte Persönlichkeiten, lässt diese aber gern schnell wieder fallen, wenn ihm etwas Interessanteres ins Auge springt, was sein Geschäft voranbringen könnte. Seine Frau Rose (Frances O’Connor) leidet unter seinen wechselnden Affären, liebt ihn aber trotz allem. Ihre Ehe gleicht zumindest in dieser Inszenierung einer Achterbahnfahrt.

Ein weiterer wichtiger Charakter dieser Serie ist die junge, kluge Verkäuferin Agnes Towler (Aisling Loftus), deren alkoholabhängiger Vater sie und ihren Bruder tyrannisiert. Obwohl er sie sogar an ihrem Arbeitsplatz bloß stellt, gelingt es Agnes, mit ihren Ideen und ihrer warmherzigen Art Karriere bei Selfridges zu machen.

Und natürlich darf auch so manche Intrige und Liebelei unter den Verkäuferinnen, Verkäufern und anderen Angestellten des Kaufhauses nicht fehlen.

Die Serie wirkt in der ersten Staffel noch ein wenig wie eine historische, etwas anspruchsvollere Seifenoper, mit relativ wenig Tiefgang, dafür aber einem hohen Unterhaltungswert. Die opulente Ausstattung, sei es im Kaufhaus, oder in den diversen anderen Häusern, sowie die Kostüme der edwardianischen Epoche sind in jedem Fall sehenswert und oftmals geradezu dekadent schön. Die Damen der High Society tragen gern gewaltige Hüte, aber auch teilweise skandalös kurze Röcke, bei denen die Knöchel (!) zu sehen sind. Hier wird der Übergang zu der freizügigeren Mode der 1920er Jahren bereits angedeutet.
In der Serie tauchen mehrere historische Persönlichkeiten auf, darunter die Tänzerin Anna Pavlova, Sir Arthur Conan Doyle, der Polar-Forscher Ernest Shackleton und sogar König Edward VII.

Die zweite Staffel spielt im Jahr 1914. Hier werden angesichts des Ersten Weltkriegs die Töne deutlich ernster und tiefgründiger, auch wenn es noch immer heitere Momente gibt. Die dritte Staffel spielt dann ab 1918, also nach Kriegsende.

Vom Grundkonzept ähnelt „Mister Selfridge“ übrigens der von der BBC produzierten britischen Serie „The Paradise“ (mit ingesamt 16 Episoden), in der es auch um ein Kaufhaus geht. Allerdings beginnt „The Paradise“ bereits im Jahr 1875, also noch in der viktorianischen Ära.

„Mister Selfridge“ in der Internationalen Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt2310212/?ref_=nv_sr_1

 

Englischer Trailer zur ersten Staffel:

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Serientipps für Steampunks - heute: Miss Fishers mysteriöse Mordfälle

Copyright: Alice Azzo

Copyright: Alice Azzo

Die australische Krimi-Serie „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“ (Originaltitel „Miss Fisher’s Murder Mysteries“) basiert auf zwanzig Büchern der Autorin Kerry Greenwood. Erschienen sind seit 2012 bisher 34 Episoden in 3 Staffeln.

Die Serie handelt von den Kriminalfällen der wohlhabenden Privatdetektivin Phryne* Fisher in den 1920ern in Melbourne.
Phryne (überzeugend dargestellt von Essie Davis) ist eine starke, unabhängige, emanzipierte Frau – in der heutigen Gesellschaft würde man sagen, sie ist ein überzeugter Single, der durchaus gern wechselnde Affären mit Männern hat. Zugleich entwickelt sich zwischen ihr und Detective Inspector Robinson (Nathan Page) eine interessante Beziehung insofern, dass sie dem ermittelnden Beamten immer wieder „dazwischenfunkt“, ihm oft aber auch wertvolle Hinweise geben kann zu seinen Kriminalfällen.
Der Ton der Serie ist geprägt von Ernst auf der einen, aber auch subtilem Humor auf der anderen Seite. Letzteres wird auch durch die oft lebhaft fröhliche Musik im Stil der 1920er unterstrichen.

