Das Buch “Electrica – Lord des Lichts” von Helene Henke ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Zum einen gehöre ich definitiv nicht zum Zielpublikum, wenn da nicht dieses kleine Wort “Steampunk” im Klappentext wäre. Zum anderen beweist der Sieben-Verlag, was vor wenigen Jahren auf der Buchmesse von den großen Verlagen noch abgestritten wurde. Man kann mit Steampunk sehr gut auch andere Leserschichten erschliessen als den typischen Fantastik-Fan, dazu braucht man auch keine Lizenzen, sondern es gibt deutsche Autoren. Das futuristische viktorianische Setting eignet sich ausgezeichnet auch für historische Liebesromane, die so noch eine besondere Würze bekommen und die Grenze zwischen zwei Genren überschreitet. In Fall von Electrica kommt noch das Vampir-Genre hinzu…
“Der einzige Glaube, der zählt, ist der an den Fortschritt” – Lord Cayden Maclean, Vampir
Nach vielen Jahrhunderten kehrt Lord Cayden Maclean zurück auf die Isle of Mull, um sich auf Duart Castle, dem Sitz seiner Vorfahren, seinen Forschungen in der Entwicklung der Electrica zu widmen. Anders als das Gaslicht, soll diese neuartige Lichtquelle seine Nacht zum Tag erhellen. Als Sue Beaton im Schloss auftaucht, um ihn als ihren Lehnsherrn um Beistand zu bitten, ist er auf Anhieb fasziniert von ihrer Schönheit und ihrem Verstand. Sie erweckt lange unterdrückte Emotionen in ihm, die seinen Feind Luthias auf seine Fährte locken. Mithilfe fortschrittlicher Technologien setzt dieser alles daran, die alte Fehde wieder aufzunehmen. Caydens Liebe zu Sue könnte ihm zum Verhängnis werden …
Bevor jetzt aber die ersten Leser laut aufstöhnen und sich abwenden: Helene Henke hat ihre Arbeit gut gemacht und verbindet die drei Genre auf unterhaltsame Weise. Die Historie Schottlands bildet den Hintergrund für eine Geschichte zwischen Romantik, düsteren Szenen, die zu Sleepy Hollow gepasst hätten und dem Fortschritt als Licht in der Dunkelheit. Angetrieben durch einen Vampir, dessen Glaube an den Fortschritt und die Wissenschaft der Menschen, die einzige Unterhaltung für ihn ist. Wäre da nicht noch Sue…
Für den Hardcore-Fantastik-Fan ist Electrica sicherlich nichts, denn dazu wird Steampunk zu sehr als reines Stilmittel genutzt. Aber wer gerne mal über den Gartenzaun schaut und oder die Liebste für Steampunk begeistern will, sollte Frau Henke eine Chance geben und wird nicht enttäuscht werden.
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