Im Salongespräch: Alexandra Sylvia Shalott Aderhold

Manche Geschichten schreibt das Leben auf ungewöhnliche Weise. So zeigten wir vor einigen Wochen in der Rubrik “Internationales” das bezaubernde Bild einer jungen Luftpiratin. Wie leider zu oft im Æthernet wurde  das Bild nicht mit einer Quelle versehen, so dass wir auch nicht auf die Künstlerin verweisen konnten. Aber auch die Künstlerin sah  ihr Bild auf Clockworker, schrieb uns an und so kam es zu einem kurzem Briefwechsel. Als Resultat gibt uns die Künstlerin nicht nur die Ehre, weitere ihrer Werke hier zu zeigen, sondern stellt sich auch auf der Couch im Rauchersalon auch unseren neugierigen Fragen. Parallel zu diesem Interview veranstaltet der Clockworker seine erste Vernissage mit Werken von Ayrias Arts, der hoffentlich noch viele folgen werden. Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei der Künstlerin für die bereitgestellten Werke bedanken.

Aber wer ist diese Künstlerin? Lassen wir sie selbst zu Wort kommen:

Alexandra Sylvia Shalott Aderhold wurde 1989 in Berlin geboren. Mit 19 verließ sie das Haus, in welchem sie mit ihrem tyrannischen Vater, zu welchem sie eine sehr ambivalente Beziehung hatte, wohnte. Sie lebte ihre Fotografie schon damals sehr aus, obwohl dies von ihrem Vater, nur herablassend belächelt wurde, denn „aus der kann eh nichts werden.“ Sie zog in eine Ein-Zimmer-Wohnung im Bezirk Wilmersdorf, in der Nähe ihres Mannes, und errichtete sich ihr eigenes Leben. Sie wechselte erneut die Schule, um ihr Abitur und eine Ausbildung gleichzeitig absolvieren zu können. 2009 richtete sie sich ein kleines Fotostudio zu Hause ein und entfaltete ihre ganze Welt in ihrer Wohnung, denn hier konnte sie sich endlich austoben. Heute ist sie ein renommierter Newcomer Fotograf- und Digital Artist, der viele Ziele hat und erreichen will.

Als erstes interessiert uns natürlich, was bedeutet Steampunk für dich?

Steampunk hat weniger etwas mit dem Aussehen der Menschen selbst zu tun, sondern eher mit dem Lebensstil. Steampunk bedeutet für mich, dass man seinen eigenen Kopf benutzt, handwerkliche Arbeit schätzt und auch gerne ausprobiert. Dass man Fremden gegenüber ein ordentliches Benehmen an den Tag legt. Es heißt für mich, dass man in gewisser Hinsicht auch altmodisch ist, was ich allerdings nur als positiv betrachte, denn heutzutage ist die Welt schon sehr merkwürdig, in ihrer Art und Weise. Wie dem auch sei, es zusätzlich noch nach außen hin zu tragen, ist wundervoll. Man kann sich so viele neue Dinge zusammenbasteln und erfinden, dem sind keine Grenzen gesetzt. Aber, so, wie bei jeder anderen Stilrichtung auch, geht es vordergründig um die Einstellung, nicht nur um die Optik.

Wie hast du das Gerne Steampunk für dich entdeckt?

Da ich mich seit meiner frühen Jugend für das viktorianische Zeitalter interessiere und die damit verbundene Mode, führte das eine zum anderen, denn in vielen Steampunk Outfits findet man Elemente aus der Zeit von Königin Viktoria wieder. Auch einige Filme offenbarten mir die wundervolle Welt dieser Stilrichtung, ich habe angefangen, es selbst zu leben und zu lieben. Steampunk ist und bleibt ein Teil von mir, da ich mich damit identifizieren kann und es auch einen Teil meines Charakters widerspiegelt: Traditionalismus, Nostalgie und Neugestaltung.