Die Plots an sich sind eher herkömmlich, hier wird also das Rad nicht neuerfunden. Die Kriminalfälle drehen sich teilweise um klassische Themen der damaligen Zeit aus einem australischen Blickwinkel – darunter Immigration, Rauschgifthandel, Vergiftungen mit Arsen (wie man sie auch bei Agatha Christie findet), Morde im Millieu der darstellenden Künste, z.B. in einem Zirkus und in einem Jazzclub.

Doch es macht wirklich Spaß, der Hauptdarstellerin Essie Davis zuzusehen, wie sie mit Witz, Köpfchen und jeder Menge Glamour die Privatdetektivin darstellt, insbesondere, wenn man ein Faible hat für die 1920er. Auch die Kostüme und Ausstattung der Serie haben das Zeug dazu, die Herzen von Dieselpunkfans schneller schlagen zu lassen.

Die „Miss Fisher“-Romane von Kerry Greenwood erschienen übrigens bereits ab 1989 und sind auch auf Deutsch erhältlich (beginnend mit „Miss Fisher und der Schneekönig“)

Englischsprachige Website zur Buchserie mit netten Extras, z.B. Cocktailrezepten:
http://phrynefisher.com/

„Miss Fishers Mysteriöse Mordfälle“ in der International Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt1988386/?ref_=nv_sr_1

* „Phryne“ spricht man aus wie „Freinie“

Serientipps für Steampunks – heute: „Ripper Street“

Copyright: Tiger Aspect Productions, Lookout Point, BBC

copyright: Copyright Tiger Aspect Productions, Lookout Point, BBC

„Ripper Street“ ist eine amerikanisch-britische Krimi-Serie, die 2012 startete. Die ersten beiden Staffeln spielen in den Jahren 1889 und 1890 im Londoner East End, die dritte Staffel dann 4 Jahre später. Bisher wurden 24 Episoden ausgestrahlt (jeweils ca. 60 Minuten).

Alles beginnt mit einem Mordfall an einer Prostituierten, welcher die ermittelnden Beamten sofort an die Morde
Jack the Rippers erinnert. Der letzte von fünf dem Ripper zugeschriebenen Morden wurde im November 1888 an Mary Jane Kelly begangen, und die Handlung der Serie setzt ein halbes Jahr später ein. (Die Ripper-Morde wurden übrigens nie aufgeklärt und der Täter nie gefasst, obwohl es über zehn Verdächtige gab und unzählige mehr oder weniger wissenschaftlich begründete Theorien und Spekulationen.)

Das Ermittler-Team von „Ripper Street“ besteht aus dem unbestechlichen Inspector Edmund Reid (Matthew Macfadyen) und seinem schlagkräftigen Kollegen Sergeant Drake (Jerome Flynn, der in „Game of Thrones“ Bronn spielte). Unterstützt werden sie von dem Amerikaner Captain Homer Jackson (Adam Rothenberg), einem Gerichtsmediziner und Detektiv, den eine Hass-Liebe-Beziehung mit der Bordellbesitzerin Susan verbindet.
Aber auch Chief Inspector Abberline, der bei den Ripper-Morden ermittelt hat, taucht immer mal wieder auf.

Die Kriminalfälle drehen sich um typische Themen der damaligen Zeit und des Ortes: Arbeiterstreiks, Straßenbanden, die zunehmende Industrialisierung, die Segnungen und Gefahren der Elektrizität, eine Epidemie, Menschenhandel, Opium, politische Verschwörungen (z.B. irische Revolutionäre, unter anderem), finanzielle Krisen (die an die Bankenkrise der letzten Jahre erinnern) und manches mehr bilden den Hintergrund für diese Serie. Hier und da fühlt man sich an Szenen aus den neuen Sherlock Holmes Verfilmungen von Guy Ritchie erinnert, beispielsweise bei einem ziemlich brutalen Boxkampf und was die Ästhetik des Vorspanns betrifft.

