Beachtenswert

Dampfmaschinen und rauchende Colts - eine Steampunk-Western-Anthologie

Steampunk im Wilden Westen, das ist ja an sich nichts Neues.
Originell ist allerdings das Konzept dieser 2015 vom Deutschen-Phantastik-Preis nominierten Kurzgeschichtensammlung. Denn in „Dampfmaschinen und rauchende Colts“ erzählen elf Autorinnen und Autoren in 13 Kurzgeschichten eine große zusammenhängende Geschichte, beleuchtet aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.

copyright: Verlag Torsten Low

copyright: Verlag Torsten Low

Ein amerikanischer Wissenschaftler will in der Einöde des Mittleren Westens im Jahr 1876 die vorhersehbaren Energieprobleme der Zukunft lösen. Ihm gelingt eine bahnbrechende Erfindung, doch er wird von Spionen des russischen Zarens beobachtet und schließlich mit einem Luftschiff entführt. Das bleibt nicht unbemerkt und bald schon werden die Entführer von verschiedenen Helden und Antihelden verfolgt, quer durch den Wilden Westen bis hin zum Ozean.

Das liest sich mal bedrohlich („Nebel über der Oakland Bay“ von Chris Schlicht), dann wieder sehr humorvoll (Andrea Bottlingers „Die Crew der Washington“), mal mitreißend-rasant (Marco Ansings „Queen Victoria auf der Rinderzucht“), in klassischer Western-Manier (Vincent Voss‘ „Für eine Handvoll Steam“) und sehr steampunkig (die ebenfalls mit dem deutschen Phantastik Preis nominierte Geschichte „Sea“ von Claudia Toman und Philipp Bobrowski). Trotz der unterschiedlichen Perspektiven und Erzählerstimmen der einzelnen Geschichte ist die übergeordnete Story durchgehend spannend und flüssig erzählt. Ein gelungenes Experiment.

Die Anthologie mit 268 Seiten wurde herausgegeben von Stefan Cernohuby und Wolfgang Schroeder im Verlag Torsten Low.

http://www.verlag-torsten-low.de/

"Joe&Craig 2 - Im Bann der Lowlander": Sean O´Connell im virtuellen Interview mit den Brennenden Buchstaben

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Am Samstag, den 23. Januar las Sean O´Connell in SecondLife aus seinem neuen Roman „Joe&Craig 2 – Im Bann der Lowlander“. Für Sean bereits sein vierter Auftritt bei einer virtuellen Lesung. Man könnte ihn langsam als alten Hasen auf dem Gebiet bezeichnen.

Vor seiner Lesung  stellte er sich den Fragen der Literaturgruppe Brennende Buchstaben. Das Interview mit ihm erscheint exklusiv zuerst hier im Clockworker.

Für Video, Ton und Schnitt bedanken wir uns bei Natascha Randt. Das Bühnenbild hat Barlok Barbosa zusammengestellt.

Rezension zu Glasberg und Rheingold von Anja Bagus

Im vergangenen September berichteten wir über Anja Bagus‘ Aetherwelt-Roman „Waldesruh“.
Nun stellen wir die weiteren Bände der „Glasberg“-Trilogie vor.

Teil 2 der Trilogie: Glasberg

copyright: Anja Bagus, Edition Roter Drache

copyright: Anja Bagus, Edition Roter Drache

Inhaltsbeschreibung
1912. Nach den turbulenten Ereignissen des letzten Silvesterfestes möchten Falk und Minerva ein gemeinsames Leben beginnen. Jedoch ist Minervas Familie über die bevorstehende Hochzeit geteilter Meinung, und Falks Bruder nimmt ihm seine Auszeit merklich übel. Zeitgleich tritt eine unerklärliche Krankheit bei den Laufburschen in der Glasfabrik auf: ihre Augen werden weiß wie gestockte Milch, bevor sie langsam sterben. Anfangs sind nur die Kinder der Armen betroffen … Bei ihren Nachforschungen treffen Falk und Minerva auf einen gefährlichen Widersacher. Als sie ihm zu nahe kommen, schlägt seine Falle zu: Sie müssen sich mit traumatischen Erlebnissen ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und können einer Konfrontation in der Glasfabrik nur knapp mit dem Leben entkommen. Aber dies ist erst der Anfang der Geschehnisse. Ist das Glas des Glasbergs gefährlicher, als Falk zugeben wollte? Die Lösung finden Falk und Minerva erst, als sie zum Glasberg zurückkehren. Aber es könnte bereits zu spät sein, um das lodernde Feuer noch zu löschen.

Rezension
In „Glasberg“ bekommen es Minerva und Falk nun mit einem Gegner zu tun, der fast übermächtig erscheint und der sogar ihre Beziehung gefährdet, welche ohnehin schon konfliktreich ist. Hier wird ein weiteres Element in die Handlung mit eingeführt, welches mindestens so mächtig ist wie der magische Aether.
Das interessante an diesem Roman finde ich, dass hier die Steampunk/Fantasy-Elemente genau so wichtig sind wie die wechselhafte Beziehung der beiden Hauptcharaktere. Deren Hintergrund wird hier näher beleuchtet, ihre schicksalshaften Erlebnisse in der Vergangenheit werden deutlich gemacht, so dass man beide noch besser kennenlernt und versteht, warum sie jetzt so sind, wie sie sind.
Sonst ist es ja in Steampunk/Steam Fantasy oder ähnliches Geschichten doch eher meistens so, dass die phantastischen oder Sci-Fi/Steampunk-Elemente die Handlung deutlich dominieren, aber da dies ja auch eine Liebesgeschichte ist, gibt es hier eine schöne Mischung aus beidem, so dass mir die Charakter noch stärker ans Herz gewachsen sind als im ersten Teil der Trilogie. Schön zu lesen sind auch die komplizierten Familienverhältnisse und am Ende war ich von einigen Dingen überrascht, die ich so nicht erwartet hatte.

Teil 3 der Trilogie: Rheingold

copyright: Anja Bagus, Edition Roter Drache

copyright: Anja Bagus, Edition Roter Drache

Inhaltsbeschreibung
Französische Kampfmaschinen stehen am Rhein und schießen auf alles, was sich ihnen nähert. Die Franzosen bestreiten jedoch vehement, dass sie die Metallkolosse dort abgestellt haben. Als Zeichen ihrer friedlichen Absichten beliefern sie die bereits zur Verteidigung aufmarschierenden Preußen mit jener schwarzen glasartigen Substanz, mit der diese Maschinen angetrieben werden. Zu Munition verarbeitet ist es das Einzige, was gefährliche Veränderte aufhalten kann. Dennoch droht die Lage zu eskalieren.

