Die Rückkehr der Plattenkamera oder

Was wäre, wenn „jemand“ alte, bewährte Plattenkameratechnik mit modernster Instant – Entwicklungstechnik kombinieren würde?

Was würde wohl dabei herauskommen?

Nun, so etwas hier:

 

 

Ein Team von 5 enthusiastischen Entwicklerinnen und Entwicklern haben sich zusammengetan und genau DAS realisiert.

 

Eine Kamera, die mit den modernen Fuji instax Packs kombiniert werden kann.

Dabei kann die Kamera zerlegt, angesehen und ihre Funktion von jedem begriffen und durchschaut werden.

Die instax Filme sind über das Internet und im lokalen Fotohandel zu beziehen.

Wer sich an den Projekt beteiligen möchte, findet auf der Kickstarter Seite des Projektes Gelegenheit dazu. Dort findet man auch animierte Bilder zur Funktion der Kamera.

Das fertige Produkt soll im Juni 2017 ausgeliefert werden.

Serientipps für Steampunks - heute: Sleepy Hollow

„Sleepy Hollow“ ist eine amerikanische Serie, die man den Genres Horror, Mystery, Urban Fantasy, Krimi und Historisch zuordnen könnte. Sie basiert auf der Halloween-Kurzgeschichte „Die Legende von Sleepy Hollow“, welche 1820 von dem Historiker und Autor Washington Irving geschrieben wurde.

Washington Irving, eine Daguerreotypie von 1861 von Mathew Brady - gemeinfrei

Washington Irving, eine Daguerreotypie von 1861 von Mathew Brady – gemeinfrei

Vielen von Ihnen dürfte die Kinoverfilmung von Tim Burton, mit Johnny Depp, Christina Ricci und Christopher Walken aus dem Jahr 1999 bekannt sein.

Zum Inhalt:
Im Jahr 1781 tötet Ichabod Crane (dargestellt von Tom Mison) ein Spion und Soldat der Kolonialen Armee, auf einer Mission für Präsident George Washington höchstpersönlich, den berüchtigten Kopflosen Reiter, der ihn allerdings gleichzeitig ebenfalls tötet. Mehr als 230 Jahre später erhebt sich Ichabod aufgrund eines Zaubers wieder aus seinem Grab – und nur falls Sie sich fragen, werte Leser: nein, er ist kein Untoter oder Zombie, sondern höchst lebendig.

Währenddessen ist auch der Kopflose Reiter wieder unterwegs und enthauptet einen Sheriff aus Sleepy Hollow. Dessen Kollegin, Police Lieutenant Abbie Mills (Nicole Beharie) untersucht den mysteriösen Fall und trifft bald darauf auf Ichabod Crane, der die schwarze Polizistin – als Mann des 18. Jahrhunderts – bei ihrer ersten Begegnung fragt, ob sie aus der Sklaverei befreit worden wäre. Wenig später tun beide sich zusammen, um dem Kopflosen Reiter das Handwerk zu legen. Und das ist erst der Anfang…

Ichabod Crane und Abbie Mills - Fanart. copyright: obscene blue, Deviantart

Ichabod Crane und Abbie Mills – Fanart. copyright: obscene blue, Deviantart

Die Serie lebt zum einen natürlich von ihren Horror-Elementen, und auch an Schock-Effekten wird nicht gespart. Vor allem aber ist die besondere Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren Crane und Mills und ihren Darstellern hervorzuheben – zum einen ein Gentleman aus dem 18. Jahrhundert, der sich in unser modernen Welt erst einmal zurecht finden muss und das mit viel Humor, Leidenschaft und einigem Eigensinn tut. Zum anderen einen toughe, aber auch verletzliche junge Polizistin mit einer schwierigen Familiengeschichte. Die beiden entwickeln als Team schon bald eine interessante Dynamik, aber natürlich gibt es auch reichlich Konfliktpotential und jede Menge Spannung, die auch oft im Zusammenhang mit gruseligen lokalen Legenden bis hin zu biblischen Prophezeiungen steht.

Bisher gab es von „Sleepy Hollow“ seit 2013 vierzig Episoden in 3 Staffeln.

Die Serie in der Internationalen Movie Database:

http://www.imdb.com/title/tt2647544/?ref_=nv_sr_1

Ein (englischsprachiger) Trailer
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Serientipps für Steampunks - heute: Warehouse 13

„Warehouse 13“ ist eine US-amerikanische Serie, welche sich unter anderem urbaner Legenden bedient und auch an Serien wie „Akte X“ erinnert. Sie lief von 2009 – 2014 auf Syfy,  mit 64 Folgen in 5 Staffeln.

Die Fälle hier drehen sich im wesentlich um – in der Regel magische – Artefakte, welche in unserer Gegenwart in einem geheimen Lagerhaus in der Wüste von South Dakota aufbewahrt werden, dem „Warehouse 13“. Die Artefakte hängen mit bestimmten mythologischen oder historischen Ereignissen oder Personen aus der ganzen Welt zusammen. Diese Geschehnisse, eine besondere Verwendung oder die Weise, in der das jeweilige Objekt hergestellt wurde, führten dann seinen besonderen, magischen Fähigkeiten – die dann gern von anderen Leute missbraucht werden.
Anders als bei dem „wöchentliche Monster“ in anderen Serien geht es hier also um das „wöchentliche Artefakt“, doch natürlich gibt es auch einen Meta-Plot, der sich über mehrere Folgen oder sogar Staffeln hinweg erstreckt.

Die Secret-Service-Agenten Myka Bering und Pete Lattimer sind beide dem Leiter des Warehouse, Artie Nielsen, unterstellt. Sie sind dafür zuständig, die Artefakte zu bewachen, diese wieder zu beschaffen oder auch neu gefundene Artefakte ins Lagerhaus zu überführen. Oftmals geraten sie dabei in Konflikt mit zwielichtigen Gestalten.
Myka handelt in der Regel eher rational-logisch, Pete dagegen instinktiv oder emotional. Ihre Dynamik im Zusammenspiel erinnert daher durchaus an Mulder und Scully aus „Akte X“, allerdings ist „Warehouse 13“ vom Ton her humorvoller. Später bekommen die beiden Unterstützung von der brillianten jungen Hackerin Claudia, welche mehr Geheimnisse über das Warehouse herausgefunden hat, als ihnen lieb ist. Artie wird für sie im Laufe der Serie eine Art Vaterfigur.

Für Steampunks und Dieselpunks ist die Serie insofern interessant, da die technische Ausstattung in Artie Nielsens Beruf sehr steampunkig ist – sie wurde für die Serie gestaltet von dem amerikanischen Steampunk Maker Richard Nagy alias „Datamancer“ (welcher 2013 leider bei einem Autounfall starb). Nielsens Agenten verfügen außerdem über (fiktive) Kommunikationsgeräte von Philo Farnsworth, und von Nicola Tesla höchstpersönlich erfundene Tesla-Handfeuerwaffen. Desweiteren taucht ein weiblicher H.G. Wells in der Serie auf.

