Neujahrsgruß und ein Dieselpunk-Abenteuer-Roman von K.M. Weiland

Werte Leserinnen und Leser,

die Clockworker Redaktion wünscht Ihnen allen ein frohes neues Jahr 2016 mit vielen schönen Steampunk/Dieselpunk/Neo-victorian etc. Veranstaltungen, Konzerten, Treffen, Picknicks und Medien aller Art.

public domain, presented by Graphics fairy (Karen Watson)

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Wir starten international ins neue Jahr, mit dem amerikanischen Dieselpunk-Abenteuer Roman „Storming“
von K. M. Weiland, und laden Sie ein, mitzufliegen…

public domain, präsentiert von Graphics Fairy (Karen Watson)

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Rezension

Dieser Dieselpunk Roman handelt von Robert „Hitch“ Hitchcock, einem Doppeldecker Piloten einer eher heruntergekommenen kleinen Flugshow. Er kehrt in seine kleine Heimatstadt in Nebraska zurück, um an einem Flugshow-Wettbewerb teilzunehmen, der ihm eventuell einen besser bezahlten Job einbringt bei einem größeren Flugshow-Zirkus. Hitch hat eine schwierige, konfliktreiche Vergangenheit mit seiner Familie und dem korrupten Sheriff des Orts, so dass er am liebsten gar nicht heimgekehrt wäre.

Um die Dinge noch komplizierter zu machen, fällt eine mysteriöse fremde Frau namens Jael vom Himmel und auf sein Flugzeug. Hitch hält sie für völlig verrückt, als sie ihn bittet, sie wieder nach Hause zu bringen – in den Himmel. Bis er mit seinem Flugzeug fast mit einem seltsamen Luftschiff zusammenstößt – ein Luftschiff mit Piraten, die das Wetter kontrollieren können und Lösegeld von seiner Heimatstadt verlangen; mit der Drohung, dort Chaos und Zerstörung anzurichten.

copyight: PenForASword publishing

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Der Roman konzentriert sich weniger auf Action allein – obwohl es zahlreiche atemberaubende Actionszenen gibt, in denen (nicht nur) geflogen wird – sondern mehr auf der Charakterentwicklung, die Gefühle und Motivationen seines Helden Hitch. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven geschildert, Hitchs und der von Walter, einem achtjährigen Jungen, der den Piloten Hitch und sein Flugzeug anhimmelt – wie es die meisten Jungen in diesem Alter (und zu jener Zeit) täten.

Die mysteriöse Jael ist eine starke, mutige und zugleich sehr dickköpfige Frau mit einem großen Herz. Und natürlich muss sich Hitch im Laufe der Geschichte mit all den Schwierigkeiten aus seiner Vergangenheit und der Gegenwart auseinandersetzen.

Die Dieselpunk Elemente in der Geschichte und ihr Hintergrund sind in meinen Augen originell und es macht Spaß, davon zu lesen – denn es gibt zahlreiche Luftschiffe in der Dieselpunk und Steampunk-Literatur, aber ich habe bisher noch von keinen gelesen, die das Wetter kontrollieren können.
Das Buch ist außerdem für jeden Fan der frühen Luftfahrt der 1920er lesenswert.
Es enthält einige einfach gehaltene Umriss-Illustrationen, vor allem zu den Dieselpunk Elementen.

Bitte beachten Sie: Das Buch ist nur im amerikanischen Original erhältlich und wird voraussichtlich nicht ins Deutsche übersetzt.

Interview mit K.M. Weiland

copyright: K.M.Weiland

copyright: K.M.Weiland

 

Das folgende Interview mit der Autorin fand live über das Gesichtsbuch statt, in zwei völlig verschiedenen Zeitzonen. Ich habe es aus dem Englischen übersetzt.

A.Z.: Guten Morgen, Miss Weiland. [Anmerkung: Es ist 8 Uhr morgens in Nebraska, U.S.A.]

K.M.Weiland: Und Ihnen einen guten Nachmittag. [Anmerkung: Es ist 16 Uhr in Deutschland]

A.Z.: Und vielen Dank, dass Sie die Zeit nehmen für dieses Interview. Hier meine erste Frage: Ihre bisherigen Romane, „Dreamlander“, „Behold the dawn“ und „A man called Outlaw“ sind historische oder spekulative Fiktion. „Storming“ muss für Sie etwas ganz Besonderes gewesen sein, da es in Ihrem Heimatstaat Nebraska spielt – haben Sie eine Menge Inspiration aus Ihrer Umgebung bekommen, obwohl Ihre Geschichte ja in den 1920er spielt?