Lässt du Steampunk auch abseits von deinen Projekten in den Alltag einfließen?

Absolut! Ich würde mich nicht in eine Schublade pressen lassen, jedoch hat Steampunk einen großen Einfluss auf mich, welchen man auch klar sehen kann. Ich trage gerne selbstgebastelte Broschen und selbstverzierte Kleidungsstücke, die Elemente dieser Richtung klar vereinen. Ich lege dabei großen Wert auf Individualität, wer in die Fußstapfen anderer tritt, wird nämlich nie eigene Spuren hinterlassen.

Verfügt dein Steampunk über politische oder philosophische Aspekte?

Politisch betrachtet sehe ich Steampunk, den man heute auslebt, als Provokation gegenüber der heutigen Technik an. Die ständige Weiterentwicklung von immer kleineren Computerchips , stetig unausgereift und instabil. Eine alte „Mercedes Modell 4“ kann heute noch schreiben, wohingegen moderne Computer schon nach 5 Jahren ihren Geist aufgeben. An dieser Stelle muss ich mich selbst in Schutz nehmen: Ich würde auch lieber analog fotografieren, allerdings hat die digitale Fotografie nicht nur einen finanziellen Vorteil, sondern sind die Möglichkeiten der Bildmanipulation auch weitaus breitgefächerter. Was nicht bedeutet, dass weniger Mühe als bei der analogen Fotografie dahinter steckt, im Gegenteil!

Meiner Meinung nach liegt der philosophische dem politischen Aspekt sehr nahe. Früher war nicht nur die Hand- und Maschinenarbeit qualitativer (siehe Linotype Maschinen!!), sondern auch die Menschen waren anders gesinnt. Ich habe persönlich meine großen Schwierigkeiten mit der Gesellschaft, denn ein gewisses Maß an Anstand und Respekt, was man früher einem Fremden entgegenbrachte, ist heute fast schon verpönt. Und ich habe die schlimme Befürchtung, das wird von Generation zu Generation schlimmer. Ich will mich nun nicht allzu sehr auslassen, jedoch ist meine Schlussfolgerung, dass das Ausleben von Steampunk, im Bezug auf den philosophischen Aspekt, ein Zurücksehnen bedeutet, ein Zurücksehnen nach gesitteteren Zeiten (Auch, wenn man diese natürlich nicht selbst erleben konnte.).

Wo oder von wem lässt du dich besonders gerne inspirieren?

Ja, was wohl niemand erwartet hätte: Ich lasse mich von einem Laden inspirieren. Richtig, einem Einkaufsladen. Aber nicht, weil ich einkaufe, wenn ich dort drinnen bin. Die Stimmung, der Duft, die Ruhe, das Licht. Es ist alles so inspirierend. Dort werden viktorianische Möbel verkauft, alles ist so harmonisch. Wenn ich einen stressigen Tag hatte, gehe ich immer dorthin, drehe laut meinen MP3 –Player mit Emilie Autumn auf und laufe ein paar Stunden in dem Laden rum. Ich kaufe nicht oft etwas, aber das wird mir nicht verübelt, man kennt mich bereits. Ja, etwas seltsam ist das schon, aber dieses Geschäft hat einen unglaublichen Einfluss auf meine Kreativität und Laune. Aber ich will hier keine Schleichwerbung machen und behalte den Namen dieser Kreativitätsquelle für mich.. ^^

Salonfragen:

Was verkörpert für dich die Essenz des Gentleman / der Lady?

Ein Gentleman ist für mich jemand, der auch ein Schweigen genießen kann. Ein pünktlicher und ebenso zuverlässiger Mensch. Jemand, der zuhört und antworten kann und ein fürsorglicher und beschützender Bestandteil einer Beziehung ist (Ich denke hierbei an meinen Mann, den ich über alles auf der Welt liebe!).