Obwohl seine Frau Minerva strikt dagegen ist, entschließt sich Falk Bischoff den Auftrag zur Herstellung der Munition anzunehmen, da er das Wissen um diese Substanz nicht in die falschen Hände geraten lassen möchte. Seine heimliche Hoffnung ist, dass es nie zu einem großflächigen Einsatz kommt. Doch als etwas weitaus Bedrohlicheres aus dem Rhein auftaucht, ändert sich die Lage: Während einige darin einen Anlass sehen, endlich ihre militärische Stärke zu demonstrieren, versuchen andere, ein Blutvergießen zu verhindern.

So wie es eine preußische Hexe lange vorausgesehen hat, stehen Falk und Minerva im Mittelpunkt der dramatischen Ereignisse. Voneinander getrennt müssen sie nicht nur ihr eigenes Leben retten, sondern auch versuchen, einen Krieg zu verhindern.

Rezension
Das recht gruselige Coverbild fasst die verschiedenen Elemente dieses Romans gut zusammen: Technik, die ein Eigenleben entwickelt hat, steht Naturgewalten und den Aetherwesen gegenüber, was hier durch die Schwanenflügel angedeutet wird – die aber auch einen mythologischen Bezug haben.
Im Abschlussband der „Glasberg“-Trilogie müssen sich Falk und Minerva gleich gegen mehrere sehr unterschiedliche Gegner behaupten, erhalten aber auch Hilfe von mehreren Wesen, die durch den magischen Aether verändert wurden. Die Autorin taucht hier tief ein in alte Mythologien und Legenden, welche sie auf orginelle Weise ihrer Aetherwelt anpasst. Auch hier wechselt die Perspektive wieder, vor allem zwischen der von Falk und Minerva, aber auch anderen Figuren, darunter auch den Antagonisten. So entsteht ein vielfältiges Bild der Handlung und man kann als Leser sehr gut mit den einzelnen Charakteren mitempfinden und mitfiebern.
Glas spielt eine entscheidende Rolle in der gesamten Trilogie – ein Werkstoff, der im Steampunk-Genre sonst eher nur am Rande Beachtung findet. Und auch in „Rheingold“ setzt Anja Bagus Glas wieder auf interessante Weise ein.
Zwei Charaktere aus der Annabelle-Rosenherz Trilogie tauchen hier übrigens wieder auf und spielen eine entscheidende Rolle. Und auch ein wichtiger Charakter aus „Waldesruh“ tritt wieder in Erscheinung. Falk erfährt ein erstaunliches Geheimnis über sich selbst, doch mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, um das Lesevergnügen nicht zu mindern.

Die Website der Autorin:
http://www.anja-bagus.de/

Das neue Abney Park Album: Wasteland

Abney Park ist eine der wohl bekanntesten Steampunk-Bands weltweit. Um 1998, als Steampunk nur wenig bekannt war,  startete die von „Captain“ Robert Brown gegründete Band im Gothic Bereich. Mittlerweile hat die Band bereits 19 (!) Alben veröffentlicht und darüber hinaus eine DVD, drei Steampunk Romane sowie ein passendes Rollenspiel/Brettspiel. Ab 2005 schwenkte Abney Park um auf Steampunk und ist damit eine der „dienstältesten“ Bands in diesem Genre. Die Band selbst beschreibt ihre Musik inzwischen als eine Mischung aus Gypsy Rock, EDM, Electro Swing, Industrial Dance und Western.

Ich möchte nun das neue Album „Wasteland“ vorstellen – was übrigens soviel bedeutet wie „Ödland“ oder auch „(Industrie-)brache“.

copyright: Abney Park und Fadewood Studios

copyright: Abney Park und Fadewood Studios

Das überwiegend elektronisch-rockig gehaltene Album beginnt mit dem dystopischen Song „The clone factories“, welcher eine düstere Sci-Fi Geschichte erzählt.

Das darauf folgende „Wasteland Warrior“ könnte man mit seiner (post-)apokalyptischen Atmosphäre als Motto-Song für das gesamte Album betrachten.

„Out of darkness“ ist eher optimistisch, das heißt es zum Beispiel: „It’s not the time to feel sad (…) so let’s stop complaining“.

Im melodiösen „Witch hunt“ wird eine Hexenjagd beschrieben, die sich im übertragenen Sinn auch auf die heutige Gesellschaft anwenden lässt.

„Walls“ klingt schon fast nach Industrial-Rock und das passt auch recht gut zum Thema des Songs, welcher eine eher heruntergekommene Stadt beschreibt.

Das melancholische „Fell to my knees“ hat ein Country/Western-Feeling, ebenso „Hired gun“, in dem ein Antiheld wie aus dem Wilden Westen beschrieben wird.

„Minnie the Moocher“ ist eine solide, eingängige Coverversion eines Jazz-Songs von Cab Calloway und seinem Orchester aus dem Jahr 1931 – Vorsicht, hier besteht Ohrwurmgefahr.

„Proteger tus suenos“ (spanisch für „Beschütze deine Träume“) ist halb auf englisch, halb auf spanisch gehalten. Hier geht es im Text darum, den eigenen (Lebens-)Träumen zu folgen und diese nicht zu verraten.

Das eher zurückhaltend-sanfte „The prayer“ beschreibt verschiedene positive Eigenschaften, welche aufeinander aufbauen, darunter Freundlichkeit, Sicherheit, Liebe und Mut.

Der Abschluss-Titel „Away from the things of man“ beginnt und endet mit Naturgeräuschen. Dieser Song ist lebhaft-fröhlich, fast reggaemäßig, und zugleich sehnsüchtig. Auch hier besteht – vor allem beim im Chor gesungenen Refrain – ernsthafte Ohrwurmgefahr.

Hier ein Video zu Wasteland (weitere finden sich auf demselben Kanal):
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Die Webpräsenz von Abney Park:
http://www.abneypark.com

Serientipps für Steampunks - heute: Warehouse 13

„Warehouse 13“ ist eine US-amerikanische Serie, welche sich unter anderem urbaner Legenden bedient und auch an Serien wie „Akte X“ erinnert. Sie lief von 2009 – 2014 auf Syfy,  mit 64 Folgen in 5 Staffeln.

Die Fälle hier drehen sich im wesentlich um – in der Regel magische – Artefakte, welche in unserer Gegenwart in einem geheimen Lagerhaus in der Wüste von South Dakota aufbewahrt werden, dem „Warehouse 13“. Die Artefakte hängen mit bestimmten mythologischen oder historischen Ereignissen oder Personen aus der ganzen Welt zusammen. Diese Geschehnisse, eine besondere Verwendung oder die Weise, in der das jeweilige Objekt hergestellt wurde, führten dann seinen besonderen, magischen Fähigkeiten – die dann gern von anderen Leute missbraucht werden.
Anders als bei dem „wöchentliche Monster“ in anderen Serien geht es hier also um das „wöchentliche Artefakt“, doch natürlich gibt es auch einen Meta-Plot, der sich über mehrere Folgen oder sogar Staffeln hinweg erstreckt.

