Im Salongespräch: Aurelio Voltaire

Vergangenen Mittwoch konnte im MTC in Köln eine Weltpremiere gefeiert werden: Aurelio Voltaire zum ersten Mal live on Stage in Deutschland.

Der Clockworker bekam die Chance ein Interview mit ihm zu führen und ihm die Chance zu geben, sich dem deutschen Publikum vorzustellen.

Mein Name ist Aurelio Voltaire und ich bin ein böser Clown… (lacht)
Ich weiß tatsächlich nicht wirklich, wie ich mich selbst vorstellen soll. Ich mache eine Menge verschiedener Dinge, aber die meisten beinhalten Dinge, die düster sind und zugleich humorvoll. Manchmal sind das Songs, manchmal Bücher, manchmal Filme und manchmal Spielsachen.

Dies ist das erste Mal, dass du auf dem Europäischen Festland bist?

Nun, eigentlich habe ich schon mal eine Show in Oslo, Norwegen gespielt, vor einigen Jahren. Aber das hier ist meine erste Europa Tour und sicherlich das erste Mal überhaupt, dass ich in Köln bin.

Was war der Hauptgrund um hier zu spielen, insbesondere in Deutschland?

Ich toure in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko. Und ich bekomme eine Menge Emails aus Europa und mein Webstore erhält sehr viele Bestellungen aus Europa, da war es nur eine natürliche Entwicklung, dass ich hier her kommen sollte, um die Menschen zu besuchen, die meine Musik hören.

Hast du besondere Vorbereitungen für die Shows in Deutschland getroffen?

Ähm… Nein. (lacht)

Ich kann nicht sagen, dass ich das getan hätte. Ich denke,  es sollte so sein, wie die Leute es von mir erwarten. Die Menschen, die kommen, wissen bereits, wer ich bin. Versteht ihr, was ich meine? Also sollten sie die gleiche Show bekommen, die ich in Amerika spiele.

Worüber ich nachdenke ist die Auswahl der Songs. Ich muss ein bisschen mehr darüber nachdenken, welche Songs musikalisch wirken, für ein Publikum, das eventuell kein Englisch spricht, im Gegensatz zu Songs, die über den Text wirken, denn eine Menge meiner Songs sind voll mit Wordspielen und -witzen. Und das könnte schwer zu verstehen sein für Leute mit Englisch als Fremdsprache. Also muss ich überlegen, welche Lieder am besten zu verstehen sein werden.

Ich habe in den Konzertdaten gesehen, dass du einen freien Tag zwischen den Konzerten hast, hast du dafür besondere Pläne? Möchtest du etwas Spezielles besuchen?

Ich mag freie Tage nicht besonders. Ich bin ein Workaholic und ich liebe es auf der Bühne zu stehen.

Ich hatte einen freien Tag in Wien. Es war schön, aber jetzt könnte ich mir in den Hinter treten, weil ich realisiert habe, wie nah Prag war und ich hätte mir Prag ansehen sollen. Aber Wien ist auch eine schöne Stadt.

Kommen wir zu deinem neuen Album „Raised by Bats“, das per Crowd-Funding finanziert wurde.

Ja… um ehrlich zu sein, hab ich 35000 Dollar dafür ausgegeben und jetzt finanziere ich die letzten 10.000 mit Crowd-Funding. Das ist, was eigentlich gerade passiert.

Wie bist du auf den Namen gekommen?

Der Titeltrack „Raised by bats“ ist ein Lied darüber, wie ich mit 17 von zu Hause weggelaufen bin. Und ihr wisst ja, wenn man sich ein wenig seltsam kleidet oder Gothic trägt, gibt es dort draußen eine Menge Leute, die sich über einen lustig machen und die einen beschimpfen mit „schwuler Dracula“, „Mörder“ , und allem Möglichen an Schimpfwörtern. Obwohl ich es eigentlich sogar mag, „schwuler Dracula“ genannt zu werden, das klingt ziemlich elegant…
Aber egal, an einem Punkt habe ich gemerkt, dass es gut ist den Leuten einfach eine raffinierte Antwort zu geben und bei mir war das eben, dass ich von Fledermäusen aufgezogen wurde und deshalb so aussehe.

