Beachtenswert

Verlosung! Zwei Karten für das Emporium Vernesque

Gewinnspiel

Ihr wollt zum Emporium Vernesque? Dann habt ihr bis zum 25.10.2014 00.00 Uhr die Chance zwei Eintrittskarten zu gewinnen!

Schreibt eine Aetherpost an Gewinnspiel [at] clockworker.de und erzählt uns, worauf ihr euch bei dieser besonderen Steampunkveranstaltung besonders freut!

Einen kleinen Überblick über die Aktivitäten findet ihr in der Ankündigung des Clockworkers und natürlich auf der Homepage der Veranstaltung.

Der Gewinner wird am 26.10.2014 ausgelost und per Mail benachrichtigt.

 

 

Emporium Vernesque 2014

In einem Monat ist es soweit: Das Emporium Vernesque öffnet am 8. November 2014 zum dritten mal seine Tore in Arnheim. Diesmal geht es in eine neue, größere Location: Das Luxor Live, drei Minuten vom Arnheimer Hauptbahnhof entfernt. Los geht’s um 12.00 Uhr am Samstag bis 23.00 Uhr.

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Am Samstag, 8. November 2014 soll in Arnheim die dritte Ausgabe des Emporium Vernesque abgehalten werden. Ein Festival für Lieberhaber des Steampunks, ein kreatives Science-Fiction Genr, welches sich inspiriert durch Schriftsteller wie Jules Verne und H.G. Wells. Aus dem In- und Ausland werden fantastisch gekleidete Steampunks anreisen für dieses einzigartige Event. Es ist eine Veranstaltung für Fans des Lebensstils, aber auch für Besucher, die sich noch nicht genau auskennen, sind herzlich willkommen. Tagsüber wird es ebenfalls Kinderbelustigung geben und sie sind ebenso willkommen, wie ihre Eltern!

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Es wird ein volles Tagesprogramm geben mit Tanzvorstellungen, kreativen Workshops, Ausstellungen, Spielen, Lesungen und Teeduellen.

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Neu ist in diesem Jahr die Modenschau: verschiedene Designer stellen ihre Steampunk Kreationen auf dem Laufsteg vor.

Ebenfalls neu ist die Kleidertauschbörse: Hier kann jeder die Kleidung (im Steampunkstil), die er nicht mehr braucht eintauschen gegen etwas Neues.

Natürlich gibt es auch wieder einen Warenmarkt und eine Sitzecke mit Essen und Trinken im passenden Ambiente.
Außerdem soll es in diesem Jahr ein Filmtheater geben, in dem Filme aus Steampunk und Fantasy gezeigt werden. Ein gutes Beispiel ist hier der Fantasy Kurzfilm “Lessons Learned” von Toby Froud (Labyrinth) und produziert von Heather Henson, Tochter von Jim Henson (Labyrinth, Muppet Show). Des weiteren werden antike Filme von etwa 1900 gezeigt.

Auch Musikalisch gibt es einiges zu bieten:

Tagsüber wird die Deutsche Band Drachenflug für musikalische Untermalung sorgen. Abends geht’s dann weiter mit der niederländischen Gruppe Schwarzblut und den britischen SteamPUNKS The Men That Will Not Be Blamed For Nothing.

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Wem das alles noch nicht genug ist, der kann sich bereits am Freitagabend auf der Pre-Party im Willemeen auf die Veranstaltung einstimmen lassen von den DJs DJ’s Kwoad, Slim, Miss Yani und B.U.R.B. mit EBM, Industrial und Darkwave.

Sonntags morgens wird es außerdem die Möglichkeit geben noch gemeinsam brunchen zu gehen. Der genaue Ort hierzu wird noch bekannt gegeben.

Tickets gibt es hier zu kaufen. Im Vorverkauf kosten die Eintrittskarten 11,00€ (inkl. Servicekosten), Abendkasse 13,50€. Kinder unter 12 zahlen 7,50€ an der Abendkasse. Die Pre-Party kostet 6,00€ Eintritt, wer ein Vorverkaufsticket vorweisen kann, erhält 2,00€ Rabatt.

Die ersten 100 Vorverkaufsticketkäufer bekommen außerdem einen Goodiebag mit verschiedenen Dingen der anwesenden Händler. Ihr erfahrt vor Ort, ob ihr gewonnen habt, aber beeilt euch, bevor es zu spät ist!

Alle weiteren Infos zu Anreise etc. finden sich auf der Homepage der Veranstaltung.

 

 

Buch-Rezension: Außergewöhnliche Automatons von Martin Riesen

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Cover: Außergewöhnliche Automatons Cover Art: Michael Zigerlig

So sperrig der Titel vielleicht auch klingen mag, Martin Riesens Erstling (erschienen im Self-Publishing, erhältlich auf Amazon) liest sich alles andere als holprig.
Schon der Klappentext verspricht eine unterhaltsame Geschichte im Steamforged Empires Universum:

„Offenburg, 1874, in einer alternativen Vergangenheit…
Die sechszehnjährige Johanna findet eine Anstellung als Gehilfin beim Automatonhersteller Professor Geich. Schnell erkennt er ihr außergewöhnliches Talent für die Herstellung von Lochkartenprogrammen, mit denen diese beliebten Maschinen gesteuert werden. Als Johanna einem Automaton ein Programm stanzt, das es ihm ermöglicht, zu lernen, ahnt sie nicht, welche Ereignisse sie damit in Gang setzt…“

Die Geschichte selbst ist nichts Neues: Die Erfindung wendet sich gegen den Erfinder. Leider verharrt die Erzählung an einigen Stellen stark in alten Klischees (Liebe entgegen aller Standesunterschiede, Aufstieg von ganz unten etc.) und das Ende ist weitgehend vorhersehbar.
Aber altes Holz brennt bekanntlich gut und so bleibt es bis zum Ende spannend, wie das heraufbeschworene Unheil doch noch abgewendet werden kann.

Wer bei den genannten Beispielen jetzt an eine überwiegend kitschige Liebesgeschichte denkt, liegt (Gott sei dank) falsch. „Außergewöhnliche Automatons“ ist ein waschechter Abenteuerroman und da darf eine Romanze natürlich nicht fehlen.

Martin Riesens Erzählstil ist kurzweilig und gut lesbar, insbesondere mit den Beschreibungen der Technik, die hinter den Automatons steckt, kann der Autor punkten. Man hört förmlich das Rattern der Zahnräder und Durchlaufen der Lochkarten, riecht das Maschinenöl und den Dampf der Antriebsmaschinen. Echter Steampunk eben.

Leider bleiben dafür die („guten“) Charaktere teils recht oberflächlich, nur der Bösewicht kann mit seinen Motiven und Handlungen wirklich überzeugen und weckt im Leser die angebrachte Abscheu.

Über diese Abneigung kann man sich schließlich doch noch recht gut in die Hauptfiguren hineinversetzen und mit ihnen und der Geschichte mitfiebern (außerdem freut es einen doch bei einem gut geschriebenen Gegenspieler gleich viel mehr, wenn seine Pläne versagen.)

Bevor es jedoch soweit kommt, wird man zunächst ausgiebig in die Welt von Steamforged Empires eingeführt. Erst gegen Ende nimmt die Geschichte Fahrt auf und reißt den Leser im letzten Drittel des Buches mitten hinein in das Geschehen. Die Auflösung selbst kommt ziemlich abrupt, in einigen Einzelheiten fast schon zu gewollt, bleibt aber nachvollziehbar.

Da das Buch als erster Teil einer Serie angelegt ist, darf ein ordentlicher Cliffhanger natürlich nicht fehlen und so erfahren wir nicht die vollständige Auflösung aller Geschehnisse und dürfen weiter rätseln. Das Tempo, dass „Außergewöhnliche Automatons“ gegen Ende erreicht, wird dann hoffentlich im nächsten Band beibehalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Außergewöhnliche Automatons“ sich wohl am ehesten unter „leichte Abendlektüre“ einordnen lässt, (u.A. auch durch die Einteilung in 27 relativ kurze Kapitel). Das alternative Universum ist gut durchdacht und auch die Geschichte ist logisch aufgebaut, wenn auch leider größtenteils recht vorhersehbar. Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch, wenn man nicht gerade etwas Weltbewegendes erwartet. Wer auf der Suche nach guter, steampunkiger Unterhaltung ist, wird mit „Außergewöhnliche Automatons“ sicher nicht enttäuscht werden.

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Homepage des Autors

Gesichtsbuchseite

 

Ein ganz besonderer Schrank

Für alle Liebhaber des Clockpunks (also des Punks mit Uhrwerken und anderen Aufziehmechanismen) ist das folgende Stück eine wahre Augenweide! (Für alle anderen natürlich auch, aber wann hat man schonmal die Möglichkeit Clockpunk ernsthaft zu erwähnen…)

Geheimfächer sind keine Erfindung moderner Abenteuerromane oder -Filme. Sie finden sich immer wieder in alten Möbelstücken. Der Sekretär von David Roentgen ist aber etwas ganz besonderes, ein Meisterwerk sowohl in der Schreinerkunst als auch vom mechanischen Standpunkt aus.

Das Gute Stück aus dem Nachlass des preußischen Königs Friedrich II. ist heute im Besitz des Berliner Kunstgewerbemuseums. Anlässlich einer Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum wurde der Schrank einmal “in Aktion” gefilmt. Das Ergebnis kann hier bewundert werden:

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(Mehr Informationen finden sich u.A. hier und hier.)

Königlicher Steampunk auf der Elfia?

Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit: Die Elfia (vormals Elf Fantasy Fair) öffnet in Arcen wieder ihre Tore für Fantasy aller Art.

Klassische High Fantasy, Science Fiction, Anime und Manga, Historisches, Gothic und noch vieles mehr gibt es auf dem Gelände des Schlossgartens Arcen zu entdecken. Einige Eindrück aus dem vergangenen Jahr sind hier zu finden.

Elfia-1-LogoWie im vergangenen Jahr wird sowohl das niederländlische Steampunk Objective, als auch die Steampunk Expeditions Gesellschaft  die Elfia in Sachen Steampunk bevölkern.

In diesem Jahr gibt es aber noch einen besonderen Grund für Steampunks anwesend zu sein: Zum ersten Mal stellt sich ein Steampunk Paar den Wahlen zum Königspaar von Elfia. Und zum ersten Mal wird die Wahl direkt vor Ort durch das Publikum getroffen!

Ezekiel und FaryIna Barentszn vom Steampunk Objective werden in der Royal Debate am Samstag, 11.30 Uhr auf der Elfo Stage gegen Maximus, Minerva und Prinz Toby antreten. (Mehr Infos zu beiden Kanditatenpaaren gibt es hier)

Im Anschluss finden die Wahlen durch das Publikum und die Krönung der Gewinner statt. Wer also am Samstag die Elfia besucht, sollte unbedingt auch an der Elfo Stage vorbei schauen und Ezekiel und FairyIna unterstützen!