Die Secret-Service-Agenten Myka Bering und Pete Lattimer sind beide dem Leiter des Warehouse, Artie Nielsen, unterstellt. Sie sind dafür zuständig, die Artefakte zu bewachen, diese wieder zu beschaffen oder auch neu gefundene Artefakte ins Lagerhaus zu überführen. Oftmals geraten sie dabei in Konflikt mit zwielichtigen Gestalten.
Myka handelt in der Regel eher rational-logisch, Pete dagegen instinktiv oder emotional. Ihre Dynamik im Zusammenspiel erinnert daher durchaus an Mulder und Scully aus „Akte X“, allerdings ist „Warehouse 13“ vom Ton her humorvoller. Später bekommen die beiden Unterstützung von der brillianten jungen Hackerin Claudia, welche mehr Geheimnisse über das Warehouse herausgefunden hat, als ihnen lieb ist. Artie wird für sie im Laufe der Serie eine Art Vaterfigur.

Für Steampunks und Dieselpunks ist die Serie insofern interessant, da die technische Ausstattung in Artie Nielsens Beruf sehr steampunkig ist – sie wurde für die Serie gestaltet von dem amerikanischen Steampunk Maker Richard Nagy alias „Datamancer“ (welcher 2013 leider bei einem Autounfall starb). Nielsens Agenten verfügen außerdem über (fiktive) Kommunikationsgeräte von Philo Farnsworth, und von Nicola Tesla höchstpersönlich erfundene Tesla-Handfeuerwaffen. Desweiteren taucht ein weiblicher H.G. Wells in der Serie auf.

Englischsprachiger Trailer zur ersten Staffel –  darin ist übrigens auch das genannte Farnsworth Kommunikationsgerät kurz zu sehen.
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Warehouse 13 in der internationalen Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt1132290/?ref_=fn_al_tt_1

Und wer sich für die Maker-Künste des Datamancers interessiert,
findet hier einen deutschen TV-Bericht mit Interview:
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Rack - Ein Steampunk Thriller von Ann-Kathrin Karschnick

Rack ist ein heruntergekommener Detektiv, welcher in der (fiktiven) Stadt Victoria in England mit seinem schwarzen 16jährigen Assistenten Theo auf der Suche nach lukrativen Aufträgen ist, weil ihnen wieder mal Geld für die Miete fehlt. Als er eine junge Frau dabei beobachtet, wie sie ein verdächtiges Päckchen unter einer Kutsche anbringt, überschlagen sich die Ereignisse.
„Rack“ ist eine spannende, kurzweilige und actionreiche Krimi-Geschichte, vergleichbar mit einer Episode aus einer TV-Serie. Steampunk-Elemente sind hier z.B. Aeronauten und Luftschiffe, eine spezielle gesellschaftliche Ordnung mit Gilden und besondere Gadgets, die elegant in die Handlung miteinflochten werden.
Rack selbst hat ein mysteriöses Geheimnis, welches an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll.

copyright: Papierverzierer Verlag

copyright: Papierverzierer Verlag

Die Autorin Ann-Kathrin Karschnick hat sich übrigens von der amerikanischen Krimi-Serie „Leverage“ inspirieren lassen, in der ein sehr bunt zusammengewürfeltes Team aus Anti-Helden gemeinsam Fälle löst.
Am Ende des 1. Teils bleiben einige Fragen offen, so dass der geneigte Leser gespannt sein wird auf die Fortsetzung (welche im März 2016 erscheint).

„Rack“ ist zur Zeit nur als E-Book erhältlich. Geplant sind aktuell 6 Episoden, eventuell werden es auch noch mehr. Eine Printausgabe erscheint voraussichtlich Mitte 2016.

Rack – ein Steampunk Thriller
von Ann-Kathrin Karschnick
112 Seiten
Verlag: Papierverzierer Verlag
ASIN: B01A6TQGNO

Das Buch im Gesichtsbuch:
https://www.facebook.com/RackSteampunk/

Die Website der Autorin:
http://www.ann-kathrinkarschnick.de/

 

Ein Streifzug durch die deutsche Steampunkszene - Das große Steampanoptikum

Unsere Autoren Clara Lina Wirz (Ayra Leona) und Alex Jahnke (Captain Serenus) haben im vergangenen Jahr ihr Gemeinschaftsprojekt „Das große Steampanoptikum – eine fantastische Reise quer durch die Welt des deutschen Steampunks“ bei der Edition Roter Drache veröffentlicht. Seitdem haben sie es schon auf verschiedenen Veranstaltungen und Conventions präsentiert.

copyright: Edition Roter Drache. Foto: A. Zeichnerin

copyright: Edition Roter Drache. Foto: A. Zeichnerin

Aus meiner Sicht ist dieses Buch gerade für Einsteiger in die Steampunk-Szene oder generell Interessierte sehr gut geeignet, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. In einleitenden Essays wird sich der Frage angenommen, was denn Steampunk nun eigentlich genau ist – ohne ihn abschließend oder in engen Grenzen zu definieren. Auch die verschiedenen Subgenres werden näher beleuchtet.

Die Schwerpunkte des 176-seitigen Buches liegen auf Makern, Musik, Mode sowie Filmen/Webserien und lokalen Steampunk-Gruppen. Die meisten der hier erscheinenden kreativen Köpfe stellen sich selbst vor, so dass hier ein vielseitiges Sammelsurium entstanden ist. (Natürlich konnten aber nicht alle kreativen Steampunks aus den verschiedenen Bereichen und dem deutschsprachigen Raum vorgestellt werden, sondern es wurde eine Auswahl getroffen.)

Zwischengestreut sind fünf Steampunk-Kurzgeschichten, von Martin Riesen, Anja Bagus, Thorsten Küper, Christian Reuter und Andreas Schöpe. So wird auch dem literarischen Genre des Steampunk Rechnung getragen.

Besonders hervorheben möchte ich auch die originelle visuelle Gestaltung dieses Buches, welche dem Anspruch eines Panoptikums voll gerecht wird – dieser Begriff steht ja unter anderem für Kuriositätenkabinette.

Es ist ein Hardcover-Buch im Format Din A4 und jeder Bereich des durchgehend farbigen Werkes ist anders gestaltet – mit ornamentalen Rahmen verziert oder Zahnrädern, mit historischen Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert, vor allem aber mit zahlreichen farbigen oder auch historisierend-sepiafarbenen Abbildungen. Letztere nehmen teilweise auch wie in einem Bildband eine ganze Seite ein, damit auch alle feinen Details genau erkennbar sind. Das Titelbild selbst erinnert an alte ledergebundene Bücher. Eine aufgenietete Platte mit einer Art integrierten Photo- oder Kameralinse gibt den Blick frei auf – wie könnte es anders sein? – ein Uhrwerk.

Das einzige, was hier fehlt, ist die bildende Steampunk-Kunst. Allerdings sind entsprechende Künstlerinnen und Künstler zumindest in Deutschland eher rar, und vermutlich hätte es auch den Rahmen dieses Buches gesprengt, noch eine weitere Kategorie einzuführen.

