Im Salongespräch: Coppelius

Anlässlich der neuen CD „Extrablatt“ tourten die Herren der Band Coppelius bis einschließlich diese Woche durch ganz Deutschland. Mit Stolz darf ich sagen, vier davon besucht zu haben um auf dem für mich vierten in Leipzig in der Moritzbastei die Chance zu nutzen einige Worte an die Herren zu richten.

Die Herren Sissy Voss und Max Coppella, ihres Zeichens Bassist und Klarinettist/Sänger waren so freundlich mir einige Fragen zu beantworten (und meine vorhandene Nervosität zu ignorieren).

Herr Voss und Mademoiselle Ayra

Herr Voss und Mademoiselle Ayra mit gesunder Konzertverpflegung

Ayra: Aus gegebenem Anlass: Die für den 10.03. geplante Aufnahme für die Live-DVD musste wegen Locationwechsel verschoben werden, steht schon eine neue Location, ein neuer Termin an? Gibt es schon Neuigkeiten, oder muss die Aufnahme ganz ausfallen?

Max Coppella: Wir müssen uns immer einen Plan machen, wie wir diese Sache versprechen können, um es hinterher wieder zu leugnen und abbrechen zu können. Dieses Mal ist es uns gelungen und wir hoffen dann auf das nächste Mal, aber wir müssen uns erst etwas dazu überlegen.

Sissy Voss: Uns ist natürlich auch klar, dass das immer größer werdende Verstimmungen nach sich zieht. Und die Auswirkungen nehmen immer mehr die Form eines Tsunami an. Aber im Augenblick haben wir folgende Situation: Wir haben gerade einen Butler-Out. Ja, unser Butler ist leider ziemlich erkrankt und nun ist ja auch offensichtlich, dass wir im Augenblick ein Problem haben diese DVD-Aufzeichnung anzugehen.

Herr Coppella und Mademoiselle Ayra

Ayra: Und wäre dann eventuell eine Live-CD eine Alternative?

Max Coppella: Man muss sich das so vorstellen: Man geht zu einem Konzert und man erlebt etwas, was einem sehr gut gefällt. Wenn das versucht wird zu bannen, auf irgendwelche Medien, wie eine Schallplatte, eine Kassette, ein Grammophon oder Ähnliches, dann klingt es nicht mehr so, wie es im Original war. Es wird sozusagen entzaubert und das ist bei Coppelius ebenfalls der Fall. Coppelius haben diesen Effekt sogar erfunden! Und man kann dazu sagen, wie nennt man so etwas? So eine Entzauberung?

Sissy Voss: Das weiß ich nicht, aber es gibt einen berühmten Dirigenten Celibidache, der sich zeitlebens daran gehalten hat, keine Aufnahmen zu machen, weil auch er das für unmöglich hielt. Die schönste Äußerung, die er mal auf einem Konzert bekommen hat war von einem Fan, der nach dem Konzert gesagt hat: „Maestro, es ist so!“ und das war für ihn das größte Kompliment, dass er zeitlebens erhalten hat.

Man kann dieses Problem nicht in Worte fassen, denke ich.

Max Coppella (unterbricht): Doch! Mir ist ein Wort eingefallen: Es ist eine Entcoppelianisierung!

Sissy Voss: Ja, das stimmt! Oder wie man auch schön sagen kann: Ein Konzert ist ein Konzert ist ein Konzert.

Graf Lindorf

Ayra: Darf man denn dann auf mehr Konzerte hoffen? Als Gegenzug?

Max Coppella (lacht)

Sissy Voss (leicht entrüstet): Man sie nehmen uns aber hart ran heute!

Max Coppella: Ich glaube, das müssen andere Leute entscheiden. Wir haben uns eigentlich so gut wie nie dagegen verwehrt irgendwo zu spielen, aber die Veranstalter haben das grundsätzlich immer anders gesehen als wir.

Ayra: Kommen wir nun zum neuen Album Extrablatt. Ich habe mich da mal bei den Fans umgehört, was dort gerne gewusst würde. Eine Frage, welche immer wieder aufkam war, dass im Vorfeld mehrfach der Wunsch nach einer Klavierversion von „Rightful King“ geäußert wurde. Was ist ddaraus geworden? Vor allem, nachdem man das Appetithäppchen beim Videodreh von „Spieldose“ gesehen hat, mit der Orgelversion. Kommt da noch was?

Max Coppella: Es gab schon ein paar Aufnahmen dazu. Es ist aber nicht dazu gekommen, dass es fertig wurde, denn es gab einfach vorher schon so viele Stücke. Es gibt jetzt auch viele Stücke, die nicht auf dieser CD zu hören sind, die ebenfalls heimlich mitgeschnitten wurden. Diese Orgelversion wurde ja nun nicht ganz heimlich mitgeschnitten und war deshalb auch zu sehen und Coppelius dachten sich wahrscheinlich bzw. die Leute, die das veröffentlich haben, denn das sind ja nicht wir gewesen, das ist nicht spektakulär genug, nicht interessant genug. Wahrscheinlich wird es erscheinen, wenn man am wenigsten damit rechnet.

Herr Voss in Aktion

Ayra: Zählt zu den nicht veröffentlichten Liedern auch das von den Fans gewünschte Lied über den Zylinder?

Sissy Voss: Mal eine Gegenfrage: Was erwarten sich die Leute denn von einem Lied über einen Zylinder?

Ayra: Das ist eine gute Frage.

Sissy Voss (ungläubig): Das ist eine Hutbedeckung! Eine ziemlich alte sogar!

Max Coppella (kichert): Hutbedeckung?

Sissy Voss: Eine Kopfbedeckung.

Nobusama

Ayra: Der kann ja viel erlebt haben, wo er überall rumgekommen ist…

Sissy Voss: Aber kann nicht davon sprechen!

Ayra: Naja, das weiß man nicht, wenn es schon eine reisende Litfaßsäule gibt, dann kann es auch sprechende Zylinder geben.

[Anmerkung: Die Herren reisen nach eigenen Angaben in einer Litfaßsäule von Konzert zu Konzert]

Sissy Voss: Na da vergleichen sie aber Äpfel mit Birnen!

(Lachen)

Sissy Voss: Haben sie schon mal etwas von einem reisenden Zylinder gehört?

Max Coppella: Also offenbar haben hier viele Leute eine gute Art von Phantasie und wir sind sicherlich sehr bereit dazu, einen Text, der bereits fertig ist, zu vertonen. Allerdings müsste dieser Text erst mal da sein.

Ayra: Ist das ein Aufruf einen Text selber zu schreiben und diesen dann von Ihnen vertonen zu lassen?

Max Coppella: Das Problem, das dabei bestehen könnte, ist, dass einem nichts dazu einfällt. Dass es also einen tollen Text gibt und man trotzdem von der Muse nicht geküsst wird und die Enttäuschung wäre doch sehr groß. Aber ich wäre grundsätzlich offen dafür.

Sissy Voss: Ja, würde ich auch sagen. Einfach probieren.

Max Coppella

Ayra: Ich glaube, das freut gewisse Fangruppierungen dann sehr, wenn das Interview veröffentlicht wird.
Noch eine Fanfrage:Beruht „Locked out“ auf einer wahren Begebenheit aus dem Leben der Herren?

Sissy Voss: Nein, ist total hypothetisch ausgedacht, hat nichts mit der Realität zu tun, ich wüsste auch gar nicht, wem so etwas passieren sollte…

Max Coppella: Also ich hatte mich dazu einmal geäußert, dass ich zu diesem Text inspiriert wurde von einem Traum. Das Ende dieser Geschichte ist ja so, dass der Akteur, der das singt; in der Ich-Person erzählt, nicht mehr lebt am Ende des Stückes, oder sagen wir mal; kurz nach Ende des Stückes. Aus diesem Grunde kann es ja eigentlich nicht nach einer wahren Begebenheit aus dem Leben der Herren spielen, denn noch leben wir.

Ayra: Noch, mit vielen Mittelchen, haben sie sich gut gehalten für ihr Alter.

[Anmerkung: Nach eigenen Angaben sind die Herren im Alter von ca. 250 Jahren]

Max Coppella: Ja. (räusper)

Sissy Voss: Sie sehen also: es ist eine Geschichte aus der Traumwelt der Herren.

Ayra: Die letzte Frage zum Album und zur Konzerttour: Die Herren reisen in einer Litfaßsäule, ist das nicht ein bisschen eng? Oder verhält es sich damit wie mit einem gewissen Reisevehikel eines englischen Doktors? Ich sag da nur „It’s bigger on the inside“.

Max Coppella: Ja, das könnte man so sagen.

Sissy Voss: Ja, es ist ja auch so: die Litfaßsäule ist ja nur der Ausstieg.

Ayra: Da ist also noch viel, viel mehr hinter?

Sissy Voss: ja, it’s bigger… (stockt)

Ayra: …on the inside.

Max Coppella: Ja, und das ist auch gut so.

Ayra: Sind denn da die Baupläne bei einem gewissen Doktor aus England geklaut worden?

Max Coppella: Dazu können wir nichts sagen.

Sissy Voss (entrüstet): Wir klauen niemals! Wir sind ehrliche Leute, die niemals etwas Illegales tun würden! Das ist uns sehr wichtig!

Max Coppella: und Butler Bastille ist nun auf mysteriöse Weise heute nicht anwesend, um darauf antworten zu können.

Ayra: In Ordnung, dann kommen wir jetzt zur letzten Frage, zur Steampunk bezogenen Frage: Und zwar ist es nämlich so, wenn man in Deutschland nach Steampunkbands fragt, wird immer wieder Coppelius genannt, was halten sie davon?

Sissy Voss: Ja, sehr nett, dass die Leute Worte finden, um uns zu beschreiben. Das hilft uns natürlich nicht weiter. Da geht es uns wahrscheinlich wie allen anderen Bands dieser Welt. Aber, naja, für Unaussprechliches versucht man halt Worte zu finden. Aber es gibt zum Beispiel im Islam diese Regel, dass Gott nicht abgebildet werden darf. Deswegen haben sie so ein wahnsinniges Verzierungswesen und so, und vielleicht ist es bei uns Wortfindungswesen, weil man uns nicht in Worte fassen kann. Und das soll wohl auch möglichst lange so bleiben und vielleicht sogar zur Regel erhoben werden.

Ayra: Also sind sie mit der Bezeichnung „Steampunkband“ überhaupt nicht einverstanden?

Sissy Voss: Also, das ist mir vollkommen wurscht! Die Leute soll‘s einfach ausprobieren, wenn sie sich darüber zusammenfinden können und sich einigen können, dann sollen sie die Worte gerne benutzen, aber uns wäre so ein horrender Blödsinn niemals eingefallen, nicht? Aber das ist ja nur unsere, vollkommen unwichtige Bewertung. Wichtig ist, dass die Leute miteinander reden und Spaß haben und das ist ja letztendlich auch das, warum wir das hier machen. Wir wollen Spaß haben, die Leute sollen Spaß haben und zu unseren Konzerten kommen, damit wir zwei schöne Stunden erleben können. Hoffentlich bald wieder mit unserem Butler!

