Rezension: Die Grüne Fee - Geschichten aus Eis und Dampf

Das Sprichwort sagt: „Beurteile nie ein Buch nach seinem Umschlag.“ Im übertragenen Sinne ist dies gewiss ein guter Ratschlag. Hält man jedoch die „Grüne Fee – Geschichten aus Eis und Dampf“ in den Händen, so kommt man nicht daran vorbei, das Werk mit allen Sinnen, genauer gesagt, zu aller erst mit den Augen zu bewerten. Dass genau dies auch die Intension der Herausgeber des kleinen DIN A5 Softcoverheftes in Groschenromanoptik war, erkennt der Leser bereits beim ersten neugierigen Durchblättern und Schmökern: Nicht nur das Format, auch das griffige Papier im Inneren des Heftes, welche die ersten ursprünglichen Pulp-Magazinen ihren Namen verdankten, verleihen dem Heft den Charme eines Heftromans aus dem nahe gelegenen Zeitungskiosk an der Ecke. Sowohl der Einband als auch die Innenseiten sind graphisch künstlich gealtert und verleihen den Eindruck, dass das Heft schon bereits durch zahllose Hände gereicht oder eilig in die Tasche gestopft wurde. Handschriftliche Widmungen, Anmerkungen, Korrekturen und eilig geschriebene Randnotizen, verleihen dem Heft eine romantische „Abgetragenheit“ und eine Geschichte in mitten der Geschichten. Der Leser wird eingeladen, sich seine eigenen Vorstellungen zu machen, welche Wege das Heft bisher genommen hat, welche Personen es begleitet haben musste, um schließlich zu seinem aktuellen Besitzer zu gelangen. Vielleicht wurde es auf dem Bussitz neben an liegen gelassen oder ist das Geschenk eines guten Freundes, welcher es bereits selbst ein Dutzendmal durchblättert hat.

Doch was verbirgt sich hinter dem aufwendig in Szene gesetzten „Umschlag“ von  „Die Grüne Fee“? Im Jahr 2015 vereinten sich die Herausgeber und gleichzeitig Autoren des Heftes, namentlich Judith C. Vogt, Mia Steingräber, Christian Vogt und Tobias Rafael Junge, um gemeinsam eine Sammlung von Pulp-Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Alle Geschichten sollten sich in der Steampunk-Welt von Judith und Christian Vogts „Eis und Dampf“ abspielen. Bekannt wurden die beiden Autoren und ihr fiktives Universum unter anderem durch ihren Roman „die zerbrochene Puppe“, welcher 2013 den Deutsche Phantastik Preis als bester deutschsprachiger Roman erhielt. Es folgten die Kurzgeschichtenanthologie „Eis und Dampf“. Für Mia Steingräber und Tobias Junge stellt dieses Heft, laut Aussage des Teams, ihre erste literarische Veröffentlichung dieser Art dar. Im Juli dieses Jahres war es soweit und „Die Grüne Fee“ durfte das fahle Licht der Druckrollen erblicken. Insgesamt sechs Kurzgeschichten entführen uns in eine alternative viktorianische Welt geprägt durch eine mittlerweile 905 Jahre andauernde Eiszeit. Mit Hilfe der neuen „Außerordentlichen Naturwissenschaften“, sowie Errungenschaften in der Elektrizität und Æronautik gelang es den Menschen der zumindest in Europa allgegenwärtigen Kälte die Stirn bieten und die Welt nach ihren Visionen neu formen. Doch auch der Fortschritt hat seine Schattenseiten. Der Kampf um begehrte Rohstoffe tobte nun nicht mehr nur auf See und Land. Luftpiraten sind der allgegenwärtige Schrecken des Himmels, während in geheimen Laboren, nach dem Schlüssel für ein Leben nach dem Tod gesucht wird. Und zwischen all dem, der Ausbeutung, den Luftschlachten und Kreaturen, welche die Schatten bewohnen, kann man für nur einen Groschen am Kiosk ein kleines dünnes Heft kaufen. Darin erzählen sechs Kurzgeschichten von ganz unterschiedlichen Menschen, die in dieser Welt leben, beziehungsweise leben müssen, und von ihren ganz eigenen Schicksalen. Doch später mehr hierzu.

Titelblatt „Die Grüne Fee“
Foto: Eis und Dampf

Ich blättere neugierig durch die insgesamt 58 Seiten. Wurde bereits mein Blick vom wunderschön gestalteten Cover festgehalten, sobald ich das Heft das erste Mal in der Hand hielt, freue ich mich nun, weitere, zum Teil eine Seite füllende stimmungsvolle Illustrationen von Mia Steingräber zu finden. Mia Steingräber sollte nicht zuletzt als Illustratorin von Abenteuern und Spielhilfen aus dem Hause Ulisses Spiele, sowie für ihre Arbeit für den Uhrwerk Verlag bekannt sein. Ihre Werke fanden unter anderem Einzug in die Welt der Rollenspielsysteme des „Schwarzen Auges“, insbesondere „Myranor“, sowie „Space: 1889“. Unterstützt wurde sie in diesem ersten Band der Grünen Fee von Illustratorin Caryad, welche einigen Lesern sicherlich ebenfalls durch ihre zahlreichen Arbeiten für das deutsche Pen-&-Paper-Rollenspielsystem „Splittermond“ bekannt sein könnte. Bereits durch die detailreichen, atmosphärischen Zeichnungen beider Künstlerinnen könnte „Die Grüne Fee“ für Genreliebhaber schon jetzt zu einem begehrten Sammelobjekt werden. Ein Bonbon bieten darüber hinaus die Werbeanzeigen der Unterstützer dieses Projektes, alle samt Dienstleister und Künstler rund um die Themenbereiche Steampunk und Gaslight. Alle Anzeigen passen sich durch ihr Design optisch so in das Layout des Heftes ein, dass sie die erzeugte Illusion keinen falls zerstören, sondern diese unterstützen. Denn was wäre ein Groschenroman ohne die entsprechenden Werbeanzeigen? Ein Wermutstropfen, welcher erwähnt werden muss, stellt ein Layoutfehler innerhalb der Geschichte „Vom Waldorf Asteria zur Quelle des Nils“ dar. Zwar ist die gesamte Erzählung aufwendig und ansonsten gelungen in die Form eines Zeitungsartikels des fiktiven „Handelsspiegels“ mit zahlreichen für die Handlung elementaren handschriftlichen Rangbemerkungen gestaltet worden, doch verschwinden einige Millimeter des Textes in der mittleren Falz der Klammerbindung. Dies erschwert die Lesbarkeit leider immens und ist in Anbetracht des ansonsten fabelhaften Designs der Geschichte äußerst bedauerlich.

Genug ziellos geblättert. Ich mache mich daran, die sechs Kurzgeschichten unterschiedlicher Länge zu lesen, welche von den vier Autoren teils in verschiedener Konstellation zu zweit, teils von einem der Autoren alleine geschrieben wurden. Es dauert etwas, bis ich mich an den Stil der Geschichten gewöhnt habe. Und bald darauf weiß ich auch warum. Obwohl ich mir die gesamte Zeit bewusst war, oder dies zumindest annahm, dass es sich bei dem mir vorliegenden Heft um einen Groschenroman handelt, hatte ich offenbar nicht darüber nachgedacht, was mich stilistisch und inhaltlich erwarten würde: Pulp. Oder in diesem Fall „Steampunk-Pulp“. Statt lediglich Kurzgeschichten aus der Welt von „Eis und Dampf“, wie wir sie bereits aus der gleichnamigen Anthologie kennen, unter dem Label „Groschenroman“ zu veröffentlichen, liegt der Schwerpunkt der in diesem Heft veröffentlichten Geschichten tatsächlich nicht nur äußerlich, sondern auch inhaltlich auf aus Pulp-Magazinen bekannten Stilelementen und Themen. Horrorgeschichten mit unerwarteter Wendung, verpackt in Briefform, Tagebucheinträgen und Zeitungsartikeln, reißerische Abenteuer rund um waghalsige Luftpiraten und ewige Liebe in mitten von Lug, Betrug und Diebstahl, sowie die romanisierte Exotik und die Gefahren fremdländischer Orte. Sich heroisch an Seilen schwingende Helden, Liebe, welche alle Grenzen zu überwinden scheint, sowie eiskalte Meuchelmörder runden das Bild des Pulp-Heftes ab. Den vier Autoren gelingt es zielgerichtet all jene, sowie weitere dieser Elemente mit der Welt von „Eis und Dampf“ zu verknüpfen. Und so wird mit einem Augenzwinkern in zwei Geschichten auf „Die Grüne Fee“ von den Akteuren selbst kritisch Bezug genommen. Einer der Protagonisten beschreibt das  Zeitschriftenmagazin als „ein Format, in dem stets ein Potpourri aus erdachten  Geschichten, Reiseberichten, Gruselmärchen und Ähnlichem zu finden war“ voller „abstruser Titel in Groschenheftformat“. Diese Bezugnahme lässt das Heft, welches längst durch seine Aufmachung wie aus dieser Welt gerissen zu scheint, spielerisch noch „authentischer“ erscheinen. So „beißt“ sich literarisch „die Katze in den Schwanz“ und das Werk wird selbst Bestandteil seines Inhaltes. Ein geschicktes und witziges Detail. Durch ihre Vielfältigkeit, sowohl was Inhalt, Form, sowie Subgenre betrifft, Detektivgeschichte, Abenteuer-Romantik, Reisebericht, und mehr, ist zwangsläufig davon auszugehen, dass nicht alle der sechs Geschichten gleichermaßen den Geschmack des Lesers treffen. Jedoch ist diese Vielfalt der Segen und Fluch jeder Anthologie. Und so ging es auch dem Autor dieser Rezension. Seinen Geschmack traf vor allem die Geschichte „Männerballett“ von Christian Vogt. Obwohl kaum mehr als zwei Seiten lang, überraschten mich die gleich zwei Wendungen innerhalb der Geschichte und  rangen mir ein bewunderndes Lächeln ab.
Mehr sei über die Inhalte der sechs Geschichten jedoch vorerst nicht verraten, da ein unvorsichtig erwähntes Detail auf Grund der Kürze der Geschichten bereits zu viel verraten und so den Lesespaß verringern könnte.