Englischsprachiger Trailer zur ersten Staffel –  darin ist übrigens auch das genannte Farnsworth Kommunikationsgerät kurz zu sehen.
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Warehouse 13 in der internationalen Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt1132290/?ref_=fn_al_tt_1

Und wer sich für die Maker-Künste des Datamancers interessiert,
findet hier einen deutschen TV-Bericht mit Interview:
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Ein Streifzug durch die deutsche Steampunkszene - Das große Steampanoptikum

Unsere Autoren Clara Lina Wirz (Ayra Leona) und Alex Jahnke (Captain Serenus) haben im vergangenen Jahr ihr Gemeinschaftsprojekt „Das große Steampanoptikum – eine fantastische Reise quer durch die Welt des deutschen Steampunks“ bei der Edition Roter Drache veröffentlicht. Seitdem haben sie es schon auf verschiedenen Veranstaltungen und Conventions präsentiert.

copyright: Edition Roter Drache. Foto: A. Zeichnerin

copyright: Edition Roter Drache. Foto: A. Zeichnerin

Aus meiner Sicht ist dieses Buch gerade für Einsteiger in die Steampunk-Szene oder generell Interessierte sehr gut geeignet, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. In einleitenden Essays wird sich der Frage angenommen, was denn Steampunk nun eigentlich genau ist – ohne ihn abschließend oder in engen Grenzen zu definieren. Auch die verschiedenen Subgenres werden näher beleuchtet.

Die Schwerpunkte des 176-seitigen Buches liegen auf Makern, Musik, Mode sowie Filmen/Webserien und lokalen Steampunk-Gruppen. Die meisten der hier erscheinenden kreativen Köpfe stellen sich selbst vor, so dass hier ein vielseitiges Sammelsurium entstanden ist. (Natürlich konnten aber nicht alle kreativen Steampunks aus den verschiedenen Bereichen und dem deutschsprachigen Raum vorgestellt werden, sondern es wurde eine Auswahl getroffen.)

Zwischengestreut sind fünf Steampunk-Kurzgeschichten, von Martin Riesen, Anja Bagus, Thorsten Küper, Christian Reuter und Andreas Schöpe. So wird auch dem literarischen Genre des Steampunk Rechnung getragen.

Besonders hervorheben möchte ich auch die originelle visuelle Gestaltung dieses Buches, welche dem Anspruch eines Panoptikums voll gerecht wird – dieser Begriff steht ja unter anderem für Kuriositätenkabinette.

Es ist ein Hardcover-Buch im Format Din A4 und jeder Bereich des durchgehend farbigen Werkes ist anders gestaltet – mit ornamentalen Rahmen verziert oder Zahnrädern, mit historischen Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert, vor allem aber mit zahlreichen farbigen oder auch historisierend-sepiafarbenen Abbildungen. Letztere nehmen teilweise auch wie in einem Bildband eine ganze Seite ein, damit auch alle feinen Details genau erkennbar sind. Das Titelbild selbst erinnert an alte ledergebundene Bücher. Eine aufgenietete Platte mit einer Art integrierten Photo- oder Kameralinse gibt den Blick frei auf – wie könnte es anders sein? – ein Uhrwerk.

Das einzige, was hier fehlt, ist die bildende Steampunk-Kunst. Allerdings sind entsprechende Künstlerinnen und Künstler zumindest in Deutschland eher rar, und vermutlich hätte es auch den Rahmen dieses Buches gesprengt, noch eine weitere Kategorie einzuführen.

Die Verlagsseite des Steampanoptikum:
http://www.roterdrache.org/cms/backlist/n-s/das-grosse-steampanoptikum/

Serientipps für Steampunks - heute: Mister Selfridge

Harry G. Selfridge, ca. 1910 (public domain, unbekannter Photograph)

Harry G. Selfridge, ca. 1910 (public domain, unbekannter Photograph)

Die britische Serie „Mister Selfridge“ dreht sich um das berühmte und glamouröse Londoner Kaufhaus „Selfridge’s“, welches der amerikanische Unternehmer Harry Gordon Selfridge im Jahr 1909 eröffnete.

Seit 2013 wurden bisher 30 Episoden (in 3 Staffeln) ausgestrahlt.

Im Mittelpunkt steht zum einen natürlich Harry Selfridge (Jeremy Piven), der zu großen, theatralischen Gesten neigt, während es unter der glänzenden Oberfläche oft ganz anders aussieht. Selfridge begeistert sich schnell für „the next big thing“, z.B. bekannte Persönlichkeiten, lässt diese aber gern schnell wieder fallen, wenn ihm etwas Interessanteres ins Auge springt, was sein Geschäft voranbringen könnte. Seine Frau Rose (Frances O’Connor) leidet unter seinen wechselnden Affären, liebt ihn aber trotz allem. Ihre Ehe gleicht zumindest in dieser Inszenierung einer Achterbahnfahrt.

Ein weiterer wichtiger Charakter dieser Serie ist die junge, kluge Verkäuferin Agnes Towler (Aisling Loftus), deren alkoholabhängiger Vater sie und ihren Bruder tyrannisiert. Obwohl er sie sogar an ihrem Arbeitsplatz bloß stellt, gelingt es Agnes, mit ihren Ideen und ihrer warmherzigen Art Karriere bei Selfridges zu machen.

Und natürlich darf auch so manche Intrige und Liebelei unter den Verkäuferinnen, Verkäufern und anderen Angestellten des Kaufhauses nicht fehlen.

Die Serie wirkt in der ersten Staffel noch ein wenig wie eine historische, etwas anspruchsvollere Seifenoper, mit relativ wenig Tiefgang, dafür aber einem hohen Unterhaltungswert. Die opulente Ausstattung, sei es im Kaufhaus, oder in den diversen anderen Häusern, sowie die Kostüme der edwardianischen Epoche sind in jedem Fall sehenswert und oftmals geradezu dekadent schön. Die Damen der High Society tragen gern gewaltige Hüte, aber auch teilweise skandalös kurze Röcke, bei denen die Knöchel (!) zu sehen sind. Hier wird der Übergang zu der freizügigeren Mode der 1920er Jahren bereits angedeutet.
In der Serie tauchen mehrere historische Persönlichkeiten auf, darunter die Tänzerin Anna Pavlova, Sir Arthur Conan Doyle, der Polar-Forscher Ernest Shackleton und sogar König Edward VII.

Die zweite Staffel spielt im Jahr 1914. Hier werden angesichts des Ersten Weltkriegs die Töne deutlich ernster und tiefgründiger, auch wenn es noch immer heitere Momente gibt. Die dritte Staffel spielt dann ab 1918, also nach Kriegsende.

Vom Grundkonzept ähnelt „Mister Selfridge“ übrigens der von der BBC produzierten britischen Serie „The Paradise“ (mit ingesamt 16 Episoden), in der es auch um ein Kaufhaus geht. Allerdings beginnt „The Paradise“ bereits im Jahr 1875, also noch in der viktorianischen Ära.

„Mister Selfridge“ in der Internationalen Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt2310212/?ref_=nv_sr_1

 

Englischer Trailer zur ersten Staffel:

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Serientipps für Steampunks - heute: Miss Fishers mysteriöse Mordfälle

Copyright: Alice Azzo

Copyright: Alice Azzo

Die australische Krimi-Serie „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“ (Originaltitel „Miss Fisher’s Murder Mysteries“) basiert auf zwanzig Büchern der Autorin Kerry Greenwood. Erschienen sind seit 2012 bisher 34 Episoden in 3 Staffeln.

Die Serie handelt von den Kriminalfällen der wohlhabenden Privatdetektivin Phryne* Fisher in den 1920ern in Melbourne.
Phryne (überzeugend dargestellt von Essie Davis) ist eine starke, unabhängige, emanzipierte Frau – in der heutigen Gesellschaft würde man sagen, sie ist ein überzeugter Single, der durchaus gern wechselnde Affären mit Männern hat. Zugleich entwickelt sich zwischen ihr und Detective Inspector Robinson (Nathan Page) eine interessante Beziehung insofern, dass sie dem ermittelnden Beamten immer wieder „dazwischenfunkt“, ihm oft aber auch wertvolle Hinweise geben kann zu seinen Kriminalfällen.
Der Ton der Serie ist geprägt von Ernst auf der einen, aber auch subtilem Humor auf der anderen Seite. Letzteres wird auch durch die oft lebhaft fröhliche Musik im Stil der 1920er unterstrichen.

