Mit Philipp Bobrowski dürfen wir einen weiteren Autor der Steampunk-Anthologie “Von Feuer & Dampf” auf der Couch im Rauchersalon begrüßen.
Philipp Bobrowski wurde 1970 in Marburg geboren und lebt als freiberuflicher Autor und Lektor in Rostock. Er hat zahlreiche Bücher und Kurzgeschichten veröffentlicht, darunter das Buch “Das Lächeln der Kriegerin”, welches als Resultat aus dem Schriftsteller-Stipendium von Antenne Mecklenburg-Vorpommern und Scanhaus Marlow entstanden ist. Für die Anthologie schrieb er die Geschichte “Kesselchen”.
Was hat dich an dem Genre Steampunk interessiert, dass du dich mit einer Erzählung an der Anthologie beteiligt hast?
Bis ich von dem Projekt erfahren habe, hatte ich allenfalls eine vage Vorstellung von Steampunk. Zum großen Teil war es gerade das, was mich daran reizte. Ich probiere mich schreiberisch gerne aus, versuche Neues zu entdecken und meine Möglichkeiten auszutesten.
Weiterhin finde ich die Verbindung von historischen Fakten und lebhafter Fantasie reizvoll. In einem Universum, das der Träumerei zwar eine Richtung vorgibt, aber kaum statische Grenzen setzt.
Das bedeutet auch die Freiheit, praktisch jeden Stoff aufzugreifen, um eine Geschichte daraus zu stricken und sie ins Steampunkmilieu einzuflechten.
Gab es besondere Herausforderungen im Gegensatz zu deinen anderen Geschichten?
Im Kurzgeschichtenbereich kam ich bisher meist mit relativ wenig Recherche aus. Das war hier ganz anders. Bezüglich des Genres, der örtlichen und historischen Zusammenhänge sowie der Verbindung der Genreeigenheiten mit den örtlichen und historischen Fakten musste ich viel mehr zusammentragen, bedenken und neu vermischen.
Wie hast du das Genre Steampunk für dich entdeckt?
Ich habe es für mich erst mit dem Projekt der Geschichtenweber entdeckt. Ich verfolgte schon die ersten Ideen mit Interesse, habe immer wieder danach geschielt, was sich daraus entwickelt, und mich schon früh entschieden. Als ich von den Projektleitern gefragt würde, ob ich mich beteiligen würde, musste ich nur noch ja sagen.
Dürfen wir noch weitere Geschichten von dir in diesem Genre erwarten?
Das kann ich so noch nicht sagen. Gerade die Kurzgeschichten müssen zugunsten meiner längeren Projekte immer mehr zurücktreten. Aktuell wird also nichts daraus, auch weil meine Planungen schon ziemlich weit in die Zukunft reichen. Aber Lust hätte ich schon. Vielleicht übergebe ich ein solches Projekt aber auch an mein Pseudonym. Wenn es mal wieder frei hat.
Steampunk wird (häufig) mit der viktorianischen Gesellschaft in Verbindung gebracht. Gäbe es Grundgedanken oder Verhaltensformen die du gerne in der heutigen Zeit (wieder-)sehen würdest?
Darüber habe ich mir noch nicht wirklich Gedanken gemacht.
Allgemein erscheinen mir frühere Gesellschaften abenteuerlicher als die heutige, wobei dabei sicher auch eine gewisse Verklärung eine Rolle spielt.
Auch scheint mir die Konformität heute größer zu sein und ich entfliehe ihr gerne in historische oder fantastische Gesellschaften.
Interessant scheint mir auch der Aspekt der medial vorgekauten Wahrheiten. Möglicherweise war man früher eher darauf angewiesen, sich seine eigenen Wahrheiten zurechtzuzimmern.
Wo oder von wem lässt du dich besonders gerne inspirieren?
Von mir bzw. von meinen Ideen. Die entwickeln sich meist durch ein intensives Brainstorming, manchmal “fliegen” sie mir auch aus den verschiedensten Quellen zu. Die eigentliche Inspiration entsteht für mich dann erst in der Arbeit mit diesen Ideen, wenn ich im Kopf oder durch Notizen versuche herauszufinden, was sich mit diesen Ideen anfangen lässt und wie ich sie am besten umsetze.
Außerdem findet sich in vielen Texten, mal mehr, mal weniger versteckt, meine Auffassung von der Welt (neben solchen, die nur meinen Figuren eigen sind). Und die entwickelt sich noch heute, inspiriert einerseits ebenfalls durch Brainstorming, andererseits aber vor allem durch den Austausch mit anderen.
“Love the machine, hate the factory” ist ein Credo der Steampunk-Kultur. Nehmen wir das als Aufruf wieder mehr wert auf das “Selber machen” zu legen ohne dabei auf den Baum zurück zu wollen. Kannst du hierzu einen Bezug herstellen? Schlägt sich das in deinem (Kauf-)Verhalten nieder?
Nicht wirklich. Ich bin handwerklich nicht sonderlich geschickt und ein Bastler schon gar nicht. Immerhin koche ich gern selbst. Und ich mag es, den Urlaub zum Beispiel statt im Hotel im Zelt und im Paddelboot zu verbringen.
Warum glaubst du, dass Steampunk in Deutschland noch so wenig Beachtung findet? (Im Gegensatz zu USA/UK)
Ich weiß es nicht, könnte mir aber vorstellen, dass die urbane Entwicklung im Zuge der industriellen Revolution dem Deutschen weniger präsent ist.