Kann ich “Die Grüne Fee“ empfehlen? Durchaus. Jedoch eingeschränkt. Empfehlen will ich sie vor allem Liebhabern von Groschenromanen und „penny dreadful“. Den Autoren ist es gelungen den Geist und den Stil der Zeitschriftenmagazine einzufangen und geschickt in die Welt der „Zerbrochenen Puppe“, sowie „Eis und Dampf“ zu übertragen. Allen Fans der Welt sei das Heft schon alleine zur Vervollständigung ihrer Sammlung angeraten, was das gelungene Design angeht, sowie die Bezugnahme auf Prominenz, Örtlichkeiten und natürlich technischen Errungenschaften, welche in den Geschichten Erwähnung finden. Doch möchte ich gleichzeitig drauf hinweisen, dass Pulp nicht für jeden Geschmack das richtige sein muss. Dem Leser sollte zu Beginn bewusst sein, dass ihn kein Steampunk-Roman im klassischen Sinne erwartet, sondern dass die Erzählungen an der einen oder anderen Stelle bewusst für den Konsumenten eben solcher Groschenromane überzeichnet wurden. Wer mit dem schneidigen fast unbesiegbaren Luftpiraten, dessen wildes Haar im Wind weht, während ihm die Frauen scharenweise zu Füßen liegen, oder mit der taffen Reporterin, für die es gilt, sich in einer rauen Fremde beinahe ohne fremde Hilfe zwischen kriegerischen Männern zu behaupten, sich überhaupt nicht anfreunden kann, sollte diese Kost mit Vorsicht genießen. Die meisten dieser klischeebelasteten romantisierten Elemente werden jedoch mit einer guten Portion Witz und Ironie verpackt. Von einem kitschigen Liebes-Roman im Stile eines „Begehrt von einem Luftschiffheizer“ kann also hier in keinster Weise die Rede sein. Denn Mord, Betrug, Intrige, wie eine ordentliche Portion schwarzer Humor gehören zu einem guten Pulp, wie Liebe, Heldenmut und Ritterlichkeit.

Dem bis zu dieser Stelle Unsicheren empfehle ich, die gerade mal 3,50 Euro zu riskieren und sich selbst ein Bild zu machen. Denn schon alleine für die aufwendige Gestaltung des Heftes ist dies ein mehr als angemessen fairer Preis, bei dem man sofort zuschlagen sollte. Auch im Hinblick darauf, dass das Heft zumindest in Printform bisher ausschließlich auf ausgewählten Rollenspiel-, Steampunk und Fantasy-Conventions zu erwerben ist, darüber hinaus online bisher nur über die Herausgeber selbst vertrieben wird, sei auf die Exklusivität des Groschenheftes hingewiesen und eine zügige Anschaffung unter www.Die-Gruene-Fee.net empfohlen. An gleicher Stelle findet sich auch bereits eine Ankündigung für die Veröffentlichung einer eBook-Version, welche im Uhrwerk-Verlag erscheinen soll.
Bis zum heutigen Tag, der Fertigstellung dieser Rezession, wurde von den vier Herausgebern keine Fortsetzung der Kurzgeschichtensammlung angekündigt. Die Tatsache, dass „Die Grüne Fee“ jedoch mit dem Zusatz „Ausgabe 1“ betitelt wurde, lässt Fans auf weitere Groschenromane aus der Welt von „Eis und Dampf“ in den kommenden Jahren hoffen. Bis dahin tröstet uns ein beinahe versteckter Hinweis im Rahmen eines Zirkusplakats auf dem Rückumschlag von „Die Grüne Fee“. Im Kleingedruckten des Plakats finden wir dort die Ankündigung der „Verlorenen Puppe“, dem Fortsetzungsroman der „Zerbrochenen Puppe“ von Judith und Christian Vogt bereits im Oktober dieses Jahres.

Gewinnspiel: Steampunk-Roman

Beantworten Sie eine historische Frage und gewinnen Sie ein auf Wunsch signiertes Taschenbuchexemplar des Steampunk-Abenteuer-Romans „Der Stern des Seth“.

copyright: Amalia Zeichnerin

copyright: Amalia Zeichnerin

Über den Roman

„Der Stern des Seth“ ist ein abenteuerlicher und in sich abgeschlossener Roman mit fünf sehr unterschiedlichen, eigensinnigen Protagonisten aus England, die keine strahlenden Helden sind, sondern auch ganz menschliche Schwächen haben. Gemeinsam brechen sie im Jahr 1885 in den Sudan auf, um dort im Auftrag eines Adligen ein sagenumwobenes altägyptisches Artefakt zu finden. Doch im Sudan herrscht Krieg, und das Expeditionsteam hat auch noch mit ganz anderen Gefahren zu kämpfen. Wer Freude hat am Steampunk- oder Pulp-Genre, den wird dieses Abenteuergeschichte gewiss unterhalten.
Weitere Infos über den Roman

Die Preisfrage
Wie war der Name des politisch-religiösen Anführers aus dem Sudan im 19. Jahrhundert, der für den Mahdi-Aufstand verantwortlich war?

Schreiben Sie die Antwort bitte bis 31. August an amaliazeichnerin@gmx.de
Die Gewinnerin/der Gewinner wird am 1. September 2016 unter allen richtigen Einsendungen per Los bestimmt und via elektronische Post informiert.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Rezension: Unruh - das Ticken des Uhrwerks (Steamfantasy Roman)

„Unruh“ ist angesiedelt im 22. Jahrhundert, doch die Welt, wie wir kennen, existiert schon lange nicht mehr, und vieles ist in Vergessenheit geraten. Aus den Trümmern der vergangenen Zivilisation ist eine quasi mittelalterliche, feudal geprägte Gesellschaft entstanden, mit Herzogen und anderen Herrschern. Doch das ist nicht alles – immer wieder werden Kinder mit seltsamen, zahnradförmigen Malen auf der Stirn geboren, die über magische Kräfte verfügen. In einigen Gegenden werden sie wie Aussätzige behandelt, doch in anderen werden sie die Schüler der sogenannten Meisterhüter. Diese Auserwählten bewahren das alte Wissen und tragen es in die Welt, denn eine gigantische Bibliothek mit einem Uhrwerksmechanismus, die man nur auf magischem Weg öffnen kann, ist ihre Quelle.

copyright: Artskript Phantastik Verlag

copyright: Artskript Phantastik Verlag

Die junge Saya wird Schülerin des Meisterhüters Darmandres, doch als sie mit ihm zu einem Treffen mit den anderen Hütern reist, wird dieses Fest von einer Rebellin und deren Verbündeten angegriffen. Doch auch in den eigenen Reihen gibt es Konflikte, und schon bald wird Saya in Intrigen und alte Feindschaften verwickelt.

Aus der Feder der österreichischen Autorin Mia Faber (alias Ingrid Pointecker) stammt dieser umfangreiche Roman mit 596 Seiten, der ursprünglich in einem anderen Verlag als Trilogie veröffentlicht wurde.

In der Geschichte liegt die Betonung weniger auf Steam, sondern auf Fantasy, was in den magischen Fähigkeiten der Hüter und ihrer Schüler deutlich wird. Eigentlich wäre auch Clockpunk als Genre passend, da hier ein gewaltiges Uhrwerk eine wichtige Rolle spielt.
Die Handlung ist spannend und verlangt aufmerksames Lesen, da hier verschiedene Handlungsstränge diversen Charakteren auf ihren unterschiedlichen Wegen folgen, aus der Sicht eines allwissenden Erzählers.  Die einzelne Abschnitte und Kapitel haben dabei leserfreundliche Längen. Auch eine Liebesgeschichte ist hier zu finden, die sich aber dezent im Hintergrund hält.

Das Ende und die Auflösung fand ich unerwartet, aber passend. Was den Hintergrund der Welt betrifft, fehlten mir einige Informationen. Zwar ist von einem Herzog die Rede, doch es bleibt unklar, wer eigentlich an der Spitze des betreffenden Landes steht – ein König oder Kaiser beispielsweise. Hier hätte man noch etwas mehr in die Tiefe gehen können. Übrigens gibt es in dieser Geschichte keine magischen Kreaturen oder Rassen, wie z.B. Drachen oder Elfen.

Die Seite der Autorin
Die Verlagsseite des Buches

Die Seelenlosen - ein Steamfantasy Roman von Tanja Meurer

„Die Seelenlosen – Stadt der Maschinenmagie 1“ ist angesiedelt in einer eigenen Fantasy-Welt, in der klassisches Handwerk ebenso zu finden ist wie komplexe Magie, aber auch technische Erfindungen, die mit Dampfkraft angetrieben werden. Gesellschaftlich und modisch gesehen, erinnert diese Welt an die späte Renaissance bzw. den Barock, und viele Bezeichnungen und Namen sind an das Französische angelehnt.

copyright: Incubus Verlag

copyright: Incubus Verlag

Der menschliche Kommandant Gwenael Chabod ist von einem militärischen Einsatz zurückgekehrt und nun bei der Stadtwache in der großen Stadt Valvermont tätig. Sein Geliebter, der Orc Orin, arbeitet als magisch begabter Totenpriester. In der Welt Äos ist Magie durchaus hoch angesehen, und magische Dienste werden gut bezahlt, doch gibt es auch Schwarzmagier und Nekromanten.

Gwenael und Orin werden Zeugen, wie ein Troll von der Seele eines Magiers übernommen wird. Wenig später wird eine schwangere Frau auf bestialische Weise ermordet. Gwenael beginnt, in beiden Fällen zu ermitteln und bekommt unerwartete Unterstützung von dem Dieb Jaleel und der Wäscherin Marianne, sowie einem Magier, einem Capitaine der Stadtwache und einigen weiteren Bürgern. Doch er muss sich auch seiner eigenen schwierigen Vergangenheit stellen, welche mit seiner Familiengeschichte zusammenhängt…

Der Roman ist sehr ausführlich und detailverliebt geschrieben – abwechselnd aus der Sicht von Gwenael und des Diebes Jaleel. Die Autorin beschreibt jede Gefühlsregung der Charaktere sehr anschaulich, und auch die Stadt Valvermont wird von ihr mit detaillierten Beschreibungen zum Leben erweckt.
Schon bald wird die Geschichte spannend, sowohl hinsichtlich des Krimis wie auch der Liebesgeschichte, wobei letztere sich nicht in der Vordergrund drängt und auch nicht kitschig wird.