Le Comte Caspar im Blubberblaseneinsatz

Max Coppella: Ich finde es sehr freundlich, wenn man von verschiedenen Leuten, von verschiedenen Gruppen genannt wird, aber natürlich hat man dann Angst, dass hinterher irgendwann diese Gruppe gar nicht mehr existiert und diese Steampunks alle in der Tat eine Zeitmaschine entwickelt haben und alle damit davon gereist sind in eine entfernte Zeit, wo wir gar nicht existiert haben. Vielleicht auch länger als vor 200 Jahren.

Ayra: Also Steampunk ist ja mehr eine Rückbesinnung, also wenn es eine Zeitmaschine gäbe, dann würden sie wahrscheinlich eher zurückreisen [ins 19. Jahrhundert] und da gab es die Herren ja schon.

Max Coppella: Ja gut, aber sie würden vielleicht sich ein wenig verschätzen mit dieser Maschine. Es hat ja bisher noch keiner ausprobiertbzw. es ist noch niemand zurückgekehrt.

Sissy Voss: Das richtig schlimme ist ja, wenn sie wirklich in die Vergangenheit reisen können, sind wir auf einmal die Nachahmer!

(lachen)

Sissy Voss: Sehen sie? Das nennt man Loop! Ein Steam-Loop.

Ayra: Das ist ein sehr schönes Schlusswort. Dann bedanke ich mich ganz herzlich im Namen des Clockworkers und unserer Leserinnen und Leser für dieses Interview.

Das neue Album Extrablatt kann beim Krämer oder hier im Bordeinkauf erworben werden. Mehr Bilder vom Konzert gibt es übrigends hier.

Wer Coppelius einmal Live erleben möchte (und das empfehle ich dringend!), hat dieses Jahr noch diverse Chancen dafür:

Bleibt nur noch zu sagen: Coppelius hilft!

Der Aethernaut des Herrn Aeon Junophor

Werthe Mitreisende und Besucher des Rauchersalons.

Soeben ist uns Unglaubliches in der Redaktion des Clockworkers widerfahren.
Wie aus dem Nichts erschien unvermutet Herr Aeon Junophor in unseren Redaktionsräumen. Nach dem ersten Schrecken ließ sich das Rätsel schnell lösen indem Herr Junophor berichtete, daß er sich gerade auf dem „Rückwege“ von dem Jungfernfluge mit der Zeitreisemaschine „Aethernaut“ befände und wohl die Rückflugkoordinaten versehentlich falsch eingegeben habe, da sein ursprüngliches Ziel der Rauchersalon gewesen sei.

Die Gunst der Stunde nutzend können wir Ihnen nun exklusiv dem ausführlichen Berichte von Aeon Junophor im Rauchersalon voraneilend die nachstehende kurze Mittheilung über die Junophor´sche Zeitreisemaschine „Aethernaut“, bringen:

Der Junophor´sche „Aethernaut“ ist vom Antriebstypus her eine sogen. „Plasma-Dampf-Lokomobile“, die bekanntlich heute sowohl in wissenschaftlichen als auch in privaten Zeitreisemaschinen als motorische Kraft in ausgedehntem Maße verwendet wird. Sie arbeitet, wie schon angedeutet, nach dem Zeithochdrucksystem und unter Verwendung der „Tempus Fugit“ Kraftspeicher.

Der innere Antrieb mit einer dreistufigen Plasma-Einspritzkondensation versehen.

Von der Bauart der Junophor´schen Zeitreisemaschine „Aethernaut“ geben nachstehende Zahlen ein Bild. Die Apparatur ist 0,50 m hoch, 0,20 m tief und 0,25m breit. Sie wiegt etwa 3,0 kg. Die Zeitreiseleistung ist mit 200 Dekaden recht großzügig bemessen und sichert so eine unbeschadete Rückkehr zum Startorte jederzeit zu.

Der Kessel, umkleidet mit gediegenem Kupfer, birgt einen Röhrenkessel von 25 qm Heizfläche, ist samt der aus einem Stück gefertigten Wellrohrfeuerbüchse -System Plasmonium-, ausziehbar, um eine schnelle, bequeme und gründliche Reinigung von Plasmasteinansätzen sowie Zeitdruckresten zu ermöglichen.
Hoch- und Niederdruckcylinder sind vollständig im Dampfraum gelagert, so daß also alle Plasmakondensations- und Zeitdruckverluste des Arbeitsdampfes vermieden sind. Es ist bekannt, daß in der hieraus sich ergebenden Verbilligung der Plasma- Betriebskosten ein wichtiger Vorzug dieses Zeitreiseantriebes liegt. Die Normal- Zeitdruckleistung entspricht einem Aequivalent von 250 Pferdestärken, das Aequivalent der Maximal-Zeitdruckleistung beträgt 460 PS.
Für die Plasmaenergie Bevorratung finden die sagenhaften „Tempus-Fugit“ Akkumulatoren ihre Anwendung.

In Kürze wird Herr Areon Junophor das Projekt ausführlich in der Erfinderwerkstatt vorstellen, wenn er denn die richtigen Koordinaten ermittelt hat und heil und sicher im Salon gelandet ist.

Seien Sie gespannt

Im Salongespräch: Aeronautica

Heute im Salongespräch: Felix und Tobias von  der selbsternannten „ersten deutschen Steampunk-Metal-Band“ Aeronautica. Seit kurzem ist Ihre erste EP „Maschinengeist“ erhältlich!

Wie lange beschäftigt ihr euch schon mit dem Genre Steampunk?
Tobias: Wir kennen Steampunk schon etwas länger, aber richtig beschäftigen wir uns seit etwa zwei Jahren damit.

Was macht Steampunk für euch aus?
Felix: Steampunk ist eine wunderbare Fantasiewelt, in der man sich einfach austoben kann, und wir toben uns eben mit Musik aus.
Tobias: Steampunk ist auf jeden Fall ein Gebiet, auf dem man sehr kreativ sein kann. Es ist etwas Neues im Gegensatz zu anderen Genres, die schon oft genutzt wurden.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Steampunk-orientierte Band zu gründen?
Felix: Ich bin über die Google Bildersuche durch Zufall auf ein Bild gestoßen, auf dem eine Steampunk Gitarre zu sehen war.
Tobias: …sehr aufwändig gestaltet, mit Kupferohren und so weiter…
Felix: … das hieß halt Steampunk Gitarre.
Tobias: Das war dann so die Initialzündung!
Felix: Das Interesse war geweckt, wo es her kommt.
Tobias: Wenn wir Musik machen, dann wollen wir was Neues machen, was es so noch nicht gibt.
Felix: Und beim Steampunk ist es genial, dass es keine feste Musikrichtung ist, da kann man kreativ sein.
Tobias: Wir hatten am Anfang viele Ideen für Dinge wie Bühneneffekte etc., die wir zwar jetzt noch nicht alle umsetzen können, die langfristig aber bestimmt machbar sind, wenn auch das entsprechende Geld da ist.

Wie seid ihr auf den Namen Aeronautica gekommen?
Felix: Lange Geschichte, wenn man sagt wir brauchen einen Namen, dann gibt’s erst mal keinen. Man überlegt und überlegt und findet keinen oder man hat tausend Vorschläge und kann sich nicht entscheiden.
Tobias: Wir wollten auch vermeiden, etwas eindeutig Deutsches oder Englisches zu nehmen.
Felix: Durch diese Ansprüche ist die Suche nicht gerade einfacher geworden… Schließlich wurde es dann Aeronautica, abgeleitet von Aeronauten, den Pionieren der Luftfahrt und die spielen im Steampunk ja immer noch eine große Rolle.

Für wie wichtig haltet ihr passende Outfits auf der Bühne?
Felix: Sehr, sehr wichtig! Das war auch klar, bevor wir wussten, dass wir Steampunk Musik machen wollen.
Tobias: Unser Booker sprach mal von T-Shirt Bands und das wollten wir eben nicht sein.
Felix: Unabhängig von dem Musikstil und Genre bist du auf der Bühne was Besonderes und musst auffallen und in T-Shirt und Jeans bist du das einfach nicht.
Tobias: Vor allem ist es auch wichtig, dass man auf der Bühne nicht nur mit der Musik begeistert. Es geht um das Gesamtkonzept und dazu zählt dann nicht nur die Musik, sondern eben auch die Kleidung, etc.

Auf welchen Events würdet ihr in Zukunft gerne spielen?
Felix: Willst du Wacken sagen, oder soll ich Wacken sagen?
Wir kommen ja schon aus der härteren Ecke, da ist Wacken natürlich eine Hausnummer!
Tobias: …aber auch die ganzen Gothic Szene Events, wie das Amphi, M’era Luna, Blackfield, WGT usw.
Es ist auf jeden Fall auch immer spannend auf Fantasy und besonders Steampunk Events aufzutreten. Wir waren ja jetzt auch auf dem Aethercircus in Stade, das hat uns gut gefallen, ein sehr schönes Event!
Felix: Wir wollen auf jeden Fall alles mitnehmen, wo man uns spielen lässt. Sonst sind wir z.B. auch auf dem Spaceritter nächste Woche in Oberhausen.

Ist auch ein Video geplant?
Tobias: Geplant ja…
Felix: Wir treffen uns nächste Woche mit jemandem, der potentiell ein Video mit uns machen würde. Zu welchem Song bleibt aber noch geheim.

Wo nehmt ihr eure Inspiration her?
Felix: Alles inspiriert irgendwo, man nimmt mit, was man erlebt, was man sieht.
Tobias: Vieles geht auch über die Atomsphäre, die in anderen Songs auftaucht, die man aufgreifen, ausweiten und detaillierter darstellen kann.

Was möchtet ihr den Lesern des Clockworkers noch gerne sagen?
Felix: Wir würden uns freuen, alle auf unseren kommenden Konzerten zu sehen!


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Wer mehr über Aeronautica erfahren möchte, kann ihre Website besuchen oder am kommenden Wochenende auf eines ihrer Konzerte gehen:

Am Freitag, 28. September im Megaphon Burscheid , und am 29. und 30. September auf dem Spaceritter in Oberhausen.
Oder am 30. November beim Metal for Mercy in Witten.

Und hier könnt ihr direkt mal rein hören ins aktuelle Album Maschinengeist:

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Emporium - Ein Ausflug zum Karneval

Die Aussicht auf eine Karnevalsveranstaltung holt im tiefen Preußen üblicherweise Niemanden vor die Haustür. Gänzlich anders sieht es allerdings aus, wenn sich besagter Karneval als kafkaeskes Kuriositätenkabinett aus einer anderen Welt entpuppt.

Unter dem Motto “Der Karneval ist in der Stadt” lud die Galerie Strychnin in Berlin Friedrichshain am 08. Juni 2012 zur Vernissage der Ausstellung “Emporium”. Gezeigt wurden phantastische und verstörende Exponate, unter Anderem der Künstler Doktor A., Skeleton Heart und Seymour.

Die dunkle Seite

Begrüßt werden die Besucher von der zentral im Raum stehenden Skulptur “Ring Master” des Künstlerpaares Anthony und Lisa Parker, auch bekannt als Skeleton Heart. Sie gestalteten ihren Beitrag zu “Emporium” mit Blick auf die Freak Shows der alten Wander-Karnevale aus viktorianischer Zeit. Viele ihrer Kreationen spielen mit der Wahrnehmung der Betrachter und wirken trotz häufig cartoonesk-überzeichneter Gestaltung erschreckend lebensecht.

