„Das Getriebe im Sand“ – ein Steampunk Stop-Motion-Kurzfilmprojekt

Der Stop-Motion-Kurzfilm „Das Getriebe im Sand“ erzählt die klassische Geschichte von demjenigen, der den Ast absägt, auf dem er sitzt. Der sozialkritische Film thematisiert Gier und Materialismus ohne Voraussicht, einer Haltung von „Nach mir die Sintflut“.

Es ist ein gemeinschaftliches Projekt von Valentin Felder und Josua Bauer und wurde 2013 erfolgreich finanziert als Crowdfunding-Projekt bei Startnext.

Der Film spielt in einer postapokalytischen Welt, die dominiert ist von den kalten Schlägen Stahls auf Stein, dem Rauch der Maschinen und den Resten vergangener Zivilisationen.
Doch hauptsächlich ist sie Leer, nur angefüllt mit bedrückendem Nebel der einst den Schlöten der Fabrikhallen entwichen ist. In ihrer unersättlichen Gier nach Reichtum und Macht haben die Menschen ihren Planeten bis auf den innersten Kern abgebaut um ihm auch die letzten Rohstoffreserven abzuwringen. Übrig geblieben ist eine einzige, große Metropole die auf einer riesigen Felssäule thront – der letzte Rest eines gigantischen Felsmassivs. In ihrer selbsterschaffenen Abhängigkeit sieht sich die verbliebene Menschheit gezwungen auch diesen letzten Anker, (die Säule) der sie mit dem Leben verbindet, abzubauen. Den Umstand, dass es ihr eigener Untergang sein wird, ignorieren sie zuversichtlich.

Die Geschichte wird aus zwei kontroversen Perspektiven erzählt: Zum Einen aus der eines Menschen und zum Anderen aus der eines Roboters. Der Roboter Nummer 142 ein kleiner Arbeitsroboter, der in der Mine Gestein umhertragen muss. Doch im Gegensatz zu seinen Arbeitskollegen weißt er einen seltenen Defekt auf: Nummer 142 ist in der Lage zu denken – und zu fühlen. Als Nummer 142 erkennt, dass seine Arbeit dazu beiträgt, die Säule mit all den Menschen zum Einsturz zu bringen, weigert er sich, sie weiter zu tun und versucht sogar, die Menschen auf das Problem hinzuweisen…

Der Mensch dagegen ist das kranke Produkt von Jahrzehnten der „Devolution“ – geistig fixiert auf primitive materielle Ziele, deren Erreichung ihn nie befreidigen können, ist er selbst zur Maschine geworden…

In diesem neunminütigen Video wird das Projekt näher vorgestellt.

copyright: Valentin Felder, Josua Bauer

copyright: Valentin Felder, Josua Bauer

Auf dem Bild ist  der kleine „Nr.142“ an seinem Arbeitsplatz tief unter der Stadt:
Hier muss er tagtäglich schwerste
Arbeit ohne ersichtlichen Sinn verrichten.
Kein Wunder, dass er schon bald beginnt, sein Dasein zu hinterfragen…

copyright: Valentin Felder, Josua Bauer

copyright: Valentin Felder, Josua Bauer

„Prof. Herzenfeld“ ist einer der hochrangigen Bürokraten in der Menschenstadt.
Als solcher ist es jedoch
sein Privileg, niedere Arbeit an Untergebene zu delegieren
und sich selbst den „wichtigen Dingen“ zu widmen…


Interview mit Valentin Felder

copyright: Valentin Felder

copyright: Valentin Felder

A.Z.: Valentin, was war eure Inspiration für diese Geschichte?

Valentin: Die Hauptinspiration für die Geschichte ist wohl einfach die echte Welt, in der wir leben. Als das Konzept entstand, waren wir beide noch Schüler und hatten eine ganze Menge an unserer Gesellschaft auszusetzen (nicht das sich das jetzt geändert hätte, aber wir regen uns nicht mehr so akut auf) – Zum Glück waren wir auch beide sehr filmbegeistert und wollten schon länger mal einen einigermaßen hochwertigen Kurzfilm drehen. Es hat sich geradezu angeboten, hier einige Ideen einzubauen, die uns andernfalls in der echten Welt nur unnötig belastet hätten. Wir wollten aber keinen von diesen klassisch-realistischen Moral-Filmen drehen, zumal die Moral auch gar nicht so klar zu bestimmen ist. Stattdessen diente die echte Welt nur fürs ganz grobe Grundgrüst und der Rest ist eher eine Art Märchen aus einer anderen Welt…

A.Z.: Die Ästhetik von „Das Getriebe im Sand“ könnte man steampunkig nennen, sie ist aber eigentlich zeitlos. Habt ihr das so gewählt, um die Geschichte in einen weiteren Kontext zu setzen? Ihr wendet euch damit ja nicht nur an Steampunk-Fans, richtig?

Valentin: Ja, zum Steampunk-Stil sind wir eigentlich durch Zufall gekommen. Zuerst gab es nur die Idee für die Geschichte und dann haben wir überlegt, wie wir es visuell umsetzen könnten. Wir wollten keine realistische Zukunftsvision erschaffen, sondern eher eine phantasievolle Parallelwelt die Raum für ein bisschen Witz und Details läßt und unsere echte Welt nur metaphorisch wiederspiegelt.
Auch war uns wichtig, dass der Zuschauer am Ende immer noch erkennen, kann wie der Film entstanden ist: Fingerabdrücke in den Gesichtern, Bearbeitungsspuren auf Metall, echter Kerzenrauch anstatt computergenerierten Partikeln… Die Geschichte mag düster sein, aber unsere Bilder sollen faszinieren, nicht deprimieren ;)

A.Z.: Die dreidimensionale Stop Motion-Technik wird in Zeiten der CAD-Animationsfilme á la Pixar und Co. nur noch selten verwendet. Ein überregional bekanntes Beispiel dafür sind die „Wallace & Gromit“ Filme. Um unseren Lesern eine Vorstellung zu geben vom Aufwand, der dahinter steht: Wieviele Arbeitsstunden stecken ungefähr in 30 Sekunden Film?