Elfia Royal Election

“Während einer der vielen Reparaturen am Apparatus Machinicus entstand ein Wirbel oder eine Öffnungen zwischen den Dimensionen. Deswegen begaben sich Sir Ezekiel Barentszn und Lady FairyIna Barentszn auf eine dreidimensionale Reise. Sie entdeckten eine Welt voller Wunder, mit Elfen, Drachen und fremden Völkern. Dank FairyIna und ihrer Kenntnis über Naturschöpfungen fanden sie bald heraus, dass sie sich im Königreich Elfia befanden. Während der Erkundung trafen sie auf die Königin und den König, die ihnen sagten, dass die aktuelle Technik eine Menge Probleme verursachte. Genau das war Ezekiels Spezialität! Dank ein paar genialer Erfindungen wussten sie, wie man reines Trinkwasser für alle herstellen konnte, und aus diesem Grund wurde den beiden die Übernahme des Throns angeboten. Sir Ezekiel bat FairyIna auf eine sichere Welt für jede Art der Naturschöpfung zu achten, in welche sie dank Apparatus zeitreisen konnten. „Wir werden immer versuchen sicherzustellen, dass jeder mit Respekt behandelt wird und dass reines Wasser überall verfügbar ist.””

Steam Noir Künstler in Göppingen

Felix Mertikat und die Autorin Verena Klinke werden am 6.9. im Otaku Store Göppingen ihre ausgezeichnete Comic-Serie Steam Noir signieren. Die komplette Presse-Mitteilung:

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OTAKU STORE in Göppingen feiert mit buntem Programm für Groß und Klein 3-jähriges Jubiläum
Termin: 6. September 2014, 14-19 Uhr
Signieraktion, Buchverlosungen, Steampunk-Cosplay und Kuchen!
Und wieder ist ein Jahr um!
Der Otaku Store feiert am 6. September 2014 sein 3-jähriges Jubiläum.
Jubiläumsgäste sind der Zeichner Felix Mertikat und die Autorin Verena Klinke, die ihre preisgekrönte Comicserie STEAM NOIR signieren werden, die den Steampunk in die deutsche Comiclandschaft eingeführt hat. Es wird die erste Signeraktion der beiden Künstler im einzigen Comic & Manga-Shop inGöppingen sein. Die Signierstunde startet um 15 Uhr.
Comics und Mangas sind mittlerweile zum Kulturgut geworden. Da es in Deutschland leider nicht mehr viele Comicläden gibt, ist es umso wichtiger, die literarische Infrastruktur in den Groß- aber auch Kleinstädten am Leben zu erhalten. Zum Glück gibt es in Göppingen eine lokale Anlaufstelle! Neben den Comicmachern wird es ein großes Cross-Cult-Gewinnspiel sowie eine Cosplay-Show geben. Das Thema für die Cosplayer dieses Mal lautet – natürlich – „Steampunk“! Zum Abschluss wird es auch eine tolle Torte geben – gezaubert von Gül Event –, sodass mit Unterstützung der Künstler von Steam Noir sowie dem Cross Cult-Verlag schon jetzt ein unvergesslicher Tag garantiert ist.
Weitere Infos zur Veranstaltung unter: http://www.otakustore-gp.de/Events-1
Otaku Store: Homepage | Facebook
Steam Noir: Verlagsseite | Homepage Facebook
PORTRAIT | Der Otaku Store
Ein Comic und Manga Laden mal anders!
Am 1. September 2011 wurde der Otaku Store in Göppingen eröffnet. Gegründet wurde der ungewöhnliche Comicladen, der die Comicgenres nicht trennt, aber zusammenbringt, von Kay Stöcker. Seit jener Zeit wandelte sich das lokale Geschäft zu einer Mittelständischen Institution mit Onlineshop und weltweitem Versand. Das Sortiment umfasst neben Comics und Manga auch Zeichnerbedarf und Fanartikel. Unter dem Motto „Unter gleichgesinnten“ veranstaltet der Otaku Store regelmäßige Events, besonders beliebt: Origami-Workshops, Cosplay- und Zeichnertreffen und vieles mehr.
Um die vielen lokalen Künstler zu unterstützen, kann man in den Räumen des Otaku Store viele Illustrationen und Artworks bestaunen.

Steampunkprothese

Christopher Snell hat eine funktionierende Steampunkprothese gebaut, die einen erstaunen lässt.

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Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten - Robert C. Marley

“Britisch, London, Krimi” – Wirft man diese drei Worte in den Raum entsteht zwangsläufig ein gewisses Bild vor den Augen eines Lesers. Natürlich Regen. Eine Stadt, die grau ist, aber dennoch voller Leben. Skurrile Bürger mit einem sehr trockenen Humor. Alte Filme wie Miss Marple und eine Geschichte, wo man den Täter nicht vorher kennt und nur noch seine schwere Kindheit nachverfolgen kann, die ihn zur Tat trieb, sondern mit dem Detektiv auf der Suche nach der Lösung des Falles ist.

Robert C. Marley hat dieses Wunder geschafft und all diese Komponenten in einen kurzweiligen, humorvollen und absolut spannenden Krimi gegossen. Inspector Swanson ist eines meiner absoluten Highlights des Lesejahres 2014, obwohl ich kein ausgesprochener Krimileser bin. Aber in diesem Buch stimmt einfach alles und man möchte es keinen Moment aus der Hand legen. Geschickt mischt Swanson reale Personen mit einer fiktiven Handlung, was dem Roman noch eine ganz besondere Würze gibt. Die Geschichte wird flott, aber ohne Hast erzählt und der Autor nimmt sich auch mal die Zeit die Alltagsprobleme der Figuren zu beschreiben, was sie dem Leser noch näher bringt.

Für 9,50 EUR bekommt man nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch noch ein sehr liebevoll gestaltetes Taschenbuch, mit dem der Dryas-Verlag seine Serie Baker Street Bibliothek um eine echte Perle erweitert.

Sherlock würde wohl sagen: Der Kauf dies Buches ist elementary, Mr Watson!

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London 1893, Gordon Wigfield, ein ehrbarer Goldschmied und Damenfreund wurde in seiner Werkstatt auf bestialische Weise ermordet. Chief Inspector Donald Sutherland Swanson nimmt die Ermittlungen auf. Doch es bleibt nicht bei einer Leiche. Die Nachforschungen führen Swanson schließlich in die höchsten Kreise der Gesellschaft. Welche Rolle spielen Oscar Wilde und sein Geliebter Lord Douglas? Und was weiß Arthur Conan Doyle? Die Karten werden neu gemischt als sich herausstellt, dass der in den Kellern des Londoner Bankhauses Parr am Cavendish Square aufbewahrte „Blaue Hope-Diamant“ eine Imitation ist…

Robert C. Marley
Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten: Krimi
Verlag: Dryas Verlag; Auflage: 1 (Mai 2014)
ISBN-10: 3940855537

Wilhelmstadt. Die Abenteuer der Johanne deJonker - Andreas Dresen

Dass man nicht zum x.ten Male den britischen Lord bemühen muss, zeigt Andreas Dresen in seinem ersten Wilhelmstadt-Roman und so wie Andreas Wilhelmstadt beschreibt, muss sich deutsche und deutschsprachige Dampfliteratur auch nicht hinter Queen Victoria verstecken. Die Stadt lebt und mit ihr, alles was darin kreucht und fleucht. Als alter Rollenspieler möchte ich direkt fragen: Wann kann ich den Hintergrundband dazu kaufen und selber Abenteuer dort erleben?
Gerade kleine Details sind es, die für mich Steampunk ausmachen und darin kann man als Leser förmlich baden.
Bei den Charakteren hätte ich mir auch etwas mehr von dieser Detailliebe gewünscht. Sie haben alle Potential und man möchte sie näher kennenlernen, was einem aber versagt bleibt. Zumindest für mich waren sie zu wenig beschrieben und ihre Motivation bis auf das Grundmotiv nicht erkennbar. Trotzdem hat es mir riesig Spaß gemacht mit Johanne durch Wilhelmstadt zu streifen und mit ihr die die Schuldigen für die falschen Verdächtigungen zu finden. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und hoffe, dass wir dann auch die Personen ebenso gut kennenlernen, wie die Stadt, denn dieses Setting schreit nach weiteren Geschichten.

Oder, um es preußisch zu sagen: Weitermachen!

Ein Wort der Warnung: NICHT! den Klappentext lesen. Oder nur in der (gekürzten) Version wie unten. Aus irgendeinem unverständlichen Grund, wird der Gegenspieler dort direkt schon genannt.

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Klappentext:
Wilhelmstadt, 1899.
Das stählerne Venedig Deutschlands. Eine dem Braunkohle-Rausch verfallene, hochindustrialisierte Stadt als Schauplatz einer verschwörerischen Intrige inmitten von Dampfmaschinen und mechanischen Gadgets. Mitten in der Nacht versinkt die „Juggernauth“ in den Fluten des Rheins. An Bord ist auch der Neffe von Kaiser Wilhelm II. Nur der Ingenieur Julius deJonker überlebt das Unglück, liegt aber unwiederbringlich im Koma. Trotzdem zeichnet der Kaiser ihn verantwortlich für die Katastrophe und enteignet ihn all seiner Besitztümer. Nur seine Tochter Johanne ist von der Unschuld ihres Vaters überzeugt. Verarmt, aber voller Entschlußkraft, macht sie sich zusammen mit Miao, einer verstoßenen Luftnomadin mit einem Dampfbein, auf die Suche nach den wahren Schuldigen.

Andreas Dresen

Wilhelmstadt. Die Abenteuer der Johanne deJonker. Band 1 – Die Maschinen des Saladin Sansibar

Broschiert: 264 Seiten
Verlag: Acabus Verlag; Auflage: 1 (14. Juli 2014)
ISBN-10: 3862822745

Die Abenteuer des Richard Dean Donahue - Teil 7 (Finale)

Der siebte und letzte Teil der Serie um Richard Dean Donahue. Wer mehr von A.G. Piel lesen möchte, kann dies in Noémis Lied: Ein dystopisches Märchen tun.

Es ging auf Mitternacht zu und Dean hatte schon wieder viel zuviel Whisky intus, als sich die Tür zur „Highend Tavern“ öffnete und Eddy eintrat. Dean beobachtete aus verhangenen Augen, wie sich der riesige Schläger näherte und vor ihm aufbaute.

„Du sollst mitkommen.“

„Ist das so?“ Er grinste und hob schnell die Hände. „Ganz ruhig, mein Freund! Ich komme ja schon.“

Als er von seinem Hocker rutschte, wäre er beinahe in die Knie gegangen, so betrunken war er bereits. Mühsam zählte er das Geld ab, das er dem Wirt schuldete, verabschiedete sich von ihm mit einem Tippen an seinen imaginären Stetson und folgte Eddy nach draußen.

„Wohin jetzt? Wieder ab in den Sumpf?“ Er kicherte verzweifelt. 