K.M. Weiland: Ja, das ging mir in der Tat so. Ich hatte mehr Spaß dieses Buch zu schreiben als alle anderen zuvor. Teilweise lag das daran, dass es eine fröhlichere Geschichte ist, nicht so düster wie manches andere, was ich bisher geschrieben habe, und es hat dieses „Sommer-Blockbuster“ Gefühl. Aber ein wichtiger Teil war, dass ich über mir bekannte Plätze schreiben konnte, die ich sehr mag. Ich habe bisher keine Geschichte in einem Setting spielen lassen, das ich so gut kannte, deshalb war es großartig, die Recherchen direkt in der Nähe machen zu können. Ich habe dadurch auch eine Menge über meine Region gelernt, was ich bisher noch gar nicht wusste.

A.Z. Das klingt großartig. Das ist eine schöne Sache am Schreiben, schätze ich – man lernt so viele neue Dinge, während man recherchiert. Und das „Sommer-Blockbuster“ Gefühl – damit kann ich etwas anfangen, wenn ich an die Atmosphäre in „Storming“ denke ;)

Wie sind Sie auf Dieselpunk gekommen?

K.M. Weiland: Ehrlich gesagt, bin ich irgendwie da hineingestolpert. Ich habe mich schon immer für Steampunk interessiert und man könnte jetzt anmerken, dass Storming genau das ist, da seine -punk Elemente aus der viktorianischen Ära stammen. Aber jemand hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Geschichte ja zwischen den beiden Weltkriegen spielt und daher strenggenommen Dieselpunk ist – der mir auf der Stelle sehr gut gefallen hat.

Ich habe mich anfangs nicht hingesetzt, um einen -punk Roman zu schreiben (einige der frühen Ideen zu diesem Projekt drehten sich um Zeitreisen). Ich bin der Geschichte einfach gefolgt und das ist dabei herausgekommen. Am Ende waren die Dieselpunk Elemente ein relativ zarter Faden in der historischen Flieger-Abenteuer-Geschichte.

A.Z.: Ja, das kann ich nachvollziehen, aber die Dieselpunk Elemente haben dem Buch soviel extra gegeben, finde ich. Apropos historische Ära: Gibt es etwas, was Sie besonders mögen an den 1920er Jahren?

K.M. Weiland: Die 1920er waren wild! Die Mode, die Verrücktheit der Prohibition, die Freude der Nachkriegsära, die Weiterentwicklung der Technik – ich liebe all das. Es hat besonders viel Spaß gemacht, über die damals neu aufkommenden technischen Errungenschaften zu schreiben – Telefone, Automobile etc. – in einer ländlichen Gegend, die noch immer ein bisschen die Atmosphäre des Wilden Westens hatte.

Aber wenn ich eine Sache allein wählen würde, dann wären es definitiv die Doppeldecker-Flugzeuge. Ich habe die Romantik der frühen Luftfahrt immer geliebt. Diese frühen klapprigen Flugzeuge haben so etwas Rohes und Schönes an sich. Ich wusste, das mein Held Hitch Hitchcock ein Doppeldecker-Pilot sein sollte, und deshalb musste ich ihm in die entsprechende Ära folgen, welche natürlich die 1920er waren.

A.Z.: Ah, jetzt verstehe ich Ihre spezielle Motivation für diesen Roman :) Sie beschreiben die Flugshow-Einlagen sehr detailliert. Darf ich fragen, wie Sie dafür recherchiert haben? Gibt es noch Flugshows ähnlicher Art in den USA?

K.M.Weiland: Es gibt tatsächliche eine ganze Reihe an Barnstorming/Airshows überall in den USA. Es gibt Luftfahrt-Fans, die sich mit großer Leidenschaft damit befassen. Dieser Tage sind die Shows eher Ausstellungen, um den Leute die alten Flugzeuge zu zeigen. Aber es gibt immer noch hier und da Piloten, die fliegen und kleine Shows machen und davon auch teilweise ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Die meisten Recherchen hierzu habe ich über Bücher gemacht. Ich habe eine ganze Reihe an wunderbaren Quellen über die frühe Luftfahrt gefunden – und das hat sehr gut funktioniert, auch da sie viel Hintergrundeinblicke in die Ära gebracht haben. Ich hatte auch das Glück, dass mehrere Experten auf dem Gebiet der frühen Luftfahrt das Buch auf seine Fakten hin gecheckt haben.

A.Z: Wow, das wusste ich nicht über die Airshows, dass es so etwas heute noch gibt in den USA. Und es ist großartig, dass Sie Experten gefunden haben, die Ihre Fakten durchgegangen sind.

Ihr Protagonst Hitch hat eine so konfliktreiche Vergangenheit in seiner Heimatstaat, kein Wunder, dass er zu Beginn am liebsten immer davon fliegt. War es schwierig oder leicht für Sie, diesen Charakter und seine Entwicklung zu schreiben? (Ich habe die Extras gelesen, zu denen ein Link in „Storming“ führt, und fand das Charakterinterview mit Hitch sehr schön.)