Die Serie ist aufgrund ihrer oft blutigen Darstellungen nichts für schwache Nerven. Auch werden hier die Schattenseiten der viktorianischen Ära in düsteren Farben deutlich gezeigt – sei es das Elend der Arbeiterklasse im East End und White Chapel oder auch der damals vorherrschende Rassismus, Sexismus und der politische Imperialismus.

In Nebenhandlungen werden die Leben der Hauptfiguren näher unter die Lupe genommen: Reids Beziehung zu seiner Frau ist schwierig, seit die gemeinsame Tochter bei einem Unfall vor über einem Jahr verschwunden ist. Sergeant Drake verliebt sich unglücklich in eine Prostituierte aus Susans Bordell. Und Homer Jackson wird von seiner amerikanischen Vergangenheit verfolgt.

Außerdem gibt es Konkurrenzkämpfe zur Polizei aus einem anderen Stadtbezirk und ein vollkommen skrupelloser Journalist treibt Reid und seine Leute regelmäßig in den Wahnsinn. Neben Abberline tauchen übrigens weitere historische Persönlichkeiten auf, darunter Joseph Merrick, der „Elefantenmensch“.

Fazit:
Wer Blut sehen kann und Krimis mag, die in der viktorianischen Zeit spielen, wird an dieser Serie mit Sicherheit viel Freude haben.

Ripper Street in der International Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt2183641/?ref_=nv_sr_1

Serientipps für Steampunks - heute: Jeeves and Wooster

Geschätzte Leserinnen und Leser, in den kommenden Wochen möchten wir Ihnen gerne einige sehenswerte TV-Serien vorstellen. Diese enthalten entweder mehr oder weniger Steampunk-Elemente oder sind in jenen Jahrzehnten angesiedelt, die dem Steampunk als Inspirationen dienen – die viktorianische Zeit von 1837 bis 1901, die edwardianische Epoche bis 1914 und die „Goldenen Zwanziger Jahre“ sowie die 1930er und 1940er, um auch dem Dieselpunk die Ehre zu geben.

Beginnen wir mit…

„Jeeves and Wooster“
(deutscher Titel: „Jeeves and Wooster – Herr und Meister“).

P.G. Wodehouse, ca. 1904. (unbekannter Photograph)

P.G. Wodehouse, ca. 1904. (unbekannter Photograph)

Diese britische Serie aus den Jahren 1990 – 1993 basiert auf den humorvollen Büchern von P.G. Wodehouse (1881 – 1975), die ab 1916 erschienen. P.G. Wodehouse hat unter anderem auch die Steampunk-Autorin Gail Carriger inspiriert. Gerüchten zufolge war auch die englische Königinmutter ein Fan seiner Bücher.

In der Serie, welche in den Zwanziger Jahren angesiedelt ist, geht es um Bertie Wooster – einen wohlhabenden, etwas tollpatschigen jungen Mann und seinen klugen Butler Reginald Jeeves, der seinen Herrn mehr als einmal aus peinlichen oder sogar gefährlichen Situationen rettet – oder aus den Fängen heiratswütiger Damen, die es auf Woosters Vermögen abgesehen haben. Gemeinsam erleben sie so manches haarsträubende Abenteuer.

Die Serie lebt vor allem von ihren exzellenten Darstellern, die viel komödiantisches Talent besitzen. Hugh Laurie (in jüngerer Zeit bekannt geworden als „Dr. House“) spielt den schusseligen Bertie Wooster auf eine Weise, die den Charakter trotz aller seiner Schwächen sympathisch macht.

Stephen Fry, der als Schauspieler, Schrifsteller, Regisseur und Comedian tätig ist,  spielte unter anderem in „Oscar Wilde“, „Black Adder“, „Gosford Park“ und „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“. Sein schriftstellerisches Schaffen ist ebenfalls von P.G. Wodehouse beeinflusst. Fry stellt Jeeves als Inbegriff des diskreten, distinguierten Butlers dar, der zudem einen subtilen Sinn für Humor hat.