Die Plots an sich sind eher herkömmlich, hier wird also das Rad nicht neuerfunden. Die Kriminalfälle drehen sich teilweise um klassische Themen der damaligen Zeit aus einem australischen Blickwinkel – darunter Immigration, Rauschgifthandel, Vergiftungen mit Arsen (wie man sie auch bei Agatha Christie findet), Morde im Millieu der darstellenden Künste, z.B. in einem Zirkus und in einem Jazzclub.

Doch es macht wirklich Spaß, der Hauptdarstellerin Essie Davis zuzusehen, wie sie mit Witz, Köpfchen und jeder Menge Glamour die Privatdetektivin darstellt, insbesondere, wenn man ein Faible hat für die 1920er. Auch die Kostüme und Ausstattung der Serie haben das Zeug dazu, die Herzen von Dieselpunkfans schneller schlagen zu lassen.

Die „Miss Fisher“-Romane von Kerry Greenwood erschienen übrigens bereits ab 1989 und sind auch auf Deutsch erhältlich (beginnend mit „Miss Fisher und der Schneekönig“)

Englischsprachige Website zur Buchserie mit netten Extras, z.B. Cocktailrezepten:
http://phrynefisher.com/

„Miss Fishers Mysteriöse Mordfälle“ in der International Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt1988386/?ref_=nv_sr_1

* „Phryne“ spricht man aus wie „Freinie“

Serientipps für Steampunks – heute: „Ripper Street“

Copyright: Tiger Aspect Productions, Lookout Point, BBC

copyright: Copyright Tiger Aspect Productions, Lookout Point, BBC

„Ripper Street“ ist eine amerikanisch-britische Krimi-Serie, die 2012 startete. Die ersten beiden Staffeln spielen in den Jahren 1889 und 1890 im Londoner East End, die dritte Staffel dann 4 Jahre später. Bisher wurden 24 Episoden ausgestrahlt (jeweils ca. 60 Minuten).

Alles beginnt mit einem Mordfall an einer Prostituierten, welcher die ermittelnden Beamten sofort an die Morde
Jack the Rippers erinnert. Der letzte von fünf dem Ripper zugeschriebenen Morden wurde im November 1888 an Mary Jane Kelly begangen, und die Handlung der Serie setzt ein halbes Jahr später ein. (Die Ripper-Morde wurden übrigens nie aufgeklärt und der Täter nie gefasst, obwohl es über zehn Verdächtige gab und unzählige mehr oder weniger wissenschaftlich begründete Theorien und Spekulationen.)

Das Ermittler-Team von „Ripper Street“ besteht aus dem unbestechlichen Inspector Edmund Reid (Matthew Macfadyen) und seinem schlagkräftigen Kollegen Sergeant Drake (Jerome Flynn, der in „Game of Thrones“ Bronn spielte). Unterstützt werden sie von dem Amerikaner Captain Homer Jackson (Adam Rothenberg), einem Gerichtsmediziner und Detektiv, den eine Hass-Liebe-Beziehung mit der Bordellbesitzerin Susan verbindet.
Aber auch Chief Inspector Abberline, der bei den Ripper-Morden ermittelt hat, taucht immer mal wieder auf.

Die Kriminalfälle drehen sich um typische Themen der damaligen Zeit und des Ortes: Arbeiterstreiks, Straßenbanden, die zunehmende Industrialisierung, die Segnungen und Gefahren der Elektrizität, eine Epidemie, Menschenhandel, Opium, politische Verschwörungen (z.B. irische Revolutionäre, unter anderem), finanzielle Krisen (die an die Bankenkrise der letzten Jahre erinnern) und manches mehr bilden den Hintergrund für diese Serie. Hier und da fühlt man sich an Szenen aus den neuen Sherlock Holmes Verfilmungen von Guy Ritchie erinnert, beispielsweise bei einem ziemlich brutalen Boxkampf und was die Ästhetik des Vorspanns betrifft.

Die Serie ist aufgrund ihrer oft blutigen Darstellungen nichts für schwache Nerven. Auch werden hier die Schattenseiten der viktorianischen Ära in düsteren Farben deutlich gezeigt – sei es das Elend der Arbeiterklasse im East End und White Chapel oder auch der damals vorherrschende Rassismus, Sexismus und der politische Imperialismus.

In Nebenhandlungen werden die Leben der Hauptfiguren näher unter die Lupe genommen: Reids Beziehung zu seiner Frau ist schwierig, seit die gemeinsame Tochter bei einem Unfall vor über einem Jahr verschwunden ist. Sergeant Drake verliebt sich unglücklich in eine Prostituierte aus Susans Bordell. Und Homer Jackson wird von seiner amerikanischen Vergangenheit verfolgt.

Außerdem gibt es Konkurrenzkämpfe zur Polizei aus einem anderen Stadtbezirk und ein vollkommen skrupelloser Journalist treibt Reid und seine Leute regelmäßig in den Wahnsinn. Neben Abberline tauchen übrigens weitere historische Persönlichkeiten auf, darunter Joseph Merrick, der „Elefantenmensch“.

Fazit:
Wer Blut sehen kann und Krimis mag, die in der viktorianischen Zeit spielen, wird an dieser Serie mit Sicherheit viel Freude haben.

Ripper Street in der International Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt2183641/?ref_=nv_sr_1

Serientipps für Steampunks - heute: Jeeves and Wooster

Geschätzte Leserinnen und Leser, in den kommenden Wochen möchten wir Ihnen gerne einige sehenswerte TV-Serien vorstellen. Diese enthalten entweder mehr oder weniger Steampunk-Elemente oder sind in jenen Jahrzehnten angesiedelt, die dem Steampunk als Inspirationen dienen – die viktorianische Zeit von 1837 bis 1901, die edwardianische Epoche bis 1914 und die „Goldenen Zwanziger Jahre“ sowie die 1930er und 1940er, um auch dem Dieselpunk die Ehre zu geben.

Beginnen wir mit…

„Jeeves and Wooster“
(deutscher Titel: „Jeeves and Wooster – Herr und Meister“).

P.G. Wodehouse, ca. 1904. (unbekannter Photograph)

P.G. Wodehouse, ca. 1904. (unbekannter Photograph)

Diese britische Serie aus den Jahren 1990 – 1993 basiert auf den humorvollen Büchern von P.G. Wodehouse (1881 – 1975), die ab 1916 erschienen. P.G. Wodehouse hat unter anderem auch die Steampunk-Autorin Gail Carriger inspiriert. Gerüchten zufolge war auch die englische Königinmutter ein Fan seiner Bücher.

In der Serie, welche in den Zwanziger Jahren angesiedelt ist, geht es um Bertie Wooster – einen wohlhabenden, etwas tollpatschigen jungen Mann und seinen klugen Butler Reginald Jeeves, der seinen Herrn mehr als einmal aus peinlichen oder sogar gefährlichen Situationen rettet – oder aus den Fängen heiratswütiger Damen, die es auf Woosters Vermögen abgesehen haben. Gemeinsam erleben sie so manches haarsträubende Abenteuer.

Die Serie lebt vor allem von ihren exzellenten Darstellern, die viel komödiantisches Talent besitzen. Hugh Laurie (in jüngerer Zeit bekannt geworden als „Dr. House“) spielt den schusseligen Bertie Wooster auf eine Weise, die den Charakter trotz aller seiner Schwächen sympathisch macht.