Das zentrale Motiv ihrer Werke sei Verzweiflung, erklärte Anthony Parker, bei Skeleton Heart zuständig für die Formgebung und das Bemalen der Kunstwerke, im Gespräch. Die von ihnen portraitierten Charaktere seien zu unserem Vergnügen hier und machten gute Miene zum bösen Spiel. Wie es in ihrem Inneren aussieht, stünde jedoch auf einem Anderen Blatt. Wunderbar erkennbar ist dieses Motiv am Beispiel der Figur zweier siamesischer Zwillinge:

Das eine Mädchen blickt auf eine Weise in den Spiegel, die es ihr erlaubt nur sich selbst zu sehen. Ihre Schwester schaut in ihre Richtung, bleibt aus dieser Perspektive jedoch im Hintergrund. Lisa Parker, die bei Skeleton Heart unter Anderem die Kleidung der Exponate fertigt, führte aus, dass die beiden Mädchen auf eine wunderbar intime Weise miteinander verbunden wären, sich aber gleichzeitig nichts sehnlicher wünschten, als endlich voneinander getrennt zu sein.

Skeleton Heart verwenden bei Ihrer Arbeit viele Originalmaterialien und -requisiten aus dem 19. Jahrhundert, die sie beim Stöbern auf Flohmärkten in Großbritannien erstehen.

Räumlich etwas abgetrennt, im hinteren Zimmer der sehr an eine Berliner Erdgeschosswohnung erinnernden Galerie, laden die Exponate Louis Fleischauers zum Betrachten und Nachdenken ein. Drastisch und sehr körperlich, wirken Werke wie die Corsage “Lady of Scars” verstörend und ästhetisch zugleich auf die Psyche des unvorbereiteten Betrachters ein.

Wesen unter Glas und Mechtorianer

Nicht ganz so düster geht es bei den Figuren des Neuseeländers Seymour zur Sache. Seine Skulpturen wirken wie aus einem von Tim Burton und Terry Gilliam inszenierten Film entsprungen, dessen Drehbuch von Terry Pratchett stammt.

In lockerem Plauderton, bei einer Zigarette im Sonnenschein, erläuterte der Neuseeländer in wundervoll dialektbehaftetem Englisch, dass er schon immer ein großer Fan alter Karnevale gewesen sei. Auch seine Leidenschaft für Steampunk habe sich bereits früh entwickelt. Leider friste Steampunk in Deutschland noch immer ein Nischendasein, die Szene in Großbritannien oder Neuseeland sei ungleich größer.

Seymours Werke bestehen aus einem Fimo-artigen Kunststoff, der im Ofen aushärtet und im Anschluss von Hand bemalt wird. Neben der überaus skurrilen Gestaltung beeindruckt der Detailgrad der nur etwa 10 cm großen Figurinen. Die Glasglocken, in der die Kunstwerke ausgestellt sind, stammen von einer Uhrenkollektion, die Mr. Seymour unlängst erstand, sogleich zerlegte und in seine Arbeit mit einbezog.

Ein großer Fan zweier berühmter Doktoren, Doktor A und Dr. Grordbort, erfüllte sich Herr Seymour unlängst einen großen Traum: Er erstand eine von Dr. Grordborts berühmten Strahlenkanonen – zum Freundschaftspreis, versteht sich.

Leider war der unglaubliche Doktor A nur indirekt durch seine Mechtorians vertreten. Diese wirken live und in Farbe noch um Einiges imposanter als auf Photos und Abbildungen. Viel Messing, und Kupfer, in Verbindung mit angemessen-kultiviertem Erscheinungsbild und Habitus, weisen die ca. 25 cm großen Maschinenwesen als wahrhafte Bewohner des Aether aus.

Familiär und herzlich

Ein Besuch im Emporium lohnt sich! Die freundlich-aufgeschlossene Crew der Galerie Strychnin lässt mit ihrer herzlichen Art den Aufenthalt der Gäste zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.

Auch die anwesenden BesucherInnen zeigten sich enthusiastisch. Gelobt wurde neben der Qualität der Ausstellungsstücke vor Allem das Raumkonzept der Ausstellung: Die Organisatoren setzten diesmal auf viel freien Raum zum stöbern, flanieren und plaudern, so dass sich die Gäste angenehm frei bewegen und verteilen konnten.

Erst am späteren Abend füllte sich die Galerie merklich, das lag aber sicher auch am Wetter – draußen schien herrlich die Sonne.

Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Juli geöffnet.


Text: Andreas Kruck
Photos: Leon Weidauer (CC BY-NC-SA 3.0)

FedCon: Dr. Grordbort und die Steampunks

Der Steampunk wird sie kennen: die Strahlenwaffen des Dr. Grordbort, die von der neuseeländischen SFX-Schmiede Weta Workshop als Sammlerobjekte angeboten werden. Der Mann hinter dem Projekt ist Greg Broadmore und der war auf der diesjährigen FedCon in Düsseldorf nicht nur persönlich anzutreffen, sondern brachte auch gleich seine Dr. Grordbort-Ausstellung mit, die bereits in zahllosen Ländern der Erde bewundert werden durfte. Eindrücke von den Exponaten findet der geneigte Leser in diesem Artikel.

Gleichzeitig plauderte Greg während eines Vortrags aber auch ein wenig aus dem Nähkästchen des Designers und Nerds und stellte das Projekt und den Werdegang genauer vor.

Greg, der mit seinem gigantischen Vollbart auch rein optisch in seine Werke passen würde, bezichtigt sich selbst des Nerd-Tums (liebt Comic, SciFi, Phantastik, ist zudem passionierter Computerspieler und trug am Donnerstag als Beweis ein Half Life 3-TShirt) und war Zeit seines Lebens dem Schaffen von Kunst und dem Design verhaftet. Auch in Neuseeland ist das leider oft eher brotlos und so hatte er sich im Prinzip bereits damit abgefunden, sich als Arbeitsloser oder Gelegenheitsjobber durchs Leben zu schlagen und währenddessen zu zeichnen, was das Zeug hält.
Doch dann wurde man bei Weta Workshop auf ihn aufmerksam und er selbst bezeichnet seine Anstellung dort als »das Größte was ihm hätte passieren können«.
Als Production-Designer hat er an diversen Filmen mitgearbeitet, unter anderem an DISTRICT 9 oder NARNIA, aber gleichzeitig gibt man ähnlich wie bei Google auch bei Weta den Mitarbeitern die Möglichkeit, eigene Projekte zu verfolgen.

Greg zeichnete diese abgefahrenen Strahlenkanonen und Szenerien aus einer interplanetaren Kolonialzeit, die es so nie gegeben hat und sein Chef Richard Taylor war davon so begeistert, dass er den Zeichnungen mehr Leben einhauchen wollte.

Zuerst gab es »nur« die Rayguns, die Strahlenkanonen, die als »Repliken« bezeichnet werden, obwohl es sie natürlich so nie wirklich gegeben hat und die in limitierter Auflage produziert und verkauft wurden. Dabei legte man laut Greg Wert darauf, dass die Waffen möglichst »echt« wirken sollten, also keineswegs wie Spielzeug, oder wie etwas, das man sich als Hochglanzobjekt in den Schrank stellt, sondern wie wirklich – natürlich innerhalb ihres phantastischen Kontextes – »reale« Stücke.

Durch die zugehörige Webseite und die Fahrt aufnehmende Steampunk-Bewegung errang Dr. Grordbort trotz des insbesondere für deutschsprachige Fans leicht sperrigen Namens aber so viel Aufmerksamkeit, dass schnell mehr daraus wurde. Greg sagte »es verselbstständigte sich«. Inzwischen sind nicht nur die Strahlenwaffen nach wie vor erhältlich (nun auch in Miniaturausführungen, die den Geldbeutel des Interessierten bei weitem nicht so belasten wie die großen Modelle), sondern es gibt zudem mehrere von Greg gezeichnete Comic-Bände über die Abenteuer verschiedener Protagonisten seines Universums, und eben die Ausstellung, die erfolgreich um die Welt tourt.

Dabei ist ihm klar – und das ist auch explizit so gewünscht – dass die Inhalte mit dem zentralen Thema »Kolonialisierung«, angelehnt an unsere reale Historie, nicht immer politisch ganz korrekt ist. Lord Cockswain beispielsweise ist ein Misanthrop, der am liebsten mit seiner Strahlen-Blunderbuss auf Mars und Venus endemisches Großwild jagt und einheimische Intelligenzen als untergeordnet ansieht. Doch das gesamte exotische Setting und eben insbesondere auch, dass nicht alles eitel Freude und Frieden ist (ganz im Gegenteil), faszinieren den Erfinder. Und wohl auch die Fans, denn die Comic- und Bildbände verkaufen sich wie geschnittenes Brot (sind nur leider hierzulande oft schwer zu bekommen – auf Amazon.de erhält man: »Dr. Grordbort Presents Victory: Scientific Adventure Violence, Volume 127: For Young Men & Literate Women
«, sowie »Doctor Grordbort’s Contrapulatronic Dingus Directory«).

Greg Broadmore ging auch noch kurz darauf ein, wie er arbeitet. Viele seiner Landschaftsbilder entstehen aus einfachen groben oder abstrakten Skribbles, die dann stufenweise verfeinert und erweitert werden bis er dann ganz zum Schluss feine Details und gegebenenfalls technisches Gerät und Personen hinzufügt. Er arbeitet inzwischen fast ausschließlich in Photoshop und mit dem Grafiktablett – und bedauert das fast ein wenig, aber die Vorteile dieser Technik überwiegen bei Weitem.

Während seines Vortrags stellte ich die Frage nach einem Film, und ob es eher eine Realverfilmung oder etwas Animiertes werden würde.
Ja, man habe bei Weta Workshop schon über einen Film nachgedacht und er persönlich würde sich eine Realfilm-Umsetzung wünschen, die dann aber selbstverständlich heftigst mit CGI angereichert werden müsste. Er war sich aber auch darüber im Klaren, dass solch eine Produktion nicht ganz billig werden würde und auch wenn man bei Weta schon einmal über ein solches Projekt geredet habe, fehlen bislang noch die Geldgeber. Grinsend sagte er in Richtung der Anwesenden, wenn jemand also zufällig 80 oder 100 Millionen Kiwi-Dollar über habe, dann wüsste er etwas mit dem Geld anzufangen … Auf jeden Fall ist die Möglichkeit da, ob sie umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt, aber ich würde mir einen solchen Film auf alle Fälle ansehen. Mir fiel sofort Kickstarter ein, aber dieses Projekt wäre vielleicht eine Nummer zu groß für die Crowdfunding-Plattform …
Neben dem Film wollte er auch ein Computerspiel nicht als Möglichkeit ausschließen, wenngleich hier selbstverständlich Ähnliches zur Machbarkeit gilt, wie bei einer Kinofassung des Stoffes.

Auf Steampunk angesprochen gab er zu, dass ihm zwar bewusst ist, dass seine Visionen zwar auch dorthin passen, erläuterte aber, dass er persönlich eher vom Dieselpunk und vom Art Deco kommt. Wenn man etliche seiner Bilder betrachtet, kann man das auch deutlich nachvollziehen, dennoch nennt er einen Zeitraum von den 1880ern bis zu den 1930ern als Hintergrund für seine Kreationen, unter diesem Aspekt ist eine Einstufung einiger der Werke als Steampunk sehr naheliegend.