Die Serie hat insgesamt 23 ca. einstündige Episoden und gewann zwei BAFTA TV Awards (von der British Academy of Film and Television Arts)

Hier gibt es einen deutschsprachigen Trailer:
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Hier können Sie nachlesen, was der „Moviepilot“ über die Serie schreibt:
http://www.moviepilot.de/serie/jeeves-and-wooster

Übrigens würde es diesen Beitrag sprengen, sämtliche „Jeeves and Wooster“ Geschichten des Autors P.G. Wodehouse hier aufzuführen, denn es sind insgesamt vierzehn Veröffentlichungen.

Dreadpunk - wenn Gothic Horror auf Steampunk trifft

Lady Lucille Sharp, "Crimson Peak" Fanart. Copyright: Darkellaine, Deviantart.com

Lady Lucille Sharp, „Crimson Peak“ Fanart. Copyright: Darkellaine, Deviantart.com

„Dreadpunk“ – dieser Begriff fiel unter anderem zuerst öffentlich auf dem Dragon Con in USA, wo ihn Derek Tatum benutzte, der auch die Website http://dreadpunk.com/ erstellt hat.

Es handelt sich um eine Verschmelzung aus den Worten „Dreadful“ (englisch: erschreckend, bedrohlich) und „Steampunk“. Hier geht es um eine Genremischung, in sich Dark Fantasy, Mystery, klassisch-viktorianischer Gothic Horror á la „Frankenstein“ und „Dracula“, gruselige Geschichten wie von Edgar Allan Poe sowie Geistergeschichten und Schauermärchen aus dem 19. Jahrhundert begegnen.  Im Dreadpunk geht es nicht so sehr um billige Schockeffekte, sondern eher um mystische und mysteriöse Ereignisse, aber auch menschliche (und übermenschliche) Abgründe. Hier und da bedient sich das Genre auch in der Mythologie und beim Aberglauben des 19. Jahrhunderts. Geister, verwunschene Orte, übernatürliche Kreaturen und Schauergestalten treten auf. Für die menschlichen Protagonisten enden diese Geschichten nicht selten tödlich – oder aber sie verändern sich grundlegend nach Erlebnissen und Begegnungen der übernatürlichen Art.

Gerade in den Überschneidungen der Steampunk- zur Gothic Szene ist Dreadpunk sicherlich für den einen oder anderen von besonderen Interesse.

Aja Romano beschrieb auf www.dailydot.com drei „Gesetze des Dreadpunks:“

1. Dreadpunk hat seine Basis im Horror oder in der Dark Fantasy, mit einer besonderen Betonung auf dem Bedrohlichen: Horror, der entweder angedeutet wird oder nicht (gleich) sichtbar ist.

2. Das Setting des Dreadpunk ist entweder vom Horror des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts inspiriert, definitiv aber nicht später als H.P. Lovecraft (1890 – 1937). Das viktorianische London dient dabei als grober Richtwert für die Dreadpunk Ästhetik.

3. Dreadpunk ist sich seiner Selbst sehr bewusst und subversiv. Zugleich betont er die Traditionen des klassischen Horrors.

Besonders deutlich wird dieses Genre in der amerikanisch-britischen Serie „Penny Dreadful“ sowie in Filmen wie „Crimson Peak“, der am 15. Oktober 2015 in den deutschen Kinos angelaufen ist. Daher folgen hier zu beiden kurze Rezensionen, um Ihnen einen Eindruck dieses Subgenres zu verschaffen.

Penny dreadful“
Der Titel der Serie bezieht sich auf Horror-Groschenromane, die sich schon im 19. Jahrhundert in England großer Beliebtheit erfreuten und „penny dreadfuls“ genannt wurden.

