Unsere ständigen Auslandskorrespondenten in Großbritannien waren beim Asylum und berichten von Weltrekordversuchen, Parties und Bällen. Ein Bericht mit Fotos von Andrea ist hier zu finden.
6th-9th September 2012, The Historic City of Lincoln
von Charlene Fetherstone (Judith Ressler) und Father T.I.M.E. (Conrad S. Quast)
Letztes Wochenende verbachten wir mit 1349 weiteren Gästen im „Asylum“ in Lincoln. Das „Asylum“ ist eines der grössten Steampunk Festivals Europas und findet seit 2009 jedes Jahr in der wunderschönen Altstadt von Lincoln in England statt. Die Veranstaltung wird von der Victorian Steampunk Society (VSS) organisiert, einem gemeinnützigen Verein, der ins Leben gerufen wurde, um die Steampunk Community in Grossbritannien zusammenzubringen.
Tagsüber gab es verschiedenste Programmangebote von Lesungen, über Diskussion, lustige Vehikelrennen, Kostümwettbewerbe und Kunstausstellungen. Abends hatte man die Qual der Wahl zwischen Theateraufführungen, Konzerten, Kabarett und Burlesque Show. Im Grossen und Ganzen ist das Steampunk Festival fast mit einer Messe zu vergleichen, denn das Programmangebot findet an verschiedenen Orten in Lincoln statt. Auf der Burg und im Gefängnis, dem ASYLUM, waren unter anderem die Kunstausstellung, Tanzkurse und das Filmfestival zu finden. In den „Assembly Rooms“ fanden u.a. die Lesungen, Buchveröffentlichungen , Diskussionen und natürlich am Abend der Empire Ball statt. Fast alle Tagesveranstaltungen waren im Preis von 22 Pfund des Wochenendtickets enthalten. Wie wir finden ein mehr als fairer Preis. Ganz typisch für ein Festival bekamen wir ein Bämmsel ums Handgelenk und hatten somit unser Recht für den Eintritt zur Burg, den Assembly Rooms, zum Steampunk Markt und der Orangerie im Charlotte House Hotel und somit zu allen Tagesveranstaltungen erworben. Für die Abendveranstaltungen wie z.B. den Ball, die Burlesque Show oder das Thomas Tuax Konzert musste man allerdings noch extra Tickets erwerben.
Die Beschreibungen für die Abendveranstaltungen waren allerdings meist etwas wage, so dass es uns schwer fiel eine Auswahl zu treffen. Da wir noch relativ neu in der Steampunk Szene sind, hatten wir so gar keine Ahnung „ Wer ist wer“ und auch die Autoren haben mir so gar nichts gesagt.
So haben wir uns am Freitag Abend unseren Freunden Ben und Tix, auch bekannt als die Band Moth angeschlossen. Die beiden sind vor Thomas Truax aufgetreten. Im Laufe des abends erfuhren wir dann auch, dass Thomas ein Amerikanischer Komponist und Musiker ist, der sich auf experimentelle Musik spezialisiert hat. Er ist bekannt für seine schrägen Instrumente, wie den „Hornicator“, das „Cadillac Beatspinner Wheel „ oder das „Stringaling“. Seine Musik läuft unter dem Label „ Steampunk“ allerdings würden wir es eher als „DaDaPunk“ bezeichnen. Auf jeden Fall mal was ganz anderes.
Aufgrund einer durchzechten Nacht (man trifft sich im allgemeinen nach den Konzerten und Bällen im Victoria Pub siehe unten…) haben wir leider das meiste am Samstag morgen verschlafen, so dass wir es nur zum Kostümwettbewerb und dem Guinness Weltrekord Versuch für die größte Zusammenkunft von Steampunks geschafft haben. Ob der Weltrekord gebrochen wurde (zuletzt erreichten die Teilnehmer des Dragon Con eine Zahl von 190), ist nicht öffentlich bekannt, da noch keine Zahlen von Seiten Guinness veröffentlicht wurden. Dennoch, auch nach den strengen Kriterien (gewertet wurde nur wer von Kopf bis Fuß in Steampunk Mode gekleidet ist und mindestens ein selbst gefertigtes oder modifiziertes Gadget dabei hat, welches am Körper getragen werden muss – dabei zählen Taschenuhren nicht) war die Menge beeindruckend. Judith, auf Grund ihrer eher ausgefallen Kleidung als Airship Stewardess kam auch (fast) ohne Gadget durch.