Deswegen war es natürlich fast zwingend, dass die anwesenden Steampunks sich zu einem Fototermin in der Ausstellung versammelten, denn es gab definitiv keinen geeigneteren Ort dafür. Auch der Termin war gut gewählt, denn da William Shatner gerade sein Panel abhielt, war der Raum zum Zeitpunkt des Treffens bar jeglicher anderer Besucher.
Die anwesenden Ladies und Gentlemen versammelten sich für diverse Ablichtungen um die Statue von Lord Cockswain und auch Greg Broadmore ließ es sich nicht nehmen, auf ein paar der Fotos selbst in Erscheinung zu treten. Und auch, wenn er in seinem Vortrag wie oben erläutert ja behauptet hatte, er käme eher vom Art Deco – das Leuchten in seinen Augen angesichts der passend Gekleideten in seiner Ausstellung war kaum zu übersehen.

Abschließend ist für mich persönlich zu sagen, dass die Ausstellung und Greg Broadmores Vortrag zu den absoluten Highlights der FedCon gehörten, dagegen kann auch das aufgefahrene Staraufgebot nicht einmal ansatzweise anstinken. Aber da mag jeder andere Prioritäten besitzen …

»Kia ora!« nach Neuseeland und Danke für die großartige Ausstellung und den gelungenen Vortrag. Und Dank auch an die anwesenden Damen und Herren in der äußerst angemessenen Kleidung für den Fototermin.

Impressionen der Ausstellung

Impressionen der Steampunks

Mit ergebenstem Gruße
Professor X
alias
Stefan Holzhauer
phantanews.de

alle Bilder sind von mir und stehen unter CC BY-NC-SA, die Inhalte der Bilder der Ausstellung sind Copyright by Greg Broadmore und Weta Workshop, das Buchcover ist Copyright Weta

Links:

http://www.drgrordborts.com
http://www.gregbroadmore.com
http://www.wetanz.com/rayguns/
http://www.drgrordborts.com/exceptional-exhibition/

Steampunkevent "Zeitschneise" in Mannheim

Eigentlich bin ich mir ja recht sicher, dass es inzwischen alle mitbekommen haben dürften, aber schon um der Vollständigkeits Willen, weise ich an dieser Stelle nochmals auf das am 12. Mai im mannheimer Café Prag stattfindende Steampunkevent “Zeitschneise” hin.

Was muss man wissen?

Los geht´s ab 14:00 Uhr, der Eintitt ist frei, der Raum recht begrenzt, wenn´s voll ist ist´s voll (so ist das Leben). Es werden zahlreiche Bastler und Künstler anwesend sein, auch Händler und ein Verlag.
Werft Euch also in Eure beste Klamotte, poliert die Strahlendampfpistolen, entstaubt den Zylinder, ölt das Monokel, stürmt den Friseur!
Wir sehen uns auf der “Zeitschneise”.

P.S.: Für weitere Infos und kurzentschlossene Ausstelleranfragen bitte fix hier nachschlagen.

ESC- The European Steampunk Convention

Wahrscheinlich habt ihr es schon gehört, es braut sich ein pan-europäisches Steampunk Event zusammen, die: “European Steampunk Convention”. Was sich genau dahinter verbirgt, erfahrt ihr jetzt hier.

Die Vision:

Die Steampunkszene in Europa ist aktiv, aber sehr lokal. Das heißt es gibt eine französische Szene, eine niederländische Szene, eine österreichische Szene usw.  (und natürlich auch eine deutsche, bevor sich jemand beschwert). Teilweise ist es sogar so, dass es innerhalb eines Landes mehrere aktive Gruppen gibt, die  relativ wenig miteinander zu tun haben. Die European Steampunk Convention wird das ändern. Sie wird ein Event, dass alle Steampunks in Europa miteinander verbindet, egal wo sie sich befinden.

Was passieren wird:

Da Europa politisch und geographisch geteilt ist, und gerade unsere Osteuropäischen Freunde teilweise nur mit bürokratischem Aufwand in die EU können, haben  wir einen Ansatz gewählt, der Reisen unnötig macht: Wir bringen die Convention zu den Steampunks. Jede Szene soll soweit wie möglich ein lokales Event organisieren, nähere Instruktionen folgen weiter unten. Die Convention selbst wird am 29. und 30. September 2012 stattfinden. Ein  Hauptevent ist die zweite Gaslicht Convention in Luxemburg, organisiert von  unserem geschätzten Dilo Lompazius. Außerdem haben sich schon Steampunks von Spanien über Skandinavien bis Russland gemeldet, die selbst etwas auf die Beine stellen wollen.  Die einzelnen Events werden sich natürlich von der Größe her unterscheiden und manche sind vielleicht nicht mehr als Stammtische mit einem Internetanschluss,  aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir uns alle mal zumindest im Internet sehen, denn hier liegt der Clou: Alle Events werden ins Internet gestreamed, sodass wir alle miteinander reden können. Alles was also zur Teilnahme an der European Steampunk Convention gebraucht wird, ist ein Computer, ein Internetzugang und eine Webcam. Wir werden dafür sorgen dass das Event in Luxembourg  möglichst umfangreich gestreamed wird, einschließlich Musik. Wie das die einzelnen Parallelveranstaltungen regeln, bleibt ihnen überlassen. Der virtuelle Treffpunkt/Chatroom wird im Vorfeld bekannt gegeben. All die, die nicht reisen können oder wollen müssen das also nicht, sie können virtuell live dabei sein.

Was jeder tun kann:

Mitmachen ist, wie gesagt, ganz einfach. Veranstaltungsorte werden rechtzeitig auf der offiziellen Homepage veröffentlicht, und wenn jemand selbst was auf die Beine stellen will, hier sind die Richtlinien:

1. Sammelt eure Freunde ein (auch nicht-Steampunks sind gerne gesehen!)
2. Besorgt euch eine Location
◦  Muss nichts Großes sein, ein Wohnzimmer reicht!
◦  Stellt sicher, dass ihr über Internet verfügt, schließlich werden die einzelnen Veranstaltungen miteinander vernetzt.
◦  Stellt sicher, dass jeder gute Sicht auf den Bildschirm hat, holt euch im Zweifelsfall einen Beamer!
◦  Stellt sicher, dass ihr eine Webcam habt, sodass die anderen Parties euch auch sehen können.
3. Besorgt euch eine Band, einen DJ oder was immer ihr wollt
◦ Das ist OPTIONAL. 2012 ist unser erstes Event in dieser Richtung. Wir fangen also klein an. Am wichtigsten ist,  Steampunks über ganz Europa hinweg zu verbinden.
4. Alle weiteren Punkte der Organisation und wie ihr das genau umsetzen wollt, überlassen wir euch.

Kontakt:

Webseite: http://eurosteamcon.com
Facebook: http://www.facebook.com/pages/EuroSteamCon/187444791332522
eMail: webmaster@dailysteampunk.com

 

 

 

Steampunk Summer at Kew Bridge Steam Museum

Die Greatest Steampunk Exhibition findet zur Zeit im Kew Bridge Steam Museum statt. Organisiert wird sie von der Victorian Steampunk Society dessen Fellowship ein Who is Who des Steampunk Genres ist.
Fast jedes Wochenende widmet sich die Ausstellung einer anderen Facette des Steampunks, während des Besuchs unserer Reporterin war das Thema “Fashion Punk“.  Herzlichen Dank an Judith für die Fotos!

Fotos: Judith

Der Junophor-Plasma-Converter

Für dieses wundervolle Stück Erfinderkunst lassen wir Herrn Aeon Junophor aus dem Rauchersalon direkt selber zu Wort kommen und bedanken uns sehr herzlich für diesen fantastischen Beitrag!

Die Werkmänner der Junophor-Werke haben wieder einmal gezeigt, daß nur Forscherdrang und Wagemut zu Neuem führt. Unlängst kehrten einige Wissenschaftler unversehrt und wohlbehalten von der diesjährigen Nordpolar-Expedition zurück. Mittels eines neuartigen Luftschiffes gelang es Ihnen, den Aehterraum welcher unser Gestade umhüllt, in bisher ungeahnte Höhen zu erforschen. Dabei konnten sie häufiger eine phantastische Himmelserscheinung beobachten, welche sie das „Polare-Nordlicht“ nennen. Nach Rückkehr Aufarbeitung aller gesammelten Fakten, berichteten Sie auch unserem Werkmeister in den glühensten Farben von diesem Lichte. Die Aufzeichnungen ergaben, daß es sich um die edlen Gase der äußeren dünnen, Athmosphäre handelt, welche augenscheinlich durch den starken Magnetismus zum Leuchten angeregt werden. In dem Dampfkraftlabore der Junophor-Werke, ist es nun erstmalig gelungen diese Erscheinung -mittels eines Hochspannungsfeldes-, künstlich zu erzeugen. Dabei konnten die Konstrukteure auf die Erkenntnisse des genialen Wissenschaftlers Nicola Tesla zurückgreifen, der auf diesem Gebiete bereits Fundamentales geleistet hat.

„Die Glimmlampe ist eine Gasentladungsröhre, welche zur Erzeugung eines schwachen, so genannten Glimmlichtes die Glimmentladung nutzt.

Der Glaskolben einer Glimmlampe ist mit einem Gas mit niedrigem Druck gefüllt. Üblicherweise wird das Edelgas Neon verwendet, welches eine orange-rote Farbe ergibt. In den Glaskolben sind des Weiteren zwei nicht beheizte, kalt bleibende Elektroden eingelassen. Das Glimmlicht entsteht an der Kathode; bei Betrieb mit Wechselspannung leuchten abwechselnd beide Elektroden. Da Glimmlampen meist mit dem Edelgas Neon gefüllt sind, zählen sie in dieser Bauform zu den Neonlampen.“

Quelle: Wikipedia


Die nun vorgestellte Konstruktion des Kraftlicht-Plasma-Converters basiert auf diesem Prinzip. Dabei stellt der Schraubsockelkontakt der Birne den Zugang zu der innere Elektrode dar, während der große Messingring auf welchem der Glaskolben fußt, den äußeren Gegenpol bildet. Hierdurch gelingt es, das in dem Glase eingeschlossene Gas in großem Maße zum Leuchten anzuregen. Berührt man nun die Wandung des Glaskolbens mit dem bloßen Finger oder gar der ganzen Hand, so flammen diese Stellen ebenfalls im Inneren hell auf. Mittels eines drehbaren Widerstandes kann die nötige Zündspannnung des Gases gewährt, aber auch ein geringerer Betriebszustand eingeregelt werden. Die elektrische Versorgung des Kraftlicht-Plasma-Converters erfolgt über die neuartigen Kleinakkumultoren, deren geringe Vorratsspannung nur 3 Volt (Gleichstrom) beträgt. Diese werden nun auf kleinsten Raume zu der nöthigen Hochspannung von fast 400 Volt (Wechselstrom) gebracht.

 

„Es läßt sich zwar nicht mit der beeindruckenden Kraft des Nordlichtes vergleichen, doch sei das Werk eine anmutige Näherung der Technik an das Wunder der Natur!“

 

So lautet das Urteil  der beiden Aether-Forscher des Polarinstitutes nach der ersten Vorführung in engstem Kreise.

Nun bieten wir dem geneigten Publikum hier die ersten Lichtbilder zur gefälligen Betrachtung, wobei anzumerken sei, daß die wiedergegebenen Lichterscheinungen sich nicht in dem gewünschten Maße darstellen lassen, wie es sich dem Auge des Betrachters erschließt. Bitte beachten Sie auch die zugehörigen weiteren Bilder im Album: “Plasma-Converter”.