Hier treten gleich mehrere Gestalten auf, die aus klassischen Horror-Romanen bekannt sind – William Murray, Vater von Mina Murray und Abraham Van Helsing (aus Bram Stokers „Dracula“), Victor Frankenstein und seine Kreatur (aus dem Roman „Frankenstein“ von Mary Shelley) und Dorian Gray (aus dem gleichnamigen Roman von Oscar Wilde). Im Zentrum der Geschichte steht Vanessa Ives, eine Hellseherin, die in mehr als einer Hinsicht von einem Fluch verfolgt wird. Ethan Chandler aus Amerika ist ein charmanter und wagemutiger Mann der Tat, furchtlos gegenüber Gewalt, jedoch auch traumatisiert. Dann gibt es da noch das mysteriöse Medium „Madame Kali“, der Vanessa während einer Séance begegnet…

Die klassischen Charaktere wurden auf originelle und stimmige Weise in die Handlung eingebaut, so dass man darin eine künstlerische Verbeugung vor den literarischen Originalen erkennen kann. Mit Vanessa Ives (dargestellt von Eve Green) haben die Schöpfer der Serie eine düstere, hin- und hergerissene Anti-Heldin geschaffen, mit der sich der geneigte Zuschauer dennoch identifizieren kann. Tod und Teufel, Vampire und Dämonen treten in „Penny dreadful“ in Erscheinung. Oft scheint die Lage für die Anti-Heldengruppe um Sir Murray, Vanessa, Ethan und Doctor Frankenstein völlig hoffnungslos, doch sie geben nicht auf, gegen das Böse zu kämpfen. Die schaurige Kreatur von Frankenstein – faszinierend ambivalent von Rory Kinnear verkörpert – hat eine eigene Nebenhandlung und ist oftmals menschlicher als ihr Schöpfer.

Die Ausstrahlung der zweiten Staffel begann im Mai 2015, eine dritte Staffel ist in Planung.

Crimson Peak Fanart, Copyright: http://ancha-snow1.deviantart.com

Crimson Peak Fanart, Copyright: http://ancha-snow1.deviantart.com

 

Crimson peak“
Dieser Film von Guillermo del Toro erzählt die Geschichte der jungen amerikanischen Schriftstellerin Edith Cushing (gespielt von Mia Wasikowska), die Geistergeschichten schreibt. Sie verliebt sich in den attraktiven englischen Baronet Sir Thomas Sharpe, welcher sie umwirbt.

Der Geist ihrer verstorbenen Mutter erscheint Edith und warnt sie vor „Crimson peak“. Doch es wird lange dauern, bis Edith herausfindet, was damit gemeint ist.

Sir Thomas (Tom Hiddleston) hat eine mysteriöse Schwester namens Lucille (Jessica Chastain). Beide leben auf einem düsteren, heruntergekommenen Anwesen in der kargen englischen Landschaft Cumbria. Sir Sharpe versucht mithilfe einer Erfindung in der Gegend den dort typischen blutroten Ton zu fördern und damit seine Existenz zu bestreiten. Als Ediths wohlhabender Vater bei einem merkwürdigen Unfall stirbt, ist sie die Alleinerbin. Edith heiratet kurz darauf Sir Thomas – doch dieser und seine Schwester hüten ein dunkles Geheimnis…

Mehr zur Geschichte sei hier nicht verraten, oder doch so viel: Hier geht es um viel mehr als „nur“ Spukgestalten, hier werden tiefste menschliche Abgründe sichtbar.

Die ästhetische Umsetzung
Guillermo del Toro erzählt diese Gothic Romance Horror Geschichte, welche um ca. 1900 spielt, auf der einen Seite in sehr morbiden Bildern. Das Anwesen der Sharpes sieht größtenteils so abgerissen aus ,wie man sich ein „haunted mansion“, also ein Spukhaus, vorstellt. Es regnet durch das offene Dach, die Bewohner werden später eingeschneit – ein Ort, dem man nicht entkommen kann. Auf der anderen Seite strahlt seine Heldin Edith optisch um so mehr mit ihren größtenteils gelben und kupferfarbenen Kleidungsstücken und den langen blonden Haaren. Dies sorgt für den nötigen Kontrast zu Sir Thomas‘ und Lucilles recht düsterer Ausstrahlung. Die auftauchenden Geister sind originell dargestellt, sie wirken furchteinflößend, zum Teil aber auch mitleiderregend. Der rote Ton, den Sir Sharpe fördert, erinnert metaphorisch in mehr als einer Szene an Blut. Farbenfrohe Schmetterlinge auf der einen, dunkle Motten auf der anderen Seite ziehen sich als Symbole durch den gesamten Film. Die beiden weiblichen Hauptfiguren wirken ästhetisch betrachtet fast wie die mystisch angehauchten Frauenportraits der Preraffaeliten. Wer etwa Bilder von Dante Gabriel Rossetti (1828 – 1882) kennt, wird hier gewisse Ähnlichkeiten finden.

