Expedition LUNA

An dieser Stelle möchte der Clockworker einem Künstler namens Gunnar Lippoldt das Wort überlassen, der seine Diplomarbeit im Fachbereich Illustration ganz dem Genre Steampunk verschrieb. Doch wer könnte sein Werk besser vorstellen, als er selbst?

„Expedition LUNA“

Die Idee

Bei meiner Diplomarbeit handelt es sich kurz gefasst um eine Grafik-Novelle basierend auf einem Skript der Künstlerin Henny Walden von 1928, die in den 20er Jahren zum Dunstkreis des deutschen Regisseurs Fritz Lang gehörte.
In wenigen Sätzen formulierte sie damals ein mögliches Drehbuch für einen Stummfilm mit dem Titel „Frau Luna -Wie, wenn der Mond aus Silber wäre?“, welches allen Anschein nach später zur Vorlage für Fritz Langs letzten Stummfilm „Die Frau im Mond“ 1929 wurde.

Das Skript von Walden wurde Ausgangspunkt für meine Arbeit, als ich nach einer möglichen Handlung für eine Geschichte suchte.
Zwei weibliche Hauptcharaktere hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Gestalt in meinem Kopf angenommen, und da mir klar war, dass ich keinen einzelnen Haupthelden in meiner Geschichte haben wollte, erschuf ich das Luftfahrerinnenduo Yules Rubin und Gotha Bodice, die an einer Reise teilnehmen würden.
Diese Reise sollte nun jene werden, welche Henny Walden vor 82 Jahren konzipierte.

Als ich begann, mir tiefgehendere Gedanken über den allgemeinen Hintergrund von Luftfahrern in meiner Geschichte zu machen, enstand der Begriff „Tecnikkas“ – auf spielerische Weise aus dem Wort „Technik“ abgeleitet. So bediente ich mich auf meiner Suche nach passenden Umsetzungsmöglichkeiten plötzlich immer mehr am Genre Steampunk.

Mit dem Aussehen der beiden Luftfahrerinnen hatte ich mich eher zufällig von Anfang an auf diese Optik der Geschichte festgelegt. Steampunk verfügt einfach über einige sehr interessante Richtungen und Ansätze, die ich mit dem Aussehen meiner beiden Hauptpersonen auf einfache Weise bedienen konnte. Ein weiterer Schritt in Richtung Steampunk war, dass ich mich direkt an die Geschichte der Mondreise von Jules Verne erinnert fühlte.
Im Gegensatz zu Lang wollte ich mich allerdings sehr genau an das original Skript halten, dafür aber die Welt neu gestalten, in der sie spielen sollte.

Technische Realisierung und Inspiration

Als Technik für die Umsetzung stand sehr schnell fest, dass ich es fast nur zeichnerisch lösen wollte. Obwohl mittlerweile die Möglichkeiten, vor allem durch den digitalen Bereich, ungemein groß sind, konzentrierte ich mich auf meine persönliche Vorliebe. Fast alle Bilder zeichnete ich „klassisch“ mit Bleistift und Papier und bearbeitete sie nachträglich nur leicht digital. Dadurch bekam ich den leichten Sepiaton und konnte dezent Schattierungen und Farbe setzen. Zudem bot die digitale Bearbeitung den großen Vorteil, Bilder aus einzelnen Zeichnungen zusammenzusetzen, Doppelseiten direkt komplett zu gestalten oder Elemente wie z.B. Karten in Hintergründen einzufügen. Die eher leichte Bearbeitung sorgte zudem dafür, dass die eigenen Zeichnungen noch im Vordergrund blieben. Dies war mein größter Wunsch für die gesamte Arbeit.
Gute Referenzen oder Inspirationen zog ich z.B. aus den Illustrationen von Charles Dana Gibson oder Gemälden von James Jacques Tissot.
Während ich an den Zeichnungen saß, merkte ich zudem immer stärker, dass der belgo-frankische Comicstil mit seinen vielen Facetten, meinen Vorstellungen entsprach, wie ich zeichnerisch arbeiten wollte.