Hochtungsvoll Aeon Junophor

Im Salongespräch: Der Kaiserwagen Sarajevo 1914

Für das heutige Salongespräch hat der Clockworker weder Kosten noch Mühen gescheut. Dafür konnten wir ihre Hoheit, das Automobil in dem der Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin 1914 erschossen wurden, zu einem Gespräch gewinnen. Besonderen Dank gilt Frau Cassandra Furora und Rudolpho Rabenfelde, die sich unerschrocken auf den Weg gemacht haben, um diesen hohen Gast in seinem Heim, dem Heeresgeschichtlichen Museum Wien, aufzusuchen. Die Geschichte entwickelte sich aber völlig anders als erwartet…

Es ist Nacht im Heeresgeschichtlichen Museum Wien.
Lediglich im Sarajevo Raum taucht die Notbeleuchtung einen ausgestellten Gräf & Stift, den Todeswagen des Österreichischen Thronfolgers, in unheimliches Licht. Die Zeiger der Wanduhr zeigen auf Fünf vor Mitternacht.
Cassandra Furora und Rudolpho Rabenfelde – die beiden Reporter des Sentimental Journals, im Auftrag des Clockworkers – sitzen im Schneidersitz auf dem Parkettboden und spielen Karten.
Sie haben den Auftrag, einen angeblichen Spuk in dem Raum auf den Grund zu gehen und womöglich ein Interview mit dem Geist des Erzherzog Ferdinand zu arrangieren.

„Also gut, Casey, Babe. Ich habe einen Zehner, eine Dame, einen Zweier, einen Fünfer und das Herzass. Ich gewinne Schätzchen.“, sagt Rabenfelde grinsend und schnippt sich die Krempe des Borsalinos aus der Stirn. Cassandra legt ihre vier Könige auf den Boden: „ Du spinnst wohl! Du hast einen Scheißdreck, ich hingegen einen Poker!“
Angewidert wirft Rabenfelde die Karten weg: „ Aaach! Das ist doch Pipiquatsch. Das ist alles sinnlos hier. Es geschieht nichts. Hier spukt es nicht. Lass uns abhauen, Kleines.“
Die Wanduhr schlägt Mitternacht.
Ein unheimliches Donnergrollen erfüllt den Raum, das Licht flackert und wilde Schatten tanzen an den Wänden.
Eine grollende Stimme ist zu vernehmen: „ Ihr wagt es an mir zu zweifeln?! Ihr Bürgerlichen! Ich bin es! Der Erzherzog höchstpersönlich, der keine Ruhe findet und bis in alle Ewigkeit mit seinem Todeswagen verbunden bleibt! Huahuahahahaaaa!“
Cassandra wirbelt herum, springt so schnell auf dass ihre Pettycoats rascheln, verharrt in einem Hofknicks und fragt ungläubig den Gräf & Stift: „ Aber seine Kaiserliche Hoheit, Sie, der Erzherzog Franz Ferdinand erlag seinen Schussverletzungen doch im Konak von Sarajevo, der Gouverneurs Residenz. Sind Sie tatsächlich Seine Kaiserliche Hoheit, ja?“

Der Wagen beginnt zu rumpeln: „ Was? Wie? Ja. Nein. Ja. Nein. Möglich. Ich weiß es nicht! Okay?! Na schön. Mist. Verdammt! Erwischt. Ich bin es nicht. Nun zufrieden?! Verdammtes Reporterpack, verdammtes!“
Cassandra geht vorsichtig zu dem Automobil und streicht sanft mit der Hand über seinen breiten Kotflügel. Vorsichtig beugt sie sich vor um in den Wagen zu blicken, was ihr Dekollete ein wenig verrutschen lässt. In diesem Moment startet der Motor, eine Fehlzündung knallt und der Kühlerverschluss springt von der Motorhaube, gefolgt von einer Wasserfontaine.
Der Gräf & Stift murmelt verlegen: „ Oh. Wie unangenehm. So etwas passiert mir normalerweise nie. Aber die letzte Frau die mich berührte, war Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg und Gemahlin seiner Kaiserlichen Hoheit. Der Attentäter, ein bosnischer Serbe, Namens Gavrilo Princip, hat sie – angeblich – unbeabsichtigt erschossen. Naja. Genauer gesagt ballerte Gavrilo wild herum und Sopherl wurde durch einen Querschläger getroffen. Sie starb noch vor dem Erzherzog. Sie verendete auf meinen Rücksitzen. Erst nachdem sie getroffen war, erwischte eine Kugel seine Kaiserliche Hoheit im Hals. Also, wie gesagt – normalerweise habe ich mich unter Kontrolle, gnädige Frau. “
Cassandras Wangen röten sich. Verschämt lächelnd winkt sie ab: „ Aber das macht doch nichts. Wir versuchen es einfach später noch mal, ja?“

Rabenfelde rempelt Furora zur Seite: „ Schluss mit dem Blödsinn! Wer bist Du wirklich, Du sprechender Schrotthaufen?!“
Die Stimme aus dem Gräf & Stift raunt: „ Na schön, na schön – Ich bin nur ein kleiner Dämon. Ihr wisst doch sicher wie das ist, wenn ein Küchengerät plötzlich nicht funktioniert, wenn das Auto aus heiterem Himmel streikt oder der Kühlschrank ohne Grund abtaut. Ich bin so ein Dämon, der sich in Dinge einschleicht und die Kontrolle über sie übernimmt. Nur leider sitze ich in dem Wagen hier seit 1914 fest! Das Blut der Ermordeten bindet mich!“

Cassandra blinzelt mitleidig: „ Ooooch, Du armer Kaiserwagen… Hast Du auch einen Namen, kleiner Dämon, ja?“
„ Herbert. Ich heiße Herbert.“, antwortet der Dämon stolz.
Rabenfelde beginnt zu lachen: „ Hahaha…Na schön Herbi, Du toller Käfer! Also – Du bist ein Gräf & Stift Doppel- Phaeton, Baujahr 1910 und gehörst eigentlich dem Grafen Harrach, richtig?“
Herbert lässt etwas Druck aus seinem linken Vorderreifen zischen, worauf Cassandras Röcke hoch wehen: „ Hehehe…Nicht schlecht, Kleine. Nette Stelzen in hübschen Nahtnylons haben mich immer schon…ähem – Also ja. Ich gehörte dem Grafen Harrach, aber er verlieh mich seinerzeit an den Kaiser. Sämtliche Bemühungen seiner Nachkommen, mich wieder zurück in den Schoß – nein leider nicht in Deinen, Schönes Fräulein Cassandra – der gräflichen Familie zu führen, scheiterten aus rechtlichen Gründen. Und Rabenfelde! Herbi ist mein Vetter aus Amerika, wenn Sie es genau wissen wollen! Ha!“
Rabenfelde tritt gegen die Fahrertür: „ Hey?! Baggerst Du etwa meine Casey an, Du Rostschleuder?! Dir ist wohl die Kurbelwelle durchgebrannt!“
Cassandra streicht mit dem Zeigefinger langsam über die Motorhaube: „ Oh…Hihihi…Du bist ja noch ganz nass von vorhin. Ich finde Dich süß, Herbert. Herbert – ein schöner Name. Hihihi.“

Der Gräf & Stift hupt zweimal und beginnt zu wackeln, bis die Stahlfedern quietschen: „ Ich finde Dich auch süß, Cassandra. Ehrlich. Als ich das, das letzte Mal einer Frau sagte, wurde auf sie geschossen. Aber Gavrilo Princip wurde nicht für den Doppelmord hingerichtet. Er wollte gleich nach dem Attentat eine Zyankalikapsel schlucken, doch erbrach er sie aufgrund der Schläge, die er von der Polizei und Passanten vor Ort bekam. Er wurde zu zwanzig Jahren Kerker verurteilt und starb 1918 in Theresienstadt an Knochentuberkulose. Bevor er starb ritzte er mit einem Löffel in seine Zellenwand: Unsere Geister werden durch Wien wandern. Am Hofe umherirren, die sogenannten Herrschaften erschrecken. Aber seien Sie beruhigt, Cassandra, Sie Schönste der Schönen – ich achte auf Sie. Wollen Sie nicht in meinen Ledersitzen Platz nehmen? Ihre Haut auf meiner…“

Cassandra blinzelt entzückt und kritzelt etwas in ihren Notizblock: „ Gibt es denn auch eine „Frau“ Gräf & Stift? Jemand Besonderen in Ihrem Leben, Herr Dämon, ja?“
Rabenfelde brummt: „ Ja. Den Toaster in der Kantine. Hey?! Ist das Deine einzige Sorge, Casey? Wowow! Du flirtest mit nem Auto! Was soll das?!“
Der Motor des Wagens beginnt schnurrend auf Touren zu kommen: „ Ich bin Single. Aber wenn ich Sie mir ansehe, Fräulein Furora, dann will ich das nicht mehr sein.“

Rabenfelde brüllt: „ So! Das reicht! Hey, Herb! Kennst Du den Film „Christine“? Da war in nem roten 58er Plymouth Fury auch ein Dämon. Der Wagen wurde ständig zu Schrott gefahren, aber der Dämon in ihm baute den Fury immer wieder zusammen. Aus dem Autoradio kamen dabei geile Songs wie „Harlem Nocturne“ oder „ Rock And Roll Is Here To Stay“. Wenn ich Dich zu Schrott fahre Herb, setzt Du dich dann auch selbst wieder zusammen? Meinetwegen kannst Du dabei den Radetzkymarsch trällern, Du Weiberheld auf Rädern!“
Mit diesen Worten schwingt sich Rabenfelde hinter das Lenkrad.
Cassandra ist fassungslos: „ Rudolpho! Was zur Hölle tust Du?! Komm sofort das raus, bevor noch etwas Schlimmes geschieht!“

Der Motor des Gräf & Stift heult auf, als Rabenfelde das Gaspedal niedertritt.
Eine Rauchwolke schießt aus dem Auspuff und der Kaiserwagen rollt tuckernd von seinem Potest, während der Dämon in ihm, ängstlich vor sich hin plappert: „ Oje, oje. Das ist gar nicht gut. Also, das sollten wir wirklich nicht. Halten sie mich bitte sofort an! Das ist sicher nicht erlaubt. Oje. Anhalten! Nein, nein, nein – Sowas ist gar nicht gut…

Rabenfelde beschleunigt den Wagen, umrundet den blutigen Uniformrock des Erzherzogs, der als Ausstellungsexponat in einer Vitrine dient und steuert geradewegs auf eine Wand zu: „ So, Herb! Jetzt zeig mal, dass Du mehr drauf hast als Christine! Baaahn frei!!“

Mit einem ohrenbetäubenden Krach, donnert der Gräf&Stift gegen die Wand und Rabenfelde wird aus dem Auto geschleudert.
Die Alarmanlagen des Museums beginnen zu heulen und Herbert kreischt: „ Verdammter Idiooot! Auuu! Auaaah! Hilfe! Hiiilfeee! Helft mir vor diesem Irren! Aber…aber – Moment mal! Ich bin frei!!“
Ein Schatten huscht aus dem demolierten Kaiserwagen und verschwindet durch eine Mauerritze.
Casandra kreischt: „ Iiiiiieehhh! Hilfeee! Der Dämon ist frei! Helft mir vor dem Dämon!“
Rabenfelde kreischt: „ Auu! Mein Schädel! Wie? Dämon?! Wo? Wieso nennst Du mich einen Dämon, Casey?! ICH habe nicht zugelassen, dass mit dem kill des Thronfolgers der erste Weltkrieg ausgelöst wird! DAS war Herb! Der Arsch ist abgehauen!“
Cassandra packt Rabenfelde am Ärmel: „ Komm! Schnell raus hier! Da, durch das zerbrochene Fenster!“

Als die beiden Reporter in ihrem schwarzen 46er Buick Roadmaster durch die Nacht brausen sagt Furora, hinter dem Lankrad: „ Na, das war ja wieder mal ne Glanzleistung von Dir. Du hast das Auto von unserem Kaiser zu Schrott gefahren. Die Versicherung wird uns ein ganzes Huhn legen!“
Rabenfelde zuckt mit den Schultern: „ Na und? Wenigstens haben wir eine gute Tat vollbracht und einen Autodämon befreit. Wo denkst Du, ist Herb jetzt hin?“
Plötzlich strömt grünes Licht aus dem Autoradio.
Der Song „ We Belong Together“ ertönt und die Türen verriegeln sich von selbst. Wie von Geisterhand richtet sich der Rückspiegel direkt auf Cassandras Augen und blitzt auf. Sie streicht über das weiße Lenkrad. „ Hi Herb, Darling“, flüstert sie zärtlich.