Das Tüpfelchen auf dem „i“ wäre eine Karte von Valvermont oder dem Land gewesen. Aber auch im Glossar wird man fündig, wenn noch etwas unklar geblieben ist über diese Welt und ihre Bewohner.
Die Autorin hat an ihrer Welt Äos viele Jahre gearbeitet, und das merkt man diesem Roman im positiven Sinne an.

Übrigens basiert die Geschichte unter anderem auf einer Idee von Steampunk-Maker und Metallbildner Toni Reintelseder, der Pate stand für einen der Nebencharaktere. Seine dampfbetriebene Metallratte taucht ebenfalls in der Handlung auf und ziert auch das Buchcover – eine interessante Zusammenarbeit unter Steampunks.

Ohne zuviele Details zu verraten, sei noch erwähnt, dass der Roman mit einem Cliffhanger endet und die vollständige Lösung des Krimis in Band 2 erfolgen wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Veröffentlichung dieses Bandes nicht allzu lang auf sich warten lässt.

Die Verlagsseite des Buches
(dort kann man es übrigens auch auf Wunsch signiert und illustriert erwerben)

Tanja Meurer, Foto von Kira Wolf-Marz

Tanja Meurer, Foto von Kira Wolf-Marz

Die Website der Autorin

Interview mit Comiczeichner Felix Mertikat

Felix Mertikat ist vielen Steampunks bekannt durch seine Projekte „Opus Anima“ und „Steam Noir“.
Im Interview berichtet er, wie er zum Comiczeichnen kam, von seinen Einflüssen und neuen Projekten.

Felix Mertikat, Foto von Katja Pfister

Felix Mertikat, Foto von Katja Pfister

Felix, wie bist du zum Comiczeichnen gekommen? Das war ja nicht deine erste Berufswahl…

Meine erste Berufswahl war Biologe und dachte mir dann, dass ich als Concept Artist und Illustrator, eigentlich ein ganz schönes Leben haben würde…und dann kam der Comic dazwischen, der mich seitdem mit seiner Magie nicht mehr losgelassen hat.

Wer hat dich dabei beeinflusst, bzw. hast du Vorbilder? Die Graphic Novel „Steam Noir“ wird ja gern mit franco-belgischen Comics verglichen. Manche der Rückblenden in Band 4 von Steam Noir haben mich an expressionistische Stummfilme und alte Scherenschnitte erinnert…

Du fasst die Einflüsse schon ganz gut vorweg. Tatsächlich habe ich mich sehr stark im europäischen Stil zuhause gefühlt und weniger im US-Stil. Am Ende war der Wunsch da, dennoch etwas Neues zu gestalten, vielleicht eine eigene Note darin zu finden. Stark inspiert haben mich vor allem Filme wie „Delicatessen“ und „Die Stadt der verlorenen Kinder“. Vom Erzählen komme ich sowieso aus dem filmischen, weswegen meine Panels und die Bildgestaltung einer natürlichen Kamera sehr nahe kommt- wohl ein Erbe meiner Arbeit als Storyboarder.

Die Comicserie Steam Noir ist sehr vielschichtig. Sie erzählt einen phantastischen Krimi in einer bizarren Welt mit ganz besonderer, beseelter Technik, aber sie philosophiert gleichzeitig auch über das Sterben und was nach dem Tod kommt – und das auf eine Weise, die an grotesken Gothic Horror erinnert. Was den Hintergrund der Geschichte angeht, gibt es viele Parallelen zu deinem Rollenspielsystem „Opus Anima“, an dem du mit Tim Bröstl 12 Jahre lang gearbeitet hast.

Grotesker Horror hat eine Faszination, die mich nicht losgelassen hat. Die Verunstaltung von Menschen, das hat eine zeichnerische Begeisterung für mich seit jeher. Opus Anima war da für mich ein riesiges Versuchsfeld. Ein Rollenspiel bietet dafür sehr viel Raum, da die Bilder nie in einem narrativen Zusammenhang stehen müssen, kann man losgelöst voneinander Ideen und Konzepte darstellen. 12 Jahre Entwicklung bringen zudem Ideen zu Tage, die man nicht einfach aus dem Ärmel schüttelt. Die Hauptaufgabe war es vielmehr, das vorliegende Material auszudünnen, es erzählbar und verstehbar zu machen…etwas das manchmal härter ist, als Neues zu entwickeln. Man versteht danach „Kill your darlings“ nochmal ganz neu.

Aus "Steam Noir" copyright: Felix Mertikat

Aus „Steam Noir“ copyright: Felix Mertikat

Hattest du schon bei der Veröffentlichung von „Opus Anima“ 2008 die Idee, eine Geschichte wie „Das Kupferherz“ als Graphic novel zu erzählen, oder wie ist das zustande gekommen?

Nein, gar nicht. Wir wollten eigentliche weiter Rollenspielbücher zu Opus Anima machen, das ist aber aus vielerlei Gründen dann gescheitert. Stattdessen hat die Arbeit an meinem ersten Comic „Jakob“ in Zusammenarbeit mit Cross Cult die Chance geboten, Steam Noir zu entwickeln. Ursprünglich hieß es sogar noch Opus Anima Comic, aber geplant war es nie. Im Gegenteil.

Aus "Steam Noir" copyright: Felix Mertikat

Aus „Steam Noir“ copyright: Felix Mertikat

Hirschmann_Felix_Mertikat_2015

Herr Hirschmann aus „Steam Noir“, copyright: Felix Mertikat

Am Gratiscomictag 2012 erschien im „The walking dead“ Heft eine fünfseitige Comic-Kurzgeschichte von Verena Klinke und dir, welche ebenfalls im Steam Noir Universum spielt – „Zeitenwende“. Plant ihr noch weitere Steam Noir Geschichten als Comic?

Ja das würden wir sehr gerne. Es gibt bereits Ideen und erste Skizzen, wir warten nur noch den richtigen Zeitpunkt ab, diese umzusetzen. Es wird dabei wohl in einem noch nicht näher beschrieben Land in unserer fiktiven Welt spielen, aber zu viel verraten will ich da auch nicht.

Das klingt spannend. Ihr habt ja auch Spiele entwickelt; das Kartenspiel „Steam Noir: Revolution“ ist 2013 als Crowdfunding Projekt erfolgreich finanziert worden. Bitte erzähle uns etwas über das neue Brettspiel „Steam Noir: Kalendarium“.

Du bist gut informiert :) SN:Kalendarium ist ein Spiel für 3-6 Spieler und man kann damit die Geschehnisse und Herausforderungen um die Blinden Tage erleben. Die Spieler haben danach gesagt, dass sie jetzt viel besser die Gefahren der Blinden Tage verstehen, da jeder von Ihnen über ein „Regierungsgebiet“ verwaltet und trotz Kooperation, muss man genau abwägen, welche Gebäude man errichtet um den nächsten Blinden Tagen zu trotzen, wieviele Bizarromanten man zur Bekämpfung der Seelen einsetz. Das Spiel hat eine Spieldauer von 90-120 min. und würde ich als semi-kooperativ beschreiben. Der Clou: das Ganze spielt über 300 Jahre vor den Geschehnissen im „Kupferherz“ und bietet so einen neuen Blick auf die gleiche Welt. Beigelegt soll im Idealfall noch ein Kurzcomic sein. Wann das Spiel erscheint ist noch nicht klar.

Woran arbeitest du aktuell, wenn du soviel verraten darfst?
Wir konzipieren und entwickeln unseren neuen Comic „Koshu“, der mit einem 150 seitigen Einzelband ein Konterpunkt zu Steam Noir definieren soll. Außerdem wird er voller Farben sein, fast schon vor Buntheit strotzend. Wir, Verena Klinke und ich, erzählen die Geschichte von Suana, einem jungen Frau, die mit der einzigen Karawane der Wüste Bun mitreist, weil es die einzige Möglichkeit ist, um seine Heimatstadt zu verlassen un mehr von der Welt zu sehen. Wir erleben sehr viel Wüste und eine sehr persönliche Geschichte von Suana.
Daneben arbeite ich am Brettspiel Tsukuyumi-Full Moon Down. Der Mond ist im Pazifik gelandet und in ihm schläft ein gewaltiger weißer Drache der Kami „Tsukuyumi“. 99% der Menschheit ist verstorben durch die Landung des Mondes und so kämpfen die letzten Überleben nicht nur gegen die Schergen des Kami sondern auch gegen andere Spezies, die die freigewordene Position als Dominante Spezies für sich einnehmen wollen. Dabei können 3-5 Spieler zwischen 20 verschiedenen Fraktionen auswählen und etwa die auf zwei Beinen laufenden Schweinekrieger der Boarlords spielen, oder die Cybersamurai mit ihren Robotern und Drohnen, oder gar die Dark Seed, ein Metaorganismus aus Millionen von Insekten. Jede Fraktion verändert das Spiel grundlegend und bringt grundsätzlich andere Regeln und Konzepte ins Spiel, so dass man nie zwei gleiche Spiele spielen wird. Das Spiel soll per Crowdfunding finanziert werden. Mehr zu Tsukuyumi findet ihr auf www.kingracoon.de.

aus dem Comic "Koshu" . copyright: Felix Mertikat

aus dem Comic „Koshu“ . copyright: Felix Mertikat

Spiel "Alle Mann an Deck" copyright: Felix Mertikat

Spiel „Alle Mann an Deck“ copyright: Felix Mertikat

"Tsukuyumi - Full Moon Down" copyright: Felix Mertikat

„Tsukuyumi – Full Moon Down“ copyright: Felix Mertikat

Ich bin gespannt, dann den Kontrast zwischen „Koshu“ und „Steam Noir“ zu sehen und wünsche auch viel Erfolg für das neue Crowdfunding Projekt „Tsukuyumi“. Abschließend noch die Frage: Was ist für dich Steampunk, und was gefällt dir daran?

