Der Steampunk wird sie kennen: die Strahlenwaffen des Dr. Grordbort, die von der neuseeländischen SFX-Schmiede Weta Workshop als Sammlerobjekte angeboten werden. Der Mann hinter dem Projekt ist Greg Broadmore und der war auf der diesjährigen FedCon in Düsseldorf nicht nur persönlich anzutreffen, sondern brachte auch gleich seine Dr. Grordbort-Ausstellung mit, die bereits in zahllosen Ländern der Erde bewundert werden durfte. Eindrücke von den Exponaten findet der geneigte Leser in diesem Artikel.
Gleichzeitig plauderte Greg während eines Vortrags aber auch ein wenig aus dem Nähkästchen des Designers und Nerds und stellte das Projekt und den Werdegang genauer vor.
Greg, der mit seinem gigantischen Vollbart auch rein optisch in seine Werke passen würde, bezichtigt sich selbst des Nerd-Tums (liebt Comic, SciFi, Phantastik, ist zudem passionierter Computerspieler und trug am Donnerstag als Beweis ein Half Life 3-TShirt) und war Zeit seines Lebens dem Schaffen von Kunst und dem Design verhaftet. Auch in Neuseeland ist das leider oft eher brotlos und so hatte er sich im Prinzip bereits damit abgefunden, sich als Arbeitsloser oder Gelegenheitsjobber durchs Leben zu schlagen und währenddessen zu zeichnen, was das Zeug hält.
Doch dann wurde man bei Weta Workshop auf ihn aufmerksam und er selbst bezeichnet seine Anstellung dort als »das Größte was ihm hätte passieren können«.
Als Production-Designer hat er an diversen Filmen mitgearbeitet, unter anderem an DISTRICT 9 oder NARNIA, aber gleichzeitig gibt man ähnlich wie bei Google auch bei Weta den Mitarbeitern die Möglichkeit, eigene Projekte zu verfolgen.
Greg zeichnete diese abgefahrenen Strahlenkanonen und Szenerien aus einer interplanetaren Kolonialzeit, die es so nie gegeben hat und sein Chef Richard Taylor war davon so begeistert, dass er den Zeichnungen mehr Leben einhauchen wollte.
Zuerst gab es »nur« die Rayguns, die Strahlenkanonen, die als »Repliken« bezeichnet werden, obwohl es sie natürlich so nie wirklich gegeben hat und die in limitierter Auflage produziert und verkauft wurden. Dabei legte man laut Greg Wert darauf, dass die Waffen möglichst »echt« wirken sollten, also keineswegs wie Spielzeug, oder wie etwas, das man sich als Hochglanzobjekt in den Schrank stellt, sondern wie wirklich – natürlich innerhalb ihres phantastischen Kontextes – »reale« Stücke.
Durch die zugehörige Webseite und die Fahrt aufnehmende Steampunk-Bewegung errang Dr. Grordbort trotz des insbesondere für deutschsprachige Fans leicht sperrigen Namens aber so viel Aufmerksamkeit, dass schnell mehr daraus wurde. Greg sagte »es verselbstständigte sich«. Inzwischen sind nicht nur die Strahlenwaffen nach wie vor erhältlich (nun auch in Miniaturausführungen, die den Geldbeutel des Interessierten bei weitem nicht so belasten wie die großen Modelle), sondern es gibt zudem mehrere von Greg gezeichnete Comic-Bände über die Abenteuer verschiedener Protagonisten seines Universums, und eben die Ausstellung, die erfolgreich um die Welt tourt.
Dabei ist ihm klar – und das ist auch explizit so gewünscht – dass die Inhalte mit dem zentralen Thema »Kolonialisierung«, angelehnt an unsere reale Historie, nicht immer politisch ganz korrekt ist. Lord Cockswain beispielsweise ist ein Misanthrop, der am liebsten mit seiner Strahlen-Blunderbuss auf Mars und Venus endemisches Großwild jagt und einheimische Intelligenzen als untergeordnet ansieht. Doch das gesamte exotische Setting und eben insbesondere auch, dass nicht alles eitel Freude und Frieden ist (ganz im Gegenteil), faszinieren den Erfinder. Und wohl auch die Fans, denn die Comic- und Bildbände verkaufen sich wie geschnittenes Brot (sind nur leider hierzulande oft schwer zu bekommen – auf Amazon.de erhält man: »Dr. Grordbort Presents Victory: Scientific Adventure Violence, Volume 127: For Young Men & Literate Women
«, sowie »Doctor Grordbort’s Contrapulatronic Dingus Directory«).
Greg Broadmore ging auch noch kurz darauf ein, wie er arbeitet. Viele seiner Landschaftsbilder entstehen aus einfachen groben oder abstrakten Skribbles, die dann stufenweise verfeinert und erweitert werden bis er dann ganz zum Schluss feine Details und gegebenenfalls technisches Gerät und Personen hinzufügt. Er arbeitet inzwischen fast ausschließlich in Photoshop und mit dem Grafiktablett – und bedauert das fast ein wenig, aber die Vorteile dieser Technik überwiegen bei Weitem.
