Eine Art Besprechung des "Hymnen an die Nacht" Steampunk Penny Dreadful LARP

Eine Besprechung von Tobias Rohde / Artjom Orolow / Herr Anton Adler

Hymnen an die Hymnen

Eine Art Besprechung des „Hymnen an die Nacht“

Steampunk Penny Dreadful LARP (Fuck yeah!)

Ich mache normalerweise kein LARP… mehr…

Daher ist dieses Review nicht durch die rosarote Brille des „Fans“ geschrieben und auch nicht durch die schmutzig-gelbe Sonnenglasversion des Steampunk Anhängers…

Wirklich, ich und LARP wir waren erstmal fertig miteinander. Ich hatte soviel daran satt, was in mir oft einen schalen und schlechten Nachgeschmack von viel vergangener Zeit und Mühe hinterlassen hatte. Und gepaart mit einem Gefühl, das wir das früher, auf dem Spielplatz, ganz ohne Kostüm und SL besser hinbekommen hatten, war ich einfach nicht mehr bereit meine wenigen verlängerten Wochenenden mit Fremdschemen und schüchternen Latexfights zuzubringen…

Aber hey, Rollenpielen in jeder Facette ist Zeitaufwendig. Warum reizt mich das denn überhaupt?

Weil, wenn man es richtig macht, nimmt man eine seltsame Art guter Erinnerungen auf. Halb virtuelles. Nicht wirklich reales und dennoch erlebtes, das durch die Interaktivität und den Zauber der Immersion, plötzlich wesentlich substantieller und persönlicher im eigenen Kopf platziert ist, als es Filme oder Bücher oder Games je werden können. Wenn man es richtig macht!

Das ist was mich immer daran angezogen hat.

Und offensichtlich noch oder vielleicht wieder tut, seit „Hymnen an die Nacht“

Eine gute Freundin hat mir lange gut zugeredet und sich vorallem über die Besonderheiten der Orga dieses Cons ausgelassen, und mich mit der ersten Staffel von Penny Dreadful angefixt, bis ich mich traute zuzusagen.

Die Aussagen „exklusiv“, „Bewerbungen“ und „sehr investierte drei Leute Orga“ kamen vor und wurden durchaus zu Verkaufsargumenten für mich.

Und so bewarb ich mich, und schrieb einen echt langen Brief und wollte wirklich unbedingt dabei sein und verdammt… ich kann nicht sagen wann ich das letzte mal so unruhig auf eine Zu- oder Absage gewartet habe. Und ich bin froh das es eine Zusage war die ich per Mail bekam.

Jetzt, fast zwei lange Wochen nach dem Event im fiktiven deutschen Kaiserinnenreich, kann ich mich genug sortieren um den Erfolg dieses Cons in Worte zu fassen.

Ich habe sie bekommen, diese Perlen des Halbrealen, diese Erinnerungen die sich solider anfühlen als Träume, direkter und erlebter als Bücher, die sich von den Erinnerungen an reale Ereignisse nur durch genaues hinsehen unterschieden lassen. Ich habe sie bekommen diese Perlen des halb virtuellen, in Vorstellungskraft und Kostümaufwand, Schauspiel und Plot auferstandenen Momente, gewürzt von realen Gefühlen, aus intensiven Gesprächen zwischen erfundenen Rollen, wirklichem Erschrecken und echtem Grusel und der Immersion von 70h ununterbrochenem Intime. Sie sind mein, die phantastischen, bereits im Sepiua des Wundervollen gezeichneten Bilder eines überaus gelungenen LARP Events. Des gelungensten LARP Events das ich je aufgesucht habe.

So viel Liebe zum Detail steckte hier in den Rollen, der Location, den Hintergrundverschränkungen, den Requisiten, der schön unaufdringlichen, aber dennoch immer wieder präsenten und am Ende wundervoll eskalierenden Handlung, den Spielern und NSCs und einfach allem, dass es durch und durch spürbar war und immerwieder spürbar wurde, wie sehr diese Details allem eine Dichte gaben, die sich jetzt auszahlt in den gut gerahmten und wundervoll zu betrachtenden Bildern des Zurückblickens auf unser gemeinsames Leben dort. So wie es nur passieren kann, wenn von mehr als zwei Dutzend Personen Herzblut und dann auch reichlich Kunstblut in etwas gesteckt wird. Man kann schlicht nur den Hut ziehen vor dieser Orga; und hiermit möchte ich den an eben dieser Orga Beteiligten meinen vollen Respekt aussprechen, als ehemaliger Eventmanager und Theatererfahrener lässt es sich für mich gut abschätzen, wieviel Mühe ihr euch gegeben habt mit eurem Baby, und ich will meine ganze Anerkennung bekunden, als Spielleiter und Vater von manch einer Geschichte, für die angenehm präsente, nie aufdringliche SL, welche Freiheit und Anleitung meistervoll im Gleichgewicht angeboten hat und ganz ohne Outtime blasen ausgekommen ist, und ich auch meinen Dank als Spieler und Zurückgekehrter, für diese Veranstaltung. Ihr ward spitze, und habt mich den langen und steinigen Pfad zurückgebracht zu diesem Hobby, und mehr als zwei Dutzend Personen überaus glücklich gemacht mit eurer harten Arbeit.

Und wie wars jetzt da?

Ehrlich? Ich könnte viele Worte darüber verlieren, mich über die schöne Horror Handlung auslassen, die gut geschriebenen Motivationen, die tollen PvP Plotverschränkungen, das gute Ensemble, die vielen schönen Kostüme… die Damen… oder in den Highlights meiner eigenen Perspektive schwelgen, von der Seance an der ich teilnahm erzählen, oder wie das war vom durchgedrehten Inspektor mit dem Revolver bedroht zu werden, Experimente mit Strom an meinem Gehirn machen zu lassen, ein flackerndes Gaßlicht über den Tisch zu halten während am Inspektor die Halswunde genäht wird, Gespräche mit Fräulein Rebecca, in welcher ich meine IT Liebe fand und welche dann weinend über meinem Leichnam zusammenbrach während die blutverschmierte Dr. Besset versuchte mich zu reanimieren… aber auch dies wären nur einzelne Ausschnitte aus vielen Ereignissen die ich miterlebt habe und ein noch kleinerer Ausschnitt aus all den Geschehnissen denen ich nicht beiwohnte. Ich könnte mit 10Seiten dem gesamten Con nicht gerecht werden.

Ich könnte auch von den ganz tollen Spieler-Requisiten berichten, was die alles gebastelt und mitgebracht haben, deren Liebe und Commitment für das Projekt hervorheben oder auch auf tolle Erfahrungen im Kontakt mit einzelnen Rollen eingehen…

Aber verdammt, ihr wart halt nicht dabei und diese Perlen bleiben die meinen!

-Wenn ihr sie haben wollt, kostet euch das mehr als einen Klick in dieses Review. Es kostet euch mindestens einen guten Gin Tonic, wie den den wir dort getrunken haben; oder ein intensives und erheiterndes Gespräch in besonderer Umgebung, wie die die wir dort geführt haben; oder einen geteilten Moment der Ausgelassenheit, wie jene welche wir auf der wundervollen After-Live Party dort teilten… unter solchen Umständen komme ich dann vielleicht ins Erzählen. Wahrscheinlich aber werde ich sie nur im Stillen hervorholen, diese Perlen, und euch anlächeln wenn ihr danach fragt und lediglich schmunzelnd sagen: Hymnen an die Nacht? Diesen Schatz? Den gibt es wirklich! -Und ich war dabei als wir ihn gemacht haben.

Auf einem der besten Cons die es je gab!

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