Die Verlagsseite des Steampanoptikum:
http://www.roterdrache.org/cms/backlist/n-s/das-grosse-steampanoptikum/

Wave Gotik Treffen 2016

Das Wave Gotik Treffen in Leipzig hat sich über die Jahre zu einem festen Termin im Kalender der Steampunk-Szene entwickelt, das seinen Höhepunkt auf dem Steampunk-Picknick (FB-Link) am Samstag feiert. Von anfänglich eine Handvoll Teilnehmer im Park neben der Moritzbastei, treffen sich mittlerweile weit über 300 Steampunker aus aller Welt.

 

Das diesjährige WGT findet über Pfingsten vom 13.5.-16-5 statt, unter den bisher bekannt gegebenen Künstlern konnten wir bereits Coppelius ausmachen, die ein weiteres Highlight des WGTs in Sachen Steampunk werden dürften.

Amnistia (D) – Artwork (D) Konzert zum 30. Jubiläum – Bifröst (A) – Biomekkanik (S) – Blitzmaschine (D) – Chainreactor (D) – Christ Vs. Warhol (USA) – Christine Plays Viola (I) – Cinema Strange (USA) weltweit exklusives Konzert 2016 – Coppelius (D) – Crematory (D) Konzert zum 25. Jubiläum – Culture Kultür (E) – Darkhaus (D/USA) – Darkher (GB) – Das Ich (D) – Destin Fragile (S) – Deutsch Nepal (S) – Diary Of Dreams (D) – Die Krupps (D) – Die Wilde Jagd (D) – Gernotshagen (D) – Girls Under Glass (D) 80er-Originalbesetzung – Gothminister (N) – Grausame Töchter (D) – Hante. (F) – Har Belex (E) – In The Nursery (GB) Konzert zum 35. Jubiläum – Kauan (RUS) – Kuroshio (FIN) – Kyoll (D) – Lament (D) – Leather Strip (DK) – Legend (IS) – Machinista (S) – Mesh (GB) – Näo (F) – Nekromantix (DK) – Neuroticfish (D) – Nullvektor (D) – Peter Yates (GB) – Reaper (D) – Siechtum (D) exklusives Konzert zur Wiedervereinigung – Signal Aout 42 (B) – Sigue Sigue Sputnik (GB) – Suicide Commando (B) – Supersimmetria (D) – Tanz Ohne Musik (RO) – The Deadfly Ensemble (USA) – The Underground Youth (GB) – Tragic Black (USA) – Triarii (D) – Unzucht (D) – Winter Severity Index (I) – Winterkälte (D) Konzert zum 25. Jubiläum – XTR Human (D) –

Quelle – Stand 12.1.2016 – Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert

Serientipps für Steampunks - heute: Mister Selfridge

Harry G. Selfridge, ca. 1910 (public domain, unbekannter Photograph)

Harry G. Selfridge, ca. 1910 (public domain, unbekannter Photograph)

Die britische Serie „Mister Selfridge“ dreht sich um das berühmte und glamouröse Londoner Kaufhaus „Selfridge’s“, welches der amerikanische Unternehmer Harry Gordon Selfridge im Jahr 1909 eröffnete.

Seit 2013 wurden bisher 30 Episoden (in 3 Staffeln) ausgestrahlt.

Im Mittelpunkt steht zum einen natürlich Harry Selfridge (Jeremy Piven), der zu großen, theatralischen Gesten neigt, während es unter der glänzenden Oberfläche oft ganz anders aussieht. Selfridge begeistert sich schnell für „the next big thing“, z.B. bekannte Persönlichkeiten, lässt diese aber gern schnell wieder fallen, wenn ihm etwas Interessanteres ins Auge springt, was sein Geschäft voranbringen könnte. Seine Frau Rose (Frances O’Connor) leidet unter seinen wechselnden Affären, liebt ihn aber trotz allem. Ihre Ehe gleicht zumindest in dieser Inszenierung einer Achterbahnfahrt.

Ein weiterer wichtiger Charakter dieser Serie ist die junge, kluge Verkäuferin Agnes Towler (Aisling Loftus), deren alkoholabhängiger Vater sie und ihren Bruder tyrannisiert. Obwohl er sie sogar an ihrem Arbeitsplatz bloß stellt, gelingt es Agnes, mit ihren Ideen und ihrer warmherzigen Art Karriere bei Selfridges zu machen.

Und natürlich darf auch so manche Intrige und Liebelei unter den Verkäuferinnen, Verkäufern und anderen Angestellten des Kaufhauses nicht fehlen.

Die Serie wirkt in der ersten Staffel noch ein wenig wie eine historische, etwas anspruchsvollere Seifenoper, mit relativ wenig Tiefgang, dafür aber einem hohen Unterhaltungswert. Die opulente Ausstattung, sei es im Kaufhaus, oder in den diversen anderen Häusern, sowie die Kostüme der edwardianischen Epoche sind in jedem Fall sehenswert und oftmals geradezu dekadent schön. Die Damen der High Society tragen gern gewaltige Hüte, aber auch teilweise skandalös kurze Röcke, bei denen die Knöchel (!) zu sehen sind. Hier wird der Übergang zu der freizügigeren Mode der 1920er Jahren bereits angedeutet.
In der Serie tauchen mehrere historische Persönlichkeiten auf, darunter die Tänzerin Anna Pavlova, Sir Arthur Conan Doyle, der Polar-Forscher Ernest Shackleton und sogar König Edward VII.

Die zweite Staffel spielt im Jahr 1914. Hier werden angesichts des Ersten Weltkriegs die Töne deutlich ernster und tiefgründiger, auch wenn es noch immer heitere Momente gibt. Die dritte Staffel spielt dann ab 1918, also nach Kriegsende.

Vom Grundkonzept ähnelt „Mister Selfridge“ übrigens der von der BBC produzierten britischen Serie „The Paradise“ (mit ingesamt 16 Episoden), in der es auch um ein Kaufhaus geht. Allerdings beginnt „The Paradise“ bereits im Jahr 1875, also noch in der viktorianischen Ära.

„Mister Selfridge“ in der Internationalen Movie Database:
http://www.imdb.com/title/tt2310212/?ref_=nv_sr_1

 

Englischer Trailer zur ersten Staffel:

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Maker of the Month im Januar: Herr Tubulus

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

mit dem Beginn des neuen Jahres starten wir eine neue Serie hier im Clockworker.

Dieses Serie wird exklusiv von mir, Horatius Steam, gestaltet und möchte Ihnen Macher, kreative Köpfe und interessante Menschen vorstellen, die ich in den letzten fünf Jahren kennen gelernt habe.

Starten möchte ich mit einer Person, deren Kreationen mich in den Anfängen von Clockworker und Rauchersalon inspiriert haben.

Herrn jlTubulus habe ich im Rauchersalon und auf einer Veranstaltung in Mannheim kennen gelernt.

