Ein fantastisches Festival - Dragon Days 2012

Andreas Fröhlich lebt den Hobbit (Foto: Ronny Schönebaum)

Es war ein gewagtes Experiment, dass der Kurator Tobias Wengert mit den Dragon Days eingegangen ist. Ein Festival für die Fantastik im Umfeld des klassisch geprägten Literaturhauses Stuttgart. Noch dazu sollten sich die Dragon Days nicht auf Literatur beschränken, sondern Cross-Media-Veranstaltung die ganze Bandbreite des künstlerischen Schaffens im fantastischen Genre präsentieren.  Nach vier Tagen, angefüllt mit spannenden Vorträgen, Workshops und Lesungen, kann man das Fazit ziehen: Das Experiment ist mehr als gelungen und hat bewiesen, dass Fantastik sowohl Publikumsmagnet sein kann, als auch ein Feld für seriöse Beschäftigung mit Literatur.

Eines der besonderen Highlights war die Lesung des Hobbits von Andreas Fröhlich, der Gollum im Film nicht nur seine Stimme gegeben hat, sondern auch als Bob Andrews in den Drei ??? seit Jahrzehnten Kriminalfälle aufklärt. Seine Interpretation des Gollums schaffte mühelos den Sprung von der Leinwand an den Lesetisch  in Stuttgart und ließ die Besucher die erste Begegnung zwischen Gollum und Bilbo nach erleben.

Sebastian Badea (unexpected) führt Motion Capture vor. (Foto: Ronny Schönebaum)

Stuttgart erweist sich auch als Glücksgriff für ein solches Festival, kaum eine andere Stadt kann so eine Dichte an Verlagen im fantastischen Bereich aufweisen und die in der Nähe liegenden Filmakademie Baden-Würtemberg schlägt die Brücke in die Welt des Films. So zeigte Sebastian Badea von der Firma unexpected aus Stuttgart wie animierte Figuren auf der Kino-Leinwand durch Motion Capture zum Leben erweckt werden und Juri Stanossek von Pixomondo berichtete von den Spezial Effekten der Serie Game of Thrones, die in Ludwigsburg produziert werden.

Felix Mertikat und Verena Klinke beginnen ihren Vortrag zu Steam Noir mit dem Zitat von Oppenheimer "I am become death, destroyer of worlds"

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Steampunks und begann mit einer Lesung von Bernd Perplies aus seiner Trilogie Magierdämmerung, gefolgt durch einen Vortrag von Verena Klinke (Autorin) und Felix Mertikat (Zeichner) des Comics Steam Noir. Die beiden Künstler berichteten über die Welt ihrer Comicreihe und wie Figuren, Szenen und Handlungen entstanden sind. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen, jede Farbe, jede Blickrichtung und Bewegung der Figuren ist bewusst gewählt, um die Szene für den Leser greifbarer zu machen und ihm Hinweise auf die Handlung zu geben. Als Abschluss des Themenschwerpunkts Steampunk diskutierten Verena, Bernd, Felix und yours truly über die Entwicklung des Genres.

Als besonderes Highlight und letzten Programmpunkt der Dragon Days las der Autor und Übersetzer Ernest Wichner aus dem Buch „Enzyklopädie der Drachen (Enciclopedia Zmeilor)“ des rumänischen Autors Mircea Cărtărescu, welches in Teilen eigens für die Veranstaltung übersetzt wurde. Cărtărescu ist einer der wichtigsten Gegenwartsautoren Rumäniens, um so bedauerlicher ist es, dass er für die Enzyklopedie der Drachen keinen deutschen Verlag finden konnte. Dabei überzeugt die Sammlung verschiedener Drachen durch wundervolle Illustrationen, amüsanten Beschreibungen und viel Augenzwinkern, so dass sie für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen lesbar ist.

Die Dragon Days kommen 2013 wieder nach Stuttgart und werden die deutsche Fantastik bereichern. Man darf jetzt schon auf das Programm gespannt sein.

Hinterlasse einen Kommentar

 

 

 

Du kannst diese HTML tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>