Wahrscheinlich hat jeder so ein Buch-Genre, mit dem er sich überhaupt nicht anfreunden kann: humoristische Fantasy, Vampire, Lokal-Krimis… was auch immer. Für mich sind es Romane, die sich an gar keine Schublade halten und einen wilden Genre-Mix aus Science-Fiction, Horror, Steampunk und/oder klassischer Fantasy abliefern. Romane in dem sprechende Hunde und singende Pandas zum normalen sozialen Umfeld der Akteure gehören und sich niemand nach dem Magier im Raumschiff umdrehen würde.
Sean O’Connell hat mit seinem Hörbuch “Tír na nÓg” genau so einen Roman abgeliefert (Ok, nicht genau diesen Roman, die singenden Pandas sind dichterische Freiheit von mir) und mit gehöriger Skepsis machte ich mich an die 15 Stunden Hörbuch aus dem Action Verlag. Niemand hat gesagt, dass Rezensionen Spaß machen sollen…
Schon beim Einstieg wurde ich aus meinem gepflegten Missmut geweckt und wurde im wahrsten Sinne des Wortes “hellhörig”. Die Musik, die den Hörer in die Welt von Tír na nÓg einstimmen soll, war kein einfaches Synthie-Geklimper wie man es oft bei kleineren Verlagen hört, sondern richtig gut hörbar und schafft einen fast filmischen Einstieg in die Handlung. Dem Komponisten Thomas Nolte gehört an dieser Stelle ein ausgesprochenes Lob.
Aber war ja immer noch diese “Ich-mache-was-mir-gefällt Welt“, da wird gute Musik auch nicht helfen.
Lange nach der großen Katastrophe droht die Bruderschaft der Archivare an einem Disput über dieses Ereignis zu zerbrechen. Meister Aki und sein Schüler Cornelis werden entsandt, um dieses Geheimnis zu ergründen. Ihr Ziel ist die Insel “Tír na nÓg”, die von einer mächtigen Barriere geschützt wird.
Ich gebe es ja nur ungerne zu, aber mein Vorurteil war innerhalb kürzester Zeit völlig widerlegt und ich war in der Geschichte von Meister Aki und seinem Schüler gefangen. Die von Sean O’Connel erdachte Welt ist kein wildes Misch-Masch, sondern ein gut gemixter Cocktail, bei dem jede Zutat ihren Sinn hat, sich perfekt mit den anderen kombiniert, um am Ende ein schmackhaftes Getränk zu ergeben. Trotz der Vielfalt der Elemente wirkt die Geschichte nicht konstruiert, sondern ist gut durchdacht und überrascht an vielen Stellen mit kreativen Einfällen. Das ist “Phantastik” im besten Sinne des Wortes, denn es gibt keine Schublade an die sich O’Connel hält.
Die Erzählung entwickelt sich als klassische Reise-Abenteuer-Handlung, wird aber durch geschickten Intrigen, Verschwörungen und Überraschungen angereichert, so dass man sich nie auf dem “Mordor-Been-There-Done-That”-Pfad fühlt. Die Welt ist stimmig und der Autor erweist sich als ausgezeichneter Weltenbauer. Da fällt es auch nicht negativ auf, dass die Charaktere auch einer typischen Reise-Abenteuer-Geschichte entspringen: die Handlung steht im Vordergrund und nicht die psychologische Detailzeichnung eines Protagonisten.
Ein kleines Manko ist der Sprecher Christian Hanreich, dem es leider nicht gelingt seine Erzählung ebenso farbenfroh und kreativ ins Ohr zu bringen. Seine Leistung ist nicht schlecht, aber ich hätte mir mehr Tiefe bei den einzelnen Charaktere gewünscht. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau.
Tír na nÓg von Sean O’Connell bietet 15 Stunden fantastische Unterhaltung in einer fernen Welt, genau das richtige für lange Winterabende.
Verlags-Seite zum Buch
Preis (Hörbuch CD/DVD): 19,95 EUR
Preis (Hörbuch Mp3): 16,95 EUR








[...] Das habe ich heute Abend gebraucht: nach meinen desaströsen Fortschritten beim Einpflegen der Korrekturen von „Túatha Dé Danann“ (Sean O’Connell ist eine faule, vergammelte Socke!) und meinem Unmut über meinen mangelnden Fleiß, kam die Rezension von Clockworker gerade recht. Danke! Im Hintergrund grölt John Lennon, mir stehen fast die Tränen in den Augen, ich weiß gar nicht mehr ein, noch aus (Dramaturgische Übertreibung!)!!! Mehr hier. [...]
Ich kann nur voll und ganz zustimmen, mich hat gerade der Weltenbau wirklich fasziniert und bin schon sehr gespannt wie es wohl im zweiten und letzten Teil weitergeht.
Selbst Genremixer kann ich nur sagen: Wunderbar! Jenseits von Orks, Elfen und Vamprien ist noch so viel mehr möglich – und auch die mussten einst erfunden werden. Wir können den Mut zu neuen Welten gut vertragen. Sie bilden zu können ist ein einzigartiges Gut. Sean O’Connells Arbeit ist ein wertvoller Schritt in diese Richtung. Weiter so! Irgendwann können Welten wie Tir na nÓg und seine Figuren dann selbst Basis eines Genres werden.