Mit tosendem Zischen züngeln Flammen aus dem Auspuff des Buick, der Motor heult auf, Rabenfeldes Gesicht ist kalkweiß – der große schwarze Wagen schießt in die Mondlose Nacht, während Cassandra nur noch verklärt lächelt.

Im Salongespräch: Clemens Maria Haas und Das Orchester

Für das heutige Salongespräch dürfen wir Clemens Maria Haas und Claudia Mielke auf das Sofa im Rauchersalon bitten. Die beiden sind die kreativen Kapitäne hinter dem Orchester und der Neuen deutschen Klassik über die wir schon mehrfach im Clockworker berichtet haben. Für Freibeuter der Klassik gibt es keine Sommerferien, daher standen sie nicht nur uns Rede und Antwort, sondern touren im Juli auch in kleinerer Besetzung im Norden Deutschlands.

Die Termine für Juli:

  • 23.Juli 2011 Potsdam 19:30 h im “Zirkuszelt Montelino” im Volkspark Potsdam.
  • 28.Juli 2011 Rottweil 20:00 h im “Sonnensaal” im Kapuziner.
  • 29.Juli 2011 Hannover 20:00 h in der “Marlene”.

Ich verfolge das Orchester schon eine ganze Weile, aber auch mir ist noch nicht klar: Wie kam es zu der Idee ein großes Orchester mit eigenen Songs zu gründen und damit langsam aber sicher die Welt zu erobern? Was ist die Geschichte des Orchesters?

Die Idee zu diesem Orchester entspringt dem Wunsch einen Musik-Körper zu schaffen, der den mächtigen symphonischen Klang in einer neuen, volksnahen Art und Weise präsentiert. Dieser Klang soll die Wucht und Wildheit von Rockmusik mit der filigranen Differenziertheit klassischer traditioneller Musik der alten Meister (Vivaldi/Mozart/Brahms) bieten. Die Idee dahinter ist viellicht als retrofuturistisch zu sehen. Der Gedanke ist, die alten Instrumente zu nutzen, weil von ihnen ein sehr romantischer Reiz ausgeht. Das aber entrückt aus dem üblichen ”gestrigen” Orchesteralltag. Wie ein neuer Treibstoff sollen die eigenen Kompositionen eine Reise in die Zukunft ermöglichen. Ein wesentlicher Aspekt ist das Bild. Wir haben von Anfang an gesagt, “Das Auge hört mit”. Also soll der Zauber auch im Optischen und in einer Geschichte liegen, die sich durch das Programm webt. Wir wußten erst garnicht, dass diese Richtung, die auch intuitiv entstand, Stampunk heißt. Wir fühlten uns aber schnell im Steampunk zuhause. Wobei die Musiker weniger die elegante, viktorianische Kleidung tragen. Sie sind Maschinen-Arbeiter im Orchesterschiff mit Gründerzeit-Arbeitskleidung. In unseren Geschichten heißen die Orchester-Musiker “Macchinista”. Höfliches verhalten, Manieren, Werte und Stil sind aber auch bei unseren Haudegen gefordert.

Euer Markenzeichen “Neue deutsche Klassik” ist ein sperriger Begriff, der nicht gerade locker über die Zunge geht und im starken Kontrast zu den ganzen englischen Genre-Bezeichnungen steht. Warum habt ihr diese ungewöhnliche Bezeichnung gewählt und was verbindet ihr damit?

Es ist eine lockere Anspielung auf die Neue Deutsche Welle, zu der ja das Lied “Katharine” gerne zugeordnet wird. Aber es beinhaltet in 3 Worten auch das Wesentliche unserer Ausrichtung: Klassische Grundlagen und Instrumente, mit deutschen Texten und in neuem Gewand.

Bisher seit ihr nur in Berlin aufgetreten, habt ihr Pläne für eine Tour oder ein Album, damit auch der Rest der Republik in den Genuss Eurer Musik kommen kann?

Wir haben jetzt ein Sommerspecial und schicken erstmal eine kleine Expedition durch das Land. Das ganze Orchester ist sehr “sperrig” und passt nur auf große Bühnen. Wir wollen aber endlich raus und haben eine Handvoll Orchestermusiker um den “Kapitän” geschart, die sich nun mutig vor wagen. Im Juli starten wir “DIE FREIBEUTERKONZERTE” in Potsdam, Rottweil und Hannover.

Euer Bühnenoutfit orientiert sich an den Arbeitern des frühen 20sten Jahrhunderts. Hat dieser Retro-Look einen besonderen Grund?

Ja. Es ist ein ganz deutliches Signal an das Elite-Denken der subventionierten Symphonie-Orchester, in denen alles streng und manchmal humorlos zugeht. Das erzeugt bei vielen Menschen, die keine klassische Vorbildung haben, angst und Hemmungen. Daher setzten wir einen Kontrast zum Frack und Abendkleid. Daher die erste Regel: Die hemden dürfen keine Kragen haben. Außerdem müssen die Ärmel aufgekrempelt sein. Hosenträger, Arbeiterboots und Dreitage-Bärte gehören dann auch dazu. Wir haben lange in den Schnitten für Arbeitsbekleidung gesucht. Unsere Hosen und Hemden entprechen Schnitten, die es bereits vor 200-300 Jahren gab und heute noch gibt. Insgesamt also Zeitlos. Und von dem Begriff “Zeit” oder ”Mode” wollen wir auch (soweit das möglich ist) losgelöst sein. Wir wollen mit der Kleidung und dem Ausbruch aus dem Orchestergraben die Freiheit auch zeigen, dass im Publikum getanzt und mitgesungen werden darf.

In Eurem Programm befindet sich auch “Katharine”. Spielt ihr den Song weil es das Publikum erwartet, oder weil du ihn immer noch gerne spielst?

Tatsächlich erwartet das Publikum diesen Song. Ich habe das Lied in meiner Jugend komponiert, getextet und dann viele tausend Male auf den größten und auch kleinen Bühnen gesungen. Die Leute kennen das Lied immer noch. Es ist ein Teil von mir und offensichtlich auch ganz zeitlos. Das erleben wir gerade in diesem Sommer. Ein Party-Sänger hat es gecovert und wieder schlägt es in den Charts ein. Es ist nicht kalkulierbar, aber alle paar Jahre wird “Katharine” von wieder einer Generation neu entdeckt. Bei unserer Orchsterversion, die Live ein 6-Minuten Pauken Solo hat, gehen die Leute richtig ab und freuen sich riesig.

 


KATHARINE Orchesterversion

 

 

Liest man auf der Homepage des Orchesters, findet sich dort die Rubrik “Texte und Geschichten”. Gibt es eine größere Geschichte, die ihr bei Euren Konzerten erzählt?

Es gibt die Episodengeschichte “DAS ORCHESTERSCHIFF”, die Claudia Mielke begleitend zu den Konzerten und Aktivitäten zu dem Orchster schreibt. Hier gerät ein Werbemusik-Komponist durch eine Melodie, die ihm auf der Heimfahrt auf dem Fahrad einfällt, in eine phantstische Parallelwelt, in der Maschinen durch Dampf und die Vibrationen von Musik angetrieben werden. Besonders große Melodien bewegen besonders großen Maschinen. Da es in dieser Welt keine großen Komponisten und Dirigenten mehr gibt, ist er gleich sehr gefragt und wird überall nur “Kapitän” genannt. Dieser will aber ganz schnell wieder nach Hause. Dazu brauche er seine Melodie (die entführt wurde) zurück, ein Orchsterschiff (Flugsegelschiff) und die entsprechende Mannschaft aus Musikern, den Macchinista. Das das nicht ohne Probleme und Abenteuer geht, muss man nicht erklären, oder?

Aus meiner Definition macht das Orchester “Steampunk Musik”, nämlich eine innovative Mischung aus Alt und Neu. Hast du dich im Rahmen der konzeptionellen Arbeit des Orchesters auch einmal mit Steampunk beschäftigt?

Ja, das habe ich oben beschrieben. Besonders Claudia, die Regie und die optische Umsetzung macht, ist da durch Ihren Vater Thomas R. P. Mielke mit SF und Phantastik vorbelastet.

Ein Orchester findet man heute – abseits der klassischen Konzerte – eigentlich nur noch in der Filmmusik. Gäbe es einen Geschichte oder einen Film, den du gerne vertonen möchtest?

Die guten Filme haben bereits gute Musik. Sie ist ja ein wesentliches Element und helfen einen Film zu einem “lieblingsfilm” zu machen. Gerne würde ich DAS SAKRIVERSUM von Thomas R. P. Mielke, das ein guter Filmstoff wäre, vertonen.

Die Salonfragen

Was ist für verkörpert für dich die Essenz des Gentleman/ der Lady?

Manieren, Respekt, ein guter Ton, Hilfsbereitschaft, Loyalität und Einfühlungsvermögen. Generell auch ein Wertschätzung des Lebens.

Was ist deine Vorstellung von einem/dem Paradies?
Melodische Musik

Und deine Vorstellung von der Hölle auf Erden?
Zeitgenössische Klassik

Wie sieht für dich der perfekte Gentleman aus? Kannst du ein Beispiel benennen, lebend oder tot?
Heinz Rühmann

Und sein weibliches Gegenstück?
Grace Kelly

“Mein Königreich für ein Pferd!”, rief Richard der III. Welchem Objekt hast du jemals mit so einer Inbrunst zugerufen?
Meiner 1968er Gibson Les Paul

Welches Kleidungsstück würdest du niemals tragen?
Hauspantoffeln

Welches Laster, wenn es eines gibt, kann in seiner verruchten Form die Kultiviertheit erweitern?
Der Tango

Welche Form der Gesichtsbehaarung ist akzeptabel für einen Gentleman?
Augenbrauen

Die größte technische Segnung?
Das Rad in all seinen Einsatzbereichen. Zahnrad, Fahrrad, Mausrad.