Weitere klassische Inspirationen für den Dreadpunk
Hierzu zählen Werke wie „Das Schloß von Otranto“, „Carmilla“ von Sheridan Le Fanu, „Die Frau in Weiß“ und weitere Romane von Wilkie Collins, die Stummfilme „Das Kabinett des Dr. Caligari“ und „Nosferatu“, im deutschsprachigen Raum auch Werke aus der Romantik, wie E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“

Einige moderne Beispiele des Genres
Filme und Bücher wie „Sweeney Todd“, „Sleepy Hollow“ (sowohl der Tim-Burton-Film als auch die Serie sowie weitere Werke von Tim Burton), „Silent Hill“, „The Others“, „Adele und das Geheimnis des Pharao“, „Anno Dracula“ von Kim Newman, bis hin zu manche Folgen von „Doctor Who“ („Weeping Angels“) kann man zu diesem Genre rechnen, ebenso „Die Frau in Schwarz“, „Abraham Lincoln, Vampire Hunter“ oder die Manga-Serie „Black Butler“.

Trailer zu „Crimson Peak“
Trailer zu ersten Staffel von „Penny Dreadful“

Hullabaloo - ein Steampunk Animationsfilm

copyright James Lopez

copyright James Lopez

Hullabaloo ist ein amerikanisches Animationsfilm-Projekt, das von James Lopez initiiert wurde, mithilfe des Crowdfunding Portals Indiegogo. Statt der ursprünglich angestrebten 80.000 Dollar für einen Kurzfilm erzielte das Projekt mehr als 470.700 Dollar in nur 35 Tagen, mit Crowdfunding-Unterstützung von über 10.000 Menschen aus 70 Ländern. Daher werden nun sogar vier Kurzfilme entstehen.

Die Story

Im parallelen Universum von „Hullabaloo“ gibt es den Übergang der Nutzung der Dampfkraft hin zur Elektrizität – mit Luftschiffen und Hybrid-Motorkutschen, die sowohl mit Dampfkraft als auch mit Verbrennungsmotoren betrieben werden.

Im Mittelpunkt steht die junge Frau Veronica Daring, Tochter eines innovativen und renommierten Ingenieurs und Wissenschaftlers. Veronica kehrt heim von einer Elite-Schule für höhere Töchter, muss allerdings feststellen, dass zuhause alles anders ist, als sie es erwartet hat: Ihr Vater, Jonathan Daring, ist verschwunden. Alles, was er hinterlässt, ist das Familienhaus und ein verlassener, baufälliger Vergnügungspark namens „Daring Adventures“, den ihr Vater einst baute, um seine neuesten Forschungen und Erfindungen zu testen.

Veronica stolpert in diesem Vergnügungspark zufällig über die junge Jules, eine sehr ungewöhnliche und geheimnisvolle Frau, die sich dort häuslich eingerichtet hat. Jules weigert sich, über ihre Herkunft zu sprechen. Trotz aller Unterschiede freundet sich Veronica mit ihr an.

Natürlich dürfen auch Bösewichter in einer solchen Geschichte nicht fehlen, und so gibt es mehrere zweifelhafte Gestalten, die mit neuen Entdeckungen oder Erfindungen finstere Pläne verfolgen oder sich damit persönlich bereichern wollen – und so zu „Superschurken“ werden.

Veronica ist entschlossen, das nicht hinzunehmen, denn ihr Vater hat sie einst gelehrt, dass Technik und neue Technologien stets dem Guten und der ganzen Menschheit dienen sollte.