Stephen Fry, der als Schauspieler, Schrifsteller, Regisseur und Comedian tätig ist,  spielte unter anderem in „Oscar Wilde“, „Black Adder“, „Gosford Park“ und „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“. Sein schriftstellerisches Schaffen ist ebenfalls von P.G. Wodehouse beeinflusst. Fry stellt Jeeves als Inbegriff des diskreten, distinguierten Butlers dar, der zudem einen subtilen Sinn für Humor hat.

Die Serie hat insgesamt 23 ca. einstündige Episoden und gewann zwei BAFTA TV Awards (von der British Academy of Film and Television Arts)

Hier gibt es einen deutschsprachigen Trailer:
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Hier können Sie nachlesen, was der „Moviepilot“ über die Serie schreibt:
http://www.moviepilot.de/serie/jeeves-and-wooster

Übrigens würde es diesen Beitrag sprengen, sämtliche „Jeeves and Wooster“ Geschichten des Autors P.G. Wodehouse hier aufzuführen, denn es sind insgesamt vierzehn Veröffentlichungen.

Dreadpunk - wenn Gothic Horror auf Steampunk trifft

Lady Lucille Sharp, "Crimson Peak" Fanart. Copyright: Darkellaine, Deviantart.com

Lady Lucille Sharp, „Crimson Peak“ Fanart. Copyright: Darkellaine, Deviantart.com

„Dreadpunk“ – dieser Begriff fiel unter anderem zuerst öffentlich auf dem Dragon Con in USA, wo ihn Derek Tatum benutzte, der auch die Website http://dreadpunk.com/ erstellt hat.

Es handelt sich um eine Verschmelzung aus den Worten „Dreadful“ (englisch: erschreckend, bedrohlich) und „Steampunk“. Hier geht es um eine Genremischung, in sich Dark Fantasy, Mystery, klassisch-viktorianischer Gothic Horror á la „Frankenstein“ und „Dracula“, gruselige Geschichten wie von Edgar Allan Poe sowie Geistergeschichten und Schauermärchen aus dem 19. Jahrhundert begegnen.  Im Dreadpunk geht es nicht so sehr um billige Schockeffekte, sondern eher um mystische und mysteriöse Ereignisse, aber auch menschliche (und übermenschliche) Abgründe. Hier und da bedient sich das Genre auch in der Mythologie und beim Aberglauben des 19. Jahrhunderts. Geister, verwunschene Orte, übernatürliche Kreaturen und Schauergestalten treten auf. Für die menschlichen Protagonisten enden diese Geschichten nicht selten tödlich – oder aber sie verändern sich grundlegend nach Erlebnissen und Begegnungen der übernatürlichen Art.

Gerade in den Überschneidungen der Steampunk- zur Gothic Szene ist Dreadpunk sicherlich für den einen oder anderen von besonderen Interesse.

Aja Romano beschrieb auf www.dailydot.com drei „Gesetze des Dreadpunks:“

1. Dreadpunk hat seine Basis im Horror oder in der Dark Fantasy, mit einer besonderen Betonung auf dem Bedrohlichen: Horror, der entweder angedeutet wird oder nicht (gleich) sichtbar ist.

2. Das Setting des Dreadpunk ist entweder vom Horror des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts inspiriert, definitiv aber nicht später als H.P. Lovecraft (1890 – 1937). Das viktorianische London dient dabei als grober Richtwert für die Dreadpunk Ästhetik.

3. Dreadpunk ist sich seiner Selbst sehr bewusst und subversiv. Zugleich betont er die Traditionen des klassischen Horrors.

Besonders deutlich wird dieses Genre in der amerikanisch-britischen Serie „Penny Dreadful“ sowie in Filmen wie „Crimson Peak“, der am 15. Oktober 2015 in den deutschen Kinos angelaufen ist. Daher folgen hier zu beiden kurze Rezensionen, um Ihnen einen Eindruck dieses Subgenres zu verschaffen.

Penny dreadful“
Der Titel der Serie bezieht sich auf Horror-Groschenromane, die sich schon im 19. Jahrhundert in England großer Beliebtheit erfreuten und „penny dreadfuls“ genannt wurden.

Hier treten gleich mehrere Gestalten auf, die aus klassischen Horror-Romanen bekannt sind – William Murray, Vater von Mina Murray und Abraham Van Helsing (aus Bram Stokers „Dracula“), Victor Frankenstein und seine Kreatur (aus dem Roman „Frankenstein“ von Mary Shelley) und Dorian Gray (aus dem gleichnamigen Roman von Oscar Wilde). Im Zentrum der Geschichte steht Vanessa Ives, eine Hellseherin, die in mehr als einer Hinsicht von einem Fluch verfolgt wird. Ethan Chandler aus Amerika ist ein charmanter und wagemutiger Mann der Tat, furchtlos gegenüber Gewalt, jedoch auch traumatisiert. Dann gibt es da noch das mysteriöse Medium „Madame Kali“, der Vanessa während einer Séance begegnet…

Die klassischen Charaktere wurden auf originelle und stimmige Weise in die Handlung eingebaut, so dass man darin eine künstlerische Verbeugung vor den literarischen Originalen erkennen kann. Mit Vanessa Ives (dargestellt von Eve Green) haben die Schöpfer der Serie eine düstere, hin- und hergerissene Anti-Heldin geschaffen, mit der sich der geneigte Zuschauer dennoch identifizieren kann. Tod und Teufel, Vampire und Dämonen treten in „Penny dreadful“ in Erscheinung. Oft scheint die Lage für die Anti-Heldengruppe um Sir Murray, Vanessa, Ethan und Doctor Frankenstein völlig hoffnungslos, doch sie geben nicht auf, gegen das Böse zu kämpfen. Die schaurige Kreatur von Frankenstein – faszinierend ambivalent von Rory Kinnear verkörpert – hat eine eigene Nebenhandlung und ist oftmals menschlicher als ihr Schöpfer.

Die Ausstrahlung der zweiten Staffel begann im Mai 2015, eine dritte Staffel ist in Planung.

Crimson Peak Fanart, Copyright: http://ancha-snow1.deviantart.com

Crimson Peak Fanart, Copyright: http://ancha-snow1.deviantart.com

 

Crimson peak“
Dieser Film von Guillermo del Toro erzählt die Geschichte der jungen amerikanischen Schriftstellerin Edith Cushing (gespielt von Mia Wasikowska), die Geistergeschichten schreibt. Sie verliebt sich in den attraktiven englischen Baronet Sir Thomas Sharpe, welcher sie umwirbt.

Der Geist ihrer verstorbenen Mutter erscheint Edith und warnt sie vor „Crimson peak“. Doch es wird lange dauern, bis Edith herausfindet, was damit gemeint ist.

Sir Thomas (Tom Hiddleston) hat eine mysteriöse Schwester namens Lucille (Jessica Chastain). Beide leben auf einem düsteren, heruntergekommenen Anwesen in der kargen englischen Landschaft Cumbria. Sir Sharpe versucht mithilfe einer Erfindung in der Gegend den dort typischen blutroten Ton zu fördern und damit seine Existenz zu bestreiten. Als Ediths wohlhabender Vater bei einem merkwürdigen Unfall stirbt, ist sie die Alleinerbin. Edith heiratet kurz darauf Sir Thomas – doch dieser und seine Schwester hüten ein dunkles Geheimnis…

Mehr zur Geschichte sei hier nicht verraten, oder doch so viel: Hier geht es um viel mehr als „nur“ Spukgestalten, hier werden tiefste menschliche Abgründe sichtbar.

