Im Salongespräch: Morella & the Wheels of If

Heute im Salongespräch: Timemaster Tim sprach mit den Mitgliedern der musikalischen Truppe Morella & the Wheels of If aus dem mystischen New Orleans, die gerade ihr Debüt-Album „Shipwrecked“ veröffentlicht hat. (Des Captains ausführliche Besprechung des Albums hier. )

Morella & the Wheels of If

Zum Auftakt ein paar Worte über das neue Album „Shipwrecked“ und die Songs darauf…

LaLa: Shipwrecked war der erste Song, für den ich den Text geschrieben habe, und Aeryk hat dann dazu die Musik komponiert. Aeryk komponiert schon seit vielen Jahren Lieder für Klavier, also habe ich mir nach diesem ersten Song die Lieder angehört, die er bereits fertiggestellt hatte und dann angefangen, einfach Texte zu schreiben, die dazu passten. Wir sind alle fasziniert von Erzählungen über Künstler und historische Personen wie Vincent van Gogh, Marie Antoinette, Edgar Allan Poe, Bonnie & Clyde, usw.. Wir schreiben auch Songs über unsere eigenen Erfahrungen aus dem Leben in der dunklen und geheimnisvollen Stadt New Orleans: Gedanken und Ideen wie Tod, Träume und Liebe.

Woher stammt der kuriose Bandname „Morella and the Wheels of If“, und wessen Idee war er?

Anastacia: Unsere Band begann ursprünglich als Trio (Edward an den Drums ist etwas später dazugestoßen). Alle drei schrieben wir mögliche Namen auf, die uns gefielen und strichen die Liste dann auf zwei Namen zusammen. „Morella“ ist eine Geschichte von Edgar Allan Poe, in der es um Unsterblichkeit und Magie geht, und „The Wheels of If“ (dt. „Die Räder der Zeit“) eine Geschichte von L. Sprague de Camp über Zeitreisen und unendliche Möglichkeiten. Wir fanden, dass die beiden Ideen in der Kombination unsere Vorstellungen über unsere Musik einfingen. Musik kann ewig weiterleben und besitzt eine Art Unsterblichkeit, und es gibt unendliche Möglichkeiten, was man im kreativen Reich der Musik machen kann. Musik ist wie ein Zeitstempel. Ob du noch hier bist oder nicht, die Musik lebt hoffentlich weiter. Da ist unser Bandname!

Old World Music for a Modern Time“ heißt es auf eurer Website. Darüber hinaus – wie würdet ihr jemandem, der sie nicht kennt, eure Musik beschreiben?

Anastacia: Wir ermutigen die Leute meist dazu, sich unsere Musik einfach anzuhören, weil es uns sehr schwer fällt, uns auf eine Beschreibung festzulegen. Manchmal werden Worte wie „Steampunk“ oder „neo-viktorianisch“ verwendet, um unsere Musik zu beschreiben. Hier ist ein kleiner Schnipsel aus einer Beschreibung, die uns gefällt: „Klavier-getriebene Koffer-Drum Grundrhythmen und zwei ätherische weibliche Stimmen im Vordergrund versetzen dich in eine längst vergangene Ära. Morella erfüllen Theatralik mit weiblichem Gesang und erschaffen so eine absintherfüllte Traumwelt.“

Beschreibt bitte einmal den typischen Ablauf Eures kreativen Prozesses von der ersten Idee bis zum fertigen Song.

Aeryk: Die Inspiration ziehen wir aus unserer Umwelt, von Künstlerkollegen, aus Träumen, Wein etc., und das ist dann der zündende Funke für eine Idee oder die Empfängnis eines Stückes. Seine Geburt kann entweder zuerst durch den Text oder auch die Musik eingeleitet werden. Dann werden allmählich weitere Elemente wie Harmonie und Percussion hinzugefügt. Normalerweise machen wir eine sehr grobe Demo-Aufnahme von dem Song während der Ideenphase, dann basteln wir monatelang daran herum, bis wir so zufrieden damit sind, dass wir ihn ordentlich aufnehmen. Das Stück entwickelt sich aber kontinuierlich weiter, auch nachdem wir eine endgültige Fassung auf Tonträger gebannt haben.

Welche Künstler (Musiker und andere) würdet Ihr als Eure wichtigsten Einflüsse betrachten?

Alle Künstler beeinflussen uns. Wichtigste Einflüsse…

Aeryk: Chopin, Liszt, Beethoven, Mozart, Iron Maiden, Metallica, Acid Bath

LaLa: Meine Bandkollegen beeinflussen mich mit der Kunst, die sie außerhalb von Morella erschaffen. Ich liebe Musicals, weil sie für mich alles haben: Kostüme, Musik, Tanz und Schauspiel. Wenn wir auftreten, gestalten Anastacia und ich die Show bevorzugt sehr theatralisch, und manchmal bringen wir professionelle Tänzerinnen mit, was mich in die Zeit zurückversetzt, in der ich mir Musicals anschaute. Einige meiner Lieblingsmusicals sind Fiddler on the Roof, Dancer in the Dark, The Nightmare Before Christmas, The Wizard of Oz und Der Blaue Engel. Wir haben sogar kürzlich einen Song geschrieben, der von Der Blaue Engel inspiriert ist.

Anastacia: Ich liebe Songs aus den 50er-Jahren von Künstlern wie Sam Cooke, The Shirelles, Peggy Lee, Buddy Holly etc.. Ich mache auch die Photographie für die Band und lasse mich von Photographen wie Julia Margaret Cameron, Bellocq und Jerry Uelsman inspirieren, um nur einige zu nennen. Außerdem sind meine Träume für mich eine wichtige Quelle der Inspiration. Viele Bilder und Ideen fallen mir ein während ich schlafe!

