Buch-Rezension: Außergewöhnliche Automatons von Martin Riesen

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Cover: Außergewöhnliche Automatons Cover Art: Michael Zigerlig

So sperrig der Titel vielleicht auch klingen mag, Martin Riesens Erstling (erschienen im Self-Publishing, erhältlich auf Amazon) liest sich alles andere als holprig.
Schon der Klappentext verspricht eine unterhaltsame Geschichte im Steamforged Empires Universum:

„Offenburg, 1874, in einer alternativen Vergangenheit…
Die sechszehnjährige Johanna findet eine Anstellung als Gehilfin beim Automatonhersteller Professor Geich. Schnell erkennt er ihr außergewöhnliches Talent für die Herstellung von Lochkartenprogrammen, mit denen diese beliebten Maschinen gesteuert werden. Als Johanna einem Automaton ein Programm stanzt, das es ihm ermöglicht, zu lernen, ahnt sie nicht, welche Ereignisse sie damit in Gang setzt…“

Die Geschichte selbst ist nichts Neues: Die Erfindung wendet sich gegen den Erfinder. Leider verharrt die Erzählung an einigen Stellen stark in alten Klischees (Liebe entgegen aller Standesunterschiede, Aufstieg von ganz unten etc.) und das Ende ist weitgehend vorhersehbar.
Aber altes Holz brennt bekanntlich gut und so bleibt es bis zum Ende spannend, wie das heraufbeschworene Unheil doch noch abgewendet werden kann.

Wer bei den genannten Beispielen jetzt an eine überwiegend kitschige Liebesgeschichte denkt, liegt (Gott sei dank) falsch. „Außergewöhnliche Automatons“ ist ein waschechter Abenteuerroman und da darf eine Romanze natürlich nicht fehlen.

Martin Riesens Erzählstil ist kurzweilig und gut lesbar, insbesondere mit den Beschreibungen der Technik, die hinter den Automatons steckt, kann der Autor punkten. Man hört förmlich das Rattern der Zahnräder und Durchlaufen der Lochkarten, riecht das Maschinenöl und den Dampf der Antriebsmaschinen. Echter Steampunk eben.

Leider bleiben dafür die („guten“) Charaktere teils recht oberflächlich, nur der Bösewicht kann mit seinen Motiven und Handlungen wirklich überzeugen und weckt im Leser die angebrachte Abscheu.

Über diese Abneigung kann man sich schließlich doch noch recht gut in die Hauptfiguren hineinversetzen und mit ihnen und der Geschichte mitfiebern (außerdem freut es einen doch bei einem gut geschriebenen Gegenspieler gleich viel mehr, wenn seine Pläne versagen.)

Bevor es jedoch soweit kommt, wird man zunächst ausgiebig in die Welt von Steamforged Empires eingeführt. Erst gegen Ende nimmt die Geschichte Fahrt auf und reißt den Leser im letzten Drittel des Buches mitten hinein in das Geschehen. Die Auflösung selbst kommt ziemlich abrupt, in einigen Einzelheiten fast schon zu gewollt, bleibt aber nachvollziehbar.

Da das Buch als erster Teil einer Serie angelegt ist, darf ein ordentlicher Cliffhanger natürlich nicht fehlen und so erfahren wir nicht die vollständige Auflösung aller Geschehnisse und dürfen weiter rätseln. Das Tempo, dass „Außergewöhnliche Automatons“ gegen Ende erreicht, wird dann hoffentlich im nächsten Band beibehalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Außergewöhnliche Automatons“ sich wohl am ehesten unter „leichte Abendlektüre“ einordnen lässt, (u.A. auch durch die Einteilung in 27 relativ kurze Kapitel). Das alternative Universum ist gut durchdacht und auch die Geschichte ist logisch aufgebaut, wenn auch leider größtenteils recht vorhersehbar. Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch, wenn man nicht gerade etwas Weltbewegendes erwartet. Wer auf der Suche nach guter, steampunkiger Unterhaltung ist, wird mit „Außergewöhnliche Automatons“ sicher nicht enttäuscht werden.

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

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