Rezension: Menschmaschinen - eine Steamcyberpunk-Anthologie

Ob Dampf, ob Öl oder Elektoimpulse – seit jeher träumt der Mensch von der Verbesserung seiner selbst.
Nun haben sich zehn Tüftler an die Aufgabe gewagt, das fleischliche Selbst zu modifizieren und auf eine neue Stufe zu bringen. Ob mechanische Gliedmaßen, dampfende Herzen oder roboterartige Haushaltshilfen – der Traum hat die Realität bereits eingeholt.
Diese Anthologie aus dem Amrûn-Verlag enthält zehn Geschichten aus steam-, cyberpunkigen und transhumanen Welten aus der Feder von Thorsten Küper, Melanie Ulrike Junge, Marco Ansing, Gloria H. Manderfeld, Mia Steingräber & Tobias Rafael Junge, Peer Bieber, Peter Hohmann, Andreas Winterer, Eva Strasser und Anja Bagus. Sie wurde herausgegeben von André Skora.

© Amrûn Verlag 2017, Covergestaltung Christian Günther, Atelier Tag 1

Rezension zu den einzelnen Geschichten

Fitzroy, Falstaff und andere furiose Menschmaschinen – Thorsten Küper
Die erste und zugleich längste Geschichte der Anthologie wird aus der Sicht einer Menschmaschine geschildert – ein Herr, der einst menschlich war und nun im Grunde mehr oder weniger als halb mechanischer Handlanger für eine Dame arbeitet, die auf Rache sinnt. Dementsprechend actionreich ist die Handlung, die bisweilen ziemlich diabolisch wird, stellenweise tragisch und auch mit Andeutungen erotischer Natur aufwartet.

Der Heizer – Melanie Ulrike Junge
Hier wird eine dystopische Welt beschrieben, in der es zwar noch Menschen gibt, die auf der Erde leben, aber auch solche, die in Luftschiffen wohnen und die Erde fast nie betreten. Die Protagonistin, eine junge Frau aus der höheren Gesellschaft in der Hierarchie der Luftschiffer, trifft auf einen mechanischen Heizer, doch an Bord des Luftschiffes wird es schon bald sehr unruhig…

Der wilde Reiter – Marco Ansing
Marco Ansing schreibt immer wieder gern Abenteuer des Reporters Johann Alexander Krieger, der für den Hamburger Hanseboten arbeitet. In dieser Geschichte, die in Form kurzer Reportagen gegliedert ist, geht es um ein Reiterdenkmal für Wilhelm I., welches übrigens tatsächlich um 1902 in Hamburg aufgestellt wurde, allerdings erst nach längeren Debatten. In dieser Geschichte findet der Reporter Herr Krieger heraus, was es damit auf sich hatte und eine besondere Form der steampunkigen Technik spielt eine entscheidene Rolle dabei.

Ultramarinblau – Gloria H. Manderfeld
Diese Geschichte ist ebenfalls dystopisch und eher traurig. Hier geht es um „augmentierte Menschen“ auf der einen, und „normale“, unveränderte auf der anderen Seite. Wobei die „Augmentierten“ allerdings in dieser technikbegeisterten Welt, welche die Autorin hier entworfen hat, die neue Norm darstellen. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Situation für die Unveränderten, die in Reservaten leben.

Adam – Mia Steingräber & Tobias Rafael Junge
Diese Geschichte ist angesiedelt in der „Eis & Dampf“-Welt von Christian und Judith Vogt. Ich hatte hier ein wenig den Eindruck, dass sie etwas verständlicher wäre, wenn man die entsprechende Welt bereits kennt, da vieles nur angedeutet wird. Außerdem ist sie eher episodenhaft angelegt, ungefähr so, als ob hier verschiedene Impressionen dieser Welt wiedergegeben werden.

Böse Träume – Peer Bieber
Hier wird es schön schaurig, denn übernatürliche Wesen gehen Anfang des 20. Jahrhunderts in winterlichen London um und versetzen ein Waisenhaus in Angst und Schrecken.

Rettung – Peter Hohmann
Eine düster-dystopische, spannende Geschichte, in der ein Technik-Fabrikant vor keinem Mittel zurückschreckt, um seinen Gewinn zu steigern. Bis sich ihm unerwartete Gegner entgegenstellen…

Der Fall Rohrschach – Andreas Winterer
Was wäre, wenn Maschinen einem beim Denken und Erforschen des menschlichen Bewusstseins helfen könnten, ja wenn sie sogar das menschliche Bewusstsein erweitern könnten? Mit dieser Frage beschäftigen sich der Erfinder Rohrschach und seine Frau, also sie auf ein mysteriöses Manuskript stoßen. An dieser Stelle möchte ich nicht verraten, um welches Manuskript es sich handelt, nur so viel sei gesagt, dass dies tatsächlich ein reales Vorbild hat, über das man unter anderem bei Wikipedia nachlesen kann.

Rupert – Eva Strasser
Diese Geschichte spielt nicht in einem typischen Steampunk-Setting, sondern eher in der nahen Zukunft. In einer minimalistischen Sprache schildert die Autorin den Alltag eines Mannes, der nach einem Unfall an Amnesie leidet und sich seinen Weg zurück ins Leben kämpft, stetig begleitet von seiner Frau und einem Arzt. Dann wird er von einer Firma namens CyCorps angeheuert, doch zunächst ist ihm nicht klar, was dort eigentlich produziert wird…

Happy Transition Day! – Anja Bagus
Diese Geschichte verzichtet ebenfalls auf eine genaue Zeit- und Ortsangabe, dadurch wirkt sie im positiven Sinne ein wenig zeitlos. Hier wird eine Welt geschildert, in der Menschen standardmäßig mithilfe einer fortgeschrittenen Technik eine Transition durchlaufen, um sich von menschlichen Schwächen aller Art zu befreien. Aber ob das auf Dauer gutgehen kann?

Die Anthologie umfasst 215 Seiten und ist als Taschenbuch und E-Book erhältlich.
Das Vorwort wurde von Autor Christian Vogt verfasst.
Die Verlagsseite zum Buch:
http://www.amrun-verlag.de/produkt/menschmaschinen-eine-steamcyberpunk-anthologie/

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