Neben seinen Leuchten, haben mich seine Röhrenverstärker und die komplett selbst entwickelte Technik fasziniert.

werkstatt-licht-07

Betrachten Sie einmal genau diese Leuchten. Sie bestehen aus einer gelungenen Kombination von wundervollen Leuchtmitteln, gebrauchten Holzelementen, Schaltern und Messgeräten sowie Schrauben, die bereits andere Geräte, Möbel etc. zusammen gehalten haben. Durch die Synthese dieser Elemente entstehen neue, faszinierende Geräte von besonderem Reiz.

kollektion-intro

In allen Objekten wird dieser besondere, unverwechselbare Stil sichtbar.

So zum Beispiel auch in diesem Verstärker, der auf einem Stück Blech, welches am Rheinufer gefunden wurde, aufgebaut ist.

Rustboard

Seit neuestem beschäftigt sich Herr Tubulus mit der Kreation und Fertigung von exzellenten Fortbewegungsmitteln.

Wie gewohnt in edlem Design und perfekter Funktion.

cruiser

Ein Besuch seiner Homepage www.goldstrom.de lohnt sich auf jedem Fall und wird Sie faszinieren!

Herr Tubulus zählt zu den ersten Mitreisenden im salon.clockworker.de

 

 

Das Debutalbum der Steampunk Stompers: Swamp steam

copyright: Mark Pettey Music

copyright: Mark Pettey Music

Die Mitglieder der amerikanischen Band „The Steampunk Stompers“ sind alle langjährig erprobte Livemusiker und verfügen über ein breites Repertoire an Instrumenten, darunter Violine, Trompete, Banjo, Ukulele, Gitarre, Tuba, Posaune und eine Eigenkreation namens Steamaphone. Gegründet wurde die fünfköpfige Band aus Florida von Dr. Robere DeGraf (alias Mark Pettey). Ihr Heimatstaat ist ja unter anderem für seine Sümpfe und die dort lebenden Alligatoren bekannt, und dies findet sich auch wieder im Titel des Albums – Swamp („Sumpf“) und im Motiv der Alligator-Silhouette auf dem CD-Cover.
Swamp steam präsentiert 10 überwiegend instrumentale Songs, denen man viele historische Wurzeln deutlich anhört, darunter Ragtime, Swing und Folk.

Der Titelsong „Swamp Steam“ wirkt eher melancholisch, während in anderen Songs eine gehörige Portion Humor zu finden ist, so in „When pigs learn to fly“ („Wenn Schweine fliegen lernen“) mit der Liveatmosphäre eines Pubs, oder auch im Video zu „Chap hop“:
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„Hector the hero“ erinnert an schottischen/irischen Folk der epischen Art. Das heitere „A Bale Ndikuwuzeni“ hat Ohrwurm-Potential, ebenso der „Slow Gator Rag“. In „Steampunk Stomp“ wird von den Freuden der Luftschifffahrt berichtet und der „Waltz No. 1“ erinnert mit seinem Akkordeon an traditionelle französische Musik. Die abschließende „Time Lord Suite“ ist nicht nur dem Titel nach eine Verneigung vor Doctor Who, sondern auch in ihren Science-Fiction Klängen.

copyright: Mark Pettey Music

copyright: Mark Pettey Music

Die Bandmitglieder, von links nach rechts: Gov. Thaddeus Ratamacue, Esq., Baroness Adeline, Dr. Emil Profundy,
Dr. Robere deGraf und Mssr. Swillington Plectrum.

Die  Website der Band:
http://www.steampunkstompers.com

 

Buchvorstellung mit Trailer: Der Stern des Seth

Unsere Autorin Amalia ist nicht nur Zeichnerin, nein sie ist auch Autorin und hat soeben ihr Werk „Der Stern des Seth“ veröffentlicht:

„Der Stern des Seth“ ist ein Steampunk-Abenteuer-Roman mit phantastischen Elementen,
welcher im Januar 2016 erschienen ist.

Er handelt von einer Expeditionsgesellschaft, welche im Jahre 1885 im Auftrage eines adligen Unternehmers aufbricht in den Sudan, um dort ein altägyptisches Artefakt zu finden – ein cleverer Erfinder, ein junger Archäologe, ein Wissenschaftler, der für seine Forschungen lebt, ein kriegsversehrter Sergeant und eine neugierige Journalistin. Mit Luftschiff, Eisenbahn, Schaufelraddampfer und schließlich Kamelen reisen sie bis zu den antiken Tempeln am Berg Barkal…

Hier gibt es einen dreiminütigen Buchtrailer dazu:
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Weitere Einzelheiten zum Roman und eine Leseprobe finden Sie hier:
http://amalia-zeichnerin.net/steampunk-literatur/

Falls Sie das Gesichtsbuch nutzen, finden Sie dort eine Seite zum Roman mit weiteren Details.
https://www.facebook.com/Der-Stern-des-Seth-942628775830317

Neujahrsgruß und ein Dieselpunk-Abenteuer-Roman von K.M. Weiland

Werte Leserinnen und Leser,

die Clockworker Redaktion wünscht Ihnen allen ein frohes neues Jahr 2016 mit vielen schönen Steampunk/Dieselpunk/Neo-victorian etc. Veranstaltungen, Konzerten, Treffen, Picknicks und Medien aller Art.

public domain, presented by Graphics fairy (Karen Watson)

public domain, presented by Graphics fairy (Karen Watson)

Wir starten international ins neue Jahr, mit dem amerikanischen Dieselpunk-Abenteuer Roman „Storming“
von K. M. Weiland, und laden Sie ein, mitzufliegen…

public domain, präsentiert von Graphics Fairy (Karen Watson)

public domain, präsentiert von Graphics Fairy (Karen Watson)

Rezension

Dieser Dieselpunk Roman handelt von Robert „Hitch“ Hitchcock, einem Doppeldecker Piloten einer eher heruntergekommenen kleinen Flugshow. Er kehrt in seine kleine Heimatstadt in Nebraska zurück, um an einem Flugshow-Wettbewerb teilzunehmen, der ihm eventuell einen besser bezahlten Job einbringt bei einem größeren Flugshow-Zirkus. Hitch hat eine schwierige, konfliktreiche Vergangenheit mit seiner Familie und dem korrupten Sheriff des Orts, so dass er am liebsten gar nicht heimgekehrt wäre.

Um die Dinge noch komplizierter zu machen, fällt eine mysteriöse fremde Frau namens Jael vom Himmel und auf sein Flugzeug. Hitch hält sie für völlig verrückt, als sie ihn bittet, sie wieder nach Hause zu bringen – in den Himmel. Bis er mit seinem Flugzeug fast mit einem seltsamen Luftschiff zusammenstößt – ein Luftschiff mit Piraten, die das Wetter kontrollieren können und Lösegeld von seiner Heimatstadt verlangen; mit der Drohung, dort Chaos und Zerstörung anzurichten.

copyight: PenForASword publishing

copyight: PenForASword publishing

Der Roman konzentriert sich weniger auf Action allein – obwohl es zahlreiche atemberaubende Actionszenen gibt, in denen (nicht nur) geflogen wird – sondern mehr auf der Charakterentwicklung, die Gefühle und Motivationen seines Helden Hitch. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven geschildert, Hitchs und der von Walter, einem achtjährigen Jungen, der den Piloten Hitch und sein Flugzeug anhimmelt – wie es die meisten Jungen in diesem Alter (und zu jener Zeit) täten.