Valentin: Hm, das läßt sich wohl nicht einfach mit einer einzigen Zahl beantworten: 30 Sekunden Film entsprechen 750 einzelnen Bildern – an der Animation arbeitet einer von uns, je nach Aufwand der Szene, zwischen einigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Dazu muss aber noch gesagt werden, dass wir das Projekt nur in unserer Freizeit neben Schule bzw. Studium verfolgen können und die effektive Arbeitszeit daher wesentlich geringer ausfällt.
Allerdings macht die Animation auch nur einen kleinen Teil der Arbeitsschritte aus, die in die Erstellung von 30 Sekunden Film gesteckt werden. Ein ebenfalls wesentlicher Teil ist die Vorbereitung, welche Konzeption, den Bau von Set und Requisiten sowie die genaue Planung der Animationen umfasst. Damit aus den Bildern dann ein Kino-tauglicher Film entsteht, fällt zudem einige Nachbearbeitung an, wie z.B. Farbkorrektur, Retusche-Arbeiten und ggf. einfügen von Hintergründen oder Effekten irgendeiner Art…
Durchschnittlich enstehen in einem kompletten Jahr Arbeit nur wenige Minuten fertiger Film.

A.Z.: Wieviele verschiedene Sets baut ihr und wie groß sind diese ungefähr?

Valentin: Momentan haben wir 4 Hauptsets und diverse kleinere Nebensets – In Planung befinden sich momentan noch 2 Sets. Die Größe variiert dabei von 2m Höhe im Fall der großen Mine bis zu wenigen cm für einzelne Animationen die dann z.B. nur das Innere einer Maschine zeigen.

A.Z.: Wo oder wie habt ihr gelernt, Stop-Motion Filme zu machen?

Valentin: Das meiste haben wir wohl durch die Arbeit an diesem Projekt gelernt, hauptsächlich durch Ausprobieren, durch Fehler und durch die Not zu Improvisieren. Gerade was die Konstruktion der Figuren und Requisiten angeht, sind wir heute wesentlich sicherer als noch vor zwei Jahren, was zum Einen recht cool ist, zum Anderen aber auch schade, weil man Vieles im Nachhinein noch etwas besser hingekriegt hätte… Man kann wohl sagen, dass wir immer noch dabei sind, es zu lernen.
Was unsere Grundkenntnisse angeht, haben wir uns wohl ganz gut ergänzt – Josua ist der ‚Experte‘ für Animation und plastische Arbeiten – Ich dagegen bin für den Metallbaubereich und die Nachbearbeitung zuständig. Regie und Setbau machen wir gemeinsam.
Unsere Spezialgebiete bei dem Projekt sind aus früheren Hobbys heraus entstanden, tatsächlich irgendwo gelernt haben wir aber nichts davon. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man so etwas irgendwo lernen kann, es ist eher eine Frage von tun oder lassen…

A.Z.: Das entspricht übrigens auch der Einstellung vieler Steampunks – einfach machen, einfach ausprobieren. Wann rechnet ihr mit einer Fertigstellung des Films und wie kann man euer Projekt unterstützen?

Valentin: Wir arbeiten momentan seit zweieinhalb Jahren an dem Film und haben bislang ca. 9 Minuten Film erreicht. Das ist etwas über die Hälfte unserer Geschichte, also rechnen wir mit 2 weiteren Jahren bis zur Fertigstellung.
Was uns aufhält, ist eher der Mangel an Zeit als an Geld – Wir freuen uns natürlich trotzdem über finanzielle Unterstützung, da wir aktuell mit minimalsten Werkzeugen und einfachster Filmtechnik auskommen müssen. Aber die Fertigstellung des Projekts läßt sich wohl trotzdem nicht nennenswert beschleunigen. Eine sehr große Unterstützung sind jedoch auch die Menschen, die das Projekt aktiv verfolgen, uns Feedback geben und sich auf das fertige Ergebnis freuen – Ihr seid die beste Motivation für uns, damit wir die Ausdauer nicht verlieren und bis zum Ende dran bleiben ;)

A.Z.: Plant ihr nach der Fertigstellung eine Teilnahme an (Kurz-)Film-Festivals? Wo wird man euren Film sehen können?

Valentin: Selbstverständlich werden wir den Film auf einigen Kurzfilm- und Steampunkfestivals in Deutschland vorführen, es ist aber auch eine Veröffentlichung auf DVD und BluRay geplant. Längerfristig soll er zudem online gezeigt werden, ggf. auch in Englisch.

A.Z.: Die Musik von „Das Getriebe im Sand“ stammt von Michael Klubertanz. Arbeiten noch weitere Künstler mit an dem Projekt?

Valentin: In der Tat hat sich der Komponist Michael Klubertanz bereit erklärt, uns bei der Filmmusik zu unterstützen, vor kurzem hat sich aber auch noch eine weitere Zusammenarbeit ergeben: Der professionelle Foley-Artist (Geräuschemacher) Joo Fürst wird sich um die Geräusche unseres Films kümmern, die für die Stimmung der Bilder mindestens so wichtig sind wie die Musik.
Desweiteren hat uns Josuas Bruder seine Stimme für die ersten Erzähler-Aufnahmen geliehen, aber möglicherweise wird sich dies am Ende noch ändern.

A.Z: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin!

Valentin: Danke!

copyright: Josua Bauer

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