Eine Lady ist ebenso sorgfältig und fürsorglich. Sie vereint für mich die Eleganz und Selbstbewusstsein, aber auch eine Menge Humor! Sie ist sich dessen bewusst, was sie tut und denkt zuerst nach, bevor sie handelt. Sie hat Ziele und beweist Stärke und Lebenslust!

Was ist deine Vorstellung von einem/dem Paradies?

Ein mir bekannter Ort, an dem ich meine Freunde und all die Menschen, die ich so sehnlich vermisse, wiedersehen kann. Man hat alle Zeit der Welt, um über alles zu reden, um alles miteinander zu unternehmen. Man muss nicht mit der Angst leben, es könnte etwas Schlimmes passieren, das ist das Paradies für mich.

Und deine Vorstellung von der Hölle auf Erden?

Distopie, Dunkelheit, Kälte, Angst. Niemand ist da, den man kennt, man wird verfolgt. Totale Stille. Urrrghhh…

Wie sieht für dich der perfekte Gentleman aus? Kannst du ein Beispiel benennen, lebend oder tot?

Oh, das kann ich! Mein Mann. Ich liebe ihn in Hemd und Weste, dazu Krawatte. Doch das Highlight ist wohl der Mann selbst in meinem Falle!

Und sein weibliches Gegenstück?

Es wäre falsch, hier eine andere Person als mich selbst zu nennen :P

Mein Königreich für ein Pferd!”, rief Richard der III. Welchem Objekt hast du jemals mit so einer Inbrunst zugerufen?

Meiner ersten Spiegelreflexkamera! Ich habe sie mir mit 13 Jahren selbst gekauft und habe lange und hart dafür gearbeitet. Als ich sie dann in den Händen hielt, war es ein so unglaubliches Gefühl und ich wusste, dass das meine Bestimmung ist. Wie jeder junge Mensch habe ich viele Dinge ausprobiert, so wie Bogenschießen, Gitarre spielen, Tanzen, Tauchen, etc. Aber in diesem Moment war mir klar, dass diese Kamera zu mir gehört und ich zu ihr. Sie hat mich jahrelang begleitet, meinen Fortschritt und meine Entwicklung dokumentiert. Nun habe ich eine neue Kamera der selben wunderbaren Firma (PENTAX!), und mein altes Baby ist in guten Händen gelandet Sicherlich war es aufgrund des emotionalen Wertes sehr schwer, mich davon zu trennen, aber leider brauchte ich das Geld zur Investition meiner neuen Kamera, die mich auch sehr glücklich macht!

Welches Kleidungsstück würdest du niemals tragen?

Blaue Jeans. Habe ich noch nie getragen, wird auch nie passieren!

Welches Laster, wenn es eines gibt, kann in seiner verruchten Form die Kultiviertheit erweitern?

Laster ist ein weitläufiger Begriff. Aber ich würde sagen, Wein. Roter Wein, in Maßen, nicht in Massen, tut gut und belebt. In Gesellschaft ein schönes Laster!

Welche Form der Gesichtsbehaarung ist akzeptabel für einen Gentleman?

Augenbrauen, Wimpern. Und selten sogar ein 3-Tage-Bart, der z.B. bei meinem Mann sehr sexy aussieht! ^^

Die größte technische Segnung?

Natürlich denke ich, dass es die Kamera ist, die soviel zeitgeschichtliche Geschehnisse dokumentieren kann. Aber das ist subjektiv! Es gibt Vieles! Ich bin sonst vom Kugelschreiber sehr fasziniert. So viel Technik in solch einem kleinen Werkzeug.

Welche Erfindung fehlt der Welt?

Taschentücherautomaten und ein Teleporter. Seit so langer Zeit spricht die Menschheit vom Teleporter, wann ist es denn nun soweit?

Und welche hätte es besser nie gegeben?

Atomkraft und die Erfindung eines völlig absurden Schönheitsideals!

Zur Ausstellung

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