Gemeinsam mit ihrer neuen Freundin Jules und ein guter Portion Dreistigkeit, erfindet Veronica ein Alter-Ego für sich: Am Tage ist sie fortan eine konservative Dame der Gesellschaft. Bei Nacht wird sie die fröhliche und mutige Heldin „Hullabaloo“. Bei ihren heroischen, actiongeladenen Abenteuern findet sie nach und nach heraus, was zum Verschwinden ihres Vater geführt hat; Er war dabei, eine neue, alternative Energiequelle von immenser Kraft zu finden – welche die ganze Welt verändern könnte.
Um ihren Vater zu finden und zu verhindern, dass sein Geheimnis in die falschen Hände gerät, unternimmt Veronica gemeinsam mit Jules eine Expedition, bei der sie sich gegen unbarmherzige Luftschiff-Piraten zur Wehr setzen müssen und sogar auf einer abgelegen Insel landen, auf der faszinierende mechanische Tiere herumlaufen.

Über die Macher
James Lopez hat „Hullabaloo“ zusammen mit dem amerikanischen Steampunk Autor G.D. Falksen geschrieben. Lopez arbeitet bereits seit 25 Jahren in der Trickfilmbranche, insbesondere bei Disney. Er war unter anderem beteiligt an Filmen wie Der König der Löwen, Pocahontas, Hercules, Tom und Jerry, Paperman, Küss den Frosch und Flutsch und Weg.

James Lopez‘ Projekt wird unterstützt von rund zwanzig Profis aus dem Bereich Animationsfilm, Sprechern, Produzenten und dem Komponisten Manel Gil-Inglada aus Barcelona.

Über die Veröffentlichung
Lopez berichtete mir, dass zur Zeit 50 % der Animation der ersten beiden Kurzfilme vollendet sind. Wenn alles klappt, sollen diese beiden Filme Ende diesen Jahres fertiggestellt sein.

Zur Zeit ist geplant, die Kurzfilme auf Filmfestivals zu zeigen und sie später auch online zugänglich zu machen.

Möglich ist auch eine Sammler-DVD/Blueray, die ein „Making of“ enthalten soll und weitere Extras, die den Weg vom Konzept bis zur Fertigstellung zeigen.

Einen ersten Eindruck über die Kurzfilme vermittelt dieses Video.

 

 

 

 

 

Gastbeitrag: Den NDR zu Gast

Der NDR war kürzlich zu Gast bei Herrn Teleman von Phone und seiner Gattin Viktoria vom Waldesrand. Über ihre Erfahrungen berichten sie nun hier (und natürlich gibt es auch den Beitrag zu sehen.)

Den NDR zu Gast – oder warum ich GEZ-Gebühren bezahle

Sehr geehrte Mitreisende

Im Laufe der vergangenen Jahre, derer tatsächlich noch gar nicht so viele verstrichen sind, fügte es sich, dass die eine oder andere Kamera das Treiben der Phonepunks oder der Machina Nostalgica eingefangen hat.

Nun trug es sich zu, dass der NDR das Vorhaben ersann diesen, den meisten noch relativ unbekannten Kunststil, einmal etwas näher zu beleuchten und so bekamen wir eine Anfrage der Autorin Fanny Weiß zu einer Berichterstattung, die für das Vorabendmagazin DAS! laufen sollte. 3:30 Min sollte der Beitrag bemessen. Man einigte sich auf den 31. März und wir kamen auch sehr schnell überein, dass  es Aktionen gibt, die wir auf gar keinen Fall befürworten, wie beispielsweise in voller Montur mit Kamerabegleitung durch eine Fußgängerzone gejagt zu werden um Passanten zu befragen, wie sie den Mummenschanz denn so finden würden.

Wir trafen uns dann am Vormittag in den Galerieräumen des Kremper Logenhauses. Das Eis war schnell gebrochen und es wurden allerlei „Dinge“ in den Flur getragen. Auch das „Studio“ war schnell gefunden: der wahrscheinlich kleinste Zwischenraum zwischen Gesellschaftsraum, Galerie und Büro, denn dieser konnte problemlos abgedunkelt werden und Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte.

Es dauerte ca. 1,5 Stunden bis man sich mit dem ganzen technischen Aufwand eingerichtet hatte und das erste Mal die Kamera lief. Stunde um Stunde verstrich, draußen heulte der Orkan und die einzige zeitliche Mahnung bildete die halbstündlich schlagende Kirchturmuhr.