Die mysteriöse Jael ist eine starke, mutige und zugleich sehr dickköpfige Frau mit einem großen Herz. Und natürlich muss sich Hitch im Laufe der Geschichte mit all den Schwierigkeiten aus seiner Vergangenheit und der Gegenwart auseinandersetzen.

Die Dieselpunk Elemente in der Geschichte und ihr Hintergrund sind in meinen Augen originell und es macht Spaß, davon zu lesen – denn es gibt zahlreiche Luftschiffe in der Dieselpunk und Steampunk-Literatur, aber ich habe bisher noch von keinen gelesen, die das Wetter kontrollieren können.
Das Buch ist außerdem für jeden Fan der frühen Luftfahrt der 1920er lesenswert.
Es enthält einige einfach gehaltene Umriss-Illustrationen, vor allem zu den Dieselpunk Elementen.

Bitte beachten Sie: Das Buch ist nur im amerikanischen Original erhältlich und wird voraussichtlich nicht ins Deutsche übersetzt.

Interview mit K.M. Weiland

copyright: K.M.Weiland

copyright: K.M.Weiland

 

Das folgende Interview mit der Autorin fand live über das Gesichtsbuch statt, in zwei völlig verschiedenen Zeitzonen. Ich habe es aus dem Englischen übersetzt.

A.Z.: Guten Morgen, Miss Weiland. [Anmerkung: Es ist 8 Uhr morgens in Nebraska, U.S.A.]

K.M.Weiland: Und Ihnen einen guten Nachmittag. [Anmerkung: Es ist 16 Uhr in Deutschland]

A.Z.: Und vielen Dank, dass Sie die Zeit nehmen für dieses Interview. Hier meine erste Frage: Ihre bisherigen Romane, „Dreamlander“, „Behold the dawn“ und „A man called Outlaw“ sind historische oder spekulative Fiktion. „Storming“ muss für Sie etwas ganz Besonderes gewesen sein, da es in Ihrem Heimatstaat Nebraska spielt – haben Sie eine Menge Inspiration aus Ihrer Umgebung bekommen, obwohl Ihre Geschichte ja in den 1920er spielt?

K.M. Weiland: Ja, das ging mir in der Tat so. Ich hatte mehr Spaß dieses Buch zu schreiben als alle anderen zuvor. Teilweise lag das daran, dass es eine fröhlichere Geschichte ist, nicht so düster wie manches andere, was ich bisher geschrieben habe, und es hat dieses „Sommer-Blockbuster“ Gefühl. Aber ein wichtiger Teil war, dass ich über mir bekannte Plätze schreiben konnte, die ich sehr mag. Ich habe bisher keine Geschichte in einem Setting spielen lassen, das ich so gut kannte, deshalb war es großartig, die Recherchen direkt in der Nähe machen zu können. Ich habe dadurch auch eine Menge über meine Region gelernt, was ich bisher noch gar nicht wusste.

A.Z. Das klingt großartig. Das ist eine schöne Sache am Schreiben, schätze ich – man lernt so viele neue Dinge, während man recherchiert. Und das „Sommer-Blockbuster“ Gefühl – damit kann ich etwas anfangen, wenn ich an die Atmosphäre in „Storming“ denke ;)

Wie sind Sie auf Dieselpunk gekommen?

K.M. Weiland: Ehrlich gesagt, bin ich irgendwie da hineingestolpert. Ich habe mich schon immer für Steampunk interessiert und man könnte jetzt anmerken, dass Storming genau das ist, da seine -punk Elemente aus der viktorianischen Ära stammen. Aber jemand hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Geschichte ja zwischen den beiden Weltkriegen spielt und daher strenggenommen Dieselpunk ist – der mir auf der Stelle sehr gut gefallen hat.

Ich habe mich anfangs nicht hingesetzt, um einen -punk Roman zu schreiben (einige der frühen Ideen zu diesem Projekt drehten sich um Zeitreisen). Ich bin der Geschichte einfach gefolgt und das ist dabei herausgekommen. Am Ende waren die Dieselpunk Elemente ein relativ zarter Faden in der historischen Flieger-Abenteuer-Geschichte.

A.Z.: Ja, das kann ich nachvollziehen, aber die Dieselpunk Elemente haben dem Buch soviel extra gegeben, finde ich. Apropos historische Ära: Gibt es etwas, was Sie besonders mögen an den 1920er Jahren?

K.M. Weiland: Die 1920er waren wild! Die Mode, die Verrücktheit der Prohibition, die Freude der Nachkriegsära, die Weiterentwicklung der Technik – ich liebe all das. Es hat besonders viel Spaß gemacht, über die damals neu aufkommenden technischen Errungenschaften zu schreiben – Telefone, Automobile etc. – in einer ländlichen Gegend, die noch immer ein bisschen die Atmosphäre des Wilden Westens hatte.

Aber wenn ich eine Sache allein wählen würde, dann wären es definitiv die Doppeldecker-Flugzeuge. Ich habe die Romantik der frühen Luftfahrt immer geliebt. Diese frühen klapprigen Flugzeuge haben so etwas Rohes und Schönes an sich. Ich wusste, das mein Held Hitch Hitchcock ein Doppeldecker-Pilot sein sollte, und deshalb musste ich ihm in die entsprechende Ära folgen, welche natürlich die 1920er waren.

A.Z.: Ah, jetzt verstehe ich Ihre spezielle Motivation für diesen Roman :) Sie beschreiben die Flugshow-Einlagen sehr detailliert. Darf ich fragen, wie Sie dafür recherchiert haben? Gibt es noch Flugshows ähnlicher Art in den USA?

K.M.Weiland: Es gibt tatsächliche eine ganze Reihe an Barnstorming/Airshows überall in den USA. Es gibt Luftfahrt-Fans, die sich mit großer Leidenschaft damit befassen. Dieser Tage sind die Shows eher Ausstellungen, um den Leute die alten Flugzeuge zu zeigen. Aber es gibt immer noch hier und da Piloten, die fliegen und kleine Shows machen und davon auch teilweise ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Die meisten Recherchen hierzu habe ich über Bücher gemacht. Ich habe eine ganze Reihe an wunderbaren Quellen über die frühe Luftfahrt gefunden – und das hat sehr gut funktioniert, auch da sie viel Hintergrundeinblicke in die Ära gebracht haben. Ich hatte auch das Glück, dass mehrere Experten auf dem Gebiet der frühen Luftfahrt das Buch auf seine Fakten hin gecheckt haben.