Die Story

Die Geschichte dreht sich um einen jungen Wissenschaftler, der durch seine Untersuchungen herausfindet, dass es Silber auf dem Mond gibt. Jedoch wird er von seinen Kollegen und dem besten Freund ausgelacht, weswegen er sich zusammen mit seiner Frau in einem Raumschiff auf die Reise begibt.

Im Zuge dessen, dass ich Yules und Gotha fest in die Handlung integrieren wollte, wurden sie in meiner Umsetzung zu einem Teil der Crew des Wissenschaftlers. Als Tecnikkas waren sie jene, die angeheuert wurden, das Schiff zu steuern. Ich musste lediglich einen Prolog in ähnlichem Stil wie Henny Walden schreiben, um eine passende Einleitung für die beiden zu haben. Yules Rubin stellt hierbei die Kapitänin dar, die das Schiff steuert und die Reise koordiniert. Gotha Bodice ist ihre rechte Hand, die vornehmlich die Überwachung der Technik und Mechanik des Schiffes übernimmt. Insgeheim wurden die beiden Damen die eigentlichen Hauptpersonen meiner Umsetzung. Zwar blieben sämtliche Personen aus dem Skript Waldens erhalten, aber sie bilden eher Nebenakteure für das gesamte Geschehen, welches sich mehr um die beiden Luftfahrerinnen dreht.

Steampunk

Die eigene Gestaltung der Geschichte führte während der gesamten Arbeit auch dazu, dass ich es nicht beim Hintergrund der Tecnikkas beließ. Da ich bereits mit dem Aussehen meiner Hauptcharaktere das Genre Steampunk bediente, fanden sich recht schnell viele weitere solcher Ansätze für die gesamte Stroyline.
Für mich besaß diese Form der Fiktion einen ziemlichen Reiz, vor allem in der Frage, inwiefern Menschen leben könnten und wie sich die schwerfällige Technik mit dem Alltag verbindet ließe. Mir ist bewusst, dass die Vergangenheit mit ihrer Industriellen Revolution keineswegs nur positive Dinge in sich barg, wenn man u.a. die damaligen politischen Verhältnisse (z.B. Kolonialismus, Sozialimperialismus) beachtet, die bis heute ihre Spuren hinterlassen haben. Eine reine Wiederholung unserer Historie für meine Geschichte wollte ich nicht, aber sie bot einen großen Umfang an Möglichkeiten für Inspirationen, Referenzen und Zitaten, um sie in einen neuen Kontext zu setzen.
Ich hatte zuvor noch nie im größeren Maße mit der Thematik „Steampunk“ gearbeitet, obwohl z.B. der Jugendstil oder die damalige Kleidung mir schon immer sehr gefielen. Nun konnte ich all dies für mich weiter ausarbeiten so wurde z.B. das Raumschiff aus dem Skript ein Luftschiff und ich entwarf das Universum der Geschichte losgelöst von unseren gegenwärtigen Vorstellungen. Die Welt wurde kein Planet, sondern die Kontinente bildeten schwebende Inseln, sogenannte Fragmentwelten, wovon der Mond eine war.
Parallel suchte ich allgemein nach Begriffen wie Steampunk, Gründerzeit, Viktorianische Epoche, Alfons Mucha und dergleichen, wobei ich dann schnell auf den Blog Clockworker stieß.
Dies bot einen schönen Einblick in das Metier und was für eine immense Fülle an Sachen es noch außerhalb gab. Vor allem freute es mich zu sehen, mit welchen Freiheiten andere Leute für sich das Genre erschließen und gestalten. Es bestärkte mich, dass ich mit meinen zeichnerischen bzw. illustrativen Mittel ebenso etwas zum Genre beitragen konnte.
Ich hatte zwar keine Maschinen, Kleidung, Räume oder Accessoires basteln können… aber mit „Expedition LUNA“ konnte ich all dies mit Bildern gestalten, deren Hintergrund mit der Zeit soweit anwuchs, dass ich in Zukunft weiterhin daran arbeiten will.

9 Kommentare zu Expedition LUNA

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