Während seines Vortrags stellte ich die Frage nach einem Film, und ob es eher eine Realverfilmung oder etwas Animiertes werden würde.
Ja, man habe bei Weta Workshop schon über einen Film nachgedacht und er persönlich würde sich eine Realfilm-Umsetzung wünschen, die dann aber selbstverständlich heftigst mit CGI angereichert werden müsste. Er war sich aber auch darüber im Klaren, dass solch eine Produktion nicht ganz billig werden würde und auch wenn man bei Weta schon einmal über ein solches Projekt geredet habe, fehlen bislang noch die Geldgeber. Grinsend sagte er in Richtung der Anwesenden, wenn jemand also zufällig 80 oder 100 Millionen Kiwi-Dollar über habe, dann wüsste er etwas mit dem Geld anzufangen … Auf jeden Fall ist die Möglichkeit da, ob sie umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt, aber ich würde mir einen solchen Film auf alle Fälle ansehen. Mir fiel sofort Kickstarter ein, aber dieses Projekt wäre vielleicht eine Nummer zu groß für die Crowdfunding-Plattform …
Neben dem Film wollte er auch ein Computerspiel nicht als Möglichkeit ausschließen, wenngleich hier selbstverständlich Ähnliches zur Machbarkeit gilt, wie bei einer Kinofassung des Stoffes.
Auf Steampunk angesprochen gab er zu, dass ihm zwar bewusst ist, dass seine Visionen zwar auch dorthin passen, erläuterte aber, dass er persönlich eher vom Dieselpunk und vom Art Deco kommt. Wenn man etliche seiner Bilder betrachtet, kann man das auch deutlich nachvollziehen, dennoch nennt er einen Zeitraum von den 1880ern bis zu den 1930ern als Hintergrund für seine Kreationen, unter diesem Aspekt ist eine Einstufung einiger der Werke als Steampunk sehr naheliegend.
Deswegen war es natürlich fast zwingend, dass die anwesenden Steampunks sich zu einem Fototermin in der Ausstellung versammelten, denn es gab definitiv keinen geeigneteren Ort dafür. Auch der Termin war gut gewählt, denn da William Shatner gerade sein Panel abhielt, war der Raum zum Zeitpunkt des Treffens bar jeglicher anderer Besucher.
Die anwesenden Ladies und Gentlemen versammelten sich für diverse Ablichtungen um die Statue von Lord Cockswain und auch Greg Broadmore ließ es sich nicht nehmen, auf ein paar der Fotos selbst in Erscheinung zu treten. Und auch, wenn er in seinem Vortrag wie oben erläutert ja behauptet hatte, er käme eher vom Art Deco – das Leuchten in seinen Augen angesichts der passend Gekleideten in seiner Ausstellung war kaum zu übersehen.

Abschließend ist für mich persönlich zu sagen, dass die Ausstellung und Greg Broadmores Vortrag zu den absoluten Highlights der FedCon gehörten, dagegen kann auch das aufgefahrene Staraufgebot nicht einmal ansatzweise anstinken. Aber da mag jeder andere Prioritäten besitzen …
»Kia ora!« nach Neuseeland und Danke für die großartige Ausstellung und den gelungenen Vortrag. Und Dank auch an die anwesenden Damen und Herren in der äußerst angemessenen Kleidung für den Fototermin.
Mit ergebenstem Gruße
Professor X
alias
Stefan Holzhauer
phantanews.de
alle Bilder sind von mir und stehen unter CC BY-NC-SA, die Inhalte der Bilder der Ausstellung sind Copyright by Greg Broadmore und Weta Workshop, das Buchcover ist Copyright Weta
Links:
http://www.drgrordborts.com
http://www.gregbroadmore.com
http://www.wetanz.com/rayguns/
http://www.drgrordborts.com/exceptional-exhibition/









Tja, hübsche Waffen, gegossen aus Plastik, bemalt, verziert und ohne auch nur das kleinste Rädchen zum Drehen oder Schalten. Hübsch anzusehen, fürchterlich empfindlich gegen Stoß und Erschütterung. Eben nur ein hübsch bemaltes Stück Plastik……
Nicht meine Welt.
“Einfach nur bemaltes Plastik” tut dem Gesamtkunstwerk Unrecht. Genauso gut könnte man sagen, ein Nerf-Mod sei “nur ein bemaltes Stück Plastik”, ein Film sei einfach “nur ein paar Meter belichtetes Zelluloid” oder ein hölzernes Computergehäuse sein “nur ein wenig Holz mit Lack” …
Stimmt
[...] Treffen der anwesenden Steampunks nicht hier auf PhantaNews, sondern drüben auf Clockworker.de — denn da passt er viel [...]