A.Z: Wow, das wusste ich nicht über die Airshows, dass es so etwas heute noch gibt in den USA. Und es ist großartig, dass Sie Experten gefunden haben, die Ihre Fakten durchgegangen sind.

Ihr Protagonst Hitch hat eine so konfliktreiche Vergangenheit in seiner Heimatstaat, kein Wunder, dass er zu Beginn am liebsten immer davon fliegt. War es schwierig oder leicht für Sie, diesen Charakter und seine Entwicklung zu schreiben? (Ich habe die Extras gelesen, zu denen ein Link in „Storming“ führt, und fand das Charakterinterview mit Hitch sehr schön.)

K. M. Weiland: Hitch war einer dieser einfachen Charaktere, der einfach so auf die Seiten sprang. Ich glaube, das liegt teilweise daran, dass seine Stimme unglaublich einfach war – er spricht im Grunde so wie ich.
Es war außerdem sehr schön, diesen Charakter zu schreiben, weil er so voller Konflikte ist. Im Grunde folgt er einfach seinen Impulsen, wo immer ihn die Spontanität hinführt. Er möchte sich nicht mit den Anforderungen anderer an ihn beschäftigen, denn ehrlich gesagt, hat seine Familie sich nie bemüht, ihn zu verstehen oder ihn zu unterstützen. Aber er hat auch schwere Fehler gemacht und möchte sich nicht mit diesen auseinandersetzen.
Ich mochte schon immer Charaktere mit schweren Hintergrundgeschichten. Es scheint, dass ich oft über Charaktere schreibe, die aus dem einen oder anderen Grund, sich außerhalb der Gesellschaft befinden und dann durch eine entscheidene Entwicklung gehen müssen, um ihren Platz in der Welt (wieder) zu finden. Insofern hat es mir – auch aus diesem Blickwinkel heraus – viel Spaß gemacht und es war interessant, Hitch zu schreiben.

Es freut mich zu hören, dass Sie die Extras gefunden haben. Es ist immer schön zu hören, wenn Leser sie sich angeschaut haben.

A.Z.: Ich schätze, Charaktere mit schweren Hintergrundgeschichten und vielen inneren Konfikten sorgen mit für die besten Geschichten ;) Übrigens, die Extras waren eine tolle Idee, bitte machen Sie das auch beim nächsten Buch, wenn Sie die Zeit dafür haben.
Wo wir davon sprechen, können Sie uns etwas über Ihren nächsten Roman „Wayfarer“ verraten? Nachdem, was ich bisher gelesen habe, handelt es sich um eine Art Superhelden Geschichte, die in der Regency Ära [Anmerkung: die Epoche vor der viktorianischen] spielt – klingt auch für Steampunks interessant, schätze ich.

K.M. Weiland: Ja, definitiv. Ich habe die Extras auch für „Dreamlander“ gemacht und plane sie auch für zukünftige Romane. „Wayfarer“ ist meine historische Superhelden Geschichte. In der Entstehungsphase war es etwas in der Art von „Jane Austen trifft Spiderman“. Es wurde dann letztendlich etwas mehr Charles-Dickens-mäßig (Taschendiebe, Schuldner im Gefängnis und schwierige Halunken) als Jane Austen (nur ein einziger Ball!) Aber ich liebe Dickens, insofern war ich ganz glücklich mit der Entwicklung.

Es ist nicht in erster Linie Steampunk (keine Technologie), aber es hat definitiv ein solches Flair – ich habe mich am Steampunk orientiert, wenn es um die Kostüme und (Spoiler!) Monster ging. Ich hatte immer dieses Bild von dem Helden vor Augen, der in einem steampunkigen „Highwayman“ Mantel über die Dächer des Londons aus der Regency Zeit springt. Ich habe gerade die erste Fassung beendet und freue mich schon sehr darauf, bald die Überarbeitung zu machen.

A.Z.: Das klingt faszinierend. „Jane Austen (oder Charles Dickens) trifft Spiderman“ – was für eine Story! :) Hmm, vielleicht ist es nicht direkt Steampunk, andererseits gibt es so viele Subgenres, so wie Steam Fantasy, Dreadpunk Dieselpunk, Gaslight oder andere. Wer weiß, vielleicht haben Sie gerade ein neues Subgenre erfunden?

Meine letzte Frage: Werden Sie „Storming“ bei Lesungen auf amerikanischen Steampunk/ Dieselpunk Conventions präsentieren?

K.M.Weiland: Meine Sachtexte über das Schreiben, auf meiner Website „Helping writers become authors“ halten mich so auf Trab (dieses Jahr veröffentliche ich fünf Sachbücher!) dass ich meine Marketingmaßnahmen vor allem online mache, auch weil ich dadurch die meisten Verkäufe habe [Anmerkung: Miss Weiland veröffentlicht ihre Werke unabhängig von einem Verlag].

Aber das ist auf jeden Fall etwas, was ich im Hinterkopf habe. Es wäre auch toll, bei einer solchen Gelegenheit im passenden Kostüm aufzutreten.

A.Z.: Ich denke, Steampunk Conventions können sehr inspirierend sein und Steampunks sind in der Regel sympathische Leute. Vielen Dank für das Interview, ein frohes Neues Jahr und viel Erfolg mit „Storming“ und allen weiteren Projekten.

K.M. Weiland: Danke! Es war mir eine Freude.

Die Website der Autorin:
http://www.kmweiland.com/

Die phantastischen Arbeiten von Gaby Wormann

Dank Herrn von Phone, bin ich auf eine großartige Künstlerin aufmerksam geworden.

Ihre Arbeiten haben mir den Atem verschlagen, aus diesem Grund möchte ich Frau Wormann und ihre Werke hier vorstellen.

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wRHypOOb8ofJk4qydr7Ep53OA6lyQalHI1lyMmyv3lKnRMt2CDJ8aXGmf6JID84oyds5BSgqmiMM=w970-h646-noMit freundlicher Genehmigung von Gaby Wormann

 

plfveLXGNXP_K0M-CgVMVgwXht3V0ZBkpZxeVStT0iTNFj82nIJToJ77VCjufDbIypLMT_vqUdyr=w970-h646-no„MeCre“ von Gaby Wormann

„Inspiriert von den Schriften Franz Kafkas und dem Werk der Künstler H.R. Giger und Pierre Matter, ist Gaby Wormann eine Künstlerin, die sich mit ihren eigenen Worten „mit den Themen individueller Ethik und dem ungehemmten Eingreifen der Menschheit in komplexe biologische Strukturen beschäftigt“. Wormanns verblüffende Kreationen, die sie „MeCre“ (kurz für „Mechanical Creatures“ – dt.: „Mechanische Kreaturen“) nennt, stellen eine seltene Fingerfertigkeit unter Beweis und zeigen ihre futuristische Vision der Evolution von Insekten: Neue, hybride Lebensformen – Organismen verschmolzen mit mechanischen Teilen –, die widerstandsfähiger, effizienter und technisch optimiert sind.