K. M. Weiland: Hitch war einer dieser einfachen Charaktere, der einfach so auf die Seiten sprang. Ich glaube, das liegt teilweise daran, dass seine Stimme unglaublich einfach war – er spricht im Grunde so wie ich.
Es war außerdem sehr schön, diesen Charakter zu schreiben, weil er so voller Konflikte ist. Im Grunde folgt er einfach seinen Impulsen, wo immer ihn die Spontanität hinführt. Er möchte sich nicht mit den Anforderungen anderer an ihn beschäftigen, denn ehrlich gesagt, hat seine Familie sich nie bemüht, ihn zu verstehen oder ihn zu unterstützen. Aber er hat auch schwere Fehler gemacht und möchte sich nicht mit diesen auseinandersetzen.
Ich mochte schon immer Charaktere mit schweren Hintergrundgeschichten. Es scheint, dass ich oft über Charaktere schreibe, die aus dem einen oder anderen Grund, sich außerhalb der Gesellschaft befinden und dann durch eine entscheidene Entwicklung gehen müssen, um ihren Platz in der Welt (wieder) zu finden. Insofern hat es mir – auch aus diesem Blickwinkel heraus – viel Spaß gemacht und es war interessant, Hitch zu schreiben.

Es freut mich zu hören, dass Sie die Extras gefunden haben. Es ist immer schön zu hören, wenn Leser sie sich angeschaut haben.

A.Z.: Ich schätze, Charaktere mit schweren Hintergrundgeschichten und vielen inneren Konfikten sorgen mit für die besten Geschichten ;) Übrigens, die Extras waren eine tolle Idee, bitte machen Sie das auch beim nächsten Buch, wenn Sie die Zeit dafür haben.
Wo wir davon sprechen, können Sie uns etwas über Ihren nächsten Roman „Wayfarer“ verraten? Nachdem, was ich bisher gelesen habe, handelt es sich um eine Art Superhelden Geschichte, die in der Regency Ära [Anmerkung: die Epoche vor der viktorianischen] spielt – klingt auch für Steampunks interessant, schätze ich.

K.M. Weiland: Ja, definitiv. Ich habe die Extras auch für „Dreamlander“ gemacht und plane sie auch für zukünftige Romane. „Wayfarer“ ist meine historische Superhelden Geschichte. In der Entstehungsphase war es etwas in der Art von „Jane Austen trifft Spiderman“. Es wurde dann letztendlich etwas mehr Charles-Dickens-mäßig (Taschendiebe, Schuldner im Gefängnis und schwierige Halunken) als Jane Austen (nur ein einziger Ball!) Aber ich liebe Dickens, insofern war ich ganz glücklich mit der Entwicklung.

Es ist nicht in erster Linie Steampunk (keine Technologie), aber es hat definitiv ein solches Flair – ich habe mich am Steampunk orientiert, wenn es um die Kostüme und (Spoiler!) Monster ging. Ich hatte immer dieses Bild von dem Helden vor Augen, der in einem steampunkigen „Highwayman“ Mantel über die Dächer des Londons aus der Regency Zeit springt. Ich habe gerade die erste Fassung beendet und freue mich schon sehr darauf, bald die Überarbeitung zu machen.

A.Z.: Das klingt faszinierend. „Jane Austen (oder Charles Dickens) trifft Spiderman“ – was für eine Story! :) Hmm, vielleicht ist es nicht direkt Steampunk, andererseits gibt es so viele Subgenres, so wie Steam Fantasy, Dreadpunk Dieselpunk, Gaslight oder andere. Wer weiß, vielleicht haben Sie gerade ein neues Subgenre erfunden?

Meine letzte Frage: Werden Sie „Storming“ bei Lesungen auf amerikanischen Steampunk/ Dieselpunk Conventions präsentieren?

K.M.Weiland: Meine Sachtexte über das Schreiben, auf meiner Website „Helping writers become authors“ halten mich so auf Trab (dieses Jahr veröffentliche ich fünf Sachbücher!) dass ich meine Marketingmaßnahmen vor allem online mache, auch weil ich dadurch die meisten Verkäufe habe [Anmerkung: Miss Weiland veröffentlicht ihre Werke unabhängig von einem Verlag].

Aber das ist auf jeden Fall etwas, was ich im Hinterkopf habe. Es wäre auch toll, bei einer solchen Gelegenheit im passenden Kostüm aufzutreten.

A.Z.: Ich denke, Steampunk Conventions können sehr inspirierend sein und Steampunks sind in der Regel sympathische Leute. Vielen Dank für das Interview, ein frohes Neues Jahr und viel Erfolg mit „Storming“ und allen weiteren Projekten.

K.M. Weiland: Danke! Es war mir eine Freude.

Die Website der Autorin:
http://www.kmweiland.com/

1 Kommentar zu Neujahrsgruß und ein Dieselpunk-Abenteuer-Roman von K.M. Weiland

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