Die ästhetische Umsetzung
Guillermo del Toro erzählt diese Gothic Romance Horror Geschichte, welche um ca. 1900 spielt, auf der einen Seite in sehr morbiden Bildern. Das Anwesen der Sharpes sieht größtenteils so abgerissen aus ,wie man sich ein „haunted mansion“, also ein Spukhaus, vorstellt. Es regnet durch das offene Dach, die Bewohner werden später eingeschneit – ein Ort, dem man nicht entkommen kann. Auf der anderen Seite strahlt seine Heldin Edith optisch um so mehr mit ihren größtenteils gelben und kupferfarbenen Kleidungsstücken und den langen blonden Haaren. Dies sorgt für den nötigen Kontrast zu Sir Thomas‘ und Lucilles recht düsterer Ausstrahlung. Die auftauchenden Geister sind originell dargestellt, sie wirken furchteinflößend, zum Teil aber auch mitleiderregend. Der rote Ton, den Sir Sharpe fördert, erinnert metaphorisch in mehr als einer Szene an Blut. Farbenfrohe Schmetterlinge auf der einen, dunkle Motten auf der anderen Seite ziehen sich als Symbole durch den gesamten Film. Die beiden weiblichen Hauptfiguren wirken ästhetisch betrachtet fast wie die mystisch angehauchten Frauenportraits der Preraffaeliten. Wer etwa Bilder von Dante Gabriel Rossetti (1828 – 1882) kennt, wird hier gewisse Ähnlichkeiten finden.

Weitere klassische Inspirationen für den Dreadpunk
Hierzu zählen Werke wie „Das Schloß von Otranto“, „Carmilla“ von Sheridan Le Fanu, „Die Frau in Weiß“ und weitere Romane von Wilkie Collins, die Stummfilme „Das Kabinett des Dr. Caligari“ und „Nosferatu“, im deutschsprachigen Raum auch Werke aus der Romantik, wie E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“

Einige moderne Beispiele des Genres
Filme und Bücher wie „Sweeney Todd“, „Sleepy Hollow“ (sowohl der Tim-Burton-Film als auch die Serie sowie weitere Werke von Tim Burton), „Silent Hill“, „The Others“, „Adele und das Geheimnis des Pharao“, „Anno Dracula“ von Kim Newman, bis hin zu manche Folgen von „Doctor Who“ („Weeping Angels“) kann man zu diesem Genre rechnen, ebenso „Die Frau in Schwarz“, „Abraham Lincoln, Vampire Hunter“ oder die Manga-Serie „Black Butler“.

Trailer zu „Crimson Peak“
Trailer zu ersten Staffel von „Penny Dreadful“

„Das Getriebe im Sand“ – ein Steampunk Stop-Motion-Kurzfilmprojekt

Der Stop-Motion-Kurzfilm „Das Getriebe im Sand“ erzählt die klassische Geschichte von demjenigen, der den Ast absägt, auf dem er sitzt. Der sozialkritische Film thematisiert Gier und Materialismus ohne Voraussicht, einer Haltung von „Nach mir die Sintflut“.

Es ist ein gemeinschaftliches Projekt von Valentin Felder und Josua Bauer und wurde 2013 erfolgreich finanziert als Crowdfunding-Projekt bei Startnext.

Der Film spielt in einer postapokalytischen Welt, die dominiert ist von den kalten Schlägen Stahls auf Stein, dem Rauch der Maschinen und den Resten vergangener Zivilisationen.
Doch hauptsächlich ist sie Leer, nur angefüllt mit bedrückendem Nebel der einst den Schlöten der Fabrikhallen entwichen ist. In ihrer unersättlichen Gier nach Reichtum und Macht haben die Menschen ihren Planeten bis auf den innersten Kern abgebaut um ihm auch die letzten Rohstoffreserven abzuwringen. Übrig geblieben ist eine einzige, große Metropole die auf einer riesigen Felssäule thront – der letzte Rest eines gigantischen Felsmassivs. In ihrer selbsterschaffenen Abhängigkeit sieht sich die verbliebene Menschheit gezwungen auch diesen letzten Anker, (die Säule) der sie mit dem Leben verbindet, abzubauen. Den Umstand, dass es ihr eigener Untergang sein wird, ignorieren sie zuversichtlich.

Die Geschichte wird aus zwei kontroversen Perspektiven erzählt: Zum Einen aus der eines Menschen und zum Anderen aus der eines Roboters. Der Roboter Nummer 142 ein kleiner Arbeitsroboter, der in der Mine Gestein umhertragen muss. Doch im Gegensatz zu seinen Arbeitskollegen weißt er einen seltenen Defekt auf: Nummer 142 ist in der Lage zu denken – und zu fühlen. Als Nummer 142 erkennt, dass seine Arbeit dazu beiträgt, die Säule mit all den Menschen zum Einsturz zu bringen, weigert er sich, sie weiter zu tun und versucht sogar, die Menschen auf das Problem hinzuweisen…

Der Mensch dagegen ist das kranke Produkt von Jahrzehnten der „Devolution“ – geistig fixiert auf primitive materielle Ziele, deren Erreichung ihn nie befreidigen können, ist er selbst zur Maschine geworden…

In diesem neunminütigen Video wird das Projekt näher vorgestellt.

copyright: Valentin Felder, Josua Bauer

copyright: Valentin Felder, Josua Bauer

Auf dem Bild ist  der kleine „Nr.142“ an seinem Arbeitsplatz tief unter der Stadt:
Hier muss er tagtäglich schwerste
Arbeit ohne ersichtlichen Sinn verrichten.
Kein Wunder, dass er schon bald beginnt, sein Dasein zu hinterfragen…

copyright: Valentin Felder, Josua Bauer

copyright: Valentin Felder, Josua Bauer

„Prof. Herzenfeld“ ist einer der hochrangigen Bürokraten in der Menschenstadt.
Als solcher ist es jedoch
sein Privileg, niedere Arbeit an Untergebene zu delegieren
und sich selbst den „wichtigen Dingen“ zu widmen…


Interview mit Valentin Felder

copyright: Valentin Felder

copyright: Valentin Felder

A.Z.: Valentin, was war eure Inspiration für diese Geschichte?

Valentin: Die Hauptinspiration für die Geschichte ist wohl einfach die echte Welt, in der wir leben. Als das Konzept entstand, waren wir beide noch Schüler und hatten eine ganze Menge an unserer Gesellschaft auszusetzen (nicht das sich das jetzt geändert hätte, aber wir regen uns nicht mehr so akut auf) – Zum Glück waren wir auch beide sehr filmbegeistert und wollten schon länger mal einen einigermaßen hochwertigen Kurzfilm drehen. Es hat sich geradezu angeboten, hier einige Ideen einzubauen, die uns andernfalls in der echten Welt nur unnötig belastet hätten. Wir wollten aber keinen von diesen klassisch-realistischen Moral-Filmen drehen, zumal die Moral auch gar nicht so klar zu bestimmen ist. Stattdessen diente die echte Welt nur fürs ganz grobe Grundgrüst und der Rest ist eher eine Art Märchen aus einer anderen Welt…

A.Z.: Die Ästhetik von „Das Getriebe im Sand“ könnte man steampunkig nennen, sie ist aber eigentlich zeitlos. Habt ihr das so gewählt, um die Geschichte in einen weiteren Kontext zu setzen? Ihr wendet euch damit ja nicht nur an Steampunk-Fans, richtig?