Eddy, der vollkommen spaßbefreit schien, schüttelte den Kopf, packte ihn hart am Arm und schleifte ihn mit sich. Auf diese Weise durchquerten sie halb Inverness, bis sie vor einem einsam gelegenen Haus am Rande der Stadt standen. Dean seufzte. Der kurze Weg an der frischen Luft hatte ihn, nach seinem Geschmack, viel zu nüchtern werden lassen.

Im Haus angekommen, führte Eddy ihn hinunter in den Keller und durch eine schwere Eisentür, die er mittels eines Radriegels von innen versperrte.  Dean sah ihm dabei zu; ihm sank der Mut.

„Hör mal, Eddy, ich habe noch eine Menge Spesen übrig, wenn du also …“ Ein kräftiger Schlag auf den Nacken unterbrach ihn. „Autsch! Nicht immer auf den Kopf und ins Gesicht, verdammt! Ein einfaches „Nein“ hätte mir genügt.“

Knurrend stapfte er voran, warf dabei aber immer wieder einen prüfenden Blick zu dem Hünen hinter sich.

Sie folgten einem gewundenen Gang, bis sie auf eine weitere Eisentür stießen, die Eddy öffnete. Dahinter erwartete sie der Gentleman aus dem Sumpf – zusammen mit einem Horrorkabinett, wie Dean es selten zuvor gesehen hatte.

Zwei schmale, stählerne Tische dominierten die Mitte des durchweg gekachelten Raumes; sie waren auf baumdicken Gewinden befestigt, mittels derer man sie hoch- und runterfahren konnte. In jedem war eine menschenförmige Mulde eingelassen, deren tiefste Punkte siebähnlich durchlöchert waren. Darüber baumelten vier Lampenschirme, die grellflackerndes Licht über das glänzende Metall sandten. Dean glaubte, kupferfarbene Flecken auf einem der Tische zu erkennen, und hob schnell den Blick.

Im hinteren Bereich des Labors, denn um nichts anderes mochte es sich hier handeln, wurde eine komplette Wand von einer breiten Ablage eingenommen; darauf reihten sich Reagenzgläser aneinander, teilweise auf obskure Weise miteinander verbunden, sodass sich leuchtende Flüssigkeiten über verdrehte, gläserne Bahnen ergossen, um sich in bauchigen Phiolen zu treffen. In der größten sammelte sich neben solchen Flüssigkeiten eine Menge schwarzer Rauch, der sich bedrohlich um sich selbst wand, so als wäre er ein wildes Tier, das nur darauf wartete, befreit zu werden.

An den Wänden links und rechts waren die unterschiedlichsten Werkzeuge angebracht, von einer großen Axt, über vielerlei Arten von Sägen, bis hin zu feinen Skalpellen und Nadeln; keines dieser funkelnden Dinger gefiel Dean sonderlich gut.

Der Gentleman trat näher; heute war er nicht im feinen Zwirn unterwegs, sondern trug einen Gummikittel über einfacher Arbeiterkleidung, sowie dünne Handschuhe aus dem gleichen Material.

„Mister Donahue! Was für eine Freude, Sie gesund und munter wiederzutreffen. Wie ich hörte, hatten Sie etwas Ärger in Edinburgh?“

„Da waren ein paar Franzosen …“, setzte Dean an, wurde aber sogleich unterbrochen.

„Ach ja, die Franzosen. Glauben immer noch, sie hätten ein Anrecht auf Mariettes Diebesgut. Aber gestohlen ist gestohlen, nicht wahr? Wenn überhaupt, dann gehört das gute Stück wohl den Ägyptern, meinen Sie nicht auch?“ Der Gentleman lachte, als hätte er einen besonders guten Witz gemacht. „Wo wir gerade davon sprechen … ich hätte es dann gerne. Sie haben es doch in Ihrem Besitz, nicht wahr?“

Dean seufzte, hob den rechten Fuß, packte ihn mit einer Hand und öffnete mit der anderen das Geheimfach im Stiefel, den er dem unglückseligen Andrew McCormick abgenommen hatte. Bevor das Auge herausfallen konnte, fing er es, schloss das Fach und ließ den Fuß zurück auf den Boden sinken.

„Hier ist es. Aber bevor irgend etwas den Besitzer wechselt, möchte ich mit Ihnen über …“

„Eddy“, unterbrach der Mann ihn lächelnd, „nimm Mister Donahue bitte das Blaue Auge des Horus ab. Und wenn du schon dabei bist, entferne gleich noch sein Spielzeug aus dem Halfter unter seinem Gehrock, ehe er auf dumme Gedanken kommt.“

Dean versuchte sich zu wehren und kassierte dafür einen weiteren Nackenschlag, fester diesmal. Keuchend ging er in die Knie und musste mitansehen, wie Eddy sowohl das Auge als auch seine Maggy übergab.

Die Waffe legte der Gentleman achtlos auf eine der Ablagen, das Auge aber hob er mit faszinierter Miene ins Licht.

„Ein wirklich schönes Stück, nicht wahr?“ Er drehte das steinerne Gebilde hin und her.

„Ich weiß nicht“, sagte Dean nervös. „Kann ich jetzt gehen?“

„Noch nicht ganz. Interessiert es Sie denn überhaupt nicht, was ich vorhabe?“

„Oh, ich habe festgestellt, dass zu große Neugierde gar nicht  gesund ist. Also … danke, aber nein, danke.“

Der Gentleman ließ die Hand mit dem Auge sinken und sah ihn erstaunt an. „Seltsam. Man möchte meinen, dass Sie eine Sache, die Sie persönlich betrifft, doch interessieren sollte.“

„Worauf, zum Teufel, wollen Sie hinaus?“ Als Eddy seine Hände packte, versuchte Dean vergeblich, sich loszureißen. „Sie Mistkerl! Was haben Sie mit mir vor?“

„Das wollte ich Ihnen gerade erklären.“ Der Mann umrundete die beiden Tische und beobachtete ihn dabei lauernd. „Wissen Sie, ich habe mich vor einer ganzen Weile schon von einer hässlichen, kleinen Eigenheit unserer Spezies losgesagt: dem Altern. Ich bin kein Freund des Alterns, ich war es noch nie. Deshalb beschloss ich, einfach damit aufzuhören.“

Dean starrte ihn mit versteinerter Miene an und sagte nichts.

„Einfach, werden Sie sich fragen?“, fuhr der Mann unbeirrt fort und betrachtete das Auge erneut. „Nun, ganz so einfach war das natürlich nicht. Mein Körper verfiel allmählich, ich musste ihn mit allen möglichen Ersatzteilen ausstatten, mal hier eine Niere ersetzen, mal da ein Bein austauschen …“ 

„Und was wollen Sie jetzt von mir? Mein Herz? Meinen Magen? Mein Hirn?“, knurrte Dean und spürte, wie ihm schlecht wurde.

„Ihr Hirn …“ Der Mann lachte. „Das Hirn, mein lieber Mister Donahue, ist das einzige, das ich nicht austauschen kann. Nun ist es aber leider so, dass der Verfall meines Körpers schneller und schneller einsetzt, weshalb ich zu … drastischeren Maßnahmen gezwungen bin. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass ich mich nicht selbst um den treulosen Mister McCormick kümmern konnte.“ Er lächelte breit. „Aber während Sie so wunderbare Arbeit in Edinburgh geleistet haben, haben Eddy und ich schon die letzten Vorbereitungen getroffen, sodass wir gleich anfangen können.“

„Anfangen? Womit denn? Sie sind ja völlig wahnsinnig!“

„Mitnichten!“ Plötzlich klang die Stimme des Mannes um einiges schärfer. „Dies hier“, er reckte das Auge in die Höhe, „wird es mir ermöglichen, eine komplizierte Operation an meinem eigenen Körper vorzunehmen, während mein Geist sich außerhalb davon befindet, sodass ich bei vollster Kontrolle und bestem Überblick meinen Kopf von dieser welken Hülle auf eine neue, jüngere, sehr viel bessere transplantieren kann!“

„Oh nein …“, krächzte Dean, als er begriff.

„Oh doch!“ Der Gentleman strahlte, und seine Augen glitzerten mit dem Horus’ um die Wette. „Ihr Körper wird mir, respektive meinem brillanten Kopf, bald schon neuen Lebensraum bieten.“ Er runzelte die Stirn. „Bitte verzeihen Sie die schlechte Allegorie, aber ich bin gerade etwas aufgeregt. Das verstehen Sie doch, oder?“

Dean war unfähig, etwas zu erwidern. Als seine Beine nachgaben, packte Eddy ihn unter den Armen und zerrte ihn in Richtung eines Tisches unter den Lampenschirmen.

„Seien Sie unbesorgt“, fuhr der Gentleman im Plauderton fort, „Ihr Kopf wird ein würdiges Begräbnis erhalten, Seite an Seite mit meinem alten Körper. Und auf den Ihren werde ich so gut achtgeben, dass er länger hält, als … nun ja. Er es wahrscheinlich in Ihrer Obhut getan hätte, wenn man Ihren Lebenswandel bedenkt.“

„Ich würde ihn trotzdem gerne noch ein wenig behalten, bitte“, wimmerte Dean, als Eddy ihn auf den Stahltisch warf.

Der Hausherr lächelte und legte das Auge behutsam neben den Reagenzgläsern ab, ehe er sich Dean zuwandte. „Leider ist das nicht möglich. Doch solange Sie noch leben, denken Sie daran: Ihr Tod wird nicht umsonst gewesen sein!“

Eine ruhige Stimme aus dem Dunkel des Ganges ließ den Kopf des Gentleman hochzucken.

„Das genügt jetzt.“

Auch Dean hob den Kopf und starrte mit weit aufgerissenen Augen nach vorne. „A … my?“

Amy Rhind trat ins Licht und bedachte die Szenerie mit kühlem Blick. Sie hatte das Bibliothekarinnenoutfit gegen eine skandalöse Kombination, bestehend aus robuster Fliegerhose, Lederjacke und Stulpenstiefeln, getauscht. 

„Verschwinden Sie, Amy!“ Dean hob verzweifelt eine Hand. „Verschwinden Sie, solange Sie noch können!“

„Eine Freundin?“ Der Hausherr runzelte die Stirn. „Wie, zum Teufel, sind Sie hier hereingekommen?“

Mit einem mitleidigen Lächeln verschränkte Amy die Arme vor der Brust. „Schlösser halten mich nicht auf, Mister Hare. Und nun geben Sie mir das Auge.“

Der Gentleman hielt inne, als sie ihn beim Namen nannte, machte dann aber eine wegwerfende Geste. „Kümmere dich um sie, Eddy.“

Als der Schläger einen Schritt nach vorne machte, öffnete sie ihre Arme und fixierte ihn mit einem Blick, den Dean noch nicht von ihr kannte. Etwas schimmerte in ihren Augen, eine seltsame Art der Kälte. Es klapperte leise, als sich wie von Geisterhand eine Reihe Skalpelle aus den Halterungen an der Wand lösten. Eddy hielt inne und blinzelte. Amys Blick huschte flüchtig zu Dean und sie lächelte. „Ducken“, befahl sie gelassen, und er bedeckte bereitwillig seinen Kopf mit den Armen. 

