Fluggepäck 20kg?

Hat sich schon mal jemand gefragt, wieso ausgerechnet 20kg als Gepäck an Bord eines Flugzeugs erlaubt sind? Warum nicht 15 oder 25kg? Und wieso dann gegen Geld trotzdem weiter zu geladen werden kann?

Der Grund ist historisch und geht zurück auf die Anfänge der zivilen Luftfahrt, nämlich des Luftschiffes Hindenburg, die auch der breiten Öffentlichkeit – zumindestens der wohlhabenden – die Möglichkeit gab auf die anstrengende Atlantikfahrt mit dem Schiff zu verzichten und in 2,5 Tagen in New York zu sein. Ein Luftschiff muss genau tarriert sein zwischen Gasvolumen und Lastgewicht, damit es schwerelos schweben kann. Daher wurden die Passagiere und ihr Gepäck vorher gewogen. Maximal Gewicht für das Gepäck: 20kg. Denn die Sandsäcke, die das Kontergewicht an der Hindenburg darstellten, wogen je 20kg.

6 Kommentare zu Fluggepäck 20kg?

  • Ich habe zu dieser Thematik mal meine Luftschiff-Gurus befragt. Hier die Antwort:

    “Da mach ich einmal ein ganz grosses ?
    An der “Hindenburg” habe ich nie Sandsäcke gesehen – einer von Euch ? Dagegen gibt es einige Bilder von LZ 127 mit Sandsäcken an der Haltestange, die etwa 20 kg pro Sack gewogen haben dürften. Doch ich glaube nicht, dass das massgeblich war, denn dann hätten die Passagiere auch nur 20, 40, 60, 80, 100 oder 120 kg wiegen dürfen – oder man musste sich in Gruppen anmelden, die eine durch 20 kg teilbare Masse auf die Waage brachten …

    Alle Massen wurden beim Einchecken sorgfältig in eine Liste eingetragen – sicher zum Verdruss einiger weiblicher Passagiere – und dann das Schiff provisorisch (ja tatsächlich provisorisch) abgewogen. Das genaue Abwiegen fand dann kurz vor dem Start statt, allein mit den Bordmitteln, da sich das Wetter (Sonneneinstrahlung) stark auf den Auftrieb auswirken konnte.

    An der “Hindenburg” wurden weitestgehend Wassertanks verwendet, deren Masse mir nicht bekannt ist und wahrscheinlich unterschiedlich gefüllt wurden. Das Gepäck, das als Handgepäck (gratis) an Bord genommen werden durfte, war tatsächlich auf 20 kg beschränkt. Das lag aber eher daran, dass man nur einen nach heutigen Massstäben normal grossen Koffer und eine Tasche (pro Passagier) überhaupt in der Kabine unterbringen konnte. Weiteres Gepäck konnte gegen Aufpreis mitgenommen werden, wurde aber in einem Frachtraum verstaut. Die High-Society musste also auf der Überfahrt mit der “Hindenburg” auf die gliebten Überseekoffer verzichten.

    Ich würde diese Angabe eher in den Bereich der Fabeln abtun. Ich frage mich nur, von wo solche “Stories” immer wieder kommen … ?!

  • Verehrter Captain,
    Deine Glaube an die Kompetenz von ZDF, ARD und Discovery Channel in allen Ehren. Wenn unsereiner (die passionierten Luftschiffer) uns irgendwelche Dokumentationen zur Luftschiffahrt im Fernsehen oder auf DVD anschauen, sind wir es gewöhnt dort immer wieder Haarsträubendes bis Falsches zu finden. Wir leben damit. Aber darum erurieren wir solche zum Teil als Bagatelle angesehenen Details. So auch in diesem Fall. Aus einem Prospekt des LZ 127 “Graf Zeppelin” haben wir die Angabe, daß bis zu 30 Kilogramm Handgepäck kostenlos mitgenommen werden konnten. Der Fahrpreis enthält die Mitnahme von insgesamt 130 kg (wobei 100 kg aber separat mit einem Seeschiff befördert wurden).

    • Das hatte auch nichts mit Kompetenz oder Glauben zu tun, ich wollte nur sagen, dass die Aussage nicht aus der Luft gegriffen war.
      Mir geht es in erster Linie um die originalen Quellen und die Aussage eines Luftschiffs-Gurus hat für mich auch erstmal nur die gleiche Qualität, wie die irgendeiner Doku. Nur wenn der einer oder der andere die Quelle nennen kann, wird es zu einer echten Aussage ;-)
      Aber das Problem bleibt irgendwie, warum die Grenze bei 20kg und nicht bei 15 oder 25?

  • Nun – ich sage immer “nach bestem Wissen und Gewissen”, will sagen, was man nicht weiß, daß kann man (auch) nicht berücksichtigen. Jeder hat das Recht auf Irrtum. Mir geht es nicht um Erbsenzählerei. Meine von mir befragten Kenner konnten auch nicht aus dem Stegreif antworten, sondern mußten er mal nachwühlen. Die Art von Journalisten, die man heutzutage vielfach in den Medien antrifft, halten es aber nicht einmal für nötig die einfachsten Dinge via Google und/oder Wikipedia zu überprüfen. In der Folge werden immer wieder unsinnige, längst ad acta gelegte oder widerlegte Dinge behauptet. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Unfallursache bei der Hindenburg-Katastrophe. Die ist seit Jahrzehnten bekannt und trotzdem fällt fast zwangshaft in jeder Luftschiff-Berichterstattung das Bonmot, daß die Ursache ungeklärt ist.

    Warum die Fluggesellschaften also die 20-Kilo-Grenze verwenden bleibt nach wie vor ungeklärt. Das ist so ähnlich wie mit den Schreibpapier-Formaten in den USA und Deutschland … warum diese Abmessungen und keine anderen ?

    Übrigens, die Sandsäcke hatten tatsächlich ein Gewicht von etwa 20 Kilogramm.

  • Nachtrag – die überall zu findenden Unsinnigkeiten waren der Grund, warum ich vor einigen Jahren meine FAQ-Seite http://www.luftschiffharry.de/faqindex.htm angelegt habe … Wer ernsthaft sucht, wird unweigerlich auf meine Seite stoßen. Meine Mailadresse ist leicht zu finden … und so steht einer entsprechenden Nachfrage “eigentlich” nichts im Wege. Nun, ich weiß das Wort “eigentlich” ist ein Verlegenheitswort (wie mir unlängst eine schlagfertige junge Dame versicherte) … und meiner Meinung nach seit diversen Jahren abgeschafft :-) )

    Faktisch fragt aber kaum einer. Ich kann nur von einer rühmlichen Ausnahme berichten. In der BBC lief im Januar 2007 eine Dokumentation mit dem Titel “The First Blitz” (siehe Filmliste unter 2007 http://www.luftschiffharry.de/Filme_Luftschiffahrt.htm ). Der Discovery Channel strahlte später eine deutsche Version davon aus (“1915 – Luftschiffbomber”). Der Regisseur, der für die Produktion des Films verantwortlich war, rief mich telefonisch an. Es kam zu einer beispielhaften Zusammenarbeit. Ich bekam das Dialog-Drehbuch, und konnte so Begriffe klarstellen und/oder korrigieren. Bis auf eine Kleinigkeit fand alles Eingang in die später gesendete Fassung. So oder ähnlich könnte es (fast) immer sein !

Hinterlasse einen Kommentar

 

 

 

Du kannst diese HTML tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>