Premiere: Coppelius.Waits. for you - Musiktheater im Revier

Nur wenige Monate nach der für Ende 2016 angekündigten Clubbühnenabstinenz finden die Herren von Coppelius doch den Weg zurück auf eine Bühne: nämlich die, des kleinen Hauses des Musiktheaters im Revier (MiR) in Gelsenkirchen, in dem Ende 2015/Anfang 2016 auch die Steampunk Oper „Klein Zaches, genannt Zinnober“ zur Aufführung kam.

Und das, was da am Abend des 01.04. stattfand, wurde als „Club-Konzert“ angekündigt. Das freut natürlich besonders die Fans, die sich schon auf eine längere Pause eingestellt hatten.

Trotzdem ist dieses Konzert etwas völlig Neues und Anderes, als die bisherigen Auftritte der Berliner Band. Nicht nur, weil man dieses Mal den Klängen im Sitzen lauscht, nein, auch weil Coppelius nicht alleine gekommen sind:

Mit dabei ist auch Rüdiger Frank, dessen Bekanntschaft man als Klein Zaches Darsteller machen durften, und dessen Begleitung Pianist Heribert Feckler.

Inszeniert als Doppelbuchung zweier Bands für die gleiche Location, am gleichen Abend, treffen die nunmehr acht Herren aufeinander und was zunächst als Konkurrenzkampf beginnt, wird nach und nach immer weiter verwoben, bis hin zu gegenseitigen Neuinterpretationen.

Gespielt werden dabei sowohl Songs von Coppelius, als auch von Tom Waits, die Rüdiger Frank normalerweise mit seiner Band „Romeo is Bleeding“ zum Besten gibt. Aber auch gemeinsame Lieder aus der Steampunk Oper finden ihren Weg ins Programm.

Was genau da gespielt wird, lässt sich dem Programmheft entnehmen, glücklicherweise hatten Coppelius auf ihrer Facebookseite bereits davor „gewarnt“, dass sich die Setlist dort abgedruckt finden würde, sodass man sich auch überraschen lassen konnte. Und auch wir wollen potentiellen zukünftigen Konzertgängern nichts verraten. Insgesamt war es aber eine gelungene Mischung aus rockigen Coppeliusstücken (Klassiker, wie auch bislang Ungespieltes), die einen fast vom Stuhl rissen, sowie gefühlvollen Balladen, gewürzt mit einer Prise (Opern-)Klamauk.

Für Überraschungen sorgten ebenfalls eine Reihe an skurrilen Instrumenten, die allesamt aus der Werkstatt Comte Caspars stammen. Die Stoppschildgitarre war einigen bereits aus der letzten Tour bekannt, zur Premiere kamen aber beispielsweise der „Schranken-Bass“ (farblich passend zu Sissy Voss‘ Zylinder) oder die „Fahrradrahmenharfe“.

Überraschungen hielt auch das Bühnenspektakel selbst bereit. Getreu dem Motto „Das ist Live, das ist echt“ passierte das eine oder andere Ungeplante, was aber umso mehr für Begeisterung und Lacher im Auditorium sorgte: Vergaß doch Graf Lindorf direkt zu Beginn des Abends die ersten Zeilen von „Welt im Wahn“, ein Patzer, der bereits auf dem WGT 2013 von den Fans gefeiert wurde. Max Coppella schaffte es dann bei „16 Shells“ auf einem der von Comte Caspar gebauten Musikinstrumente einen Drumstick zu Bruch zu bringen, wurde aber schnell von Butler Bastille mit einem neuen versorgt.

Letzterer gab sich gemeinsam mit Nobusama die Ehre am Schlagwerk zu glänzen, denn die Herren hatten nicht nur eins, nein, gleich zwei Schlagzeuge mitgebracht, ein elektrifiziertes und ein „normales“, wobei das Zweite zur besseren Akustik hinter Plexiglas stand.

Nichtsdestotrotz war es ein, für das kleine Haus vermutlich ungewohnt, lauter Abend und so hatte das Musiktheater vorsorglich am Eingang Ohrenstöpsel auslegen lassen.

Eingefleischte Fans (vorranging zu erkennen an Bandshirts und steampunkiger Garderobe), wie auch „normale“ Besucher genossen den Abend gleichermaßen und forderten gleich zweimal mit stehenden Ovationen und „Da Capo“-Rufen um Verlängerung und wurde erhört (und einige weitere ungewöhnliche Instrumente fanden ihren Einsatz).

FAZIT:

Ungeachtet der etwas ungewohnten Situation „Sitzen-bei-Coppelius-Konzert“ sollte man sich Coppelius.Waits for you definitv ansehen! Rüdiger Franks Reibeisenstimmen harmoniert hervorragend mit Coppelius und besonders die gemeinsam vorgetragenen Werke begeistert Fans wie Neuzuhörer gleichermaßen, besonders dann, wenn das Zusammenspiel mehr einer Jam Session gleicht, als einem geprobten Konzert.

Der Abend hat mehr von einem „normalen“ Coppelius Konzertabend, als zunächst angenommen und vermag daher umso besser über die angebliche Clubbühnenabsitenz hinwegtrösten. (Ja, das Kleine Haus ist kein Club, daher ist auch das Konzert kein Clubbühnenkonzert, so mag man argumentieren, aber es wird vom MiR mit „Club-Konzert“ angekündigt.)

Überhaupt bietet die Show viele kleine versteckte Häppchen für eingefleischte Fans: Herr Voss roter Zylinder wurde ihm beispielsweise auf dem M’era Luna 2015 überreicht, die Damenunterwäsche in der Bühenndeko fand beim Abschlusskonzert in Berlin Ende 2016 ihren Weg zu den Herren. Und auch die Livefassung von Morgenstimmung könnte einigen aus dem Rocktalk 2013 bekannt vorkommen, bei dem Coppelius ein Akustikkonzert gaben.

Die Sitz-Situation sorgt dafür, dass man sich in Ruhe ansehen kann, was da genau auf der Bühne passiert und die vielen kleinen Details wahrnehmen kann. Und natürlich kann man sich so auch besser auf die einzelnen Instrumente konzentrieren, egal, ob nun wahnwitziger Eigenbau oder „Standartbesetzung“.

Die kleinen schauspielerischen Einlagen, die den Kunstfiguren Max Coppella, Comte Caspar, Sissy Voss, Graf Lindorf, Nobusama und Butler Bastille auf ihren Konzerten so eigen sind, fügen sich zusammen mit der enormen Bühnenpräsenz von Rüdiger Frank und füllen die Geschichte der Doppelbuchung mit Leben.

Wer das alles und noch viel mehr erleben möchte, hat noch viermal die Chance dazu:

Sonntag, 09.04.2017
Donnerstag, 20.04.2017
Donnerstag, 27.04.2017
Freitag, 28.04.2017

Tickets gibt es direkt beim Musiktheater im Revier.

Bleibt nur zu sagen:
Coppelius hilft!

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Hinweis: Alle Bilder wurden zur Verfügung gestellt von CatHead XII Art, vielen Dank!
Auf ihrer Facebookseite finden sich in Kürze noch mehr Bilder der Premiere.

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