Valentin: Ja, zum Steampunk-Stil sind wir eigentlich durch Zufall gekommen. Zuerst gab es nur die Idee für die Geschichte und dann haben wir überlegt, wie wir es visuell umsetzen könnten. Wir wollten keine realistische Zukunftsvision erschaffen, sondern eher eine phantasievolle Parallelwelt die Raum für ein bisschen Witz und Details läßt und unsere echte Welt nur metaphorisch wiederspiegelt.
Auch war uns wichtig, dass der Zuschauer am Ende immer noch erkennen, kann wie der Film entstanden ist: Fingerabdrücke in den Gesichtern, Bearbeitungsspuren auf Metall, echter Kerzenrauch anstatt computergenerierten Partikeln… Die Geschichte mag düster sein, aber unsere Bilder sollen faszinieren, nicht deprimieren ;)

A.Z.: Die dreidimensionale Stop Motion-Technik wird in Zeiten der CAD-Animationsfilme á la Pixar und Co. nur noch selten verwendet. Ein überregional bekanntes Beispiel dafür sind die „Wallace & Gromit“ Filme. Um unseren Lesern eine Vorstellung zu geben vom Aufwand, der dahinter steht: Wieviele Arbeitsstunden stecken ungefähr in 30 Sekunden Film?

Valentin: Hm, das läßt sich wohl nicht einfach mit einer einzigen Zahl beantworten: 30 Sekunden Film entsprechen 750 einzelnen Bildern – an der Animation arbeitet einer von uns, je nach Aufwand der Szene, zwischen einigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Dazu muss aber noch gesagt werden, dass wir das Projekt nur in unserer Freizeit neben Schule bzw. Studium verfolgen können und die effektive Arbeitszeit daher wesentlich geringer ausfällt.
Allerdings macht die Animation auch nur einen kleinen Teil der Arbeitsschritte aus, die in die Erstellung von 30 Sekunden Film gesteckt werden. Ein ebenfalls wesentlicher Teil ist die Vorbereitung, welche Konzeption, den Bau von Set und Requisiten sowie die genaue Planung der Animationen umfasst. Damit aus den Bildern dann ein Kino-tauglicher Film entsteht, fällt zudem einige Nachbearbeitung an, wie z.B. Farbkorrektur, Retusche-Arbeiten und ggf. einfügen von Hintergründen oder Effekten irgendeiner Art…
Durchschnittlich enstehen in einem kompletten Jahr Arbeit nur wenige Minuten fertiger Film.

A.Z.: Wieviele verschiedene Sets baut ihr und wie groß sind diese ungefähr?

Valentin: Momentan haben wir 4 Hauptsets und diverse kleinere Nebensets – In Planung befinden sich momentan noch 2 Sets. Die Größe variiert dabei von 2m Höhe im Fall der großen Mine bis zu wenigen cm für einzelne Animationen die dann z.B. nur das Innere einer Maschine zeigen.

A.Z.: Wo oder wie habt ihr gelernt, Stop-Motion Filme zu machen?

Valentin: Das meiste haben wir wohl durch die Arbeit an diesem Projekt gelernt, hauptsächlich durch Ausprobieren, durch Fehler und durch die Not zu Improvisieren. Gerade was die Konstruktion der Figuren und Requisiten angeht, sind wir heute wesentlich sicherer als noch vor zwei Jahren, was zum Einen recht cool ist, zum Anderen aber auch schade, weil man Vieles im Nachhinein noch etwas besser hingekriegt hätte… Man kann wohl sagen, dass wir immer noch dabei sind, es zu lernen.
Was unsere Grundkenntnisse angeht, haben wir uns wohl ganz gut ergänzt – Josua ist der ‚Experte‘ für Animation und plastische Arbeiten – Ich dagegen bin für den Metallbaubereich und die Nachbearbeitung zuständig. Regie und Setbau machen wir gemeinsam.
Unsere Spezialgebiete bei dem Projekt sind aus früheren Hobbys heraus entstanden, tatsächlich irgendwo gelernt haben wir aber nichts davon. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man so etwas irgendwo lernen kann, es ist eher eine Frage von tun oder lassen…

A.Z.: Das entspricht übrigens auch der Einstellung vieler Steampunks – einfach machen, einfach ausprobieren. Wann rechnet ihr mit einer Fertigstellung des Films und wie kann man euer Projekt unterstützen?

Valentin: Wir arbeiten momentan seit zweieinhalb Jahren an dem Film und haben bislang ca. 9 Minuten Film erreicht. Das ist etwas über die Hälfte unserer Geschichte, also rechnen wir mit 2 weiteren Jahren bis zur Fertigstellung.
Was uns aufhält, ist eher der Mangel an Zeit als an Geld – Wir freuen uns natürlich trotzdem über finanzielle Unterstützung, da wir aktuell mit minimalsten Werkzeugen und einfachster Filmtechnik auskommen müssen. Aber die Fertigstellung des Projekts läßt sich wohl trotzdem nicht nennenswert beschleunigen. Eine sehr große Unterstützung sind jedoch auch die Menschen, die das Projekt aktiv verfolgen, uns Feedback geben und sich auf das fertige Ergebnis freuen – Ihr seid die beste Motivation für uns, damit wir die Ausdauer nicht verlieren und bis zum Ende dran bleiben ;)

A.Z.: Plant ihr nach der Fertigstellung eine Teilnahme an (Kurz-)Film-Festivals? Wo wird man euren Film sehen können?

Valentin: Selbstverständlich werden wir den Film auf einigen Kurzfilm- und Steampunkfestivals in Deutschland vorführen, es ist aber auch eine Veröffentlichung auf DVD und BluRay geplant. Längerfristig soll er zudem online gezeigt werden, ggf. auch in Englisch.

A.Z.: Die Musik von „Das Getriebe im Sand“ stammt von Michael Klubertanz. Arbeiten noch weitere Künstler mit an dem Projekt?

Valentin: In der Tat hat sich der Komponist Michael Klubertanz bereit erklärt, uns bei der Filmmusik zu unterstützen, vor kurzem hat sich aber auch noch eine weitere Zusammenarbeit ergeben: Der professionelle Foley-Artist (Geräuschemacher) Joo Fürst wird sich um die Geräusche unseres Films kümmern, die für die Stimmung der Bilder mindestens so wichtig sind wie die Musik.
Desweiteren hat uns Josuas Bruder seine Stimme für die ersten Erzähler-Aufnahmen geliehen, aber möglicherweise wird sich dies am Ende noch ändern.

A.Z: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin!

Valentin: Danke!

copyright: Josua Bauer

copyright: Josua Bauer

Hullabaloo - ein Steampunk Animationsfilm

copyright James Lopez

copyright James Lopez

Hullabaloo ist ein amerikanisches Animationsfilm-Projekt, das von James Lopez initiiert wurde, mithilfe des Crowdfunding Portals Indiegogo. Statt der ursprünglich angestrebten 80.000 Dollar für einen Kurzfilm erzielte das Projekt mehr als 470.700 Dollar in nur 35 Tagen, mit Crowdfunding-Unterstützung von über 10.000 Menschen aus 70 Ländern. Daher werden nun sogar vier Kurzfilme entstehen.

Die Story

Im parallelen Universum von „Hullabaloo“ gibt es den Übergang der Nutzung der Dampfkraft hin zur Elektrizität – mit Luftschiffen und Hybrid-Motorkutschen, die sowohl mit Dampfkraft als auch mit Verbrennungsmotoren betrieben werden.

Im Mittelpunkt steht die junge Frau Veronica Daring, Tochter eines innovativen und renommierten Ingenieurs und Wissenschaftlers. Veronica kehrt heim von einer Elite-Schule für höhere Töchter, muss allerdings feststellen, dass zuhause alles anders ist, als sie es erwartet hat: Ihr Vater, Jonathan Daring, ist verschwunden. Alles, was er hinterlässt, ist das Familienhaus und ein verlassener, baufälliger Vergnügungspark namens „Daring Adventures“, den ihr Vater einst baute, um seine neuesten Forschungen und Erfindungen zu testen.