Welche Erfindung fehlt der Welt?
1.) Ein Zeitdehner – Also: Das ist ein kleiner Apparat um das Handgelenk
oder an der Kette in der Westentasche getragen, um knappe Zeit zu
dehnen. (Antwort von Claudia Mielke)
2.) Die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. (Antwort von Clemens
Maria Haas)

Und welche hätte es besser nie gegeben?
Schusswaffen

Im Salongespräch: Banned in Boston

Für das heutige Salongespräch mussten wir das Sofa des Rauchersalons in eine wirklich dunkle Ecke einer geheimen Jazz-Kneipe schleppen. Nur hier konnten wir ein Bandmitglied der Kombo Banned in Boston vor den Notizblock bekommen. Alle anderen Orte wurden als “zu auffällig” abgelehnt… Dafür durften wir mit der bezaubernden Sängerin der Band Miss Penny Dreadful(1) sprechen, die mit ihrem Charme selbst Jessica Rabbit in den Schatten stellt.

Der Bandname “Banned in Boston” könnte auf ein Konzert hindeuten, dass wirklich schief gegangen ist. Was habt ihr euch denn in Boston zu Schulden kommen lassen oder sind Eure Auftritte so unmoralisch, dass sie im sprichwörtlichen Boston unter die Zensur gefallen wären?

Tatsächlich bezieht sich das „banned“ eher darauf, dass wir uns keine musikalischen Diktate oktroyieren lassen. Wir scheren uns nicht um Genregrenzen und spielen genau das, worauf wir Lust haben. Und da wir auch vor einigen sogenannten „Rock- und Popklassikern“ keinen Halt machen, würden uns manche Musikpolizisten bestimmt gerne in den Knast stecken. Als wir beispielsweise „Zombie“ von den Cranberries als heitere Swingversion interpretierten, entrüstete sich ein Fan: „Das kann man doch bei so einem ernsten Lied nicht machen! Das geht doch nicht!“ Genau das ist Banned in Boston. Wir tun es trotzdem – und grinsen uns dabei einen.

Wie hat sich die Band zusammengefunden, besucht ihr den gleichen Speak-Easy?

Basil Blackpool hab ich aus dem Knast geholt und Chopin schuldet mir Geld.

Als Steampunker darf man natürlich nicht darüber klagen, aber die Retro-Welle rollt. 20er Jahre Partys boomen, Max Raabe ist gern gesehener Gast in Talkshows und Electro-Swing erobert die Tanzflächen. Wie erklärst du dir diese Lust am nostalgischen Blick zurück?

Nach dem Mittelalterboom fasziniert jetzt eben der Anfang des letzten Jahrhunderts mit seinem Pioniergeist, dem neugierigen Ausloten von Grenzen, dem Infrage stellen des Althergebrachten und den hemmungslosen Parties. Zweifellos auch eine ganz besondere Zeit, die goldenen 20er, die ganz besondere Persönlichkeiten hervor gebracht hat.
Ich denke, wir sind so übersättigt mit Sinneseindrücken aller Art, dass wir den Reiz des Neuen suchen, des Andersartigen und das finden wir in der verklärten und idealisierten Vergangenheit. Mein Tipp ist übrigens, dass die 50/60er als nächste Epoche einen großen Aufschwung erleben werden.

Einige wenige Konzerte habt ihr bereits gespielt, was erwartet den Zuhörer bei Euren Konzerten?
Amüsement, Vergnügen und das unwiderstehliche Gefühl, mit den Fingern im Takt schnippen zu müssen. Der diebische Spaß und die ehrliche Freude, die wir mit den Songs und beim Auftreten generell haben, kommen glaube ich auch bei den Zuhörern an, zumindest war das bisher stets so.

Was muss man tun damit ihr mal auf meiner Party spielt? Seit ihr bestechlich für solche Abenteuer?

Wir sind selbstverständlich käuflich, wie alle Laster, die etwas auf sich halten, und sind für Hochzeiten, Todesfälle, Geburtstage und wilde Partys jeglicher Couleur zu haben. Für Swing-Tanzpartys unterstützt uns ein legendärer Falschspieler, Dusty Seven, mit Percussion und Schlagzeug – wenn er nicht gerade wieder vor den Bullen flieht.
Das Kleingedruckte lässt sich dann unter booking@banned-in-boston.com regeln.

Um eine Frage kommen wir natürlich nicht umher. Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Mehr von allem.
Mehr Party. Mehr moderne Lieder verswingen. Mehr alte Klassiker entstauben. Noch mehr Spaß haben. Und noch viele schöne Konzerte mehr für Menschen spielen, die eine Party zu feiern wissen.
Ach ja, vielleicht Ende des Jahres auch eine Schellackscheibe pressen, so sich bis dahin ein Mäzen findet. Wir werden sehen. Hauptsache es swingt, denn … It don’t mean a thing if it ain’t got the swing!

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Banned in Boston – Summertime

Salonfragen

Was verkörpert für dich die Essenz des Gentleman/ der Lady?

Ein offener Geist, ein kultiviertes Wesen, heitere Gelassenheit, ein gepflegtes Erscheinungsbild, stets der Situation gewachsen zu sein, ohne die Fassung zu verlieren. Eleganz und Contenance.

Was ist deine Vorstellung von einem/dem Paradies?

Genügend Zeit und ausreichend Mammon sowie die entsprechende Gesundheit, um möglichst viele Dinge dieser wunderbaren Welt erkunden und genießen zu können.
Und zwar für mich und für meine Lieblingsmenschen.

Und deine Vorstellung von der Hölle auf Erden?

Sich mit Aufsprechern, Blendern, Egoisten und dummen Menschen abgeben zu müssen.
Tagein, tagaus ohne Sinn und Ziel zu malochen, bis die eigene Kreativität tot ist.
Ein Leben ohne Musik.

Wie sieht für dich der perfekte Gentleman aus? Kannst du ein Beispiel benennen, lebend oder tot?

Optisch beispielsweise George Clooney (z.B. in der Oceans Serie) oder Sean Connery – gepflegt und graumeliert. In realitas machte für mich Richard von Weizsäcker immer den Eindruck eines Gentlemen, nicht attraktiv aber charismatisch.

Und sein weibliches Gegenstück?

Helen Mirren. Glänzt in jeder Rolle überlegen und altert in Schönheit, Eleganz und Würde. Neben ihr verblassen die Hollywoodchicks. Eine echte Lady.

“Mein Königreich für ein Pferd!”, rief Richard der III. Welchem Objekt hast du jemals mit so einer Inbrunst zugerufen?


Meinem PC. Mehrmals. Allerdings eher in der Art „Du niederträchtige Ausgeburt der Hölle! Tu deine verdammte Pflicht, verflucht noch mal …“

Welches Kleidungsstück würdest du niemals tragen?
Oh da gibt es einige. Ich bin keine Freundin optischer Umweltverschmutzung. Bauchtaschen beispielsweise. Oder Lack-Wurst-Schnür-Kleider.

Welches Laster, wenn es eines gibt, kann in seiner verruchten Form die Kultiviertheit erweitern?

Wenn man es denn als Laster bezeichnen will: Ein schönes Glas guter Port. Eine Nelkenzigarette. Schuhe kaufen.

Welche Form der Gesichtsbehaarung ist akzeptabel für einen Gentleman?

Eine gut gestutzte und gepflegte Barttracht ist nicht nur akzeptabel sondern geradezu attraktiv.

Die größte technische Segnung?

Die Schaffung der wunderbaren weiten Welt der Vernetzung mit all ihren schillernden Gefahren, Möglichkeiten und Wundern.

Welche Erfindung fehlt der Welt?

Ein sicheres, bezahlbares und in Lichtgeschwindigkeit funktionierendes Teleportationssystem.

Und welche hätte es besser nie gegeben?

Abgesehen von sämtlicher Kriegsmaschinerie: Die GEMA.

(1) Wie unsere Agenten erfahren haben, handelt es sich bei Penny Dreadful auch nur um einen Decknamen der Künstlerin. Die Dame verbreitet auch in anderen Genre musikalische Unterhaltung. Wir konnten aufdecken, dass sie als Amber Zeitreisen ins Mittelalter unternimmt und als Doria Gray die Zukunft des Shadowruns unsicher macht. Wir konnten die Spur bis zu diesem Steckbrief weiterverfolgen. Der Agent, der uns diese Nachricht überbrachte, verstarb bald darauf…

Im Salongespräch: Gia Lafae

Zum heutigen Salongespräch dürfen wir die Burlesque-Tänzerin Gia Lafae auf der Couch im Rauchersalon begrüßen. Gia gewann bei der London Burlesque Week 2010 den Titel des “best International Newcomer” und verbindet bei ihren Auftritten die vielen verschiedenen Elemente des Burlesque zu einer bezaubernden Show.

Foto: Foto Graf

Wahrscheinlich hat jeder beim Interview mit einer Burlesque-Künstlerin als erstes die Frage: Warum und wie wird man Burlesque-Tänzerin? Wie bist du dazu gekommen?

Südlicher von Berlin und Hamburg, also auch in Köln, ist Burlesque ja leider noch nicht so verbreitet. Als ich dann vor etwas mehr als 2 Jahren doch mal Live Burlesque hier fand, sah das nach viel Spaß aus und so sagte ich einfach, das kann ich auch (oder sogar besser) und dachte mir meine erste Cabaret Nummer aus.

Du bist Newcomer des Jahres geworden, wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?

Ja, mit meiner Cabaret Nummer wurde ich letztes Jahr im April bei der London Burlesque Week zum “best International Newcomer” gekürt. Ich versuche immer ein bisschen aus der Reihe zu tanzen, also etwas besonderes zu machen. Eine Geschichte erzählen ist klar, das tun auch die meisten aber ich suche mir eher ungewöhnliche Geschichten von mystischen Kreaturen oder Zeiten und Vorbilder heraus die andere weniger wählen, wie den Jahrhundertwechsel mit Isadora Duncan oder 20er Jahre anstatt 50er. Da ich eigentlich aus einem Tanztheater Hintergrund komme, ist mir besonders wichtig bei meinen Performances je nach Geschichte und Musik entsprechende Tanzelemente einzubauen.

Eine der Leserinnen dieses Interviews möchte jetzt auch mit Burlesque anfangen. Wo und wie soll sie starten?

Es gibt in den großen Städten mittlerweile entweder von Veranstaltern von Burlesque Shows oder in Poledance oder Schönheitstanz Studios Workshops für Burlesque. Ein Exotic Dance Workshop wo man die Kunst des gekonnten Entblätterns lernt hilft auch. Dann sollte man sich entscheiden ob man eher Richtung Tanz, Artistik oder auch Richtung Comedy gehen will bei seinen Vorführungen. Ganz wichtig ist auch sich zu überlegen ob man Burlesque eher zum Spaß für Partner und Freunde zu Hause aufführen oder damit öffentlich auftreten will. Im 2. Fall ist es wichtig ein Bühnengefühl und Erfahrung zu zu suchen und das Spiel mit dem Publikum zu üben – vielleicht auch erst mal in kleinerem Kreis unter Freunden.
Viel Anregung bekommt man aber auch beim ansehen von Nummern großer Burlesque Künstlerinnen dieser und vergangener Zeiten.

Was macht für Dich die besondere Erotik des Burlesque aus?