Steampunk ist vor allem das was jeder daraus macht. Es gibt nicht viele Genres, in denen die Facetten so vielseitig und offen ausgelotet werden, wie dieses, und so will ich mich selbst nicht festlegen, was genau es ist. Denn das Ungenaue ist der Reiz, den ich und viele andere Anhänger darin sehen: Schmuck, Dampf, Kostüme, Comics, Fahrzeuge – und vielleicht ist die einzige Gemeinsamkeit die Liebe zum Selbstgemachten und Ausprobieren. Das tüfteln und zeigen. Das präsentieren und genießen.

Rezension: Steampunk 1851 - eine Anthologie

copyright: Art Skript Phantastik Verlag

copyright: Art Skript Phantastik Verlag

Steampunk im Jahr 1851, dem Jahr der großen Londoner Weltausstellung.Das ist die Ausgangsbasis für acht düstere Steampunk Kurzgeschichten:

  1. In „Das Ende der Fiktion“ will ein wahnsinniger Wissenschaftler mit seinem Assistenten ein Geheimnis lüften, welches sich in Schottland verbirgt.
  2. Der Erfinder und Physiker Foucault bekommt bei seinen Forschungen unerwartete Hilfe von einem Dämon, den eine Höllenmaschine auf die Erde teleportiert hat.
  3. Der deutsche Reporter Johann Alexander Krieger lernt während der Weltausstellung die Geheimnisse des Treibstoffs „Lykonium“ kennen.
  4. In Russland bekommen es zwei Gendarmen mit einem Vampir und einer teuflischen Erfindung zu tun.
  5. Das britische Royal Special Operation Corps rekrutiert ein neues Mitglied, welches sich unter realen Bedingungen beweisen soll, während in einem gewaltigen Luftschiff namens Crystal Palace die Weltausstellung präsentiert wird.
  6. Archibald Leach und seine Assistentin treffen auf einen Untoten, der sich an seinem Schöpfer rächen will.
  7. Die jungen Monsterjägerinnen Lena und Sophie reisen nach New York, um dort einen seltsamen Todesfall aufzuklären, der möglicherweise im Zusammenhang mit der berüchtigten irischen Straßengang „Dead rabbits“ steht: Der Mörder hinterließ bei den Leichen tote Kaninchen.
  8. In der letzten Geschichte schließlich steht ein Automat vor einem moralischen Dilemma.

Mir hat die Zusammenstellung dieser kurzweiligen Anthologie gut gefallen. Die Geschichten sind größtenteils actiongeladen und darin tauchen klassische Monster wie Vampire und Werwölfe auf. Außerdem kann man hier von originellen und schrägen steampunkigen Erfindungen lesen.
Und wenn sich am Ende ein Automat die Frage nach dem Sinn seines Daseins stellt, so erinnert das auch an ethische Fragen der heutigen Zeit zum Thema künstliche Intelligenz.

Die AutorInnen dieser Anthologie sind Denise Mildes, Sabine Frambach, Andrea Bienek, Marco Ansing, Hendrik Lambertus, Markus Cremer, Luzia Pfyl, Fabian Dombrowski.

„Steampunk 1851“ belegte übrigens den 3. Platz beim Deutschen Phantastik Preis 2014 in der Kategorie „Beste Original-Anthologie“.

Weitere Informationen finden Sie auf der Verlagsseite der Anthologie.

Billy O'Shea: Kingdom of Clockwork

Rezension

copyright: Kingdom of Clockwork, Black Swan

copyright: Kingdom of Clockwork, Black Swan

Dänemark im Jahr 2413: Ein Königreich, das die technischen Errungenschaften und Ressourcen vergangener Jahrhunderte verloren hat. Diese sind lang begraben, vergessen oder werden als Legenden betrachtet. Die mächtige Kirche verbietet Archäologie, so dass auch keine Forschung betrieben werden darf. Doch noch immer finden sich Spuren des einstigen technischen Fortschritts im Königreich.

Zwar verfügt der König über Luftschiffe und eine Marineflotte, doch das ist ihm nicht genug. So beauftragt er den einfachen Uhrmacher Karl Nielsen damit, anhand einer historischen Spielzeugeisenbahn eine echte Eisenbahn zu entwickeln. Mangels einer Energieversorgung durch Kohleverbrennung entwickelt Nielsen eine Technik für die Eisenbahn, welche auf Uhrwerksmechanismen basiert. Währenddessen wird er hineingerissen in eine höfische Intrige. Wenig später bricht der König mit ihm und einer Armee auf zu einer gefährlichen Expedition in den hohen Norden.

„Kingdom of Clockwork“ ist historische Fantasy. Der Autor entwirft hier ein alternatives Skandinavien in der Zukunft, dessen Gesellschaftsstruktur eher an die Renaissance erinnert. Das Steampunk-Genre zeigt sich ebenfalls deutlich, z.B. in der ausführlich beschriebenen Technik und in spannenden Luftschiff-Gefechten. Als Leser schmunzelt man hier und da, wenn die Charaktere sich im Jahr 2413 auf historische Spurensuche begeben und den gefundenen Dingen (aus unserer Gegenwart) skurille Bedeutungen zuschreiben, die man leicht als falsch identifizieren kann. Sie glauben sogar an eine sogenannte „irrationale Schicht“ im Erdboden, in der Dinge aus der Vergangenheit zu finden sind, für die es keine logische Erklärung gibt.

Der Hauptcharakter Nielsen, aus dessen Sicht die Geschichte geschildert wird, ist ein sympathischer Anti-Held, der eher zufällig in dieses Abenteuer hineingerissen wird. Billy O’Shea schreibt ohne „viel Gerede“ in einem reduzierten Stil, der sehr gut auf den Punkt kommt.

Der Roman und auch die Fortsetzung sind erhältlich als E-Book bei Amazon
und als Printausgabe sowie als Hörbuch hier: http://blackswan.dk/shop/
Das Hörbuch ist passenderweise gespeichert auf einem Steampunk-USB-Stick, und es gibt auch eine Hörprobe auf der Website.

Interview mit Billy O’Shea

Billy 2015

Billy O’Shea, copyright: Kingdom of Clockwork

Billy, mir hat Ihr erster Roman „Kingdom of Clockwork“ sehr gefallen, gerade weil es keine typische Steampunk Geschichte ist. Ich fand sie sehr originell. Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen – diesen Roman und allgemein?

Es freut mich, dass Ihnen der Roman gefallen hat. Es stimmt, es ist keine typische Steampunk Geschichte, denn obwohl es Luftschiffe und viele Uhrwerke gibt, fehlt es hier am Dampfkraftbetrieb. Ich schätze, genaugenommen kann man es „Clockpunk“ nennen. Eine andere Sache, die eher ungewöhnlich ist, ist dass es in Dänemark spielt, wo ich lebe. Soweit ich weiß, ist es der erste Steampunk Roman, welcher in Skandinavien angesiedelt ist. Und auch wenn es von einer renaissanceartigen Gesellschaft handelt, ist es doch in der fernen Zukunft, nicht in der Vergangenheit. Also ich schätze, das macht es ingesamt ein wenig „anders.“
Ich schreibe seit ich 14 bin, vor allem Science Fiction. Damals wurde eine Geschichte von mir in einer Regionalzeitung in Limerick gedruckt, aber ich habe erst jetzt in meinen Fünfzigern angefangen, ganze Romane zu schreiben. Vielleicht liegt es daran, weil ich mit dem Alter etwas exzentrischer werde…

Bitte verraten Sie uns folgendes: Hatten Sie eine besondere Inspiration für den Roman?

Ich denke, die meiste Inspiration habe ich durch die Stadt Kopenhagen bekommen. Ich hatte die Idee über ein „Schatten-Kopenhagen“ zu schreiben – ein Kopenhagen, über das ich eher tagträume als das, welches ich täglich sehe – und von da kamen dann weitere Ideen. Kopenhagen ist eine dieser Städte, die zu solchen Träumen inspirieren. Was die Charaktere betrifft, die zupfen mich quasi am Ärmel und sagen mir: „Erzähl meine Geschichte!“ Und ich schreibe sie dann halt nieder.

Die Idee von der Untergrundbahn als Ort, an dem Ungeheuer und Geister leben, hat mir viel Freude gemacht in „Kingdom of Clockwork“ – es ist eine recht alte Idee. Also hast du da diese Leute in der fernen Zukunft, welche die alten U-Bahnlininien unter der Stadt entdecken und Angst haben, dort hinunter zu gehen, weil sie nicht wissen können, was sie dort finden werden. Seit ich das Buch geschrieben habe, ist etwas Merkwürdiges passiert – die Stadt Kopenhagen hat beschlossen, eine U-Bahnlinie direkt unter unserem Haus zu bauen. Außerdem ist das Gebäude, in dem wir leben, auf dem Grundstück des Hauses gebaut, in dem Hans Christian Andersen seine letzten Lebensjahre verbracht hat – also wer weiß, was sie da noch finden werden in der „irrationalen Schicht“!

2. Das Sequel zu „Kingdom of Clockwork“ ist „It’s only a clockwork moon“ und beide sind bereits veröffentlicht. Haben Sie eine Trilogie geplant?

Ja, es wird eine Trilogie werden. Am Ende von „Kingdom of Clockwork“ wusste ich, dass ich die Geschichte fortsetzen musste. Aber ich wollte auch, dass alle drei Bücher sich voneinander unterscheiden. In „It’s only a clockwork moon“ gibt es mehr lustige Elemente, außerdem spielt es teilweise in Irland, wo ich herkomme. Auch wenn die Bücher einige ernste Anschauungen in sich tragen, haben ich keine Ambitionen, ernste Literatur zu schreiben. Ich möchte einfach gern Geschichten schreiben, welche Leser unterhalten, sie zum Lachen bringen und vielleicht auch ein paar Gedankenanstöße liefern – vielleicht etwas, was man gern auf Reisen liest.

Zur Zeit sind meine Bücher nur auf Englisch erhältlich, aber „Kingdom of Clockwork“ wird zur Zeit ins Finnische übersetzt, und ich hoffe, dass sie eines Tages auch auf Deutsch und in anderen Sprachen veröffentlicht werden.

Sie haben in Ihrem Roman sehr detailliert über die Uhrwerkmechanismen und andere Technik geschrieben. Wie haben Sie dafür recherchiert?