Die folgenden Geräusche waren hässlich, als ein knappes Dutzend feingeschliffener Klingen Eddys Körper nicht nur trafen, sondern durchdrangen und auf der anderen Seite wieder austraten. Der Hüne zersprang förmlich in blutige Einzelteile, die nacheinander und mit einem ekelhaften Klatschen auf dem Boden aufschlugen.

Hare, der Gentleman, fluchte und sprang in den hinteren Bereich des Labors, wo er mit der flachen Hand auf eine Reihe von Schaltern schlug. Dunkelheit legte sich über den Raum, gerade als Dean die Arme runternahm und sich aufrichtete.

„Was … wo … au!“ Etwas hatte ihn am Kopf getroffen. Er fing den Gegenstand und stellte fest, dass es sich dabei um seine Maggy handelte.

„Ich dachte, die könnten Sie brauchen“, raunte Amy nahe seines Ohres. Er zuckte zusammen und umklammerte die Pistole mit festem Griff.

„Sie … Sie sind…“ Er zwinkerte heftig, als ihm endlich ein Licht aufging. „Eine Mesmeritin? Aber … ich meine … Ihr Haar!“

„Haare kann man färben, Mister Donahue – und überflüssige Feststellungen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.“

Er atmete tief durch und rutschte von dem Metalltisch. Als er in einen fleischigen Brocken trat, der einmal zu Eddy gehört haben mochte, verzog er angewidert das Gesicht.

„Also schön. Wo ist der Mistkerl?“

Durch den Gang hallte ein lautes Krachen.

„Ich schätze, er ist dabei, zu fliehen.“

Als das Licht erneut aufflammte, schloss Dean geblendet die Augen, zwang sich aber rasch dazu, sie wieder zu öffnen. Amy stand an den Schaltern und sah sich um; tatsächlich waren sie  alleine mit Eddys traurigen Überresten. Gemeinsam eilten sie den Gang entlang und stießen auf die verriegelte Eisentür.

„Na großartig!“ Fluchend trat Dean dagegen. „Er entkommt uns!“

„Nicht so schnell.“

Amy bedeutete ihm, zurückzutreten, und legte ihre Hände an die Tür, knapp über dem Radriegel. Sie schloss die Augen, legte den Kopf in den Nacken und atmete hörbar ein. 

Dean beobachtete sie misstrauisch. Als sich die Luft mit einem Schlag verdichtete, hielt auch er den Atem an und spürte ein Kribbeln auf seiner Wirbelsäule. Er wollte einen Schritt zurück machen und musste feststellen, dass er sich nicht rühren konnte. Die Maggy in seiner Hand vibrierte sacht und die Knöpfe an seinem Gehrock zitterten wie goldene Käfer. Plötzlich bewegte sich das Rad mit einem Rattern und die Tür schwang auf.

„Kommen Sie!“

Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Seite an Seite liefen er und Amy nach oben. Als sie aus dem Haus traten, konnten sie in einiger Entfernung einen Reiter auf der mondbeschienenen Straße ausmachen, der sich eilig entfernte.

Dean wollte anlegen und zielen, doch Amy hielt ihn ab.

„Lassen Sie es gut sein.“ Sie sah Hare mit schmalen Augen nach. „Wir kriegen ihn an einem anderen Ort.“

„Wenn er Ihren Körper stehlen will, dann reden wir noch einmal darüber!“ Dean zwang sich zur Ruhe und steckte die Maggy weg. „Verdammt nochmal, was für ein Irrer!“

„Damit haben Sie nicht einmal unrecht. Jemand sollte dringend seinen Geisteszustand untersuchen.“ Amys Blick wanderte zur Tür. „Und sein Labor. Irgendetwas sagt mir, dass wir dort eine Menge interessanter Unterlagen finden könnten.“

Dean sah sie ungläubig an. „Sagen Sie mal … was für  Spielchen spielen Sie eigentlich? Wie haben Sie mich  gefunden? Und warum haben Sie mir nicht gesagt, dass Sie eine Mesmeritin sind?“

Amy seufzte. „Ich sollte Ihnen wohl einiges erklären. Jetzt, wo Sie zu uns gehören …“

„Ich verstehe kein Wort.“

„Das verwundert mich keineswegs, denn der Cleverste sind Sie wirklich nicht. Sie zu finden, war kein großes Problem, Sie haben mir schließlich gesagt, wohin Sie wollen. Und wenn hier jemand Spielchen spielt“, sie griff in die Tasche ihrer Jacke und zog das Auge hervor, „dann sind das wohl Sie! Dachten Sie wirklich, Sie könnten mich so leicht austricksen?“

„Woher wussten Sie, dass ich es doch noch habe?“, fragte er lahm.

„Ihre besorgte Reaktion hat Sie verraten. Hätten Sie es den Franzosen überlassen, dann wäre Ihre Sorge unbegründet gewesen. Wirklich herzerwärmend übrigens, dass Sie sich so um mich sorgten.“

„Ich konnte ja nicht ahnen …“, gab er bissig zurück.

„Richtig“, sagte sie kalt, „Sie konnten es nicht ahnen. Und genau deshalb verschleiere ich auch meine wahre Natur: Damit  niemand sie erahnt. Geht das in Ihren Schädel?“

„Ich … ich denke schon. Aber was meinten Sie damit, dass ich jetzt „zu Ihnen“ gehöre?“

Amy seufzte resigniert. „Mir schwant, dass das eine recht mühselige Zusammenarbeit wird.“

Mit einem schnellen Schritt trat sie an ihn heran und berührte flüchtig die Narbe an seinem Hals.

„Hem-nisut“, sagte sie und blickte ihm unverwandt in die Augen. „Sie sind jetzt unser Diener.“

Dean starrte sie an. „Sie … gehören …“

„… zur Gesellschaft zur Pflege erhaltenswerter Kleinode, ja. Was dachten Sie denn?“

„Aber ich … ich wollte dieses Zeichen nicht!“ Er machte er einen Schritt zurück. „Ich bin Niemandes Diener!“

„Kaum einer unserer Diener trägt das Zeichen freiwillig. Aber Sie werden bald feststellen, dass es eine Reihe von Annehmlichkeiten mit sich bringt.“ Sie lächelte, doch ihre Miene drückte absolute Unnachgiebigkeit aus. „Wenn mich nicht alles täuscht, haben Sie das sogar schon. Aber wenn Sie wollen, können wir gerne Ernest Silverman aufsuchen und ihm erzählen, dass Sie doch nicht zu uns gehören.“

Dean senkte den Kopf und schwieg. Er stellte fest, dass er die echte Amy Rhind kein bisschen kannte – und dass sie ihm eine Heidenangst einjagte.

Sie neigte sich ihm entgegen und fuhr etwas versöhnlicher fort: „Sie werden uns nicht ein Leben lang zu Diensten sein müssen. Aber … eine Weile. Finden Sie sich damit ab.“

„Also schön.“ Dean seufzte gottergeben und rieb sich die schmerzenden Augen. „Ich spiele mit. Für’s Erste jedenfalls.“

„Eine gesunde Einstellung.“

„Na dann … Boss. Was haben wir als nächstes vor?“

„Sagte ich das nicht bereits?“ Mit lässiger Geste korrigierte Amy den Sitz ihrer Jacke. „Wir bringen den Verräter William Hare  zur Strecke.“

2. Dutch European Steampunk Convention

Wer am Wochenende noch nichts vor hat, dem sei die Dutch European Steampunk Convention, kurz D.E.S.C. ans Herz gelegt.

DescIm Rahmen des Fantasiafest de Lindenhorst im Niederländischen Schiphorst (bei Meppel), treffen sich vom 25. – 27. Juli Steampunker aus ganz Europa zum gemeinsamen Campen. Jeder, der ein Steampunktaugliches Zelt hat, kann sich am Steampunk Camp beteiligen.

Mehr Informationen sind auf der Facebookseite des Events zu finden, dort heißt es:

The second edition of the biggest Dutch European SteamPunk Convention returns in 2014!!

This convention will be held with the participation of The Lindenhorst, FantasiaFest and The Steampunk Objective.

The second Dutch European SteamPunk Convention has already become an annual event. For those who are coming over the whole weekend it is possible to build up and set up camp on Thursday. All Steamers are very welcome, whether you’re from the Netherlands or come from an airship faraway. Make sure to take along all your gizmo’s, gadgets and inventions including your own tent (in style ofcourse, to blend in with our enormous campsite available to you, the people who come in appropiate gear.)

There is also free parking, a market, live music, food and drink stands, entertainment and the SteamPunk Square. On Thursday there will also be a very special night, our SteamPunk Special with Music live on stage!!!

To sum it all up; Rat Rods, foods and beverages, live music, entertainment, campsite, inventions, gadgets, gizmo’s and a fantasy market. So what are you waiting for; collect your gear, get the steam engine started and bring plenty of people. This will be a weekend to remember!

Aus Deutschland sind unter Anderem die Mitglieder des Dampfzirkus Papenburg, das Wupperdampf Laboratorium und die Steampunk Expeditionsgesellschaft mit dabei.

WuppDampCircSEG

Aber natürlich darf das Fantasiafest auch ohne Zeltübernachtung besucht werden! Tickets sind noch im Vorverkauf erhältlich und hier zu bestellen. 9€ für die Tageskarte, 25€ für das gesamte Wochenende inkl. Freitag. (Tageskasse gibt es natürlich auch.)

Fantasia

Die Abenteuer des Richard Dean Donahue - Teil 6

„Nein … das war Graham!“, entgegnete Dean, warf die Schatulle in seine Tasche, packte sie mit der Linken und Amys Arm mit der Rechten. „Verschwinden wir von hier!“

Ohne auf ihre Proteste zu achten, zerrte er sie mit sich durch den schwarzen Vorhang, der Grahams Privaträume vom Laden trennten. Sie durchquerten eine schmuddelige Küche und einen zugestellten Gang. 

„Dort geht es hinaus!“ Mit einem erleichterten Lächeln steuerte er die kleine Tür an, die sich hinter einem alten Kleiderschrank mitten im Flur verbarg. Aus dem Laden erschollen harsche Stimmen.

„Was sagen die? A-re-teh?“ Er runzelte die Stirn, hielt aber nicht an. „Ist das auch ägyptisch?“

„Arrêtez! Das ist französisch, Sie Banause, und heißt soviel wie „Stehenbleiben“!“ Amy drückte probeweise die Klinke und schob die Tür auf. „Was jetzt?“

„Jetzt machen Sie, dass Sie davonkommen! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Franzosen keinen Spaß verstehen“, sagte Dean und zog die Maggy. 