Für mich persönlich, ist Tanz sowieso immer ein bisschen Verführung, Flirt und die beste Möglichkeit Gefühle auszudrücken. Dazu kommt hier das Spiel des kunstvollen Entblätterns mit dem gewissen Augenzwinkern – dem nur angedeuteten Striptease.
Außerdem gibt es kaum einen anderen Bereich der die Frau als das glamouröse wandlungsfähige Wesen was sie ist mit ihrem Körper so gekonnt und vielfältig in Szene setzt. Als Diva, als goldene Göttin, als Elfe, Schelm, Fee oder Puppe, als Schmetterling, Pfau oder Schwan, Sirene oder Zaubererin baut man eine Geschichte auf, gibt ein Versprechen in dem alles sein kann, vom
vom atemberaubend Schönen bis zum Grotesken um am Ende sich und das ganze doch nicht ganz so ernst zu nehmen.

Wie kommst du zu einer neuen Choreographie und wie lange brauchst du für eine neue Show?

Das wichtigste ist eigentlich die Idee und die Geschichte. Die findet man am besten zusammen mit der dazu passenden Musik. Vielleicht ist auch zuerst die Musik da, die zu einer Idee inspiriert hat. Dann überlege ich wie ich die Geschichte aufbaue, welche Gesten, Bewegungen, welcher Tanzstil und welche Accessoires dazu passt.
Mein Wöchentliches Tanztraining in Jazz und Modern Dance hilft enorm beim zusammensetzen einer Choreographie.
Fundamental ist schließlich auch das Kostüm, dessen gekonntes Ausziehen mit in die Choreographie eingebaut werden muß.
Wie lange ich dafür brauche hängt ganz davon ab wie schnell ich die genannten Komponenten dafür finde.

Foto: Jamari Lior

Foto: Jamari Lior

Wie wichtig ist das Bühnenoutfit für den Ausdruck deines Tanzes?
Wie oben schon gesagt ist das Bühnenoutfit praktisch mit Teil der Choreographie und wichtiges Element der Show.  Einmal veranschaulicht es den Kontext der Geschichte und der Figur die ich darstellen will. Dann sollte es den eigenen Körper betonen und in Szene setzen, zum Beispiel durch viele Glitzerelemente. Schließlich ist das das Bühnenoutfit beim Burlesque mehr im Vordergrund als bei allen anderen Performances, da das kunstvolle, nach und nach geschehende und damit eine Spannung steigernde Ausziehen des möglichst mehrteiligen Kostüms bis auf String, Pasties und Glitzerkettchen das ist was diese Kunstform ausmacht.

Gibt es eine typisch deutsche Burlesque-Szene und wenn ja, wie unterscheidet sie ich von der internationalen Szene?


Typisch deutsch ist schwer zu sagen, man könnte vielleicht eher sagen eine typisch Berliner oder typisch Kölner Burlesque Szene wobei das eigentlich auch schon schlecht ist, da diese Städte wiederum sehr unterschiedliche Burlesque Gruppen/Künstler haben je nach Veranstalter oder Orten wo diese auftreten. Man könnte eher unterschiedliche Ausprägungen unterscheiden wie die Comedy und Groteske Richtung einerseits und die Tanz und Artistik Richtung in die auch Zirkus und Vauderville Elemente mit hinein spielen andererseits, wobei man diese auch beide noch unterteilen könnte. In den großen Städten gibt es Vertreterinnen und Vertreter – ja auch Männer machen Burlesque – jeder dieser Richtungen, die aber daher bei sehr unterschiedlichen Veranstaltungen auftreten.
International mischt sich das alles noch eher, wird aber z.B. bei der London Burlesque Week (nächstes Jahr übrigens London Burlesque Olympics) in verschiedene Themenabende aufgeteilt.

Wenn ich Burlesque in Deutschland live sehen möchte, wo sollte ich hingehen?

Die entsprechenden Veranstaltungen oder Orte zu denen Burlesque angeboten wird, wie z.B. die Boheme Sauvage in Berlin, Hamburg und neuerdings auch Köln, die Fete Fatale oder Salon Kokett in Berlin, die Petits Fours Show in Köln, der Bassy Club Berlin. Ja, ich weiß das ist ein bisschen Berlin lastig, aber da ist halt am meisten los in Deutschland und an anderen Orten oft noch zu wenig. England ist da schon weiter. Dann gibt es neben London auch noch die Amsterdam oder Paris Burlesque week. Es hilft auch einfach die z.B. facebook Seiten bekannter Burlesque Künstlerinnen zu besuchen, da sie dort ihre Auftrittstermine veröffentlichen. Mama Ulita z.B. für Leipzig, Sweet Chili für Nürnberg, mich für Köln Bonn ;-) , Beeby Rose für die Niederlande, Lada Redstar International und sehr empfehlenswert…

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Salonfragen

Was ist für verkörpert für dich die Essenz des Gentleman/ der Lady?
Eine Lady ist weltgewandt, abenteuerlustig aber mit Stil, weiß was sie will und wie sie es mit Charme bekommt, weiß wahre Gentleman zu schätzen und genießt es wenn sie ihr die Tür aufhalten und kann trotzdem ihr eigenes Luftschiff reparieren wenn es sein muß.

Was ist deine Vorstellung von einem/dem Paradies?

Realistisch: ein Künstler/Ökohof in mitten der Natur
Unrealistisch: Eine Welt in der man noch wirkliche Abenteuer erleben und etwas bewegen kann, in der es gerecht zugeht, jeder alle Möglichkeiten hat, z.B. auch verrückte Ideen zu verwirklichen ohne anderen zu schaden, ohne die Notwendigkeit von Geld, Konkurrenzkampf, ohne Krankheiten oder Alterserscheinungen (hm klingt wie ne Fantasy Elbenwelt ;-)

Und deine Vorstellung von der Hölle auf Erden?

Eine Welt ohne Liebe, Hoffnung oder Mitgefühl allein auf Profitstreben und Ressourcenausbeutung ausgelegt (wobei menschliche Arbeitskraft auch eine Ressource ist)

Wie sieht für dich der perfekte Gentleman aus? Kannst du ein Beispiel benennen, lebend oder tot?

Steht zu seinem Wort und seinen Prinzipien, auch wenn diese sich nicht unbedingt mit den landläufigen Gesetzen decken müssen, hat tadellose Manieren, Charisma, Charme und Stil, ist weltgewandt und clever und nimmt sich selbst und das Leben nicht immer ganz ernst. Entführt eine Lady in ein Schloß oder das Danieli in Venedig, wo dann neben einem phantastischen Blumenstrauß auch noch der Schrank mit erlesener Garderobe wartet ;-) Gutes Beispiel Alexander Pearce  aus „The Tourist“ – (auch empfehlenswerter Film obwohl ich kein Jolie Fan bin)

Und sein weibliches Gegenstück?

Gleiche Eigenschaften wie oben. Sally Lockhart z.B.

“Mein Königreich für ein Pferd!”, rief Richard der III. Welchem Objekt hast du jemals mit so einer Inbrunst zugerufen?
Na ja, ich habe mich schon mal in einen Stoff oder ein Kleidungsstück verliebt aber ob ich dafür ein Königreich verschenkten würde wenn ich eins hätte? Träumen tue ich ja immer noch von einem Haus im Wald.
Das letzte Objekt großer Begierde von mir, was ich aus zeitlichen Gründen da ein Flugzeug erwischt werden mußte leider nicht mehr geschafft habe zu holen, waren zwei Eichhörnchen in Bangkok. Das wollte ich da aber nur auf dem Wochenendmarkt kaufen um sie dann wieder im Park freilassen zu können.

Welches Kleidungsstück würdest du niemals tragen?

Natürlich gibt es viele Modesünden wie Hawaihemden oder ähnliches die ich unter normalen Umständen nicht anziehen würde, aber man weiß ja nie in was für Situationen manche Abenteuer eine Lady so führen und man zum verkleiden gezwungen ist ;-)

Welches Laster, wenn es eines gibt, kann in seiner verruchten Form die Kultiviertheit erweitern?

Oh, da gäbe es einige, ist nur die Frage ob man sie überhaupt Laster nennen will. z.B. stilvoller Absinthgenuß, Wasserpfeife, Burlesque ;-)

Welche Form der Gesichtsbehaarung ist akzeptabel für einen Gentleman?

Kommt ganz auf den Gentleman an würde ich sagen, obwohl Vollbart eher den wenigsten steht und man bei Oberlippenbärten in Form und Länge da auch viel falsch machen kann. Das gilt wirklich der Spruch weniger ist mehr.  Das gilt auch für Koteletten, die auch nur wenigen Männern wirklich gut stehen. Ansonten mag ich eher Musketier, Ziegen oder Piratenbärtchen oder gar keins.

Die größte technische Segnung?
Warmes sauberes Wasser aus der Leitung!

Welche Erfindung fehlt der Welt?
Ein Teleport Gerät! Vielleicht noch Zeitmaschine

Und welche hätte es besser nie gegeben?
Atom, chemische und andere jedes Leben zerstörende Waffen. Ansonsten gibt es ja dann noch den netten Spruch: „A computer lets you make more mistakes faster than any other human invention in history, with the possible exeption of handguns and tequila”
Was nicht heißt das ich ganz gegen Computer bin, gerade das Internet läßt einen ja schon auch schneller und einfacher an Information kommen nur, verbringt man irgendwie immer mehr Zeit vor dem Bildschirm als mein eigentlich wollte und es gibt noch viele andere schlechte Nebeneigenschaften wie, wie dass jemand darüber auch an all meine gesammelten Daten Interessen… herankommt.

 

Der Hirnrechner

Aus den geheimen Laboren des Horatius Steam kann ein neuer Erfolg gemeldet werden. Erstmalig ist es gelungen, ein menschliches Hirn mit der puren Rechengewalt einer Maschine zu verbinden! Wir gratulieren Herrn Steam zu dieser großartigen Erfindung mit der er unter anderem Skype-Konversationen führen kann.

Der Cortex-Rechner ist ausgestattet mit Mikrofon, Lautsprecher und Kamera. Die LEDs im Hirn werden über den Parallelport des eingebauten Rechners gesteuert und schaltet sie je nach Last der CPU.

Glaubt man den Gerüchten, so will Prof. Simon Wright bald zu Besuch vorbei kommen.

Im Salongespräch: Sean O'Connell

Für das heutige Salongespräch dürfen wir Sean O’Connell auf die Couch im Rauchersalon bitten. Sein Erstlingswerk “Tír na nÓg” nahm die Audible-Hörbuch-Charts im Sturm und bewies mir persönlich, dass es sinnvoll ist, die eigenen literarischen Vorurteile hin und wieder mal zu prüfen.

Sean O’Connell schreibt den Roman „Tír na nÓg“, das klang für mich erstmal nach keltischen Klischees. Gibt es den Sean wirklich und was macht er, wenn er nicht gerade Bestseller schreibt?

Sean: na ja, den Sean gibt es wirklich – er beantwortet gerade die Fragen hier . . . ;-) Warum sollte es ihn auch nicht geben? Falls du meinst, es handle sich um ein Pseudonym, passend zum Buchtitel, da muss ich dich leider enttäuschen. Der Name „Tír na nÓg“ übrigens, sowie die Rolle der Insel in der Handlung des Romans, ist etwas, das über einen relativ langen Zeitraum gewachsen ist. Die Story hat sich– ungelogen! – über Jahrzehnte hinweg aus drei Vorläuferromanfragmenten entwickelt und erst in dieser finalen Fassung wurde mir bewusst, dass ein Kernpunkt der Geschichte, Mythen sind.

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