Herr Steam fragt Herrn von Phone - ein Interview

Es folgt das erste Interview, welches Herr Horatius Steam für den Clockworker führte:

H.S.: Heute hatten wir das grosse Vergnügen, Herrn Telemann von Phone zu einem Interview zu Gast zu haben.
Herr von Phone ist bekannt für seine aussergewöhnliche Kreationen aus dem Bereich der Beleuchtungstechnik.
Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen.
Herr von Phone, wie haben Sie das Genre Steampunk für Dich entdeckt?

T.v.P.: Gelebt habe ich diese Art von Nostalgie eigentlich schon immer, bis vor ein paar Jahren jemand zu mir sagte: „das, was Du da machst, ist Steampunk“ – aha?!
Phonepunk existiert ja als Idee und in den Anfängen schon über 12 Jahre…
Dann habe ich festgestellt, dass da ja noch Andere waren, die meinen Stil kopierten und ich war empört! Doch als ich mich umdrehte war da eine ganze Welt, die zu mir sagte: „Herzlich willkommen zu Hause“. Na ja, und dann lernt man immer mehr hochinteressante Menschen kennen, die man schon fast als Seelenverwandte bezeichnen möchte – und die genauso verrückte Ideen im Kopf haben wie man selbst. Und auf einem Mal ist man wieder Punker und lungert vor Rathäusern rum, wie in Stade beim Aethercircus.

H.S.: Wie würden Sie den doch recht weitgreifenden Begriff Steampunk überhaupt definieren?

T.v.P.: Definieren? Hier wird nichts definiert!
Grundsätzlich beschäftigt mich aber die Frage: Wenn die Designnostalgie der Dampfmaschinen sich nie verändert hätte, die technische Entwicklung aber genau den Lauf genommen hätte, wie wir ihn kennen, wie würde die Welt dann heute aussehen? Und warum muss ein Gerät immer die Gebrauchsmöglichkeit haben, die wir kennen?

H.S.: Und was ziehen Sie für sich daraus, z.B. an Emotionen und Möglichkeiten zum Selbstausdruck?

T.v.P.: Als Pendant zu meinem Beruf als Feuerwehrmann und Rettungsassistent, der ja in der Regel nicht viel Raum für Kreativität und Ästhetik lässt, habe ich eine wunderbare Ausdrucksmöglichkeit für mich gefunden um eine Art Positivismus zu schaffen – deshalb läuft in meiner Werkstatt beispielsweise auch nur klassische Musik, es gibt kein Telefon und es ist nur selten Besuch zugelassen.

H.S.: Verfügt “Ihr” Steampunk auch über philosophische oder politische Hintergründe?

T.v.P.: Es ist die Philosophie des Miteinanders, das ist natürlich auch Gesellschaftspolitik. Wenn man sich ansieht, was uns die Gründerzeit an Hinterlassenschaften bereitet hat und ich dann darüber nachdenke, was wohl in hundert Jahren aus unserer heutigen Zeit übrig ist, fällt mir dazu wenig ein – das bedeutet, wir schaffen uns eine Welt, die keinen oder wenig Bestand haben wird. Das steht im konkreten Gegensatz zu vielen hochinteressanten Menschen, die ich im Steampunk kennengelernt habe. Da sind ganz viele Begegnungen dabei, welche Bestand haben werden.

H.S.: Steampunk wird häufig mit der viktorianischen Ära in Verbindung gebracht. Gäbe es Grundgedanken oder Verhaltensregeln aus dieser Zeit, welche Sie gern verstärkt in der heutigen Gesellschaft wüssten?

T.v.P.: Den fachgerechten Gebrauch von Visitenkarten. Anstand, Respekt – sowohl bei der Bekleidung als auch in der Konversation. Den Grundgedanken, nicht immer alles gleich wegzuwerfen, nur weil ich derzeit keine Verwendung dafür habe. Das setzt allerdings voraus, dass Dinge nicht grundsätzlich schon so gebaut werden, dass sie nur eine bestimmte Lebensdauer haben und man sie entsorgen muss, um ein Neues zu kaufen.

H.S.: Lassen Sie Ihren Steampunk in irgendeiner Weise auch in Ihren Alltag einfließen, abseits von Ihren Projekten?

T.v.P.: Ich lebe das zu Hause in so vielen Varianten, dass man kann das gar nicht mehr in „Steampunk“ oder „Nicht-Steampunk“ trennen kann.

H.S.: Haben Sie vor Steampunk als „Markenbezeichnung“ zu etablieren? Als etwas wertiges, besonderes?

T.v.P: Steampunk ist die Kunstausdrucksform der nächsten Zeit, in welchem Maße wird mir die dampfgetriebene Kristallkugel sagen, die ich gerade entwickle.
Es ist aber etwas, was einfach passiert, das kann man nicht inszenieren. Und es passiert, weil ganz viele kreative Leute Ihre eigene Ausdrucksweise und Interprätation des Steampunks in der Öffentlichkeit präsentieren und andere einfach anstecken.

H.S.: Es fallen besonders die Verwendung von Telefonen bei Ihren Kreationen auf. Hat es damit eine besondere Bewandtnis?

T.v.P.: Telefone sind ein Mittel der Kommunikation. In einem Zeitalter, in dem Kommunikation immer mehr auf eine Fast-food-Variante reduziert wird, besinne ich mich auf Ur-Formen zurück. Das Arbeiten mit perfekten Formen, wie die Coca-Cola Flasche, dem Porsche oder eben bei mir dem W48 Telefon, ist an sich schon Kommunikation mit dem Objekt. Wenn diese Sache am Ende eines Gestaltungsprozesses zu einer Be- oder Erleuchtung führt, habe ich dem Objekt einen neuen Sinn gegeben. Es geht mit in dem Gestaltungsprozess in der Hauptsache um die Umsetzung von Metaphern. Manchmal ist es aber auch nur ein Golem, der leuchtet – auch eine Ausdrucksform.

H.S.: Hatten Sie eine besondere Ausbildung?

T.v.P.: Ich bin gelernter Elektroniker, aber das ist viel zu lange her, den Rest hat die harte Schule des Lebens mit mir veranstaltet.

H.S.: Wer oder was inspiriert Sie?

T.v.P.: Um es mit den Worten des englischen Designers Paul Smith zu sagen: Sie können Inspiration in Allem finden, wenn nicht, sehen Sie genauer hin.

H.S.: Gibt es ein besonderes Lebensmotto für Sie?

T.v.P.: Ich bin nicht käuflich – für Phonepunk gilt das nicht.

H.S.: Worauf sind Sie besonders Stolz? Und warum?

T.v.P.: Auf meine Frau, die nach 20 Jahren meine Verrücktheiten immer noch mitmacht.

H.S.: Gibt es etwas, was Sie der Welt sagen möchten?

T.v.P.: Ein Miteinander unterschiedlicher Menschen ist möglich, aber nur unter einer Grundbedingung – RESPEKT!

H.S.: Herr von Phone, ich bedanke mich für das Interview.

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