Es ist schon ein seltener und erhebender Anblick etwa 500 gut gekleidete Steampunks auf einem Fleck stehen zu sehen und das ganze auch vor der beindruckenden Kulisse von Lincoln Castle. Die meiste Zeit verbringt man allerdings auf dem Asylum mit Leuten zu quatschen, sein Outfit in der Gegend herumzuzeigen und für Photos zu posieren. So wird üblicherweise ein Weg, für den man normalerweise etwa 3 Minuten braucht zu einer Odyssee von mindestens einer Stunde.
Wenn man so gar nicht wusste wo man hin sollte konnte man immer im Biergarten des Victoria Pub einkehren und mit Sicherheit ein bekanntes Steampunker-Gesicht antreffen. Da wir keine Karten für den Empire Ball hatten und es uns auch nicht so sehr nach gehobener Etikette war, verbrachten wir dann auch den Samstag Abend wieder mit uns schon bekannten und von uns geliebten Musikern, Whisky Bob Shaker und BB Black Dog.
Sonntag war dann der Tag um noch mal shoppen zu gehen – Conrad erwarb dann auch kurzerhand in den Lawns (dem Steampunk Market) Weste und Hose und Hosenträger um den Cowboys vs Aliens Look zu verbessern…
Wieder trieben wir uns hier und dort herum, wobei wir später auch noch der Monster Hunters Union von Major Jack Union (Kit Cox) beitraten – als Spezialisten für die Beseitigung von Revenants (oder auch Zombis). Kit erzählte uns dann auch noch strahlenden Auges eine Geschichte, die unsere Herz rührte:
Neben der Tatsache, dass er alle seine Bücher (Major Jack’s „How to bag a Jabberwock“, leider noch nicht auf deutsch erhältlich) schon nach einem Tag verkauft hatte, hat er ein Buch mit beschädigten Rücken einem kleinen Jungen geschenkt (natürlich mit Widmung). Erst später erfuhr er von den Eltern des kleine Max, dass dieser unter schwerer Leghastenie leidet. Umso erstaunter waren die Eltern, als sie am nächsten Morgen aufwachten und Max schon die ersten beiden Kapitel gelesen hatte. Natürlich wurde Max dadurch automatisch zu einem Mitglied der Union…
(mehr über das Buch: http://clockworker.de/cw/2012/06/07/how-to-bag-a-jabberwock-major-jack-union/ )
Nach endlosen Verabschiedungen (und einem hervorragenden Burger und Steak) mussten wir uns dann leider wieder nach London begeben.
Fazit:
Auch wenn man auf Grund der vielen Steampunks, dem Staunen über dies und das und das Quatschen, Posen etc. nur wenige der vielen Programmpunkte des Asylum mitmachen kann, so lohnt es sich dennoch.
Besonders die Einwohner Lincolns, die mit Begeisterung und ausgesprochener Gastfreundschaft reagieren tragen dazu bei, dass man sich wohl fühlt – und aus Sicht der Behörden ist das alljährlich Treffen auch ein großer Vorteil: So sinkt, entgegen allen Erwartungen von Großveranstaltungen, die Kriminalitätsrate während des Asylum um 5 – 10% ! Guter Umgangston und imposantes Auftreten helfen eben…
Vieles von dem was noch geschah und was wir noch gesehen haben können wir leider nicht berichten, da dies wahrscheinlich ein Buch füllen würde…
Wir sind jedenfalls nächstes Jahr auch wieder dabei!
LINKS:
http://www.thomastruax.com/welcomeset.html
https://www.facebook.com/BBBLACKDOG
https://www.facebook.com/pages/Whiskey-Bob-Shaker/169533931356