Edward: The Roots, Beastie Boys, John Bonham, Charlie Watts von den Stones, Trommler beim Mardi Gras und anderen Paraden und Polka!

Gibt es auch aktuelle Bands oder Projekte, die Euer Werk beeinflussen oder Künstler, mit denen Ihr gerne einmal gemeinsam auftreten würdet?

LaLa:Künstler aus unserer Region, mit denen wir sehr gerne auftretet sind Rock City Morgue, Ratty Scurvics und die Tsunami Dancers. Wir sind auf den gleichen Festivals wie Rasputina und Versailles aufgetreten, die wir beide sehr schätzen. Es wäre schön ein Konzert mit Dax Riggs oder irgendeinem von Mike Pattons Projekten zu spielen. – Aeryk

Ich persönlich würde gern einige Künstler von Toten auferstehen lassen, zum Beispiel Edith Piaf, Billie Holiday und Cab Calloway, und gemeinsam mit ihnen auftreten. Aber wenn ich die nicht haben kann, dann wären vielleicht Coco Rosie und Gogol Bordello lebende Künstler, mit denen zu spielen nett wäre.

Was für ein Publikum ziehen Eure Auftritte an (Gothics, Punks, Menschen in historischer Gewandung…)?

LaLa: Wir freuen uns, dass wir ein sehr breit gefächertes Publikum haben. Wir erlegen uns selbst und unserer Musik keinerlei Beschränkungen auf und merken, dass somit auch unser Publikum nicht das Gefühl hat, in eine bestimmte Kategorie passen zu müssen, um unsere Shows zu mögen. New Orleans ist tendenziell eine sehr offene Stadt, in der man nicht zu einer bestimmten Gruppe von Menschen gehören muss, und so tauchen alle möglichen verschiedenen Leute bei unseren Konzerten auf. Eine Sache, die sie gemeinsam haben ist, das die Meisten gern Spaß haben und Alkohol trinken. Wir teilen bei unseren Konzerten oft Proben von Lucid Absinth aus, was mit dem letzteren Teil nachhilft.

Es gibt eine deutliche Affinität zwischen der schnell wachsenden Steampunk-Subkultur und Musik wie Eurer. Habt Ihr persönliche Erfahrungen mit der oder Kontakte in die Steampunk-Szene?

Aeryk: Wir haben auf dem Dances of Vice Festival in New York City gespielt, das ein starkes Steampunk-Feeling hatte.

Wir alle lieben es, uns zu verkleiden. Die Leute, die zu unseren Konzerten kommen sind oft sehr schön im Steampunk-Stil gewandet. Unsere alltägliche Szenerie hier ist sehr viktorianisch, mit den alten Häusern und Gebäuden. Viele davon sind zerstört, aber wir lieben die Atmosphäre von New Orleans. Die Steampunk-Szene hat unsere Musik mit offenen Armen empfangen, und das wissen wir sehr zu schätzen.

Was macht nach Eurer Meinung viktorianischen Retro-Stil (wie Steampunk oder Dark Cabaret) im Moment so populär?

Anastacia: Hmm, ich weiß nicht, was heutzutage irgendetwas populär macht. Versatzstücke von Steampunk und Kabarett gibt es schon eine ganze Weile, seit Jahrzehnten sogar, besonders im Film. Ich glaube, Steampunk und verwandte Stile haben etwas wunderschönes und geheimnisvolles, das die Menschen in seinen Bann zieht. Für Morella jedenfalls ist es die Verbindungen aus Romantischem und Düsterem, das unsere Herzen gefangen nimmt.

Da Euer Debütalbum soeben erschienen ist, seid Ihr sicherlich sehr beschäftigt, hierfür Promotion zu machen. Trotzdem ein Ausblick in die Zukunft: Arbeitet Ihr schon an neuen Songs? Gibt es bereits Pläne für weitere Veröffentlichungen?

LaLa : Ja, wir hatten neulich erst die Release Party für unsere CD im Vaughans in New Orleans, die sehr viel Spaß gemacht hat. Jetzt beginnen wir gerade mit der Planung der Tournee. Vermutlich wird es erst einmal nur Termine in den USA geben. Wir haben aber schon ungefähr fünf neue Songs, an denen wir mit viel Vergnügen arbeiten, und ich liebe es, mit Aeryk an einem neuen Song zu arbeiten und ihn dann zum ersten Mal unseren wunderbaren Fans vorzuspielen.

Wenn man Eure Musik hört und die Beschreibung Eurer Konzerte auf Eurer Homepage liest, drängt sich der Eindruck auf, dass man Euch unbedingt live auf der Bühne erleben sollte. Dürfen wir auf eine Europa-Tournee in der näheren Zukunft hoffen, vielleicht sogar Auftritte in Deutschland?

Anastacia: Wir träumen davon, durch Europa zu touren, lieber früher als später! Wir lieben Europa über alles! Aeryk ist der einzige von uns, der bereits einmal in Deutschland gewesen ist, aber nach allem, was er uns erzählt hat, glauben wir, dass der Rest von uns es ebenso lieben wird.

Wir hoffen, dass wir es nach Deutschland schaffen, und wer einen Club besitzt und möchte, dass wir dort auftreten, darf sich gerne jederzeit bei uns melden.

Abschließend irgendwelche „letzten Worte“, die Ihr Euren deutschen Fans mit auf den Weg geben möchtet?

Edward: Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für uns nehmt! Wenn Euch unsere Musik gefällt, kauft bitte unser Album „Shipwrecked“ online unter www.morellamusic.com.

Wir hatten immer das Gefühl, dass Deutschland, genau wie wir, eine dunkle Seite hat und trotzdem Spaß haben will, also hoffen wir, dass Euch unsere Band gefällt!

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