Auf der Bühne trage ich ein Outfit, das nach dunklem Pirat aussieht. Und im Club schätzen die Leute das wirklich. Aber wann immer ich damit nach draußen gehe, werde ich automatisch zu Jack Sparrow, für die dummen, normalen Leute.
Ich weiß, es gibt sicherlich Schlimmeres, als mit Johnny Depp verglichen zu werden. Es ist einfach ein unglückliches Zeichen für Ignoranz, wenn Menschen sofort eine kulturelle Verbindung ziehen müssen, einen in eine Schublade stecken müssen, um sich selbst wohl fühlen zu können mit dem, was sie da gerade sehen. Für mich ist das ein Zeichen von Dummheit und Unsicherheit.

Dein letztes Album „Bitrektual“ befasst sich mit mehreren bekannten Science Fiction Serien, wie Star Wars, Star Trek und sogar Doctor Who. Neben diesen, welche anderen Science Fiction Serien würdest du empfehlen?

Oh Gott, ich weiß nicht. Wisst ihr, das Album „Bitrektual“ ist eine pornographische Sammlung von Star Trek und Star Wars Songs. Es gibt eigentlich nur einen Doctor Who Song, weil die Doctor Who Fans so penetrante Fotzen sind. Die haben mich dazu gebracht, diesen Song zu machen.

Naja, ich mag „Battlestar Galactica“. Und als ich aufwuchs habe ich „Lost in Space“ und „Twilight Zone“ geschaut. Wenn es ein Raumschiff gibt, stehen die Chancen gut, dass ich es sehen werde.

Kennst du auch Firefly?

Ich kenne Firefly, aber ich habe Firefly noch nie gesehen. Ein sehr guter Freund von mir, der auch Sänger ist, schreibt Lieder über Firefly. Sein Name ist Marc Gunn. Und Marc hat mir die komplette Serie gegeben.

Aber… ich sehe kein Fernsehen. Ich habe keinen Fernseher gehabt in den letzten 20 Jahren. Wenn ich Fernsehen schauen würde, wäre ich jetzt nicht hier und würde dieses Interview führen. Ich säße zu Hause vor dem Fernseher. Weil ich kein Fernsehen schaue, bekomme ich so viele Dinge getan.

Ich musste erst eine Operation haben und das Haus nicht verlassen dürfen um das neue Battlestar Galactica zu sehen.

Wenn ich mich also das nächste Mal verletze, verspreche ich, werde ich Firefly sehen.

Die Selbstbeschreibung der Show: „Watch an old Pirat getting drunk“

Ich habe diese Frage gestellt, weil Firefly sehr häufig als Steampunk bzw. Dieselpunk Serie genannt wird. Und deine Musik wird häufig genannt, wenn man nach Steampunk Musik fragt, wo siehst du die Hauptverbindung zum Genre?

Ich denke, es ist eine sehr organische Verbindung. Steampunk ist Science Fiction aus der Perspektive des viktorianischen England. Und es gibt nur sehr, sehr wenige Bands, die Instrumente benutzen, die es schon in der viktorianischen Zeit gab. Wenn man sich Bands ansieht, die sagen, „wir sind Steampunk Bands“ und dann aber Keyboards und E-Guitarre spielen, müssen die mit seltsamen Geschichten kommen, wie „wir sind durch die Zeit gereist und haben Keyboards aus den 90ern mitgebracht“.

Aber für mich war es das Natürlichste, das passieren konnte, als die Steampunkwelt anfing sich zu entwickeln, dass die Leute sich fragen „Welche Art von Musik hören wir“ und die natürlichste Antwort darauf war (für mich): Musik, die auch in der viktorianischen Ära hätte gespielt werden können.

Und die ersten zwei Bands, die mir dabei einfallen sind Rasputina und Tom Waits. Die beiden sind zwei meiner persönlichen Helden, sie haben mich dazu inspiriert Musik zu machen, die auch vor 200 Jahren schon hätte sein können. Ich denke, das ist alles eine natürliche Entwicklung. 
Allerdings könnte ich meine Steampunk Mitgliedskarte verlieren, denn mein neues Album ist ein Goth Rock Album und es ist das erste Mal, dass ich auch elektronische Musikinstrumente benutze. E-Guitarre, E-Bass, Keyboard und solche Sachen. Ich hoffe, ich werde zumindest immer ein Ehrenmitglied der Steampunkwelt bleiben. (lacht)

Welchen deiner Songs würdest du als steampunkigsten bezeichnen?