Ich mag das Recherchieren sehr gern, denn ich liebe Uhrwerke und alle möglichen Automaten, sowie Geschichte im Allgemeinen. Vieles recherchiere ich über das Internet, aber ich habe auch das Glück, einige Experten auf dem Gebiet der Uhrwerksmechanik und auf anderen Gebieten zu kennen, und diese helfen mir, wenn es etwas gibt, was ich nicht weiß. Ich reise auch soviel ich kann, um mir interessante Orte und Gerätschaften anzuschauen. Natürlich muss man die technischen Möglichkeiten ein bisschen übertreiben, sonst gäbe es ja keine Story, aber ich ich gestalte es gern so realistisch wie möglich, damit der Leser den Eindruck bekommt, dass es so tatsächlich funktionieren könnte.
Ihr Sohn Christopher hat einen virtuellen 3D-Flug mit einem Luftschiff entwickelt, den man mit einem Virtual-Reality Headset genießen kann. Ich nehme an, dieser Flug ist eine Szene aus Ihrem Roman?

Ja, das ist es. Der derzeitige Luftschiff-Flug ist der dritte, den er produziert hat und er basiert auf einer Szene aus dem zweiten Roman „It’s only a Clockwork moon“. Chris schreibt und designt dies komplett allein. Eigentlich war die Idee dabei, die Bücher zu bewerben, aber die virtuellen Luftschiff-Flüge sind so beliebt mittlerweile, dass die Bücher dabei etwas aus dem Fokus geraten sind. Aber das stört mich nicht – ich finde es toll, wie die Besucher auf Steampunk und Science Fiction Cons darauf reagieren. Es gibt nichts Schöneres, als Menschen eine interessante Erfahrung zu bescheren. Außerdem macht es mir viel Freude, etwas zusammen mit Chris zu machen.

Sie leben mit Ihrer Familie in Dänemark. Gibt es dort eine Steampunk-Community? Bitte erzählen Sie uns ein wenig darüber.

Man kann es keine große Szene nennen, noch nicht. Bis vor kurzem dachte ich, meine Familie und ich wären die einzigen Steampunkinteressierten in Dänemark. Aber im letzten November waren wir auf dem „Eve of steam“, dem ersten dänischen Steampunk Event, und das war ein großer Erfolg. Wir waren auch auf einigen großartigen Steampunk Cons in Schweden. Es gibt dort sehr talentierte Leute, wie z.B. Annet Lind, Lykke Banck, Hanna Ågren und Pia Björckne Bengtsson. Wir wollen auch in diesem Herbst und Winter Veranstaltungen in Helsingborg und Göteborg besuchen, und wir werden im Oktober auf Island sein.

Was gefällt Ihnen am meisten am Steampunk oder der Steampunk-Szene?

Ich liebe diesen Style und die Kreativität. Ich staune immer über die Maker und Künstler, welche all diese fantastischen Steampunk Geräte und Kleidung gestalten. Ich selbst habe dafür kein Talent, aber es fasziniert mich, was andere Leute so alles machen. Für mich ist Steampunk ein großes Abenteuer, das mir erlaubt zu reisen, tolle Leute zu treffen und fantastische Dinge zu sehen.

Was machen Sie beruflich, wenn Sie nicht Romane schreiben?

Als ich damals nach Dänemark kam, arbeitete ich als Musiker, aber mittlerweile bin ich Übersetzer für Dänisch-Englisch. Das passt auch gut mit dem Schreiben zusammen, denn wenn ich gerade keine Übersetzungsaufträge habe, schreibe ich an dem neuen Roman oder nehme die Audiobücher auf.

Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin.

Danke, dass Sie mich gefragt haben.

 

Rezension: Stationen - ein Lebenslauf von Eusebius van den Boom

Eusebius van den Boom ist das Steampunk-Alter-Ego von Uwe Kurz, Jahrgang 1961. Der selbstständige akademische Sprachtherapeut aus Duisburg ist  vielseitig interessiert. Er sammelt Uhren, malt, fotografiert, liest und schreibt, wenn er nicht gerade obskure Steampunk-Gerätschaften anfertigt, die man in seinem Steampunk Archiv bewundern kann.

copyright: Edition Roter Drache

copyright: Edition Roter Drache

Jetzt hat Eusebius van den Boom mit „Stationen – ein Lebenslauf“ eine fiktive Steampunk-Autobiographie veröffentlicht, im Format von 24 Kurzgeschichten. Wie bei einer Autobiographie üblig, verwendet er die Perspektive des Ich-Erzählers. Die Geschichten tragen Titel wie „Der Uhrmachergehilfe“, „Der Ahnenforscher“ oder auch „Der Erzähler“. Das erzählerische Format dieses Werkes könnte man auch als experimentell bezeichnen.

Bald zeigt sich, dass diese fiktive Lebensgeschichte sehr bewegt ist. Van den Boom verlässt schon früh die Enge seines recht spießbürgerlichen, stark religiösen Elternhauses in Blankenberge (Westflandern, an der belgischen Nordseeküste) und findet erst Jahre später ein Geheimnis über seinen schon verstorbenen Vater heraus. Seine Lebensreise führt ihn an viele verschiedene Orte, bis hin in die Hansestadt Hamburg und nach Baden-Baden. Er versucht sich in vielen verschiedenen Berufen, zeigt sich als wissbegierig und vielseitig talentiert. Insbesondere das Erfinden von interessanten Gerätschaften bereitet dem Helden dieser Biographie große Freude. Doch auch das Fabulieren von Geschichten ist ein Steckenpferd van den Booms, und so gibt es mit „Krakenzeit“ eine spannende Kurzgeschichte in der Geschichte. Auch der bildenden Kunst ist er zugetan, allerdings bringt diese Tätigkeit ihn in Kontakt mit einer Kundin, die völlig überzogene Ansprüche an ihre Auftragsarbeit stellt. Ein großes Rätsel begleitet ihn durch mehrere der „Stationen“ hindurch, bis hin zur Auflösung in der letzten Geschichte.
Und wer die Aetherwelt-Romane von Anja Bagus kennt, wird in dieser Anthologie auch das Amt für Aetherangelegenheiten wiederentdecken.

Eusebius van den Boom, photo copyright: Atelier "et Lux", Berlin

Eusebius van den Boom, photo copyright: Atelier „et Lux“, Berlin

Mein Fazit:
„Stationen – ein Lebenslauf“ ist ein ungewöhnliches Buch, insofern, dass hier wie gesagt das Format der Kurzgeschichte mit einer Autobiographie verbunden wird. In den meisten dieser Geschichten ist das Steampunk-Genre gut wiederzufinden, vor allem im zweiten Teil des Buches. Interessant zu lesen ist das große Detailwissen des Autors, z.B. über technische Zusammenhänge, Funktionen und Fachwissen aller Art in den verschiedenen Berufen. Hier kann der geneigte Leser noch einiges dazu lernen.
Hier und da fand ich es schade, wenn eine Geschichte relativ abrupt aufhörte, etwa der Krimi um einen Schreiner, der sich von van den Boom metallene Flügel anfertigen lässt. Mich wunderte auch, dass van den Boom nicht noch ein wenig mehr über das Geheimnis seines Vaters herausfinden wollte. Aber vielleicht wird es ja zu diesem Thema noch weitere Kurzgeschichten geben. Insgesamt finde ich diese Anthologie sehr lesenswert.

Eine zweite Kurzgeschichtensammlung ist übrigens bereits in Planung.
Die Verlagsseite zum Buch:
http://www.roterdrache.org/catalog/product_info.php?products_id=150

Dampfmaschinen und rauchende Colts - eine Steampunk-Western-Anthologie

Steampunk im Wilden Westen, das ist ja an sich nichts Neues.
Originell ist allerdings das Konzept dieser 2015 vom Deutschen-Phantastik-Preis nominierten Kurzgeschichtensammlung. Denn in „Dampfmaschinen und rauchende Colts“ erzählen elf Autorinnen und Autoren in 13 Kurzgeschichten eine große zusammenhängende Geschichte, beleuchtet aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.

copyright: Verlag Torsten Low

copyright: Verlag Torsten Low

Ein amerikanischer Wissenschaftler will in der Einöde des Mittleren Westens im Jahr 1876 die vorhersehbaren Energieprobleme der Zukunft lösen. Ihm gelingt eine bahnbrechende Erfindung, doch er wird von Spionen des russischen Zarens beobachtet und schließlich mit einem Luftschiff entführt. Das bleibt nicht unbemerkt und bald schon werden die Entführer von verschiedenen Helden und Antihelden verfolgt, quer durch den Wilden Westen bis hin zum Ozean.

Das liest sich mal bedrohlich („Nebel über der Oakland Bay“ von Chris Schlicht), dann wieder sehr humorvoll (Andrea Bottlingers „Die Crew der Washington“), mal mitreißend-rasant (Marco Ansings „Queen Victoria auf der Rinderzucht“), in klassischer Western-Manier (Vincent Voss‘ „Für eine Handvoll Steam“) und sehr steampunkig (die ebenfalls mit dem deutschen Phantastik Preis nominierte Geschichte „Sea“ von Claudia Toman und Philipp Bobrowski). Trotz der unterschiedlichen Perspektiven und Erzählerstimmen der einzelnen Geschichte ist die übergeordnete Story durchgehend spannend und flüssig erzählt. Ein gelungenes Experiment.

Die Anthologie mit 268 Seiten wurde herausgegeben von Stefan Cernohuby und Wolfgang Schroeder im Verlag Torsten Low.

http://www.verlag-torsten-low.de/

Rezension zu Glasberg und Rheingold von Anja Bagus

Im vergangenen September berichteten wir über Anja Bagus‘ Aetherwelt-Roman „Waldesruh“.
Nun stellen wir die weiteren Bände der „Glasberg“-Trilogie vor.