„Ist das Ihr Ernst? Ich kann Sie doch nicht einfach hier zurücklassen!“

Er warf ihr einen strengen Blick zu, als sie zögerte.

„Das können Sie, glauben Sie mir. Los jetzt, verschwinden Sie!“

Sie schenkte ihm ein sachtes Lächeln, das ihre Augen zum Leuchten brachte. „Ich danke Ihnen, Mister Donahue. Passen Sie auf sich auf … und falls Sie diese Kerle abschütteln können, dann treffen Sie mich an der Universität, ja?“

„Mache ich, versprochen.“

Als sie nach draußen verschwunden war, lehnte er die Tür an, sodass kein Sonnenlicht in den dunklen Flur fiel, und zielte mit der Maggy in Richtung Küche. Nur wenige Augenblicke später zeigte sich ein bärtiges Gesicht in seinem Blickfeld. Dean senkte die Waffe eine Winzigkeit und drückte ab. Der Lauf zischte kaum hörbar, als die kleine Druckluftpumpe nach unten schoss, dann ging das Bartgesicht zu Boden und ächzte. Zwei  Männer eilten zu ihm und beugten sich über ihn; Dean machte einen Schritt zur Seite, sodass er sie beide im Blick hatte, zielte und schoss zwei weitere Male. Ehe auch nur einer von ihnen reagieren konnte, lagen sie neben ihrem Kumpanen und krümmten sich vor Schmerzen.

„Geht doch!“ Mit zufriedenem Gesicht steckte er die Maggy ins Halfter und griff nach seiner Tasche.

Wenige Minuten später stand er im Sonnenlicht und blinzelte, während sich seine Augen daran gewöhnten. Nur wenige Meter von ihm entfernt gluckerte hinter einem kleinen Mäuerchen der Fluss, dessen Verlauf er bis hierher gefolgt war. Beschwingt wollte er sich davonmachen, als ein Schrei erklang.

„Dean! Laufen Sie, Dean!“

Ruckartig drehte er den Kopf und entdeckte Amy; zwei grobschlächtige Kerle hatten sie gepackt und zerrten sie mit sich. 

„Lasst sie sofort los!“ Er riss die Maggy aus dem Halfter und lief mit gestrecktem Arm auf sie zu. „Loslassen, habe ich gesagt!“

„Gib uns das Auge“, rief einer der beiden, „und der Kleinen wird nichts passieren!“

Er hatte den schweren, schleppenden Akzent eines Franzosen; Dean hätte ihn fast nicht verstanden.

„Geben Sie es ihnen nicht!“ Ehe Amy noch weitersprechen konnte, hielt ihr der andere eine Hand vor den Mund und erstickte damit ihre Schreie.

„Ok, ganz ruhig!“ Dean senkte die Hand mit der Maggy, um nicht mehr auf die beiden zu zielen, und deutete dann mit dem Lauf auf seine Tasche. „Es ist hier drin. Ihr bekommt es, wenn ihr sie loslasst!“

„Blödsinn! Dreh erst einmal deine Hosentaschen nach außen und beweis uns, dass du das Auge nicht irgendwo anders versteckst!“

Amy quietschte, als einer der beiden sie fester packte; Dean biss die Zähne aufeinander.

„Schon gut, ist ja gut!“  Er stellte die Tasche ab, zog seinen Gehrock aus und tat wie befohlen. „Seht ihr? Nichts da, außer meiner Geldbörse, und in die passt das Auge sicher nicht!“

„Dann wirf die Tasche rüber – oder der Kleinen passiert was!“

Dean hob seine Tasche an und lächelte grimmig. Allmählich begann er es zu hassen, wie ihm alle Welt Befehle erteilte.

„Meint ihr etwa die hier?“

Ehe einer der beiden noch reagieren konnte, holte er weit aus und warf die Tasche im hohen Bogen über das Mäuerchen in den Fluss dahinter.

„Holt sie euch doch!“

Die Franzosen fluchten; der Wortführer bedeutete seinem Kumpanen, der davontreibenden Tasche nachzufolgen und fuchtelte dabei wild mit seiner Pistole durch die Luft.

Während dieses Durcheinanders warf Dean sich seinen Gehrock über die Schulter, hastete los, legte die Maggy erneut an und schoss im vollen Lauf.

„Ducken!“, rief er dabei, und Amy duckte sich geistesgegenwärtig. Als er sie erreichte, lagen zwei weitere Männer vor Schmerzen stöhnend am Boden. Ohne anzuhalten, packte er seine Begleiterin an der Schulter, riss sie hoch und zog sie hinter sich her. Die Maggy wanderte dabei zurück ins Halfter.

„Was … was war das?“, stammelte sie und wurde noch bleicher als ohnehin schon.

„Druckluft“, erwiderte er atemos. „Schon mal von George Westinghouse gehört?“

„Noch nie.“ Mit einem Mal stemmte sie sich gegen seinen Griff. „Warten Sie – das Auge!“

„Vergessen Sie das Auge, wir müssen hier verschwinden! Wer weiß, wieviele von den Kerlen sich hier noch herumtreiben.“

Dean packte sie fester und schaffte es, sie zum Weiterlaufen zu bewegen. Rasch verließen sie die Gasse und rannten über die nächste Straße.

„Dort hinüber!“ Er deutete zu einem Droschkenstand, an dem die guten, alten Pferdewagen warteten. Amy nickte, lief hinüber und beeilte sich, in das vorderste Gefährt einzusteigen; Dean tat er es ihr gleich und beugte sich nach vorne zum Kutscher. „Zur Universität – aber schnell!“

Der Kutscher nickte, wenig beeindruckt von der Hektik, die sie verbreiteten, und ließ die Peitsche knallen. Mit einem Ruck setzte die Droschke sich in Bewegung und gewann schnell an Fahrt. Als Grahams Pfandleihe hinter ihnen verschwunden war, lehnte Dean sich zurück und atmete erst einmal tief durch.

„Sie haben mir das Leben gerettet“, stellte Amy fest, „und dafür haben Sie sogar das Auge aufgegeben.“

Sie musterte ihn beeindruckt.

„Ich war schon immer ein Romantiker.“ Er grinste schief, spürte aber, wie sich sein Magen zusammenballte. „Geht es  ihnen gut?“

„Mit mir ist alles in Ordnung“, versicherte sie und schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Ich wünschte nur, unser kleines Abenteuer hätte einen glücklicheren Verlauf genommen!“

„Wir sind am Leben und es geht uns gut – was sollen wir schon mehr verlangen?“

„Das ist das Motto Ihres Lebens, hm?“

„Sieht so aus.“ Mit schiefem Grinsen warf er sich seinen Gehrock über und überprüfte, ob seine Börse noch an ihrem Platz war. „Wenigstens bin ich nicht vollkommen mittellos.“

„War etwas Wertvolles in ihrer Tasche? Ich meine … außer dem Auge.“

Dean dachte an das Portrait Ashleys, das in einem Geheimfach im Innenfutter steckte, und lächelte traurig. „Nichts von Geldwert. Wissen Sie, was ich mich frage? Warum ausgerechnet … Franzosen?“

Amy zuckte mit den Schultern. „Vielleicht Nachfahren  Mariettes? Ich kann mir gut vorstellen, dass er mit den Schätzen, die er in sein Heimatland geschmuggelt hatte, für einiges Aufsehen sorgte. Aber wissen Sie, was mich vielmehr interessieren würde? Warum gerade jetzt? Wieso tauchten Sie ausgerechnet heute bei Graham auf?“

„Das wiederum kann ich ihnen erklären: Sie waren dem Auge schon länger auf der Spur, aber nicht so clever wie wir.“ Dean grinste schief. „Andrew McCormick war tot, als ich bei ihm auftauchte, aber ich fand eine Nachricht bei ihm, die mich zu Graham führte. Wahrscheinlich hatten die Franzosen ihm vor mir einen Besuch abgestattet …“

Amy fröstelte; urplötzlich hatte er das Bedürfnis, einen Arm um ihre Schultern zu legen.

„Hören Sie, Amy“, fuhr er mit ernster Stimme fort, „ich möchte, dass Sie die nächste Zeit den Kopf unten halten … nur für den Fall, dass die Franzmänner an der Universität auftauchen sollten.“

Angst flackerte in ihrem Blick. „Aber wieso sollten sie das tun? Sie haben doch jetzt, was sie wollten!“

„Ich weiß, nur … ich meine … nur zur Sicherheit. Verstehen Sie?“ Erst als sie nickte, rang er sich ein beruhigendes Lächeln ab. „Gutes Mädchen.“

„Wir sind da“, sagte der Kutscher über die Schulter.

Dean drückte ihm etwas Geld in die Hand, blieb aber sitzen, nachdem Amy ausgestiegen war.

„Was haben Sie jetzt vor?“, fragte sie zögerlich, als sie vor der Droschke stand und zu ihm aufsah.

„Ich denke, ich fliege zurück nach Inverness.“ Er seufzte. „Ich habe da ein paar Dinge zu klären. Und dann … mal schauen.“

„Dann wünsche ich Ihnen viel Glück dabei.“ Sie lächelte, trat noch einmal näher. „Mister Donahue?“

„Ja?“

„Wer ist George Westinghouse?“

Er lachte auf. „George Westinghouse ist ein Großindustrieller aus New York, der ein Faible für seltsame Erfindungen hat. Ich hatte einmal das Glück, seine Frau Marguerite kennenzulernen, die … eine gewisse Leidenschaft für meine Person entwickelte.“ Er wackelte mit den Brauen und grinste breit, als Amy errötete. „Bevor ich New York verließ, erzählte sie mir von dem Prototypen einer Druckluftwaffe, die ihr Mann entwickelt habe – eine Pistole, die man nicht nachladen müsse, weil sie keinerlei Munition benötige, die so leise wie ein Flüstern sei – und außerdem nicht tödlich. Klang nach der perfekten Waffe für mich, also überredete ich sie, sie für mich aus dem Safe ihres Mannes zu stehlen und mir zu überlassen.“

Er klopfte auf sein Revers, unter dem die Maggy ruhte.

„Sie sind wirklich kein Gentleman, oder?“, erwiderte Amy, musste dabei aber lächeln. „Leben Sie wohl, Mister Donahue. Ich hoffe wirklich, dass Sie eines Tages in ihre Heimat zurückkehren können … ich glaube, jemand wie Sie sollte Amerika niemals verlassen.“

Er sah ihr nach, bis sie zwischen den Bäumen des Campus verschwunden war, und lächelte wehmütig.