Salonfragen:
Was ist für verkörpert für dich die Essenz des Gentleman/ der Lady?
Die Begriffe selbst bedeuten mir wenig mehr als das moralisch verwaschene Idealbild einer unklaren Wertevorstellung. Ich würde sie niemals ernsthaft verwenden um einen Menschen mit von mir hoch geschätzten Eigenschaften zu verwenden.
Deute ich die Frage in der Art, dass sie nach eben diesen Werten und Eigenschaften fragt, die ich an einem Menschen besonders hoch schätze, so sind das in allererster Linie Achtung und Toleranz.Was ist deine Vorstellung von einem/dem Paradies?
Zugegebenermaßen finde ich es ab und an durchaus reizvoll, sich das Paradies von einem ganz egoistischen Standpunkt aus vorzustellen: Ein Land, in dem man alles tun kann, was man will, aber in dem man gleichzeitig nichts tun muss, worauf man keine Lust hat. Was gleichzeitig bedeutet, dass man auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Natürlich würde das nur funktionieren, wenn gesichert wäre, dass man dabei niemandem schadet. Sonst würde das schlechte Gewissen dem paradiesischen Zustand den Garaus machen.
Nun ist es ja mit Paradiesen immer das Gleiche: Sie machen nicht nur fett und bequem, sie sorgen auch schnell für Langeweile. Daher wäre mir schon eine Welt recht, in der die Möglichkeiten eines jeden nicht durch materielle Zusammenhänge, sondern durch Kreativität und Ehrgeiz bestimmt werden.Und deine Vorstellung von der Hölle auf Erden?
Eine Welt, in der man immer allein ist. Und eine Welt, in der man niemals alleine ist.
Wie sieht für dich der perfekte Gentleman aus? Kannst du ein Beispiel benennen, lebend oder tot?
Ein Gentlemen zeigt sich für mich in seinem Verhalten. Ein Mann, der höflich und zuvorkommend ist, sich für andere einsetzt und andere in ihrem Anderssein akzeptiert, ist für mich ein Gentleman. Perfekt würde er, wenn dieses Verhalten ausschließlich seinem eigenen Antrieb entstammte, er damit nicht nur einer Konvention genügen wollte oder sich andere Vorteile erhoffte.
Und sein weibliches Gegenstück?
Sein weibliches Gegenstück würde sich nur dadurch vom Gentleman unterscheiden, dass es eben weiblich ist.
“Mein Königreich für ein Pferd!”, rief Richard der III. Welchem Objekt hast du jemals mit so einer Inbrunst zugerufen?
Schwer zu sagen. Ich hatte noch nie ein Königreich. In manchen Situationen wäre ich aber schon für sehr kleine Dinge (einen Stift, eine wärmere Jacke, ein Taschentuch, …) bereit, beinahe alles zu geben, was ich habe. Ich würde es aber sicher anschließend sehr schnell bereuen.
Welches Kleidungsstück würdest du niemals tragen?
Eine Zwangsjacke. Hoffe ich.
Welches Laster, wenn es eines gibt, kann in seiner verruchten Form die Kultiviertheit erweitern?
Was man als Laster empfindet, ist einerseits sehr individuell, andererseits durch gesellschaftliche Konventionen geprägt. Der unverkrampftere Umgang mit all denjenigen Lastern, die keine tatsächlich schlechten Auswirkungen auf die individuelle Entwicklung oder die Gesellschaft haben, die also nur als unsittlich gelten, könnte durchaus die Kultiviertheit im Umgang miteinander fördern.
Welche Form der Gesichtsbehaarung ist akzeptabel für einen Gentleman?
Da sich für mich ein Gentleman nicht durch äußere Merkmale definiert, ist mir seine Gesichtsbehaarung schnuppe.
Die größte technische Segnung?
Für mich und meine Tätigkeit fällt mir als erstes der Computer ein. Ich glaube auch, dass sich da viele Leute anschließen würden. Dennoch wäre eine Rangliste sicher sehr individuell.
Welche Erfindung fehlt der Welt?
Viele. Seltsamerweise ist mir als erstes die Zeitmaschine eingefallen. Einerseits, um mit ihr in der Zeit zu reisen, andererseits, um hin und wieder die Zeit ein wenig zurückzudrehen, vor allem aber, um die Zeit manchmal anhalten zu können, wenn sie einem durch die Finger rinnt. Natürlich dürfte die Maschine wie alle anderen Erfindungen nicht in falsche Hände geraten. Meine wären schon okay.
Und welche hätte es besser nie gegeben?
Ebenfalls viele. Logischerweise wären hier zunächst diverse zu nennen, die der Kriegsmaschinerie dienlich waren und sind. Oder diejenigen, die sich als besonders gefährliche Umweltkiller herausgestellt haben. Aber um es ein bisschen persönlicher zu machen, möchte ich die Zigaretten nennen. Kaum etwas kann nutzloser und zugleich schwerer wieder loszuwerden sein.








[...] Zum Salongespräch [...]
hi
dies zur Zeitmaschine “… dürfte nicht in falsche Hände geraten. Meine wären schon okay.”
das sah ich auch so,
siehe auch :http://phila.crew.c-base.org/ mich in meiner Zeitmaschine
da ich die causalität einhalten muss, darf ich nixerlei ernsthaft verraten, sondern eher so wie auf http://www.edel-terroristen.de/ andeuten
phila ceitmaschinennavigator