Teil 2 der Trilogie: Glasberg

copyright: Anja Bagus, Edition Roter Drache

copyright: Anja Bagus, Edition Roter Drache

Inhaltsbeschreibung
1912. Nach den turbulenten Ereignissen des letzten Silvesterfestes möchten Falk und Minerva ein gemeinsames Leben beginnen. Jedoch ist Minervas Familie über die bevorstehende Hochzeit geteilter Meinung, und Falks Bruder nimmt ihm seine Auszeit merklich übel. Zeitgleich tritt eine unerklärliche Krankheit bei den Laufburschen in der Glasfabrik auf: ihre Augen werden weiß wie gestockte Milch, bevor sie langsam sterben. Anfangs sind nur die Kinder der Armen betroffen … Bei ihren Nachforschungen treffen Falk und Minerva auf einen gefährlichen Widersacher. Als sie ihm zu nahe kommen, schlägt seine Falle zu: Sie müssen sich mit traumatischen Erlebnissen ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und können einer Konfrontation in der Glasfabrik nur knapp mit dem Leben entkommen. Aber dies ist erst der Anfang der Geschehnisse. Ist das Glas des Glasbergs gefährlicher, als Falk zugeben wollte? Die Lösung finden Falk und Minerva erst, als sie zum Glasberg zurückkehren. Aber es könnte bereits zu spät sein, um das lodernde Feuer noch zu löschen.

Rezension
In „Glasberg“ bekommen es Minerva und Falk nun mit einem Gegner zu tun, der fast übermächtig erscheint und der sogar ihre Beziehung gefährdet, welche ohnehin schon konfliktreich ist. Hier wird ein weiteres Element in die Handlung mit eingeführt, welches mindestens so mächtig ist wie der magische Aether.
Das interessante an diesem Roman finde ich, dass hier die Steampunk/Fantasy-Elemente genau so wichtig sind wie die wechselhafte Beziehung der beiden Hauptcharaktere. Deren Hintergrund wird hier näher beleuchtet, ihre schicksalshaften Erlebnisse in der Vergangenheit werden deutlich gemacht, so dass man beide noch besser kennenlernt und versteht, warum sie jetzt so sind, wie sie sind.
Sonst ist es ja in Steampunk/Steam Fantasy oder ähnliches Geschichten doch eher meistens so, dass die phantastischen oder Sci-Fi/Steampunk-Elemente die Handlung deutlich dominieren, aber da dies ja auch eine Liebesgeschichte ist, gibt es hier eine schöne Mischung aus beidem, so dass mir die Charakter noch stärker ans Herz gewachsen sind als im ersten Teil der Trilogie. Schön zu lesen sind auch die komplizierten Familienverhältnisse und am Ende war ich von einigen Dingen überrascht, die ich so nicht erwartet hatte.

Teil 3 der Trilogie: Rheingold

copyright: Anja Bagus, Edition Roter Drache

copyright: Anja Bagus, Edition Roter Drache

Inhaltsbeschreibung
Französische Kampfmaschinen stehen am Rhein und schießen auf alles, was sich ihnen nähert. Die Franzosen bestreiten jedoch vehement, dass sie die Metallkolosse dort abgestellt haben. Als Zeichen ihrer friedlichen Absichten beliefern sie die bereits zur Verteidigung aufmarschierenden Preußen mit jener schwarzen glasartigen Substanz, mit der diese Maschinen angetrieben werden. Zu Munition verarbeitet ist es das Einzige, was gefährliche Veränderte aufhalten kann. Dennoch droht die Lage zu eskalieren.

Obwohl seine Frau Minerva strikt dagegen ist, entschließt sich Falk Bischoff den Auftrag zur Herstellung der Munition anzunehmen, da er das Wissen um diese Substanz nicht in die falschen Hände geraten lassen möchte. Seine heimliche Hoffnung ist, dass es nie zu einem großflächigen Einsatz kommt. Doch als etwas weitaus Bedrohlicheres aus dem Rhein auftaucht, ändert sich die Lage: Während einige darin einen Anlass sehen, endlich ihre militärische Stärke zu demonstrieren, versuchen andere, ein Blutvergießen zu verhindern.

So wie es eine preußische Hexe lange vorausgesehen hat, stehen Falk und Minerva im Mittelpunkt der dramatischen Ereignisse. Voneinander getrennt müssen sie nicht nur ihr eigenes Leben retten, sondern auch versuchen, einen Krieg zu verhindern.

Rezension
Das recht gruselige Coverbild fasst die verschiedenen Elemente dieses Romans gut zusammen: Technik, die ein Eigenleben entwickelt hat, steht Naturgewalten und den Aetherwesen gegenüber, was hier durch die Schwanenflügel angedeutet wird – die aber auch einen mythologischen Bezug haben.
Im Abschlussband der „Glasberg“-Trilogie müssen sich Falk und Minerva gleich gegen mehrere sehr unterschiedliche Gegner behaupten, erhalten aber auch Hilfe von mehreren Wesen, die durch den magischen Aether verändert wurden. Die Autorin taucht hier tief ein in alte Mythologien und Legenden, welche sie auf orginelle Weise ihrer Aetherwelt anpasst. Auch hier wechselt die Perspektive wieder, vor allem zwischen der von Falk und Minerva, aber auch anderen Figuren, darunter auch den Antagonisten. So entsteht ein vielfältiges Bild der Handlung und man kann als Leser sehr gut mit den einzelnen Charakteren mitempfinden und mitfiebern.
Glas spielt eine entscheidende Rolle in der gesamten Trilogie – ein Werkstoff, der im Steampunk-Genre sonst eher nur am Rande Beachtung findet. Und auch in „Rheingold“ setzt Anja Bagus Glas wieder auf interessante Weise ein.
Zwei Charaktere aus der Annabelle-Rosenherz Trilogie tauchen hier übrigens wieder auf und spielen eine entscheidende Rolle. Und auch ein wichtiger Charakter aus „Waldesruh“ tritt wieder in Erscheinung. Falk erfährt ein erstaunliches Geheimnis über sich selbst, doch mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, um das Lesevergnügen nicht zu mindern.

Die Website der Autorin:
http://www.anja-bagus.de/

Rack - Ein Steampunk Thriller von Ann-Kathrin Karschnick

Rack ist ein heruntergekommener Detektiv, welcher in der (fiktiven) Stadt Victoria in England mit seinem schwarzen 16jährigen Assistenten Theo auf der Suche nach lukrativen Aufträgen ist, weil ihnen wieder mal Geld für die Miete fehlt. Als er eine junge Frau dabei beobachtet, wie sie ein verdächtiges Päckchen unter einer Kutsche anbringt, überschlagen sich die Ereignisse.
„Rack“ ist eine spannende, kurzweilige und actionreiche Krimi-Geschichte, vergleichbar mit einer Episode aus einer TV-Serie. Steampunk-Elemente sind hier z.B. Aeronauten und Luftschiffe, eine spezielle gesellschaftliche Ordnung mit Gilden und besondere Gadgets, die elegant in die Handlung miteinflochten werden.
Rack selbst hat ein mysteriöses Geheimnis, welches an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll.

copyright: Papierverzierer Verlag

copyright: Papierverzierer Verlag

Die Autorin Ann-Kathrin Karschnick hat sich übrigens von der amerikanischen Krimi-Serie „Leverage“ inspirieren lassen, in der ein sehr bunt zusammengewürfeltes Team aus Anti-Helden gemeinsam Fälle löst.
Am Ende des 1. Teils bleiben einige Fragen offen, so dass der geneigte Leser gespannt sein wird auf die Fortsetzung (welche im März 2016 erscheint).

„Rack“ ist zur Zeit nur als E-Book erhältlich. Geplant sind aktuell 6 Episoden, eventuell werden es auch noch mehr. Eine Printausgabe erscheint voraussichtlich Mitte 2016.

Rack – ein Steampunk Thriller
von Ann-Kathrin Karschnick
112 Seiten
Verlag: Papierverzierer Verlag
ASIN: B01A6TQGNO

Das Buch im Gesichtsbuch:
https://www.facebook.com/RackSteampunk/

Die Website der Autorin:
http://www.ann-kathrinkarschnick.de/

 

Ein Streifzug durch die deutsche Steampunkszene - Das große Steampanoptikum

Unsere Autoren Clara Lina Wirz (Ayra Leona) und Alex Jahnke (Captain Serenus) haben im vergangenen Jahr ihr Gemeinschaftsprojekt „Das große Steampanoptikum – eine fantastische Reise quer durch die Welt des deutschen Steampunks“ bei der Edition Roter Drache veröffentlicht. Seitdem haben sie es schon auf verschiedenen Veranstaltungen und Conventions präsentiert.

copyright: Edition Roter Drache. Foto: A. Zeichnerin

copyright: Edition Roter Drache. Foto: A. Zeichnerin

Aus meiner Sicht ist dieses Buch gerade für Einsteiger in die Steampunk-Szene oder generell Interessierte sehr gut geeignet, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. In einleitenden Essays wird sich der Frage angenommen, was denn Steampunk nun eigentlich genau ist – ohne ihn abschließend oder in engen Grenzen zu definieren. Auch die verschiedenen Subgenres werden näher beleuchtet.

Die Schwerpunkte des 176-seitigen Buches liegen auf Makern, Musik, Mode sowie Filmen/Webserien und lokalen Steampunk-Gruppen. Die meisten der hier erscheinenden kreativen Köpfe stellen sich selbst vor, so dass hier ein vielseitiges Sammelsurium entstanden ist. (Natürlich konnten aber nicht alle kreativen Steampunks aus den verschiedenen Bereichen und dem deutschsprachigen Raum vorgestellt werden, sondern es wurde eine Auswahl getroffen.)

Zwischengestreut sind fünf Steampunk-Kurzgeschichten, von Martin Riesen, Anja Bagus, Thorsten Küper, Christian Reuter und Andreas Schöpe. So wird auch dem literarischen Genre des Steampunk Rechnung getragen.

Besonders hervorheben möchte ich auch die originelle visuelle Gestaltung dieses Buches, welche dem Anspruch eines Panoptikums voll gerecht wird – dieser Begriff steht ja unter anderem für Kuriositätenkabinette.

Es ist ein Hardcover-Buch im Format Din A4 und jeder Bereich des durchgehend farbigen Werkes ist anders gestaltet – mit ornamentalen Rahmen verziert oder Zahnrädern, mit historischen Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert, vor allem aber mit zahlreichen farbigen oder auch historisierend-sepiafarbenen Abbildungen. Letztere nehmen teilweise auch wie in einem Bildband eine ganze Seite ein, damit auch alle feinen Details genau erkennbar sind. Das Titelbild selbst erinnert an alte ledergebundene Bücher. Eine aufgenietete Platte mit einer Art integrierten Photo- oder Kameralinse gibt den Blick frei auf – wie könnte es anders sein? – ein Uhrwerk.