Die Abenteuer des Richard Dean Donahue - Teil 5

Dean Village war ein ähnlich heruntergekommenes Viertel wie Oldtown, und er war froh, die Maggy an seine Seite geholt zu haben, auch wenn ihm niemand Beachtung zu schenken schien. Er folgte dem Ufer des Water of Leigh und passierte auf seinem Weg Dean Cemetery, einen gigantischen Friedhofkomplex. Ihn fröstelte, als er daran vorüberging, und er beschleunigte seinen Schritt, bis er in die Gasse einbog, in der sich sein Ziel befand. Als er die Adresse vom Zettel erreichte, stand er von einer kleinen, ungastlichen Pfandleihe; aber das war es nicht, was ihn überraschte.
„Amy!“
Sein Ruf ließ Amy Rhind, die gerade von der anderen Seite in die Gasse eingebogen war, zusammenzucken. Im Tageslicht konnte er sehen, dass sie blass wie eine Mesmeritin war; kein Wunder, wie er befand, wenn sie den ganzen Tag in finsteren Archiven hockte. Die helle Haut stand in krassem Kontrast zu ihrem schwarzen Haar und verlieh ihr etwas Puppenhaftes – zum ersten Mal fiel ihm auf, dass sie wirklich hübsch war, auch wenn ihre biedere, strenge Kleidung den Eindruck ein wenig trübte. Während sie nähertrat, fragte er sich, wie sie sich wohl mit gelockertem Blusenausschnitt und offenen Haaren machen würde.
„Mister Donahue!“ Sie lächelte flüchtig. „Na sowas!“
„Was machen Sie denn hier?“ Er runzelte die Stirn, als sie nähertrat.
„Na … Sie wollten doch, dass ich mich erkundige, wo man in dieser Stadt am ehesten gestohlene Objekte aus dem alten Ägypten versetzen kann“, verteidigte sie sich. Dabei wirkte sie fast ein wenig beleidigt. „Das habe ich getan, und mir wurde diese Adresse hier genannt.“
„Sie sollten sich in diesen Gegenden wirklich nicht alleine herumtreiben.“ Grinsend hob er den Zeigefinger. „Das ist gefährlich!“
Sie schnaubte undamenhaft und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich will nur sichergehen, dass dem Blauen Auge des Horus nichts zustößt.“
„Wie ein weiterer Diebstahl?“ Er zuckte mit den Schultern. „Hoffen wir, dass es überhaupt hier ist.“
„Nun … Sie sind hier, also schätze ich, dass Sie eine Spur haben, oder?“
„Sie kennen mich ziemlich gut, dafür, dass Sie mich eigentlich … überhaupt nicht kennen“, stellte er fest, und sie lachte auf.
„Ach, bitte. Sie sind ein wandelndes Klischee! Der rauhe Texaner, der sich als einsamer Wolf durch die Welt schlägt und Abenteuer erlebt.“ Ihre Augen leuchteten mit einem Mal. „Ich wette, Sie tragen immer eine Waffe bei sich!“
„Sie haben meinen Akzent schnell erkannt“, murmelte er und unterdrückte den Drang, an sein Revers zu greifen, unter dem sich die Maggy verbarg.
„So schwer war das nicht. Also, wollen wir hineingehen?“
In „Grahams Pfandhaus“ war nur wenig Platz für Kunden; bis zur Decke reichende Regale bildeten schmale Gänge, die noch schmaler wurden durch das Gedränge auf den Regalbrettern. Überall stapelten sich Bücher, Schriftrollen und hölzerne Kästchen in allen möglichen Variationen, Formen und Farben. Es war still und die wenigen Lampen sorgten für diffuses Zwielicht. Ein seltsamer, staubiger Geruch lag über dem ganzen Geschäft.
„Ist hier jemand?“, rief Dean, und wie zur Antwort rumpelte es im hinteren Bereich. „Hallo?“
„Hier drüben!“ Die Stimme klang alt und heiser.
Als Dean und Amy ihr folgten, fanden sie einen kleinen Mann mit schütterem, weißem Haar und Nickelbrille auf der Nase, der vor einer großen Ebenholzkiste stand.

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„Hübsches Ding“, sagte Dean und zeigte darauf. „Sind Sie Graham?“
„Unverkäuflich“, antwortete der Mann und schloss sie mit einem Rumms. „Der bin ich. Was kann ich für Sie tun?“
Ein wenig missmutig musterte er Dean und Amy. Wahrscheinlich hatte er nur wenig Laufkundschaft.
„Wir suchen etwas, und glauben, dass Sie uns dabei behilflich sein könnten, Mister Graham“, sagte Amy. „Es handelt sich dabei um …“
„Moment“, unterbrach Dean sie und öffnete seine Tasche. Als er die Skizze herauszog und vorzeigte, verschloss sich Grahams Miene.
„Wer hat Sie geschickt?“
„Sie wurden uns von Andrew McCormick empfohlen. Also, haben Sie das Auge?“
Graham musterte Dean eingehend, ehe er nickte. „Hab ich. Ist aber ganz schön teuer.“
„Das ist kein Problem, Geld besitze ich zur Genüge. Also, kommen wir ins Geschäft?“
„Sicher, wieso nicht? Warten Sie hier. Aber nichts anfassen!“
Der kleine Hehler verschwand hinter einem schwarzen Vorhang, seine Schritte verklangen.
„Darf ich das mal sehen?“ Amy griff nach der Skizze und betrachtete sie fasziniert. „Wie kommt es nur, dass er doch so schnell mit der Sprache herausgerückt ist? Er kennt uns nicht einmal … wir könnten ebensogut von der Polizei sein!“
„Ich, mit meinem Akzent, von der Polizei? Ach, bitte!“ Dean lachte und musterte sie, während sie die Zeichnung studierte. „Sie haben vorhin gesagt, dass Sie mit diesem Kram aufgewachsen sind. Wie haben Sie das gemeint?“
„Sagt ihnen der Name Alexander Henry Rhind etwas?“
„Nein. Wer ist das?“
„Mein Vater … und ein bedeutender Ägyptologe. Er entdeckte das nach ihm benannte Papyrus Rhind, eine altägyptische Abhandlung zur Mathematik.“
„Klingt langweilig“, erwiderte Dean und gähnte. Als er ihren kalten Blick bemerkte, fuhr er eilig fort: „Aber ich bin mir sicher, dass Ihr Vater ein toller Typ ist!“
„War“, verbesserte sie ihn. „Mein Vater starb, kurz bevor ich drei wurde.“
„Das tut mir leid. Hey …“ Als sie zur Seite wegsah, griff er nach ihrer Schulter und lächelte sacht. „Ich wollte kein Arsch sein. Klingt so, als hätte er wirklich etwas geleistet … und als stünden Sie ihm da in nichts nach.“
Amy drehte den Kopf weiter, trotzdem konnte er ihr leichtes Lächeln sehen.
„Was ist mit Ihnen?“, fragte sie. „Wie kommen Sie dazu, in einer Pfandleihe in Edinburgh zu stehen und verschollene, ägyptische Artefakte zu suchen?“
„Eine lange Geschichte“, erwiderte er lapidar. „Ich schätze, begonnen hat alles damit, dass ich zu Unrecht des Mordes beschuldigt wurde. Sie wissen schon“, er grinste, „das wandelnde Klischee …“
Sie riss die Augen auf. „Oh Gott! Was ist denn geschehen?“
„Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort, das ist alles. Sagt ihnen der Name Haverstedt etwas?“
„Nein, nicht wirklich.“
„Tja, in Alburquerque, New Mexico, kennt jeder Harold Haverstedt. Er ist Eisenbahngroßunternehmer und hat viel für den Aufbau der Stadt getan. Vor etwa zwei Jahren hat jemand seine Frau ermordet. Hat ihr einfach den Hals aufgeschlitzt, von einem Ohr zum anderen.“

„Das ist ja schrecklich!“ Entsetzt schlug Amy die Hände vor den Mund.
„Das war es wirklich“, sagte er leise. „Ich war bei den beiden zu Gast, durfte bei ihnen übernachten. Als ich von Kampflärm geweckt wurde, rannte ich zu ihrem Schlafzimmer, fand den Hausherrn bewusstlos am Boden und seine Frau … naja.“
„Was haben Sie dann getan?“
„Was wohl? Ich war der Einzige, der sich im Haus aufhielt, denn die Dienerschaft verließ das Anwesen abends. Also machte ich, dass ich davonkam.“ Er grinste schief, als er ihre Irritation bemerkte. „Sie hätten mich verurteilt, ohne mich auch nur anzuhören. In New Mexico fackelt man nicht lange, wenn man einen guten Schuldigen zur Hand hat.“
„Und seitdem sind Sie auf der Flucht?“
„So ist es. Erst reiste ich durchs Land, dann blieb ich eine Weile in Chicago. Aber Haverstedt hetzte mir seine Leute auf den Hals, ganz egal, wohin ich auch ging … also verließ ich Amerika.“
„Sie vermissen es“, stellte Amy fest und betrachtete ihn mitfühlend, „Sie vermissen Amerika wirklich, oder?“
„Was soll ich sagen? Ein guter Brite werde ich wohl nie.“ Dean grinste und rieb sich die Stirn. „Schwamm drüber. Ich bin am Leben und mir geht es gut; mehr habe ich eigentlich nie verlangt. Wer weiß, vielleicht klärt sich die Sache mit Lina Haverstedt ja irgendwann auf, dann bin ich aus dem Schneider.“
„Das hoffe ich für Sie. Wirklich.“
Amys Anteilnahme war aufrichtig, und das rührte ihn. Er dachte an Ernest Silverman, der ihn durch fünf Staaten und schließlich bis nach Schottland verfolgt hatte, nur um ihn am Ende laufen zu lassen. Vielleicht hatte sich sein Problem damit ja wirklich erledigt! Vielleicht konnte er sogar zurück nach Chicago, Ashley suchen, sie fragen, ob sie ihm noch eine Chance geben würde …
„Hier haben wir das gute Stück.“ Während er gegrübelt hatte, war Graham zurückgekehrt und öffnete nun eine kleine Schatulle, um ihnen den Inhalt zu präsentieren.
„Ich fasse es nicht!“ Vor lauter Aufregung konnte Amy nur mehr flüstern.
Dean beugte sich neugierig über ihre Schulter und warf selbst einen Blick hinein. Vor ihnen, auf schwarzen Samt gebettet und im schwachen Licht schimmernd, lag das Blaue Auge des Horus. Die Skizze, die man davon angefertigt hatte, war tatsächlich maßstabsgetreu und ließ kein Detail aus. Dean fragte sich, wie man die Feinheiten in den seltsamen, blauen Stein gearbeitet hatte, ohne, dass er zerbrochen war. Ihn fröstelte, als er wieder dieses Gefühl hatte, vom Auge beobachtet zu werden – diesmal noch stärker, als nur bei der Skizze. Nein, dieses Auge erwiderte seinen Blick auf eine unheimliche Weise. Rasch sah er weg.
Im vorderen Bereich öffnete sich knirschend die Eingangstür; Graham klappte das Kästchen wieder zu, als Stimmen erklangen.
„Nervös, hm?“ Dean grinste.
„Nicht mehr als du, Freundchen!“ Der Hehler deutete auf seine Hand, die automatisch zum Revers gewandert war. Er schnaubte, als Dean lachend die Hände hob, und stellte das Kästchen hinter sich ins Regal.
„Ich bin gleich wieder da. Und Finger weg von dem Auge, sonst …“ Er deutete auf seinen Rücken.
Erst verstand Dean nicht, was er meinte, doch als der Alte sich an ihnen vorbeidrängte, um nach vorne zu gehen, entdeckte er die Schrotflinte über seiner Schulter.
„Grundgütiger!“
Amy, die die gleiche Entdeckung gemacht hatte, starrte ihm nach.
„Sie haben ihn gehört!“ Dean grinste. „Finger weg vom Auge!“
„Wir müssen es aus diesem Laden bringen!“, flüsterte sie aufgeregt. „Das Auge gehört nicht hierher, es … es muss in ein Museum oder ähnliches!“
„Oder ähnliches“, murmelte Dean und dachte an den feinen Gentleman aus den Sümpfen. „Also schön. Schmuggeln wir das gute Stück hier heraus, dann sehen wir weiter.“
Er griff nach der Schatulle; im gleichen Moment gab es vorne im Laden einen Knall, dann schrie jemand.
„Das war Graham!“, stieß Amy aus.
Ein ohrenbetäubendes Donnern zerriss die Luft und ließ sie beide zusammenzucken.