Die deutsche Künstlerin bedient sich winziger Einzelteile aus der Welt der Uhrmacherei und des Maschinenbaus – zum Beispiel Platten, Zahnräder, Unruhen und Drähte – und integriert sie in die Körper präparierter Insekten – als wunderschöne, maßgeschneiderte Außenskelette.

Das Ergebnis ist eine Serie bionischer Insekten, die auf unheimliche Weise real erscheinen. Wenn der Anblick einer gewöhnlichen Wolfsspinne Ihnen nicht atemberaubend genug ist, dann hebt Wormannns Lycosa tarantula – mit mechanisiertem Körper und mechanisch verstärkten Beinen – dieses Spinnentier auf eine neue Ebene der Exotik. Ihr Megasoma actaeon besitzt gleichermaßen eindrucksvolle Schichten mechanischer Zahnräder, die diesem Rhinozeroskäfer mit großen Flügeln eine noch größere Dreidimensionalität verleihen als Mutter Natur, während es sich bei Wormanns Tropidacris dux um eine braune Riesengrille mit eleganten, überdimensionalen Triebfedern als Fühler handelt.

Die Kreation solch komplexer Skulpturen erfordert ein außergewöhnlich hohes Maß an handwerklicher Geschicklichkeit, den schärfsten Blick für das Detail und ein umfassendes Verständnis der Biomechanik. Die M.A.D.Gallery präsentiert neun Einzelstücke von Wormann, darunter ein Vogelfalter, ein Kaiserskorpion und einige der größten Käfer der Welt. Jedes „MeCre“-Stück wird in einem stabilen Rahmen aus Wenge-Holz mit doppelter Lasur ausgestellt, der exklusiv für die „MeCre“-Serie in Deutschland von dem Zimmermeister Soeren Burmeister von Hand angefertigt wurde. “

 

Ein Besuch der Aetherpräsenz ist unbedingt zu empfehlen und wird auch Ihnen den Atem verschlagen.

http://www.mecre.ch/

Wer aus dem Norden kommt, kann sich die Arbeiten auch vor Ort in der Hamburger Hafen City ansehen:

http://cmd.metropolitan-gallery.de/

Für die Schweizer Kollegen:

http://www.mbandf.com/mad-gallery/

Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung von Gaby Wormann

Quelle: http://www.mecre.ch/press/

Verlosung und Rezension von Voll Dampf - eine Steampunk-Anthologie

Die Anthologie „Voll Dampf“ ist insgesamt betrachtet sehr actionlastig und spannend. Außerdem stecken die einzelnen Geschichten voller unerwarteter Wendungen.

copyright: Amrun Verlag und Christian Günther

copyright: Amrun Verlag und Christian Günther

Rezension
Das Vorwort stammt von der Raum-Zeit-Kapelle Drachenflug und wirft einen generellen Blick auf die Steampunk Szene, bevor es sich den Autoren zuwendet, die von allen Künstlern die meiste Freiheit haben, wie der Drachenflieger Freiherr von Dunkelfels feststellt.

Den Auftakt der Anthologie bildet eine ungewöhnlichen Geschichte von einem Bühnenmagier und seinem ganz besonderen Kraken: „Valerius von Arbogast und sein fabelhafter Krakun“ von Thorsten Küper. Hierin taucht nicht nur Charles Darwin, Begründer der Evolutionstheorie, in einem völlig unerwarteten Zusammenhang auch, sondern auch eine andere historische Persönlichkeit, aus der Zunft der Schriftsteller – mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, weil ich sonst spoilern würde.

„Die spektakuläre und heldenmütige Entführung der originalgetreuen Lokomotive Emma“ (Matthias Falke) handelt von einer ganz besonderen Lokomotive in einem Science-Fiction-Setting.

„Mach mal Dampf“ von André Wiesler spielt in einem Kriegszenario, welches an den 1. Weltkrieg erinnert. Der Protagonist, ein deutscher Soldat, wird Zeuge, wie ein gewaltiger französischer Kampfroboter (eine Art Mech, wie man ihn aus „Battletech“ und ähnlichen Szenarien kennt) in die Schlacht eingreift.

„Träum weiter“ (Peter Hohmann) handelt von Preußen im deutschen Kaiserreich, die gegen Rebellen kämpfen und ein mehrstöckiges, monströses Luftschiff gebaut haben. Doch dann kommt alles anders als erwartet, wie der Anti-Held, ein Journalist, am eigenen Leib erfahren muss.

Auch in „Volldampf zu den Sternen“ (Marco Ansing) ist ein Reporter der Protagonist. In Form von Zeitungsberichten, in denen er sich auch direkt an seine Leserinnen und Leser wendet, beschreibt er turbulente eigene Erlebnisse in Hamburg im Jahr 1899, bei denen er es mit seltsamen „Metallmännern“ zu tun bekommt. Und das ist erst der Anfang…

Die Geschichte „Schwarzfall“ von Frank Hebben beschreibt eine Gesellschaft, die völlig abhängig geworden ist von der Elektrizität des Herrn Tesla. Diese Geschichte wird nicht aus der Perspektive eines oder zweier Protagonisten geschildert, sondern eher aus der Vogelperspektive eines unbeteiligten Beobachters, was sie aber nicht minder dystopisch macht.

In „Ein Gott über den Wolken“ (Achim Zien) erkundet eine Expeditionsgesellschaft im Auftrag ihres Kaisers (eines fiktiven Reiches) einen Gebirgszug auf der Suche nach Rohstoffen und finden ein gestrandetes Luftschiff. Was sie darin finden, verschlägt ihnen den Atem – und macht Lust auf ein längeres Abenteuer in dieser fiktiven Welt.

„Blechschicksal“ (Jan-Tobias Kitzel) erzählt einen überraschenden Steampunk Krimi in London mit mechanischen Tieren, anderen automatischen Wesen und einem Helden der etwas anderen Art.

„Natürliche Auslese“ von Peer Bieber beschreibt eine Alternative Reality in den 1900er Jahren, in der die politischen und religiösen Verhältnisse in Großbritannien, aber vor allem auch in Südamerika etwas anders sind, als wir es aus der Geschichte kennen. Diese Story wird aus der Sicht eines Polarforschers beschrieben. Auch hier tauchen historische Persönlichkeiten ein, z.B. der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen.

Verlosung
Der Clockworker und André Skora, einer der Herausgeber der Anthologie, verlosen zwei Exemplare von „Voll Dampf“ als Taschenbuchexemplar (190 Seiten). Wer gewinnen möchte, schreibe bitte bis 31.12.2015 an buch(at)clockworker.de mit dem Betreff „Verlosung Voll Dampf“.

Das Buch auf der Seite des Amrun Verlags:
http://www.amrun-verlag.de/produkt/voll-dampf-fiktionale-steamgeschichten/