Das einzige, was hier fehlt, ist die bildende Steampunk-Kunst. Allerdings sind entsprechende Künstlerinnen und Künstler zumindest in Deutschland eher rar, und vermutlich hätte es auch den Rahmen dieses Buches gesprengt, noch eine weitere Kategorie einzuführen.

Die Verlagsseite des Steampanoptikum:
http://www.roterdrache.org/cms/backlist/n-s/das-grosse-steampanoptikum/

Buchvorstellung mit Trailer: Der Stern des Seth

Unsere Autorin Amalia ist nicht nur Zeichnerin, nein sie ist auch Autorin und hat soeben ihr Werk „Der Stern des Seth“ veröffentlicht:

„Der Stern des Seth“ ist ein Steampunk-Abenteuer-Roman mit phantastischen Elementen,
welcher im Januar 2016 erschienen ist.

Er handelt von einer Expeditionsgesellschaft, welche im Jahre 1885 im Auftrage eines adligen Unternehmers aufbricht in den Sudan, um dort ein altägyptisches Artefakt zu finden – ein cleverer Erfinder, ein junger Archäologe, ein Wissenschaftler, der für seine Forschungen lebt, ein kriegsversehrter Sergeant und eine neugierige Journalistin. Mit Luftschiff, Eisenbahn, Schaufelraddampfer und schließlich Kamelen reisen sie bis zu den antiken Tempeln am Berg Barkal…

Hier gibt es einen dreiminütigen Buchtrailer dazu:
YouTube Preview Image

Weitere Einzelheiten zum Roman und eine Leseprobe finden Sie hier:
http://amalia-zeichnerin.net/steampunk-literatur/

Falls Sie das Gesichtsbuch nutzen, finden Sie dort eine Seite zum Roman mit weiteren Details.
https://www.facebook.com/Der-Stern-des-Seth-942628775830317

Neujahrsgruß und ein Dieselpunk-Abenteuer-Roman von K.M. Weiland

Werte Leserinnen und Leser,

die Clockworker Redaktion wünscht Ihnen allen ein frohes neues Jahr 2016 mit vielen schönen Steampunk/Dieselpunk/Neo-victorian etc. Veranstaltungen, Konzerten, Treffen, Picknicks und Medien aller Art.

public domain, presented by Graphics fairy (Karen Watson)

public domain, presented by Graphics fairy (Karen Watson)

Wir starten international ins neue Jahr, mit dem amerikanischen Dieselpunk-Abenteuer Roman „Storming“
von K. M. Weiland, und laden Sie ein, mitzufliegen…

public domain, präsentiert von Graphics Fairy (Karen Watson)

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Rezension

Dieser Dieselpunk Roman handelt von Robert „Hitch“ Hitchcock, einem Doppeldecker Piloten einer eher heruntergekommenen kleinen Flugshow. Er kehrt in seine kleine Heimatstadt in Nebraska zurück, um an einem Flugshow-Wettbewerb teilzunehmen, der ihm eventuell einen besser bezahlten Job einbringt bei einem größeren Flugshow-Zirkus. Hitch hat eine schwierige, konfliktreiche Vergangenheit mit seiner Familie und dem korrupten Sheriff des Orts, so dass er am liebsten gar nicht heimgekehrt wäre.

Um die Dinge noch komplizierter zu machen, fällt eine mysteriöse fremde Frau namens Jael vom Himmel und auf sein Flugzeug. Hitch hält sie für völlig verrückt, als sie ihn bittet, sie wieder nach Hause zu bringen – in den Himmel. Bis er mit seinem Flugzeug fast mit einem seltsamen Luftschiff zusammenstößt – ein Luftschiff mit Piraten, die das Wetter kontrollieren können und Lösegeld von seiner Heimatstadt verlangen; mit der Drohung, dort Chaos und Zerstörung anzurichten.

copyight: PenForASword publishing

copyight: PenForASword publishing

Der Roman konzentriert sich weniger auf Action allein – obwohl es zahlreiche atemberaubende Actionszenen gibt, in denen (nicht nur) geflogen wird – sondern mehr auf der Charakterentwicklung, die Gefühle und Motivationen seines Helden Hitch. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven geschildert, Hitchs und der von Walter, einem achtjährigen Jungen, der den Piloten Hitch und sein Flugzeug anhimmelt – wie es die meisten Jungen in diesem Alter (und zu jener Zeit) täten.

Die mysteriöse Jael ist eine starke, mutige und zugleich sehr dickköpfige Frau mit einem großen Herz. Und natürlich muss sich Hitch im Laufe der Geschichte mit all den Schwierigkeiten aus seiner Vergangenheit und der Gegenwart auseinandersetzen.

Die Dieselpunk Elemente in der Geschichte und ihr Hintergrund sind in meinen Augen originell und es macht Spaß, davon zu lesen – denn es gibt zahlreiche Luftschiffe in der Dieselpunk und Steampunk-Literatur, aber ich habe bisher noch von keinen gelesen, die das Wetter kontrollieren können.
Das Buch ist außerdem für jeden Fan der frühen Luftfahrt der 1920er lesenswert.
Es enthält einige einfach gehaltene Umriss-Illustrationen, vor allem zu den Dieselpunk Elementen.

Bitte beachten Sie: Das Buch ist nur im amerikanischen Original erhältlich und wird voraussichtlich nicht ins Deutsche übersetzt.

Interview mit K.M. Weiland

copyright: K.M.Weiland

copyright: K.M.Weiland

 

Das folgende Interview mit der Autorin fand live über das Gesichtsbuch statt, in zwei völlig verschiedenen Zeitzonen. Ich habe es aus dem Englischen übersetzt.

A.Z.: Guten Morgen, Miss Weiland. [Anmerkung: Es ist 8 Uhr morgens in Nebraska, U.S.A.]

K.M.Weiland: Und Ihnen einen guten Nachmittag. [Anmerkung: Es ist 16 Uhr in Deutschland]

A.Z.: Und vielen Dank, dass Sie die Zeit nehmen für dieses Interview. Hier meine erste Frage: Ihre bisherigen Romane, „Dreamlander“, „Behold the dawn“ und „A man called Outlaw“ sind historische oder spekulative Fiktion. „Storming“ muss für Sie etwas ganz Besonderes gewesen sein, da es in Ihrem Heimatstaat Nebraska spielt – haben Sie eine Menge Inspiration aus Ihrer Umgebung bekommen, obwohl Ihre Geschichte ja in den 1920er spielt?

K.M. Weiland: Ja, das ging mir in der Tat so. Ich hatte mehr Spaß dieses Buch zu schreiben als alle anderen zuvor. Teilweise lag das daran, dass es eine fröhlichere Geschichte ist, nicht so düster wie manches andere, was ich bisher geschrieben habe, und es hat dieses „Sommer-Blockbuster“ Gefühl. Aber ein wichtiger Teil war, dass ich über mir bekannte Plätze schreiben konnte, die ich sehr mag. Ich habe bisher keine Geschichte in einem Setting spielen lassen, das ich so gut kannte, deshalb war es großartig, die Recherchen direkt in der Nähe machen zu können. Ich habe dadurch auch eine Menge über meine Region gelernt, was ich bisher noch gar nicht wusste.

A.Z. Das klingt großartig. Das ist eine schöne Sache am Schreiben, schätze ich – man lernt so viele neue Dinge, während man recherchiert. Und das „Sommer-Blockbuster“ Gefühl – damit kann ich etwas anfangen, wenn ich an die Atmosphäre in „Storming“ denke ;)

Wie sind Sie auf Dieselpunk gekommen?

K.M. Weiland: Ehrlich gesagt, bin ich irgendwie da hineingestolpert. Ich habe mich schon immer für Steampunk interessiert und man könnte jetzt anmerken, dass Storming genau das ist, da seine -punk Elemente aus der viktorianischen Ära stammen. Aber jemand hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Geschichte ja zwischen den beiden Weltkriegen spielt und daher strenggenommen Dieselpunk ist – der mir auf der Stelle sehr gut gefallen hat.

Ich habe mich anfangs nicht hingesetzt, um einen -punk Roman zu schreiben (einige der frühen Ideen zu diesem Projekt drehten sich um Zeitreisen). Ich bin der Geschichte einfach gefolgt und das ist dabei herausgekommen. Am Ende waren die Dieselpunk Elemente ein relativ zarter Faden in der historischen Flieger-Abenteuer-Geschichte.

A.Z.: Ja, das kann ich nachvollziehen, aber die Dieselpunk Elemente haben dem Buch soviel extra gegeben, finde ich. Apropos historische Ära: Gibt es etwas, was Sie besonders mögen an den 1920er Jahren?

K.M. Weiland: Die 1920er waren wild! Die Mode, die Verrücktheit der Prohibition, die Freude der Nachkriegsära, die Weiterentwicklung der Technik – ich liebe all das. Es hat besonders viel Spaß gemacht, über die damals neu aufkommenden technischen Errungenschaften zu schreiben – Telefone, Automobile etc. – in einer ländlichen Gegend, die noch immer ein bisschen die Atmosphäre des Wilden Westens hatte.

Aber wenn ich eine Sache allein wählen würde, dann wären es definitiv die Doppeldecker-Flugzeuge. Ich habe die Romantik der frühen Luftfahrt immer geliebt. Diese frühen klapprigen Flugzeuge haben so etwas Rohes und Schönes an sich. Ich wusste, das mein Held Hitch Hitchcock ein Doppeldecker-Pilot sein sollte, und deshalb musste ich ihm in die entsprechende Ära folgen, welche natürlich die 1920er waren.

A.Z.: Ah, jetzt verstehe ich Ihre spezielle Motivation für diesen Roman :) Sie beschreiben die Flugshow-Einlagen sehr detailliert. Darf ich fragen, wie Sie dafür recherchiert haben? Gibt es noch Flugshows ähnlicher Art in den USA?