Die Abenteuer des Richard Dean Donahue - Teil 4

Der nächste Teil der Geschichte um Richard Dean Donahue von A.G. Piel mit Illustrationen von Felix Moebius.

„Das ist der altägyptische Ausdruck für einen Diener.“ Rasch zog sie sich zurück.
„Da haben Sie wohl recht. Hey, wenn Sie schon so schlau sind, dann können Sie mir doch bestimmt bei meinen Nachforschungen helfen, oder?“
„Kommt ganz darauf an.“ Ihr Blick wurde skeptisch. „Worum geht es denn?“
Dean zeigte auf die beiden Bücher. „Ich müsste mehr über dieses Horusauge erfahren. Können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten?“
Die Frau zögerte kurz, doch er konnte in ihrem Mienenspiel erkennen, wie gerne sie sich mit ihm unterhielt; für eine einfache Bibliothekarin kannte sie sich offenbar gut aus, und er vermutete, dass sie nur selten dazu kam, ihr Wissen an den Mann zu bringen.
„Also schön. Folgen Sie mir.“
Sie nahm die Bücher wieder auf, schenkte ihm ein unsicheres Lächeln und führte ihn zu dem stickigen, kleinen Kabuff, das sie an der Eingangspforte der Bibliothek besetzte. Während er sich auf einen von zwei Hockern setzte, stellte sie ein „Bin gleich wieder da!“-Schild vor die Glasscheibe zum Gang hin und zog die Gardinen davor zusammen.
„Nun gut. Das Blaue Auge des Horus.“ Sie setzte sich ihm gegenüber und biss sich nachdenklich auf die Unterlippe, ehe sie fortfuhr. „So wirklich viel gibt es darüber nicht zu erzählen. Es stammt aus dem Serapeum von Sakkara und wurde dort wahrscheinlich um 1851 von Auguste Mariette geborgen.“
„Moment … den Namen habe ich gerade erst gelesen.“ Aufgeregt studierte Dean seine Notizen. „Hier … Auguste Ferdinand François Mariette. Der Kerl hat 1860 bei Gizeh gebuddelt, nicht wahr?“
Die Bibliothekarin lächelte gequält. „So könnte man es ausdrücken. Als er das Serapeum fand und freilegte, hatte er auf jeden Fall keinerlei behördliche Befugnis dazu, und auch sonst benahm er sich reichlich … ungastlich. Er plünderte die Stätte und schmuggelte eine Vielzahl kostbarer Gegenstände nach Frankreich. So gelangte auch das Blaue Auge des Horus nach Europa.“
„Was ist ein Serapeum? Eine Art Grabstätte?“
„So ist es, genauer gesagt: eine Grabstätte für heilige Stiere. Aber das sagt wenig über das Auge aus – der Fund an diesem Ort ist eher ungewöhnlich. Die wenigen Leute, die es jemals in der Hand hielten und begutachten durften, waren der Meinung, dass es durch Zufall dort gelandet sein musste.“
Dean machte eine wegwerfende Handbewegung. „Wo ist es jetzt?“
„Das ist das Problem – man weiß es nicht. Zwei Monate nachdem es in Paris auftauchte, verschwand es auch schon wieder. Mariette verstarb vor einigen Jahren, und man nimmt an, dass er vor seinem Tode einige der Stücke versteckte, die er einst geborgen hatte – jedenfalls die wertvollsten und ungewöhnlichsten.“
„Was ist denn so besonders an dem Ding?“, fragte Dean stirnrunzelnd, und wieder lächelte die Frau gequält, als er so lapidar sprach.
„Nun, zum einen der ungewöhnliche Fundort, zum anderen werden dem … „Ding“ besondere Kräfte nachgesagt; magische Kräfte, die den Geist vom Körper trennen.“
„Und das glauben Sie?“ Dean prustete, als er ihre ernste Miene bemerkte. „Kommen Sie! Das ist nicht Ihr Ernst, oder?“
„Wenn Sie sich näher mit der Ägyptologie beschäftigen“, erwiderte sie steif, „dann werden Sie schnell feststellen, dass eine Menge seltsamer Dinge möglich sind, Mister …“
„Donahue. Richard Dean Donahue – aber meine Freunde nennen mich Dean.“ Mit einem versöhnlichen Lächeln hielt er ihr die Hand entgegen. Nach kurzem Zögern berührte sie sie flüchtig mit den Fingern.
„Amy Rhind. Freut mich.“
„Nein, tut es nicht, und das kann ich auch verstehen.“ Er beugte sich nach vorne, umfasste rasch ihre Hand und zwinkerte. „Aber ich verspreche, mich ab jetzt besser zu benehmen.“
„Dann sollten Sie meine Hand loslassen, oder Sie brechen ihr Versprechen noch im gleichen Atemzug.“
„Ganz, wie Sie wünschen.“ Lachend ließ er sie los und verschränkte die Arme im Nacken. „Ihr englischen Mädchen seid viel zu leicht aus der Fassung zu bringen.“
Sein Lachen verstummte, als er an Ashley dachte. Amy errötete und senkte den Blick.
„Na, wie dem auch sei … wenn Sie mich nicht mehr brauchen, dann würde ich Sie jetzt bitten, zu gehen.“
„Sie wissen eine ganze Menge über diesen Kram, oder?“, fragte er nachdenklich, ohne auf ihre Bitte Rücksicht zu nehmen.
„Ich bin damit groß geworden“, erwiderte sie und sah sich unwohl um. „Wirklich, Mister Donahue, sie sollten jetzt langsam…“
„Wie wäre es, wenn Sie mir noch ein bisschen länger helfen? Gegen Bezahlung, versteht sich.“
„Mister Donahue!“ Amy Rhind richtete sich hoch auf – und reichte ihm dabei doch gerademal bis zum Kehlkopf. „Falls Sie es noch nicht bemerkt haben: Ich liebe meinen Job, und ich mache ihn nicht des Geldes wegen! Deshalb kann mich auch kein Geld der Welt dazu bringen, ihn zu vernachlässigen … und irgendein dahergelaufener, amerikanischer Halunke erst recht nicht!“
Sie zuckte zusammen, als sie feststellte, was sie da gerade gesagt hatte, doch Dean lachte nur.
„Also schön. Solide Einstellung, wie man bei uns zu sagen pflegt!“ Er stand auf und zuckte mit den Schultern. „Schade, aber da kann man wohl nichts machen. Dann muss ich das Auge wohl alleine ausfindig machen.“
Als er sah, wie sich ihr Gesicht erhellte, grinste er.
„Sie meinen … Sie wissen, wo das Blaue Auge des Horus ist?“,
„Ich bin ziemlich nah dran. Aber wenn Sie mir nicht helfen wollen …“
Er wandte sich ab, um das Kabuff zu verlassen.
„Warten Sie! Also schön.“ Amy Rhind seufzte und erhob sich. „Aber wehe, Sie führen mich nur in die Irre, dann können Sie was erleben!“
„Würde mir nie einfallen.“

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Dean setzte Amy auf eine Reihe von Forschern an, die sie an der Universität kannte, dann ging er zurück zur Zentralbibliothek und suchte das Einwohnerregister Edinburghs heraus. Zwar gab es fast zwanzig Andrew McCormicks, aber nur einen, der vor Kurzem dreißig geworden war; zufrieden schrieb er die Adresse ab und verließ den Campus.
Er machte sich auf schnellstem Wege nach Oldtown auf, dem Stadtviertel, in dem McCormick wohnte; dabei trug er die Maggy ausnahmsweise im Halfter unter dem Gehrock und nicht in seiner Tasche. Für ihn roch es nach Ärger, und als er McCormicks heruntergekommene Absteige erreichte, musste er feststellen, dass er wieder einmal recht behalten hatte.
Die Tür stand offen, kein Laut war zu hören; trotzdem zog er seine Waffe und hielt sie im Anschlag, als er eintrat. Andrew McCormick hatte zu Lebzeiten nichts von Sauberkeit und Ordnung gehalten – und jetzt, im Tode, würde er sich noch weniger daran stören. Inmitten einer großen Blutlache, mit dem Gesicht nach unten, lage er auf dem schmutzigen Fliesenboden seiner vermüllten Küche und stank vor sich hin. Er war etwa so groß wie Dean, aber schmaler gebaut, hatte nur Hose und Hemd an, und ein großes Loch im Schädel, hervorgerufen von einer direkt angesetzten Pistole, wie Dean annahm. Froh, dass er die andere Seite des Kopfes nicht sehen konnte, machte er sich daran, das einzige andere Zimmer zu checken, in dem eine Strohmatratze verfaulte, und ging dann zurück zu dem Leichnam, um seine Taschen zu durchsuchen. Wie er feststellen musste, war ihm jemand zuvorgekommen, denn die Futter waren nach außen gekrempelt.
Mit einem frustrierten Laut auf den Lippen erhob er sich; dabei glitt sein Blick über den Toten, vom gelöcherten Kopf, bis zu den Stiefeln … er hielt inne. Die Stiefel. Alles, was McCormick trug, war irgendwie zerschlissen und alt, nur die Stiefel nicht. Dean kniete sich neben sie und betrachtete sie genau, ehe ein Lächeln über sein Gesicht huschte.
„Alter Gauner!“, murmelte er und befühlte die dicken Sohlen. Als er an der Hacke des rechten Stiefels herumspielte, klickte es plötzlich und ein kleines Geheimfach sprang auf. Darin befand sich nicht, wie er enttäuscht feststellen musste, das Blaue Auge des Horus, sondern ein zusammengerollter Zettel. Eine Adresse war darauf geschrieben. Dean merkte sie sich, zerriss den Zettel und warf die Fetzen ins geronnene Blut.
Er verließ die Küche auf schnellstem Wege, hielt aber inne, ehe er die Wohnungstür passiert hatte, drehte noch einmal um und ging zurück. Als er auf die Straße trat, lächelte er zufrieden, trat ein paarmal prüfend mit den neuen Stiefeln auf und machte sich dann auf den zu seiner nächsten Station.