So langsam schwante mir etwas: der Kameramann Lars Hinrichs war eigentlich der Erste, bei dem es auffällig wurde. Durch dieses winzige Okular fing er Stück für Stück immer mehr Details des Ganzen ein und wurde beinahe wie in einen Sog gezogen. Mehr und mehr einzelne Teile und winzigste Details mussten aus allen Blickwinkeln in die digitale Welt verbracht werden und der Virus Steampunk forderte sein Opfer.

Es stimmte der Tontechniker Timo Schwab mit ein: „kann ich das Geräusch noch mal haben, das ist ja genial, was für eine Atmosphäre“. Und wieder und wieder wurde an Wählscheiben gedreht, die Spieluhr betätigt oder das pulsartige Ticken des Metronoms eingefangen – die Kirchturmuhr schlug im Halbstundentakt.

Eigentlich schon viel zu spät wurde gemeinsam eingepackt, denn es stand noch ein Szenenwechsel zum phonepunk´schen Anwesen auf dem Plan. „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der NDR, dem der Steampunk in den Adern gerinnt“

Nach einer vorbereiteten Stärkung versuchte man den Platzbedarf in der heimischen Werkstatt noch zu reduzieren, wobei der Tonmann mittlerweile seinen Job draußen im, seinen Zenit erreichenden Sturm, verrichten musste. Wer das Anwesen kennt, kann sich vorstellen, wie das aussah.

Da auch die Autorin offensichtlich vom Thema mit- und hingerissen schien, wurde die Abschlussszene nach Innen ins heimelige Wohnzimmer verlegt, weitere Fragen beantwortet, mit und ohne Kamera und man verlor sich Stück für Stück in den Einzelheiten und anderen Mikrokosmen des Genres.

Nach einem langen Tag, voller neuer Eindrücke, denn auch ich habe mir viel vom Kameramann abgeguckt, war alles wieder verpackt, man verabschiedete sich mit der Versicherung, dass es allen sehr viel Spaß gemacht hat und meine Frau betonte noch einmal, dass ja selbst die Haarspange aus häuslicher Produktion stammte.

„Haarspange? – Welche Haarspange?“

„Na, die hier, die ich im Haar habe.“

„Wieso habe ich die nicht bemerkt? Das geht nicht, das müssen wir mit rein haben, ich pack noch mal ganz schnell aus, aber das geht wirklich nicht, da ist mir die Zeit jetzt egal“

Kamera raus, Beleuchtung raus, neuen Akku rein, alles auf Anfang und die Spange eingefangen.

Nach ca. 8 Stunden Arbeit wurde sich endgültig verabschiedet. Es gab allerdings noch diverse Nachfragen, damit auch ja nichts verkehrt in Umlauf gebracht wird, damit die Professionalität und die Qualität des Berichtes gewahrt bleibt, damit ein Beitrag, der 3:30 Minuten lang ist und im Vorabendprogramm läuft, bei den Zuschauern im Gedächtnis hängen bleiben kann  und eben nicht einer von vielen ist, der morgen schon wieder vergessen wird. Zusätzlich darf man sich die Recherchearbeit, das Sichten des Materials, den Schnitt, das Einsprechen der Texte und das Zusammenfügen vorstellen. DAS ist Qualitätsanspruch. DAS ist maximaler Respekt. Und deshalb haben wir DAS auch für „DAS!“ gemacht.

Und deshalb zahle ich auch GEZ-Gebühren (ohne für das Thema Geld zu bekommen), denn dann ist sowas möglich, Privatsendern habe ich bisher abgesagt, weil ich mich bei denen nicht auf das Vertrauensspiel einlasse.

Doch hier nun das Ergebnis, der Beitrag beginnt bei 28:00 Minuten

In der Hoffnung, dass Ihnen der Sendebeitrag ebenfalls gefallen hat,

Ihr

Teleman von Phone, nebst Gattin Viktoria vom Waldesrand