Veronica stolpert in diesem Vergnügungspark zufällig über die junge Jules, eine sehr ungewöhnliche und geheimnisvolle Frau, die sich dort häuslich eingerichtet hat. Jules weigert sich, über ihre Herkunft zu sprechen. Trotz aller Unterschiede freundet sich Veronica mit ihr an.

Natürlich dürfen auch Bösewichter in einer solchen Geschichte nicht fehlen, und so gibt es mehrere zweifelhafte Gestalten, die mit neuen Entdeckungen oder Erfindungen finstere Pläne verfolgen oder sich damit persönlich bereichern wollen – und so zu „Superschurken“ werden.

Veronica ist entschlossen, das nicht hinzunehmen, denn ihr Vater hat sie einst gelehrt, dass Technik und neue Technologien stets dem Guten und der ganzen Menschheit dienen sollte.

Gemeinsam mit ihrer neuen Freundin Jules und ein guter Portion Dreistigkeit, erfindet Veronica ein Alter-Ego für sich: Am Tage ist sie fortan eine konservative Dame der Gesellschaft. Bei Nacht wird sie die fröhliche und mutige Heldin „Hullabaloo“. Bei ihren heroischen, actiongeladenen Abenteuern findet sie nach und nach heraus, was zum Verschwinden ihres Vater geführt hat; Er war dabei, eine neue, alternative Energiequelle von immenser Kraft zu finden – welche die ganze Welt verändern könnte.
Um ihren Vater zu finden und zu verhindern, dass sein Geheimnis in die falschen Hände gerät, unternimmt Veronica gemeinsam mit Jules eine Expedition, bei der sie sich gegen unbarmherzige Luftschiff-Piraten zur Wehr setzen müssen und sogar auf einer abgelegen Insel landen, auf der faszinierende mechanische Tiere herumlaufen.

Über die Macher
James Lopez hat „Hullabaloo“ zusammen mit dem amerikanischen Steampunk Autor G.D. Falksen geschrieben. Lopez arbeitet bereits seit 25 Jahren in der Trickfilmbranche, insbesondere bei Disney. Er war unter anderem beteiligt an Filmen wie Der König der Löwen, Pocahontas, Hercules, Tom und Jerry, Paperman, Küss den Frosch und Flutsch und Weg.

James Lopez‘ Projekt wird unterstützt von rund zwanzig Profis aus dem Bereich Animationsfilm, Sprechern, Produzenten und dem Komponisten Manel Gil-Inglada aus Barcelona.

Über die Veröffentlichung
Lopez berichtete mir, dass zur Zeit 50 % der Animation der ersten beiden Kurzfilme vollendet sind. Wenn alles klappt, sollen diese beiden Filme Ende diesen Jahres fertiggestellt sein.

Zur Zeit ist geplant, die Kurzfilme auf Filmfestivals zu zeigen und sie später auch online zugänglich zu machen.

Möglich ist auch eine Sammler-DVD/Blueray, die ein „Making of“ enthalten soll und weitere Extras, die den Weg vom Konzept bis zur Fertigstellung zeigen.

Einen ersten Eindruck über die Kurzfilme vermittelt dieses Video.

 

 

 

 

 

Kurzfilm: The Alchemist's Letter

Wunderschöner Steam-Fantasy Kurzfilm, mit tollen Animationen und schöner Story.

A visually rich, darkly inventive fairy tale directed by former Student Academy Award® finalist Carlos Andre Stevens.

Starring 2-time Academy Award® nominee John Hurt (V for Vendetta, Alien, Hellboy, The Elephant Man, Midnight Express) and up-and-coming star Eloise Webb (Cinderella, The Iron Lady).

Gastbeitrag: Den NDR zu Gast

Der NDR war kürzlich zu Gast bei Herrn Teleman von Phone und seiner Gattin Viktoria vom Waldesrand. Über ihre Erfahrungen berichten sie nun hier (und natürlich gibt es auch den Beitrag zu sehen.)

Den NDR zu Gast – oder warum ich GEZ-Gebühren bezahle

Sehr geehrte Mitreisende

Im Laufe der vergangenen Jahre, derer tatsächlich noch gar nicht so viele verstrichen sind, fügte es sich, dass die eine oder andere Kamera das Treiben der Phonepunks oder der Machina Nostalgica eingefangen hat.

Nun trug es sich zu, dass der NDR das Vorhaben ersann diesen, den meisten noch relativ unbekannten Kunststil, einmal etwas näher zu beleuchten und so bekamen wir eine Anfrage der Autorin Fanny Weiß zu einer Berichterstattung, die für das Vorabendmagazin DAS! laufen sollte. 3:30 Min sollte der Beitrag bemessen. Man einigte sich auf den 31. März und wir kamen auch sehr schnell überein, dass  es Aktionen gibt, die wir auf gar keinen Fall befürworten, wie beispielsweise in voller Montur mit Kamerabegleitung durch eine Fußgängerzone gejagt zu werden um Passanten zu befragen, wie sie den Mummenschanz denn so finden würden.

Wir trafen uns dann am Vormittag in den Galerieräumen des Kremper Logenhauses. Das Eis war schnell gebrochen und es wurden allerlei „Dinge“ in den Flur getragen. Auch das „Studio“ war schnell gefunden: der wahrscheinlich kleinste Zwischenraum zwischen Gesellschaftsraum, Galerie und Büro, denn dieser konnte problemlos abgedunkelt werden und Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte.

Es dauerte ca. 1,5 Stunden bis man sich mit dem ganzen technischen Aufwand eingerichtet hatte und das erste Mal die Kamera lief. Stunde um Stunde verstrich, draußen heulte der Orkan und die einzige zeitliche Mahnung bildete die halbstündlich schlagende Kirchturmuhr.

So langsam schwante mir etwas: der Kameramann Lars Hinrichs war eigentlich der Erste, bei dem es auffällig wurde. Durch dieses winzige Okular fing er Stück für Stück immer mehr Details des Ganzen ein und wurde beinahe wie in einen Sog gezogen. Mehr und mehr einzelne Teile und winzigste Details mussten aus allen Blickwinkeln in die digitale Welt verbracht werden und der Virus Steampunk forderte sein Opfer.

Es stimmte der Tontechniker Timo Schwab mit ein: „kann ich das Geräusch noch mal haben, das ist ja genial, was für eine Atmosphäre“. Und wieder und wieder wurde an Wählscheiben gedreht, die Spieluhr betätigt oder das pulsartige Ticken des Metronoms eingefangen – die Kirchturmuhr schlug im Halbstundentakt.

Eigentlich schon viel zu spät wurde gemeinsam eingepackt, denn es stand noch ein Szenenwechsel zum phonepunk´schen Anwesen auf dem Plan. „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der NDR, dem der Steampunk in den Adern gerinnt“

Nach einer vorbereiteten Stärkung versuchte man den Platzbedarf in der heimischen Werkstatt noch zu reduzieren, wobei der Tonmann mittlerweile seinen Job draußen im, seinen Zenit erreichenden Sturm, verrichten musste. Wer das Anwesen kennt, kann sich vorstellen, wie das aussah.

Da auch die Autorin offensichtlich vom Thema mit- und hingerissen schien, wurde die Abschlussszene nach Innen ins heimelige Wohnzimmer verlegt, weitere Fragen beantwortet, mit und ohne Kamera und man verlor sich Stück für Stück in den Einzelheiten und anderen Mikrokosmen des Genres.

Nach einem langen Tag, voller neuer Eindrücke, denn auch ich habe mir viel vom Kameramann abgeguckt, war alles wieder verpackt, man verabschiedete sich mit der Versicherung, dass es allen sehr viel Spaß gemacht hat und meine Frau betonte noch einmal, dass ja selbst die Haarspange aus häuslicher Produktion stammte.