Die Abenteuer des Richard Dean Donahue - Teil 3

Weiter geht es mit Teil 3 der Abenteuer des Richard Dean Donahue von A.G. Piel mit Illustrationen von Felix Moebius.

Nach zwei weiteren Whisky beschloss er, sich den Rest der Nacht lieber direkt am Lufthafen um die Ohren zu schlagen.
Dort angekommen, musste er nur eine halbe Stunde warten, bis der Zoll öffnete und er tatsächlich besagtes Paket ausgehändigt bekam. Darin befanden sich, neben den Hin- und Rückflugtickets nach Edinburgh, zehn Pfund, sowie ein gefaltetes Blatt Papier. Dean starrte das viele Geld lange an, ehe er es in seiner Börse verstaute, dann machte er sich auf den Weg zu seinem Flugplatz.
Während er auf die Ankunft der Kutsche wartete, öffnete er das Papier und entdeckte darauf eine Skizze, die er eingehend betrachtete. Das musste das Blaue Auge des Horus sein.
Den Maßangaben nach musste das Auge etwa fünf Zoll lang und zweieinhalb Zoll breit sein. Es hatte spitze, geschwungene Enden und war aus irgendeiner Art Stein gefertigt, wenn Dean die angedeutete Maserung nicht missinterpretierte. Pupille und Iris waren eingearbeitet, hoben sich farblich aber nicht ab. Während Dean die Zeichnung anstarrte, bekam er mehr und mehr das Gefühl, sie blicke zurück.

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Die Dampfkutschen nach Edinburgh wurden kurze Zeit später ausgerufen. Mit unbewegter Miene sah er zu, wie ein Dutzend der schweren, schwarzen Gefährte aus dem Himmel herabsank und zischend landete. Der charakteristische Ausstoß von weißem Dampf, kurz nach dem Absacken am Boden, ließ ihn zusammenzucken. Ein Schaffner in taubengrauer Uniform trat an ihn heran, lochte sein Ticket und verwies ihn an Eintritt Nummer Drei, nachdem er kritisch sein malträtiertes Gesicht betrachtet hatte.
Außer Dean stand niemand an der Kutsche an. Ihm was es nur recht, dass er alleine flog. Niemand musste sehen, wie er in Schweiß ausbrach, sobald es in die Lüfte ging. Dean hasste das Fliegen nach wie vor, und in so kleinen Gefährten ganz besonders.
In der Kutscherkanzel saß ein älterer Mann mit weitem, grauem Backenbart, der ihm freundlich zunickte, so als könne er seine Angst riechen. Dean schenkte ihm ein gequältes Lächeln und stieg ein, ehe er es sich noch anders überlegte. Die Aussicht, im Sumpf ermordet zu werden, erschien ihm plötzlich beunruhigend reizvoll.
Kaum dass er auf der roten Lederbank saß, stellte er seine Tasche ab und zog hastig die dünnen Gardinen vor den Fenstern zu. Die Kutsche brummte unter ihm und ließ seine Beine sacht vibrieren. Er reiste nobel, doch er vermutete, dass es seinen mysteriösen Auftraggebern mehr um die Schnelligkeit des Fortbewegungsmittels ging; mit einer gewöhnlichen Kutsche benötigte man Tage von Inverness nach Edinburgh.
Sein Finger verkrampften sich an den goldenen Haltegriffen, als das Brummen schlagartig zunahm. Der Schaffner pfiff, dann begann der Luftkutscher mit dem Ablegemanöver. Dean schloss die Augen und presste sich hart mit dem Rücken ins Polster. Er entspannte sich erst, als das Rauschen des Lufthafens verklungen war und das aufgeregte Schnaufen der Kutsche zu einem zufriedenen Summen wurde.
Voll Widerwillen zwang er sich dazu, die Haltegriffe loszulassen und die Augen zu öffnen. Er hatte etwa drei Stunden Zeit, die er, seinem Zustand nach, dringend mit Schlafen verbringen sollte, aber dafür war er selbstredend zu nervös. Nachdem er zweimal die Maggy durchgecheckt hatte, überflog er ein weiteres Mal die Nachricht aus der „Tavern“.
W.H. Ein beliebiges Kürzel, aber Dean war sich sicher, dass sich dahinter der seltsame Gentleman aus den Sümpfen verbarg. Er legte die Zeichnung des Auges neben den Brief und verglich die Schrift der Maßangaben mit der W.H.’s – es war nicht dieselbe.
Seufzend griff er nach dem Sprechrohr, das ihn mit der Kutscherkanzel verband, und brachte seine Lippen nah davor.
„Entschuldigung, aber … stammen Sie zufälligerweise aus Edinburgh?“
Es knackste und krächzte, ehe die Stimme des Luftkutschers blechern zurückscholl: „Dort geboren und aufgewachsen, ja. Worum geht’s?“
„Ich bräuchte die Adresse einer guten Bibliothek. Können Sie mir etwas empfehlen?“
„Wie wär’s mit der Universität? Mehr Bücher gibt’s nirgendwo sonst.“
Dean überlegte kurz, ehe er weitersprach: „Wäre es ein großer Umweg, mich dort direkt abzusetzen? Ich meine … außer mir befindet sich doch gerade niemand hier drin.“
„Ein guter Witz!“ Der Kutscher lachte. „Tut mir leid, aber das geht nicht. Die Bestimmungen sind eindeutig.“
„Und wenn ich mir das ein Pfund kosten lasse? Kommen Sie, Mann … ein ganzes Pfund!“
Der Kutscher schwieg lange, dann öffnete sich neben dem Sprechrohr ein kleines Messingfach. „Packen Sie das Geld da rein. Wenn Sie mir wirklich ein Pfund zahlen, soll’s mir recht sein – dafür fliege ich Sie bis nach London, wenn’s sein muss!“
Dean tat wie geheißen; das Fach schloss sich wieder, etwas rasselte, gleich darauf hörte er wieder die Stimme des Kutschers: „Also schön. Nächster Halt: Universität von Edinburgh!“
Als er sich zurücklehnte, meinte er ein leises „Verrückter Amerikaner!“ zu hören, doch er kümmerte sich nicht darum, sondern schloss die Augen und versuchte, eine halbwegs bequeme Position auf der Polsterbank zu finden. Nach wenigen Minuten des stillen Verharrens fluchte er und holte die Maggy hervor, um ein drittes Mal den Sitz der vielen kleinen Schrauben und Rädchen zu kontrollieren.

Etwa dreieinhalb Stunden später sank die Dampfkutsche auf dem privaten Landeplatz der Universität von Edinburgh zu Boden. Das Zischen war noch nicht vollständig verklungen, da öffnete Dean schon die Klappe, sprang heraus und lief los, dankbar für den festen Untergrund unter seinen Stiefeln. Als er die dichte, weiße Wolke verließ, prallte er beinahe mit zwei Studenten zusammen, die das Spektakel neugierig beobachtet hatten.
„Sind Sie ein Dozent?“, fragte einer von ihnen großäugig.
„Klar. Für Archäologie!“, antwortete er grinsend, tippte sich an seinen imaginären Stetson und ging schnell weiter.
Es dauerte nicht lange, bis er sich zur Zentralbibliothek durchgefragt hatte. Dort wiederum wurde er in den Keller verwiesen, als er sich nach einem Register zu den Gesellschaften, Vereinigungen und Bündnissen Schottlands erkundigte.
Er benötigte fast eine Stunde, bis er endlich den richtigen Index zur Hand hatte und die Signaturen weiterer Bände herausschreiben konnte, in denen es einen Vermerk über die Gesellschaft zur Pflege erhaltenswerter Kleinode gab. Es erstaunte ihn nur wenig, dass die meisten dieser Bände in der Bereichsbibliothek der ägyptologischen Forschung zu finden waren. Dort angekommen, trug er alles zusammen, was er zu der Gesellschaft fand; allzuviel war es nicht.
„1821 gegründet“, murmelte er und notierte sich das Datum, „Hauptsitz unbekannt, Mitgliederzahl unbekannt, Einnahmequellen, Wirkbereich, Absichten … wer hätte es gedacht? Weitgehend unbekannt. Förderer der archäologischen Ausgrabungen bei Gizeh durch Auguste Ferdinand François Mariette im Jahre 1860.“
Mit einem Seufzen richtete er sich auf. Ihm tat vom vielen Bücherschleppen und gebeugten Lesen schon der Rücken weh. Die Bibliothekarin, ein junges Ding mit schwarzem Haar und schüchternem Lächeln, näherte sich ihm vorsichtig. „Kann ich noch etwas für Sie tun?“
Sie musterte sein zerschlagenes Gesicht und ihr Lächeln wurde mitleidig.
„Das können Sie tatsächlich. Haben Sie irgendwelche Informationen über das Blaue Auge des Horus? Ich weiß, dass das wahrscheinlich ein bisschen vage ist, aber…“
„Oh, die habe ich tatsächlich!“ Die Frau strahlte ihn an. „Warten Sie hier!“
Erstaunt sah Dean ihr nach. Nur wenige Minuten später kehrte sie zurück und legte zwei kleine Bücher vor ihm ab.
„Hier, bitte.“
„Danke schön.“ Er schenkte ihr das freundlichste Lächeln, das sein blaugrünes Gesicht hergab, und blätterte in den Büchern. Nach einigen Minuten hob er den Blick wieder und begegnete dem der Bibliothekarin.
„Ist halb so schlimm, wie es aussieht“, sagte er und deutete grinsend auf seine Visage.
„Oh, das ist es nicht“, sagte sie schnell und errötete. „Es ist nur … Ihr etwas ungewöhnlicher Halsschmuck. Ich habe ihn gerade bewundert.“
Unwillkürlich glitt Deans Hand zu dem Narbengebilde an seiner Kehle.
„Ach, das … ja.“ Er lächelte verlegen. „Eine Jugendsünde…“
Die Brauen der Frau schossen erstaunt in die Höhe. „Sie haben offenbar seltsame Sitten in Amerika, wenn Sie sich dort Hieroglyphen in den Hals ritzen lassen.“
„Hiero… Moment, was?“ Aufgeregt griff er nach ihrer Hand und bemerkte seine eigene Geste erst, als sie das Gesicht verzog. „Entschuldigung, könnten Sie das wiederholen?“
„Na, Sie haben eine Hieroglyphe am Hals!“ Sie schüttelte verständnislos den Kopf, beugte sich nach vorne und musterte die Narbe mit zusammengekniffenen Augen. „Wenn mich nicht alles täuscht, ist das … Hem-nisut.“
Dean reckte den Hals, um ihr einen besseren Blick zu gewährleisten. „Und was heißt Hem-nisut?“