K.M.Weiland: Es gibt tatsächliche eine ganze Reihe an Barnstorming/Airshows überall in den USA. Es gibt Luftfahrt-Fans, die sich mit großer Leidenschaft damit befassen. Dieser Tage sind die Shows eher Ausstellungen, um den Leute die alten Flugzeuge zu zeigen. Aber es gibt immer noch hier und da Piloten, die fliegen und kleine Shows machen und davon auch teilweise ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Die meisten Recherchen hierzu habe ich über Bücher gemacht. Ich habe eine ganze Reihe an wunderbaren Quellen über die frühe Luftfahrt gefunden – und das hat sehr gut funktioniert, auch da sie viel Hintergrundeinblicke in die Ära gebracht haben. Ich hatte auch das Glück, dass mehrere Experten auf dem Gebiet der frühen Luftfahrt das Buch auf seine Fakten hin gecheckt haben.

A.Z: Wow, das wusste ich nicht über die Airshows, dass es so etwas heute noch gibt in den USA. Und es ist großartig, dass Sie Experten gefunden haben, die Ihre Fakten durchgegangen sind.

Ihr Protagonst Hitch hat eine so konfliktreiche Vergangenheit in seiner Heimatstaat, kein Wunder, dass er zu Beginn am liebsten immer davon fliegt. War es schwierig oder leicht für Sie, diesen Charakter und seine Entwicklung zu schreiben? (Ich habe die Extras gelesen, zu denen ein Link in „Storming“ führt, und fand das Charakterinterview mit Hitch sehr schön.)

K. M. Weiland: Hitch war einer dieser einfachen Charaktere, der einfach so auf die Seiten sprang. Ich glaube, das liegt teilweise daran, dass seine Stimme unglaublich einfach war – er spricht im Grunde so wie ich.
Es war außerdem sehr schön, diesen Charakter zu schreiben, weil er so voller Konflikte ist. Im Grunde folgt er einfach seinen Impulsen, wo immer ihn die Spontanität hinführt. Er möchte sich nicht mit den Anforderungen anderer an ihn beschäftigen, denn ehrlich gesagt, hat seine Familie sich nie bemüht, ihn zu verstehen oder ihn zu unterstützen. Aber er hat auch schwere Fehler gemacht und möchte sich nicht mit diesen auseinandersetzen.
Ich mochte schon immer Charaktere mit schweren Hintergrundgeschichten. Es scheint, dass ich oft über Charaktere schreibe, die aus dem einen oder anderen Grund, sich außerhalb der Gesellschaft befinden und dann durch eine entscheidene Entwicklung gehen müssen, um ihren Platz in der Welt (wieder) zu finden. Insofern hat es mir – auch aus diesem Blickwinkel heraus – viel Spaß gemacht und es war interessant, Hitch zu schreiben.

Es freut mich zu hören, dass Sie die Extras gefunden haben. Es ist immer schön zu hören, wenn Leser sie sich angeschaut haben.

A.Z.: Ich schätze, Charaktere mit schweren Hintergrundgeschichten und vielen inneren Konfikten sorgen mit für die besten Geschichten ;) Übrigens, die Extras waren eine tolle Idee, bitte machen Sie das auch beim nächsten Buch, wenn Sie die Zeit dafür haben.
Wo wir davon sprechen, können Sie uns etwas über Ihren nächsten Roman „Wayfarer“ verraten? Nachdem, was ich bisher gelesen habe, handelt es sich um eine Art Superhelden Geschichte, die in der Regency Ära [Anmerkung: die Epoche vor der viktorianischen] spielt – klingt auch für Steampunks interessant, schätze ich.

K.M. Weiland: Ja, definitiv. Ich habe die Extras auch für „Dreamlander“ gemacht und plane sie auch für zukünftige Romane. „Wayfarer“ ist meine historische Superhelden Geschichte. In der Entstehungsphase war es etwas in der Art von „Jane Austen trifft Spiderman“. Es wurde dann letztendlich etwas mehr Charles-Dickens-mäßig (Taschendiebe, Schuldner im Gefängnis und schwierige Halunken) als Jane Austen (nur ein einziger Ball!) Aber ich liebe Dickens, insofern war ich ganz glücklich mit der Entwicklung.

Es ist nicht in erster Linie Steampunk (keine Technologie), aber es hat definitiv ein solches Flair – ich habe mich am Steampunk orientiert, wenn es um die Kostüme und (Spoiler!) Monster ging. Ich hatte immer dieses Bild von dem Helden vor Augen, der in einem steampunkigen „Highwayman“ Mantel über die Dächer des Londons aus der Regency Zeit springt. Ich habe gerade die erste Fassung beendet und freue mich schon sehr darauf, bald die Überarbeitung zu machen.

A.Z.: Das klingt faszinierend. „Jane Austen (oder Charles Dickens) trifft Spiderman“ – was für eine Story! :) Hmm, vielleicht ist es nicht direkt Steampunk, andererseits gibt es so viele Subgenres, so wie Steam Fantasy, Dreadpunk Dieselpunk, Gaslight oder andere. Wer weiß, vielleicht haben Sie gerade ein neues Subgenre erfunden?

Meine letzte Frage: Werden Sie „Storming“ bei Lesungen auf amerikanischen Steampunk/ Dieselpunk Conventions präsentieren?

K.M.Weiland: Meine Sachtexte über das Schreiben, auf meiner Website „Helping writers become authors“ halten mich so auf Trab (dieses Jahr veröffentliche ich fünf Sachbücher!) dass ich meine Marketingmaßnahmen vor allem online mache, auch weil ich dadurch die meisten Verkäufe habe [Anmerkung: Miss Weiland veröffentlicht ihre Werke unabhängig von einem Verlag].

Aber das ist auf jeden Fall etwas, was ich im Hinterkopf habe. Es wäre auch toll, bei einer solchen Gelegenheit im passenden Kostüm aufzutreten.

A.Z.: Ich denke, Steampunk Conventions können sehr inspirierend sein und Steampunks sind in der Regel sympathische Leute. Vielen Dank für das Interview, ein frohes Neues Jahr und viel Erfolg mit „Storming“ und allen weiteren Projekten.

K.M. Weiland: Danke! Es war mir eine Freude.

Die Website der Autorin:
http://www.kmweiland.com/

Verlosung und Rezension von Voll Dampf - eine Steampunk-Anthologie

Die Anthologie „Voll Dampf“ ist insgesamt betrachtet sehr actionlastig und spannend. Außerdem stecken die einzelnen Geschichten voller unerwarteter Wendungen.

copyright: Amrun Verlag und Christian Günther

copyright: Amrun Verlag und Christian Günther

Rezension
Das Vorwort stammt von der Raum-Zeit-Kapelle Drachenflug und wirft einen generellen Blick auf die Steampunk Szene, bevor es sich den Autoren zuwendet, die von allen Künstlern die meiste Freiheit haben, wie der Drachenflieger Freiherr von Dunkelfels feststellt.

Den Auftakt der Anthologie bildet eine ungewöhnlichen Geschichte von einem Bühnenmagier und seinem ganz besonderen Kraken: „Valerius von Arbogast und sein fabelhafter Krakun“ von Thorsten Küper. Hierin taucht nicht nur Charles Darwin, Begründer der Evolutionstheorie, in einem völlig unerwarteten Zusammenhang auch, sondern auch eine andere historische Persönlichkeit, aus der Zunft der Schriftsteller – mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, weil ich sonst spoilern würde.

„Die spektakuläre und heldenmütige Entführung der originalgetreuen Lokomotive Emma“ (Matthias Falke) handelt von einer ganz besonderen Lokomotive in einem Science-Fiction-Setting.

„Mach mal Dampf“ von André Wiesler spielt in einem Kriegszenario, welches an den 1. Weltkrieg erinnert. Der Protagonist, ein deutscher Soldat, wird Zeuge, wie ein gewaltiger französischer Kampfroboter (eine Art Mech, wie man ihn aus „Battletech“ und ähnlichen Szenarien kennt) in die Schlacht eingreift.

„Träum weiter“ (Peter Hohmann) handelt von Preußen im deutschen Kaiserreich, die gegen Rebellen kämpfen und ein mehrstöckiges, monströses Luftschiff gebaut haben. Doch dann kommt alles anders als erwartet, wie der Anti-Held, ein Journalist, am eigenen Leib erfahren muss.

Auch in „Volldampf zu den Sternen“ (Marco Ansing) ist ein Reporter der Protagonist. In Form von Zeitungsberichten, in denen er sich auch direkt an seine Leserinnen und Leser wendet, beschreibt er turbulente eigene Erlebnisse in Hamburg im Jahr 1899, bei denen er es mit seltsamen „Metallmännern“ zu tun bekommt. Und das ist erst der Anfang…

Die Geschichte „Schwarzfall“ von Frank Hebben beschreibt eine Gesellschaft, die völlig abhängig geworden ist von der Elektrizität des Herrn Tesla. Diese Geschichte wird nicht aus der Perspektive eines oder zweier Protagonisten geschildert, sondern eher aus der Vogelperspektive eines unbeteiligten Beobachters, was sie aber nicht minder dystopisch macht.

In „Ein Gott über den Wolken“ (Achim Zien) erkundet eine Expeditionsgesellschaft im Auftrag ihres Kaisers (eines fiktiven Reiches) einen Gebirgszug auf der Suche nach Rohstoffen und finden ein gestrandetes Luftschiff. Was sie darin finden, verschlägt ihnen den Atem – und macht Lust auf ein längeres Abenteuer in dieser fiktiven Welt.

„Blechschicksal“ (Jan-Tobias Kitzel) erzählt einen überraschenden Steampunk Krimi in London mit mechanischen Tieren, anderen automatischen Wesen und einem Helden der etwas anderen Art.

„Natürliche Auslese“ von Peer Bieber beschreibt eine Alternative Reality in den 1900er Jahren, in der die politischen und religiösen Verhältnisse in Großbritannien, aber vor allem auch in Südamerika etwas anders sind, als wir es aus der Geschichte kennen. Diese Story wird aus der Sicht eines Polarforschers beschrieben. Auch hier tauchen historische Persönlichkeiten ein, z.B. der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen.

Verlosung
Der Clockworker und André Skora, einer der Herausgeber der Anthologie, verlosen zwei Exemplare von „Voll Dampf“ als Taschenbuchexemplar (190 Seiten). Wer gewinnen möchte, schreibe bitte bis 31.12.2015 an buch(at)clockworker.de mit dem Betreff „Verlosung Voll Dampf“.

Das Buch auf der Seite des Amrun Verlags:
http://www.amrun-verlag.de/produkt/voll-dampf-fiktionale-steamgeschichten/