„The Mechnical Girl“

Als ich das Album „Riding a Black Unicorn Down the Side of an Erupting Volcano While Drinking from a Chalice Filled with the Laughter of Small Children” gemacht habe, habe ich meine Hörerschaft gefragt, welche Art von Album sie gerne hören würden und manche sagten Folk, andere Cabaret oder Gypsy Punk, manche wollten Steampunk und jemand sagte sogar Acoustic Heavy Metal. Und ich sagte: Okay.
Und ich habe sie alle gemacht. Dieses Album war nicht nur von einem Fan benannt, sondern auch vorgschlagen und diktiert von Fans. Und „The Mechanical Girl“ war mein Versuch den Steampunk Song auf dem Album zu kreieren. Wenn ich also auf Stemapunk Conventions bin, kann man sicher sein, dass ich dieses Lied spiele.

Du spielst recht häufig auf Conventions wie der „Dragon Con“…

Mittlerweile 15 Jahre hintereinander

…aber leider zu weit weg für uns

Das könnte ich eventuell nächstes Jahr beheben: Es gibt Gespräche darüber, dass ich nächstes Jahr auf einer Steampunk Convention in England spielen werde.

Zurück zur Frage: Auf den Conventions siehst du sicherlich auch jede Menge Steampunks, was ist deine Hauptreaktion ihnen gegenüber?

Steampunk ist etwas sehr natürliches für mich. Ihr müsst etwas verstehen: Ich bin aaalt. Aber selbst ich bin nicht so alt wie Steampunk. Die Leute denken, dass Steampunk etwas Neues ist. Aber als ich eine kleines Kind war, war mein Lieblingsfilm „Chitty chitty, Bang bang“, ein wahrer Steampunkfilm. Und dann gab es da die Serie „Wild Wild West“, die ebenfalls eine Steampunkserie ist. Die Philosophie nach Vorlage von Jules Verne Sciene Fiction aus der Viktorianischen Zeit zu erschaffen ist nicht neu, nur das kulturelle Phänomen von Treffen, Cosplay, Musik , dieser Teil ist neu.

Als ich klein war, hatten wir eine sehr verschnörkelte Messinglampe, die kaputt ging. Und ich fragte meine Mutter: Kann ich die haben? Und sie antwortete: Sicher, aber warum möchtest du diesen Müll haben? Und ich habe sie auseinander genommen und das verzierteste Messing Raumschiff daraus gebaut, dass ihr je gesehen habt.

Steampunk bringt einfach Dinge zusammen, die ich schon immer mochte: Science Fiction und antiquierte Dinge.

Also… Ich hab‘ die Frage vergessen… Oh ja: Was denke ich, wenn ich Steampunks sehe? Ich sehe Menschen, die die gleichen Dinge mögen wie ich. Meine Brüder und Schwestern.

Einige letzte Worte für die deutschen Fans?

Es ist wirklich, wirklich aufregend, nachdem ich jetzt seit vielen, vielen Jahren nach Deutschland kommen wollte, endlich hier zu sein und ich freue mich darauf, Menschen zu treffen, die meine Musik seit Jahren hören und mich noch nie persönlich treffen konnten. Und ich hoffe, dass dies erst das erste von vielen solcher Treffen sein wird.

Das hoffen wir auch! Vielen Dank für dieses Interview.

Es war mir ein Vergnügen, vielen Dank!

 

Auch uns hat das Interview sehr viel Spaß gemacht und wir hoffen, dass dies nicht das letzte Mal war, dass Voltaire nach Deutschland gekommen ist. Mehr Infos findet ihr auf seiner Hompage.

 

(Wer das Interview lieber im Orginal auf Englisch lesen möchte, findet dieses hier auf meinem/AyraLeonas persönlichem Blog Ruffles and Steam, inlusive einiger persönlicherer Eindrücke)

 

 

1 Kommentar zu Im Salongespräch: Aurelio Voltaire

Hinterlasse einen Kommentar

 

 

 

Du kannst diese HTML tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>