Nachgefragt - Steampunk und deutsche Verlage

Dieser Tage war es mir vergönnt gleich auf zwei größeren, literarisch äußerst hochwertigen Veranstaltungen zu flanieren, mir professionelle Einschätzungen und Prognosen einzuholen. Die Rede ist dabei von der überaus in der fantastischen Szene beliebten Buchmesse Convention (kurz BuCon) in Dreieich, nahe Frankfurt und der großen Schwester, deren internationaler Ruf sicherlich in jedermanns Wohnstube gedrungen sein sollte – die Frankfurter Buchmesse.
Gewandet in meinen braunen Gehrock und mit meiner Arzttasche an der Hand, schlich ich so bei Oliver Plaschkas Lesung aus seinem „Kristallpalast“ hinein und belagerte Verlagssprecher auf der FFM.

Zunächst einmal von der BuCon. Hier, meine Damen und Herren, muss man sich eine der bedeutsameren Keimzellen für das zukünftige Genre vorstellen. Es wird diskutiert über das Thema, es wird in der Messezeitschrift selbst ein Interview dazu gegeben. Steampunk schwebt überall zwischen den Zeilen und immer öfter werden die Elemente als solche auch korrekterweise erkannt. Oliver Plaschka hat mit seiner gekonnten Lesung nicht nur den Zuhörer gebannt, sondern auch einen guten Eindruck davon geliefert, welche persönliche Definition von Steampunk er bevorzugt. Feder&Schwert haben indes nicht nur die Lizenz für ihn gekauft, sondern auch gleich für Ju Honisch mit „Jenseits des Karussells
und weitere dampfende Werke. Aktiv greifen Sie als einer der ersten Verlage das Subgenre auf und sind gleichwohl interessiert nicht nur ausländische Lizenzen zu erwerben, vielmehr sogar deutsche Literaten auf ihrem Werdegang zu unterstützen. Hier finde ich das Logo überaus gelungen:
Steampunk auf dem Vormarsch?
Das müsste uns die FFM am besten beweisen können, wenn die großen selbst den Braten gewittert haben. Also glatt einmal im Gehrock an die Stände und frei heraus nachgefragt. Da kam man bei manchen gar nicht so weit, wie ich es mir erhofft hatte. Glatt gegenüber den Kollegen mit den großen Aushängeschildern des Genres aus Übersee, hat man von „Steamwas?“ noch nie gehört. Traurig, und wirklich ein Grund hier sofort das Gespräch abzubrechen.
Aber es gibt titanische Hoffnungsträger.
Da hätten wir zum einen den cbj, Bertelsmann-Verlag, der sich die Lizenz des wunderschön illustrierten „Leviathan“ von Scott Westerfeld,

wie auch der beiden Folgebände, gesichert hat. Im Gespräch mit einem der Vertreter wird sofort die Expertise des Verlages auf dem Gebiet deutlich und auch das Bestreben, durchaus deutsche Autoren ins Visier zu nehmen. Ebenfalls erwünscht: Die Arbeit mit einem Illustrator, sollte sich hier der finanzielle Aufwand lohnen.
Eine glückliche Entwicklung, wie ich bemerken darf. Denn für einen Autoren ist wohl nichts fruchtbarer, als wenn seine Figuren durch die Hand eines begabten Zeichners zum Leben erwachen.
Weitergesucht bei Loewe.
Hier hat man Thomas Thiemeyer mit den „Chroniken der Weltensucher

als deutschen Autoren an der Hand und vertraut auch auf die Zukunft aus dem eigenen Lande. Hier hieß es abermals – Manuskripte erwünscht! Loewe gab sich jedoch weniger zuversichtlich als andere gefragte, dass das Genre eine feste Reihe in ihrem Fundus finden würde. Es könnte sich jedoch ändern, man hält ja gerne die Fahne in den Geldwind hinein.

Zuletzt noch ein Blick auf die wirklich schön gebundenen Werke von Egmont-Lyx, die den Herrn Perplies zu ihrem Autorenstamm zählen. Der Herr schrieb „Die Magierdämmerung

Die Sprecherin versicherte mir, dass intensiv nach deutschen Kritzlern und Schriftstellern gefahndet werde, die auch im Bereich Steampunk, vornehmst jedoch Urban-Fantasy und Darf Fantasy all-age angesiedelt sind.

Das Resumé? Es tut sich eine Menge. Mit Scott Westerfelds Einschlag auf dem deutschen Markt, haben wir zwar einen Jugendbuchvertreter, ebenfalls wie andere genannte Herrschaften, aber die Verlage wagen die ersten Gehversuche in eine richtige Richtung. Nun müssen nur noch die restlichen verstehen, dass „Steamdingsda“ längst nicht mehr eine Sache ist, die nur in den USA gelesen wird.

6 Kommentare zu Nachgefragt – Steampunk und deutsche Verlage

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