„Haarspange? – Welche Haarspange?“

„Na, die hier, die ich im Haar habe.“

„Wieso habe ich die nicht bemerkt? Das geht nicht, das müssen wir mit rein haben, ich pack noch mal ganz schnell aus, aber das geht wirklich nicht, da ist mir die Zeit jetzt egal“

Kamera raus, Beleuchtung raus, neuen Akku rein, alles auf Anfang und die Spange eingefangen.

Nach ca. 8 Stunden Arbeit wurde sich endgültig verabschiedet. Es gab allerdings noch diverse Nachfragen, damit auch ja nichts verkehrt in Umlauf gebracht wird, damit die Professionalität und die Qualität des Berichtes gewahrt bleibt, damit ein Beitrag, der 3:30 Minuten lang ist und im Vorabendprogramm läuft, bei den Zuschauern im Gedächtnis hängen bleiben kann  und eben nicht einer von vielen ist, der morgen schon wieder vergessen wird. Zusätzlich darf man sich die Recherchearbeit, das Sichten des Materials, den Schnitt, das Einsprechen der Texte und das Zusammenfügen vorstellen. DAS ist Qualitätsanspruch. DAS ist maximaler Respekt. Und deshalb haben wir DAS auch für „DAS!“ gemacht.

Und deshalb zahle ich auch GEZ-Gebühren (ohne für das Thema Geld zu bekommen), denn dann ist sowas möglich, Privatsendern habe ich bisher abgesagt, weil ich mich bei denen nicht auf das Vertrauensspiel einlasse.

Doch hier nun das Ergebnis, der Beitrag beginnt bei 28:00 Minuten

In der Hoffnung, dass Ihnen der Sendebeitrag ebenfalls gefallen hat,

Ihr

Teleman von Phone, nebst Gattin Viktoria vom Waldesrand

Mara und der Feuerbringer

Ich gebe zu, Mara und der Feuerbringer ist kein Film, den man in das Steampunkgenre einordnen würde, fehlen dem Film doch ( und auch den Büchern ) das so geschätzte viktorianische Flair und die wilden Maschinen, aber ich möchte dennoch darüber berichten und hoffe, es wird klar, warum.

Mara Lorbeer ist ein 14-jähriges Mädchen aus München. Eine Tagträumerin, die nicht viel von den esoterischen Anwandlungen ihrer Mutter hält. Nichts läge ihr vermutlich ferner, als als die letzte der verbliebenen Seherinnen das drohende Ragnarok zu verhindern. Nun liegen solche Entscheidungen aber nicht immer in den eigenen Händen…

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Die Buchtrilogie und der Film stammen beide aus den Händen von Tommy Krappweis ( Drehbuch und Regie ), einem Urgestein der deutschen Medienlandschaft. Spaßmacher und kreativer Geist, vor und hinter der Kamera, auf Theaterbühnen und an der Schreibmaschine. Tommy hat nach vielen Jahren harter Arbeit nun das erste Buch aus der gleichnamigen Trilogie „Mara und der Feuerbringer“ verfilmt und in die deutschen Kinos gebracht.

Hinter dem Film steckt nicht die übliche bajuwarische oder amerikanische Filmmaschine sondern eine Menge engagierter und begabter Menschen, die daran glauben, daß der Film auf die Leinwand gehört und die Geschichte im Filmformat erzählt werden muß, die in den Büchern schon erfolgreich niedergeschrieben wurde. Tommy gründete eigens dafür eine eigene Visual Effects Firma und holte Leute ins Team, die die gleiche Mission im Geiste hatten, wie er selbst.

Auch versucht der Film nicht, wie man es von deutschen „Fantasystreifen“ leider gewohnt ist auf  biegen und brechen lustig oder möglichst brutal zu sein. Es ging ihm darum eine lebendige Geschichte zu erzählen. Hinter dem ganzen steckt sogar noch eine Bildungsabsicht. Die Fakten über die germanische Mythologie, die eine große Rolle in den Büchern spielt, basieren auf der Zusammenarbeit mit Professor Simek, bekannt als wissenschaftliche Referenz für germanische Mythologie an der Universität Bonn ( . Genau so  wichtig war es, das Thema zu entnazifizieren und die germanische Götterwelt in Geschichten und Sagen zu präsentieren.

Ebenso wurden treue Fans, die zu großen Teilen aus der deutschen Phantastikszene stammen, Teil des Films und übernahmen Rollen an der Seite von deutschen Stars wie Esther Schweins, Eva Habermann, Jan Josef Liefers und Christoph Maria Herbst. Ohne diese und die ganzen Leute im Hintergrund wäre aus der Verfilmung nicht das geworden, was sie eben geworden ist: eine in Deutschland produzierte, von den Medien durchweg positiv gelobte ( nicht mal die üblichen Spottdrosseln krümmten ein Haar ) Verfilmung eines wunderbaren Jugendbuches.

Deshalb ist es aktuell sehr verwunderlich, warum der Film so niedrige Besucherzahlen vorweisen kann. Die meisten deutschen Kinos lassen ihm kaum eine Chance als Abendfüller, lassen sie ihn nur Mittags und immer seltener auch Nachmittags laufen. Tut der deutschen Phantastikszene einen Gefallen und geht in den nächsten Tagen mal ins Kino. Der Film ist sehenswert und die viele harte Arbeit sollte gewürdigt werden!

Um doch noch einen Brückenschlag zum Steampunk zu finden, habe ich Carsten Steenbergen, bekannt als einer der Macher von Steamtown ( wir berichteten hier und hier und bestimmt noch woanders ) und eifrigen Unterstüzer von „Mara und die Feuerbringer“ folgende Frage gestellt: „Warum sollte sich der Steampunker ansich den Film ansehen?“. Carsten sagte:

„Mara und der Feuerbringer“ hat weder Zahnrad noch Dampfmaschine – der Kinofilm von Tommy Krappweis funktioniert dennoch absolut im Geiste des Steampunk. Die unerschütterliche Liebe zum Detail, die Nutzung aller zur Verfügung stehender Ressourcen – von Vorstellungskraft bis über bereitwilligem wie körperlichem Einsatz der breiten Phantastik-Szene und dem besonderen Humor eines Krappweis – machen aus „Mara und der Feuerbringer“ ein Genre-Kleinod der deutschen Filmproduktion, das sich nicht hinter Hollywood verstecken muss. Und das, wo der gemeine Fantasy-Film aus landeseigener Herstellung bislang als NoGo-Genre in deutschen Kinos ein verlorenes Dasein führt. Dieser Film bietet dem altbewährten Vorurteil Stirn und Gelegenheit, geistige Betonwände einzubrechen. Europas größte Greenscreen, echtes Vulkangeröll aus der Eifel für eine realistische Vulkanlandschaft, dazu hochkarätige Schauspieler und umwerfendes FX, das ringt einem unweigerlich Respekt ab. Und Punk … Punk verbirgt sich in diesem UnderDog-Projekt deutlich mehr als in den üblichen Krimis und Komödien der letzten Jahre.

Danke Carsten.

Ich wünsche Tommy Krappweis und seinem Team, daß der Film noch gut besucht wird und sich die Arbeit gelohnt hat. Wir brauchen mehr hochwertige deutsche Phantastik in den Medien. Wir wollen doch nicht, daß die Phantasie ausstirbt, oder? ;)

Zum Abschluß noch ein paar bewegte optische Leckerli als Vorgeschmack auf den Film:

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Die Geschichte Die Dreharbeiten
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Die Effekte Die Mitwirkenden

Heute ist noch kein Amt

Das Amt für Aetherangelegenheiten gibt sich die Ehre und einen Einblick in ihre Arbeitsweise. Allerdings haben sie heute noch nicht offen.